Schule im Wandel (SchiWa)

„Schule im Wandel“, zunächst im Rahmen eines qualitätsgeprüften DIPF-internen Wettbewerbs gefördert, ist ein Projekt bestehend aus verschiedenen Teilstudien zur systematischen und historischen Untersuchung der Veränderung des Schulsystems. Den Ausgangspunkt für die Untersuchung bildeten dabei die Gesamtschulstudien von Helmut Fend aus den 1970er Jahren.

Projektbeschreibung

Das Projekt „Schule im Wandel“ besteht seit Juli 2013 und setzt sich aus vier Studien zusammen:

  1. Aufbereitung und Reanalyse der Drei-Länder-Studie von Helmut Fend (Daten aus den Jahren 1978 und 1979 zur Evaluierung der Gesamtschule in Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen),
  2. Zeithistorische Studie zum Wandel pädagogischer und schulpolitischer Diskurse und Praktiken am Beispiel des Flächenversuchs mit Gesamtschulen im hessischen Landkreis Wetzlar,
  3. Vorstudie für ein Follow-up der Fend-Studie an 10 Schulen in Hessen und Rheinland-Pfalz,
  4. Eine erneute Erhebung an den ehemals an der Fend-Studie beteiligten Schulen, um den Wandel der Unterrichts- und Schulkulturen nachzeichnen zu können, ergänzt um zeithistorische Analysen.

Im Rahmen der ersten Studie, die in der Abteilung Lehr- und Lernqualität in Bildungseinrichtungen (LLiB) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Tobias Feldhoff (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, JGU) verantwortet wurde, wurden die Daten der Drei-Länder-Studie von Helmut Fend rekonstruiert und neue Skalierungen sowie Analysen zu Effekten der Schul- und Unterrichtsqualität unter Anwendung heutiger methodischer Standards und Software (z. B. IRT-Skalierung, Mehrebenenanalysen) durchgeführt.

Bei der zweiten Studie, die von Prof. Dr. Sabine Reh (BBF) konzipiert wurde, handelt es sich um eine zeithistorische Analyse zum Wandel pädagogischer und schulpolitischer Diskurse und Praktiken am Beispiel des Flächenversuchs mit Gesamtschulen im hessischen Landkreis Wetzlar. Der Landkreis Wetzlar war im Rahmen der Fend-Studie von besonderem wissenschaftlichem Interesse, weil hier 1971 die Gesamtschule flächendeckend eingeführt, d. h. sämtliche Schulen der Sekundarstufe I in Schulen einer neuen Schulform umgewandelt wurden.

Die dritte Studie besteht aus einer Neuerhebung, die wiederum in Kooperation mit Prof. Dr. Tobias Feldhoff (JGU) zu Beginn des Jahres 2017 an 10 Schulen in Hessen und Rheinland-Pfalz realisiert wurde. Ausgewählte Instrumente, die Fend im Rahmen der Drei-Länder-Studie entwickelt hat, wurden erneut eingesetzt um zu prüfen, inwieweit sie heute gebräuchlichen Gütekriterien noch genügen. Erste Analysen sollen Aufschluss geben über mögliche Veränderungen in den Einstellungen und Praktiken von Lehrkräften im Umgang mit den Schülerinnen und Schülern über die letzten 40 Jahre hinweg.

Eine vierte Studie wird als Drittmittelprojekt von der DFG gefördert. Sie will einen Beitrag zur Geschichte der Schule und des Unterrichts im Kontext der jüngsten Geschichte Deutschlands leisten. Leitend ist die Frage danach, inwiefern und in welcher Weise sich Schul- und Unterrichtskulturen zwischen den 1970er und den 2020er Jahren verändert haben. Ob Motivation und Lernverhalten von Schüler*innen, pädagogische Werte und Normen von Lehrenden, die Beziehungen zwischen allen an Schule Beteiligten oder die Gestaltung unterrichtlicher Lern- und Arbeitsformen sowie des Schullebens insgesamt: Die Studie soll den kulturellen Wandel von Schule und Unterricht sicht- und reflektierbar machen.

Ausgangspunkt der Studie ist die 1978/79 an Gesamtschulen in Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen durchgeführte „Drei-Länder-Studie“ (DLS) von Helmut Fend, in der Einstellungen von Lehrenden und Lernenden zu Schule und Unterricht sowie Lernergebnisse von Schüler*innen differenziert erfasst wurden. Diese Daten sollen nun mit den Daten einer für das Jahr 2023 geplanten, auf freiwilligen und anonymisierten Fragebögen und Tests beruhenden Follow-Up-Studie (FUS) an Schulen der früheren Untersuchung verglichen werden. Der hier möglicherweise zutage tretende Wandel in der Ausgestaltung schulischer Beziehungen und Normen sowie pädagogischer Praktiken und Wissensordnungen wird anschließend im Rahmen schulgeschichtlicher Fallstudien historisch kontextualisiert. Dies kann nicht nur die deutsche Gesellschafts- und Kulturgeschichte „nach dem Boom“ seit den 1970er Jahren bildungs- und schulhistorisch konkretisieren und erweitern helfen, sondern auch einen Beitrag zum Verständnis des Funktionierens der gesellschaftlichen Institution Schule leisten – eine Voraussetzung auch für die zukünftige Gestaltung und Weiterentwicklung von Schule und Unterricht.

Kooperationen

Finanzierung

Die Vorstudien wurde im Rahmen eines DIPF-internen Wettbewerbs zur strategischen Weiterentwicklung der Aktivitäten der Abteilungen, finanziert aus dem Overhead der Drittmittel, gefördert, die vierte Studien ist ein DFG-Projekt.

Projektleitung

Projektteam an der BBF

Projektdaten

Projektart: Drittmittelprojekt
Status:
Laufende Projekte
Laufzeit:
07/2013 – 10/2025
Forschungsfeld: Pädagogisches Wissen – Institutionen, Praktiken und Akteure
Kontakt: Julia Kurig