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Erschließung des wissenschaftlichen Nachlasses von Gerd Hohendorf

Erschließung des wissenschaftlichen Nachlasses von Gerd Hohendorf

Im Rahmen des Projekts, gefördert mit Mitteln des Förderkreises Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung e. V., wurde der Nachlass des DDR-Bildungshistorikers und Erziehungswissenschaftlers Gerd Hohendorf (1924–1993) archivfachlich erschlossen.

Projektbeschreibung

Gerd Hohendorf war Erziehungswissenschaftler, Bildungshistoriker und Lehrerbildner in der DDR. Im Januar 1946 wurde er Laienlehrkraft in Hessen und absolvierte 1946/47 den zweiten Lehrgang am Pädagogischen Institut in Weilburg an der Lahn. Die Vorlesungen seines Dozenten Georg Morgenstern über die Geschichte der Pädagogik weckten schon dort sein wissenschaftliches Interesse an diesem Fach. Hohendorf war Mitglied der Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) und der KPD-Schulkommission in Hessen. Er verweigerte die Erteilung des Religionsunterrichts und wurde deshalb aus dem Schuldienst entlassen. In Marburg kannte er den Romanisten Werner Kraus, der einem Ruf an die Universität Leipzig folgte. Auf dessen Veranlassung hin setzte Hohendorf seine Studien 1948 in Leipzig fort. Wie seine  dortigen akademischen Lehrer erhoffte er sich auf dem Gebiet der Sowjetisch Besetzten Zone günstigere Bedingungen für die Erneuerung von Wissenschaft, Bildung und Kultur.

Von 1953 bis 1966 arbeitete und lehrte er zunächst am Pädagogischen Institut, dann an der daraus hervorgegangenen Pädagogischen Hochschule Potsdam. 1966 erhielt er einen Ruf an die Pädagogische Hochschule Dresden, wo er bis 1981 in Forschung und Lehre tätig war. Von dort aus wurde Hohendorf an die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR abgeordnet.

Seine Arbeitsschwerpunkte lagen in der Bildungsgeschichte von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges und umfassten die Auseinandersetzung mit der Reformpädagogik, der Bildungspolitik und Pädagogik der deutschen Arbeiterbewegung sowie der Schulentwicklung in Deutschland. Eine seiner letzten Publikationen beschäftigte sich mit der Einrichtung eines Schulmuseums.

Die Leistungen, insbesondere für die Diesterweg-Forschung, und die gesamtdeutsche Ausrichtung von Gerd Hohendorf und seiner Frau Ruth werden ausdrücklich in dem von Christoph Führ und Wolfgang Mitter 1994 herausgegebenen Band „Diesterweg verpflichtet. Beiträge zur deutschen Bildungsgeschichte“ hervorgehoben.

Der Nachlass mit einem Umfang von fünf laufenden Metern ist vollständig in der Archivdatenbank verzeichnet und online recherchierbar:

Der Nachlass ist vollständig in der Archivdatenbank verzeichnet:

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Aus dem Bestand

Die umfangreichste Gruppe des Nachlasses bildet die Korrespondenz. Ihr kommt eine aufschlussreiche Bedeutung hinsichtlich der Vita Hohendorfs zu, der keine eigene Biographie geschrieben und im Nachlass keinen Lebenslauf hinterlassen hat. Außerdem enthalten die Briefe Einschätzungen Hohendorfs und seiner Korrespondenzpartner und -partnerinnen über die Zeit nach 1990, den deutschen Einigungsprozess und zur Rolle von Vertreterinnen und Vertretern der Erziehungswissenschaft und Erziehungsgeschichte in der jüngeren Zeitgeschichte.

Der Einfluss Hohendorfs auf die Entwicklung der Disziplin „Geschichte der Erziehung“ in der DDR, sowohl auf die Forschungsthemen als auch auf das Personal sowie auf die Lehrerbildung, lässt sich an den Dokumenten aus seinen Mitgliedschaften in entscheidenden Gremien und seiner Tätigkeit an den Pädagogischen Hochschulen Potsdam und Dresden sowie an der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR ablesen.
Zu Hohendorfs Lebensdokumenten gehört eine Materialsammlung aus der Zeit seines Studiums am Institut für Lehrerbildung in Weilburg an der Lahn (1947–1948), die sowohl Vorlesungsmitschriften als auch eine von ihm mit herausgegebene Studentenzeitung enthält und somit Einblicke in die von der dortigen britischen Besatzungsmacht mit verantwortete Lehrerbildung ermöglicht.

Finanzierung

Die Erschließung des Nachlasses wurde vom Förderkreis Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung e. V.  gefördert.

Projektleitung

Projektteam

  • Dr. Ursula Basikow

Projektdaten

Status:
Abgeschlossene Projekte
Laufzeit:
01/2014 – 12/2014
Kontakt: Bettina Reimers
zuletzt verändert: 14.05.2017