Logo: Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung

Wandel des Abiturienten-Bildes zwischen 1871 und 1933

Wandel des Abiturienten-Bildes zwischen 1871 und 1933

Das Dissertationsprojekt „Wandel des Abiturienten-Bildes zwischen 1871 und 1933: Rituelle Konstruktion und biographischer Übergang“ untersucht Stabilität und Wandel des Abiturienten-Bildes anhand zeitgenössischer Erwartungen an Abiturient/-innen, wie sie unter anderem von der Schule geprüft wurden, sowie biographische Übergangsmuster, wie sie sich in den jeweilig schultypischen Abiturientenkreisen in der Zeit vom Deutschen Kaiserreichs bis zur Weimarer Republik zeigen.

Projektbeschreibung

Während es in der bildungshistorischen Forschungsliteratur eine relativ gute Untersuchungslage zum Institutionalisierungsprozess des deutschen Abiturs, seiner Funktionalisierung als Hochschulzulassung sowie zur Erforschung der dominierenden Vergabeinstanz Gymnasium gibt, sind seine zentralen, mehrheitlich männlichen Akteure – die ‚Abiturienten‘ – bisher nicht explizit thematisiert worden. Im Promotionsvorhaben „Wandel des Abiturienten-Bildes zwischen 1871 und 1933: Rituelle Konstruktion und biographischer Übergang“, das im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts „Abiturprüfungspraxis und Abituraufsatz 1882 bis 1972“ angefertigt wird, soll insbesondere die Verbindung zwischen jugendlichen ‘Kandidat/-innen’ und ritualisiertem Prüfungsprozess in den Blick genommen werden. Ansprüche an die Absolvent/-innen, Vorstellungen über sie und ihre zu zertifizierende ‚Reife’, wie sie sich in gesellschaftlichen, fachlichen und schulischen Diskursen und in den Prüfungspraktiken abbilden, sollen anhand eines breiten Quellenkorpus (u.a. Verbandszeitschriften, Ratgeberliteratur, Prüfungsakten, weitere schulbehördliche und einzelschulische Dokumente) mithilfe inhaltsanalytischer und hermeneutischer Verfahren nachgezeichnet werden.

Forschungsleitende These ist, dass sich Transformationsprozesse als auch Kontinuitäten im Abiturienten-Bild im Kontext der allmählichen sozialen Öffnung, Expansion und Ausdifferenzierung des höheren Bildungswesens ab Ende des 19. Jahrhunderts zeigen. Vermutlich werden durch das Berechtigungswesen Hierarchien von Schulformen transportiert, die auch Auswirkungen auf das Abiturienten-Bild und soziokulturell geprägte Bildungsentscheidungen haben. Deshalb wird anhand der Abiturient/-innen einzelner Schulen untersucht, aus welchen gesellschaftlichen Milieus sie kamen und die entsprechenden Ergebnisse werden mit bereits vorliegenden sozialhistorischen Befunden zur Bildungsmobilität verglichen. Hierzu werden in kleinen prosopographischen Fallstudien und mit mikrologischen Analysekategorien verschiedene Daten zu Sozialstrukturen der Schülerschaft mit ihren jeweiligen schulischen Bewertungen und Berufs- bzw. Studienwünschen in Korrelation gebracht. In den Blick genommen wird auch die Beziehung von Elternhaus und Höherer Schule, etwa indem untersucht wird, wie biographische Übergänge gestaltet und verantwortet werden.

Unter besonderer Berücksichtigung von vorliegendem Quellenmaterial zu Preußen, das Impulsgeber für viele Bildungsreformen war, wird eine historische Längsschnittanalyse für die Zeit des Deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik angestrebt, um die kommunizierten Bilder des ‚reifen’ Menschen – im gesamten Untersuchungszeitraum noch Jahrgangsminorität – in Abhängigkeit von gesellschaftlichen und schulpolitischen Entwicklungen zu umreißen.

Finanzierung

Die Dissertation findet im Rahmen des Drittmittelprojekts „Abiturprüfungspraxis und Abituraufsatz 1882 bis 1972“ statt.

Qualifikant/-in

Projektdaten

Projektart: Qualifikationsprojekt
Status:
Laufende Projekte
Laufzeit:
05/2018 - 04/2021
Finanzierung:
DIPF
Forschungsfeld: Historische Praxis von Schule, Unterricht und Erziehung
Kontakt: Denise Löwe
zuletzt verändert: 11.04.2019