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Praktiken der Prüfung

Praktiken der Prüfung

Im Thementeil „Praktiken der Prüfung“ der „Zeitschrift für Pädagogik“ wird untersucht, welchen Transformationen die Praxis von Prüfungen im Laufe der Zeit unterzogen war und wie Praktiken der Prüfungen genau das machen, was sie tun. Es wird gefragt, welche Verfahrensweisen und Techniken entwickelt wurden, welche Rituale bei Prüfungen zu beobachten sind, und welche Rückschlüsse daraus gezogen werden können.

Projektbeschreibung

Prüfungen sind zentraler Bestandteil moderner meritokratischer Schulsysteme und können als ein zwar nicht immer akzeptiertes, letztlich aber unabweisbares Moment pädagogischer Praktiken verstanden werden. Historisch gesehen veränderte sich zwischen der frühen Neuzeit und der Gegenwart langsam der Charakter, die Bedeutung und Funktion von Prüfungen, die in Schulen und Universitäten und überhaupt im Zusammenhang des Unterrichtens durchgeführt wurden.

Systematisch gesehen leisten Prüfungen mehrere Dinge. Sie dienen nicht nur der Überprüfung schulisch erworbenen Wissens und jeweiliger Fähigkeiten, sondern sind Praktiken der Selektion oder damit auch des Ausschlusses. Zugleich sind Prüfungen Praktiken der Wissenspräsentation. Schulisch erworbenes Wissen wurde in den Prüfungen darstellbar, auf den Einzelnen zugerechnet und als Leistung des Einzelnen erfassbar. Umgekehrt haben Prüfungen auch zurückgewirkt auf das, was als Wissen in der Schule erscheinen konnte. Die Entwicklung dessen, was in Prüfungen für maßgeblich gehalten, kategorisiert und durch sie zugeschrieben wurde, ist ein historischer, sich über lange Zeit erstreckender und keinesfalls geradlinig verlaufender Prozess.

Seit der frühen Neuzeit verändert sich langsam der Charakter, die Bedeutung und Funktion von Prüfungen, die in Schulen und Universitäten durchgeführt wurden. Das wird sichtbar etwa bei einem Blick auf unterschiedliche Vorgänger heutiger schulischer Abschlussprüfungen. Konnte in den frühneuzeitlichen akademischen Prüfungen niemand durchfallen und gab es auch keine Noten, so änderte sich das in den deutschen Staaten mit der Einführung und Organisation des Abiturs, das schließlich zur notwendigen Voraussetzung des Universitätsbesuches wurde und das in der historischen Entwicklung die eigentliche Scharnierstelle zur Durchsetzung eines meritokratischen Schulwesens bildete. Mehr und mehr wurden Prüfungsabläufe standardisiert und justiziabel ausgestaltet und man versuchte, Ergebnisse an „objektiven“ Kriterien zu messen. Schulische Prüfungen wurden „psychologisiert“ und spätestens seit der vorletzten Jahrhundertwende durch psychometrische Tests ergänzt und teilweise ersetzt. Dieser Prozess berührt die Autorität und den Ermessensspielraum, den Lehrpersonen aufgrund ihrer professionellen Kompetenzen in Prüfungen gegenüber der unterrichteten „Sache“, gegenüber den Schüler/-innen und Eltern, aber auch gegenüber den Kolleg/-innen und der Schulverwaltung geltend machen konnten und das Wissen selbst, das in der Praxis der Prüfungen zirkulierte.

Publikationen

Ricken, Norbert/Reh, Sabine (2017): Prüfungen – Systematische Perspektiven der Geschichte einer pädagogischen Praxis. Einführung in den Thementeil. In: Zeitschrift für Pädagogik, Jg. 63, H. 03, S. 247-259. (Online: DOI 10.3262/ZP1703247).

Projektleitung

Projektdaten

Projektart: Publikationsprojekt
Status:
Abgeschlossene Projekte
Laufzeit:
01/2016 – 06/2017
Forschungsfeld: Historische Praxis von Unterricht und Erziehung
Kontakt: Sabine Reh
zuletzt verändert: 26.05.2017