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Ethnographische Bildungsforschung

Ethnographische Bildungsforschung

Die im Forschungsfeld „Ethnographische Bildungsforschung“ durchgeführten Projekte versuchen, die in und um Schulen herum stattfindenden Aktivitäten verschiedener Akteure zu beobachten. Fokussiert werden z.B. Lehrkräfte, Schüler/-innen und Eltern, ihre Interaktionen und Praktiken im Umgang miteinander, ihr Verhalten in Schul- und Bildungsräumen und ihr Umgang mit den Dingen, die ihnen dabei begegnen. In „dichten Beschreibungen“, wie sie der Ethnologe Clifford Geertz nennt, wird die teilnehmende Beobachtung von Schul- und Lernkulturen und ‚Bildungsräumen’ dokumentiert und rekonstruiert.

Details zum Forschungsfeld

In der Praxis ethnographischer Bildungsforschung wird der Blick auf gesellschaftliche und individuelle Voraussetzungen, Prozesse und Ergebnisse des Aufwachsens, auf Entwicklung und Lernen, auf Sozialisation, Erziehung und Bildung und auf die Institutionen gerichtet, in denen all dies stattfindet und dabei deren (historische) Transformationen erfasst. Versucht wird, in einer mikrologischen Perspektive die Eigenlogik von Fällen, von Situationen, einzelnen Szenen und Arrangements von Praktiken in schulischen und anderen pädagogischen Feldern herauszuarbeiten. Erkennbar werden so Regelhaftigkeiten und Ordnungen, z. B. in Form von Mustern der Interaktion oder Mustern des Zusammenwirkens einzelner Faktoren wie der materiellen Rahmungen, der Räume und Artefakte, der Diskurse und der Akteure mit ihren Geschichten. Geforscht wird im Feld mit unterschiedlichen Erhebungsmethoden: Es wird teilnehmend beobachtet, videographiert, die Teilnehmenden werden in Interviews oder in Gruppendiskussionen befragt. Dabei werden verschiedene Dokumente gesammelt und analysiert.

In einzelnen Projekten wurde in der BBF u. a. der Frage nachgegangen, wie Differenzen zwischen Schülern und Schülerinnen und auch zwischen Schulen hergestellt und wie mit einer solchermaßen verstandenen Heterogenität umgegangen wird, wie unterschiedliche Bildungsräume für die verschiedenen Akteure entstehen, welche Anerkennungsprozesse, aber auch Ausschlüsse aus Gruppen von Schülerinnen und Schülern stattfinden oder wie professionell Tätige in unterschiedlichen Kooperationsformen autorisiert werden bzw. sich selbst autorisieren.

Ausgewählte Artikel zum Einstieg

Drope, Tilman/Jurczok, Anne (2013): Weder gleichwertig noch gleichartig. Besonderheiten und Problemlagen Integrierter Sekundarschulen in einem sozio-ökonomisch schwachen Stadtteil Berlins. In: Zeitschrift für Pädagogik, Jg. 59, H. 4, S. 496-507. (Online: URN: urn:nbn:de:0111-pedocs-119750).

Kolbe, Fritz-Ulrich/Reh, Sabine/Fritzsche, Bettina/Idel, Till-Sebastian/Rabenstein, Kerstin (2008): Lernkultur. Überlegungen zu einer kulturwissenschaftlichen Grundlegung qualitativer Unterrichtsforschung. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Jg. 11, H. 1, S. 125-143. 

Rabenstein, Kerstin/Reh, Sabine/Ricken, Norbert/Idel, Till-Sebastian (2013): Ethnographie pädagogischer Differenzordnungen. Methodologische Probleme einer ethnographischen Erforschung der sozial selektiven Herstellung von Schulerfolg im Unterricht. In: Zeitschrift für Pädagogik, Jg. 59, H. 5, S. 668-690. (Online: URN: urn:nbn:de:0111-pedocs-119877).

 

Aktuelle Projekte

zuletzt verändert: 30.06.2017