Marienthal nächst Bad Liebenstein bei
Eisenach am 24/III 1852.
Liebe
Henriette.
Leider habe ich bei Absendung
meines gestrigen Briefes
nebst Zeugniß an Frau I. v. St: welches
sie hoffentlich
nun schon empfangen haben wird, vergessen ein
paar Zeilen
an Dich beizulegen und Dir zu melden, daß nach
einge-
gangenen Nachrichten aus Dresden Frl.
Bertha
Glockner daselbst nicht geneigt ist die Stelle im
Erzgebirge näch[s]t
Schne[e]berg anzunehmen, sondern vielmehr
geneigt ist nach
Leipzig zur
Dahlenkamp zu gehen.- Da nun der Plan
der
Emma Habicht, welche
unvorsichtiger Weise ihre Stelle
in
Rudolstadt
auf zu früh aufgegeben hat, in
Meiningen gescheidert und nun ohne Wirksamkeit zu
Hause ist,
so beeile ich mich bei Dir anzufragen: ob es nicht
mög-
lich sey, daß Emma Habicht die von M.B.
angebahnte
Stelle im Erzgebirge erhalten könne. Nach dem,
was
ich von den Forderungen von dort höre, so wäre, wie Du
ja
selbst beurtheilen kannst für genannte Stelle ganz
ent-
sprechend. Mir wäre es in mehrfachen Beziehungen sehr
lieb
wenn sich der Plan ausführen ließ. Ist es möglich, so
schreibe
doch baldigst an Emma H. nach Schm[a]lk[a]lden
Grafsch[aft] Henneberg
am Thüringerwalde, damit keine Zeit
verloren geht.-
Durch
Hoffmanns ungünstiges Geschick in
Hamburg
verliert
Emma Knauer ebenfalls
ihre Wirksamkeit in
Hamburg und wird zunächst nach Hause
gehen.-
Wird die Anstalt nächst Bretten im Badenschen noch
aus-
geführt und hat
Lissette
Kirchner Hoffnung sie zu bekommen?-
Luise Härtlein wird gegen
Johannis von
der Fr[au]
Dris [Doris]
Lütkens ab, und nach den Rhein
gehen. An ihre Stelle /
[17R]
[wird] eine unserer
jetzigen Schülerinnen eintreten.-
Frau
Liddy Opitz hat aus Schweinfurt
sehr befriedigt
über ihre neue Wirksamkeit geschrieben.
Von Sophie Hänicke jetzt in Trachenberg bei der
Fürstin von
Hatzfeld höre
ich durch die dritte Hand daß sie leider 14
Tage bettlägerig war,
doch soll es wieder besser gehen. -
Recht schmerzlich war es
uns zu vernehmen, daß auch
unsere geschätzte, liebe
Bothmann so ernstlich krank
gewesen
ist; sprich ihr unsere herzliche Theilnahme und den
Wunsch bal-
diger vollständiger Herstellung aus. Auch die
Übrigen
Eures erziehenden Kreises grüße namentlich H.
Dr
Georgens und
Henrietten [Dahlenkamp].
"Daß das geistliche
Ministerium zu Berlin aus der vergleichenden
Zusammenstellung
meiner
Baltzers und
MiddendorffsSchriften
herausgefunden, daß wir alle drei im innigen
Zusammenhang mit dem
Streben der freien Gemeinden stehen,
und sich demgemäß veranlaßt
gesehen hat eine Verfügung
an die Reg[ierung] zu erlassen" -
wirst Du in pr: und in der Dorf-
zeitung gelesen haben.
Was sagst Du zu dem Inhalte des beiliegenden Blättchens,
z[u]
dem Jüngsten was öffentl[iche] Urtheile über meine
Bestrebungen
gebracht haben?- Ich halte es für das Beste was
die
Öffentlichkeit darüber je ausgesprochen hat; jedoch
wünsche
ich auch Euer ganz unbefangenes Urtheil zu hören.
Meine l[iebe] Frau Sophie Seybt und Caroline Schrader
grüßen
Dich mit mir.
Pauline Schellhorn
wird einen
Kindergarten in
Meiningen gründen. 24-26
Kinder
haben sich schon gemeldet. In Liebe und Treue
Dein GroßOheim
Friedrich
Fröbel