Marienthal am 10/XII 1851.
Werthgeschätzter, lieber Herr
Cantor.
Zuförderst Ihnen meinen herzlichen
und aufrichtigen Glückwunsch
nicht nur zu Ihrer erweiterten,
sondern auch Ihrem Talente und
innerem Berufe so angemessenen
Wirksamkeit; es ist dieses
eine freundliche Gabe des Geschickes,
welcher sich eben nicht Jeder erfreut,
deßhalb ist sie so
hochzuachten als sorgsam zu pflegen. Möge Ihnen
Ihr gütiges
Geschick, damit die Gabe eine recht vollständige werde,
Sie nun
auch mit vollkommener und dauernder Gesundheit beschenken.
Da
nun der Mensch mit seinem Talente doch auch gern im
größtmöglich-
sten Kreise wirksam ist, so komme ich mit der Frage
zu Ihnen: ob
Ihnen wohl eine solche Wirksamkeit, welche Sie
besonders mit einem größe-
ren Publikum verbinden
würde, angenehm wäre. Ich bezwecke nemlich
die Herausgabe meiner
Spiellieder zu den verschiedenen Spielen und zwar in
der
nächsten Zeit d.h. mit dem nächsten Jahre. Zu dieser Herausgabe
bedarf
ich nun eines Redactors; ich komme nun mit der Frage zu
Ihnen ob Sie wohl
in Rücksprache mit mir, geneigt wäre[n] diese
Redaction zu übernehmen?-
Es sind dieß sowohl Liedchen zu den
Bewegungs- wie zu den Beschäftigungs-
spielen. Ich bin schon von
allen Seiten gar sehr gedrängt worden, dieselben
herauszugeben
allein immer hat es mir dazu an der angemessenen
Redaction
gefehlt und fehlt mir noch daran. Ein freundlicher Redactor
würde sich nun wohl finden, auch wohl schon gefunden haben aber,
selbst
in zu großer Postentfernung; nun erfordert aber die
Herausgabe eine
öftere Besprechung überhaupt gegenseitige
Mittheilung welche zwischen der
Redaction und mir, welche aber jene Entfernung nicht möglich
macht. Eine
solche persönliche Besprechung würde aber immer alle
14 Tage [bzw.] 3-4 Wochen
nöthig seyn, je nach den vorliegenden
Arbeiten. Sollten es nun Ihre Ge-
schäfte nicht erlauben
hierheraus nach Marienthal zu kommen, so würde
/
[1R]
mir der nun
eingerichtete und sich im guten Fortgange befindende
Kin-
dergarten des
Herrn
Koch Gelegenheit geben, mich leicht
mit Ihnen über
das Zusammenstimmende der Spiele und der
Spielliedchen zu verständi-
gen, ohne durch die zurückzulegenden
Wege von Ihrer Seite, die Ihnen
vielleicht schon an und für sich
knapp zu gemessene Zeit noch mehr zu be-
schränken; indem ich es
dann übernehmen würde persönlich nach Salzungen
zu kommen, wenn
es Ihnen nicht auch angenehm wäre bei schönem
Wetter von Zeit zu
Zeit uns in
Keilhau M[a]ri[en]thal zu
besuchen, um Spiel und Ge-
sang in Einklang zu sehen.
Was
das Pecuniäre, was das Honorar betrifft, so würden wir
uns leicht verständigen, und würde es mir Freude seyn darüber
Ihre Vorschläge zu hören; ob durch die Zahl der Lieder bestimmt;
ob nach
Bogen, oder je auf ein ganzes Heftchen.
Haben Sie
die Güte, sich die Sache zu überlegen und mir Ihre
Meinung
darüber demnächstens mitzutheilen; vielleicht könnten
wir uns
dann, in der nun kommenden Festzeit weiter über <das Ganze>
verständigen.
Da die Spiele einer weit über Deutschland,
ja Europa hinausgehende[n]
Anerkennung sich erfreuen, so ist es
auch von dieser Seite nicht ein un-
dankbares Geschäfte, den sie
verschönernden Melodien Talent und Zeit
zu widmen, wie die
Redaction von Herrn
Robert
Kohl klar beweist,
welcher jetzt nur zu weit oben
im sächsischen Gebirge als Pfarrer
wirksam ist.
Mit
schönstem Gruße von mir und meiner Frau an Sie und
die l[iebe]
Ihrige
Ihr
ergebener
Friedrich Fröbel.