Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an den Kantor Müller in Salzungen v. 10.12.1851 (Marienthal)


F. an den Kantor Müller in Salzungen v. 10.12.1851 (Marienthal)
(FMMO, Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S.)

Marienthal am 10/XII 1851.


Werthgeschätzter, lieber Herr Cantor.

Zuförderst Ihnen meinen herzlichen und aufrichtigen Glückwunsch
nicht nur zu Ihrer erweiterten, sondern auch Ihrem Talente und
innerem Berufe so angemessenen Wirksamkeit; es ist dieses
eine freundliche Gabe des Geschickes, welcher sich eben nicht Jeder erfreut,
deßhalb ist sie so hochzuachten als sorgsam zu pflegen. Möge Ihnen
Ihr gütiges Geschick, damit die Gabe eine recht vollständige werde,
Sie nun auch mit vollkommener und dauernder Gesundheit beschenken.
Da nun der Mensch mit seinem Talente doch auch gern im größtmöglich-
sten Kreise wirksam ist, so komme ich mit der Frage zu Ihnen: ob
Ihnen wohl eine solche Wirksamkeit, welche Sie besonders mit einem größe-
ren Publikum verbinden würde, angenehm wäre. Ich bezwecke nemlich
die Herausgabe meiner Spiellieder zu den verschiedenen Spielen und zwar in
der nächsten Zeit d.h. mit dem nächsten Jahre. Zu dieser Herausgabe bedarf
ich nun eines Redactors; ich komme nun mit der Frage zu Ihnen ob Sie wohl
in Rücksprache mit mir, geneigt wäre[n] diese Redaction zu übernehmen?-
Es sind dieß sowohl Liedchen zu den Bewegungs- wie zu den Beschäftigungs-
spielen. Ich bin schon von allen Seiten gar sehr gedrängt worden, dieselben
herauszugeben allein immer hat es mir dazu an der angemessenen
Redaction gefehlt und fehlt mir noch daran. Ein freundlicher Redactor
würde sich nun wohl finden, auch wohl schon gefunden haben aber, selbst
in zu großer Postentfernung; nun erfordert aber die Herausgabe eine
öftere Besprechung überhaupt gegenseitige Mittheilung welche zwischen der
Redaction und mir, welche aber jene Entfernung nicht möglich macht. Eine
solche persönliche Besprechung würde aber immer alle 14 Tage [bzw.] 3-4 Wochen
nöthig seyn, je nach den vorliegenden Arbeiten. Sollten es nun Ihre Ge-
schäfte nicht erlauben hierheraus nach Marienthal zu kommen, so würde
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[1R]
mir der nun eingerichtete und sich im guten Fortgange befindende Kin-
dergarten des Herrn Koch Gelegenheit geben, mich leicht mit Ihnen über
das Zusammenstimmende der Spiele und der Spielliedchen zu verständi-
gen, ohne durch die zurückzulegenden Wege von Ihrer Seite, die Ihnen
vielleicht schon an und für sich knapp zu gemessene Zeit noch mehr zu be-
schränken; indem ich es dann übernehmen würde persönlich nach Salzungen
zu kommen, wenn es Ihnen nicht auch angenehm wäre bei schönem
Wetter von Zeit zu Zeit uns in Keilhau M[a]ri[en]thal zu besuchen, um Spiel und Ge-
sang in Einklang zu sehen.
Was das Pecuniäre, was das Honorar betrifft, so würden wir
uns leicht verständigen, und würde es mir Freude seyn darüber
Ihre Vorschläge zu hören; ob durch die Zahl der Lieder bestimmt; ob nach
Bogen, oder je auf ein ganzes Heftchen.
Haben Sie die Güte, sich die Sache zu überlegen und mir Ihre
Meinung darüber demnächstens mitzutheilen; vielleicht könnten
wir uns dann, in der nun kommenden Festzeit weiter über <das Ganze>
verständigen.
Da die Spiele einer weit über Deutschland, ja Europa hinausgehende[n]
Anerkennung sich erfreuen, so ist es auch von dieser Seite nicht ein un-
dankbares Geschäfte, den sie verschönernden Melodien Talent und Zeit
zu widmen, wie die Redaction von Herrn Robert Kohl klar beweist,
welcher jetzt nur zu weit oben im sächsischen Gebirge als Pfarrer
wirksam ist.
Mit schönstem Gruße von mir und meiner Frau an Sie und
die l[iebe] Ihrige
Ihr
ergebener
Friedrich Fröbel.