Sie
werden von mehreren Seiten gehört haben daß
Die-
sterweg,
Middendorff, ich und einige
Andere eine Erzieh-
erzusammenkunft für die Michaeliszeit
zustande bring[en]
möchten. Es war mir bisher durch Mangel an
Zeit nicht
möglich Sie weder von unserm Unternehmen zu
unter-
richten noch Sie zur Theilnahme an demselben besonders
ein-
zuladen. Da ich es auch nicht für nöthig zwischen uns achte
Ihnen
ein Einladungsschreiben mit großer äußerer
Förmlichkeit
zu überschicken, so füge ich dasselbe so wie es an
verschieden[e]
namhaft erziehende Männer ergangen ist, Ihnen hier
abschriftl. bei[:]
Im Laufe dieses Monats fanden sich in dem
gastfreundlichen
Zimmer einer in Liebenstein verweilenden Dame
mehrere
pädagogisch einander befreundete Männer (
Middendorffaus Keilhau,
Rector Köhler aus Corbach,
Diesterweg aus Berlin
und
der in Auftrag Unterzeichnete) zusammen. Die Unter-
haltung
drehte sich um päda[go]gische Zeitansichten u
Bestrebungen
namentlich von Seiten des weibl Geschlechtes u für
dasselbe. Die
Ansichten der Dame u. der Männer stimmten zwar
in
wesentlichen Punkten überein, gingen aber auch in
andere[n]
auseinander, und zwischen beyden lag eine Mitte, über
welche
die Männer bekannten, noch nicht zur ganz entschiedenen
Ueber-
zeugung gekommen zu seyn. Trotz dem, oder wegen dem
fanden
die Anwesenden in dem freyen Austausche der
Meinungen
eine solche Befriedigung, daß der von einem Einen
ausge-
sprochene Wunsch, es möchten die verhandelten u ähnliche
Gegen-
stände in einem weiteren Kreise von Frauen u
Männern
besprochen werden, und wo möglich zu einem bestimmten,
wenn
auch nur vorläufigen Abschluß gebracht werden, mit
Zu-
stimmung vernommen wurde. Denselben zu realisieren,
ist
der Zweck dieser Mittheilung; und es ergeht darin durch
die
Unterzeichneten auch an Sie, geehrter Herr, wie an
andere,
an pädagogischen Bestrebungen thätigen
Antheilnehmenden
Frauen u Männern hiermit die Einladung, der zu
dem ver-
abredeten Versammlung beyzuwohnen. Dieselbe wird in
den /
[1R]
Tagen des 27. 28 u 29
n Sept. d. J. in Bad Liebenstein Statt
finden. Am
ersten Tage, Sonnab[en]ds den 27
st Sept. soll von
9 Uhr ab
kleiner noch nicht schulfähiger Kinder namentlich durch
Kindergärten
den Gegenstand der Besprechung bilden; am Nachmittag
desselben
Tages der pädagogische Beruf der Frauen u ihrer
Ausbilder
für denselben an die Reihe kommen. Der Vormittag
des
folgenden Tages kann, je nach dem Beschluß der
Versammlung
oder einzelner Glieder derselben, denselben oder
ähnlichen pä-
dagogischen Tagesfragen, welche ausschließlich den
Vorwurf
der Versammlung ausmachen solchen [sc.: sollen], gewidmet
werden; am
Nachmittage des 2ten Tages findet ein Kinderspielfest
unter
Leitung des Unterzeichneten Statt. Der 3te Tag wird die
Ver-
abredung zum Abschluß bringen und verwandten
Gegenständen
gewidmet werden. In solcher Weise glaubten die
Obengenannten
die Tage der Versammlung lehrreich und fruchtbar zu
machen.
Haben Sie
nun die Güte, Werthester Freund hiernach zu bestimmen
ob Sie
geneigt sind an dieser Zusammenkunft Theil zu nehmen;
sie wird
zwar den obwaltenden Umständen entsprechend nur
aus
12-18 Erziehern u Lehrern aus größerer Ferne [(]Hamburg - Berlin -
Dresden - Baden Baden -
Meiningen -
Arolsen -
Corbach - Keilhau[)], einigen Kinder-
gärtnerinnen
und den Lehrern aus nahegelegenen Orten bestehen;
jedoch hoffe
ich soll Ernstliches verhandelt werden und bestimmtes
daraus
hervorgehen.
Schreiben Sie mir
bald. Wollen Sie, so besprechen Sie sich mit
Herrn
Diesterweg. Grüße an alle
Bekannte von