Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Carl Rohrbach in Berlin v. 12.9.1851 (Marienthal)


F. an Carl Rohrbach in Berlin v. 12.9.1851 (Marienthal)
(KN 57,15 Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S. - Der Brief enthält links oben zwei Datierungsnotizen des Adressaten: 15.9.1851 [wohl Empfangsdatum] und 28.9.1851 [wohl Beantwortungsdatum]. - In den Brief S. 1V Mitte – 1R Mitte ist der undat. Rundbrief von <Ende>Juli 1851 integriert, den F. an eine Vielzahl von Personen als Einladung zur Erzieherversammlung in Bad Liebenstein am 27./29.9.1851 versandt hat.)

Marienthal nächst BadLiebenstein b. Eisenach 12/IX. 1851.


Werthgeschätzter, lieber Herr Rohrbach.

Sie werden von mehreren Seiten gehört haben daß Die-
sterweg
, Middendorff, ich und einige Andere eine Erzieh-
erzusammenkunft für die Michaeliszeit zustande bring[en]
möchten. Es war mir bisher durch Mangel an Zeit nicht
möglich Sie weder von unserm Unternehmen zu unter-
richten noch Sie zur Theilnahme an demselben besonders ein-
zuladen. Da ich es auch nicht für nöthig zwischen uns achte Ihnen
ein Einladungsschreiben mit großer äußerer Förmlichkeit
zu überschicken, so füge ich dasselbe so wie es an verschieden[e]
namhaft erziehende Männer ergangen ist, Ihnen hier abschriftl. bei[:]
"Geehrter Herr!
Im Laufe dieses Monats fanden sich in dem gastfreundlichen
Zimmer einer in Liebenstein verweilenden Dame mehrere
pädagogisch einander befreundete Männer (Middendorff
aus Keilhau, Rector Köhler aus Corbach, Diesterweg aus Berlin
und der in Auftrag Unterzeichnete) zusammen. Die Unter-
haltung drehte sich um päda[go]gische Zeitansichten u Bestrebungen
namentlich von Seiten des weibl Geschlechtes u für dasselbe. Die
Ansichten der Dame u. der Männer stimmten zwar in
wesentlichen Punkten überein, gingen aber auch in andere[n]
auseinander, und zwischen beyden lag eine Mitte, über welche
die Männer bekannten, noch nicht zur ganz entschiedenen Ueber-
zeugung gekommen zu seyn. Trotz dem, oder wegen dem fanden
die Anwesenden in dem freyen Austausche der Meinungen
eine solche Befriedigung, daß der von einem Einen ausge-
sprochene Wunsch, es möchten die verhandelten u ähnliche Gegen-
stände in einem weiteren Kreise von Frauen u Männern
besprochen werden, und wo möglich zu einem bestimmten, wenn
auch nur vorläufigen Abschluß gebracht werden, mit Zu-
stimmung vernommen wurde. Denselben zu realisieren,
ist der Zweck dieser Mittheilung; und es ergeht darin durch die
Unterzeichneten auch an Sie, geehrter Herr, wie an andere,
an pädagogischen Bestrebungen thätigen Antheilnehmenden
Frauen u Männern hiermit die Einladung, der zu dem ver-
abredeten Versammlung beyzuwohnen. Dieselbe wird in den /
[1R]
Tagen des 27. 28 u 29n Sept. d. J. in Bad Liebenstein Statt
finden. Am ersten Tage, Sonnab[en]ds den 27st Sept. soll von 9 Uhr ab
kleiner noch nicht schulfähiger Kinder namentlich durch Kindergärten
den Gegenstand der Besprechung bilden; am Nachmittag desselben
Tages der pädagogische Beruf der Frauen u ihrer Ausbilder
für denselben an die Reihe kommen. Der Vormittag des
folgenden Tages kann, je nach dem Beschluß der Versammlung
oder einzelner Glieder derselben, denselben oder ähnlichen pä-
dagogischen Tagesfragen, welche ausschließlich den Vorwurf
der Versammlung ausmachen solchen [sc.: sollen], gewidmet werden; am
Nachmittage des 2ten Tages findet ein Kinderspielfest unter
Leitung des Unterzeichneten Statt. Der 3te Tag wird die Ver-
abredung zum Abschluß bringen und verwandten Gegenständen
gewidmet werden. In solcher Weise glaubten die Obengenannten
die Tage der Versammlung lehrreich und fruchtbar zu machen.
In Hoffnung Ihrer Zustimmung zu den dargelegten Tendenzen
erlaubt sich der Unterzeichnete, Sie geehrter Herr
"ergebenst zur Theilnahme an der beabsichtigten
Versammlung einzuladen, indem ich zugleich beyfüge,
daß es sehr gern gesehen würde, wenn Sie noch andere
an pädagogischen Bestrebungen der gedachten Art Antheil
nehmende Frauen, Jungfrauen mit eingeschlossen und
Männer zur Betheiligung einladen wollen. Über
diesen Punkt, so wie über Ihre persönliche Theilnahme
erbitte ich mir eine gefällige wo möglich zusagende
Erklärung."
Hochachtungsvoll und mit herzlichem Gruße mich unterzeichnend
Ihren
Ergebenen
"Friedrich Fröbel."
Haben Sie nun die Güte, Werthester Freund hiernach zu bestimmen
ob Sie geneigt sind an dieser Zusammenkunft Theil zu nehmen;
sie wird zwar den obwaltenden Umständen entsprechend nur
aus 12-18 Erziehern u Lehrern aus größerer Ferne [(]Hamburg - Berlin - Dresden - Baden Baden -
Meiningen - Arolsen - Corbach - Keilhau[)], einigen Kinder-
gärtnerinnen und den Lehrern aus nahegelegenen Orten bestehen;
jedoch hoffe ich soll Ernstliches verhandelt werden und bestimmtes daraus
hervorgehen. Schreiben Sie mir bald. Wollen Sie, so besprechen Sie sich mit
Herrn Diesterweg. Grüße an alle Bekannte von
Ihrem
      FriedrichFröbel