Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop und <Wilhelm Middendorff jun.> in Keilhau v. 4.8.1851 (Marienthal)


F. an Johannes Arnold Barop und <Wilhelm Middendorff jun.> in Keilhau v. 4.8.1851 (Marienthal)
(KN 57,14, Brieforiginal 1 B 8° 3 ¼ S. Der Brief ist ausdrücklich an Barop und einen „Neffen“ gerichtet. Es könnte sich um Wilhelm Middendorff jun. handeln. In Frage käme aber auch Ferdinand F. in Burgdorf)

Marienthal am 4 August 1851.


Lieber Barop und Neffe.

Wenn ich so eben einen Zweiten Brief von Dir empfange
während ein, vor längerer Zeit von Dir erhaltener noch
unbeantwortet mich stets mahnend vor mir auf dem Ar-
beitstische liegt, so ist der Grund dieser Nichtbeantwortung
keinesweges eine Vernachlässigung oder Hintansetzung der
gesammten Verhältnisse, sondern der wahre Grund davon
liegt, blank und frank ausgesprochen eben in der hohen Un-
bestimmtheit in den ununterbrochen Schwankenden der
großen und gesammten Lebensverhältnisse wovon Keilhau
und Marienthal jedes einzeln für sich und beide wieder geeint
und gemeinsam ein integrirender Theil sind, so daß eben
wegen dieser allgemein schwankenden Ungewißheit des
Lebens es nicht möglich ist zu einem Entschluß zu kommen.
Um nun aber doch, ohne selbst durch einen einseitigen
Eingriff eine Entscheidung herbei zu führen, so habe ich und
in mir in der völligen Überzeugung mit der ganzen Ge-
meinsamheit und so auch mit Dir in Übereinstimmung, Deinen
jüngsten (eben von mir noch unbeantworteten, aus den oben
ausgesprochenen Gründen unbeantworteten Brief) ganz ein-
fach, ohne irgend eine andere Hinzufügung als die der Bitte
um Entscheidung an Middendorffen abschriftlich mitgetheilt.
Middendorff schreibt mir darauf, (und ich kann Dir auch dieß,
wenn mir dazu Zeit bleibt, wörtlich abschriftlich mittheilen)
daß er die Sache mit Frau und Schwager besprochen habe
und daß als das Gerathenste erkannt worden sey, daß
sie beide - er Middendorff und Schaffner - das Ganze
zu gemeinsamer Fortführung gemeinsam übernähmen
indem Du ja erklärt hättest mit Ihnen beiden, oder mit einem
von Ihnen beiden das Ganze nicht fortführen zu können
und ebenso wenig zu wollen. Ob ich nun gleich einmal
nach diesem Briefe an Middendorff in Betreff unserer
hiesigen Verloosungsangelegenheit geschrieben habe,
so habe ich Dich in diesem Briefe, so viel ich mich erinnere /
[1R]
nichts aus gesprochen was irgend einer Bestimmung
von meiner Seite mir irgend ähnlich sähe; warum? -
- weil ich es aus umstehehend [sc.: umstehend] angegebenen Gründen
nicht kann, und das Ganze nur Eurer beiderseitigen
Vereinbarung vorliegt.- Aber auch Middendorff
hat mir seit jener Zeit nicht wieder geschrieben; (doch
muß es heut von meiner Seite geschehen, um ihn um die
Zurücksendung der nicht untergebrachten Loose zu bitten),
deßhalb habe ich geglaubt die Sache sey zwischen Euch beiden
resp: dreien zur Besprechung und Entscheidung gekommen;
wodurch ich noch durch ein Gerücht von einer Reise Mid-
dendorffs bestätigt wurde, welche mir in Verbindung
mit seinem mir so bestimmt ausgesprochenen Entschlusse
das Ganze zu übernehmen zu stehen schien. Jedoch ich
persönlich habe weder schriftlich noch durch mündliche Ver-
mittelung etwas weiteres von Middendorff gehört als
einzig seine mehrerwähnte briefliche Mittheilung seines
Entschlusses.
Was Middendorffs gereizten Zustand betrifft, so hat er
mir gesagt, daß er sich Dir ganz offen und klar mitgetheil ausgesprochen
habe als Du ihm den Kauf des Schulzengutes
mitgetheilt, Du ihm aber auch Deine Ansicht vom Ganzen
nicht verschwiegen habest, die ihn aber keinesweges
befriedigt habe. Daß sich nun aber diese Gereiztheit rein
in sich steigert, ohne alle anderweitige Veranlassung,
liegt wohl ganz in der Natur der Sache, wenigstens bin
ich mir einer solchen Veranlassung nicht bewußt, was
Albertine geäußert hat, bezieht sich wohl, und kann sich ein[-]
zig nur auf meine Mittheilung Deines M Briefes an Midden[-]
dorff beziehen. Ich dagegen habe geglaubt, daß, nach Midden-
dorffs Entschluß, die Sache längst zwischen Euch zweien, resp.
dreien besprochen sey. Vor mir liegen alle Lebensverhält[-]
nisse noch so schwankend und unbestimmt, daß ich in Hinsicht
auf die Keilhauer Angelegenheit bis jetzt einzig nur indiffe-
rent dastehen kann. Jeder von Euch beiden klagt den andern
an, daß die Angelegenheit nicht ruhig mit ihm zu besprechen sey, /
[2]
Du klagst über Middendorffs Gereiztheit und er über
Deine Heftigkeit, was ist da zu thun?
Mein Vorschlag ist also der: Bis nach Zurückkehr von
Deiner Reise bleibt das Verhältniß meiner zur Anstalt
und zu dem Grundbesitz und so auch das Verhältniß der
Glieder des eigentlichen Keilhauer Kreises unter sich und zu mir unverändert
das bisherige. Bis zu Deiner Rückkehr werden sich hof-
fentlich die gesammten Lebensverhältnisse mehr und
entschiedener entwickelt haben, dann dünkt mich läßt
sich auch eine entscheidender Beschluß fassen.
Du schreibst, wie im Großen, so im Kleinen gährt es
zur Reinigung und Klärung; dieß ist mein Glaube,
und ich sage: in dieser Gährung, ob sie gleich Kleines wie
Großes umfaßt, handelt sich es doch nicht um ein Jede um die[-]
ses Kleine, ob es gleich durch dieses Kleine hindurch geht
und dieses Kleine auch als Glied des großen Ganzen, oder
als Gliedganzes seine Rechtfertigung und Befriedigung
findet wie es seine Berechtigung hat - sondern es handelt
sich eigentlich nur um die Fortentwickelung des Ganzen;
und der, wie das Einzelne haben nur zu prüfen und
zu streben ob und wie durch die ihre seine persönliche Fort-
entwickelung die des Ganzen erreicht werde, und
wie der oder das Einzelne sich im einigen Lebenszusammen[-]
hängen mit dem Lebensganzen, denn Leben als einem
Einigen sich fortentwickeln.
Gott erhalte Dich gesund.
Wann denkst Du zurück zu kehren?-
Um jede Zweideutigkeit, und Falschdeutigkeit zu ver-
meiden werde ich Middendorff blos schreiben, was
ja auch nur der Fall ist, daß Du mir geschrieben Deine
Abreise gemeldet hast.
So viel ist gewiß: - Großes, Gutes, Schönes Wahres
Edles Zeitliches und Ewiges konnte der K. K. [sc.: Keilhauer Kreis] erreichen, <bewirken>
konnten sich die Glieder in jener geistigen Einigung finden und
verständigen - wo jedes Individuelle wie seine Berechtigung, so
seine Rechtfertigung u Befriedigung hat. /
[2R]
Mit gleicher Herzlichkeit wie Du Deinen
d.h. in wahrer aufrichtigen Herzlichkeit empfängst
Du meine u meiner Frau Grüße zurück
D.Fr.Fr.

Den Empfang der 75 rth. beschein[i]gt
Fr.Fr.