Eine
Mehrheit freundlicher u gütiger Briefe von Ihnen
liegt vor mir,
welche mir Ihre warme u so thätige als auf-
richtige Theilnahme
an meinen erziehenden Bestrebungen
nicht nur, sondern selbst an
meinem erziehenden Wirken u was
mir noch mehr ist, Ihr eigenstes
inneres Vertrauen zu beiden
so einfach als dauernd aussprechen;
dennoch sind diese mir,
so wohl um meinet- als aber ganz
besonders um der Sache u um
deren Zweck, um der aufkeimenden
Kindheit willen, so lieben Briefe
seit so sehr Langem von mir
unbeantwortet geblieben; dieß nun
hochgeehrte Frau, werden Sie
sich im Zusammenhange mit dem
so eben von mir Ausgesprochenen
kaum denken können, u dennoch ist
der Grund davon ein ganz
einfacher: - bei u mit solcher Theilnahme
sich selbst u alles um
sich vergessend, das Werk oder vielmehr zunächst Streben
zu
einem klaren Ergebniß zu einem sprechenden Werk zu führen;
denn
das sehe ich immer mehr: nur mit unverwandtem Blicke nach
dem
vorgesteckten Ziel; mit stetem Fortschreiten auf dem Wege zu
dem-
selben u mit unausgesetzter Erfüllung der Forderungen die
ein
solches Streben macht, kommt man endlich, wenn auch langsam,
doch zum
Ziele desselben. - - - Es ist wahr, sehr viel Liebes
und Freundliches was das Leben im Natur- Welt- ja Selbstverkehr
eigentlich leicht giebt, geht uns in solcher Lebensrichtung u
Lebens-
thätigkeit verloren, u viel, sehr viel muß ich in dieser
Beziehung /
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entbehren gegen andere die leichteren
Sinnes u leichteren Strebens
durch die Welt gehen; allein auch
vieles Unfreundliche dessen das
Leben, besonders des Strebenden
so vieles hat, bleibt einen dadurch
fremd; u erfährt man es
endlich, so hat es sich ausgelebt, so abgestumpft
u seine
verletzende Kraft verloren. So geht es mir z.B. mit
J Fölsings Schrift - "Die
Fröbelschen Kindergärten" - seit ich von ihrem Dasein u
ihren
heftigen Ausfällen gegen mich weiß habe ich nie Zeit gehabt mir
nur die Schrift zu verschaffen, geschweige denn sie zu lesen,
zumal ich den
Mann in seinem ganzen Wesen durch u durch kenne.
Freilich durch
solches sich nicht berühren lassen von dem
Unfreundlichen namentlich in
u durch Schriften, wie ich denn nie
auf dieselben antworte, sondern
das Leben u die That sprechen
lasse; freilich sage ich geht Einem
bei solcher Lebensbehandlung
auch gar viel Liebes u Freundliches verloren,
wie ich – werden
Sie es glauben – vor ein paar Tagen erst vom Dasein
Ihrer Gegen-
u Schutzschrift u deren Inhalt Kunde erhalten habe; ich war
davon wirklich überrascht: so ruhig, so klar, so einfach; alle
welche die-
selbe mit anhörten, sie ward im Kreise einer Mehrheit
von Erziehungs-
freunden, welche jetzt als Curgäste hier leben
z.B. auch der Familie
Diesterweg aus B.[erlin] vorgelesen, freuten sich
der eben ausgesprochenen
Eigenschaften, dieses Schriftchens,
besonders auch der so gewählten Be-
stimmtheit mit welcher Sie
[sc.: sie] bei aller Vermeidung von Persönlichkeit
verfaßt
ist.
Ich freue mich daß mein Dank für das, was Sie ver:[ehrte]
F.[rau] durch dieß
Schriftchen Förderliches für die Sache gethan
haben so spät zu Ihnen kommt
nachdem das Schriftchen längst das
Seine gewirkt hat, mein Dank ist
nun um so freier u reiner.
Aber einen Sach- u Realdank hätte ich Ihnen für Ihre treu
ausdauernde
Pflege, welche Sie der Idee wie deren Anwendung
angedeihen lassen, gewünscht,
die [sc.: den]: daß Sie während
einiger Wochen, ja, Monate hindurch hier Zeuge /
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gewesen wären, ich möchte sagen, von der drängenden
Theilnahme
welche sich die Sache der Kindheit in allen
Volksklassen bei jedem
Geschlecht wie bei jeder Stufe der
Bildung hier in Bad Liebenstein er-
freut hat; ich wüßte kein
Alter, kein Geschlecht u keinen Stand welcher
eine Ausnahme
machte vom ärmsten Taglöhner an bis zu den königlichen
Hoheiten
in Weimar <> hinauf, dessen [sc.: deren] Sommeraufenthalt:
Wilhelms-
thal, sie nach Liebenstein u so zur prüfenden Beachtung
auch unserer
Kinderführung, Bethätigung u Spielen brachte.
Ich freue mich darauf wenn es noch durch gehen u sich bestätigen
sollte,
daß ich nächsten Winter einige Monate in dem, den
Kindergarten so
pflegend holden Hamburg leben sollte; es wird
mir eine
angenehme Pflicht sein Ihnen persönlich den Dank für
Ihre
stetig förderliche Theilnahme zu bethätigen, welchen ich
bisher so ganz still u noch ungestaltet in mir tragen mußte.