Keilhau, den 13. Februar 1848.
Sie
haben mir durch Ihr jüngstes Briefchen, liebe Luise,
wieder
rechte Freude gemacht. Wer andern aber Freude zu machen
imstande
ist, kann in seinem Innern glücklich sein, sich glücklich
fühlen. Und so freue ich mich denn doppelt über Ihre lieben
Zeilen,
einmal, indem Sie mir dadurch Freude gemacht und dann,
daß
solche mir ein Beweis sind, auch Sie sind glücklich und
können es mit
Recht sein durch die Freude, welche Sie im Kreise
Ihres Wirkens
verbreiten. Ich fühle mit Ihnen wie die Liebe der
Kleinen zu
Ihnen und dadurch wieder Ihre Liebe zu den Kleinen
und so Liebe
und Gegenliebe wechselseitig wächst; bin auch
überzeugt, es muß dies
auch auf die Befestigung Ihrer Gesundheit
wirken, wie Sie mir ja
auch schreiben, daß Sie in dieser
Beziehung das Jahr mit froher
Hoffnung begonnen haben. Gott
erfülle Sie Ihnen.
Fühlen Sie nur recht lebhaft und machen Sie
es sich im Geiste
recht klar, auch wenn andere es nicht zu
fühlen, nicht anzuerkennen
scheinen, - daß Sie in Ihrem Kreise
durch Ihre kinderpflegende
und so entwickelnd-erziehende und
leisbildende Thätigkeit, viel und
bleibend-fortwirkend Gutes
schaffen. Es ist wohl wahr, solche Wirk-
samkeit wird in dem Maß,
wie sie es verdient, oft erst spät von
außen anerkannt, aber sie
wird doch gewiß anerkannt.
So freue ich mich selbst jetzt, als
ein Mann, der seinem Grabe
zugeht, der sinnigen Pflege, welche
ich in meinen ersten Lebensjahren,
wie ich später hörte, von
einem Mädchen erhalten habe, die selbst
fast noch Kind war. Es
ist mir ein lieber Gedanke, wenn ich mir
sage, und der
Kindesäußerungen entsprechend sagen darf, daß meine
kleinen
Kinderhändchen ihr dafür dankbar die Wange gestreichelt haben
mögen. Und solche Gesinnungen bleibender Dankbarkeit werden
immer
allgemeiner, werden es durch unsre Kindergärten und so
auch Ihnen
bis in Ihr spätestes Alter werden. /
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Was die Macht der 1000 und aber 1000 bloß schön bemalten
Spielsachen betrifft, so bin ich in mir überzeugt, dieselbe wird
durch
den geweckteren Sinn bildender Beschäftigung in den
Kindern selbst
gebrochen, wenigstens gemildert werden. Die
Eltern werden, wie
dies jetzt schon oft mir ausgesprochen,
wiederkehrend die Erfahrung
machen, daß den Kindern die
einfachen, unbemalten Sachen weit
lieber sind, und ausdauernder
bildend sie beschäftigen, somit mehr
befriedigen, als die 1000
nur schön bemalten Dinge.
Der Wunsch, daß dieses Jahr mich in
Ihre Mitte nach Dresden
führen möchte, könnte Ihnen wohl erfüllt
werden, wenn ein Plan,
welcher Ihre so lebendig in den
Gegenstand unsers Lebens einge-
hende liebe Schwägerin hier
gefaßt und mir ausgesprochen hat, aus-
geführt werden kann. Gar
manche neue Schöpfung für die liebe
Kinderwelt würde ich Ihnen
dann mitteilen.
Mit dem 1. künftigen Monats wird in Erfurt ein
neuer Kinder-
garten eröffnet werden.
A. [Auguste] Michaelis aus Gotha
hat die Aussicht,
mit fünfundzwanzig Kindern dort zu beginnen. -
Zum ersten
Mai will Frau
Doris
Lütkens in Hamburg einen Kindergarten
errichten. Sie hat
deshalb einen großen Aufsatz über den Kinder-
garten in den
Hamburger Nachrichten Nro. 47 vom 5. November
vorigen Jahres
einrücken lassen. Sie sollten sich denselben zu ver-
schaffen
suchen; denn es würde für Sie alle interessant und bildend
sein,
ihn zu lesen.
Sollten Ihnen Zeitungen vorkommen, welche
Mitteilungen über
unser Wirken enthalten, so bitte ich Sie,
mindestens den Titel und
Nro. zu notieren und mir gelegentlich
zu schreiben. Es ist meiner
Wirksamkeit sehr gut, wenn ich weiß,
wie ich mit der Welt stehe
und wo man mit ihr in Verhältnis ist.
Auch in Ihrem Sachsen
gewinnt der Gegenstand immer mehr an
lebensvoller Teilnahme. So
hat ein Lehrer
Stade aus Reichstädt vor einiger Zeit sehr ein-
gehend an
mich über unsere Sache geschrieben und sich mehrere
Er-
ziehungsmittel kommen lassen. Ich wünschte nur, Herr Stade
be-
suchte Sie oder Ihren Bruder. Er scheint, nach seinem Briefe
ein
reger thatkräftiger, junger Mann zu sein.
In Zöblitz,
im Ober-Erzgebirge ist, veranlaßt durch den Kinder-
garten in
Marienberg, - von dem
Lehrer
Kröner auch ein Kinder-
garten eingerichtet worden, und
ich höre vom
Superintendent
Schneider in Marienberg; daß derselbe, wie auch der in
Marienberg selbst,
unter der sinnigen und eifrigen Leitung der
Fräulein
A. [Auguste] Steiner
in gutem Fortgange ist. /
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Von
Luise Levin, die Ihnen von sich
Kunde giebt, brauche ich
nur die Bestätigung dessen zu
wiederholen, daß sie sich fortwährend
die größte Mühe giebt den
Gegenstand, sowohl seinem Leben, wie
seinem Technischen nach, zu
erfassen. Sie können sie darum immer,
wenn sich später dazu
Gelegenheit bietet, mit gutem Gewissen em-
pfehlen.
[Anmerk. Es folgen
Nachrichten über verschiedene Kindergärten.]
Herzlich Lebewohl
Fr.
Fröbel.