Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Frankenberg in Dresden v. 13.2.1848 (Keilhau)


F. an Luise Frankenberg in Dresden v. 13.2.1848 (Keilhau)
(Brieforiginal im Besitz des BLV, Kriegsverlust; ed. Pösche 1887, 182-184, mit einer angemerkten Kürzung
in eckiger Klammer. Seitenzahlen nach der Edition)

Keilhau, den 13. Februar 1848.
Sie haben mir durch Ihr jüngstes Briefchen, liebe Luise,
wieder rechte Freude gemacht. Wer andern aber Freude zu machen
imstande ist, kann in seinem Innern glücklich sein, sich glücklich
fühlen. Und so freue ich mich denn doppelt über Ihre lieben Zeilen,
einmal, indem Sie mir dadurch Freude gemacht und dann, daß
solche mir ein Beweis sind, auch Sie sind glücklich und können es mit
Recht sein durch die Freude, welche Sie im Kreise Ihres Wirkens
verbreiten. Ich fühle mit Ihnen wie die Liebe der Kleinen zu
Ihnen und dadurch wieder Ihre Liebe zu den Kleinen und so Liebe
und Gegenliebe wechselseitig wächst; bin auch überzeugt, es muß dies
auch auf die Befestigung Ihrer Gesundheit wirken, wie Sie mir ja
auch schreiben, daß Sie in dieser Beziehung das Jahr mit froher
Hoffnung begonnen haben. Gott erfülle Sie Ihnen.
Fühlen Sie nur recht lebhaft und machen Sie es sich im Geiste
recht klar, auch wenn andere es nicht zu fühlen, nicht anzuerkennen
scheinen, - daß Sie in Ihrem Kreise durch Ihre kinderpflegende
und so entwickelnd-erziehende und leisbildende Thätigkeit, viel und
bleibend-fortwirkend Gutes schaffen. Es ist wohl wahr, solche Wirk-
samkeit wird in dem Maß, wie sie es verdient, oft erst spät von
außen anerkannt, aber sie wird doch gewiß anerkannt.
So freue ich mich selbst jetzt, als ein Mann, der seinem Grabe
zugeht, der sinnigen Pflege, welche ich in meinen ersten Lebensjahren,
wie ich später hörte, von einem Mädchen erhalten habe, die selbst
fast noch Kind war. Es ist mir ein lieber Gedanke, wenn ich mir
sage, und der Kindesäußerungen entsprechend sagen darf, daß meine
kleinen Kinderhändchen ihr dafür dankbar die Wange gestreichelt haben
mögen. Und solche Gesinnungen bleibender Dankbarkeit werden immer
allgemeiner, werden es durch unsre Kindergärten und so auch Ihnen
bis in Ihr spätestes Alter werden. /
[183]
Was die Macht der 1000 und aber 1000 bloß schön bemalten
Spielsachen betrifft, so bin ich in mir überzeugt, dieselbe wird durch
den geweckteren Sinn bildender Beschäftigung in den Kindern selbst
gebrochen, wenigstens gemildert werden. Die Eltern werden, wie
dies jetzt schon oft mir ausgesprochen, wiederkehrend die Erfahrung
machen, daß den Kindern die einfachen, unbemalten Sachen weit
lieber sind, und ausdauernder bildend sie beschäftigen, somit mehr
befriedigen, als die 1000 nur schön bemalten Dinge.
Der Wunsch, daß dieses Jahr mich in Ihre Mitte nach Dresden
führen möchte, könnte Ihnen wohl erfüllt werden, wenn ein Plan,
welcher Ihre so lebendig in den Gegenstand unsers Lebens einge-
hende liebe Schwägerin hier gefaßt und mir ausgesprochen hat, aus-
geführt werden kann. Gar manche neue Schöpfung für die liebe
Kinderwelt würde ich Ihnen dann mitteilen.
Mit dem 1. künftigen Monats wird in Erfurt ein neuer Kinder-
garten eröffnet werden. A. [Auguste] Michaelis aus Gotha hat die Aussicht,
mit fünfundzwanzig Kindern dort zu beginnen. - Zum ersten
Mai will Frau Doris Lütkens in Hamburg einen Kindergarten
errichten. Sie hat deshalb einen großen Aufsatz über den Kinder-
garten in den Hamburger Nachrichten Nro. 47 vom 5. November
vorigen Jahres einrücken lassen. Sie sollten sich denselben zu ver-
schaffen suchen; denn es würde für Sie alle interessant und bildend
sein, ihn zu lesen.
Sollten Ihnen Zeitungen vorkommen, welche Mitteilungen über
unser Wirken enthalten, so bitte ich Sie, mindestens den Titel und
Nro. zu notieren und mir gelegentlich zu schreiben. Es ist meiner
Wirksamkeit sehr gut, wenn ich weiß, wie ich mit der Welt stehe
und wo man mit ihr in Verhältnis ist. Auch in Ihrem Sachsen
gewinnt der Gegenstand immer mehr an lebensvoller Teilnahme. So
hat ein Lehrer Stade aus Reichstädt vor einiger Zeit sehr ein-
gehend an mich über unsere Sache geschrieben und sich mehrere Er-
ziehungsmittel kommen lassen. Ich wünschte nur, Herr Stade be-
suchte Sie oder Ihren Bruder. Er scheint, nach seinem Briefe ein
reger thatkräftiger, junger Mann zu sein.
In Zöblitz, im Ober-Erzgebirge ist, veranlaßt durch den Kinder-
garten in Marienberg, - von dem Lehrer Kröner auch ein Kinder-
garten eingerichtet worden, und ich höre vom Superintendent Schneider
in Marienberg; daß derselbe, wie auch der in Marienberg selbst,
unter der sinnigen und eifrigen Leitung der Fräulein A. [Auguste] Steiner
in gutem Fortgange ist. /
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Von Luise Levin, die Ihnen von sich Kunde giebt, brauche ich
nur die Bestätigung dessen zu wiederholen, daß sie sich fortwährend
die größte Mühe giebt den Gegenstand, sowohl seinem Leben, wie
seinem Technischen nach, zu erfassen. Sie können sie darum immer,
wenn sich später dazu Gelegenheit bietet, mit gutem Gewissen em-
pfehlen.
[Anmerk. Es folgen Nachrichten über verschiedene Kindergärten.]
Herzlich Lebewohl

Fr. Fröbel.