Keilhau bei
Rudolstadt am 19/I 48.
Mein
theurer, geliebter Hermann.
Ist es mir doch als
habe ich Dir seit einem Halbenjahre nicht ge-
schrieben ein so
langer Zeitraum scheint mir seit meinem letztern
Briefe an Dich
und dem heutigen verflossen zu seyn und dennoch
sind es kaum mehr
als 5 Wochen; allein welch eine Menge der
Entwickelungen liegen
aber auch innerhalb dieser Zeit, dazu noch
die Feyer des
Weihnachts- und Neujahrfestes; denn wie einfach
dieselben auch
gefeyert werden mögen, so ist es als füllten diesel[-]
ben wegen
ihrer hohen Wichtigkeit auch verhältnißmäßig einen so
großen
Zwischenraum aus. Bei mir kommt nun noch überdieß dazu
daß ich
die Weihnachtszeit und sogen: Neujahrswoche, bis zum Silv-
ester
nach 11 Uhr Vormitternacht zu einer erziehlichen Reise
ver in,
die Gegend von
Eisfeld im Hildburghausischen verwandte,
deren
Zweck mich be[i]nahe jeden Tag, und zwar immer an einem
A andern
Orte von Morgens 9 Uhr
bis spät Aben[d]s in Anspruch nahm.
Diesem voran hätte aber
billig zuerst der Ausdruck meiner
Freude stehen sollen über die
von Euch Allen im Ganzen gesund
und froh durchlebten Festtage
stehen sollen; doch Ihr sämtlich
seid ja meiner herzinnigen
Theilnahme an Eurem häuslichen
Glück und Freuden so gewiß, daß
auch ohne besonderes Aus[-]
sprechen derselben Ihr von derselben
fest überzeugt seid. Und
so stehe nur der Dank gegen Gott hier
der Euch allen [sc.: alle] diese Festtage
so glücklich durchleben
ließ und der auch den darauf folgenden
Schreck und die Sorge
hinsichtlich Deiner l. Mutter bald wieder zur
Beruhigung
führte.
Was nun die Beantwortung Deines l. Briefes betrifft,
so
erlaube mir daß ich abermals den schon früher
betretenen
Weg wieder einschlagen und indem ich ihn nochmals vom
An-
fang lese, ihn sogleich Punkt vor Punkt beantworten darf:
Ich beginne also mit Deinen lieben Zeilen vom 14/12. 47. /
[16R]
1, Du beginnst sogleich mit der freudigen
Mittheilung Deiner hoff-
nungsvollen Überzeugung - "Die in Aussicht stehende Anstalt
"kann sich nach und
nach aus sich selbst entwickeln" - und fügest
noch
ermuthigend hinzu: - "Sich zu entwickelnder Stoff ist
da."
"Nur sichere Hände.- (:also klares, ruhiges
und festes Handeln:) - be-
"darf es um die verschiedenen Kräfte
nach Einem Punkte zu concen[-]
"triren."- Erlaube mir nun zum
ersten auch einige Thatsachen aus
der Ferne hinzuzufügen und zu
beleuchten um das zweite recht na-
turwüchsig herbei zu
führen.
Kennst Du einen gewissen
Kaufmann
Gorns in Eisenach?-
Es soll
nicht nur ein achtbarer, sondern auch im Kreise seines
Wirkens
geachteter Mann seyn, ob er gleich ursprünglich kein
Eisenacher
sondern seine eigentliche Vaterstadt Osterode am Harz
ist. Dort
ist er nun sehr nahe mit einer gewissen Familie
Levin
ver-
wandt, von welcher auch schon zum öfteren Personen auf
längere
Zeit zum Besuche gewesen sind. Mit dieser Familie
Levin ist nun
auch meines älteren mit mir jetzt
geeinten Bruders Familie
welche ja ursprünglich auch eine
Osterodische ist, zwar nicht ver[-]
wandt sondern durch früheres
nachbarliches Nahestehen sehr freundschaft-
lich nicht nur
bekannt, sondern verbunden. Von dieser
Levinschen
Familie lebte nun schon seit ich glaube
2 Jahren eine Tochter als
Gehülfin in unserm Hause. Durch den
Erfolg meiner erziehenden
Wirksamkeit auf meine Schülerinnen ist
diese[s] Frl.
Luise Levin
nun auch bestimmt worden sich der Kinderpflege oder
Bildung
bezeichnender, sich der Kindergärtnerei zu widmen und
sie
theilt nun mit
Alwinen , der Tochter
Middendorffs, welche
sich für den gleichen Beruf, und zwar auch
schon vorläufig für
eine bestimmte Wirksamkeit bei mir ausbildet,
meinen
Unterricht als vollständig eingetretene, somit aus
ihrem
bisherigen <
Th>
Verhältniße ausgetretene Schülerin.-
Diese[s] Frl.
Luise
Levin ist nun eine Jungfrau zwar
ganz in den heran
gereiften letzten 20
er Jahren, allein
von
sehr sanftem, kindlichem, liebenden Gemüthe besonders /
[17]
von geräuschloser, ausdauernder, productiver Thätigkeit. Sie
besitzt
gründliche Kenntnisse und Gewandheit in der Führung der
Haus- u
Küchenwirthschaft, so daß sie darin das volle Zutrauen
der Frauen
unseres Hauses genoß, wie sie sich denn gleichmäßig in
ab-
wechselnd bestimmten Tagen sich ganz mit denselben in
dieselbe
theilte; auch mit den feinen weiblichen Handarbeiten ist
sie bekannt
und nach Maaßgabe ihrer Zeit macht es ihr Freude auch
diese
auszuführen. Alle die hier angedeuteten Eigenschaften
beweist sie
nun auch in schönem Fleiße bei Aneignung der ihr zu
ihrem durch Selbstbestimmung
gewählten erziehenden Berufe.
Aus dieser, wie es mir nun scheint so entsprechenden
Weiblichkeit
und wie es den Anschein hat so angemessenen
Verhältnissen,
meine ich nun kann auf die ungesuchteste und rein
naturwüch[-]
sige Weise die Ausführung unseres gemeinsamen Planes
im innigen
Einklange mit den schon früher dargelegten
günstigen
Gesammtumständen - hervorkeimen - wachsen, blühen und
fruchten.
Da nun Deine und Eure Liebe mir erlauben will Euch im
kommenden
Frühling wieder besuchen und mit Euch wieder glückliche
ja seelige
Tage verleben zu dürfen, so würde es von Deinem und
Euren Er-
messen der gesammten Umstände abhängen zu bestimmen,
wann dazu, viel-
leicht zwischen Ostern und Pfingsten, oder wie
Ihr sonst das Ganze
der Verhältnisse günstig erkennt - die rechte
Zeit wäre.
In dieser Zeit würde dann auch
Frl. Levin einen Besuch bei
ihren
Verwandten, dem Kaufmann Gorns möglich zu machen
suchen[.]
Wäre es dann dem erregten Wunsche angemessen, so würde
ich einige
aufeinanderfolgende Vorführungen der, von mir
angebahnten Kinder[-]
spiel[-], Beschäftigungs- und
Führungsweise, zwar im allgemeinen
im Geiste wie die
f vorigjährige, allein mehr
auseinandergehalten
und in das Besondere eingehend, zugleich mit
wirklichem Kinder-
spiel und Kinderbeschäftigung verknüpft,
geben. Fände sich da-
zu ein einladendes Privatlocale; was
zugleich - wenn sich durch
diese Vorführungen ein bleibendes
Interesse für den Gegenstand
entwickeln sollte - dann auch
sogleich bleibend benutzt werden /
[17R]
könnte, so wäre
dieß auf das Höchste ersprieslich für die Sache;
denn nichts ist
für einen neu zu begründenden Gegenstand
nachtheiliger, nichts
wirkt auf die gesunde Fortentwickelung
desselben störender ein
als - Unterbrechung und - schwanken[-]
der, Unsicherheit
zeigender Wechsel, wie im Gegentheil nichts
pflegender und
E erstarkender als stetige
Fortentwickelung.
Auf der andern Seite kann aber auch
Frl. L. L. da ihre Anwesenheit in
Eisenach gleichsam zunächst
blos ein etwas längerer Besuch ist, auch
die Entwickelung ruhig
abwarten ohne wenigstens zur Entscheidung
hinzu
t drängen. Zunächst kann man sehen,
was ich für die Fortent-
wickelung des Ganzen wesentlich halte;
ob die Persönlichkeit der
L. L. den Frauen Eisenachs im
Allgemeinen, ganz besonders aber
denen Deines geehrten Hauses
namentlich Deiner verehrten Mutter
und lieben Schwester zusagen
würde; doch würde sich dieß bald her[-]
aus stellen. Davon würde
es dann auch ganz wesentlich abhängen
welcher persönlichen
Theilnahme sich das beginnende Wirken der
L. L. der auszuführende
Kindergarten, von der Frauen- und Jung-
frauenwelt Eisenachs zu
erfreuen habe, und ob sich daran
besonders eine fortbildende
Wirksamkeit für die letzteren
anknüpfen lasse. Genug das Ganze
dünkt s mich, so begonnen
einer
ganz naturgemäßen Entwickelung aus dem Einfachsten
und Kleinsten
des wirklichen Lebens, frei gegeben; Wie aber
auch dem pflegenden
Eingreifen der Männer und der Behörden
der geistlichen und der
weltlichen Behörden, der Weg und die Thüren
geöffnet sind. Und
Dir, mein theurer, geliebter Hermann
scheint mir durch diese im
vorigen angegebenen Lebensthatsa-
chen ein nicht unbedeutendes,
begründendes Materiale zu Dei[-]
ner seegensreichen Mitwirkung
gegeben.-
2. So schließen also das Kleinste und das Größte
gegenseitig sich
nicht aus und der
kleine, einem Senfkorn gleichende Kern
eine[r] Tanne oder Fichte
hat in seinem kleinsten Keimen schon
das Streben im Auge ein Baum
zu werden der bis zu den Wolken
reiche und der einst nach
Jahrhunderten als Maß Tausende in das Land der
Freyheit
führe. /
[18]
3. Solche Naturwüchsigkeit
wirkt auch zur Gesundung des Ganzen
welches aus ihr hervorgeht
und so sind denn auch einem solchen
Kreise Krankheiten viel
seltener als anderen; dieß kannst
Du Dich ja selbst aus der Zeit
meines hiesigen Kreises erinnern
als wie Du als Pflegebefohlener in
demselben selbst lebtest. Ja
sol-
ches naturgetreues Leben wirkt sogar erstärkend auf -
durch
Lebensmißgriffe gestörte und geschwächte Kindheit. In
diesem
doppelten Vertrauen ruht der frische Lebensmuth mit
welchem
ich abermals der Begründung eines neuen Werkes entgegen
gehe[.]
4. Wenn dann so das Ganze zugleich als ein frisches
Gewächs
auch des v. A. Hauses, entkeimt dem Herzen u Gemüthe
des-
selben dasteht, dann kann auch der alte Freund dieses ihm
von
neuem, durch Pflege der jungen Pflanze, seine alte
Freundschaft
bethätigen, und ich hoffe es; ich hoffe es, daß ihm,
wie jetzt
die Idee, so später auch die
Ausführung ansprechen werde
und
zugleich für beide der Fürsprecher im Rathe
der Stadt.
5. Vergiß darum - um des einstigen
Zusammenwirkens
willen - ja nicht, sobald sich Dir dazu günstige
Gelegenheit
zeigt auch wenn auch nur ganz vorläufig mit dem
He. O.
Bürgermeister <Rühe> zu
sprechen.- Der Mensch hat es sehr
gern wenn man mit ihm,
gleichsam berathend über eine Sa-
che spricht, so lange sie noch
in der Entwickelung ist und ehe noch
die Spatzen auf den Dächern
daf davon sprechen; der
Mensch
findet darin mit Recht einen Ausdruck des
Vertrauens;
denn es ist wenigstens die Möglichkeit daß sein Rath,
seine An-
sicht noch beachtet werde und dieß Gefühl ist
erwärmend,
wohlthätig, denn der Mensch fühlt und erkennt sich so
als
Glied eines größeren Ganzen, dieß weckt wie
gegenseitig
persönliches, so Selbst- und Eigen
Vertrauen und nur auf solchem
wie
auf Gottvertrauen (Gott wirkt und spricht nur durch
den Menschen)
- kann ein bleibendes Werk aufgebaut, d.h.
hervorentwickelt
werden.-
6. Die Beachtung eines zweckmäßiges [sc.:
zweckmäßigen] Hauses u. Locales /
[18R]
habe ich schon
früher erwähnt, besonders freut es mich daß Du
das
v. Bertholsheimische Local noch im Auge behältst. Ver-
hältnisse
welche nach mehreren Seiten hin verschlossen, öffnen
sich oft
leicht nach einer andern, worin das Ganze eine höhere
Bedeutung
erhält.
7. Daß die Mädchen, wie Du schreibst, jedenfalls aus
der
Realschule kommen und wahrscheinlich
Dr. Mai wieder
überwiesen
werden, so wie daß Du meinst dieser
würde mir wohl den
Kindergarten geben - freut mich
gar sehr.- Ob es aber jetzt schon
gerathen ist mit Dr.
Mai darüber zu sprechen überlasse ich Deinem
und der
lieben Deinen Ermessen. Es kann gut und nicht gut
seyn,
je nachdem er die Sache ansieht. Jedenfalls dünkt
es
mich müßte er durch Übertragung der Mädchen eines
Ersatzes
gewiß seyn.- Was seine Gehülfin betrifft
- im Fall er derethalben
besorgt wäre, so könnte sie ja
vielleicht später - wenn unsere
Anstalt in
spe, sich
entsprechend ausbildete - in
derselben als Gehülfin [arbeiten].
Daß [sc.: Das] sind jedoch nur
Gedanken welche entstehen, indem man
den Gegenstand allseitig
betrachtet[.]-
8. Für den Lächelgruß Deiner herzigen Marie am
Schlusse des
alten Jahres danke ich herzlich, so wie [für] die
freundlichen
Grüße all der l. Deinen.- Möchten die letzten Tage
im alten
und die ersten des neuen Jahres Euch meine
herzinnigen
Gegengrüße gebracht haben.
9. Wie Deine kleine
Marie mit der Zither, so spielt Barops
Reinhold - noch nicht
1 Jahr alt sehr gern mit den Tönen des
FortePiano. Doch ist es
hier nur der starke Ton und der unbe-
stimmt[e] Tonwechsel
welcher ihm Freude macht.- Gleiche Freude
an den Tönen des Piano
habe ich an dem 1jährigen Johannes
des
Pastor Hildenhagen
bemerkt, wenn sich Jemand mit ihm
an das Instrument setzte.
Überhaupt habe ich die Freude
am Instrumentalton nun schon bei
mehreren Kindern /
[19]
bemerkt, so wie auch die Freude
am wiederkehrenden
Rhytmus.
So können
z.B[.] die Kinder eines mir gegenüber wohnenden armen
Kleinbauern
stundenlang das Läuten der Festglocken: bim, bim bam
singend
nachahmen, ja noch auf den folgenden Tag übertragen.
Mir will
sich daraus aussprechen, daß Rhytmus, Melodie
und Harmonie zum
Wesen des Menschen gehört und die Ausbil-
dung derselben im Kinde
darum frühe der Beachtung werth ist.
9. [sc.: 10.] Den Kindern
durch stetes saugendes Effen oder sogen: Mitthun
den innern
Thätigkeit[s-] oder Lebenstrieb gleichsam beschwichtigen
zu
wollen ist gewiß nicht gut. Man soll darum dünkt es mich
des
Kindes frühen Trieb seine Händchen zu beachten, mit Händchen
und
Fingern zu spielen auch frühe pflegend entgegen kommen;
für jede
rhytmische und abwechselnde Bewegung der Finger
läßt sich ein
Spielchen wie ein Liedchen erfinden. Ich selbst wer-
de die
Kinder in dieser Beziehung d.h. ihre Selbstthätigkeit
und
Erfindungskunst immer mehr beachten, wo sich mir dazu
Geleg[en]heit
zeigt.-
10. [sc.: 11.] Die Kinder frühe
anzuführen halte ich auch keinesweges
für gut. Das Kind lebt noch
zu sehr in der steten Folge, in dem
Stetigen der
Wirklichkeit.-
12. Deiner Feier des Weihnachtsfestes freue ich
mich, und ich
wünsche Dir und Euch Glück zu derselben.
Ich
habe auch in diesem Jahre, wie nun schon seit ein[i]gen
Jahren
aus Gründen das Christfest nicht in Keilhau,
sondern - wie soll
ich sagen - im Volke zu verleben ge-
sucht. Ich halte nämlich die
Christfestfeyern für die Fortbildung
des Volkes als eines Ganzen
höchst wichtig - nur müssen Sie [sc.: sie] -
wie dieß schon an
mehreren Orten geschiehet, immer mehr den
Charakter einer
gewissen Allgemeinheit erhalten.
Ich bearbeite diesen
Gegenstand mit aller Lebenswichtigkeit[.]
Dieß Jahr habe ich mein
Christfest in Schalkau, zwischen
Sonne-
berg und Eisfeld zugebracht, und mit den Kindern
welchen
der Hoffmann-Meyersche Christbaum ein Christfest
brachte,
gefeyert.- /
[19R]
Als Ergebniß der mir
erfüllten Sehnsucht nach gemeinsamer
ich möchte sagen
Volkschristfestfeier wurde mir recht augenfällig
die
"Rückwirkung" des gepflegten und
entwickelten Kinder- und
Kind-
heitlebens, ja die
"Macht" und "Gewalt" desselben auf das Gemüth
den Geist
und das Leben der "Erwachsenen", der
"Eltern" kund; mir
wurde ganz klar,
wollen wir auf "diese" wollen wir auf sie
als auf
"Bürger" einer Stadt, auf sie
als "Glieder" eines Volkes wirken,
so
können wir dieß nur mit Erfolg durch die Pflege, Entwickelung,
Erzieh[-]
ung und Bildung der Kinder, ihrer Kinder allein so, daß
das Ergebniß
davon sich als ein
schönes geordnetes Ganzes, gleich einem doldigen
oder traubigen
Blumenstengel, gleich einem schön, zum Sprechen geord[-]
neten
Blumenstrauß oder Kranz, wie der eines Liebenden oder
einer
Geliebten darstelle.- Schon diese Erfahrung war mir viel,
war wohl
einer winterlichen Reise werth - und sie soll mir für
das Leben und
mein Wirken, selbst nicht für unser geeintes Wirken
in Eisenach
verloren gehen; doch sollte mir diese Reise noch mehr
bringen.
Mit Freunden der Kinder- und Jugendwelt welche mir
diese
Tage theils von neuem gebracht, theils näher verbunden
hatte,
wurde Montags nach dem Feste die Reise weiter fortgesetzt
u
Nachmittags in Kloster Veilsdorf nahe bei Hildburghausen
u
Eisfeld Halt gemacht. Dort fanden wir schon, wie es
vorher
brieflich bestimmt war eine ziemliche Anzahl, wenigstens
über
zwanzig Kinder- und Jugendfreunde zusammen. Der Zweck
dieses
Zusammenfindens war um uns über ein Kinder- und
Jugend-
spiel- und somit Volksfest zu besprechen, welches in
diesem
Sommer (vielleicht gegen Johannis) eine Anzahl
Schullehrer,
vielleicht auch etliche u 20 mit ihren Schul- und
Dorfkindern
begehen wollen. Da nun aber die meisten noch gar
keinen
Begriff von entwickelnden Kinderspielen u solchen
Beschäftigungen
hatten, so war also das Erste das [sc.: daß]
selbst gespielt wurde.
Da nun aber keine oder wenigstens nur ein
paar Kinder ge-
genwärtig waren, so sagte ich, wenn wir Kinder
erziehen wollen
müßten wir selbst Kinder werden, so half es den
Her[r]en /
[20]
Schul
"Meistern
" nichts auch einmal wieder Schul
"Kinder " zu werden:
sobald aber das Fröhliche
des bisher etwas fremdgewordenen Ver-
hältnisses wieder
durchfühlt worden war gieng alles trefflich
von Statten die
Herzen wurden warm, der Geist klar u heiter,
die Glieder
geschmeidig, die Sinne thätig. Es mochte gegen 11 Uhr
Abends seyn
als man sich freudig trennte, jedoch mit dem Vorsatz
sich morgen
zu weiterer Bekanntmachung u.s.w[.] mit der Sache
in einem
anderen Orte näher dem Walde wieder zusammen zu fi[n]den
damit
auch noch andere Antheil nehmen konnten. Und so geschahe es.
Als
ich des anderen Tages in
"Brünn" eintratt
[sc.: eintrat] fand ich schon manche ver[-]
sammelt so unter
andern den He.
Oberlehrer Heine am Seminar
in
H[i]ldb[ur]gh[au]sen, in welchem die gestrigen Mittheilungen
solches Interesse an
der Sache geweckt hatte[n], daß er heut
schon 7 Uhr Morgens
einen Weg von 3 Stunden angetreten hatte um
an den weiteren
Mittheilungen Antheil zu nehmen. Da dieser Mann
ein höchst
geachteter Lehrer fast der meisten in der Gegend jetzt
angestell-
ten Ortslehrer früher gewesen war und noch jetzt von
allen
geliebt wird, so war mir diese Erscheinung um dieses und um
des
Ganzen willen besonders lieb.- Bald war wieder ein
Kreis
versammelt welchen kaum des Schullehrers Stube faßte
als
weitere Mittheilungen im Geiste der gestrigen begannen;
es
waren heut nur Kinderbeschäftigungsweisen in ihrer
Rück-
wirkung auf des Kindes Geist, Gemüth u Leben.-
Wir
mußten uns heut früher trennen u schon mit eintretender
Nacht, weil
jeder heut einen weiteren Weg als gestern zur
Rückkehr hatte.
Doch wurde für morgen (also Mittwochs den 29 Xbr)
eine
Zusammenkunft in einem größeren Locale zu
Oberwind fest-
gesetzt.
Ich zog heut in mein Standquartier nach
Poppenwind ein[.]
Nach getroffener Bestimmung
sollten morgen Kinderspiele mit
Kindern in der Weise ausgeführt
werden, als es beim Spiel-
fest geschehen sollte. Da mußte denn
heut Abend in
Poppenwind noch vorgearbeitet, und
diese Vorbereitung noch Mittwochs
früh mit den Kindern
fortgesetzt werden.- Diese zeigten /
[20R]
jedoch eine
solche Liebe zu der Sache, Freude an ihr und Ausdauer
bei
derselben, daß ich es schon wagen durfte Nachmittags
mit ihren
Leistungen hervortreten zu dürfen.
Mittwochs Nachmittags war
die Versamml[un]g in Poppenwind
noch etwas ansehnlicher als die
am gestrigen Nachmittag
obgleich die winterlich unwegsame
Ortsverbindung einig[e]
entfernt wohnende Lehrer zu kommen
abgehalten hatte.
Heut waren auch einige Geistliche der Umgegend,
selbst zwei
aus Eisfeld mit fast sämtlichen Lehrern der Stadt
anwesend[.]
Es begann zuerst, da es zugleich eine Conferenz in
der betref-
fenden Angelegenheit war, alles in
parlamentarischer
Form. Mit Vorlesung der Eingabe beim Herzogl.
Consistor:
zu Hildburghausen, die Bitte um
Abhaltung eines größeren
gemeinsamen Spielfestes wurde begonnen.-
Hierauf
die ganz eingehende Bewilligung und Genehmigung
des
Herzogl. Consist: vorgelesen. Diese mußte
natürlich die
Theilnahme an der Sache allgemein wie erhöhen; so
befestigen.
Hierauf führte ich mit meinen Schulkindern, die
Lehrer
einordnend unsere geübten Spiele vor, welches wieder
so
allgemeine Befriedigung herbei führte, daß für den
nächsten
Tag Donnerstags den 30 Xbr abermals in
"Brünn" (dem Pfarr-
orte) eine
nochmalige Zusammenkunft jedoch mit Kindern
aus den 3 Schulen des
Pfarrspieles festgesetzt wurde.
Da gab es denn für den Abend
und nächsten Morgen wieder
etwas einzuüben. Allein der Erfolg
krönte auch das Werk.
Der vorsitzende Geistliche Herr
Diac: Pfarrer und
Rector Göpfertaus Eisfeld war wieder
gegenwärtig. Auch erfreuten
wir uns heute schon der Theilnahme
zuschauender Frauen. So
enthielt denn der Plan zur Ausführung
eines Kinder- und
Jugendspiel- u Volksfestes seine vollständige
Befestigung.
Ein
Comité hatte schon die Anordnung
des Ganzen über-
nommen und so hoffen wir denn mit Gott, indem
mir
die
ge völlige Leitung des
Ganzen, mit Einstimmung des Herz. Consist. /
[21]
zu
Hildburgh[au]sen d.i. Meiningen - übertragen worden ist. Entspricht
nun
der Erfolg dem Vorhaben, so hoffe ich von diesem Feste auch
eine we-
sentliche und förderliche Fortwirkung auf unser
Eisenacher Beginnen.
Jedenfalls würde es mich freuen könnte ich
Dich dabei gegenwärtig
sehen.
Freitags früh 6 Uhr trat ich
zu Fuß meine Rückreise
über
von
Poppenwind über Heubach, Wasserberg, Katzhütte,
Schwarzburg
durch das Thal über Blankenburg nach Keilhau an; wo
ich aber noch
zur rechten Zeit in das Versammlungszimmer trat um
MiddendorffsAbschiedsworte
vom alten und Bewillkomm[nun]gsworte des neuen
Jahres zu hören
und so noch den Sylvester im Heimischen Kreise,
was ich mir
vorgesetzt hatte zu feyern.
Ich selbst habe noch nie in meinem
Leben einen solchen Abschied vom
alten Jahre genommen. Denke Dir
in völliger Dunkelheit den Weg
durch das enge, oft ganz, wie ohne
allen Ausgang verschlossene
von beiden Seiten
mit durch die
s mit schwarzem Walde
bedeckten
Berge begrenzte Schwarza Thal, welches hier recht den
Namen
das schwarze Thal trug und es
bedarf nur dieß um Dich zu über-
zeugen wie der Mensch nothwendig
dadurch auf und in sich und
auf die unsichtbare allwirkende
Lebenseinheit zurück geführt
werden mußte. Und so war den[n] mein
Austritt aus dem alten
Jahre nicht nur dem Wesen sondern selbst
den W durch den Rück-
blick auf
das Leben, den Worten nach gleich, welches ich als Zeichen
des
gesegneten Fortgangs unseres gemeinsam beginnenden Wir-
kens so
wichtig halte, daß ich mich dadurch aufgefordert fühle
dem
Gegenstand eine selbstständige Beachtung zu widmen.
13. Du
weist ich bin in einem Dorfe auf dem Th. W. in
Oberweißb[a]ch
geboren wo mein
Vater Pfarrer war. Der Ort hatte
2 Schullehrer
Cantor
f war der
eine, er hatte die Knaben; Organist der 2
e, er
hatte
die Mädchen.- Mein Vater durch seine vielen Amtsgeschäfte
ver-
hindert
verf mich selbst zu
unterrichten, sah sich genöthigt mich
wenigstens für den ersten
Unterricht in eine der Dorfschulen zu
schicken. Er wählte die
Mädchenschule, weil der Knabenlehrer sehr /
[21R]
[ungeeignet] und mein Vater sonst seiner Amtsführung halber
nicht mit ihm
zufrieden war.
Es war Montag als ich vom
Vater persönlich in die Schule geführt
wurde. Die kleinsten
Mädchen der untersten Bank - (:Ich
hatte als Pfarrers Sohn den
Ehrenplatz unmittelbar neben dem
Schullehrer vielleicht auch um
als ein muthwilliger Junge der
ich gewesen seyn soll nicht neben
den Mädchen zu sitzen:) -
Also die kleinsten Mädchen der
untersten Bank, gerad vor
mir mußten den ihnen von einem größeren
vorgesprochenen
aus der gestrigen Predigt aufgenommenen
Wochenspruch,
nachsprechen: Dieser war denn der auch von Dir als
so lebens[-]
wichtig erkannte Bibelspruch:
"Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach
seiner
"Gerechtigkeit, so wird Euch das andere Alles
zufallen."
Dieses von den kleinen Mädchen immer satzweise
nachgesprochen -
und zwar mit ihren hohen Kinderstimmen in der
alten singenden
Dorfschulweise, überdieß im Chor und während der
sechs Tage
<
je> in der
Woche jeden Morgen eine ziemliche Zeitlang zu hören
- denn erst
am Sonnabend brauchten die kleinen Mädchen
den ganzen Spruch zu
können - dieß machte den Worten
den Tönen und der
Sache nach (denn den Größern und
so[-]
mit auch mir wenn auch kleinen Pfarrers Sohn
) wurde
der Spruch erklärt) -
einen so tiefen Eindruck auf mich
daß der Spruch von diesem
Wochenspruch im recht eigentlichen
Sinne mein Lebensspruch spruch
[2x] wurde, denn durch mein
ganzes Leben hindurch tönte er mir
gleichsam wie Gesang
aus einem Nonnenchor in mein Ohr. Und so
wurde dieser
Spruch
ihn später in
meinem Leben in seiner ganzen Wichtigkeit
und Wirksamkeit
und wie tiefer Lebenswahrheit
erkannt,
die Grundlage und der Regulator vieler meiner
Unterneh-
mungen in welchem er sich, - wie z[.]B. auch in dem
mehr als
30jährigen Bestehen des, nur in der Wahrheit des
Wollens
gegründeten, Keilhaus - stets in seiner Wahrheit
{bestätigte / bewährte}[.] /
[22]
Du kannst nach allem
diesen, mein theurer geliebter Freund
Dir nun wohl sagen, wie
tief es mich ergreifen; aber auch
wie hoch es mich erfreuen
mußte, daß die, auch wörtlich
ganz gleiche Wahrheit auch Deine
Überzeugung, ja Deines
Lebensgrundgedanke ist. So gemeinsam ein
Werk auf solchen
gemeinsam sicherem Boden und Grund herauf
gebaut, das
muß sein Bestehen haben, denn es trägt ja eben den
Grund
dazu in sich selbst. Siehest Du mein theurer, geliebter
Hermann
darum möchte ich sagen, daß deßhalb schon unser
gemeinsa-
mes Werk und Wirken ein, in seinem ersten Beginnen
schon
von der Einheit alles Lebens - Gott gesegnetes sey.
Lasse
uns darum diesen "Glauben" in
allen Erscheinungen des Lebens,
zur
Erschein[un]g unseres Gott- und Selbstvertrauens - bestätigt
"erschauen".-
14. Wie Du mir
in Beziehung auf das Verhältniß der Lehrer
zu den Eltern und
Kindern und dieser unter sich und gegenseitig
das Leben
Eisenachs schilderst; ebenso schildert mir
ein in
diesen Tagen aus Dresden erhaltener Brief das
Wechselver-
hältniß zwischen Eltern, Kindern u Lehrern wie der
ersteren
beiden unter sich. Nun wir wollen sehen was mit G. H.
[sc.: Gottes Hilfe] ein
einfacher Kindergarten vermag der auf den
Grund er-
baut ist: - Lasset die Kinder zu mir kommen u.s.w.
und
...... Ihre Engel sehen allezeit das Angesicht ihres
Vaters
so wie auf den obigen Grund- und Eckstein. Suchen
wir
doch beide nicht das Unsrige und nicht für uns.-
15.) Du und Ihr alle habt recht: meine
Kinderführungsweise
will wie alles Ächte und selbst
Deine Rekrutenführung
mit Geist erfaßt und durchgeführt seyn;
deßhalb will ich
mich ja aber auch eben selbst, - so weit ich
selbst diesen
Geist erfaßt habe, mich
stetig der
unmittelbaren Leitung
ganz und so lange
hingeben, bis derselbe Geist in den
jetzt helfenden erwacht u
erstarkt ist.- Sagt mir nur
alle Schwierigkeiten, laßt sie uns
dann gemeinsam berathen, /
[22R]
ist es möglich
beseitigen und kann dieß nicht gleich seyn, so
laßt solche
wenigstens nur so lang geduldig ertragen bis
ihre Beseitigung
sich herbeiführen läßt.
16. Laße uns nur einmal zunächst
unsere geistigen Mittel
und Kräfte zusammennehmen: Du mit Deinem
Gottvertrau-
enden, liebenden, treuen u dankbarem Gemüthe in der
Mitte
einer hochachtbaren auch schon achtend vertrauenden
Familie.
Außer uns wie Du schreibst: "Sich zu
entwickelnder Stoff ist
da[."]
Einsichtige Freunde wie Prof. <Mohr> und andere, wenn nun
auch
noch ältere Frauen und Mütter von sehr
empfindlicher Natur
welche leicht das was über Erziehung
gesagt wird als Vor[-]
wurf nehmen, so
stehet zwischen diesen dreyen (dem Stoffe
der Freunden und diesen
Müttern u Frauen) und uns ein einfaches
anständiges und doch
bescheidenes Mädchen durch ihr Thun
und dessen Erfolg vermittelnd da; so hoffe ich werden
diese
hemmenden Elemente, durch die Vorsicht u Klugheit
mit welcher
besonders Ihr sie behandelt, wenn auch etwas
störend doch nicht
ganz vernichtend wirken. Von meiner
geprüften Ausdauer u Geduld
hoffe ich denn auch etwas
so wird uns ja der Erfolg nicht ganz im
Stiche lassen; sage
mir nur offen was ich
17) zu thun habe
"damit Du immer mehr das Ganze in voll-
"ständiger Klarheit und
Lebendigkeit in Dich aufnehmen
"und so wieder ins Leben einführen
kannst["].-
18.) Deine Nachrichten von der hergestellten
Gesundheit Deiner
lieben verehrten Mutter - so wie die von dem
vortreff-
lichen Gedeihen der kleinen Marie haben mich hoch
erfreut
Gott schenke immer mehr die Befestigung von
beiden.
Daß die kleine Marie in der äußeren Entwickelung
anderer
Kinder ihres Alters noch etwas zurück ist, ist
mir
wirklich lieb, indem ich aus dem Übrigem abnehme
[sc.: annehme],
daß ihr Geist und Leben in ihr erstarkt.- Was Du
mir
von der Einwirkung verschiedenartiger liebender
Individua- /
(23) litäten auf die allseitige Entwickelung
ihres Wesens schreibst,
glaube ich wohl, als auch meine
Überzeugung unterschreiben zu
können, wenn jedoch die
verschiedenartigen Einwirkungen gleich-
mäßig ruhig sind und
keine derselben zusehr erregend ist, was
ja aber bei Eurer Aller
Sorgfalt für den kleinen Engel, bei
der kleinen Marie nicht zu
fürchten ist.
19. Das Spiel der Frauen mit den Kindern ist
gewöhnlich lieblich
und wir können gar sehr viel von ihm lernen;
nur meine ich
könnte zum Öfteren in ihre Hände- und Finger- wie
Glieder-
und ganze Körperbewegung und Spielchen mit den lieben
Kleinen mehr
Rhytmus (Tackt) und dieser in
vielfach
abwechselnder Weise gleich den Füßen bei den
Versen
z.B[.] -u / -u / -u / oder umgekehrt u- / u- / u- /
oder
u-u / u-u / u-u / oder -u- / -u- / -u- / oder -uu /
-uu
u.s.w. [verwendet werden.] Dann meine [ich,] ist es dem
Kindchen wohlthuend, wenn
es diese Rhytmen wenigstens mit klaren
Worten be-
gleitet hört. Kann es abwechselnd einfacher Sington
seyn,
einfache Singweisen, so ist es gewiß dem Kindchen
angenehm.-
Eines will mir auch bei dem gewöhnlichen
Spiele mit den Kindern
nicht gefallen, das ist das Verknü[-]
pfen derselben mit gehalt-
und gedankenlosen Worten.
Wenn solche auch die Kinder noch nicht
verstehen, so halten
sie doch den Inhalt in sich fest, was später
gewiß wenn
das Hören u Verstehen der Worte hinzukommt, sehr
nachtheilig
wirkt es ist dann gleichsam schon an das Hören des
Gedanken-
ja Sinnlosen gewohnt. Ich weiß nicht warum man
nicht
gleich sinnvolle Worte wählen kann, wodurch das
Kind
wenigstens so bald als es solche versteht, zugleich
etwas
zu denken und somit Nahrung für Herz Gemüth u
Geist
auch wohl für das thatfertige Leben bekommt.-
- Eben
sagt mir Frl. L. L. welche bei mir arbeitet, von
einem ihrer
kleinen 2jährigen Verwandten, daß derselbe
den Gesang nicht gern,
aber das klare Erzählen, obgleich er /
[23R]
er [2x]
keinesweges alles verstanden - sehr gern gehabt habe.
So hab ich
von 2 kleinen Knaben - deren Mütter beide sangen
- gehört, daß
sie es nie leiden wollten wenn die Mutter
sang auch wenn es zum
Clavier geschahe, vielmehr sogleich
baten "
Mutter sing nur nicht". Ob der Grund davon
wohl
das beim Kunstgesang etwas verzogene Gesicht ist,
denn
eben solchen Gesang konnten die beiden Knaben nicht
hören.
So geben uns die kleinen Wesen ewig Aufgaben zum
Studiren[.]
20. Bei Gelegenheit Deiner Erwähnung
Leidesdorfs, will ich
Dir
doch sagen, daß ich zu Weihnacht ein Buch bekommen habe
wel-
ches zu lesen ich Dir gar nicht genug empfehlen kann. Der
Titel
ist: -
L. Aimé-Martin über die Civilisation des
Men-
schengeschlechtes durch die Frauen oder Erziehung der
Hausmütter - Eine von der Akademie Frankreichs
gekrönten
Preisschrift. Übergetragen von Dr. J.
Leutbrecher. Mit einem
Vorworte u Anmerkungen
von Fr. Nösselt. 1 Band. in 2 Lieferungen
700 Seiten
12° Breslau Verlag von August Schulz 2 Rth.-[.]
Du wirst das Buch für Dich auf das höchste belehrend
finden
besonders die 2. Lieferung. Findest Du Dich nicht
veranlaßt
Dir es früher anzuschaffen, so bringe ich es mit und
dann
lesen wir es gemeinsam.
21. Unsere Schrift ist durch
Middendorffs Abhaltung
leider
noch immer nicht fertig; doch wird mit Eifer an dessen
Be-
endigung gearbeitet.
22.- "Schön" kommt wie schon
Kant
bemerkte, von
scheinen, wo
gleich[-]
sam die innere Einheit am Äußeren und durch äußere
Mannig[-]
faltigkeit harmonisch (im Einklang, Zusammenstimmung)
hervor
scheint hervor leuchtet. Die Verknüpfung des Innern mit
dem Äußeren, des
Geistigen mit dem Sachlichen, der Einheit mit
der Vielheit
dieß macht den Begriff schwierig, welcher sich doch
leicht
ergiebt, wenn man den Begriff
scheinen bestimmt auffaßt.
Kaum bleibt mir
noch Platz Dir u Euch allen ein herzliches Lebewohl
zu sagen und
Dich zu bitten mich recht bald wieder mit
einigen Zeilen zu
erfreuen. Stets