Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Stangenberger in Poppenwind v. 29.5.1847 (Keilhau)


F. an Johannes Stangenberger in Poppenwind v. 29.5.1847 (Keilhau)
(BN Anh. 43, Bl LC 13- LC 18, Abschriftabschrift 3 B 8° 11 S. Handschrift unbekannt. Der Abschriftabschreiber gibt als Vorlage eine Abschrift im Besitz eines Redakteurs Richard Lorenz, Coburg, an. - Bemerkungen des Abschriftabschreibers, die sich mit seiner Vorlage auseinandersetzen, werden, soweit sie als richtig erscheinen, hier u. in allen F.-Briefen an Stangenberger aus BN Anh. 43 analog zu eigenen Bemerkungen wie folgt aufgegriffen: Hinweise auf Auslassungen als "< ? >", Hinweise auf vermutliche Lesefehler als "[sc.: ...]".)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Herrn Johannes Stangenberger in Poppenwind b.
Hldbrghsn.
Keilhau bei Rudolstadt am 29/V 1847
Sie haben mir sehr werther Herr Stangenberger durch Ihr freundliches Briefchen vom 21. d. wieder viel Freude gemacht; darum auch zuerst meinen besten Dank dafür, dass Sie sich des übersandten Liedchens, Christus der Kdrfr. so pflegend und liebevoll angenommen haben, dafür noch meinen besonderen Dank. Aber eben dieserhalb komme ich schon wieder bittend zu Ihnen. Künftigen Dienstag denke ich meine Reise nach der Elbe u.s.w. anzutreten, ich werde über Gotha reisen und auch dort einige Tage /
[LC 13b]
verweilen, also frühestens Freitag wieder von dort abreisen, vielleicht aber auch noch einen oder 2 Tage später. Letzteres scheint mir fast gewiss. Nun möchte ich aber das Liedchen meinen Schülerinnen gern als eine Reisegabe mitbringen, deshalb nun wäre es mir gar lieb, wenn Ihr[e] Güte mir solches unter dem Umschlage und Aufschrift: "An Fräulein Christiane Erdmann Vorsteherin des Kindergartens in Gotha unfrankirt recht bald zusenden könnten, so, dass es mich dort noch träfe.
Hierzu füge ich noch eine zweite Bitte: - Sie erinnern sich, dass ich Ihnen bei Ihrem Hierseyn, in der Hoffnung, /
[LC 14]
dass Sie eine Frühlingsreise bald wieder zu uns führen würde - mehrere Druckblätter, nemlich einige Zeitungsnummern, welche Stimmen über mein Wirken enthalten, zwar zur weiteren Mittheilungen, allein auch mit der Hoffnung und Bitte gütiger Rückgabe - mitgab.
Diese Blätter nun haben wegen der Stimme, welche sie enthalten, für mich auf der Reise ganz besonderen Wert - deshalb bitte ich Sie gar sehr, mir diese Blätter, eben mit gedachten Liede auch nach Gotha zu senden und nochmals bitte ich unfrankirt. Was Ihre gütige Sorgfalt bei Composition des Liedes betrifft, so hoffe ich, dass /
[LC 14b]
die erste Composition Anerkennung von dem Kreise gefunden hat, welchem sie solche in Eisfeld zur Prüfung vorlegen wollten, die erste Auffassung giebt später klärend durch[ge]arbeitet, immer das Beste. Nun zur Beantwortung Ihres vorhergehenden l[ieben] Briefes, dessen Inhalt, Sie in diesen Briefe wieder gedenken.- Ich bin mit den mir von Ihnen gütig mitgetheilten Plan nach jeder Seite hin vollkommen einverstanden, und werde denselben in seiner Ausführung nach Möglichkeit unterstützen.- Sie können diess wie von mir, so noch besonders auch von Herrn Middendorf[f] versichert sein, welcher durch sein /
[LC 15]
Wort auch gar viel zur Vollkommenheit der Ausführung beitragen kann. Auf uns können Sie nur [um] so sicherer zählen, als der Plan in Einigung, Gediegenheit und Raschheit, wenn einmal begonnen - ausgeführt wird. Die Broschüre müsste entweder eine Festgabe zum Christfest oder eine Gabe zur Feier vom 10. Novbr. Dr. Luthers Geburtstage u.s.w. werden oder doch am, ich will kein weiteres < ? > ausführen, am schönsten wäre es - da sie ja von Kinderfreuden handeln wird - eine Christfestgabe.
Was nun meinen Plan betrifft. Am 9ten Juny wird /
[LC 15b]
in Marienberg im Obernerzgebirge

"Luthers Kindergarten"

(:eine Stiftung zur vorigjährigen 300jährigen Secularfeier von Dr. M. Luthers Todtes Tag:) eröffnet werden. Eine meiner Schülerinnen Auguste Steiner aus Oberweissbach, deren Sie sich vielleicht erinnern, wird Gärtnerin in diesem lieblichen Kindergarten werden. Wills Gott, so werde ich sie dort einführen.
Diese Thatsache - ein ["]Luthers Kindergarten" als eine Stiftung zu Luthers Todestag.
Diese muss uns die Grundlage zur Erreichung unseres Planes - die Ausführung eines /
[LC 16]

"Luthers Kindergarten"

und für Luthers Geburtstag werden.
Kehre ich so Gott will von Marienberg zurück, so theile ich Ihnen das dort Erlebte zum Gewichte an dem Uhrwerk unseres Planes mit, zur Ausführung dieses Planes darf gar nicht locker gelassen werden, nur muss man die Sache mit Ein[-] und Umsicht beginnen, doch auch dem Geiste das Unternehmen vertrauen.
Der Gründer von "Luthers Kindergarten" in Mbrg ist der Ihnen aus der sächsischen Schulzeitung Jahrgang vom vorigen Jahr gewiss bekannte Superintendent Schneider in Marienberg. Dieser Mann ist /
[LC 16b]
ganz begeistert für diese Idee, er schreibt mir in seinem jüngsten Briefe: - "Zur Freude wird es Ihnen endlich gereichen, Ihnen versichern zu können, dass unsere Anstalt nicht leicht einen anderen, einen besseren und treffenderen Namen als


"Luthers Kindergarten"
erhalten kann.
Darum auch am Luthers Geburtsorte einen 2ten

"Kindergarten Luthers"[.]

Das wird köstlich, so wird von der Kinderwelt und wieder durch die Kinder auch Einigung und Eintracht unter die Geisteschristen kommen, daran sich die Gemüthschristen < ? > erfreuen und beide werden sich liebend im Leben zu einem /
[LC 17]
harmonischen Ganzen einem [sc.: einen] wie Geist und Gemüth in einem Leibe zu[m] Meisterwerk und zur Krone der Schöpfung - zum Menschen - Gottes Ebenbilde.
Nur mit Eintracht, Stetigkeit, Ruhe, Ein- und Umsicht, wie mit Ausdauer dem grossen Ziele entgegengewirkt -- dann soll nichts über das Glück und die Würde gehen ein Schul- und Erziehmeister ein Garten- und Gärtnermeister im grossen Menschengarten Gottes zu werden. Auf [sc.: Auch] Ihren Vorschlag uns später, blos um uns persönlich zu sprechen - auf halben Wege zu treffen, nehme ich mit Freuden an, entweder Allein oder in Gemeinsamkeit mit /
[LC 17b]
anderen. Wollen Sie sich z.B. mit Ihrem Freunde Lindenlaub verbinden, so können wir uns in Ilmenau einem freundlichen Orte zusammenfinden. Oder soll es im Schwarzathal geschehen, No 1 wenn die Tage noch lang sind, so können wir Goldisthal, Katzhütte oder einen andern Ort im Thale bestimmen. Oder auf den Hof in Cursdorf wohin von Eisfeld zwei Wege führen entweder über Schönen Katzhütte Meuselbach Cursdorf; oder über Schwarzbach die Mertelmühle, Siegmundsburg, Limbach Glücksthal Neuhaus Cursdorf. In Cursdorf wäre es schön, da hätten wir einen hübschen /
[LC 18]
Gasthof, schöne Aussicht von 2 Bergen einmal Abends dann früh.- Auch könnte man die Cantorei in Oberweissbach, Cursdorf, Meuselbach davon benachrichtigen vielleicht wäre es möglich auch unter diese Männer einiges Feuer zu bringen. Diess liesse sich in 2 Tagen z.B. Sonnabend und Sonntag oder Sonntag und Montag vollbringen. Also auf nächstes briefliches Wiedersehen in Gotha.
Leben Sie wohl. Der Ihrige
Friedrich Fröbel

Ilmenau soll auch eine schöne Lehrergenossenschaft haben[.]