Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Berthold Auerbach in Breslau v. 13./16./17./23.2.1847 (Keilhau)


F. an Berthold Auerbach in Breslau v. 13./16./17./23.2.1847 (Keilhau)
(BN 365, Bl 4-13, mehrfach dat. Entwurf 5 B 4° 20 S. 3 Datierungen: Auf 4V:13.-16.2.[47 chiffriert], 13V: 17.2.47 und 13R: 23.2.47. F. bezieht sich auf Auerbachs „Der Gevattersmann. Neuer Kalender für den Stadt und Landbürger“ für 1847, erschienen Ende 1846.)

Angefangen am 13=4
   geendet am 16=42 = 7=HZ=<Achardisza[h]l> Mein lieber Gevattersmann
Daß Du mit Deiner so schönen u reichen doch auch als wieder so einfachen Gabe auch und so im Geiste u Streben Wollen Du auch selbst in der lieben
Fest- Christnacht u Neujahrtagszeit zur Freude vieler auch bei uns eingekehrt bist, das hast kannst Du wohl wenn Du sonst
willst in Dir wohl selbst sagen erkennen, wie es mir aber damit ergangen ist das laß Dir erzählen. Unser Kreis weißt
Du ist nicht gz klein zählt 3/4 Hundert Menschen auch wohl mehr Groß u klein. An so einer lieben freundl Christfestgabe
wie Dein liebes Volksbuch nimmt nun schon jeder von Groß bis zum Kleinsten Theil; denke nur an den
liebl Muttergruß, [den] wie Du weißt auch die kleinsten Kin[d]er sehen werden; nichts lieber als die <herz[ige]> Mutter mit
dem lächelnden Kindlein; so geschahe es denn daß Du spät ja nachdem Du schon Wochen in unserm Kreise
fröhliche Heiterkeit bringend umher[ge]wandeltest warest ehe Du zu auch bei mir bleibend einkehrtest. Nun hatte war gleich <Stille>
alle Deine mit so anziehenden Gaben gefüllten Taschen waren schon alle geleert worden ihr Inhalt unter[-]
sucht worden; aber siehe eine war noch g[an]z verschlossen, wie das wohl gekommen? ja hört es schaute
kein <Linien> u Gestalten in <kein bild> aus derselben heraus u weil es in dieser liebl[lichen] Festzeit so viel
zu schauen, sich anzuregen giebt, da will denn ein jedes alles gern im Bilde sehen, weil nun aber
aus dieser Tasche kein Bild sondern nur ein Briefsteller herausschaute hatte sie keiner geachtet
denn hatte wohl jeder gedacht, wenn ich nur recht schön gestellte Sachen sehe so kann ich
sie wohl auch in Briefen zusammenstellen. Aber siehst Du ich alter Schulmeister weiß
nur zu gut daß man viel Schönes schön gestellt sehen ja selbst Schönes empfinden denken usw. kann
und doch eben nicht schön sondern nur <Folgen> im Briefe zusammenstellen kann, wie es zB mir selbst ergeht
daß Niemand das Lesen mag was ich in Werken folgen u <streue> zusammen stelle, während ich in mir indem ich es schreibe
das völligste reinste Leben empfinde, genug ich schließe den B ging um für mich darin Lehre u.s.w. zu finden gerade
an diese Tasche zu erst, und denke Dir ohne daß mein Herz eine Ahnung hatte fällt
mir da gleich mein Lebenswerk „Kindergarten“ in die Augen wie tiefst ich dad[urc]h überrascht wurde - ich sage Dir es war mir zu Muthe
u ich empfinde es jetzt noch g[an]z so, wie es einem Blumenknöspchen in stürmischen März[-] u April Tagen
zu Muthe seyn muß wenn hinter den flüchtenden dunkeln Wolken derselbe mit einmal von einem
recht warmen Sonnenstrahl hervorbricht und dasselbe sich davon bis in das innerste Herz durchdrungen fühlt. „Volk“ u „Kindergarten“
die schönsten Worte meines Lebens fand ich hier geeint - denn bey Volk an welches Volk sollte ich
da am liebsten denken alsan mein deutsches Volk - wenn es auch noch schläft - Eine liebende Mutter
denkt auch bei allem was sie thut an ihr noch schlafendes Kind, damit wenn es erwache es alles
bereit fände was es bedarf - an mein Volk wenn mir es auch noch gar sehr krank <scheint>
allein ein Vater denkt auch an sein[en] kranken Sohn was zum Thun sey wenn seine [sc.: dessen] Krankheit sich
zur Genesung wende damit er ganz gesunde - u Kindergarten! - bey Kindergarten hallt es mir
im Herz wieder Menschheitsgarten - u bey Menschheitsgarten denke ich an den Garten von wo die
Menschheit gleichsam zum Reinsten begann in der That es wunderschön aus der Kindheit <?>
-Paradies- Kinderparadies [.] Nun denke Dir den schönen <Vollreim> „aus dem Kinderparadies hervor wird Dein
Volk sich eigne Menschheit hervor einst erblühen <sehen>[“], daß [sc.: das] alles aber war wie ich sage gleich wie ein leuchtender
warmer wohlthuender Sonnenstrahl welche[r] im den Tag des Frühlingskampfes mit einmal d[urc]h die von Sturm ge-
trieb[nen] dunklen u raschen Wolken bricht. Volk u Kindergärten, die Kindergärten d[urc]h Dich lieber Gevatter[mann]
in das Volk eingeführt, das Schönste von mir d[urc]h Dich erfüllt, was mein Herz ersehnet, noch fühlet und
auch d[urc]h u d[urc]h von diesen Gedanken d[urc]h u d[urc]h ergriffen eben ersehntes Gefühl d[urc]h ersehnt wie damals als die welche mein
Leben nachher mit mir theilte aussprach: „auch in Noth bau u <pf[l]eg> ich Dein Haus für Kindheit Wohl[“] Ja ich sage <Dank auch> u glaube - Ja lieber Gevatter
glaube einem ergrauten Schulmeister Du wirst diesen Tag wo Du dieß Thatest einst nächst dem, /
[4R]
den Dir ein liebendes Weib durch eine geliebte Gattin weihete als den schönsten Deines Ganzen Erz[iehen]den lebens erken[nen]
glaube ein jetzt am Rande des Grabes stehender Mann welcher wirkl[ich] in ein[em] Kindergarten zum Menschen heraufwuchs
als Knabe auch seinen Kindergarten pflegte, als Jüngling d[urc]h Kindergärten Familienglück brachte u
als Mann u Kreis [sc.: Greis] d[urc]h Kindergärten des <Volkes> seines Volkes <von neuem> seinem Volk Gesundung bringen wollte.
Lieber Gevattermann ich nenne Dich Gev[atter]m[ann] nicht, weil dieß Dein Volksname ist, sondern noch aus ein[em] g[an]z
andern tiefen Grunde. Du bist irre ich nicht ein Schwarzwälder ich bin ein Thüringwälder, beide sind wir
Söhne der Gebirge u der Schattigen strebenden u doch schattigen Wälder beide sind wir Wäldner u solche Zusammen-
klänge liebe ich; es läßt sich nicht nur was dabey sieht [sc. sehen] daran auch denken u thun denn frische Quellen fließen da welche die
blumigen Pflanzen u mehr noch tränken; aber noch etwas anderes ist es was mir d[a]s Wort Gevattermann so lieb macht
u warum ich Dich gar gern so nenne, weil wir nemlich in unserm thüringschen Sinn ächte u wahre
Gevattersleute u Männer sind auf mein Thüringer Walde nennen sich nemlich gegenseitig Gevattersleute auch die welche
ein Kindlein gemeinsam für den Liebesbund der Menschheit weihen u in denselben aufnehmen lassen, so müssen
wir ja auch beide <Jeder und Jede> unseres Volkes für diesen Bunde weihen ihn u sie u so unser g[an]zes
Volk in diesen Bund aufnehmen, d[urc]h unser Volk zunächst denselben darstellen lassen, so dünkt
mich sind wir beide in solch reiner Wahrheit u Klarheit des Bewußtseyns Gevattersleute, wie Du es mir und
von u mit jedem zu welchem Du kommst u sprichst also nicht blos in gewöhnl Rededweise sondern
in der Wirklichkeit seyn willst. Siehest Du nun <sorgen auch> auf meinem lieben thüring[er] Walde noch bis jetzt Gevattersleute für ihren lieben Täufl[ing] d[urc]h ihr g[an]zes Leben für ihr Patchen mit den Eltern gemeinsam
nehmen Theil an seinen Lebensfesten den schönsten wenn es zur Schule u wenn [es] aus derselben kommt, ja führen es
sogar als in das Glück des häusl[ichen] ehel[ichen] älterl[ichen] Lebens ein u theilen dasselbe bis sie beide auch das ge[-]
meinsame Grab theilen u so meine ich sind wir beide ächte Gevattersleute für unser liebes
deutsches Volk u für jeden u jede Einzelne desselben u so wollen wir es denn auch unser g[an]zes
Leben hind[urc]h in Liebe Ein]igun]g u Eintracht bleiben: Gevatter - faßt ja Gemeinsam Vater u so hieß was gewesen Väter der Kinder eines Volkes.
Du wirst nun wohl sagen warum um eine so einfache Gr[un]dempf[indung] um einen so einfachen Grundgedanken
viele so viele Worte, (da sieht man in Dir schon zu stark den alten weil schwätzigen Mann) Ja siehe
lieber Gevattersmann mir war u ist es nicht blos um [Mit]theil[ung] eines Gefühles eines Gedankens
sondern um neues hervorgehendes sich tief gegründetes als einfaches und dauerndes wirkliches „Thun“ um wirkl[iche] That, einige, ein[e] kräftige u gemeinsam[e] That im Leben
zu thun (denn Ge heißt ja in unser[m] Sinn <stark Deuten> gemeinsam allseitig - also ein Ge/vatter ist ja ein Gemein allseitiger
Vater oder in ander[er] land<üblicher> Aussprache Vatter, also lasse uns solche gemeinVatter den Kindern unseres Volkes
und so Väter des Volkes selbst seyn u immer mehr werden.) Dazu bedürfte es aber eines nicht nur tiefen
eigen[en] Gemeinsamen hohen sicher[n] u feinsten Punktes u Grundes wie im Gemüthe so im Leben selbst und diesen müßte ich
ja für uns beide wenn auch nicht erst finden doch nachzuweisen und festzuhalten [suchen.] Also lieber Gevatter
ich reiche Dir von hier in thüringwäldner Sinne die Hand ich hoffe Du schlägst ein, laß uns treue Gevatterleute seyn bey unserm Volk im G[an]zen
wie bei jedem einzelnen bis an unser Lebensende; denn was ich nicht bin u nicht kann z.B. jedem das Wahre
so warm u das Gute so schön u klar ans Herz zu legen das kannst Du; aber auch mit d Kindern die auch im gewöhnl[ichen] Sinn <[diese] noch sein können> mit Freuden
in meiner d.h. in ihrer klar erkannten Weise wirkl[ich] zu spielen ist eben auch gar nicht
nicht Jedermanns Sache und darum hoffe ich, daß Du schlägst in meine in die gebotene gereichte Hand als
ein Deutschen Handschlag den dessen Treue laßt mich Deine Hand als ächter Gevattermann in meiner fühlen /
[5]
Bei der warmen u <unbeding[ten]> Theilnahme welche Du nun den Kindergärten schenkst dünkt es
mich nun wirst Du mir auch gleich andern Dir solchen Sinn für Ssie [von mir] sagen manches erwähnen u über sie nun
am liebsten von mir selber hören z. B. über ihr Wesen, über den Zweck in denselben nach einzelnen
Richtungen hin über die Wege u Mittel diese zu erreichen wie über den Fortgang derselben[.]
Da Du nun einmal so gütig u liebend der Kinder u Kindergärten gedacht u ihnen die freundl[iche] Erscheinung der Kinder[-]
gärten zu[-] sie in dieselbe eingeführt hast, was Dir bald <nicht> sich blos Hunderte, <wenn> Tausende
von fr[eundlichen] Kindern lieblicher Kindergärten danken werd[en] bei ihrer <freude nun> Deiner gedenken werden, so zubin ich gewiß
wie viel Deine Leser auch im nächsten Jahr der Ersch[einun]g Deines Volksbuches gern weiter darinn über
das Wesen u d Geist, das Ziel u Zweck der Kindergärten so wie über Wege Mittel sie zu
erreichen, wie überhaupt über den Fortgang u die Verbreitung derselben im lieben Vaterl[and]
ja als wirkl[iche] Sache der Menschheit über dasselbe hinaus, lesen hören u vernehmen werden,
so wirst auch Du genau über alles dieses als Wunsch Deines eigen[en] Herzens ihnen gern Kunde bringen[.]
Da ich nun in mir doch gegründet auf eine wohl 40jährige durch 40 Jahre hindurch sich ziehen[de] Erfahrungen gar sehr wünsche daß die Kindergärten immer mehr deutsches
Volkseigenthum werde[n] einer der nächsten Monate aber schon <um bis E[nde]> Jahr schließt u man dann wohl aus sein[em]
Abschied aus dem Leben denken soll, so wünsche ich daß noch im lande wenigstens ein Mann im Volke sey, der
die Sache u zwar mit voller allseitig[er] Manneskraft Wort u Gemüthes und tiefem deutschen Geiste vertrete. so erlaube
mir denn in all die vorgedachten Beziehungen über die Kindergärten [Dir] mittheilen zu dürfen, was der
ausgedehnte Raum eines Briefes gestattet.
Das erste u Wichtigste ist wohl die Verbreitung der Kindergärten u die Art derselben selbst[.]
Alles frühere Voraussetzend oder wenn es nöthig ist gelegentl[ich] erwähnend, beginne ich mit den Jahr
1845 weil mit diesem eigen[t]l[ich] auch die Verallgemeinerung der Kindergärten als solche erst beginnt
wenigstens erst eine lebendige und [ins] Volksleben wirkl eingreifende Wirksamkeit erhielt. Es bestand bis dahin zwar schon der d[urc]h eine[n] mehrmonatl[ichen] Aufenth[alt] mit großen Opfern von mir und fremder Unterstützung
Anfang 1839 gegründete Kindergarten zu Dresden, der d[urc]h HErn Karl Schneider gegründete zu Frkfrtm
u der aus der Bewahranstalt empor geblühte Kindergarten zu Homburg vor der Höhe
allein es wollte aus all dies[em] keine rechte allgemeine Einzbreitung [sc.: Ausbreitung] und Volksleben hervorgehen
wie denn auch gar manche Anstalten wohl Spiele u im Geiste der Kindergärten gebildete Spielführer[inn]en in ihren bestehen[den] Bewahranstalten oder
Kleinkinderschulen aufnahmen, aber d[a]d[urc]h ehrl[ich] gesprochen nur ein[en]
neuen Lappen auf ein altes Kleid flickten, so daß bey allem was auch wirkl[ich] in diesen an altes starre Erfahrungen neues <setzen[den]> Anstalten Gutes geleistet wird doch kein ächtes Kindergarten Leben nicht das Leben ein[es]
Kinderparadieses in ihnen frey machen will, sie glauben der Nahme thue nichts zur Sache aber
ich meine ganz anders ich sage - ein der Name thut wohl u g[an]z wesentl[ich] zur Sache er ist das
woran ich das G[an]ze in mir aufnehm u wie ich den Namen mit ächte[en] Sinn Gemüth u Geist
aussprach auch die Sache selbst in mir aufna[h]m. Denke Dir Siehe nur wie es so
wunderschön ist daß Du Gevattersmann ein MitVater heißt, hättest Du nun anders
geheißen meinetwegen der „Erzähler“ u.s.w. hätten wir uns dann so innig zusammen finden können
wohl nicht der Name Etwas wie auch das Kleid Etwas macht wenn auch nicht eben
den Mann, aber es ist nicht gleichgültig in welchem Kleide der Mann steckt. Ists Dir <?>
wie Deine Geliebt[en], Deine Gattin Dein Kind heiße[n]? - aber so sind die Menschen. Sie möchten wohl das
bessre neue allein sie hat [sc.: haben] nun zu anbeginn das Alte abgelebte erst auszuziehen. Nun sieh Dir nur solche
Gestalten an u wie sie aussehen, was hilft es ein[en] Casmir Schal über ein abgetragen Blaid veraltet[en] Anzu[g] zu <tragen>, obgl der Caschmir[-]
schal sein[en] Werth behält, so bleibt doch das G[an]ze das Alte zeigt dieß nicht das Leben 100 ja 1000 mal Nun frag wie/
[5R]
wie nun mir dabey praktischem Mann bzu Muthe seyn muß. Man muß das Ganze, das Gute auch g[an]z wollen selbst
mit dem was uns nicht gefällt die Rose mit den Dornen; aber diese mein[en] Sie [sc.: sie] wollen die Rosen
ohne die Dornen weil Ssie glauben natürl die Rosen meines Gartens als natürl von Gott geschaff[ene] Rosen nun eben
auch ihre Dornen haben; aber nun kennen [sc.: kennt] man auch keine wahre Rosen. Siehe lieber Gevattersm[ann] das habe
ich merkwürdiger Weise in mein[em] Blank[en]b[ur]g in der Apostelgasse erlebt da sehe ich an einem Hause einen zwei okulirte
Rosensta[uden] einen ohne alle Dornen aber Sch verkümmert im Wachsthum - den andern Kräftig = eine <große Gabe>
gefüllt mit der Rosenstaude ohne Dornen will ich nicht gleich zur Krone sehe[n], da sagt mir der Gärtner
da wollte ich als ich den Wildbusch einsetzte im Garten ein Rosenstöckchen ohne Dornen u darum streifte ich sie ab
Dort ließ ich Sie weil ich aber die Dornen nicht wollte erhielt ich keine Rosen jene Zeigte das <umgek[ehrte]>
später hörte ich wiederhol[en]d vom Garten daß man das Wachsthum der Rosenstaude schwäche
wenn man ihre Dornen Abstreife ehe Sie selb so mit dem Fröbelschen Kinderspiel, das scheinbar
starre ist aber lebend wie aus stahl u Stein die Funken kommen, funken die Geister im
Kinde am u d[urc]h Gegensatz entwickelt sich alles im Leben aus den cubischen Gestalten
bei d Griechen die Grazien u eine Ariadne von Menschen Frucht [bricht] aus d Harten Marmor hervor[.]
Doch genug über diese Einseitigkeit ich mußte mich aber Dir als richtigen Gevattermann auch darüber
aussprechen. –
Erst Anfangs des Jahres 1845 kehrte ich von einer d[urc]h Eigenthümlichkeit sich über meine Erwartung so weit gegen meine Absicht ausgedehnten u sich weit erstreckenden
Reise am Rhein Main u Neckar zurück. Einmal aber veranlaßt in dieser Gegend für die Kindergärten zu wirken hoffte
ich viel für die Ausführung theils in Badischen theils in Frkfurt[.] Erwartete ich nun zu viel oder war der Acker zur Aussaat noch nicht fähig d[urc]h[ge]arbeitet, gelang was ich zu erreichen wünschte in Süddeutschl[and] ein[en] ächten Kindergarten auszu[-]
führen gelang mir nicht.
Meine Reise führte mich über Gotha wo ich ein[en] thätigen Freund unser[er] Erz Anstalt besuchte, welcher uns da er uns seine
beiden Söhne zur Erziehung anvertrauet hatte zu Zeiten in Keilhau besuchte. Hier hatte er meine Kinderbeschäf[-]
tigungsmittel u Weisen kennen lernen u auch zu ihnen Vertrauen gefaßt. Hier ist meine Elise sagte er sie ist im Garten
so allein die Brüder sind fort die ältern Geschwister sind erwachsener[.] Ihr wünsche ich Gespielen, Gespielen mit den[en] Ssie zu[-]
sammen lebte wie die Kinder in ihrem Kindergarten; und hier ist meine Nichte ob was meinen Sie ob sie wohl zu einer Kinder[-]
gärtnerin taucht [sc.: taugt]? - Dann will ich Ssie dazu bei Ihn[en] ausbilden und d[urc]h sie in meinem Hause ein[en] Kindergarten ausführen
lassen. Das Mädch[en] war wenn auch nicht so körper[lich] stat[t]l[ich] wie Deine Geschöpfe doch gleich<kräf>müthig da ja auch der Anfang
so klein einfach u natürl[ich]; <verl[äßlich]>, ganz Christiane Erdm[ann] so hieß das Schwesterkind dieses achtbaren Mannes - und er
selbst war der kü[r]z [(] seit 1 Jahr verstorb. Bankbuchhalter Drescher in Gotha) war in 8 Tagen bei mir in Keilhau
wo Ssie mit mehr[eren] andern Schüler[inne]n in den neu begonnenen Bildungscursus für entwickelnde Erziehung besonders d[urc]h zweckmäßige
Bethätigung Spiel u Beschäftigung Eeintrat, so d[a]ß sie d[urc]h Fleiß u Thätigkeit schon Anf[ang] Sptbr dieses Jahres nach Beendigung des Cursus im Stande war
den Wunsch ihres Oheims gauszuführen. Ihm Im d Monath den <fünften> Tage d Nov Monats ladete
er neml[ich] eines Wochentags mehrere ihm besondersbefreundete Eltern mit ihren noch nicht schulf[ähige]n Kindern <umseitig> zu ein[em] Kinderspiel ein. Da
ich gerade in Gotha [zu]gegen bat er mich dieß einzuleiten ich that es d[urc]h ein paar Worte über die Bed[eutun]g
des Spieles im Kinderleben nun eröffneten wir das Spiel wie in unserm Kindergarten, spielten wie
in diesen u schlossen alles wie im Kindergarten[;] nach Beendigung der Spiele trat HEr Bankbuchhalter Drescher [vor] sprach ein Paar Worte
seiner Ansicht über das Spiel für praktisch[es] Leben des Kindes und sein[en] Entschl[uß] aus d[urc]h seine dafür ausgebildete [Nichte]
alle Tage zunächst 1 Stunde so mit seiner Elise spielen zu lassen, da aber Spiele am besten gemein[sam]
wirken so ladet er alle dieje[ni]gen welche seine Überz[eugun]g [mit] Ihm theilten deshalb den Erfolg der
Sache erst prüfen wollten ein ihre Kinder in diesen Stunden auch her zu senden indem er gern
ja zum Versuch auf 4 Wochen ein Zimmer auch Garten zu dem Versuchs Kindergarten hingebe[.] Auf dieß hin wurde sogl[eich] der bleibende Beitritt
von 13 Andern zu gesichert - /
[6]
Der Erfolg entsprach den Erwartungen u gegen Ende des Monats hatte sich die Zahl der besuchenden
Kinder über 20 vermehrt u nun <bedingte> dieser Ehren Mann d[urc]h Zeit Rundschreiben <einst> sich
ewigen bleibenden u beitragend[en] Antheil an diesem Kindergarten zu geben indem [er] seyn Zimmer zu klein u seine <Lüftung> fand <er> für diese junge Welt ein[en] eigen[en] Spielraum zu <miethen> wie sich die bisherige Spielsachen und
Pflegern nun gz diesen Kindergarten <widmen> werden. Auch diese Aufforderung hatte den gewünschten Erfolg[.]
Mit erstem Oktober wuchs u blühete der Kindergarten zu Gotha in eigens dazu gemiethe[ten] Räum[en] mit
30 jung[en] Bäumchen u Blumen. Der Allgem Anzeigen gar auch die Dorfzeitung gab mehrfach Bericht darüber[.]
Jetzt nach 1 ½ jahrigem Bestehen hat dieser Kindergarten gegen 60 Jung frischwachsender Kinder. Ja Sie es erfreut sich dieser Garten der Theilnahme
der g[an]zen Stadt der Eltern (durch die freye Überz[eugung] der Eltern von der <Sa[che]) wie der Kinderfreunde
der Erzieher u Lehrer, wie sämmtlicher Erziehungs[-] u Unterrichtsbehörden der Stadt.-Ja diese
Anstalt wirkt nun schon wieder gleichsam als Übungsschule wieder weiter bildend, wie ich im Lauf dieses Briefes Dir mein
theurer Gevattersmann noch weiter zu berichten habe. Hierbei Theilnahme war ebenfalls d[urc]h den wackeren förderlich thätigen HErn Drescher <ja um diese angeregt>; also noch weiteres Wirken eines Mannes.
Warum ich Dir nun dieß so ausführlich
[mit]theile? - Mehrer[e] Gründe bestimm[en] mich dazu. Siehe nur den Anfang wie klein, ein eigenes Kind u die ächte Vaterliebe zu d Kinde die kleine
Elise die sich gewiß noch in spätestem Alter dessen <Erinnern> wird war der
Anfang Anlaß dieses jetzt so liebl Kindergartens; der Gründer desselben war ein einfacher aber so tief fühlen[der] als klar
denkender u rasch besonnen[er] praktischer Mann der wackere Schwiegersohn des Kaufm[anns] Arnoldi des Gründers des
Feuer[-] u Berufsversicherungsbank u der Handelsschule in Gotha - ein Mann dem wir diesem dafür wenigstens
in diesen Zeiten ein vergängl Denkmal u Dankeszeichen verdient [sc.: setzen sollten]* um so mehr verdient als er im vorigen Jahr zu früh für das begonnene Werk , seinen Wirkungskreis u
seine Familie verstorben ist. Und die Führer - wie Dein[e] Josephe einer Land[-]
Schulmeisters einfache Tochter nur daß Christia[ne] Erdm[ann] sich nicht mehr der Stütze ihres Vater[s] wie
nicht mehr des <pra[ktischen]> wackern Oheims; aber doch <auch> die achtbaren Männ[er] der Stadt u <Lebens> erfreut.
Wie Ssie selbst über ihr[en] Beruf denkt u schreibt, erlaube mir Dir
in der Anlage in Auszügen aus einigen ihrer Briefe mitzutheilen. - Durch ihr Wirken hat sie schon ihr[e] jüngere Schwester [die] jetzt noch in die Dorfsch[ule] geht
für ihren Beruf erwärmt u eine ihr allen <Freuden> so für denselben <Fröbel> [erwärmte Freundin]
u gewonnen daß diese jetzt als Schülerin, als vielseitig vorgebildete entwickelte Schülerin sich auch in meinem
jetzigen Cursus auch für einen Kindergarten ausgebildet. Diesen Cursus theilte gegen das Ende hin einen Monat lang Auch ein gewisser Candidat Härter u auf einige Wochen eine Schulraths Cantor <Landeshoff> [Tochter] aus Berlin. Auch des längeren Aufenthaltes des Lehrers Eisfeld[ts] aus Quetz wegen der <Darreichung durch> Zörbigs muß ich gedenken[.]
An dem Bildungscursus 1845 welche[n] Christ[iane] Erd[mann]: theilte nahm noch die J[un]gfrau Anton[ia] de <da le Noßbuch> [sc.: Cabuch]
eine Schullehrers Tochter, u Ida Weiler Antheil ich erwähne dieß wegen der weit[ern] Entwickelung
des Ga[n]zen welche ich Deiner Theilnahme zu geben mir vorgenommen habe. - Anton[ia] de Ca<buch>
ist voriges Jahr mit ihr[em] Vater nach Amerika [aus]gewandter[t] um dort vielleicht auch den Sam[en] zu Kindergär[ten]
auszustreuen auf wie welche schon der im <[verla]ssenen> Vaterland
die Kunde in das überseeische neue Vaterland vieler Deutscher trug. Von Ida Weilers Wirksamkeit
später[.]
Früher schon hatten mich einmal mehr[ere] namhafte Lehrer aus Wittenberg Ebenso auch besucht trat auch der d[urc]h sein That, durch sie war der jetzige Prediger
u Schulinspector [Wöpcke]
in der Königl. MilitärWaisenErziehungsanstalt in Annab[ur]g bey Torgau auf Keilhau
u mein[e] Bestrebungen aufmerksam gemacht worden, was ihn veranlaßt hatte mich in Keilhau in mein[em]
Wirken zu besuchen. Auch er widmete der Sache ein[en] prüfenden Aufenthalt von einigen Wochen /
[6R]
u sein so gemüthvolles als wissenschaftl. u besonders sein praktisches Erfassen derselben für unmittelbar weitere
Verbreitung der Sache machte uns bald Freunde, wie besonders eben in letzter
Beziehung forderte er mich auf ihn auf l[än]gere Zeit in mein[en] Herbstferi[en] zu besuchen um dort gemeinschaftl unmittelbar
für weitere Verbreit[ung] der Sache zu wirken. Da dieses ja wie Du lieber Gevatter[-]
mann Dir leise sagen wirst auch mein Wunsch war so kam ich ihm entgegen u was wir beide von der Erfüll[ung] dieses
Wunsch[es] u Reise ahnend wenigstens hofften ging wurde auch Wirklichkeit. Durch einige Vorträge in das
Wesen die Beding[ungen] u Wirkung diese[r] Spiele eingeführt entschloß sich die dasige Garnisongesellschaft
ein erspartes Sümmchen zur Ausbild[ung] eines anl[a]gevollen kinderlieben[den] u zur Kinderpflege geneigt[en]
Mädchens J[un]gfrau welches bereit war als Führer[in] ein[em] in Annab[ur]g zu gr[ünden]den Kindergarten vorzustehen dafür in den
nächsten Cursus welcher sogl nach meiner Heimkehr begann -
ausbilden zu lassen. Und so geschahe es. Anna Hesse begleitete mich Ende des vorig[en] Jahres sogl. nach Keilhau. Eine fast gleiche Wirksamkeit wie in An[nabur]g hatten Mittheilungen in Magdeburg u mit Anf[an]g des
Jahres wurde mir d[urc]h die Verwend[ung] des dortigen Stadt[-] u Schulrathes [Grubitz] auf Best[immun]g des Stadtrathes gleichfall[s] Auguste
Windhorn
zur Schülerin u als bestimmte Führer[in] eines Kindergartens in Magdeburg zugesandt.
So daß der vo[ri]ge Cursus aus den J[un]gfern u Schül[ern] Anna Hesse - Auguste Windhor[n] - Therese Langguth und Marie Christ aus Hildb[ur]gh[ausen], den wieder später eingetretenden Louise Frankenberg u Anton[ia]
Lohse
so wie als abwechselnd theiln[ehmendem] Schüler aus <deren> Bruder dem in Rudolstadt lebenden Lehrer Lohse in Milau bestand.
- So wirkten wir bis Ostern[.]
Ich erwähnte oben des prüfenden Besuches eines gewissen HE Eisfeld[t] Lehrer in Quetz bey Halle. Dieser hatte mich auf
die Schrift eines gewissen Kreisphysikus Heine früher in Bitterfeld jetzt in Zörbig aufge-
merksam gemacht worin derselbe auch meines Wirkens gedenkt. Die anerkennende Art in
welcher er es that bestimmte mich ihm gegen das Frühjahr vor. J. weitere Mittheilung über dasselbe zu machen. Daß [sc.: Das] Er-
gebniß von all diesem war eine weitere zunächst briefl Be-
kanntschaft mit d H. Doctor Hildenhagen zu Quetz u eine Einladung vom Kreisphysikus
in der Pfingstfestzeit im Kreise von Erzieh[er]n Lehr[er]n u Kinderfreunden ein[e] Ausführl. Mit-
theilung über das g[an]ze in Halle zu geben. Dieß geschahe irre ich nicht am 3n Pfingstfest v. J. in der Aula des Waisenhauses zu Halle.
Außer d genannten nahm[en] viele Lehrer des Waisenhauses u der Rath an diesem Vortrage
u selbst der Dir. Niem[e]yer nahm an derselben Antheil. Ein
Urtheil über diese Mitth[eilunge]n erlaube ich mir Dir hier als auszug aus dem Hallischen
<Krei[s]> hier mitzutheilen Siehe Beil A. Niem[e]y[er] wieß [sc.. wies] sogar den Gedanken nicht znur nicht zurück sondern nahm ihn sogar pflegend auf ein[en] Kindergarten mit dem Waisenhaus in Halle zu verbinden, und wahrl[ich]
es wäre vielseitig das Ersprieslichste was derselbe ausführ[en] u sich so einem wohl an u für sich schon bleiben[d] segens[-]
reichen Wirken an dieser Anstalt noch diese schön[e] ausbreitung in die Tiefe
hinzufügen könnte. - Ganz besonders aber tief u fest hatte dH Pastor Hildenhagen /
[7]
in Quetz die Sache erfaßt ein ächter Vater f wie seiner Familie so seiner Gemeinde und
dahier Pfleger seines Berufes. Dieser wünschte geknüpft an die Erziehung seiner 3 sehr lieben
Kinder von 1 ½ - 3 ½ u 5 Jahren einen Kindergarten in Quetz auszuführen u wünschte zu
diesem Ende eine Kinderführer[in] hierfür bei mir gebildete Führer[in] als Gärtnerin. Ich schlug ihm dazu
die oben schon gedachte Ida Weiler vor u wirkl trat sie auch im Mon[a]t Jul[i] als solche
bei seiner Familie ein. Doch darauf beschränkte sich die förderl. Wirksamkeit dieses regen
warmen wie gemüthl von der Wahrh Güte der Sache ergriffen[en] so wie geistig davon überzeugten
Mannes nicht; er weckte auch in einer seiner lieben gleich ihm gemüthvollen u d[urc]h ihn geistig
gebildeten Schwägerinnen die Neigung sich <sollen> diesem Berufe zu widmen, u so kehrte Frl. Anna Krüger,
dieß der Name derselben Mit mir nach Keilhau zurück um von diesem Bildungscursus noch was
mögl zu gewinnen, so kurz auch seine Dauer war, denn schon Mitte Jul[i] wurde er geschloss[en].
Durch daß die im vorstehende[n] Angedeutete persönl. Beziehung wurde gegen das Ende des Cursus
bestimmt daß ich einige[n] der Schüler[innen] <darstellen> <so zu> in ihnen eine Berufseinführung u besonders
für die Begründung eines Kindergartens in Quetz wirken sollte (Anna Hesse gehörte zu [)]
Da ich nun schon so viel Erfreul. von d Kindergarten in Gotha gehört hatte aber auch mein[en] Schüler[innen]
gern ein solches Bild eines nicht unter mein[er] unmittelb[aren] Leitung stehenden Kindergartens zeigen wollte
so entschlossen sich Frl. Am: Kr: O. [sc.: A.] <H.> [Amalia Krüger Anna Hesse] mich über Gotha nach Halle zu begleiten. - <Während>
Gfast 8 Tage Aufenthalt in Gotha bestätigte sich uns alles was uns davon bekannt
worden war besonders erfreul war mir wie die Kindergärtn[nerin] gleichsam als treue Tochter in ihrem Lebens[platz] einen kindl Sinn gleichsam war als ein treue[r] Großvater geweckt hatte. Nach meiner tiefsten Überzeu[gung] kann eine solche gleichsam <älterliche Liebe einer <Treue> u <Förderung> u das Bewußtseyn von ihm wieder erhöht werden nur veredelnd auf das Zarte Kindergemüthe wirken. Was <meinst> Du lieber G.m.[?] Und so scheint mir die Handlungsweise, der Christ[liche] Frieden ächt erzieherisch u wegen ihres Erfolges höchst nachahmenswerth. -
Und so trieb kamen wir noch hocherfreut von dem schön[en] Bilde in Halle an[.]
Meine frühe[re]n Vorträge waren noch in frischem Andenken u als Folge zeigte sich
eine Aufforderung nu[n] in wirkl. Kinderkreisen die wenigstens einige der Spiele wirkl auszuführen. Es
wurden dazu die Kinder u das Local der Bewahranstalt Nr 1. an der Pro-
menade gewählt. Ein gewähltes Publikum wie das frühere in der Aula u
fast aus den gleichen Person[en] bestehend wozu aber noch ein[ig]e sehr achtbare Geschäfts[-]
männer u B[ür]ger der Stadt kam[en] hatte sich zur Pprüfenden Theilnahme eingefun[den].
Drey mein[er] eben ge<wordenen> Schüler[innen] An H. [Anna Hesse] u A K. [Amalie Krüger] u A. W. [Auguste Windhorn] aus Magdeburg
zeigten sich gern geneigt als Spielführer[innen] mich zu unterstützen u wie
man auch sachte [sc.: sagte] war das Ergebniß ein allgem. für die Sache
gewinnendes ich darf das gebrauchte wort wohl auch sagen [:] begeisterndes[.]
Wenigstens war das Prüfungsergebniß daß zwey der gedachten
Bürger u Geschäftsmänn[er] sich geneigt bestimmt fühlten
gemeinsam verbreiten[d] für Ausführung eines Kindergar[-]
tens in H [alle] zu wir[-]
ken u Frl A K [Amalie Krüger]
wurde dazu als Führer[in] desselben bezeichnet[.] /
[7R]
Doch diese Reise galt ja besonders der Gründung eines Kindergartens in Quetz
d[urc]h den HErn Pastor H[ildenhagen] und so wanderten brachte uns bald durch die Hallisch[-] Cöthensche Eisenbahn
unterstützt nach Quetz, welches in der Nähe Stumsdorf nördl. von Halle aus mit d Personenzug b. Stumsdorf, mit d Güterzuge bei Nieberg links rechts 1 Stündchen von
der Eisenbahn abliegt. Warum ich Dir dieß mein l.
Gev. M. so ins Einzelne gehend schreibe? - Du sagst es in Dein[em] l Volksbuch
selbst die Menschen die Guten u ächt väterl gesinnten müssen sich näher kommen sich kennen
lernen, so kommst Du auch vielleicht einmal nach Halle hast da etwas einen Tag Zeit
siehe Du fährst dann Morgens 9 Uhr mit d Güterzug nach Nieberg ½ 11 kannst Du in
Quetz seyn, dort den sehr werten Pastor kenn[en] ler[nen] eine ächte <Ergänzung> zu dem Pastor Deines <Schulmeisters> bei ihm übernachten u des andern
Morgens wieder sehr früh nach Halle zurück
kehren. Kommst Du mit d Personenzug so fährst Du bis Stumsdorf von wo aus Du
etwas weiter nach Quetz hast - Genug Du siehst die Eisenbahn <ist> mit der Einführung der
Kindergärten im Lande wie zu Zeiten Luthers die Buchdruckerey was dort die [sc.: das] allge-
meine Schriftwort war ist jetzt der rege Verkehr d[urc]h das lebendige Wort wir haben ja als <deutsche das verviel[-]
fältige [Leben] > Siehe mit allem wahrhaft Guten u Großen ist auch die Ent-
wickelung der Weltordnung im Bunde - [„]Nur diesem still vertraut
- Gott verläßt keinen Deutschen“ sagt ja schon ein altes Sprichwort
Doch nun zu unserm Quetz. Dort angekommen wurden sogl. die Spiele geordnet[.]
Jeden Tag Nachmittags 1 Stunde wurden zu d Klein[en] dH Pastor noch nächstaltrige aus dem Dorfe einge[-]
laden. Sonntags wurden auch schon die älteren u Schulkinder hinzugelassen; Selbst die schon über das erste dem Kindesalter
entwachsenen Kinder der Patronats[-] u Gutsherrschaft nahmen daran Antheil wie sich denn auch besonders Sonntags
mehrfach Größere als zuschauende Antheilnehmer da zu einfanden. Ich komme später auf die Fortentwickelung dieses
Gegenstandes zurück, welcher Dir l. G. die rege Thätigkeit dieses Geistl[ichen] für die Begründung Verallgem[einerung] der Kinderg[ärten]
als Begründung einer deutschen Volks[-] u National[erziehung] beurkunden wird; doch es liegt ja gleich ein Beweis
dafür vor. In dem nahen Städtchen Zörbig sollte eine Kinderbewahranstalt ausgeführt u in diesen Tagen das Schließliche deßselben berathen werden
der HEr Pastor veranlaßte den Vorstand mich zu dieser
Berathung einzuladen; dieser Einladung folgend knüpfte sich daran eine zweite mit meinen noch sich der Gast-
freundschaft des Hern P in Q[uetz] erfreuenden 3 Schüler[innen] in den nächsten Tagen
der Eröffnung der Bewahranstalt in Zörbig bey zu wohnen, um die Kinder
d[urc]h entsprechende Spiele u Beschäftigung[en] in dieselbe einzuführen.
Doch siehe als der Tag erschien u wir auch dieser Ein[-]
ladung gefolgt waren fanden wir wohl in dem
bezeichneten ange<zeichten> Locale den Vorst[and]
die einige der Stadtbehörden u andere Kinderfreunde, allein
als der Anstalt ange<worbenen>
Kinder nur zwey kleine in einem Sandhaufen
spielend, <wovon ? da kein mögl der ?>
der ? von Hause nicht aber werden ?>
[In der Ecke nicht zum Brief gehörende Briefliste]
[8]
An eine Eröffnung der Anstalt durch die[se] u mit den Kindern derselben war also nicht zu denken, da aber
doch gewünscht wurde von uns einige Kinderspiele ausgeführt zu sehehn, so fragte ich ob denn keine Kinder
mehr in der Nähe; genug hieß es und nicht als Theilnehmer an der Bewahranstalt (weil die
Gegner derselben oder der Unverstand die wunderlichsten Sachen wegen ihres Zweckes ihrer Absicht rc ausge<spr[en]gt> hat[ten] [.]
Nun gut so laßt sie zur Theilnahme an Kinderspielen herbei kommen. - Dieß Wort hatte wie d[urc]h ein
Lauffeuer gewirkt daß ich mich in kürzester Zeit von einer solchen Menge spielbeg[eister]ter Kinder um[-]
geben sah, so daß der Gartenraum des zur Bewahranstalt bestimmten Hauswesen[s] nicht groß genug war
sie als spielend u die Erwachsenen als Zuschauer zugl. zu fassen. Da hieß es sogl. Laßt uns doch in den
Schloßgarten u doch [sc.: dort] unter das große Schattendach der zu einer geräumigen weiten Laube
verbunden[en] Linde gehen. - Und kaum ausgesprochen bewegte setzte sich auch die g[an]ze Schaar sogl. dahin
in Bewegung. Die Natur machte bald aus und längst bekannten [zu] Freunde u Spielgenossen eines Kindergarten
und als solche stellten wir uns sogl. wie den Beginn einer Spielstunde im Kindergarten garten in den geschützten einigenden Kreis u sangen: Seht uns hier im Verein[e], daß die Eintracht erscheine in dem fröhl[ichen] Spiel
Ordnung schön uns verbinde Liebe in allem sich finde u uns bringe der Früchte
so viel.
O gewiß kannst Du lieb[er] Gevattermann sogl. die Töne d[urc]h die Zeichen hören u so habe ich Dir
solche sogl. hergeste[llt]. Was aber die Worte sagte[n] versteht sich daß [sc.: das] wußten ächt[e] Kinder ächte deutsche Kinder
als Kinder
treuer Wahlspruch ein Wort ein Mann ist auch sogl darstellb[ar]; also im schön geord[net]en
Kreise wie die Blätter eine[r] Rose oder Sommerbl. oder Dahlie so standen wir <allermeist>
Ggroß u Kklein vertheilt im Kreise, da schien es bald als strahlte der Freuden Sonne
aus der Mitte u spiegelte sich in dem Auge aller Kinder wieder die sich mit Blicken der Liebe u
Dankbark[eit] anblickten. Denn jedes sahe ja in den andern den Gr[un]d des schönen Spieles, wo alles sich
bemühete sich sin[ni]g als Glied des großen Kreises G[an]zen sich im Kreise zu beweg[en]. Wie d[urc]h ein[en] Zauber
war der etwas rauhe verworr[ene] Geist von wohl 50 u mehr [Kindern] ein schön sinnig u sittig gewordenes Ganzes, und was
nicht gleich verstanden wurde im rhythmisch <in>ländischen Worte klar gemacht u sogl damit zur Gewandtheit erhoben[.]
Dieß zog wie ein Magnet u wie Kinder so kamen besonder[s] auch Erwachsene herbei; aber auch
meine Spielführung hatte noch keinen solchen reinen Triumpf ihre[r] Spieltätigkeit gefeyert; denn alle friedl
Tugend war wie mit eines wie d[urc]h Schleifen die Kraft aus rohen Edelst[ein] hervorgerufen worden; darum spielten
Ssie mit einer Lust u Freudigkeit welche <seit> der der Kinder <wollte fort> und ein Spielchen reihte sich
ungesucht wie die Blum welche ein Kind pflückt doch am Ende zu ein[em] schön[en] u sinnig[en] Strauße.
Eben sollte das Spiel geschlossen werden denn einig[e] Stund[en] waren fast kürzer als sonst eine
verflossen da kam noch ein bejahrter M[ann] mit einer nicht minder Bejahrten Frau an der Hand u
bat ich möchte doch diese Spiele wiederholen seine Frau sey eine große Kinder[-] u Spielfreund[in]
dasselbe habe es theils zu spät erfah[ren] theils sey sie d[urc]h Geschäfte abgehalt[en] worden früher
zu kommen. Ich zeigte ihm die Unmögl[ich]keit seines der Erfüll[ung] seines Wunsches. Da erhoben sich rege
Stimm[en] u sagten es seyen gewiß noch mehr im Städtchen die gern Zeuge dieser Spiele u Spielweise
gewesen wären besonders <nunmehr> unter d Frauen u Mädch[en] die besonders am Morgen ans Haus gebund[en]
war[en] ob wir uns nicht entschl. wollten <nachmittags> nochmals ei[ni]ge Spiele auszuführen. Da ich die
Einwillig[ung] meiner treuen Spielführer[in] hatte sagte ich zu schloß aber wie wenn ich in einem Kinderg[arten]
wär[e] unser Spiel mit in <dem namentlichen> Schlußlied: Die Spielzeit ist nun aus froh geh[en] [wir nach] Haus. Erwachsne lebt wohl bleibt lieb u gut Kin[der] lebt wo[hl] wir bleiben lieb und gut [.] /
[8R]
Und nun ging es paarweise d[urc]h die breiten Wege des Schloßgartens zwischen den frohen Blumen freundl Bee[ten]
zum Pfarr haus hinüb[er] Vorwärt[s] heimwärts nun lebet wohl - jeder thu nun das was er soll[.]
Schnell wurden die Tische in unserer Blätterreichen Laube zu einer einfachen Mittags<runde> zusammengest[ellt]
der sich gern auch einige anschlossen. - Unter Erbaulichen u <Erwärmenden> u fröhlichen Gespräche[n] wie es
das befriedigte Gemüthe u [der] erregte Geist herbei führte[n] waren bald das Mitt Stunden gleich einer
geschwunden. - Schon fanden sich die spiellustigen Kinder in vermehrter Gesellschaft <ein ja> die Vorsteherin einer TöchterE[rziehungs]Anst[alt]
für weibl. Arbeiten kam mit ihrer g[an]zen Schule gezählt habe ich sie nicht aber die
<Reihe> war groß u bald [fragten sie] ob diese nicht auch an den schönen Spielen Antheil nehmen könnten. Aber
für eine solche Me[n]ge war der Rau[m] so groß er war doch zu klein was war da zu thun.
„Ihr seht Kinder alle zugl kön[nen] wir nicht spielen, statt Ordnung u Fr[eu]de würden wir Unord[nung] u Leid sähen
also will ich Euch was sagen wir theilen uns in 2 Theile u abwechselnd spielt der Eine und
der andere[“], nun hatten bekamen wir auch ein <Spiel[kund]iges> Publikum das gab dem Spiel neuen Reiz[.]
Bald waren die einen die Fische welche im Teich schwammen u die andern der Teich die See u das vom Plan[sch]en der
Fische u vom Winde bewegte Wassser - bald die ein[en] die Vögel die ander[n] der gleichfalls vom Winde
bewegte Wald in welchem die Vögel fliegen dann die ein[en] die Häschen u die andern das vom Winde leicht bewegte Gebüsch.
Ungeahnet u Ungesucht hatte sich so ein Spielfest der Kinder aus dem Stegreif geordnet bei
dessen Beendigung sich Stimmen erhoben welche sagte[n] nicht nur ein[e] <solche abgeänderte> Kinder[-]
bewahranstalt nein ein alle Kinder der Stadt geschwisterlich umfassend[er] Kindergarten
sollten wir haben u alle Stimmen sprachen dafür aber eine Stimme war nicht nur nicht dafür sondern
jetzt u später immer heftiger dagegen u kannst Du es wohl glauben u Dir sagen wessen? - - Das sagt[e]
wirklich mehrfach [der] hochachtbare Pfarrer des Ortes. Ich möchte ihn den ich deßhalb nicht gern zu <?>
Allein ich kann die seyn will Festhal[tun]g seines Willens doch nicht anders nach den Äußerungen desselben als mit <hieramphische Erziehen> reine Worte
bezeichnen. Ob nun gleich der schon obengedachte jetzt nach Zörbig versetzte Kreisphysikus Dr Heine
erklärte daß er zunächst für dieß Jahr50 rth zuschießen würde wenn ein Kindergarten
ausgeführt würde sich auch noch andere Summe[n] zu dessen Ausführ[ung] fanden, so äußerte d[oc]h
d Hr Pfarrer, daß er als Localschulinspector dieß nicht zugeb[en] würde. Männer die sich dazu
den Grund finden wollten meinten ein zweifaches einmal daß er aus früher[er] Zeit das Bild einer
Bewahranstalt in sich trage u sich davon nicht loslösen könne, dann daß es wohl auch verletzte
Eitelkeit sey u daß er wohl nichts g[e]g[en] einen Kindergarten einzuwenden haben würde wenn der
Gedanke u Entschl[uß] ihn auszuführen von ihm zuerst gehabt wenigstens ausgesprochen worden wäre.
Siehe l G.M so viel kann hier ein Mann vernichten wie dort einer erbaut[.]
Wäre das erreicht so würde jetzt ein Cörbg. [sc.: Zörbiger] Kindergarten erblühen - u trauernd daß
solche Erziehung ohne Blüthen u Früchte bleiben sollte zogen wir Abends heim. Bei einer späteren Anwesenheit in Zörbig hörte ich daß <mathematisch> die Kinder von jener Zeit behalten haben. Sehen Sie hier schon ein Klein [wenig] die Wirkung von Volks <versammlung> Jugend Spiel <Singen ? Sprechen> Und so schrieb
setzte ich an d nächsten meine Reise weiter nach Annab[urg] u[m] <dort [A] H [Anna Hesse] <einzuführen> [fort.] /
[9]
Umgekehrt wie in Zörbig gestaltete sich das G[an]ze in Annab[ur]g. Nun hier angekommen begannen die Spiele zunächst in der Wohnung des zwar abwesenden aber noch in der An[sc.: Ab]wesenheit <eng für jenen> Kinderzweck thätigen Hrn <Pastor> Dr. Seyler welcher dazu eine
entsprechende Stube hatte eingeräumten lassen. Nach dessen Rückkehr von einer Badereise ordnete
sich sogleich d[urc]h eine von demselben angeordnete gemeinsame Besprechung der Glieder der oben
schon genannten Gesellschaft das G[an]ze. bestimmter Theilnahmsbeitritt fand statt. Kost[en] u Beiträge wurden gegen einan[der] abgewogen - der Gehalt der Führerin bestimmt u ein zweckmä[-]
ßiges Local dafür wenn auch einstweilen nur Mithsweise angeeignet, <so[daß]> in kurzer Zeit
stark gepflegt der Kindergarten der der d[urc]h solche Liebe Eintracht u Thätigkeit <nun> die schönsten Blüthen
die besten Früchte versprach u nach den redlichen Berichten schon wirkl. giebt. Anderweitige
Anregungen welche von diesem Punkte nach verschieden[en] Seiten hervorging[en] sind der Entwickelung
der Zukunft anheim[gestellt]. Und so zog ich denn überall das rein Mensch[heit]l[iche] still in seinen ersten und
zartesten Keimen pflegenden Menschheitsfrüchte die weitere Erstarkung u Entwickelung dieses zarten liebl. Gartens mit seinen Pflänzchen u seiner sinnigen treul[ichen] Gärtnerinn u all ihren männlichen Stützen überlassend weiter; denn selbst Männer wie
der Prediger Hr Wöpke u der InstitutsLehrer <Siegel> gaben gern
Beiträge zum Bestehen des G[an]zen dad[urc]h daß sie für mittellose Eltern bei[träge] bezahlten, wie andere Lehrer
z B. <Lust/Luft> u ? [Lücke] Ihren förderl. Gesinn[ung] für das G[an]ze dad[urc]h bethätigten, daß sie ihreEignen lieb[en] Kinder
auch als Pflänzchen in d pflegenden u entwickeln[d] erziehenden Kindergarten gaben. Ja eben Ganz In gleicher Weise
verdient aus der Stadt ein gewisser Hr Apotheker Violett genannt zu werden. Ich erwähne
dieß so weitl [äufig] weil Du mein lieber theurer Gevattersmann ja selbst sagst die Menschen müssen
sich gegenseitig erkennen lernen damit Du siehest u andern sagen kannst wieMänner u Frauen
(so die Gattin des Hrn Pastor Dr Seiler, dessen hochachtbare Schwester u die Fr Apotheker Violett die
Sache treffl. unterstützten) ich nenne Dir alle diese Männ[er] hier um so [mehr] weil ich es kann ihnen
ein Denkmal sey es auch <nur> ein vergängl. zu setzen. Auch die Gattinnen beacht[end] muß ich gleichfalls als treu
pflegende Mütter u in diesem Sinn die Kleinen dem Kindergarten anvertrauende Mütter nennen.
Als Theilnehmer an den eben beendigten Bildungscursus erwähnte ich schon die beiden Geschwister Lohse
Bruder u Schwester. Durch sie wurde ein früher[es] Band was mich u mein Wirken mit d Voigtlande namentl mit
Plauen u der Umgegend d[urc]h das frische Jugendl kräftige Leben welches sich daselbst regte u d[urc]h die Theilnahme desselben an
mein[em] jüng[sten] Wirken nicht nur neu belebt sondern auch weiter ausgebildet. Wie sie sich früher zu mir gewandt
so war es natürl, daß sich nun auch der entgegengesetzte Wunsch aussprach auch ich möchte mich persönl
zu ihn[en] wenden. u hier war es zunächst Adorf was mich d[urc]h den Bruder der beiden Geschwister, welche[r] dort
Rector u wackerer Turnlehrer ist, wie d[urc]h den Bürger[mei]st[er] u Abgeordneter Rad dahin zog. Auffalle[nd] war mir die
besondere Freundlichkeit <als> [er] mich als alten Bekannten im Vogtl[ande] begrüßte, doch <lößte> es sich mir bald[.]
Ein Freund seiner Heimath u deren Kinderwelt wie Freund meiner Bestrebungen hatte mir d[urc]h das Adorfer
Localblatt gleichsam den Weg gebahnt u auf meine Ankunft hingedeutet, das machte denn auch daß <mich> mir
<ebenso> die Aufforderung zu Mittheilungen über m[eine] Bestrebungen kam u besonders der Wunsch kam ausge[-]
führte Spiele mit den Kindern kam. u d[urc]h ein[e] große Zahl wohl von 100 von Kindern vielseitig d[urc]h gütige Spielführerin[nen]
besonders d[urc]h schon gedachte Frl Lohse unterstützt wurde es mir mögl. wiederholt auf dem schönen
Schießhausplatz nächst d Turnplatz Adorfs diesen Wunsch zu erfüllen wie d[urc]h <zu halten sich finde[nde]>
Unterhaltung im <Älterl> Kreis jener Forderung zu entsprechen[.] Ein jedoch deshalb vorher bestimmt[er] jedoch aber nur ein klein[er] Kreis
umfassender Mittheilungen u deren Ergebniß rief d Wunsch eines großen <Kg> [hervor] /
[9R]
welcher auch in Adorf Wesentl durch ein Organ der allgem. Stimme durch den Rector Lohse ausgesprochen
wurde. Siehe Bl B.
Das Ergebniß davon war das [sc.: daß] sich ein selten zahlreiches Publikum wofür nicht eben blos aus
Plauen Adorf u der nächsten Umgegend sondern auch aus d Neukirch[en] <Schöneck> (von wo tägliches Publikum [)]
einfanden sondern von d weiter entleg[enen] Oelsnitz (wo gleichfalls d[urc]h <?> Lohse zu hör[en] war, ja bis zu d
entfernten Plauen u noch entfern[teren] Kloschnitz waren theilnehmende Zuhörer da. Ich gestehe offen daß <dessen>
Vortrag theils wegen dieser allgem[ein] beobachtet[en] Theilnahme theils weg[en] der wirkl. Begeist[er]ung welche er
für die Sache hervorrief mir zu dem erfreulichsten gehört welche ich bisher <gehalten> hatte u so sehr
ich denn auch die segensreiche Fortwirkung - wofür <mir> sogl <gegen ? dauerndes> darin liegt, daß in mehrern
der Orten von welchen Urtheilsfähige Zuhörer gegenwärtig von weitem Mittheilungen auch und diese <etwas> über d Gegenst[an]dgewünscht wurden Welche Anforderungen ich auch nach Möglichkeit entgegen zu kommen suchte So zunächst in Neukirch[en.]
Worüber mir bald von einer der öffentl <Zeit[un]g[en] d[ieß] ausgesprochen wurde was die Bl. C sagt.
In Adorf selbst würde das Ergebniß die augenblickl. Ausführung eines Kindergartens daselbst gewesen
seyn wenn sich auch sogl. eine Gärtnerin dazu gefunden hätte[.] Jetzt mußte die Sache <vorerst> ausgestellt werden bis sich diese finden würde[.] Unter[n] 3 Novbr erhielt ich darüber von
Todt folgende die Erkl[ärung] [we]lche hier Lit D beiliegt.
Was ich zunächst für Adorf u so das Voigtl[and] wollte hätte ich so weit ich glaubte daß es mögl sey erreicht. Mit Ernst
dachte ich nun an meine Heimkehr um den schon längst bestimmten neu[en] Bildungscursus zu begin[nen.]
Auf dem Heim[weg] lag Oelsnitz u hier fiel mir die Theilnahme des Hrn Zapf an meinem
Bestreben zunächst auf so sein Wunsch welchen Du in der Bl Lit E selbst lesen kannst. Schnell ordnete
sich nach meiner Ankunft in ein[em] entsprechenden Gesellschafts locale u d[urc]h die Mitwirkung eingehender Lehrer
ein Kinderspielkreis Gebildet hervorgerufen d[urc]h Einladung an Kinderfreunde u Kinderliebende Eltern u gebildet
von den ihnen dazu mitgebrachten Kindern. Der Erfolg sprach so das <Bewirken> daß man auch Mittheilung über
das Wirken u. s. w. der andern Spielmittel von mir zu hören wünschte; und der Erf[üllung] dieses Wunsches ward
sogl. der nächste Abend gewidmet. Außer dem d[adurc]h geweckten Entschluß Gedanken so bald als es die Umstände
erlaubten auch in Oelsnitz ein[en] Kindergarten auszuführen war das Ergebniß ein zwar kleines allein vielleicht
auch wichtiger als jener zunächst <mir> ausgesproch[ene] EntWunsch es war der bestimmte Entschl. des Lehrer[s] Hr Schilbach
sogl mit sein[en] Kindern entsprechenden Alters den Anfang die Anwendung u Ausführung der Spiele zu beginnen wozu
er sich sogl. mit d nöth[igen] Hülfsmitteln zu versehen sich bemühete.
Ich hätte wohl gewünscht mein <theu[res]> Volk u Vaterland gleich mir liebender Gevattermann Du wärest von
allem diesen u dem nun folgenden Zeuge gewesen u hättest es gleich als frisches Gewächs in Dein pflegendes u schön es weiter
gestaltendes Gemüthe aufgenommen[.]
Plauen als die Hpstd [sc.: Hauptstadt] der höfischen erz[ie]l[ichen] Kreise d[urc]h welche mich nothwendig meine Rückreise führte auch
<nun> besondere Beachtung zu schenken war ich schon in Adorf aufgefordert worden die mir auch von denen
d[urc]h die Theilnahme an den Adorfer Vorträgen mehrseitig die Auf<rufung> u Einladung zugekommen war und
so zog ich den[n] mich überdieß <versichert> mit freundl. Einführungsbriefen Adorfer Fr[eun]de versehen in Plauen ein. Der Director der Bürgersch[ule]
Caspari
, die Lehrer Wiedemann, <Gimmrich> Verfasser des vom Zwickauer Lehr[er]ver[ein] veröffentlicht[en] Volksbuches Deutschthum u <Gefühl> u Rascher empfingen mich als alte[n] Freund
wie aufrichtig wärmster Theilnahme der Bürgermeist[ers] Gottschalk, der Adv[okat]
u Landtagsabgeordnete Braun
(Präs[iden]t der 2n sächs Cammer) u viele andere[.]
Sogl[eich] die ersten gelegentl Mittheilungen in einem öffentl Gesellschafts<locale> fesselten u viele andere viele für die Sache unter diesen aber g[an]z besonders auch einen einen sehr <rührig[en]> Kinderfreund u treusorgenden Vater der Apotheker [Lücke] Durch alle diese u andere vielseitige freundl Unterstützung sind
sich in den
wurde bald eine Vorführung in d Schön[en] Bürgerschulgebäude mögl. welche sich auch wie in Adorf
Theilnehmer aus entfernten Orten zB. den Vorsteher der Erzieh Anstalt in Kloschwitz nebst Gattin er[schien.] /
[10]
Auch hier erfuhr ich, daß gegen all mein Erwarten ein Local Blatt der Stadt meine Ankunft u
so meine Wirksamkeit d[urc]h ein d[urc]h 3 Nu mmern hindurchgehenden Aufsatz vorbereitet hatte. Siehe die beylage F.G.H. Du
kennst die constit. Jahrb[ücher] von Weil u gewiß den Aufsatz im 2 Bde glaube ich über meine Erzieh[ung] von Dr.
Karl Hagen
in Heidelberg u den 2n Abdruck desselben in den 2n Band seiner Zeitfragen , aus diesen
Aufsatz s[in]d wie Du siehst diese Mittheilungen entlehnt - Der wackere Vater des gleich wackeren
volksinnigen Stadtrathes Frl, der Cantor Fink ein tüchtig praktischer ist wie ich höre dessen Verfasser. Doch das Ergebniß
vom G[an]z[en]: Auch hier würde wie in Adorf würde alsbald ein Kindergarten ins Leben ge-
treten seyn wenn sich eine Führerin desselben sogl. gefunden hätte; doch was <auch> diese Wünsche nicht m[ö]gl.
würde mache der oben schon genannte Lehrer Rascher - welcher sich schon d[urc]h volksthümliche Ein- und besonders Aus-
führung des Turnwesens im Plauen sehr verdient gemacht hat. Durch seine rastlos
rege Thätigkeit <rep> - überzeuge Dich davon selbst in seinem Brief [in] welchem er mir
unten schreibt u beson[ders] ich auch Dir hier abschriftl Lit J. mittheile.* So befriedigt bver[-]
ließ ich Plauen doch mit d mir noch besonders ausgesproch[enen] Wunsche Raschers welcher nun meinen
Weg traf u[m] unter <einig[em]> dort auch d Hrn Oberlehrer Weinfeld an d Bürgerschule meine Aufmerksamkeit
zu schenken. - Die Einladung zu einer Vorführung lag auf <Plauener H[an]d>, sie geschah in der sich praktisch als ent-
sprechend bewährten Weise, Wesentlich Spiel mit den Kindern Abends vorführen der reinen Spielmittel selbst[.]
die gze Schuljugend des Städtchens nahm außer den sich eingefund[enen] Erwachsenen an den ersten u Abends ein
gewählter gemüthlicher theilnehmender Kreis an d 2n Antheil so daß diese Mittheilungen zu allgem[einer] Befried[igung]
erst in den spätesten Abendstunden geschlossen wurden, das ein Ergebniß war außer d mindestens <?>
Wunsche auch eine solche Ansatz zu besitzen den bestimmten Entschl[uß] des Oberlehrer[s] Weinfeld die Spiele u Spielweisen bei seinen
noch kleinen Kindern zu begi[nnen] u dazu andere nach u nach einzuladen - Dieß ist gewiß
einer der erfreulichst[en] Anfänge welche ein Kindergarten haben kann. Ein 2es Ergebniß war die doch
geweckte Neugier für Kinderpflege in einer dazu vielseitig befähigten u wirklich ausgebildeten J[un]gfrau der Frl. R. Leider machte ihn - wie dies zu oft der Fall ist der Mangel an eignen Mitteln unmögl
die deßhalb nöthigen wenn auch mäßigen Mittel zu erschwingen. - Wahrl. lieber Gevattermann,
wenn Du dazur Ausbildung solcher J[un]fr[auen] für Kinderpflegerin[nen] ein Mittel u Wege finde[n würdest], könntest u
würdest [Du] dem Vaterlande dad[urc]h ein hohes Geschenk bring[en].
Der Ort wo der schon zum öftern erwähnte für entsprechende Kindergärten wirkl. begeisterte Lehrer Hr.
Lohse als Lehrer wirkt ist Mielau ein Städtschen nächst Reichenbach[.] nicht nur seine vielfach bewiesene
förderl Thätigkeit sondern für entspr für die solche Kindergärten sondern selbst mein Wort banden mich auch dort die Spiele aus[-] u vorzuführen
an welches Wort mich noch besonders seine u sein[er] Schwester thätige Unterstützung bei meinen Vorführ[ungen] in Reichenbach erinnerte.
Also auch in Reichenbach wurde jedoch nur für ein[en] gewählten Kreis in der nun stehendge-
wordenen Doppelweise Vorführung u M[i]ttheil[ung] gemacht. Außer H Hier <hießen> besonders lebhafte
Theilnahme die achtbare Land der Kaufm[ann] u Landtagsabgeordnete ich gl[aub]e Metzner oder Metzler u Gat[tin]
wie der Hr. Pastor Heubner Glied einer im Voigtlande hochgeacht[et]en Familie. Hrr Lohse
bisher Tertius der Schule nun in die Stelle u Wirksamkeit des verstorb[enen] Cantors in Milau
einge<führt>, wirkt wie ich höre hier mit seiner Schwester mit Ausdauer für vollständige
Ausführung eines kindergartens in Milau. - Wie mir nun in Adorf Plauen, so war mir in Adorf-Plauen u Milau ganz be[stimmt] /
*Ich könnte Dir von den regen menschenfre[und]l. besonders erziehend wirkenden Plauen noch gar viel schönes namentl
auch in Betreff des dasigen Waisenhauses berichten, doch Du wirst dazu bessere <Annahmen> haben[.] /
[10R]
Zwickau zur pflegenden Beachtung empfohl[en worden]. Mehr[ere] freundl Briefe sollten mir das d Erz[iehun]g <Wirk[ende]> besonders von dem Schulrath
Möckel von dessen Schwager Todt u auch dem Stadtrath u Landtagsabgeor[dneten]
Oberländer rc rc. [künden]. Auch hier fand in d schön[en] Saale des wohlgewählten stattlichen Schulgebäudes in der
bekannten Form die beiden Mittheilungen an [sc.: über] ein[e] Wesenheit der Spielm[ittel] u an dem darauf folg[enden] Abend
die Spiele statt. Oberländer u Möckel sagte u unter beiden wieder der letzter[e] zeigte die
größte Aufmerksamkeit für die Sache für bes die genaue Kenntniß sich dieser bis zu d letzten
Augenblick mein[er] Abreise bethätigte; so wie er mir die wörtl Versicherung gab „daß nun gewiß
nicht locker gelassen würde bis ein Kindergarten in Zwickau ausgeführt sey“ - er bedauerte
nur daß eben der Bürgermeister krank sey dieser sich gewiß lebhaft für die Sache bethätigen
würde.“WOffen will ich es Ihnen gestehen“, fügte er noch besonders hinzu, [„] wir haben
viel erwartet; allein wir haben noch weit mehr erhalten“ - Was mich aber wie[-]
der gar sehr freute war die Erkl[ärun]g eines jungen Lehrers mit sein[en] jetzt noch nicht bis eignen Kindern einen
Kindergarten in d Garten seiner SchwiegerEltern zu begin[nen] sobald jenes dazu herangewachsen
sey. Du siehst theu[rer] Gev: M, wie der <?> Mann auch für die Sache <wirken> als die
<Kleinsten Saatkeimchen, gleich> wenigstens dafür Keimkraft in sich trag[e]. Möge die öffentl Stimme
d[urc]h Männer wie Du u nicht vereinzelt sondern gegenseitig förderl solche Keime zur Entwickelung
Erstarken, - der Hr Archidia[kon] Kreutner Bruder des schon oben genannten u Bruder eines Otto
<Hübner> in Freib[er]g beide als <? u ?> rühml bekannt sprach sich nicht minder pflegend für d Gegenstand aus.-
Hier in Quetz Zwickau kamen mir nun mehrere Auffor[derungen] zu nach Grimma - Chemnitz u Freiberg
doch ich eilte zum Ziele nur einer Aufford[erung] folgte ich noch und statt vom Zwickau sogl zur
Eisenbahn zu gehen ging ich erst nach Glauchau. Freundl Briefe eröffneten mir hier gz besonders
die liebevolle <Schule> dess Schuldirector ? [Lücke] - des Herrn Bürgermeister ? [Lücke] u des Hrn Ziegler
Kaufmann u Landtagsabgeordneter. In der bekannten Weise kam[en] auch hier die die <ersehlich besuchten> Doppelvorträge zu[-]
stande u ich war d[urc]h die <Vorsehung> in dem früher besuchten Städtchen nicht
geteuscht worden, daß ich für diese Sache der Kindheit in Glauchau lebendiges volles Inter
öff Theilnahme finden würde. Da hier eben der Bau eines neuen Schulhauses für dieß
nun angebrochene Jahr in Aussicht steht, so wurde mir die Versicherung daß man bey dessen
Anlage hins des nöthigen Hof, Garten Haus u Zimmerraumes auf die Ausführung eines Kinder[-]
gartens ganz bestimmt Rücksicht nehmen würde. -
Ohne Aufenthalt ging nun die Rückreise über Halle nach K. zurück. Quetz war es vor
allem welches mich noch auf kurze Zeit fesselte denn hier war das Fundament zu einer
höheren u zum Ziele führenden Entwickelung u Ausführung eines Kindergartens gelegt - ein vollständig
kleines in sich schon abgeschlossenes Bauerngehöft mit Wohnung Garten nebst Stallung war zu einem Kindergarten u zu einer
Vfortbildungsschule dem so wackern als treusinnigen Pastor H. für Rth 1000 anzukaufen mögl geworden[.]
An den Hof eben geräumig schloß ein Garten von 73 Fuß breit 120 Fuß länge, bestimmt
zum Spielplatz für die Kinder des Kindergartens - zu Gärtchen für diese Kinder - zu einem Schulgarten
für die Schuljugend u die Schüler der Fortbildungsschule - wie für diese zu einer Baumschule. Ein dazu
gehöriges größeres Stück Ackerland wird <veräußert> oder <Verknüpft> werden /
[11]
In diesem Winter werden die Spielstunden in d Wohnzimmer des noch unverändert[en] Wohnhauses gehalten
werden kommenden Frühjahr wird die Einrichtung für Kindergarten und Fort
bildungsschule beginnen[.]
Dieß also die Früchte meiner jüngsten erzieherischen Reise, und doch auch noch nicht gz[.]
Zu Magdeburg hatte ich zwey wackere Männer kennen lernen, welche für die Sache und die Vorführung derselben durch[-]
glüht wurden es war dieß der Director der Handelsschule Ledebur
u der Oberlehrer an d Seminar Löw[e]. Letzterer wurde besonders, wirkl von der Sache
ergriffen[.] Schade nur daß ich meine Mithteilungen so höchst beschränken mußte -
Doch auch noch andere waren es. Frl. A. Kr. [Amalie Krüger] P.H. [Pastor Hildenhagens] Schwägerin war d[urc]h diesen Erfolg be-
stimmt sich d[urc]h Theiln[ahme] an ein[em] 2n, an dem nächstfolgenden Cursus mögl[ichst] für den Beruf ächter Kinder[-]
pflege auszubilden, sie begleitete mich daher nach Keilhau zurück. In Halle schloß sich
an uns ein junger Schulamtscandidat ein Schützling des Hrn Prediger Wöpke (zu gleichem Zweck) an
uns an um auch d[urc]h Theilnahme an dem nächsten Bildungscursus sich für entwickelnd erziehende
Kinderpflege aus auszubilden mit Nam[e] Seifert[.]
Erst am 10. Novbr kehrte ich nach Keilhau zurück u alsbald begann der neue
Bildungscursus: I[h]n theilte also gleich Anfangs Hr Seifert - Frl Am. Krüger - Ihm gesellte sich
nach w[eni]g[en] Tagen Frl Frl (die J[un]gfer) Aug St. [Auguste Steiner] vom Thüring Wald, Aug Michaelis aus Gotha - Ein junges
Landmädchen aus der Nachbarschaft [Friederike Breternitz] u eine junge Schullehrer Wittwe [Amalie Gerber] aus Hildb[ur]g[hause]n u zuletzt Frl. Amal. Beatus
aus Köstritz - Mit d seltensten u regsten Eifer werden die Stunden betrieben u die Zeit wirkl[ich] ausge<füllt>
Um 7 Uhr beginnt unser Arbeits Tag - von 7-8 nehml [sc.: nehmen] die Schüler[innen] an d allgem Religionsunterricht der verschied Classen der
Anstalt Antheil weil ich darinne geistvolle Klarheit wie <gemüthl> Wärme vor
allem in Innern eines weibl erziehenden eines weibl Gemüth Wesens für nöthig erachte, denn das ächt Große muß im Kleinsten Un-
scheinbarsten schon gepflegt über sein ursprüngl Wesen u in sein[e] natürl Folge
u Forderung <?> gepflegt werden nur d[adurc]h kann für das spätere L[ebens]werk die Beachtung des Herzens u d Kultur des
Geistes verbürgt werden. Der übrige Tag theilt sich in Beachtung des Entwickelungsganzen des Kindes Menschen
u des daraus abzuleitenden Erziehungs[-] u Bildungsgesch[ehens] - weiter in Bethätigung zunächst für Glieder u Sinne <?> NB nach nothwendigem Entwickelungsgange
d[urc]h diese für Entwicklung der Seelenkräfte für Gemüthspflege Entw u Geistes Entwickelung - E Beachtung - durch Spiel u Beschäftigung
begleitet von förderlichen Liedchen oder Erzählungen und Entwickelung u Ausbildung dieser
Gabe. - Anreg[ungen] nach den nach nothwendigem Entwickelungsganze[n] fortschreitenden Bethätigungs[-] Spiel[-] u Beschäftigungsweisen[.]
An 4 Tagen in der Woche sind praktische Spielübungen in Kindergarten der Anstalt zu Keilhau<bei mit den Kindern
des Pfarrspieles in dem Pfarrdorfe Eichfeld. So wie es nun nur leise mögl ist
außer d laufenden Tagsgeschäften welche nich [sc.: mich] von früh Morgens bis Abends 7 Uhr in Anspruch
nehmen, einige frey[e] Zeit dazu zu gewinnen gedenke ich Dir von all diesem einige Proben zu
übersenden.
Eichfeld, das Wirken in der Schule daselbst ist mir besonders lieb. Seit ich Schon von früher her d[urc]h m[eine]n Fr[eun]d Middendorf[f] öffnete von Blankenburg nach
meiner Gattin Todt in mein Keilhau zurück gekehrt <wurde> zwar ununterbrochen der Schuljugend unseres Thales <von>,/
[11R]
uns große Aufmerksamkeit geschenkt, g[an]z besonders aber von mir nach Rückkehr von
meiner Rhein[-] u Main[-] u Neckarreise; welche mir als Endergebniß die Erzie den Gedanken der Erziehungs[-]
vereine Gab. Diesen Gedanken sehe ich als den wichtigsten jener ganzen Reise an, und so
wenig er bis jetzt ins Leben noch eingegriffen hat, so erkenne ich ihn als den ersprieslichsten
der mir komm[en] konnte; er muß auch hochwichtig seyn denn ich mußte viel erfahren fviel
versuchen, viel durchleben ehe er in mir erzeugt u geboren wurde u g[an]z aus dem Einzeln[en]
u besondern stieg er herauf zu immer größerer Allgemacht empor. Dir mein theurer l Gevatterm[ann]
empfehle ich denselben zur sorglichsten Beachtung. Ob ich Dir gleich nur weniges von der Anerkenntniß
dieses Vereines u[n]d dessen Verbreitung berichten kann - (: der Aufruf dazu ist Dir <bekannt>
aus der Didaskalia u andern öffentl Blättern bekannt doch lege ich mit d Buchst[aben] K hier
auch noch einen Abdruck desselben bey:) Und bezieht sich dieser indazu selbst nur auf eine
nächste Nähe auf mein Thal so hat er sich doch hier im kleinen, wenn auch klein doch bleibend
u gewiß für die Zukunft sich noch weiter zur Vollkommenst[en] u tiefern Eigentum <des> Volkslebens entwickeln. Was er mir, in mein[em] Pfarrspiel
u Bachthälch[en] brachte ist in
dem Pfarrdorf woh[in] drey Dörfer ihre Kinder 90-100 senden die Einführung von Spielstunden
2 mal in der Woche - einen schön eingezäunten u geebneten Spielplatz dicht am Schulhaus
in dem Schulgarten eine Abtheilung zu einem Turnplatz u was uns das aller Erfreulichste
ist eine[n] <Garten>raum zu nahe 90 Beetchen für sämtl. Schulkinder. Ist auch jedes cca nur
1 [Quadrat] Elle groß so es groß genug <einaufzugehen> des Kindes Sinn für die Natur zu pflegen u ihm die
Früchte u Freuden dieser Pflege in wirkl Früchte Gemüs u Blumenduft in Farbenpracht u Formen Schönheit einathmen zu lassen in reiner
Kindeslust genießen zu lassen[.] Wie eine Anzeige darüber sich öffentl ausspricht es ist der <oben> [erwähnte]
Lehrer Lohse (Tertius) Tertius welcher fast 1 Jahr Zeuge unseres <Werkes> ja Theileh[mer] an demselben
war welcher hier spricht. - Wirst Du das der Beilage L [entnehmen.]
Von der Wichtigkeit dieser Vereine tief überzeugt (welche Wichtigkeit auch unser leider nur zu
früh verstorbener LandschulI[n]spector Prof Sommer wie Du aus Beilage <K> ersehen kannst
mit mir theilte) suchte ich bei einer gelegentl Anwesenheit ich glaube Ostern v Jahr[es] auch in
Dresden für die verallgem[einerung] desselben [zu] wirken. Ich mußte bald zurück und die Sache ihrer
eignen Entwicklung [überlassen], jetzt höre ich aus Mittheilung[en] aus Dresden, welche ich Dir in der Beilage N
ersehen [sc.: gebe], doch müssen solche Erziehungsverei[ne] erstl. Thalweise - dan[n] Gau weise, endl
Landschaftsweise, Provinzweise -zu letzt Staatenweise ihre höchste Einigung finden[.]
Wie <PMont> u Platon sagte sich zu Sonnen[-] u diese zu Welt[-] u Ursonnensystem[en] sich ein[igen]
<müssen ?> Vereine u Staaten Landschaften sich zu[m] Menschheits Bunde verein[en].
eine Fortentwickelung der Kindergärten u so eine schöne Frucht der meinerAnstalt für Kinder<pflege sahen in mein was sehr natürlich>
Aber auch <außer unserer Ferbande Volgende> hier in Keilhau d[urc]h die treue Beachtung des Erhebung der Forderung unseres Cursus blieb die
die Entwickelung nach Außen hin nicht Außen. Durch die Bemüh[ungen] meines alten Freundes Midd[endorff] <wie> durch
ein 34jähriges Fr[eun]dschaftsband welches der deutsche Freyheitskampf als Lützower knüpfte verbunden
faßte ein Verein von Männer[n] in verfl. Herbst zu Lünen in der Grafschaft Mark (preuß Provinz
Westphal[en)] den Entschl[uß] einen Kindergarten auszuführen u sie wünschten dazu eine bei mir gebildete Führer[in.] <Für> Mit Neujahr
sollte der Neue Kindergarten eröffnet werden, und noch vor Weihnachten des alten Jahres sandte /
[12]
ich ihn[en] eine Schülerin des vorigen Cursus Marie Christ aus Hildburghausen am 12 Jan wurde wirkl[ich]
die Anstalt geöffnet[.] Da Dir es in jeder Beziehung bei Dein[em] Streben um Thatsachen zu thun seyn
muß so empfängst Du <Lit.> O erstl Auszug aus den Statuten über P den Vertrag mit d Führerin der Anstalt u beh[andel]t Q einige
Mittheilungen derselben über die Eröffnung der
Anstalt woraus Du am besten d Geist u die Wirksamkeit der Kindergärten als ihr Hinführer u Vetreter im Volke er[-]
messen kannst. Auch über das von dem über Leben u die Wirksamkeit des Kindergartens in Gotha bekommst Du <vermutl>
das Beste Bild wenn ich Dir ein[en] Brief der Kindl u Kinderliebendführerin desselben der früher vielgenannten
Christ[iane] Erdm[ann] unt P mitthei unter dem Buchstaben R mittheile[.]
Gleich bald Anfangs dieser Mittheilungen bei Gelegenheit der Gründung des Kindergartens z. Gotha erwähnte
ich eines jungen Cand: Härters jetzt als Hausl[lehrer] in einer Famil[ie] Glenk [sc.: Glenck] auf der Saline HH. [sc.: Heinrichshall] nächst Köstritz führte er dort die Spiele in
die Familie ein. Ein treuer Fortbildner derselben lud er mich in d schön[en] Weihnachtsfest zu einem
<werten> Gespräch mit ihm darüber ein u gern gönnte ich um Geist u Gemüth diese freythätige Erholung d auch nicht
ergebnißlos war. Diese Mittheilungen einige Geistl[iche] der Umgegend wurden noch mehr dafür gewonnen u bald
zog darauf zog auch eine J[un]gfer Frl. A. B. [Amalie Beatus] als Schülerin des jetzigen Cursus bei mir ein. Doch das wesentl
Ergebniß dieser Reise ist wohl die weitere Gewin[un]g eines glückl. Familien Vaters thätigen Lehrers und
Erziehers der Schulcoll: Lützelberger in Alten[burg] für die Sache. So eingehend warme Theilnahme dersel[be]
aber auch für die Sache zeigte so bleibt doch die Wirkung dieser neuen Er<werbung> noch der Zukunft anheim
gestellt. Von H. [Härter] lege ich Dir eine Abschrift seines jüngsten Briefes bei, damit Du vielseitige Ansicht der Sache bekommst.
Aus Hildburghausen schreibt mir einer aus d Vorst[an]d des Frauenvereins ... [Wölfing] u ich höre
jetzt daß es wirkl im We<rden> seyn soll in 3-4 Städten Hildburghausen Römhild Heldburg Sonne[-] berg Kindergärten zu errichten[.]
Auch anderwärtige persönl Theilnahme hat sich in d Lebensregen Hildburghausen Ländchen für
die Sache gezeigt ein junger Landschullehrer dieser besuchte meine Anstalt verweilte prüfend einige Tage an allen Unter[-]
richtsganzenstunden der Schülerin[nen] Antheilnehmend bei mir. Wie er mir jetzt schreibt hat er hoher Aufforderung zu
folgen in
seiner Behörde ein[en] Reisebericht deßhalb an in An aufgefordert vom
Herzogl. Konsistorium einreichen müssen worin er da<rin> [be]antragt mit dem Herzogl. Seminar zu
Hildbgh[ausen] auch diesen Gegenstand der Führung von Kindergärten u die Ausführung u Anwend[ung] der von mir ange<brachten> Sp[iel-] u Beschäft[igungs] Mittel mit den Schullehrerbildungscursus zu verbinden[.]
Was der Erfolg dainn seyn wird muß die Zukunft lehren.
Da fragst Du vielleicht ob nicht literarisches über diesen Gegenst[and] erschien. Was von Bedeutung ist und
bekannt wurde das Wichtigste ist wohl die Schrift eines deutsch[en] Prediger[s] an der Musterschule des
C[an]tons B[ern] Namens Rudolf Sto[o]ß unter d Titel Chr[i]stl Kindergärten. In der Vorrede sagt er.......
...........woraus Du auf d Geist u die Tendenz der Schrift schließen kannst. In der Schrift selbst
fordert er die <Gemeine> Gesellschaft in der Schweiz auf die Kindergärten als erste begründete Entwickelungs[-]
u so Bildungsanstalt in allen Ort[en] der Schweiz zu Stadt u Land einzuführen - Wo war der U Doch ein Mannes Wort mir um so lieber als ich
vom Daseyn dieses Mann[es] vor Erscheinen dieser Schrift
welche mir rein zufällig in die Hand kam vorher gar nichts wußte. Später hat der
Verfasser auch ein[en] dasselbe bezweckende[n] Aufsatz in der Berner Schulzeitung abdrucken lassen
so wie er sich wie er mir schreibt in der gleichen Beziehung an das Erziehungsdep. gewendet hat[.]
Auch scheint die <Regierung> jetzt zuerst um die Zarte Kindheit zu berathsch[lagen]. Noch /
[12R]
hat ein gewisser Leidesdorff aus Berlin welcher mich u mein Wirken hier im Sommer 1845
prüfend u einigend besuchte ein Schriftchen wie er mir schreibt unter dem Titel .....[Betrachtungen und Vorschläge zur Förderung der sittlichen Erziehung und Tugend, so wie der sozialen Verhältnisse] <?>
waren es von S...[62] bis S. [84] auch meiner Wirksamkeit
gedacht - zon [sc: von] S...[62] bis [65]        S. ... [65] b. [74] A u S. ... S. [74-84] B.
Das Schriftchen muß ohne Zweifel in Berlin oder <Dresd[e]n W zu Anfang d. Jahres herausgekommen seyn
Außerdem sollen kleine Artikel darüber in öffentl Blättern besonders in der Darmstädter Schulz[eitun]g gestanden haben die mir aber großtheils <nie> zu Ge-
sicht gekommen sind[.]
Aber wirst Du sagen Du sprichst bisher immer nur vom Förderlichen wie steht es denn mit den Entgeg[nungen]: Auch diese follen [sc.: sollen folgen]
Schon 184<1> enthält eine solche die Didaskalia doch wie <wir> jetzt <se[h]en> ist der Verfasser ein armer <Schlucker>
welcher weder aus <eigner> Überzeugung noch <für> sich schrieb sondern seine Feder eine fremde Eigensucht liehe
doch auch schon im nächsten Blatte fand er seine Entgeg[nung] wenn auch nicht eben d[urc]hgreifend doch für ihn ganz
Heftiger u ich möchte sagen mehr Gegners Grundhaltung <durch> Courtm[ann] in F<reib[ur]g> - er findet seine Abfuhr
in der eben erwähnten Schrift von Leidesdorf. Ein zweiter Gegner ist Ramsau[er] er
läßt sich dazu verneh[men] wie [er] bes. S. [Lücke] sagt u entgegnet uns ihm in Allg Anz d D wie
Beyl[a]ge <T> sagt[.] Gräfe in Cassel ist fwohl gleich Curtm[ann] der giftigste Gegner[.] Auch ein gewisser Loof soll in der sächs Schulz[eitun]g noch aufgetreten seyn[.] Ich
kann ihn ruhig sprechen lass[en]. ich habe d Erfolg für mich.
Noch könnte ich Dir zur vollständ[igen] Darl[egun]g des G[an]zen berichten wie man Amerika und Europa <nach> Amerika über die
Sache <in> den <Jahren/Zeitung> nach Amerika bericht[ete]. - Wie man in Ungar[n] über die Sache denkt nachd[em] zum
Öft[ern] Ung[arn] prüfend die Sache hier beachtet, u daß <Freunde> in Paris d G[e]genst[and] ihrer Beach[tung] werth achten u
wie namhafte Engländer sich damit bekannt zu machen suchten; wie <Per[sonen]> in Triest in Wien u Neapel
der Sache ihre Aufmerksamkeit schenken doch dieß gehört zwischen uns lieber Gevattermann nicht mehr zur
Sache, wir haben es nur mit der Nutzbarkeit derselben für unser <heim[athliches] Vaterl[and] u die Kindh[eit] unser[es]
lieben Volkes zu thun. Das G[an]ze in dieser Beziehung nach Mögl[ich]keit prüfen zu können führte ich Dir
dasselbe so ausführl[ich] vor nicht in dar<stellender> abgezog[enen] Resultaten sond[ern] in Mittheil[un]g der reinen Thatsachen
Dir selbst die Abziehung des Resultates überlassend und dieß nur d Grund.
Warum ich dir nun lieber Gevattermann alles dieß möglichst ausführl[ich] mittheilte das will
ich dir auch so offen gestehen als es in mir selbst d Bewält[igung] offen vorliegt. Mein Gemüth sucht
ein[en] deutschen Mann mit klaren selbstständig sich selbstbewußtseyn dem es sich in völl[i]g[er] Uneigennützigkeit
offen über das mir höchste aussprechen, dem es dasselbe in vollstem Vertrauen gleichsam als Vermächtniß
übergeb[en] kann, denn denke ich bin bald 65 Jahre alt, ohne dabei eine andere Absicht zu haben als es [sc.: diese]
Vertrauenssache in eines solchen Mannes Brust niederzulegen ohne Wunsch u ohne Erwart[un]g was Du
immer damit beginnest <Erst üb[ri]g> Du wirst das damit vornehm[en] was Du für das rathsamste zur <Wesen>
unseres gemeinsam[en] Pathch[en] die deutsche Kindheit u Kinderwelt jetzt das Beste <sey> u
sey es selbst daß Du es ohne weitern Gebrauch nach Außen hin vermittelst. Denn selbst auch
dieses könnte wenn es einmal selbst Deine feste Überzeugung wäre förderl. zum Wohle des G[an]z[e]n wirken
wenn ich es auch nicht eben gleich einsähe u d[urc]hschaute[.]
Später u vielleicht spätestens bis zum Monat May denke ich Dir nun sämtl[iche] Lehrmittel Entwickelungs[-] Spiel[-] u Beschäft[igungs]Mittel u Weisen mit kleinen Beweisen
ihres Erfolges so weit solches mögl[ich] ist zu übersenden, wenn sich nicht etwa unsere Lebenswege /
[Absatz, neuer Satz] Denn Du erscheinst mir gleich <wie> ein freyer u unabhäng[ig]er Mann u ich wünsche Dir selbst<bestimmend> /
[13]
[Fortsetzung 13 unten] <e> Handlungsweise eines solchen, denn, der Mensch ist zur völ[li]gen Ausüb[un]g seiner Freyheit gebo<ren>.
d[urc]hdrungen, denn einen Wunsch trage ich in mir u den Verhehle ich Dir auch nicht, ich wünsche daß es
uns mögl werde in ein[em] <voran> von den Kinder<fam> u Freunden, den Euch <?> reichen u seine Eltern, Frauen u
Jungfrauen u Erz u un befangenen im vorgefaßten <? ?> Erziehen einmal während einer entsprechenden Zeit eine klar u
vollständige Darlegung zur Prüfung vielleicht mit praktischer Spiel[-] u Beschäftigungsausführung zu geben - kannst
Du mir dazu Gelegenheit verschaffen u geben, so würde es mich sehr freuen[.]
Doch noch Eins: Ich höre Du hast ein liebes Weib errungen. Nimm zu[m] Zeichen meiner herzinnigen Theilnahme
das beiliegende Mutter[-] u Familien Buch, die Mutter[-] u Koselieder. Mögt Ihr recht bald in der
Anwendung auf ihre Erfüllung <?> kommen, mögt ihr Sie [sc.: Ihr sie] vorher aber in Eur Herz u Gemüth
<greifen/g[e]ruhen> ob sie den Ahnungen <?> in diesen noch früher schon oder schon noch hier entsprechen[.]
Es wird mir ein Segenszeichen des <Hauses/Geistes> seyn Irgend einmal im Leben dieß von Euch glückl
beid[en] ausgesprochen zu <hören>. Willst Du mir nur mit <wenigen> Worten - die <Sendung ruhig>
den Eingang der Sache bei Dir anzeigen so bin ich schon zufrieden -
Noch lege ich aus früher[er] Zeit <einiges> Andere zur <Einigung> u Dank bei
Werdet Ihr einmal in einer liebend glü, eine <häusl> oder älterl. glückl Stunde in rein mensch u <?> Lebenstheilnahme auch meiner gedenken
so wünsche ich Dir gewisse Segungen davon aus meinem Leben in das
Eure zurück<führen> mögen als Dein Mitgevatter in der Pflege der deutschen Kindheit u in u d[urc]h so als der Mitgevatter so der
deutschen Menschh[eit].
DFrFr.

Du <auf> Dich l. Gev.m. ist mir erfüllt was ich längst ersehnte die Geistes[-] u somit LebensEi[nigung]
e[ine]s mir längst ganz freyen unabhäng[igen] Mann[es] zugl unabhängig ohne irgend von jeder äußeren Lebensbeziehung
mir geeint in u d[urc]h das klare bewußtseyn des gemeinsam[en] Streben[s] - Darstellung reiner
Menschheit zunächst im kleinsten Kreis u sey dieser einzig der Kreis des gemeinsam[en] Selbstbewußtseyns[.]
17/II 47
Hierd[urc]h grüßt Dich wer u was? H[erz]lich - FrFr

Lasse es uns nur d[urc]h die That zeigen was es um Gevattersleute (so sagt man in Thür)
die gemeinsam mit d Eltern ihr Pathchen lieben für eine schöne Sache ist, u das doch
weil diese viel verschwundene viel Schönes aus d Leben gewichen, und wo dad[urc]h
daß Du sie wird besonders den klar bewußten Gevattermann zu ihnen gebracht
ha[s]t viel Schönes Gutes wahres u Liebliches - denk nur an die liebl gemeinsame Kinder[-] u
Kindheit pflege wie also gemeinsam[e] Pflege der deutschen Kindheit u Kinderwelt
wieder ins Leben gekommen ist, denn ächte Gevattersleute nun wissen erfassen
u können ermessen verstehen u thun was es heißt: - Kommt laßt uns unsern
Kindern - laßt uns den Kindern überhau[p]t - laßt uns der Kindheit - laßt uns in und
d[urc]h die Kindheit der Menschheit leben - Bitte bitte grüße Deine <Lina> von

[13R]
23/II 47 Morgens 8 Uhr
Es ist in der jüngsten Zeit mehrfach an mich die Forde[-]
rung geschehen mich über unser gesammtes Verhältniß
und zwar in Gemeinsamkeit klar auszusprechen[.]
Unser Lebensganzes und die ihre Idee, der Grundgedanke welcher ihm zum Grunde liegt ist aber als ein Bedürfniß und als eine
Forderung und somit als ein wahres Erzeugniß u Gewächs
der gesammten Zeit in der wir leben für uns in der gegenwärtigen
(u neuen auch der Zeitdauer oder den Jahren nach in einer langen) Zeit
heraufgewachsen, denn wir finden einzig nur <gegründet> Bestehen wenn wir die uns gewordene von uns rc* und begriffene Zeitaufgabe als ein G[a]nzes lösen.
*ist in dem Bestrebungen der Zeit geboren d[urc]h sie hervorgefordert <sorgsam> gepflegt u <erzogen> worden unser aller Bestreben liegt über jeder Person <antheil> draußen u muß zunächst von u aus uns <aus>gewiesen muß fest gehalten werden um vom andern erkannt und anerkannt zu werden.
wir haben somit auch nur unser Bestehen
in der Zeit und durch die Zeit d.h. in der allgemeinen durch[-]
greifenden somit öffentlichen Anerkennung nicht nur blos der Zeit-
gemäßheit sondern der wirklichen unerläßlichen Nothwen-
digkeit unseres Strebens in der Zeit, wenn das allgem[eine]
Welt- Menschheits- Volks- überhaupt das gesellschaftliche
Streben der Menschen in der zeit zu seinem Ziele kommen soll[.]
Wir müssen darum, um jene zu unserm gesunden Bestehen
im Ganzen unerläßlich nothwendige allgemeine und öffentliche Anerken[nt-]
niß unsers Bestrebens herbei zu führen, unerläßlich
1. die verschiedenen Bestrebungen und die Verschiedenheit dersel[-]
ben zur Erkenntniß u Einsicht bringen. 2. Ihren nothwendig ei-
nigen und darum wieder einigenden Ausgangs- und Beziehungspunkt nachweisen
3. endlich zeigen das [sc.. daß] zu<nächst> unsere um sie mit einem Worte
zu bezeichnen[:] Kindergartenerziehungsweise, unsere begründend ent[-]
wickende Erziehungsweise diese Einigung allgemein gebe. Die Erweckung Einzelne
persönliche Theilnahme kann uns <Grund?> nichts helfen denn sie wird erst thätig und wirksam wenn sich jene allgemeine Stimme durch diese <Wachwertung> [sc.: Wachwerdung] bildet. Ohne dieß zu erreichen bleibt all unser Streben ein vereinzeltes Streben u wir arbeiten uns jeder als einzelner und selbst als ein in uns einiges Ganzes dennoch zu Todte.