Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Leonhard Woepcke in Annaburg v. 29.8.1845 (Keilhau)


F. an Leonhard Woepcke in Annaburg v. 29.8.1845 (Keilhau)
(Autograph nicht überliefert, ed. Jänicke 1880, 97-98. In der Edition gesperrte Passagen werden hier unterstrichen wiedergegeben, so wohl auch im Original.)

Keilhau, am 29. August 1845.

Hochgeehrtester Herr!

Damit Sie nur sehen, daß ich an die Erfüllung meines Versprechens gedacht und an derselben gearbeitet habe, erlaube ich mir, Ihnen die Arbeit, wenn auch noch nicht ganz, doch bis zu einem bestimmten Punkt beendet, soweit solche jetzt vor mir liegt, zu übersenden.
Es umfaßt diese Arbeit die zusammenhängende Darlegung der geradflächigen und geradlinigen Kinderbethätigungs- und Beschäftigungsmittel, mit Einschluß einiger gebogenflächigen und krummlinigen, was theils zur Entwickelung des Ganzen gehörte und theils so innig mit dem Ganzen, z.B. beim Ausschneiden verwoben war, daß es sich, ohne der Sache Gewalt anzuthun, nicht zurücksetzen, noch weniger zurückdrängen ließ.
Was noch fehlt, sind erstlich einige allgemeine Betrachtungen über das Ganze, soweit es ausgearbeitet vorliegt; wozu mir aber in diesem Augenblick Raum und Zeit mangelte. Ich werde diese entweder beim Beginn der Fortsetzung oder am Schlusse folgen lassen. Zweitens fehlt die Ausführung der von der Kugel, der Walze und dem Kegel mit Nothwendigkeit abzuleitenden rund- und gemischtflächigen, rund- und gemischtkantigen Spiel- und Beschäftigungsmittel. Drittens fehlt die Ihnen versprochene systematische, tabellarischentwickelte Übersicht über das Ganze. Jede Freizeit, welche mir weiter vergönnt sein wird, werde ich zu deren Ausarbeitung anwenden.
Seit Ihrer Abreise hatte ich mehrfach auf 8 Tage bis 4 Wochen Besuch von gebildeten Schulmännern, welche meine Zeit sehr in Anspruch nahmen, sowie mir ununterbrochen die Bildung dreier Jungfrauen für Kinderpflege bis Michaelis obliegt. /
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Wenn es dann aber noch Ihre Verhältnisse erlauben und es Ihnen sonst noch zusagen sollte, so würde ich verabredetermaßen den 3. oder 4. Oktober auf vielleicht 14 Tage bei Ihnen einsprechen. Sollten aber veränderte Umstände die Ausführung unserer Verabredung nicht möglich machen, so bitte ich Sie ergebenst, mir gefälligst demnächst davon Nachricht zu geben, um dann anderweitig über die zu dieser Reise bestimmte Zeit zu verfügen.
Wird der Allgemeine Anzeiger der Deutschen, welcher in Gotha erscheint, im Kreise Ihrer Bekanntschaft gelesen? Wenn dies der Fall ist, so erlaube ich mir, Sie auf Nr. 228 vom 23. August aufmerksam zu machen, wo aus einem mir ganz unbekannten Orte und ebenso unter einem mir ganz unbekannten Namen ein Aufsatz steht, welcher mit einer bestimmten Hinweisung auf ein Richtung meiner erziehenden Bestrebungen schließt; vielleicht ist es Ihnen nicht ganz gleichgültig, auch über diesen Punkt - die Erziehungsvereine - besonders auch in Hinsicht auf Ihre pädagogischen Verbindungen, eine öffentliche Stimme zu hören.
Seit Ihrer Abreise haben einigemale preußische Schulmänner, selbst aus Berlin, meinen erziehenden Bestrebungen ihre aufmerksame Theilnahme geschenkt. Meine Freunde, namentlich Middendorf[f] und Barop, grüßen Sie mit mir auf das Herzlichste.
Empfangen Sie die Versicherung wahrer und besonderer Hochachtung.
Friedrich Fröbel.