Heidelberg, in der
Wohnung des H. Freiherrn Dr v.
Leonhardi
Zimmerplatz
B 160. Am 7 Septbr 1844.
Hochgeschätzter, lieber Herr
Fölsing.
Ich wollte Ihnen zum Dank für Ihre
beiden lieben Zusen-
dungen hierher und besonders zum Dank für
das freund-
liche Briefchen von Ihnen, welches die erste
begleitete einen
recht ausführlichen Brief von hieraus und eine
vollständige
Darlegung meiner Reiseergebnisse schreiben; allein
ich bin
hier schon wieder vom Morgen bis Abends spät so in
Anspruch
genommen, daß ich nicht dazu kommen kann. Sagen will
ich
nur: Sonntags Abends kam ich begleitet von schönsten
Wetter
hier an, besuchte noch an diesem Abend spät den
amerikanischen
Reisenden mit welchem ich hier zusammentreffen
wollte; da
natürlich aber diese Zeit zu ausführlichen
Mittheilungen zu
kurz, so begleitete ich ihn auf seiner Reise
nach Fran-
kenthal, jenseits des
Rheines, tags darauf. Hier waren
wir, jede Zeit für Mittheilungen
über den in Frage stehenden
Gegenstand benutzend bis
Donnerstags zusammen, wo wir
dann
wieder gemeinsam nach Mannheim gingen;
auch
hier waren wir wieder für gleichen Zweck thätig, von
wo
aus er, der amerikanische Reisende zu seiner Familie
nach
Frankenthal, ich aber nach
Heidelberg zurück kehrte.
Auf diesem
Ausfluge wurde wieder gesunder Saame
auf guten fruchtbaren Boden
ausgestreut, von welchem ich
hoffe daß mancher alsbald, mancher
zwar erst später,
allein sich um so mehr umstockend und kräftiger
empor-
wachsend aufgehen wird. Genug das Ganze bestand
aber-
mals eine so tiefe, wie in Hinsicht auf Anwendbarkeit,
viel- /
[3R]
seitige Prüfung, aus welcher es mit
Anerkennung hervorging.
Was ich so ebenandeutete, werden Sie
selbst in den Ent-
wickelungen lesen, welche der Gegenstand
später zeigen wird.
Wie ich sagte fand ich bei meiner Rückkehr
ihre erste liebe
Sendung hier vor. Und der Inhalt derselben ist
es nun auch,
wegen welchen ich jetzt weiter schriftlich und
bittend zu Ihnen
komme.
Ida
Seele, wird Ihnen nemlich nebst meinem herzlichen
Gruß
ausgesprochen haben, wie einige bei der
Kleinkinderan-
stalt zu NiedersIngolheim Betheiligte, namentlich
der
Herr
Klotz und die Kinderführerin daselbst, die
Fr[äulein] Roos
wünschen, daß letztere während 8 Tagen an den
Spielen,
Beschäftigungen der Kinder in der Darmstadter
Anstalt
unter der Leitung und Deutung der Ida Seele
Antheil
nehmen möchte, nach dem Entschlusse und in der
Absicht
welche ich Ihnen schon früher, ja schon bei meiner
ersten
Anwesenheit in Darmstadt mittheilte, welcher sich
aber
nicht früher ausführen ließ.
Fr[äulein]
Roos wird nun nächsten Sonntag, also morgen
(oder,
wenn Sie diesen Brief lesen heut:) Abend mit dem
Mainzer
Omnibus welcher bei Jordis hält in Darmstadt
ankommen.
Sie wird sogleich die Ida aufsuchen, um von dieser zu
er-
fahren, wo sie für 8 Tage in Darmstadt gegen
angemesse-
ne Bezahlung Wohnung, Kost, Bett rc erhalten kann.
Sie zeigten mir früher eine Gelegenheit bei unserm l. H.
Schaffenitt, wäre es da, so wäre mir es am
liebsten,
doch irre ich nicht so hatte auch Ihr herzig liebes
Weibchen oder
dessen liebe Fr. Mutter einen Vorschlaß [sc.:
Vorschlag].- Der Fr[äulein]
Roos oder vielmehr
Herrn
Klotz habe ich, nach unserer
früheren
Belehrung geschrieben, daß der Aufenthalt für die Woche
ohn- /
[4]
gefähr 4 Fl[orin] betragen würde. Könnten Sie
nun <gegn.> [sc.: gegebenenfalls ?]
dafür der
Roos einen Aufenthalt auf 8 Tage in Darmstadt
nicht
so gar weit von der Kinderpfleganstalt verschaffen,
so würde ich,
wie sie auch selbst Ihnen dafür sehr dankbar
seyn. Und ich bitte
die Ergebniß Ihrer Bemühung der
Ida zu
sagen, damit diese die
Roos dann sogleich in
ihre
einstweilige Wohnung führen könne.
Die Fr[äulein]
Roos empfehle ich noch besonders Ihres
förderlichen
Wohlwollens, namentlich hinsichtlich des Gesanges;
Es würde
ihr nemlich gewiß sehr erwünscht seyn, wenn
sie mit Ihnen
und der Ida vorzüglich die
Ballliedchen zum Theil und einige
der
zum Abschreiben zurück gelassenen Bauliedchen einübten.
Da mir die Zeit
nicht gestattet dem Herrn Obrist Lieuten.
Fresenius selbst
schriftlich zu bitten der Roos
auf des Herrn
Klotzes meine und ihre eigene Bitte
den
belehrenden Besuch der Darmstadter Anstalt
zu erlauben, so würde
ich Ihnen sehr dankbar seyn
wenn Sie l. H. Fölsing dieß,
wenigstens durch den
Herr Garnisonsprediger Rink
hindurch gehend besorgen wollten;
dazu
meine hochachtungsvollen Grüße fügend.- Ich gestehe, daß
ich an
dieser Erlaubniß nicht zweifle indem es ja höchst er-
wünscht und
aufmunternd ist, wenn die Darmstädter Anstalt
wie sie bisher
schon wegen ihrer äußerer Einrichtung musterhaft
dastand, nun
auch in Hinsicht auf erstarkende und wie leib-
lich so geistig
entwickelnde Kindheitpflege entwickelnd anerkannt
dasteht. Daran
knüpfen sich am leichtesten die
weiteren Fortbildungen, wie die
Vernichtung aller Entgegnungen.
Nächsten Montag gehe ich nach
Stuttgardt, ob ich schon Ende
künftiger
Woche nach Darmstadt zurückkehre weiß ich noch nicht.
Alle
eingehenden Briefe erbitte ich mir hierher zu senden, so
wie das
ausgelegte Porto gefälligst zu bemerken. /
[4R]
Daß
Rosenstock und Rosenblüthchen, wie deren sorglicher
Gärtner sich
im besten Wohlseyn befinden, dieß konnten mir
nur die schönsten
Nachrichten und gleichsam Blumen in dem
frischen Kranz meiner
Reisbegebenheiten seyn. Allen die
herzlichsten Grüße und besten
Wünsche, so wie Ihren l. Eltern
und namentlich auch unserm
Schaffenitt. Der Ihrige FrFröbel.
Sr Wohlgeborn
Herrn J. Fölsing
Lehrer an der Garnisonschule
frei! Darmstadt
Im
Gebäude der Garnisonschule
vor dem
Jägerthore