N
o IX
Hildburghausen am 12 Decbr 1841
(Sonntags)
Guten
Morgen lieber Middendorff.
Erlaube mir daß
ich Dich gleich in die Mitte meines gegenwärtigen
Denkens
einführe.- Überall wo in der Natur ein neues Ergebniß,
Produkt, ein
Ganz neues, ein Erzeugniß entsteht, geschieht es -
unter Mitwirkung der ge-
sammten Naturthätigkeit - durch
Zusammenwirken zweyer, jedes für sich
in sich ganz einigen,
allein unter sich entgegengesetzt gleichen Schaffenden
(Factoren)[.]
Es muß also auch nothwendig die darzustellende neue
Entwickelungsstufe
der Menschheit auf eine gleiche Weise in die
Erscheinung treten. Nun sind
wir aber längst darüber gegenseitig
klar und einstimmig, daß die neue
Entwickelungsstufe der
Menschheit vom Bewußtsein ausgehen die mit Be-
wußtseyn erstrebt
und durch Bewußtseyn errungen, d.i[.] dargestellt werden
muß;
sowohl nach der Bestimmung des Menschen und der Menschheit im
Allge-
meinen als nach der besonderen Forderung der jetzigen
Entwickelungsstufe
derselben. Nun wirst Du aus meinen jüngsten
Mittheilungen, sowohl an
Dich als auch an Barop, wie überhaupt
aus der Gesammtheit meiner letzte-
ren Thätigkeit leicht
erkennen, vielleicht auch schon erkannt haben wie ich
mich mit
großer Bestimmheit bemühe jenes oben erwähnte
In-sich-ei-
nige-und-doch-entgegengesetzt-Gleiche der
Menschenerziehung, Menschheit[s-]
entwickelung zu finden und es
zur Erringung und Erreichung, zur Dar-
stellung der neuen
Bildungsstufe der Menschheit in Verbindung zu bringen.
- Das
Gleiche des gegenwärtigen Menschen
und Menschheitsstrebens dünkt
mich nun ist in den verschiedensten
Stufen des Unbewußtseyns und der Ahnung: - Darstellung und Behauptung
der Menschwürde des Menschenwesen, also auch
der
Selbststän-
digkeit, der Persönlichkeit, also darum somit
auch des unabhängigen leib-
lichen Bestehens und selbst in einer
gewissen Beziehung des leiblichen Gewi-
ßens, welches vielleicht
nur die
materielle Form u Erscheinung jenes
gei-
stigen Strebens ist. Das
Ungleiche dagegen schaue ich in dem
ganz ver-
schiedengradigen
Bewußtseyn über jenes über die Menschenwürde und
das
Menschenwesen welches sich zuletzt in zwey ganz
entgegengesetzte
Endpunkte, Pole (Extreme) sich endet, woran der
(das)
Eine das Menschwesen /
[30R]
die Menschenwürde klar erkennt (
lebenvoll von derselben durchdrungen
ist)
und es demgemäß darzustellen sich bemühet
und der
Andere aber dasselbe auf
verschiedenen Stufen und in verschiedenen
Stufen dunkel ahnet,
allein darüber eigentlich, nach Maaßgabe seiner
Bildung und
Einsicht sich, von außen her erst belehrt seyn will,
Belehrung
sucht, daher
nachahmet (die
Moden z.B:) wo er darüber größere Ein[-]
sicht vermuthet. (:Den
letzteren geht es z.B[.] in den Moden, bey und in einem
an sich
in seinem innersten ursprünglichsten Wesen reinen und
guten
Streben wie es so häufig den Menschen in den Abirrungen des
Geschlechts-
triebes und der Gefallsucht geschiehet[.]:)
Daß nun wirklich eine Ahnung der Menschenwürde und der Hoheit des
Men-
schenwesen sich durch das G
ganze Leben hindurch ziehet wirst Du in
jeder mehr oder minder
stark hervortretenden Zeiterscheinung lesen
können; die
politischen Kämpfe gar nicht zu erwähnen; allein nicht minder
in
den religiösen, j Jeder und
Jedes nimmt für sich den Besitz und das Eigenthums-
recht des
Höchsten und Besten in Anspruch, dünkt sich des höchsten und
besten
im Wahn oder im Bewußtseyn, oder im Glauben -
würdiger. Und um ganz
auf unser
Gebiet zu treten so sind doch die Kleinkinderbewahranstalten
rein
ein Ergebniß entweder der größeren oder geringeren Ahnung
oder
des mehr- oder minder lebenvollen Durchdrungenseyns von der
Menschen-
würde, von der Menschheit in der Kindheit, dem Menschen
im Kinde pp.
Hast Du Dir nun nach diesen Andeutungen recht
klar gemacht was ich un[-]
ter den [sc.: dem] (polarisch rein)
entgegengesetztgleichen Streben des leben-
den
Menschengeschlechtes, oder der Menschheit auf ihrer
gegenwärtigen
Entwickelungsstufe verstehe (:gleichsam ein Stehen
auf der entgege-
gesetzten Stufe der Mannbarkeit:) so wirst Du
mich auch verstehen
was ich meine was zu thun sey um die Menschen
auf die ihr bestimmte
neue Entwickelungsstufe zu erheben, oder
die Menschheit auf der
reinen Kindheitsstufe und somit verjüngt
aus sich selbst zu erzeugen
aus sich selbst hervorgehen zu
machen: - Ich bin nemlich in mir
bey klarem Blicke über das
Leben, wie es in seinem Lauf und Erschei-
nungen ist klar und
fest überzeugt: - wollen wir als Erzieher be- /
[31]
sonders als Kinder- und Kindheitserzieher unser Ziel
erreichen, so müssen
wir die Menschen allgemeiner mindestens zu
einer lebenvolleren, be-
stimmteren Ahnung des Wesens und der
Würde des Kindes, der Ahnung der
Menschenwürde und des
Menschenwesens als in Gott ruhend, aus Gott
hervorgegangen und in
Gott sein Leben und Bestehen habend, erheben.
An diesem
Mangel mindestens an kräftigem Gefühl
und Durchdrungenseyn
von der Menschenwürde und dem
Menschenwesen und am Mangel
an
Erkenntniß der angemessenen Pflege dieser Würde u dieses
Wesens, da-
rin liegt selbst bey sonst, selbst im Unterrichts[-]
und Bildungswesen Einsich[-]
tigen, das eigentliche Hinderniß des
nicht Vorwärtsdringens: Und
dieß ist denn nun der Punkt warum ich
brieflich zu Dir komme[.]
Siehe ich meyne, selbst ruhend in
der Quelle des Lebens, sie in sich
fließen, sich von derselben
durchströmen zu lassen, in ihr zu leben
und durch sie zu wirken
soll man in hohem begeisterten und begei-
sterndem Gesange allein
in einfacher Sprache und Dichtung gleich einem
Eichen- und
Buchenkranze, gleich einer Myrthen- und Lorbeerkrone
daß
[sc.: das] in Gott ruhende und aus Gott hervorgegangene, stetig in
Gott
lebende Wesen der Menschheit und ihre Würde, und so das
Wesen
und die Würde der Kindheit und des Kindes - verständlich
der
Menge besingen aber wohl im E
epischen Tone. Siehe lieber Middendorff
auf diesem dichterischen,
auf diesem gläubig-poetischen Grunde d.h. die Sache
um die es
sich handelt in äußerer Gestalt angeschaut, (:innerlich und
dem
Wesen nach auf diesem regiliösen [sc.: religiösen],
gotteinigen Fundamente) muß die
Erziehung, muß die
Menschenbildung ruhen wenn sie <in> sich feste Basis
in
sich haben soll und das Wirken in derselben und für dieselbe zum
Ziele haben soll.
Siehe wohin wir blicken ruht jedes ächte
menschheitliche Wirken und dessen
Erfolg auf solchem Fundament
nimm nur gleich den deutschen Freyheitskrieg
mit seinen Liedern u
Gesängen. Ist nicht ein einziger Ruf in denselben:
"erkennt eure
[sc.: Eure] Würde, Euer Wesen handelt demselben getreu!"-
Ruht
nicht die ganze Israelitische oder Jüdische Bildung auf diesem
Funda-
ment?- Ist es nicht die Ahnung die Durchglühung von der
Menschenwürde /
[31R]
die
seit in dem ewig denkwürdigen Pfingstfeste
die Grundlage der begei-
sternde[n] Rede und seit jener Zeit die
Grundlage des Christenthums
ausmacht; ist es nicht eigentlich
immer die Würde und das hohe
Wesen, um die es sich dreht und das
Gefühl, diese Würde zu er-
halten:- wäre ich würdig sein Kleid
anzurühren - ich bin nicht würdig
daß Du bey mir eingehest; heut
wirst Du würdig seyn mit mir
im Paradies zu seyn Du bist würdig
zu nehmen. Ist nicht das
Gefühl höherer Würdigkeit bey aller
Demuth die Grundlage des
Christenthumes?- Ruht nicht die ganze
griechische Geschichte u
deren Entwickelung in Homer, daher sein
Absingen und Vortragen bey
öffentlichen Feyerlichkeiten gleich
unsern heiligen Büchern u Gesängen
und sind es nicht
Götter welche die Menschen würdigen an
ihrem
Schicksale Antheil zu nehmen?- Ist es mit unserer
deutschen
Urgeschichte so sehr sie auch im Dunkeln liegt
anders?-
Also lieber Middendorff die einzig sichere Grundlage
zu ächter
Menschenerziehung, der einzige gute und ächte Saame aus
welchem
eine neue Menschheit hervorkeimen kann und wird ist
die
Menschen durchdrungen begeistert zu machen von ihrer
Würde
als Glieder der Menschheit welche ewig in Gott ruht ewig
aus
ihm gezeugt ist wie Jesus und die stetig in Gott u Gott
stetig in ihr
lebt schafft und wirkt.- Eine[r] neue[n]
Begeisterung bedarf es
für die Menschheit, nicht als ob die alte
in ihrem innern Werth ver-
loren, nein sie hat nur für uns ihren
Reiz (:durch ihre Mittel-
barkeit:) verloren was Jesus verkündigt
hat ist nun eingetreten
Gottes Geist, Liebe u Güte hat sich
auch unmittelbar
wie von Jesu, so
von
ihm,
Gott, selbst aus der Menschheit
geoffenbart, die Menschheit
kann
auch durch Gottes Geist der Liebe, der
Vaterführung nun un-
mittelbar am Gottesherzen ruhen, und kann
sich so ihrer
unmittel[-]
baren Kindschaft erfreuen. Dieß alles
nur als Andeutung für
Dich und
wenn er will auch
Barop, damit
Du und Ihr auch ver-
stehest,
doch vor allem
Du, mit welchem ich es
in der Ausführung zu /
[32]
thun habe, (doch kann und
wird uns Barops Beystimmung auch wirksam
seyn:)-. Siehe
Middendorff Begeisterung sucht die Menschheit, die
Europäische,
die deutsche, daher das immer wiederkehrende Auf[-]
legen ihrer
geistreichsten und genialsten Schriften, daher die Sucht
und die
Beförderung Denkmale zu stiften und Statuen zu erich-
ten, ja
selbst das Streben auch vorübergehender
berauschender
Begeisterung durch plastische und Tonkunst.-
Auf dieß hier angedeutete nun gestützt trage ich die
Überzeug[-]
ung in mir, wir beyde und wer sich sonst in unserm
Kreise daran
entschließen könnte und wollte, doch als ein fester
geeinter Stamm
wir zwey ganz bestimmt, sollten in einer
Reihe[n]folge von zusam-
menhängenden Gesängen oder Dichtungen -
wie Du es am liebsten
bezeichnen willst - das Wesen und die Würde
der Menschheit und der
Menschen darzustellen uns bemühen, für das
Wesen und die Würde
der Menschheit schon in der Kindheit und im
Kinde zu begeistern
suchen; also vor allem erst uns selbst von
derselben ganz durch[-]
dringen und begeistern lassen, für das
Wesen und die Würde der
Menschheit u so der Kindheit u des Kindes
als
aus in Gott ruhend und
aus
Gott hervorgegangen. Auch dadurch daß man das Wesen
und die Würde
namentlich der Kindheit auch im kindlichen Leben
in kindlichen
Äußerungen und Erscheinungen zeige.- Wäre es so
möglich höhere "-
Einsicht in das Wesen u die Würde der Menschheit
zu verbreiten
und dafür zu begeistern" d.h. die leisen Ahnungen
zu beleben, die
zerstreuten Äußerungen und Erscheinungen derselben in
einem
leuchtenden und erwärmenden Ganzen zu vereinen, so müßte
es auch
möglich seyn für ächte Kindheitpflege zu begeistern. Ohne
eine
solche Begeisterung ist es aber auch ganz unmöglich wahre
Kindheit-
pflege allgemein zu machen.
Beckers Gr[un]dsatz sich mit dem Guten
und
Wahren nach der Neigung und Ansicht der Menschen zu
accomodiren
ist gewiß ganz falsch, der Mensch muß erhoben und
gleichsam aus
sich selbst herausgerissen werden. Allein - man muß
nur
Muth haben /
[32R]
es
zu
wollen,-
Kraft es zu
können,- und Mittel es auszuführen
- die
Darstellung der Menschenwürde müßte sich gründen auf
das
Hervorgegangenseyn der Menschen aus Gott auch aus göttlichen
H[an]dl[un]gen der Menschen z.[B.] David u Jonathan - die
Beweise
der "Würde der Menschheit im Kinde" müßten besonders
hervorgehen
aus Darstellungen aus dem Kindheitleben worin sich
dieses aus[-]
spricht z.B[.] auch der Herkules in der Wiege wie
er die Schlange
tödtet, wie ja auch
Tiedge "Herkules am Scheidewege" in
seine
Urania aufnimmt. In dieser ganzen Darstellung müßte
sich
dann bald stillschweigend, bald in Worten
(der Refrain) Aufforderung
ausspre-
chen: "Alles dieß liegt im Menschen, im Kinde, sollten
wir uns nicht be-
eifern es hervorzuziehen es
herauszubilden!?["]-
Wäre uns das Ganze nach Plan und
Ausführung gelungen (:viel[-]
leicht in einer Sprache wie die an
vielen Stellen leicht verständliche
Urania oder in einer noch
einfacheren kräftigeren Sprache wie z.B[.]
die von
Arndt:) so könnte man es dem
Meyer zur
Verbreitung
übertragen vielleicht daß es derselbe mit
Kunstblättern aus[-]
stattete.- Du sagst: aber das ist keine
kleine, ja es ist in vieler
Beziehung eine gewaltige Aufgabe; ja
l. M. das wäre es
nun wohl aber ihr strahlte auch ein herrliches
Ziel, und ein
hoher Preis winkt ihr, wenn es ihr gelänge, die
Menschen die Menschheit
der
r
Kindheit und der Kinder Würde thatsächlich
anerkennen zu machen.
Wenn ich von Tiedges Urania als
einem Vorbilde rede, so meyne ich
nicht in der gesammten
Form, vielleicht halte ich es für das
Beste, wenn das
Ganze gleich einem Kranze aus einzelnen
Darstellungen bestehe.
- Dieß war es denn was ich Dir heut zur
Sonntags-
feyer zur Prüfung vorlegen, mit Dir besprechen
wollte.-
= Weil gestern 8 Tage um waren seit ich Deinen
letzte-
ren Brief empfing, so erwartete ich
heut gestern und noch mehr
heut
bestimmt einen Brief von Dir; wie kommt es, daß
ich keinen
bekommen habe?-- /
[33]
Hildburghausen am 13. Decbr 1841. Montags Abends
9 Uhr.
Heut Morgen 9 Uhr bekam ich Deinen l. Brief mit
dem Postz. Rud. 12 Xbr. No V.
Ehe ich
fortfahre Dir über den (Schnecken-) Verlauf des hiesigen Lebens
Mitthei-
lung zu machen will ich lieber zuerst Deinen Brief
beantworten, zuvor aber
Dir doch aussprechen, daß ich mich gar
sehr freue, daß ich vorstehendes
schon vor Empfang Deines Briefes
niedergeschrieben habe, worauf ich
jedoch später, im Verlauf der
Beantwortung Deines Br: zurück kommen
werde.
1. Ich freue
mich zwar herzlich mit Dir über den Wiedergebrauch Deiner
Augen;
allein ich bitte Dich doch gar sehr sie so viel als möglich
zu
schonen. Leider habe ich keine andere Zeit als spät Abends
und
Nachts, sonst würde ich es auch nicht thun; auch bin ich mir
we-
gen meiner kleinen und oft kritzlichen Schrift bös; aber es
ist
merkwürdig auch in dieser Hinsicht kann man nicht wie
man
will, und wenn im[m]er so vieles drängt nieder zu schreiben,
da wird
die Handschrift unwillkürlich klein und kritzlich. Also
schon Dich!!
2. Die beyden Güntherschen Schwestern grüße
herzlich von mir be[-]
sonders sage Frl. meine innige Theilnahme
an ihrer wiedergekehr-
ten Unpäßlichkeit wie der Fr. Pastorin
meine freudige Theilnah[-]
me an ihrer, wie ich vermuthen müßte
dauernden und festen
Gesundheit; sage Ihnen [sc.: ihnen], wenn Du
glaubst daß es gut ist, d.h. daß
sie solche Sprache vertragen
können; daß ich mit der Fortentwik-
kelung Blankenbergs recht auf
sie zähle als mir treu verbundene
ausdauernde Schwestern. Wie ich
nach Blankenburg zurück käme
würde ich mit dem größten Eifer die
Erweiterung d.i[.] Vervoll-
kommnung des Blankenburger
Kindergartens betreiben. Ich samm[le]
mir jetzt nur Erfahrungen
und Thatsachen im Kleinen. Suche S
sie in
in die höhere und höchste Bedeutung Ihrer [sc.: ihrer]
Wirksamkeit als Mit-
arbeiterinnen am Wohle der Menschheit
einzuführen. Nicht die
Gewalt der Kraft sondern die Güte, Treue,
Innigkeit u Ausdauer derselben
macht es. Sag Ihnen [sc.: ihnen]
daß man durch solches Handeln unfehlbar meine Achtung
mein Herz
und meine Liebe gewänne.- /
[33R]
3. Du schreibst mir
daß sich
Barop über das von mir in irgend
einem Br[ie]fe
über den Anfang der Religion in den Kindern
geschriebene gefreut
habe; es ist mir lieb; allein offen gestehe
ich Dir, daß ich mich dessen
gar nicht mehr mit Bestimmtheit
erinnere; es wird mir gar sehr lieb
seyn von Dir nur mit einigen
Worten wieder daran erinnert zu
werden, damit es mein
bleibendes Eigenthum werde; doch komme
ich
unten auf den Relig: Unterricht, oder vielmehr das religiöse
Le[be]n
zurück. Jetzt im Augenblick glaube ich mich des Gesagten
zu erinnern, daß
man nemlich dabey das zu starke Versinnlichen u
Personificiren ver[-]
meiden solle. Nun wie gesagt ich komme
unten darauf zurück. Bemerken
will ich doch gleich bey dieser
Gelegenheit daß ich bey meiner kleinen Laura
hier glaube beachtet
[sc.: beobachtet] zu haben: daß das Kind an alles seine[n]
kindlichen
oft kindischen Maaßstab legt; so das höchste u größte
kirchlich Bedeu-
tungsf tungsvolle ihm kindlich
bedeutungsvoll ist so z.B.
Sünde in
seiner stärk[-]
sten Bedeutung "Nicht-gutseyn" (Also ein wirklich
rein zu
Sühnendes[).]
Merkwürdig war es
mir als dasselbe Mädchen bey der stärksten
kirchlichen Zeichnung
der
Hölle (in einem Liederverse)
davon wie von einer
Höhle sprach
(wo also der Begriff mehr der
Dunkelheit (dunkle
Kammer Stube
hier im Hause
Boden) einspielte [sc.:
anspielte], keineswegs der Begriff einer
vom Feuer erfüllten
Hölle (Hölle, Halle, Hülle, Hohl, Höhle.).
4. Daß Du es in
Keilhau besonders unter den Frauen nicht zu
einer
gemeinschaftlichen Theilnahme bringen kannst, das scheint
mir
zwar in Mehreren, doch hauptsächlich in Deiner Persönlichkeit
zu liegen.
Darüber aber läßt sich nicht schreiben, denn dieser
Punkt gehört zu
denen das innerste geheimste Leben des Menschen
ergreifenden, doch
nach einer anderen Seite scheinst Du dabey
einen Fehler mit mir
in Beziehung auf mein Wollen gemein zu
haben. Du legst den Menschen
d.i[.] den Frauen vielleicht auch zu
nahe drückst zu gewaltig auf
Dein Ziel hin. Vielleicht sagen sich
die Frauen auch mit mehr oder we-
niger Klarheit: Du und ihr
[sc.: Ihr] fordert eine Theilnahme, die ihr uns
nicht beweiset.
Die Frauen dünkt mich haben sehr viel mit der Kindes[-] /
[34]
Natur gemein; was ihnen gehört soll ihnen
ganz angehören. So sagte
z.B. der
5 Jahr und ein paar Tage alte Max zu seiner Mutter: "Mutter
Du
sollst mir ganz aber auch ganz allein angehören nicht der
Laura
und nicht dem Wilhelm und nicht dem Vater.["] "Aber wie
kann ich das[?]
Siehe Laura u Wilhelm sind auch meine Kinder und
der Vater gehört auch
ihnen wie ich.["]- "Nun so soll der
Rudolph, aber auch ganz allein
mein
seyn rc." Etwas, wenn auch ganz eigenthümlich Wahres liegt
gewiß dar-
inn!- Glauben wir nicht auch wenn wir zu Gott beten,
daß gleichsam
seine Aufmerksamkeit auf uns persönlich z[.] B. bey
"Vater hilf mir!"
gerichtet sey. Mein theurer Middendorff. Das
Leben hat viele Geheim-
nisse, schwierig löst sie der Einzelne
auf. Lieber Middendorff ein Blick
ein Wort, eine Hand[-] und
Körperbewegung, ja eine ungegründete <Meynung /
Neigung>
von Dir kann Dir im Nu vernichten woran Du Jahrzehnte
arbeitetest und im
entgegengesetzten Fall blühend machen woran Du
zehn Jahre vergeblich
pflegtest. Darum sage ich Dir immer läßt
uns das Leben ein Gemeingut
seyn, wenigstens zunächst unter uns
Männern. Wir arbeiten uns sonst
mehr oder minder zu Nichte und Du
hast ja selbst gesagt, daß
Bewußt-
werden und Bewußtseyn die Zeit fordere. Es giebt Menschen die
für
das Erwähnte einen angeborenen oder was hier gleich ist
angewöhnten Tact haben, allein verlassen sie einmal
diesen Weg,
so können auch sie im [
Nu]
verlieren was ihr Wandeln auf
demselben ihnen gebracht hatte.-
5. Löhn soll nur
immer 3-6 Kästen 5e Gabe 2e Größe in Arbeit
nehmen. Sie sind nicht so
leicht gemacht und könnten vielleicht noch
zum Weyhnachtsfest von
Rudolstadt aus vielleicht auch von hier gefordert
werden.
6. Hierbey will ich denn gleich erwähnen, daß ich glaube es wäre
recht
gut wenn zur Weyhnachtszeit d.h. jetzt augenblicklich eine
Anzeige
ins Rudolst. Wochenbl. käme ohngefähr der Art: - "Weil
sich jetzt
die bisher in dem Kindergarten zu Blankenburg
angewendeten Kinderspiele
und Beschäftigungsmittel überall wo sie
dem kindlichen Bedürfniß ange[-]
messen angewandt worden wären
nahe u fern als ein so bildendes /
[34R]
als belehrendes,
wie nützliches und angenehm unterhaltendes Spiel
Zeug bewährt
hätten, so erlaubte man sich das verehrliche Publick[um]
darauf
aufmerksam zu machen daß solche stets vorräthig in
der
unterzeichneten Anstalt wie vorstehend zu bekommen seyen[.]
Als 1e Gabe mit Text à
38 44 Xr.
2e Gabe mit Text à 14 1 fl ohne Text à
8 gl 26 Xr [Kreuzer] u.s.w.
NB es
muß alles in fl. (Gulden) angegeben werden[.] Also 10 gl
[Silbergroschen] = 44 Xr
1 rth Ct = 1 fl. 45 Xr / 8 gl = 35 Xr. / 12 gl = 52 Xr / 6
gl = 27 Xr. [/] 4 gl = 18 Xr
NB 3e 4e u 5' Gabe
immer mit Lithographischen
Tafeln
5e Gabe in
beliebter 2e Größe 2 fl. 36 Xr.
Es ist gut
wenn die Zahl der lithographischen
Tafeln immer angegeben wird.
Für die beygesetzten Preise auch zu
haben bey BuchbinderMeister Herrn
Stroh in
Rudolstadt. Diesem könnte man 1/5 oder 20% Rabbat zu
sichern
wenn er das nehmende sogleich
bezahlen und was er nicht verkaufte
und unbeschädigt wäre nach
den Feyertagen wieder ebenso zurück
nehme.- Theile die
aufgesetzte Anzeige ist mögl. Brp zur Einsicht mit.
Doch ich sehe
eben daß ich mit dieser Sache etwas post festum
komme,
denn wenn dieser Brief nicht Mittwochs Abend in Deine Hand kommt
und so
die Anzeige nicht zum Donnerstage in
die Exped: des Wchbls
kommen kann, so ist die Sache zu spät. (So
vergißt man eine Sache.)
7. Es mangeln die Kästen 2' Gabe.
12 Ex. so in Amtgehren; ich
weiß gar nicht warum der Mann Dir die
Sache nicht sendet.
8. Willst Du nun noch Kästen 2. Gabe haben
zum Gebrauch in dieser
Zeit, dann würde Löhn wohl
die eben bestellten Baukästen
V' Gabe 2e Größe nicht machen können, sondern sich gleich über
eine Anzahl die
Kästchen zur 2n Gabe machen
müssen. Nun
Du wirst ja selbst alles aufs beste einrichten.-
9. Die Kästchen zur 2n Gabe liegen in dem
braunen Kasten unter
Deinem Schreibepult rechts im Gefach (bey
Löhns).
10. Die Schilder (Etiquetten
nicht Vignetten welches ja Bildchen sind)
liegen
in demselben Gefach; so wohl die Schilder auf den Kästen /
[35]
als
auf die Köcher der 2
n Gabe. Die letzteren hatte
ich noch bey mei[-]
ner Abreise in der Hand und von den ersten
hoffe ich auch, daß
sie da sind.
11. Die weißen Litzen
sind leider ausgegangen und müssen in ange[-]
messener Stärke und Qualität von Henning oder
einem an-
deren Posamentirer besorgt werden. Ich würde Dir solche
von
hier zu senden suchen, allein noch sind die Kleinigkeiten
welche ich von
der Kesselringsche[n] Buchhandlung gefordert habe
noch nicht aus Leipzig da,
auch weiß ich wirklich nicht ob solche
hier zu bekommen sind. Eure
Probe mußt
Du jeden falls mit schicken.
12. August soll aber
diese Litzen mit weißem Wachs
schön zuspitzen.
Ich glaube es
ist am besten wenn die Spitzen der Litzen in heißes
Wachs
getaucht werden, dann wird das überschüssige Wachs mit
dem Wasser
abgenommen und die Litze indrin[ne] zugespitzt. Die Litze
blos
mit Handwarmen Wasser zu wichsen und so zuzuspitzen
geht
vielleicht auch, doch weiß ich's nicht, August kann's
versuchen[.]
Allein zum Einfädeln spitz müssen
die Litzen zu gespitzt seyn.
13. Ich habe zwar nichts dagegen
daß Du
Mengern 8 gl für den
Schneider
gegeben hast; allein Du weißt daß er nun für sich
selbst sorgen
soll und was er auch wenn er o[r]dentlich wäre
gewiß kann, so hat
er gewiß kurz vor meiner Abreise und ohne
Zweifel seit dieser Zeit
von der Miß u der Fr. Past: einige
Thaler für seine Arbeiten erhalten[.]
Doch dem sey wie ihm wolle,
ich will ihn nicht controlliren. Gut
wird es also seyn wenn Du
ihn [sc.: ihm]
abschläglich auf seine
Forderung
von den beykommenden Rth 5.- prCt.
Einen Thaler zu kleinen
Ausgaben
giebst.
14. Kannst Du so lege von diesem Geld die, ich glaube
18 bis 24 Xr
für die Neujahrsänger zurück. Du kannst es in ein
Papier
einschlagen mit Oblate zumachen und darauf schreiben "Für
den Herrn Lauter".- Auch
dem alten Hopf kannst Du für den
Monat
Xbr seine 6 Xr und der alten
Hanne wöchentl ihre 2 Xr geben pp. /
[35R]
15. Das
Milchgeld bey der Wolfram betrug wöchentl, wie Du sehen
wirst
ohngefähr 18 gl so könnte denn ihre Forderung nicht viel
über
3 rth. seyn; es müßte denn seyn, daß noch ein Rest gewesen
wäre.
Laß Dir das Buch geben, zähle jede Woche für sich zu-
sammen und
schreibe soweit bezahlt ist dazu wie Du finden wirst
"bezahlt an
den u den und WM." Ich hoffe ja daß Du ihr
von dem beyliegenden
wieder 2 rth. bezahlen kannst, so daß Du
ein paar Thaler zu
kleinen Ausgaben für Dich behältst; ich habe
aber nicht mehr
Papiergeld.
16. Ich sehe jetzt daß der von mir gebrauchte
Ausdruck allgemeine
Lieder ganz
falsch ist; ich verstand darunter "Wandellieder"
(:dieser Ausdruck ist
wohl dem sowohl fremdsprachigem als solda-
tischen Marschlieder
vorzuziehen, wenn man nicht Geh- oder Gang-
lieder sagen will:)
und die Lieder zu ganz bestimmten größeren
Spielen überhaupt auch einige
unserer Natur- und Kinderlieder
darunter so hattest Du eines
vom fallenden Laube u pipenden Vögeln. Wäre es möglich so die
vollständigen Noten zu dem
Spiele beym
jüngsten Concert zu bekommen so wäre es mir lieb
zu dem
großen Spiele habe ich sie ja.
Eben sehe ich daß ich die
Noten
dazu auch habe, nur fehlen die Chöre, und schön wäre es
doch
auch diese zu haben.
17. Deine neuen Spiele kannst Du mir ja erst in Worten
mittheilen. Im
Allgemeinen ist durchweg darauf zu sehen daß am
Ende immer Lebens[-]
beziehungen, Gemüthsbeziehungen
u Erhebungen; Beziehungen auf und zur
Gesittung; auch Gotteinigende, Natur-
und Lebensachtende
Hin[-]
weisungen, genug überhaupt höhere Beziehungen darinn und
dabey
meinethalben in bestimmten Verschen die man gleich Sprüchen
lernen
kann vorkommen. Mich dünkt die Worte zum letzteren
Spiele
seyen dazu sehr leitend.
18. Auf diese Weise muß
[man] wohl auch nach u nach die Bauliedchen
erweitern, wie dieß
schon bey einigen z.B. Häuschen, Kirche
Schule der Fall ist. Auch
ganz kleine Erzählungen in gebundener Rede
sind dazu anzufügen.-
Wer nur Zeit hätte alles durchzuführen[.]- /
[36]
19. Ich habe immer in der Meynung gestanden Dein Wilhelm habe
mich in Rückbeziehung auf meine Frau
Pathe genannt. Ist es
nun auch nicht,
so soll das was ich gesagt habe darum nicht auf[-]
gehoben
seyn.
20. Nach
Barops Ansicht
stimme ich also bey
Menger für
einen
Strölertschen Atlas à 1 Rth 8 gl. Giebt es noch ein
kleineres geogr:
Handbuch
meinetwegen für cca 12 gl so könnte man es noch hinzu
fügen. Ich
habe vor einiger Zeit ein derartiges Fragebuch als Brücke
für
Examinanten angezeigt gesehen, das wäre wohl zum Selbststu-
dium
gut für ihn, worauf er also wie ich sehe in diesem Fache
hinge[-]
wiesen ist.
21. Daß Du in die Schenke giengst,
war mir gleich unter den mir eben
angedeuteten Umständen weder
auffallend noch entgegen;
wie ja auch der Erfolg bestätigte.
22. - "Aber es schien mir als wenn ich selbst als ein
unmittelbar
"Betheiligter nicht selbst dahin so sprechen
dürfte."- Diese An-
sicht hat mir vielen Schaden gethan und thut
es noch immer. Es ist
die Frucht von Einseitigkeit, Unklarheit
und Befangenheit, daß man
eben eine Sache die doch eine
allgemeine ist, in sich für seine eigene
Sache nur <nimmt>
und beachtet. Es liegt - menschlich zu reden - gewiß
im Interesse
Gottes daß es viele sich klar bewußte Geister <gebe>
und
dennoch wirkt Gott auch dafür z.B. ["]dieß ist mein lieber
Sohn"[.]
Wie aber Gott in Beziehung auf sich handelt dürfen wir
als seine Kinder
in Beziehung auf das von ihm uns zu erfüllen und
zu erreichen Über[-]
tragene auch handeln. So auch dieß wieder in
Beziehung auf Jesu
als Vorbild für uns. Lieber theurer
Middendorff unsere
Unfrey- heit
in der wir hier aufgewachsen sind müssen wir furchtbar
büßen. Wie
viele Tage u Wochen habe ich ununterbrochen dagegen ge[-]
kämpft.
Komme ich nicht zum Ziele, so gebe ich
n Niemanden Schuld
außer mir und einer
gutgemeynten aber übelverstandenen
Erziehung; doch auch nicht den
letzteren nicht einmal Dein was gäbe /
[36R]
es
daß das nicht der festen Überzeugung
der festen Zuversicht
"Gott ist mein Vater!" weichen müßte. Aber
eben in dem
festen, der
Festigkeit liegt es. Wir beugen und schmiegen uns
nach Menschen
Meynung, als in Gottvertrauen wandellos
einher zu gehen. Wir
gleichen - ich mag gar nicht sagen wann - gegen
das uns
anvertraute Gute. Ich wußte von meinem ersten bewußten
Denken
aus an, daß mich der Geist auf
rechtem Wege zu führen gedachte
allein eine mißverstandene
Ansicht der Kindheit u des Kinder[-] und
Knabenlebens brach mir
die Flügel, zerschnitt mir die Sehnen. Was
half mir die Gluth im
Innern und das Auge des Geistes was das ferne
Ziel klar schaute?-
Ich konnte den Bogen nicht spannen, daß er
den Pfeil zum fernen
klar geschauten Ziele trug. So verwech-
selte ich die Stärke u
Macht der Überzeugung mit der Schwäche der
persönlichen, ich
möchte sagen {Willenskraft / leiblichen Kraft[}]
und ging jene
herab
in die Fesseln dieser und daß ich so das Persönliche u
Vergängliche mit dem Unvergänglichen, Wahren verwechselte. Jetzt
müssen uns einfache Gemüther das Rechte
und Wahre zeigen und
sagen, wie jener Mann der Dir
gegenüber saß: "Wir wissen recht
gut daß Sie nicht für Ihre
eigene Sache sprechen rc." Wie auch
die
Fürstin M. zu mir sagte:
"So weit
haben Sie es gebracht daß man nicht glaubt daß Sie
aus
eigennützigen u persönlichen um eigennütziger und
persönlicher Absich-
ten willen handeln."- Laß uns Middendorff
durch diese und
von dieser Durchschauung einfacher Gemüther
ermuthigen
uns über das Niederziehende, Persönliche zu erheben.-
Und
dieß um so mehr als ich sehen muß, daß alle mit welchen
ich
über die Sache verkehre und welche der Einsicht nach alle
mit
mir
E einverstanden sind -
eigentlich an der ganz gleichen
Krankheit - an Mangel an
Willens[-] und Thatkraft leiden[.]
Du wirst gleiche Erfahrung
haben, wie ja gleich Dein Dich beglei-
tender Pf.
23.) "Noch in der Nacht eilte ich nach Blkbg." Menschenleben ist
wichtiger
als man glaubt. Dein Leben ist <wichtiger als d[as]
meine>. /
[37]
24. (Dienstag am 14 Xbr:). Es freut
mich gar sehr daß also nach Deinem Briefe
die Schneiderschen
Sachen schon in den allerersten Tagen d. Mon. abge-
gangen sind
ich danke dafür. Die Schmerbersche Buchhandlung forderte
2 Dzzd
4' Gabe, 1 Dzzd 3' Gabe; ich werde sie nun an
Schneider ver-
weisen. In Frankfurt scheint
die Sache wirklich allgemeiner Wurzel zu
fassen.
25. In
Beziehung auf die Fr[.] v. Gl. bleibt es immer merkwürdig daß
sie
sich noch nicht zu einer Actienunterzeichunung
aus sich bestimmt hat; es
scheint als
wollen diese beyden Frauen einmal erst besonders eingela-
den
seyn, was mir eben nicht lieb ist. Sollten sie arm seyn?-
26. Daß Du die Einleitung zu den Mittheilungen an die
Pivany übernommen
kann mir nur sehr
lieb seyn. Ich danke dafür.
27. Was Du dem Unsinn in
Lichtstädt in Beziehung auf seine Tochter und Eichfeld
aus[-]
gesprochen ist mir lieb. Freylich muß so etwas
gepflegt
d.h. unterstützt werden. Ebenso was das gegenseitige
Spielbe-
suchen betrifft freylich könnte dieß nur unter Führung
geschehen.
Auch geht dabey Zeit verloren. Es müßte so seyn, daß
man sich auf
Plätzen träfe welche zwischen den beyden Orten liegen.-
28. Ebenso muß alles Ernstes unterstützt
werden daß in Eichfeld
ein Kindergarten entstehe. Ich glaube die
Schullehrer-Herren,
<Keitel> pp setzt es eher durch als der
Herr Pf.- N. Sie sind dann un-
mittelbar dafür thätig.
29. Von Höhn dem Schulzen in Schaala hörte ich schon öfters
Gutes.
30. Was Du mir als Bemerkung Deines Gespräches in
dieser Familie wie
in der des pp.
Bähring schreibst ist schon längst meine
Überzeugung und
ich möchte sagen mein wahres Studium; allein es
ist dieß nicht so
leicht zu erreichen wenn man nicht abermals
<in dem Hohlen> ver[-]
meiden will welchem ich ja ganz
namentlich entgegen arbeite
daß nemlich dem Kinde etwas Positives
gegeben wird, was es
sich als ein ihm ganz
Fremdartiges eignet, denn man glaubt es
gar
nicht wie leicht Fremdartiges an dem Kinde so adherirt als gehöre /
[37R]
es zu ihm und es sich aneignet, als verstände es
die Sache durch und
durch. Wohl weiß ich, daß ohne das Fundament
des Gott- und
Lebenseinigen, der Gott- und Lebenseinigung alle
Erziehung keine
Grundlage hat; es muß dieß aber kein
gemachtes, Scheinfunda-
ment
sondern ein im Innern des Menschen selbst
gefundenes
s Selbsterkanntes seyn. Ich wollte
mich Dir in dem heutigen Briefe
darüber, wie ich eben andeutete
ausführlich aussprechen doch ist
die Zeit dazu heut zu kurz. Doch
bleibt es der Ausgangs[-] und der Ziel[-]
punkt meines Wirkens
allein um ihn zu erreichen fordert es ein
Mehrfaches.- Genau[e]
Kenntniß des Kindes seiner verschiedenen Ent-
wickelungsstufen
und deren Äußerungen; dann klares Schauen
des Zieles; weiter
genaue Kunde des Mittels und die Beherrschung
desselben; endlich
die Verbindung des Kindes und des Mittels zur
Erreichung des
vorgesteckten Zieles. Das am Sonntage Niederge-
schriebene soll
auch den Weg zum vorgesteckten Ziele bahnen.
- Ebenso weiß ich
daß für Kinder unseres Alter[s] das <Intellective>
auch
mehr hervortreten muß; allein auch dieß bedarf einer
sehr
stetigen Beachtung und Bearbeitung. Für heut darüber genug.
- Unser jetziges Herabgestiegenseyn bis zum Bauernstande
und
Bauernleben halte ich für einen sehr großen Schritt zum
Ziele
der Menschheit wie zu dem uns vorgesteckten.- Du aber
noch
bey weitem mehr Barop wird sich erinnern daß eigentlich
unser Bestehen und
Fortschreiten in der Theilnahme der
Bauern, beson-
ders des
Bauern von Wartensee hat;
Keilhau scheint jetzt
seine ächte
Wirksamkeit, seinen Keimpunkt und Wachsknoten
gefunden [zu]
haben; vergesse es aber nicht, daß es durch die
Kind-
heit durch die Kinderwelt
hindurch gegangen ist; was hätten uns
in Beziehung auf unser
25jähriges Wirken und das fest gehalten
wenn wir nicht auf der
Kindheit geruht in den Kindergarten
gewurzelt hätten. Laßt uns
dieß vor allem still pflegen[.]
Es pflanzt sich eine Sache
leichter von Dorf zu Dorf als von Stadt zu Stadt. /
[38]
31. In letzterer Beziehung nur meyne ich auch daß wir die
eigen[en]
Volksblätter zu
Mittheilungen benutzen z.B. den
Thüringschen
Stadt- und
Landbothen (Saalfeld <Nachr[ichten]) die Cahlaschen
Nachrichten
(Buchbinder Becker daselbst). In diese Blätter sollte
man, (wenn
die Dorfzeitung des Herrn Pfarrers Nachricht
nicht aufnimmt) dessen
Anzeige
senden, damit die Sache wenigstens zunächst unter dem
Volke
besprochen werde. Kannst Dich darübE
darüber Barop mittheilen.
In dem Thüringschen Stadt- u Landboten
müßte aber die Sache für
den [sc.: das] Januarheft sogleich
abgegeben werden.
32. Es ist mir bey d[es] He[rrn] Pfarrers
Sendung an die Dorfzeitung besonders
lieb zu sehen wie die
Redactoren dieses Blattes gegen uns gesinnt
sind.
33. Herr
Hptm v. H. hat keinen Ernst; ich habe persönlich viel mit
ihm
verkehrt.
34. Der Einwurf Schwartzens, daß die Eltern den Kindern
entzogen
werden ist dem Stande
der Sache
nach der Gehaltloseste, sie
wissen es selbst, allein da eine
gewisse Menschlichkeit durchschim-
mert, so halten
sie ihn
fest, weil sie nicht wollen.-
35. Was Barop von der Fr.
v. B. sagt erkenne ich als wahr, wenn
sie nur nicht in einem
gewissen Widerspruch mit der Prinzeß lebte.
36. Dem Aufsatz im
allgem: Anz. dem sollte man ohne alle Beziehung
auf ihn
stillschweigend einen andern entgegensetzen z:B.
Fröbels
Beschäftigungs[-] oder Kindheitspflegende u entwickelnde
Mittel und
die bisherigen Unterrichtsmethoden; und darinn zeigen,
daß diese
nur Stoff geben um den Geist des Lehrers und Erziehers
eben zu
wecken um frey und selbstthätig das Leben des Kindes zu
erfassen
indem sie einen Organismus in sich tragen welcher den
Gesetzen des
menschlichen Geistes angemessen, und ein Leben
entwickeln, welches
in dem Leben und Gemüthe des Kindes wie des
Lebens Wiederhall
finde, daß dadurch eben Lehrer Erzieher u Kind
von der Fessel der
Methode frey werde[n], indem sie nur die
Entwickelungsgesetze des
M mensch- /
[38R]
[lichen] Geistes und Gemüthes, des geistigen
menschlichen Lebens selbst in
Thätigkeit setzten und ihnen zu
ihrer Entfaltung und Gestaltung und
so zu ihrer Erkenntniß nur
den angemessen[en] Stoff reichen,
einen Stoff welcher wieder
durch eben jene innern Eigenschaften
wie das Band zwischen {dem
Kinde / dem Menschen} und der Natur, so hinwieder
durch diese mit
ihrem Urgrunde u Schöpfer Gott
mache, ja welche sogar wegen ihrer
Übereinstimmung mit der
menschlichen Natur für das Kind den Weg
zum Christlichen anbah[-]
ne. (Prüfet Du und ihr [sc.: Ihr]
selbst diese Andeutungen[.]) Nur wenige[r]
Worte bedürfte es, nur
daß die Menschen sähen man läßt sich
nicht gleich im
<Rommel> todttreten oder ins <Kehring [sc.: Kehricht]>
werfen,
Angeführt könnte noch werden, daß sich diese
Beschäftigungs[-]
besser Entwickelungs- und Bildungsmittel in
ihrem Geiste und
Wesen am besten dadurch bethätigten, daß sie
sich überall
da wo von ihrer sich von selbst ergebenden
Gebrauchsart gar
nichts bekannt gewesen sey dennoch bewährt haben
eben wo
sie mit
Freythätigkeit von dem
Erziehenden wie von dem Kinde
angewandt worden seyen. Du könntest
diese Zeilen gerad
zu mit
WM. unterzeichnet an die
Redaction des A. A.
einsenden und zwar selbst als Dankeszeichen,
daß er sich
einer wahrhaft in sich gegründeten Sache annehme.
Noch
könnte besonders herausgehoben werden daß eben des
Erfinders
sich im Leben bewährendes Streben dahin gieng (wovon
viele
Beweise vorliegen,) den Geist und die Wirksamkeit
seiner
Entwickelgs[-] u Bild[un]gsmittel von seiner Person und
seiner
persönlichen Vertretung unabhäng[ig] zu machen.-
Dieser
Aufsatz wäre auch für die A. Schulz. zweckmäßig,
doch
zunächst für den A. A. wichtig. Ich dächte die Sache
ergebe
sich für Dich leicht aus dem Gegensatz u als Gegensatz
zu
dem Gegebenem, welches gewiß eine gewisse Entgegnung ist.-
Ich muß endlich schließen es ist 4 Uhr u Postschluß. DFrFr.
Bald mehr über den angeregten wichtigsten Punkt. Gott erhalte Dich
u Euch alle.