Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 2.10.1840 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 2.10.1840 (Blankenburg)
(UBB 110, Bl 339-340, Brieforiginal 1 B 8° 4 S. Dem Brief lagen offenbar Auszüge aus Leipziger Tageszeitungen bei.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Blankenburg bey Rudolstadt am 2n Oktober 1840.


Guten Tag l. Langethal.

Anbey empfängst Du ein Exemplar der Festbeschreibung indem sich eine günstige Gelegenheit zeigt Dir solche zu senden. Ob Du nun gleich dort nur ein Verzeichnis von siebenzig und etlichen Unterzeichnung[en] zu dem deutschen Kindergarten findest, so hat doch die Sache in Deutschland öffentlich inner- und außerhalb der Frauenwelt und hier besonders unter Erziehenden und erziehend lehrenden solche Theilnahme gefunden daß sich, ohngeachtet der scheinbaren Riesenhaftigkeit des Unternehmens, wie es gar mancher besonders Anfangs bedünken wollte, jetzt doch große Hoffnung zur gewissen Ausführung desselben zeigt; Auch sind seit dem Abdrucke des Verzeichnisses schon wieder mehrere neue Unterzeichnung[en] so auch von Hamburg und dessen Umgebung eingegangen. Doch Ihr Schweizer habt Euch gegen dieß Unternehmen abgegrenzt und so muß mir dem [sc.: denn] auch mit diesen Mittheilungen genügen.-
Für Dein für das Sonntagsblatt Übersandte danke ich; ich werde es ohne Zweifel in der Kürze benutzen, doch habe ich es bis jetzt nur oberflächlich beachtet.-
Die ausgeschnittenen Puppensachen sind mir gar sehr /
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lieb und ich danke denen die sie ausgeschnitten haben, so wie denen welche dafür Sorge getragen, gar sehr dafür nur hätte ich wohl gewünscht, daß die Garderobben so schön geordnet gewesen wären, wie ich dieß wohl früher bey Angelika und anderen gesehen habe. Doch nochmals ich bin sehr dankbar dafür ich werde zur Freude meiner lieben Kleinen zum Christfest davon Gebrauch machen; jetzt schon freueten sich erwachsene Jungfrauen über die schönen bunten und niedlichen Kleider.-
Gestern am 1n Oktober hatte ich ein kleines Kinderfest im sogenannten Chrysopras oder Schwarzburger Hofe welches einige Mitbegründerinnen des Kindergartens Fräul. von Grün und Fräul[.] Marezoll den hiesigen Kleinen gb gaben. Die ganze Gesellschaft war wohl über 70. Die Prinzeß Caroline zu Schaumb[u]rg, Fr: v[.] Witzleben, Fr: v[.] Beulwitz beyde mit sämtlich ihren Kindern, die Hofdame der Erbgroßherzogin von Mecklenburg (:Mutter der Herzogin von Orléans:) und mehrere ande[re] Mütter mit selbst kleinen Kindern waren gegenwärtig[.] Es wurde gespielt, gesungen, gelacht; zwischen den Spielen wurden Erfrischungen gereicht; alle waren glücklich Jung und Alt, groß u klein. Alles spielte gleich dem kleinsten Kindchen mit, die Prinzeß den ärmsten barfüßigen Jungen an der Hand. Die reine Freude veredelte Alles. Von 4 bis nach 7 war alles froh. Auch nicht eine Unartig- nur Unstattha[f]t[i]gkeit fiel vor. /
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Alles erschien als eine einzige wohlgezogene glückliche Familie.-
Middendorff hat am Vorabend vor der Kirchweyh bey der Frau Fürstin Mutter, wo die regierende Fürstin die Prinzeß Karl, die Herzogin von Dessau wie die Erbgroßherzogin von Mecklenburg gegenwärtig war von 11 bis 3 Uhr Nachmittags über diesen Gegenstand gesprochen. Die Frau Fürstin nim[m]t mehrseitig fördernden Antheil außer an d[em] Kindergarten, so an der hiesigen Spiel[-] u Beschäftigungsanstalt.-
Was neuerdings wieder Leipziger Tagesblätter über das Ganze enthielten wirst Du aus der Anlage ersehen.
Welch ein frisches Leben jetzt wieder in Deutschland still zu keimen beginnt wirst Du aus der Beschreibung des vereinten Gultenbergs- [sc.: Guttenbergs-] und Turnfestes der Stadt Plauen im sächsisch. Voigtlande erfahren welche ich auch zur Mittheilung an Dich und an Euch alle an Christianfr[ie]drich gesandt habe. Diese Turngemeine [sc.: Turngemeinde ?] begleitete unsere Prager Reisenden gleich einem KönigsZuge in ihr und aus ihrem Weichbilde.
Alles trägt bey uns den Charakter des allgemein Menschheitlichen, darum ist es recht zu verwundern daß nicht einmal Frauen wie die Enkelin[n]en Pestalozzis - an der Beförderung von dessen Werke als eines menschheitlichen, so viel deutsche Frauen Antheil nehmen - nicht einmal fördernden Antheil an einem deutsch- /
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menschheitlichen nehmen. Wie mögen solche Frauen sich ihres menschheitlich gesinnten Großvaters rühmen.

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Für die Übersendung der Briefe rc meiner Frau den
herzlichsten Dank.- Warum Du aber, da wohl noch Platz in der Kiste durch dichteres Zusammenpacken gewesen wäre - die von Ferdinand für Keilhau zurück bestimmten Noten zurück behalten hast, wird hier weder verstanden noch gebilligt, so wie daß Du darüber mit Ratzenberger Raths gepflogen hast. Du wirst auf das bestimmteste darauf aufmerksam gemacht an Ratzenberger ja keine nach Keilhau gehörigen Noten zu leihen indem er in dieser Beziehung der unordentlichste Mensch von der Welt ist; Sein Vater wie Keilhau klagen in Bezieh[un]g auf das was durch ihn durch Unordnung verlohren gegangen und defect worden ist, gleich über ihn.-
Übrigens freut sich hier alles, daß es ihm durch Deine Verwendung u Vermittel[un]g so gut geht, und wünschen ihm Glück. Möchte es Dir und Euch gelingen auch bald solche Nachrichten von Christianfr[ie]drich melden zu können.
Ludowika - welche mit ihren Freundin[nen] fördernden Antheil an den Kindergärten nimmt - hat wieder sehr befriedigt geschrieben. Nun weiß ich nichts mehr zu sagen als Dir Deiner l. Frau, Ferdinanden, den Kindern u Gehülfin[nen] die mich noch kennen, dem Leonhardi welcher nun wohl bey Dir ist ein herzliches Lebe wohl
FrFröbel