[UBB, 214]
Blankenburg am 18e Novbr 1838.
Klarheit der Lebenseinheit
zum Gruß Dir lieber
Langethal und durch Dich für all die
l. Deinen.
Heut, es ist Sonntag Abend, heut
hast Du vielleicht meinen am Dienstage an Dich
geschriebenen und
am Mittwoch abgesandten Brief erhalten, was würdest Du
nur sagen
wenn Du um mich seyn oder wenigstens aus der Ferne
bemerken
könntest daß ich jetzt schon wieder einen Brief an Dich
beginne, doch was wür[-]
dest Du dann erst sagen, daß es
eigentlich mein Vorsatz war Dir heut schon, nicht erst
einen
folgenden Brief an Dich schreiben sondern sogar schon an Dich
absenden wollte;
ich glaubte nemlich bestimmt
Middendorff würde Dir auf Deinen
jü[n]gst empfa[n]ge-
nen Brief antworten und dann wollte ich auch
wieder einige Zeilen beylegen;
allein Middendorff fand es nicht
für nöthig und so verschob sich auch mein Schrei[-]
ben da andere
Geschäfte die Zeit in Anspruch nahmen, doch jetzt drängt es
mich
so an Dich zu schreiben, daß ich noch beginne ob es gleich
schon bald Zeit zum Schlafen[-]
gehen ist. Und was ist denn das
mich zum Schreiben an Dich drängt?- Es sind
im Gefühle inniger
und ächter Lebenseinigung mit Dir und
gegenseitigen
Verständnisses die Folgen und Wirkungen des
Gedankens: es muß doch ge-
rad jetzt in der Zeit in welcher ich
und wir leben
Etwas seyn, was
gerad
jetzt geschehen muß wenigstens gerad jetzt geschehen
geschehen sollte, durch
das ganze Weltall hindurch überall wirkt
und webt das Gesetz, in den heil[i]g[en]
Büchern selbst heißt es:
da die Zeit erfüllet war. Nun hat Dich ja selbst das
Spiel mit
dem Balle gelehrt und Du sprichst es wieder in Deinem so schönen
Auf[-]
satze: ["]Mittheilung über den schöpferischen Lebenstrieb"
uns und andern aus: wenn
wir nach den Gesetzen der Natur von der
Natur etwas fordern so erfüllt
sie unsere Forderungen; Also: -
wenn wir nach den Gesetzen des
Lebens
der Entwickelung von dem Leben, der Entwickelung etwas fordern,
so muß
um so nothwendig auch das Leben und die Entwickelung
unsere Forderung
erfüllen. Seit sehr langer Zeit beschäftigt mich
nun die Frage: was ist
denn nun der Zeit in der ich und zunächst
weiter wir die wir uns als
ein Einiges erkennen das absolut
Nothwendige, was sich jetzt zeigt
was
erkannt werden kann?- Denn würde ich, würden wir dieses
Nothwen-
dige erkennen und im Einklange und Selbstbestimmung mit
demselben handeln
so müßten wir nothwendig mit allseitiger
Freudigkeit zum Ziele kommen.
Also war erst die Erkenntniß eines
Nothwendigen!- Und habe ich haben
wir
dieß nicht gefunden nicht erkannt indem ich dieß mir und uns
aus-
spreche?- Das
Nothwendige in jeder
Zeit, also auch in der unsrigen ist:
daß es etwas Nothwendi
ges giebt, was nothwendig gerad jetzt
geschehen
sollte. Ein Nothwendiges habe ich darum gefunden auf
dem ich sicher fußen
kann, es ist dieß daß jetzt
nothwendig nach dem gesammten
Stande
der Weltalls-, der Natur- und der Lebens-, darum auch nach
dem Stand-
Punkte der Menschheitsentwickelung
jetzt ein
Nothwendiges geschehen soll, wenigstens
ge[-]
schehen sollte. Wenn nun diese erste erkannte
Nothwendigkeit klar und
nothwendig
keit ist, so folgt daraus mit
Nothwendigkeit für mich
als Glied- /
[214R]
Ganzem der Menschheit,
daß ich jenes
Nothwendige
aufzufinden
suche, mich
bemühe es auf
zufinden und zwar so gewiß d.i. so
nothwendi[g] als ich selbst
Gliedganzes der Menschheit bin und
als die Folgen sind, welche daraus
hervorgehen.
Also statt
einer, hatte ich nun zwey Nothwendigkeiten gefunden
Erstlich: es giebt nothwendig ein
Nothwendiges, oder eine
Nothwendigkeit
Zweytens: Es ist für mich und für jeden als
Glied der Menschheit nothwendig
sie zu
suchen[.]
Geht daraus nicht
aber sogleich eine dritte Nothwendigkeit
hervor die:
daß ich mich als Glied der Menschheit, also in
Einigung mit derselben
nicht nur fühle, nicht nur erkenne, d.i[.]
denke, sondern auch als solches
handle, überhaupt lebe; darum
auch jenes erste Nothwendige in Einigung mit ihr suche?-
Die
dritte Forderung der Nothwendigkeit wäre also: Einigung der
einzel-
nen Menschen im und mit Bewußtseyn als Gliedganze der
Menschheit
zur Erfüllung der gegenwärt[i]gen Bestimmung und
Forderung der Menschheit das erste
Nothwendige zu suchen.
Diese Forderung
sehen wir nun aber auch die Menschen zwar in
gewisser
Unvollkomm[en]heit, Äußerlichkeit und wir möchten fast
sagen instinkt-
artig die Menschen erfüllen; allein sie
erfüllen sie doch, und wir für
uns sehen dadurch wenigstens doch,
daß wir den rechten und richtigen
Weg zur Erkenntniß des Wahren,
zur Erkenntniß dessen was jetzt
dem Einzelnen und dem Ganzen Noth
thut: eingeschlagen und betreten
haben. Wenn aber etwas mit
Nothwendigkeit und Allseitigkeit,
All-
erfassenheit geschehen soll (wie dieß die Forderung an jedes
Gliedga[n]ze
als solches ist) so muß es von der Einheit vom
Anfa[n]gspunkt ausgehen
darum sagen viele Erwachsene: ich wollte
ich könnte jetzt nochmals
in die Schule gehen, jetzt wollte ich
besser lernen, jetzt weiß ich
welchen Werth u welche Bedeutung
die Schulzeit hat. Viele, welche ihr
Triennium auf Universitäten
absolvirt haben und nun Candidaten sind sag[en]:
könnte ich jetzt
nochmals auf Universitäten gehen, jetzt weiß ich wie
ich und was
ich studiren soll.- Also in allen
Lebenserscheinungen auf der
Stufe des Bewußtgewordensey[n]s und
dem Streben des Bessermachens zugl. d[a]s
Streben zur Rückkehr in
den Anfangs- und Ausgangspunkt; also
au[c]h umgekehrt die gleiche
Forderung und Nothwendigkeit, wer etwas
richtig von neuen und mit
Bewußtseyn dur[c]su[c]hen will, kehre zum
Anfa[n]gs- und
Ausgangspunkt zurück, deßhalb die Forderung Jesu:
Werdet wie
die Kinder - wenn ihr nicht werdet wie die Kinder pp.
Auch
dieser vierten Nothwendigkeit: Rückkehr zur
Kindheit - Vereinte
Rückkehr zur Kindheit scheint die Menschheit
gleichsam als Natur-
forderung und instinktartig zu erfüllen.
So, mein theure[r] Lgthl hätte ich also als Nothwendigkeit u[n]d
Muß
nicht eine sondern
Vier Nothwendigkeiten gefunden. Es scheint
also
wirklich h als hätten wir durch
unsere Fragen und Suchen einen
sicher zum sicheren Ziele
führenden Weg gefunden und betreten.
Nun aber die
entgege[n]gesetzte Betrach[t]ung von einzelnen
Lebenser-
scheinungen aus. Doch diese[n] Morgen schon geht es
stark auf 12 Uhr[.]
Gute, gute Nacht.- /
[215]
Am 19en Nov.
Guten, guten Morgen Lgethl. Suchen wir ehe wir weiter gehen
das
gestern Abend Gefundene als ein Ganzes zusammen zu fassen:
Also, Es giebt
ein Nothwendiges das von
dem einzelnen Menschen als Gliedganzen der Menschheit
folglich im
Vereine mit dem Menschen und der Menschheit, in menschlicher Einigung
mit Bewußtseyn
gesucht und gethan werden soll und zwar von dem
ersten Anfa[n]gs-
und Ausgangspunkte der Menschheit, also vom
ersten Erscheinen des Lebens- und des
Lebenstriebes des Menschen,
also von der Kindheit des Menschen, von der ersten Pflege
seines
Lebens, seines Lebenstriebes d.i. seines schöpferischen, schaffenden
Lebenstriebes aus.
Ich bitte Dich Langethal! ehe Du weiter gehest
den Ausgangspunkt und die Folge dieser
Nothwendigkeit recht klar
zu machen.
Nun die entgegengesetzte Betrachtung von dem
Einzelnen von der Erscheinung aus.
Dein jüngster Brief an
Middendorff leitet auch dazu
ein: Du sprichst aus: dem
obgleich so großen und kräftigen Lthr
habe doch ein
Gedankern [sc.:
Gedanken] gefehlt, also ein
immer bestimmendes
Nothwendiges von dem all sein Handeln
ausgegangen wäre; ((wie
denn in einem Kerne (:einen mit
Selbstkraft
K aus sich
hervorstrebenden
Er mit
Bejahung; Affirmation
N so ei = ei
n:) alle Entwi[c]kelung, ja die
Auffassung Umwandelung und
Aneignung alles Umgebenden mit
Nothwendigkeit geschiehet;)) wie
Du nun aus diesem Mangel in
Luther das Wesentlichste der
jetzigen Entwickelungs[-]
stufe nicht des Protestantismus allein,
so auch der Menschheit ableitest. Wie Du
nun den Luther ins Auge
faßtest, so fasse einmal alle Erzieher ins Auge faßte
die
Ergebnisse der Wirksamkeit aller, besonders ausübend erziehenden
Herren
ins Auge, was bemerkst Du?- Sie gehen größtentheils in
ihrem Streben unter,
sie selbst gestehen daß sie am Ende trotz
aller Anstrengung wenig gewirkt haben - (:
so spricht der
72jährige
Wilberg aus dessen
SelbstLebensbeschreibung jetzt vor mir li[e]gt:)-
was aus ihrer
Wirksamkeit hervorgeht, geht mehr daraus hervor wie solche
die
Menschen erfassen und benutzen, als daß es ein[e] stete in
Einigung fortgehende Entwickelung ihres Wollens,
ihres
Strebens, des Strebens zu und nach
ihrem
Ziele sey;
Genug es erscheint unter den Menschen in ihrem
Bewußtseyn statt einem
Einigen und Stetigen Einzelnes und
Vereinzeltes. Nimm
Comenius
Leben, nimm
Basedownimm
selbst
Campe, ohngeachtet seiner
und seiner Freunde
Revision der Erziehung, er selbst
wurde
zuletzt kindisch, ebenso nimm
Salzmann, man kann nicht sagen daß sein Sohn u
Schnepfenthal eine
V
Fortbildnerin u Pflegerin seines Lebensgedankens sey. Von
Pestalozzi muß man sogar
sagen
daß er rein untergie[n]g, <
Bannister> starb in Amerika in größter
Armuth u[n]d verlassen.
Nun lieber, theurer Langethal! Es
waren dieß doch alles edle, treusinnig und hingebend
strebende
Menschen, soll es denn ewig so bleiben daß solche
Menschen im Lebenskampfe untergehen?-
Das kann doch gewiß
nicht Gesetz, nicht Forderung der höhern Lebensentwickelung seyn und
muß
endlich aufhören. Worin hat nun diese Erscheinung ihren
letzten Grund, worinn
muß sie
ihren
letzten Grund haben? Konnte uns vielleicht das jährliche
Zurücksinken der Blätter, vieler
Stengel, das fruch[t]lose
Abfallen vieler doch schöner Blüthen, das fruchtlose Abfallen vielher
[sc.: vieler]
halbreifer Früchte zur Antwort führen?- Was li[e]gt
darinn?- Was liegt
wohl anders darinn als daß diese Alle das
B ganze Wesen des
Baumes
nicht in
Einheit in
Kraft
u Fülle in sich aufgenommen haben; dieß also auf unsere
Frage und
deren Beantwort[ung] angewandt, so müßten also die Erscheinungen in
dem Leben
und Wirken dieser so edlen, vortrefflichen Menschen
darinn ihren Grund haben, daß sie
dennoch das Wesen des ganzen
Menschheitsbaumes
nicht gleich
einem
gesunden Kerne in
Einheit,
Kraft u Fülle in sich aufgenommen, wenigstens /
[215R]
nicht dargelebt hätten.
Löse dieß nun l. L. ferner auf so sagt dieß ganz
dasselbe was die
4 oben
aufgestellten Nothwendigkeiten
fordern, ja
fällt mit denselben g[an]z in Eins zusammen. Als eine
5
e Nothwendigkeit,
aus
beyden auf gleiche Weise hervorgehend drängt sich aber noch
auf:- daß da
wo etwas erkannt als nothwendig geschehen sollend
anerkannt wird, daß
es da
nothwendig
auch geschehen soll. so soll
nothwendig, um
im Bilde zu r[e]den,
der gesunde, das Wesen des g[an]zen Baumes
in sich schließende Kern, seiner
Bestimmung nach, auch das Wesen
des g[an]zen Baumes in Gesundheit aus sich entwickeln
und
darstellen. Aller Anfang zur Vereinigung der Mehrheit, zur Einigung
der
Einzelnseiten li[e]gt aber in der Einigung sich verstehender
Zweyer und nun bin
ich da wo ich seyn wollte und Du kannst mich,
war ich in dem was ich aussprach
klar, so daß Du mich verstehen
und mir folgen konntest - den Schluß des Ganzen
leicht selbst
ziehen: - Gott hat uns beyden zunächst gegenseitig anerkennendes
Ver[-]
ständniß und so innere und innerste Lebenseinigung
geschenkt, es ist darum
nothwendig, daß wir in uns als
Gliedganzen derselben zunächst die einige Menschheit darstellen und
so
das zu finden streben was sie nothwendig jetzt suchen
muß
und finden soll, also als jetzt einige Gliedganze der
Menschheit streben
das zu finden, zu erreichen und zu er
ringen, was ihr zu err
eichen (Ei = einem
Ganzen, Ring = einem
Ganzen) zu er
ringen obliegt. Nun thun wir
das
zwar durch
Schrift u
Wort, ja auch durch
That u
Handlung
ehrlich und treu allein
dieß scheint für die Stufe was
jetzt und durch uns
jetzt für die Menschheit
ge-
schehen soll nicht, lange nicht genug zu seyn wir beyde
stehen in Volkes- in Landes-
in Orten in Wirkungs[-] oder
vielmehr Wirkensverschiedenheit, genug - persönlich
getrennt und
dieß scheint der Gesammtforderung des
Ganzen, der gesammten Mensch[-]
heit
zunächst noch
nicht genügend. Es ist noch gar zu viel persönlich zu
besprechen,
auszugleichen und zu einigen was kaum schriftlich,
und dann was sogleich augen-
blicklich geschehen sollte, was
unmöglich ist (ich werde davon sogleich ein Beyspiel
geben)
deßhalb denke ich müssen wir mit Ernst an eine persönliche
Wiedervereinig-
ung denken.
Daß wir uns verstehen, daß Du
mich verstehst, daß Du im Wesen und in der Ford[er]ung
des jetzt
aufgestellten Grundgedankens lebst dafür hast Du mir jetzt in
Deiner
Mittheilu[n]g über den schöpferischen Lebenstrieb des
Menschen, da wo Du die Bewegung
der Kugel aus dem innern Wesen
denselben entwickelst u als Darstellung ihres inne[r]en
Wesens
außer sich darstellst - einen klaren unzweydeutigen Beweis
gegeben
denn
Du hast gefunden was
ich so lange
suchte, und mir in mir so ein[e] Lücke
ausgefüllt
die ich längst fühlte, eine Totalität u Einheit
gegeben die ich lange schon vermißte
allein nun sollten wir
sogleich auch persönlich geeint unmittelbar darauf
fortbauen, was
unmögl[ich] ist. Dieß ist das
Eine woraus
die
Nothwendigkeit unseres
persönlichen Zusammenwirkens hervorgeht, doch ein Zweytes trat
mir
gestern Entgegen: - Meine Frau machte mich auf die in den
6
n Band der Stunden
der Andacht (Gott in der
Natur) stehenden Betrachtungen "über
die Naturen
in dem Menschen["]
aufmerksam, da stellt nun die zweyte
Betrachtung - (ich bitte Dich sie nachzulesen)
die Seele den Menschen als eine
Einigung von
Leib,
Seele u
Geist hin,
die
Seele in
gewisser
Selbstständigkeit und Geschiedenheit
zwischen Leib u
Geist und doch vermit-
telnd zwischen
Leib u Geist hin. Ebenso wirst Du Dich erinnern daß
Burchdach "der Mensch" die Seele mit
eigener Selbstständigkeit, d.i[.] eigenthümlicher Wirksamkeit
hinstellt.- /
[216]
"Weise unterscheidet der Verfasser
das Reich des Geistes u das Reich
der
"Seele ..... Das war die älteste
Rangord[n]ung: Geist, Seele, Leib.
Und
"die wird auch bleiben." Auch Dr A. H. Ch. <Galpte> in seiner
Betrachtung
des menschlichen Körpers und über den
Geist u die Seele
des Menschen unterscheidet
in der 1en Betrachtung: S[.] 4 u 5. den Geist, die Seele und
die Hülle des Menschen oder d.
Körper
daraus würde aber, besonders
nach der 2en der genannten 4 Betrachtungen in den
St u A.
die ich nochmals bitte Dich zu lesen, namentlich in
Hinsicht auf Nachahmen u Gewöhnung,
Gewohnheit und so in
Beziehung auf die Erziehung des Menschen ganz
eigenthümlich
bestimmendes hervorgehen. Es müßte hiernach ganz
wesentlich seyn, die Unterschei-
dung von Leib, Seele und Geist
in der Erziehung aufzustellen und festzuhalten. Erkennen
wir nun
Leib (Körper) und Geist als absolute Gegensätze, so stände dann
fr[e]ylich die
Seele mit Nothwendigkeit als vermittelnd da. Ich
gestehe offen daß ich dieß
noch nicht klar erkannt und noch
weniger klar angewandt habe, so bestimmt ich auch
z.B. im S. Bl.
wieder von Gewöhnung, Gewohnheit, von Nachahmung und Nachahmen
spreche. Du siehst mein theurer
Lgthl. wie so wichtig es für unsern Zweck und uns
wäre, daß wir
uns über diesen Punkt recht schnell und recht ausführlich also
persönlich mittheilten. Denn dadurch
entdeckten wir vielleicht einen tiefen, durch[-]
greifenden
bedeutenden Mangel u Lücke, welche unsere bisherigen Pflegeansicht
des
Menschen nach gehabt hätte, d.h. noch nicht mit Klarheit
hervorgetreten ist ob
wir gleich z.B. im Zeichnen auch früh das
Nachahmen aufgestellt haben[.]
Aus
all diesem geht nun hervor, daß wenigstens zunächst wir beyden
zwey
rein und ganz dem Erziehungsgrundgedanken und dessen Pflege
und nicht noch einem
Zweyten einen besondern Erziehungs- und
Lehrberuf, nicht einen eigenen Er-
zieher u Lehreramt angehören
sollten, sondern rein dem Dienste u der Pflege
des
Erziehungsgrundgedankens; denn endlich soll und muß doch wohl die
Mensch-
heit über diesen wichtigsten Lebenspunkt ihre[r]
Selbsterziehung ins Klare kommen und
nicht mehr im Dunkeln herum
tappen. So eben lese ich nun auch im
Wilbergs Leben S. 173 das
Her-
bart sagt: ["]das Anschauen und Auffassen der
Formen "diese breiteste, feste[s]te Brücke
zwischen Menschen und Natur
verdient
"gewiß, sofern es nur irgend einer Kultur durch Kunst fähig ist
(:diese
"Fähigkeit aber zeigen wir und stellen wir dar führen wir
aus:) - daß ihm
"ein
Haupttheil des
pädagogischen
Bemühens gewidmet werde."- Hier[-]
durch wären
wir also wieder auf die Wichtigkeit unserer Bestrebu[n]gen
hingewiesen.-
Ein bestimmtes Amt, ein bestimmter Beruf ist
aber auch als ein Zwingendes, Zwängendes
Drängendes u. Forderndes
von Außen bey der Pflege u Bearbeitung eines Gedankens und besonders
Lebensgedanken[s] so lang nöthig, als man das Zwingende und
Fordernde
zur Pflege und Fortbildu[n]g des Gedankens noch nicht
in dem Gedanken, in der Idee
selbst gefunden hat; wir beyde
dächte ich könnten nun aber die Überzeugung haben daß
wir dieß
Fordernde in der Sache selbst gefunden hätten und keines Drängens und
Trei-
bers mehr von Außen her bedürften.- Nun bin ich wieder im
wesentlichen mit meiner
Mittheilung an Dich fertig ließ damit Du
mich verstehst die genannte 2
e Betrachtung in den
S. u A.
vielleicht auch die vorhergehende und folgende, dann was
Du sonst über diesen G[e]g[e]nst[an]d
besitzest:
Burdach,
Thomas a Kempis und dann prüfe
alles, gewaltsame Schritte sollen
vermieden aber alles zur
rechten Zeit zur rechten Entwickelung vorbereit[et] werden. /
[216R]
Am 20
en Novbr. Zuerst habe ich heut auszusprechen, wie
mein Gemüth von Dank zu
Gott erfüllt ist, der meiner Frau nach
einer angreifenden Nacht und einem fast
noch heftiger
ergreifenden Morgen doch einen leidlichen Tag schenkte, so daß sie
zu
4 Uhr Nachmittags aufzustehen vermochte und nun in
Wilbe[r]g Leben lesend
neben
mir sitzt. Ich kann Dir theurer L. nicht sagen was heut alles mein
Gemüth
durchkreuzte, doch jetzt Gott sey innigster Dank, jetzt
ist die Gewalt des ermatten[-]
den Hustenanfalls und sein
krampfhaftes Würgen vorbey, allein die treue Frau war
so durch
und durch ermattet, erschöpft daß sie kaum noch sprechen konnte. Die
Anfälle s[in]d
wenn sie kommen gleich gar zu heftig; ich mußte es
Euch aussprechen, ich konnte nicht
in dem begonnenen fortfahren
ehe ich Dir was in mir lebt mitgetheilt habe. Gott
so schenke der
geliebten Frau eine gute, mindestens eine weniger angreifende Nacht
als
die verflossene[.]—
Nun will [ich] - da ich gleichsam
meine erste Pflicht erfüllt habe Dir mittheilen was ich
auf
meinem Notizblättchen bemerkt habe.
1., Dein jüngster Brief an
Middendorff hat mich hoch
erfreut; es ist mit kurzem
Worte der Brief eines ächten Menschen-
und Menschheitserziehers und zugleich
eines wahren
Seelenarztes.
2. Was Du dem Middendorff über Vaterland und
Heymath sagst, ist wie überhaupt
so besonders auch für uns
wichtig und der ernstesten Prüfung werth. Eine zwey-
te Heymath
ist aber auch die der Einigung des Gedankens und des Handelns[.]
3., Nun kann ich Dir meine Überzeugung klar aussprechen: Laßt uns
unsere Kraft eini-
gen. Mache Dich
nach und
nach frey und komme zu uns, allein immer mit Über-
sicht und
so Beachtu[n]g des Ganzen. Wie
Ferdinand die Worte
Schillers auf sich
und sein Leben anwendet, so
lasse sie auf uns und unser Streben anwenden, im
kleinsten Punkte
Einigung der höchsten Kraft. Wir haben nun das Erziehungsge-
biet
gemessen, der Grundriß zum Aufbau des Erziehungsdomes, des
Erziehungs[-]
gartens li[e]gt vor uns, allein laß uns nun den
Grund[-] u Eckstein dazu legen.
Komme zu uns! Wir erringen vom
Standpunkte
des rein Menschlichen, vom
allge- mein
Menschheitlichen früher oder später die Schweiz wieder
allein dann auch
in ihrer höheren allgemeineren Bedeutung, wie
wir sie jetzt nur im Besonderen
besitzen. Denn die allgemein
menschheitliche Bedeutung in der ich zu ihnen kam
erkannten nur
Pfyffer und
Abbé
Girard auch wohl Andere, allein diese hielten
sie
nicht fest, darum kam es wie es kam.
4., Ferdinand dagegen muß sicherst als Diener des
Besondern zum Gehülfen des Allge-
meinen emporarbeiten dann kann
er von einem kräftigen MitArbeiter zu einem
tüchtigen Mitkämpfer
werden. Ferdinand gehört also dem Allgemeinen noch
durch das
Besondere hindurchgehend; wir, Du und ich aber, wir müssen
dünkt
mich nun dem Besondern durch das Allgemeine hindurchgehend
gehören; dieß
glaube ich bezeichnet wie überhaupt so auch
besonders für uns eine wesentliche
Verschiedenheit des Wirkens.
Darum meyne ich nochmals komme zu uns, das
deutsche Gemüth wie Du
es erprobt, geweckt, erkannt, soll der Acker werden
auf den wir
säen, das deutsche Frauengemüth besonders soll das gute Land
werden.
Das deutsche Kinder- und Kindheit Gemüthe der gute Boden,
auf welchem
der Saame ausgestreuet, gesäet werden soll, wenn auch
sonst viel ins
Gestrüb, auf Wege und auf Felsen fällt. Laß uns
keinem einzelnen
Nichts Einzelnen angehörn sondern den [sc.: dem]
Grundgedanken, wie der Künstler, Dichter, <Verbum> wie die
Jünger Jesu und die Apostel. /
[217]
Middendorf[f] ist dann wie durch das
Allgemeine so durch si[c]h selbst der dritte; wie
es sich wohl
besonders durch di[e]sen klar herausstellt, daß wir dr[e]y zu einem
Einigen
Zusammenwirken zusammengehören, denn so wie Middendorff
allein steht, zunächst
zwischen zwey gleichsam mit Nothwendigkeit
bestimmenden, verliehrt seine Wirksam-
keit an Fruchtbarkeit.
5. Einen hier ganz wesentlichen Punkt muß ich Dir doch zur
Beachtung und Bearbeitung vor-
legen, er ist mir zwar schon sehr
oft entgegengetreten aber besonders bey
Wilbergs "Erinnerungen aus meinen Leben" (so der
eigentl. Titel) Es ist der:
"Ein frühe in der Kindheit bewirktes
Gotteiniges (religiöses, frommes) Leben
ist der Quellpunkt aller
wahren MenschheitsEntwickelung und Erziehung.["] In
der Mitte und
gegen das letztere <¼
es> des vorigen
Jahrhunderts wohnte und lebte
die Grundlage dazu noch in den
deutschen Familien, jetzt scheint sie zerstoben und
selbst in
unsern eigenen Familien nicht mehr auf die alte Weise in der
alten
Kraft herzustellen zu seyn. Wie ist nun dieser wahr[e]
Keim- und Entwickelungs[-]
punkt der Menschheit einig, kräftig,
tüchtig, ausdauernd durch die von mir und
uns aufgestellten
Entwickelungsmittel zu wecken und zu pflegen daß er wachse
und
erstarke gleich einer deutschen Eiche?- Sag findest Du in Hinsicht
des re-
ligiösen Gefühles und Lebens eine Verschiedenheit der
Grundlage in dem
deutschen Kindesgemüthe und in dem Gemüthe der
Schweizer, d.i[.] der Kinder
Deiner Pflege?- Weder in Wartensee
noch in Willisau konnte ich dieß
aus zu großer
kirchlich religiöser Verschiedenheit nicht
prüfen, wie findest
Du es in Burgdorf?-
6. Was ich
aussprach ist nur um den Blick offen zu erhalten und keine zu
weit
bindende Verhälnisse einzugehen. Ich habe gewöhnlich länger
als ein Jahr
Verhältnisse - und sehr sorglich gepflegt - die ich in mir doch fest
entschlossen war
zu lösen, so habe ich eigentlich nie einen
gewaltsamen Schritt gethan, ja
es lösete sich alles weil ich
stets alles für meinen Zweck im Auge hatte,
wie von sich selbst.
Meiner Frau Ansicht habe ich oben am Rande an-
gedeutet[.]
7. Middendorff scheint durch die Gesammtheit seines Lebens u
seiner Verhält-
nisse bestimmt Deutschland u wenn in Keilhau, die
Pflege der klei[n]en K[i]nder
fest zu halten[.]
8. Ebenso
Frankenbe[r]g, doch war dieser
jü[n]gst sehr lebensbedrohend krank
doch ist er jetzt besser.
9. Es ist doch höchst merkwürd[i]g wie die Lebensgefahr immer uns
zur Seite geht. /
[217V]
(wieder 217V)
Am 23 Novbr: Dieser Brief
sollte gestern früh abgehen allein die Bothin kam nicht, nun wird
er
wohl bis zum Sonntag liegen bleiben.- Zuforderst mit meiner
Frau geht es in so fern etwas besser
daß der Husten ein wenig
nach gelassen hat, sonst ist der Körper unaussprechlich
angegriffen
und sie durch und durch schwach -- Möchte es möglich
seyn daß ihr allgem: menschl. Sein auf alle
Frauen des Hauses
übertragen werden könnte.- Sie sagt oft: ich möchte wohl wissen
was
aus mir geworden wäre wenn ich so geführt worden wäre wie ihr
anstrebt?- Ich möchte
es auch wissen; allein warum sind dann die
Früchte unseres Wirkens doch gar zu gering und warum
erfüllen
unser[e] Zöglinge im Ganzen doch so wenig unsere Hoffnungen?- Wird
denn der Mensch gar zu früh aus
sich herausgerissen?- Und ist es
denn
nicht möglich daß wir das, was wir doch in uns als
ein höheres
allgemein menschliches Fundament anerkennen müssen,
auch in andern
pflegen zu können.
Statt innige
Einigung zu einem
hohen dem wahren menschlichen Zweck ist jetzt alles zerstreut - nicht
so wohl per- /
[217R]
sönlich und örtlich als dem
Lebenszwecke, der Lebensansicht nach; ich meyne nemlich
unserer
Schüler unsere Zöglinge. Welche Kraft schied sich mir
schon von um in Deinem Bruder;
und doch kann ich mir in seiner
Pflege gar keinen Grund nachweisen, gar keinen Grund
in dem
Innersten meiner Gesinnungen und so auch bey den Kindern. Daß ich ein
Ziel
fest im Auge hatte, doch das höchst menschliche und
menschheitlich[e], war und ist das ein Fehler
ein Fehl- und ein
Mißgriff[?] Was sagt denn Dein und Deiner Ernestine Innerstes dazu?-
Es
handelt sich um Erringung des Lebenszweckes, Erreichung des
Lebenszieles, darum seyd aufrichtig[.]
Hätten denn unsere
Erzieher bey uns, hätten unsere Eltern mit uns nicht auch einen
festen Zweck.
Ist denn die Zerstreuung in dem menschlichen
Gemüthe jetzt so früh gewurzelt, da es doch
scheint als sey
Einheit und Ein[i]gu[n]g ein Grundstreben im Menschen.
We Zu welchen
inneren
Lebensergebniß hätte es kommen müssen wenn nur noch 2, ja
nur noch eines der kräftigen
Zöglinge dem Grundgedanken der ihre
Erziehung leitete, treu geblieben wäre?— Welch ein
Mangel und
doch wie tief und wahr gegründet erscheint jener Grundgedanke, wie
in
seinem ersten Entkeimen, wie in der Anerkenntniß welche er
doch später so vielseitig
von den verschiedensten Orten wie von
den Denkendsten und Edelsten erhielt.- Über das sich
Gestalten
und das Entkeimen des Grundgedankens muß ich Dir doch folgendes
mittheilen.
Unger ist zu Zeiten sehr eingehend in das
Ganze und dann nimmt wohl unser Gespräch einen
allgemei[n]en
höhern Gang. So sagte ich vor ein paar Tagen auch
durch ein solches Gespräche veranlaßt zu ihm:
"Aber Unger wissen
Sie auch wohl, wodurch Sie eigentlich zu mir gekommen sind?["] - Er:
"Nein".
Ich: "Durch den deutschen Freyheitskrieg 1813/14." Er:
"Wie so?" - Ich: "Sehen Sie Herr
Lgethl.
MffWetzstein u.a.: wir lernten uns in jenem Kri[e]ge,
ja d[urc]h denselben, d.h. d[urc]h den Zweck
und den
Grundgedanken desselben kennen; nicht durch den Grdgedanken alle[i]n,
sondern d[urc]h
das unmittelbar persönlich hingegebene Wirken
dafür; so war also durch die
gleiche That, durch das gleiche
Wirken für den
gleichen Gedanken, er mochte sich nun in
jedem einzelnen
durchs Wort aussprechen wie er wollte unmittelbar
das persönliche
Verständniß bewirkt,
was noch durch die gleiche rein menschliche allgemeine Gesinnung in
jedem <erhöhrt / erhöhet>
wurde ((:Also
That u
Thun einte
so sage ich jetzt gleiche That für gleich allgemein
menschlich
gefühlten Zweck, spreche ich mir jetzt aus; sollte
dieß nicht auch (wie in kriegerischer)
so in friedlicher
Wirksamkeit z.B[.] jetzt dadurch zu bewirken seyn, daß wir
durch
eine gemeinsame
That ein
gemeinsames
Thun, dem allgemeinen Bedürfniß
der ersten
Kinderpflege durch unsere Spiele, und so der
ursprünglichen Befreyung des ersten Kinderlebens
von dem
Zusammenhangslosen rc: rc[.] entgegen kämen?-:)) Genug wir fanden uns
später
wieder zusammen erst in Berl. dann in Keilhau. Durch
Wetzstein wurde ich mit der Frl. v[.] R[.]
bekannt, die Sie
Unger, dann zu uns gab.— So das Gespräch fortgeführt auf die
3 Fröbel[.]
Mein Br[u]d[e]r starb durch jenen Krieg und so wurden
seine Kinder d[urc]h ihn Waise u.s.w.
Auch die Osteroder: Mein
Br[u]d[e]r wurde d[urc]h die Folgen des Krieges bestimmt einem Rufe
von
mir zu folgen u[n]d [nicht] in seine Heymath zurück zu
kehren. So kam Dein Bruder d[urc]h Dich; die Johns
durch Deinen
Bruder rc[.] alle im Fortgang einer Ideenentwickelung zu uns. Durch
den Krieg
kam ich wie gesagt zum 2
en male
nach Berlin, dort lernte ich meine Frau später kennen, aber
als
diese d[urc]h den Gr[un]dgedanken der Einheit alles Lebens;
der Krieg war eigentlich das Einigende
von Middendorff, Dir,
Ernestin[e] u meiner Frau. So vermittelt kam
Barop zu uns; so durch
die
nun klare Lösung der Au[f]gabe einer
deutschen Erziehung wurde ich mit
Prof: Krause, d[urc]h diesen
mit
Frkbg bekannt. Die
Isis entstand auch in jener, d[urc]h jene
Zeit. So hat eigentlich unser G[an]zes
Leben in dem
Gr[un]dgedanken des Jahres 1813/14 seine Einigung. Was war aber jener
Gedanke: -
Darstel-
lung rein menschlichen u menschheitl.
Lebens.- Aber jener Gedanke kam mir schon 1805 durch
einges
Leben in mir u mit der Natur, so ist er also ein
allgemein wahrer
Gr[un]dgedanke;
darum muß ihm aber auch treu unser Leben gewidmet
bleiben u.s.w. u.s.w.- !!Langethal!!- DFrFr
[KN 55,12 / (1 = E 826)]
Blankenburg am 24. Novbr.
(1838)
Abends.
Was würdest Du sagen m. th.
Lgethl.
wenn Du mich abermals ein Blatt
ergreifen sähest um
noch ferner
an Dich zu schreiben. Doch die Bey-
lage kann es
Dir deuten: ein
Brief ist von
Leonhardi. Zu diesem
nun von mir einige
Bemerkung.
A. Wie Du lesen wirst so
fordert
man von mir daß ich von hier
aus einen jungen Mann für
Frkfurt. wählen soll. Du siehst,
da sind nun die Pferde wie-
der hinten angespannt, denn die
hiesigen jungen Leute mögen
gut werden wenn man sie
zwischen zwey Feuer bringt,
ich meyne zwischen mich als
Lehren-
den und zwischen aus der Ferne
gesandte Lernende.
Das-Aus-der-
Ferne-Kommen, das weckt, das
feuert an, das ist
der Sauerteig
der mir nun fehlt.- Doch will
ich sehen was
zu thun ist.-
B. Leonhardis Aufforderung zur
Ausfertigung der Preisbestimmung /
[2 = E 287]
kam
ganz
a tempo. So kam
ich durch Deinen und seinen
Brief
auch zwischen 2 Feuer, was zwar
schon gefangen hatte,
allein es
waren doch 2 gute Schürer, und
nun endlich
bekommst Du auch
ein vollständiges Preisverzeich-
niß.
Frankenberg der glaub
ich
seit Mich: heut zum ersten
mal wieder hier ist, sitzt
mir
gegenüber und schreibt
es für Dich ab; diesen Nachmit-
tag
schrieb er es für Frankfurt
a/Main ab, was nun schon nebst
anderen Sachen heut Nachmit-
tag zur Post gesandt ist,
so for-
dert es.
C. Frankenberg sagt er befände
sich wieder ganz
wohl.
D. Zu No 3 des S. B.
welches Dei-
nen Aufsatz enthält ist heut
die Correktur nach
dem Drucker
gegangen. Morgen hoffe ich die
Correktur von
No 4 zu bekommen.
E. N
o 1, 2
und 3 wenigstens soll
noch vor Weynachten abgehen,
ich
meyne heut über 8 Tage /
[3 = E 828]
möchte es dann zu
Neujahr an
Dich gelangen.
Folgen werden dann noch
50 Ex. Liedchen zum Ball und Be-
wegungsspiele
20 Ex. Schönheitsformen zum Spiel
5. Gabe
12 Ex. Spielkästen 4. Gabe, so
daß Du mit den mitgenomme-
nen 8 Ex. nun 20 Ex.
hast.
12 Ex. Lithographie dazu
20 Ex. Schilder an die
Spielkästen
9 5t Gabe die [Du] noch anleimen
lassen kannst und
dann ist
es doch besser, wenn alles sein
ordentliches
Festgewand hat.
F. Weil Du für das S. Bl. nur
20 Abon-
nent[en] hast, soll ich Dir wohl noch
100 Ex. vom
2n Bande [senden] oder nur
50 Exempl.- wenn
ich doch Deine
Meynung wüßte!-
G. Wäre denn
die Stelle in Frankfurt a/M
eine Stelle für
Wilhelm Clemens?-
Doch
nein, nein! er ist
doch ja nicht
musikalisch. Wie mir nur jener
Gedanke kommen konnte?-
H. Bekomme ich wohl bald etwas von /
[4 = E 829]
unsern
Fröhlich?-
Dann wäre ich
fröhlich!-
J. Middendorff sagt mir: Du habest
Liedchen zum Würfel und zum
Ball gesetzt und da er glaubt
daß ich sie schon habe, so forderte
er sie jetzt von mir.
Ich bekomme
solche wohl in Deiner versprochenen
Fortsetzung
Deiner Mittheilung
über den
schöpferischen Trieb Lebenstrieb?-
Nun zum Schluß
noch eine freund-
liche, sehr freundliche Gabe.
Ich habe
so oft des
Dr. Stoy
und
der Fr: Pfarr: Richter erwähnt. In der
Art wie sie mein
Leben
und Wir-
ken erfaßte war es
auch natürlich
daß ich sie gern in das Innerste der
Entwickelung meines Lebens einführte
und so kam es dann
auch, daß ich
ihnen aussprach wie und worinn ich den
13. Novbr. als den Stiftungstag mei-
ner Anstalt betrachte.
Jüngst am
23. Novbr. (Sie hatten und haben
nämlich in sich
den 13. und 23. Nobr.
mit einander verwechselt) bringt
mir
früh am morgen unser
Unger
2 Briefe ich erkannte am Siegel /
[5 = E 830]
den
von
Dr Stoy und
erbrach ihn
zuerst, was ich las war das
Jubellied
zum 23 Novbr.
Ich deutete es mir ohngeachtet der
Irrung im Tage bald, und
der Brief
von der Fr. Pastor Richter lehrte mir
bald das
Ganze, wie es mich bald
durch dämmert hatte.
Das
Jubellied findest Du von
der Güte
Frkenbergs, wie den Brief
von
Leonhardi hier beyliegend.
Bey dem Liede wird Dir die Bemerk-
ung gewiß nicht entgehen
daß es
ganz in dem
Geiste des
luther-
schen Liedes gedichtet ist. Theile
es abschriftlich
unsern
Ferdi-
nand mit, oder noch
schöner,
wenn
Du er Euch zu
Weynachten
besucht so bringe das Gespräch auf
die Gründung
Griesheims und
Wartensees, mein Brief an ihm
regt es ja an,
und dann singt
ihm
vierstimmig das
Lied vor
indem Du ihm eine Abschrift je-
doch mit dem
berichtigten Tag
(13. Novbr.) überreichst, dieß sey /
[6 = E 831]
dann
von dem
Geiste des Ganzen,
für
ihn sein Christgeschenk. Ist
denn
Ferdinand wohltätig wenn
er
so das Wirken eines
Gastes,
Eures Geistes;
Eines
Grundge-
dankens,
Eures Grundgedankens sieht: auch für
Spießes wohl wohl-
thätig:
auch für Ries; auch für an-
tonen [sc.: Antonen]
und Howald, auch für
Fröh-
lich. Genug für Alle,
alle welche
treu am Werke arbeiten. An
denselben Tage
Abends bekam ich
auch den Brief von Leonhardi,
da sagte
meine Frau: "Nun heut
mußt Du
Dich recht dankbar gegen
Gott zu Bett
gehen!" und ich
habe es gethan. Auch für den
Herrn
Pfarrer Stähli ist so etwas.
Auch dem
Pfarrer Bitzius kannst
Du es als einen
Beweis der
freyen
Anerkennung des
Grundgedankens mittheilen. Hoh[e]s
glimmt in Deutsch-
land könnte es
nur geschürt d.i.
gepflegt von uns
gepflegt werden.
Einige Zeilen die ich
soeben von
Barop erhalten -
Emilie ist näm-
lich in diesen Tagen auch sehr un- /
[7 = E 832]
wohl gewesen und
kann jetzt
noch
nicht das
Innere Zimmer verlassen.
Middendorff muß
wieder das Bett hüten; er befand
sich
sehr, sehr wohl, da arbei-
tet er denn wahrhaft
unbe- dacht, ja unverzeihlig vom
Morgen bis zum
Abend und nun! -
liegt er wieder und wird
so schwerlich die
Reise nach
Dresden mitmachen können,
für die er sich hätte
schonen sollen. Urtheile aus seinen
eigenen Worten.
Heut morgen schreibt er mir: -
Was
ich meiner Seits gewußt
habe ich gethan die Krank-
heit zu
heben: (Nur höre wie!)
auch
mich geschont und in Acht
genommen (höre wie!) und
wie weit
es gehen wollte
in das thätige Leben gewor-
fen (ja wahrhaft
geworfen)
so daß ich von Morgens
9 Uhr
bis Abends 7 Uhr ununterbro-
chen dem
Kinderleben angehört
habe, wo ich dann
gewöhnlich /
[8 = E 833]
so
müde war, daß ich froh war
wenn ich die Schlafkammer hatte.
Ist das vernünftig und was
kann ein einziger solcher Tag
hel-
fen wenn der Nachhalt fehlt
und die Dauer, der Nachhalt
macht
es bey den Kindern. Von
Mid-
dendorff möchte ich beynahe sagen
was
Keck Wetzstein von
Keck sagt:
Es fehlt ihm das Gleichgewicht
des Lebens; - Nun könnt Ihr
schon bis Weynachten auf
ei-
nen Brief von mir warten.
Aber ich bekomme doch bald
einen von Dir?- Künftigen
Mittwoch möchte ich reisen, wenn
ich nur eine treue Pflege bey
meiner schwachen lieben Frau
hätte. Grüße an Alle Dein
Fr Fr.