Blankenburg bey
Rudolstadt am 10en Februar 1838.
Wie die täglich steigende Sonne immer größere
Wärme bringt
und bald schlummernde Lebenskeime weckt, so bringe
sie Dir mit
jedem Tage steigende Gesundheit und erhöhete
Lebenskraft, zu Dei-
nem hohen Lebensberufe, theurer
Langethal!
*
Eben war ich im Begriffe Papier hervorzuholen um Dir, obgleich
erst
am Mittwoch ein Brief an Dich abgegangen ist, schon wieder
zu schreiben
indem ich es für wesentlich hielt, als ich den
Briefbothen von der Straße
ab und unserem Hause zu biegen sahe.
Wie freue ich mich daß mein
leises Erwarten erfüllt ist und ich
Briefe von Dir und
Middendorff
vor
mir liegen habe denn nun kann ich doch mit größerer
Bestimmtheit schreiben
obgleich mein heutiger Brief sich zunächst
nur auf unser Geschäft beziehen kann.
Zuerst will ich jedoch
bemerken daß
Frankenberg
Mittwochs am 31. Jan:
einen Brief mit mehreren Bemerkungen auch
von mir an Dich abgeschickt hat.
Am letzteren Mittwoche am
7
en Febr. habe ich einen Brief mit
2 Abschriften
eine von einem Briefe Deines Bruders
Christian an uns, dann von einem
Briefe
Louis Frankenbergs
aus
Columbus an Dich abgesandt; hoffentlich ist
nun
alles dieß bey Dir eingetroffen.
Allein auch mein jüngst an
Dich abgesandtes im Briefe an Middendorff Dir
angezeigtes Packet
muß dünkt mich im Laufe der nächsten Woche bey Dir
ankommen,
diese Erwartung nun bestimmt mich Dir heut zu schreiben damit
Du
im Verkauf und der weiteren Verwendung der Sachen nicht
gehemmt
werdest. Ich habe Dir nemlich noch die Verkaufspreise,
besonders
den von dem "Ball", das erste Sp. der Kindheit zu
melden.
Die Berechnung ist zu unserem Leidwesen etwas höher
geworden
als ich wünschte doch dünkt mich im Vergleich mit dem
Preise anderer
Spiele doch nicht unverhältnißmäßig groß im
Gegentheil, wenn
man den Geist beachten
will, welcher zugleich mitkommt wohl
noch
etwas geringer.
Der Ladenpreis für jedes vollständiges Exemplar,
bestehend
in 2 Bogen Text nebst der Dir bekannten Lithographie im
farbigen Umschlag; einem Ball in einem hölzer-
nem Kästchen und
einigen Kleinig[-]
keiten in einem kleinen Köcher
(:Etuis:) beträgt[:]
10 gl
[Silbergroschen] Sächs. 45 Xr Rhein. oder 11 Batzen
Schweizerisch.
Davon gehen aber 20%
Rabbat an die
Buchhändler ab; dann
rechne ich 20% Versendungskosten und andere
Unkosten; hie[r]-
nach bleiben für jedes Exemplar
reiner Preis
ab hier
6 gl sächsisch oder 36 Xr Rhein. Hie[r]bey ist aber auf
portofreyen
und
abzugslosen Eingang der Gelder gerechnet; denn
6 gl sächsisch
oder 36 Xr Rhein. kommt mich nach genauer
Berechnung selbst das Stück
zu stehen, wobey doch gar manche
zufällige Ausgaben nicht
berücksichtigt
sind, ich auch unsere Arbeit gar mäßig ja oft
nicht angeschlagen habe; und dennoch /
[165R]
dennoch weißt Du daß ich die Unkosten für meine
Gehülfen täglich wenigstens
auf 16 gl sächsisch ja 18 gl zu
setzen habe. Doch jetzt ist nicht auf Gewinn
sondern nur so zu
rechnen daß
ein Bestehen der ganzen
Unternehmung
nicht allein, sondern auch ein sich immer mehr
entwickelnden [sc.:
entwickelndes]
Fortbestehen
möglich ist. Bey Feststellung diese Preises ist übrigens darauf
ge-
rechnet, daß sich die
ganze Auflage
von 500 Ex.
spätestens in
Jahres[-]
frist verkaufe.- Ich schreibe Dir dieß lieber Langethal
damit Du
genau weißt, was Du zu thun hast.
Weil wir nun
beyde wünschen daß die Spiele allgemein und vielen
Eingang in
Familien besonders finden möchten und Du und die Buch[-]
händler
dazu den Preiß vielleicht zu hoch finden könntet, so
weiß ich
dazu nur einen Ausweg - (besonders um auch jungen
Schulmeistern
für ihre Familien den Ankauf zu erleichtern) wenn
auf fünf
Exemplare das Sechste frey gegeben würde;
dann
müßtest Du aber auch freylich auch den Buchhändlern außer
den
20% Rabbat noch auf 5 Ex[.] das
Sechste frey geben. Hiernach
würden uns
also von den 500 Ex. nur 417 Ex. bezahlt werden
was das Ex. zu 6
gl sächsisch rein gerechnet ganz knapp die Unkosten
ersetzt;
wobey jedoch vorausgesetzt wird daß dann von der ganzen
Auflage
der 500 binnen Jahresfrist uns nichts übrig bleibt.
Doch dünkt
mich dieses Wagniß (:Risico:) immer besser; als durch
einen
dem Publicum zu hohen Preis die Sache ins Stocken zu
bringen.
Fest bleibt also: - erstlich
der Ladenpreis 10 gl sächsisch pro Exempl.
zweytens den Buchhändlern 20% Rabbat. NB Du {mußt / darfst} die Werke
nicht billiger nicht wohlfeiler geben als solche der
Buchhändler
abgeben soll. Weil nun aber [der] die Buchhändler von
mir 20% bekommt
bekommen, so darfst Du auch nicht erlauben, daß
die Buchhändler die
Werke theurer verkaufen als der von mir
festgesetzt ist.
Drittens. Um die
Versendungs- und andere Unkosten, die Kosten
der weiteren
Verbreitung rc zu decken darfst Du für Dich, d.h.
für die
Unkosten der Fracht u.s.w. in Burgdorf wieder 20% in
Abzug
bringen. Von diesen 20% denke ich nun kannst Du alle Un-
kosten
Briefporto u.s.w. u.s.w. decken. Du wirst nun in Zukunft
das
ganze Geschäfte den Eingang jeder Sendung ordentlich
zu Buche
<bringen> und berechnen lassen. Du kannst ja
dieß Geschäft dem Antonen
übertragen
mich dünkt es müßte von den 20% immer noch etwas für
ihn zur
Vergütigung seiner Arbeit f übrig
bleiben. Dem sey nun wie
ihm wolle Du weißt nun doch wie von
dieser Seite das Ganze steht.
Was nun aber noch die
Freyexemplare betrifft so wäre es höchstens
das Sechste das freygegeben werden
könnte. Sollte man aber nur
das Achte
oder Neunte Exemplar freygeben so dünkt es
mich wieder
daß dieß nicht <aufmerkend> genug sey.
Langethal Du mußt immer
zwey Sachen vor
Augen haben einmal
die allgemeine Verbreitung; dann das
fortschreitende Bestehen
der Sache denn was
hilft uns die Theilnahme, wenn wir keine Geld[-]
mittel haben die
Sachen zu liefern; was hilft uns aber auch das /
[166]
Herstellen, Ausliefern und Liefern der Sache, wenn sie
keinen Absatz
findet. Das bibliographische Institut zu
Hildburghausen giebt bey
Subscription auf seine Werke
gewöhnlich das
Elfte Exemplar frey.
Dabey läßt sich
so gleich noch bestehen. Es fragt sich nun nur kann
ein
Schullehrer im Bernschen z.B. ein Stauch - <Loder> - Lehner -
Scheid-
egger u.s.w. kann ein solcher Mann wohl in seinem Umkreis
10 Exem-
plare absetzen um so das 11e für sich zu behalten?-
Überlege Dir
also die Sache ehe Du handelst genau, denn was Du
thust ist für lange
gethan. Und somit sey es über diesen Punkt
genug.
Die 2e Gabe enthält
3½ Bogen Text,
einen <Steindruck> von
½ Bogen
Übung[s]felder mit 32 größern
Darstellungen, in einem Kästchen, doppelt so
groß wie bey der
ersten Gabe, einen verschieden durchbohrten und beöhrten
Würfel
und eine beöhrte Kugel, dann in einem besonderen Köcher
Stäb-
chen und Schnur; dieser Spielkasten wird wie ich jetzt
vermuthe höchstens
obgleich noch
einmal so groß, doch nur 14 gl Sächsisch oder 63 Xr
oder
16 Schweizer Batzen kosten. Von diesem werde ich Dir jedoch
mit der
nächsten Sendung auch nur 72 Ex: senden können, denn mein
Tischler
der diese Sachen macht ist seit länger als 4 Wochen
schon krank und ein
anderer ist noch nicht darauf eingeübt. Gieb
darum zunächst nicht
mehr an die
Buchhändler ab, als jeder wenigstens bedarf
und beschränke
Dich auf Bern, Luzern u Sursee
(Sumiswalde wirst Du vielleicht
wenn es Huber fordert von Bern
aus versorgen lassen müssen).
Von dem selbstlehrenden
(mathematischen) Würfel kommt das Exem-
plar so weit es fertig
ist d.h. 5 Hauptwürfel oder 40 Theilwürfel
jetzt
6 Schweizerfranken; doch kann hierbey nicht von Freyexem-
plaren
die Rede seyn.- Diese Würfel können überhaupt
noch nicht in den Buchhandel kommen, weil
sie noch kein hochzeitliches Gewand
haben, doch werde ich Dir zum
privatverkauf, um auch die
Lehrer für die Sache zu gewinnen, mit
der nächsten Sendung wenigstens
25 Ex: senden. Text kommt wenig
hinzu. zum Gebrauch ohngefähr
das was ich Dir
brieflich mitgetheilt habe, und was Du
wieder
mündlich mittheilen kannst.
(:Was Du über den Würfel bemerkst darüber
muß ich heut schweigen,
allein ich frage Dich nur,
wie lehrt Dich
jeder
Gegenstand der
vor Dich
stumm hintritt?- Wie lehrt jeder Gegen-
stand das Kind?-- durch
die
That u
Erscheinung <bestimme>
er alles
gerad zu
positiv
nicht bedingungsweise aus.
Anders lese
der
Lehrer (dieser stellt alles fragweise hin[.])
Anders der
stumme Gegenstand, dieser
sagt z.B. ich habe Ecken. ich habe 8 Ecken pp[.]
der redende,
sprechende, der Sprachwürfel dagegen sagt:
ich
bin wer? oder was? ich habe oder thue was?- Mein
theurer
Langethal was Du bemerkst daß im Anfange mehr der Inhalt
mehrerer
Würfel auf weniger Würfel zusammengedrängt seyn
könne ist nur
trügender Schein: Es ist gerad eine selten
glückliche
Erfassung der innern ersten Entwickelung des Menschen
daß die
verschie-
denen getrennten <Ausgänge> von
Flächen,
Ecken,
Kanten pp. an
verschiedenen,
getrennten /
[166R]
und doch ganz
gleichartigen Würfeln hervorgehoben werden.
Wir Menschen sind in
diesen ersten Anschauungen ausgenommen <wankelich>
Mache
einmal Langethal
an u in Dir folgende
Erfahr[un]g:
Schaue an einem Würfel
nur die Flächen an. Nun lege
diesen
Würfel an die Seite; nun schaue wieder an einem
andern (:obgleich dem
vorigen im Äußern
u allem völlig gleich:) die Kanten an.
Nun
lege diesen wieder weg. Nun nimm einen dritten und
schaue
an diesem die Ecken an, u.s.w.
Nun sieh wieder einen
Würfel[.] Nun schließe Deine Augen und
siehe welche klar geordnete
Anschauung Du vom Ganzen in Dir hast,
wenn Du nun an einem
und demselben Würfel alles 3e zugleich
schauest, so wirst
Du alles in hoher Klarheit und Geschiedenheit
sehen.
Nun vernichte durch Deinen Willen wieder alles in Dir:
oder noch
besser, fange vielleicht mit dieser Anschauung an. Und
siehe gleich
von vorne herein Flächen,
Kanten, Ecken, Winkel u.s.w. u.s.w.
alles an einem u ebendemselben Würfel anzuschauen; es ist Dir
kaum möglich die einzel Anschauungen klar
zu bekommen; alles wirrt
schwirrt und schwimmt immer durch
einander.- Meine Frau sagt
daher immer: mündlicher Vortrag gehört
dazu; ich weiß es wohl doch
läßt sich das nur selten machen, doch
werde ich in dem Texte, in der
Anleitung zum Gebrauche alles
bemerken. Ich danke Dir darum recht
innig u warm daß Du mir Deine
Zweifel ausgesprochen. Mein theu-
rer, theurer Langethal Du
erfaßtest die Sache tief und einfach, doch
mußt Du die Idee immer
noch tiefer und einfacher erfassen, damit ich
recht freudig
sterben kann, im Bewußtsein in Dir einen vollkommenen
Träger nicht nur Verbreiter u
Verfechter der Idee zu hinterlassen.
So mein geliebter Langethal
war Dein Vorsatz in Eurer projectirten
Lehrer[-] u
Erziehergesellschaft mit dem Sprachunterricht als dem
be[-]
gründenden anzufangen. Der
stumme Sachunterricht zu welchem nur
die
Sprache als natürliche Atmosphäre und wie die Musik zum
Tanz
hinzukommt, dieß muß das erste seyn. Allem zuvor muß der
Tastsinn ausgebildet werden denn das geistige
Tasten, das Sehen
der Sprachanschauung
geht der Sachanschauung, wie der Sprachdarstellung
die
Sachdarstellung vor aus. Die stummgeborenen
haben eine tiefere Einsicht
von den Sachgegenständen
als die stimmgeborenen, diese <glauben>
zu leicht über die
Sachen [sich] <einig> welche sie schon zu verstehen
glauben
wenn sie nur das
Wortzeichen
dafür wissen, während die Anschauung
jener tiefer ein- und
durchdringt. So habe ich denn ohne meinen
Vorsatz Dir vorläufig
doch Deine Frage beantwortet. Mein sehr
lieber Langethal halte
diese Dir <scheinenden> Funken mit Deiner starken
Kraft
fest daß sie ein großes helles Licht werden, sie tragen
dasselbe
in sich.
Auch vom Sprachwürfel werde ich Dir senden was hierbey
ist. Der
Preiß ist gleich dem mathem.
oder Raumeswürfel. Schreibe mir
recht
bald wie er Dir zusagt.- [Von] dem Preiß laß Dich nicht
abschrecken
mache daß jede
Schule in [sc.: im] Bernsche[n], u im Kanton Luzern
einen
solchen Würfel d.h. ein
Exemplar als Inventarium hat; dazu
wird der Preiß
nicht zu groß und dann gebe ich sie
billiger. /
[167]
Sonntags am
11 Febr. Ich sehe mich doch genöthigt noch ein Blatt zu
nehmen[.]
Heut ist Dir die Zeit erlaubt und bist Du so gütig
gewesen von No 3 des S. B.
<eh noch>
Verbesserungen und Druckfehler zu bemerken so sey doch so gut
mir
solche mit der umgehenden Post zu
schicken[.]
Zweytens habe ich Dir in meinem Brief als Zusatz
zu No 3 etwas über die
Nachahmung mitgetheilt, wenn sich das Blatt
einzeln aus dem Briefe
als ein 1/8el Blatt
herausheben läßt so sende es mir auch mit; ich habe
mir zwar die
Sache später auch aufgemerkt es war mir aber dabey
als habe ich
Dir die Bemerkungen lebenvoller ausgesprochen.
NB. NB. Im Augenblick da ich dieß schreibe fallen mir
Deine Schlittenfahrenden
Kinder mit ihrem rothen eidgenössischen
Kreuz auf ihren Spielhosen ein.
Dieß
kannst Du benutzen um gelegentlich die
ersten Eindrücke z.B. hier sich
als
Schweizer, als Eidgenossen zu schauen zu fühlen in ihrer
Wichtigkeit zu
zeigen. Mir ist in dieser Beziehung Deine
Mittheilung auch lieb. Du
mein
lieber Langethal kannst daraus ersehen,
daß wie so sehr gut es ist
daß
unsere Fahne, wenn ich so sagen darf bey jedem Spiele den
Eltern
zuruf[t:] "K. l. u. unsern Kindern leben."
Nun noch
eine Bemerkung in Beziehung auf den Stand der Sachen
in
Willisau.- Von
Ferdinands
darlegenden [sc.: darlegendem] Brief ist mir noch
nichts
bekannt.-
Roda's Ansicht und <
M> Äußerungen muß ich ganz
unter[-]
schreiben bis jetzt tröstet mich nur die Hoffnung daß es
zu heterogene
Stoffe sind welche verbunden werden sollen, so daß
die Sache nicht
zu Stande kommt, kommt sie aber zu Stande, so
wird
Ferdinandvon Tag zu
Tag, ja von Stunde zu Stunde so halbirt daß in kurzer
Zeit nichts
mehr von der Willisauer
Erziehungsanstalt zu finden
seyn wird
als
als höchstens die leere Schule,
der hohle Name.
Ich kann Dir darauf
nur
mit den Worten
Astors, des
Ausführers einer großartigen
Handels- und Colonisations Idee
jenseit[s] des Felsen[ge]birges,
am Columbia, antworten: - (die Worte
sollen sich von mir auf die
Zeit
vor nun
länger als einem Jahre beziehen wo
Middendorff noch in Willisau
war
e; auf die Zeit
wo
Barop den Middendorff auf die
Wichtigkeit eines Familienlebens
in Willisau aufmerksam machte;
daß
dieß durch falsche
Behandlung
und linkisches Angreifen der Sache vereitelt wurde hat
Willisau
den Todesstoß gegeben:).
Astors Worte sind die: "Wäre ich
an
"Ort und Stelle (nemlich zu
Astoria
an der Mündung des Columbia)
"ich
machte würde sie alle zu Schanden machen;
so wie die Sachen aber jetzt
"stehen, hängt alles von Ihnen und
den Freunden ab, welche Sie bey
"sich haben.
Unser Unternehmen ist groß und verdient einen
glücklichen "
Erfolg
und ich hoffe zu Gott es werde ihn finden.
Hätte ich keine
"andere Absicht gehabt als Geld zu gewinnen, so
würde ich "rettet
"was zu retten ist" gedacht haben und den Platz
verlassen haben;
"
aber schon der Gedanke
daran trifft mein Herz wie ein Dolchstoß."
So spricht
Astor (ein Deutscher aus der Gegend von
Heidelberg) jetzt
wo er dieß sagt in
New York
lebend.
(:Dieß Buch mußt Du Dir zum
Lesen aus einer
Lesebibliothek kommen lassen es /
[167R]
heißt: - Astoria von
Washington Irving. Aus dem
Englischen von
Brinkmeier III Bde. Braunschweig
1837<.> bey
Meyer sen.- Es ist ein
erhebendes Unterhalt[un]gsbuch für
Euch
alle, es zeigt was der Mensch für eine Idee, einen
Lebensgedan[-]
ken thun kann; es ist keineswegs ein Roman; es ist
Thatsache
aber in schöner Form gegeben.
Nun nach
Willisau zurück. Sieh mein theurer
Langethal unter
uns gesagt die Schuld daß Willisau gefallen ist
liegt in ihrer
Begründung in ihrem
ersten Keime ganz an
Ferdinand, welcher
gar nicht im Stande, oder zu
unbeugsam schon durch seine
halbe
Schulphilosophie zu verknöchert war den lebenvollen
Grund[-]
gedanken meines Wirkens,
ganz
u lebensvoll in sich auf zu nehmen und
lebensvoll zu pflegen und
außer sich darzustellen.
Hätte Ferdinand den Grundgedanken,
wie Du jetzt in seiner Lebens[-]
fülle aufgenommen, <weder>
würde Willisaus Erziehungsanstalt
ein
Haar gekrümmt ist [sc.: werden]; wie tief das Bedürfniß einer
Erziehungsanstalt
unserer
[sc.: unseres] Geistes im L Canton
Luzern gegründet ist geht daraus
hervor daß ohngeachtet Willisau
eine Ruine ist, doch immer
noch ein Zögling <oben> in das Schloß
kommt.
Was ich Dir nun schreiben wollte; allein ganz im
stillsten Ver[-]
trauen für Dich und uns indem die Ausführung
<-> vielleicht erst
nach Jahren möglich ist. Gestern fuhr
es mir wie ein Blitz durch
den Kopf und wie ein wärmender Strahl
fiel es in mein Herz.
Hört Willisau auf
Erziehungsanstalt zu seyn; hören die
Willisauer
auf meine, unsere
Erziehungsanstalt dort zu pflegen was
hindert es
uns diese zum zweyten Male zu verlegen?- Die
Erziehungsanstalt
ist nach der
ersten Authorisation eine selbstständig
geborne
Idee, sie ist gleichsam ein Wesen eine Person geworden,
welche
nur wandert oder mit dem
<inneren> Ausdruck des Großenrathes
und des
Regierungsrathes von Wartensee nach
Willisau versetzt
würde; es ist in
sich noch immer die Wartenseeer Anstalt. Hätte
ich also nur
eingehende Menschen oder könnte ich hier los kommen gehörte
ich
nicht der Pflege eines neuern größern Lebensgedanken[s], ich
würde
sogleich, wie die Willisauer ihre drey
Schulen einrichten, nach
der
Schweiz, nach Luzern reisen und die
Verlegung der
Erziehungsanstalt
zu bewirken suche entweder nach
Sursee oder nach <Keutreich>
oder nach <Büron> oder in das Thal des
Baldecker Sees - diesen
Gedanken muß[t] Du nun als ein <Lebenswerk> auf das sorglichste
pflegen,
wie einen <Weinsichter>, wie eine Erdbeerranke, welche
wenn
auch der Hauptstock fault doch in einiger Entfernung dazu
wieder
Wurzel schlägt. Du muß[t] in Dir festhalten, aus Dir muß
in
allem was Du thust u sprichst
hervorrufen: - "Stirbt auch Willis[-]
au - die Wartensee[r]
Anstalt (die <-> menschlich-schweizerisch-luzern[-]
sche
Anstalt[)] stirbt nicht, sie treibt
weiter, sie wurzelt wie
das
schöne Johannis<kraut> weiter[.] Mag dann
Willisau seine Primär[-], Secundär[-]
und Tertiär[-]Anstalt behalte[n]. Diesen Gedanken
mußt Du still aber ganz
bestimmt
in Baumann in Weber rc, rc, rc
pflegen wenn sie Dich besuchen.-
Du solltest einmal sehen den
Abbé Girard zu
besuchen. Pflege nur den Gedanken der
Wichtigkeit einer
Erziehungsanstalt in
unserm Geiste im Luzernschen. Dein
FrFr. /