Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 10.2./11.2.1838 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 10.2./11.2.1838 (Blankenburg)
(UBB 53, Bl 165-168, Brieforiginal 1 ½ B 8° 6 S. Der eingangs erwähnte, am Mittwoch abgegangene Brief ist der v. 6.2.1838, der offenbar am 7.2.1838 zur Post gegeben wurde. Der eingangs erwähnte, am <31.>1.1838 abgesandte Brief Adolf Frankenbergs an Heinrich Langethal mit Bemerkungen F.s ist nicht verifizierbar.

Blankenburg bey Rudolstadt am 10en Februar 1838.


Wie die täglich steigende Sonne immer größere Wärme bringt
und bald schlummernde Lebenskeime weckt, so bringe sie Dir mit
jedem Tage steigende Gesundheit und erhöhete Lebenskraft, zu Dei-
nem hohen Lebensberufe, theurer Langethal!


*
Eben war ich im Begriffe Papier hervorzuholen um Dir, obgleich erst
am Mittwoch ein Brief an Dich abgegangen ist, schon wieder zu schreiben
indem ich es für wesentlich hielt, als ich den Briefbothen von der Straße
ab und unserem Hause zu biegen sahe. Wie freue ich mich daß mein
leises Erwarten erfüllt ist und ich Briefe von Dir und Middendorff vor
mir liegen habe denn nun kann ich doch mit größerer Bestimmtheit schreiben
obgleich mein heutiger Brief sich zunächst nur auf unser Geschäft beziehen kann.
Zuerst will ich jedoch bemerken daß Frankenberg Mittwochs am 31. Jan:
einen Brief mit mehreren Bemerkungen auch von mir an Dich abgeschickt hat.
Am letzteren Mittwoche am 7en Febr. habe ich einen Brief mit 2 Abschriften
eine von einem Briefe Deines Bruders Christian an uns, dann von einem
Briefe Louis Frankenbergs aus Columbus an Dich abgesandt; hoffentlich ist
nun alles dieß bey Dir eingetroffen.
Allein auch mein jüngst an Dich abgesandtes im Briefe an Middendorff Dir
angezeigtes Packet muß dünkt mich im Laufe der nächsten Woche bey Dir
ankommen, diese Erwartung nun bestimmt mich Dir heut zu schreiben damit
Du im Verkauf und der weiteren Verwendung der Sachen nicht gehemmt
werdest. Ich habe Dir nemlich noch die Verkaufspreise, besonders
den von dem "Ball", das erste Sp. der Kindheit zu melden.
Die Berechnung ist zu unserem Leidwesen etwas höher geworden
als ich wünschte doch dünkt mich im Vergleich mit dem Preise anderer
Spiele doch nicht unverhältnißmäßig groß im Gegentheil, wenn
man den Geist beachten will, welcher zugleich mitkommt wohl noch
etwas geringer.
Der Ladenpreis für jedes vollständiges Exemplar, bestehend
in 2 Bogen Text nebst der Dir bekannten Lithographie im farbigen Umschlag; einem Ball in einem hölzer-
nem Kästchen und einigen Kleinig[-]
keiten in einem kleinen Köcher (:Etuis:) beträgt[:]
10 gl [Silbergroschen] Sächs. 45 Xr Rhein. oder 11 Batzen Schweizerisch.
Davon gehen aber 20% Rabbat an die Buchhändler ab; dann
rechne ich 20% Versendungskosten und andere Unkosten; hie[r]-
nach bleiben für jedes Exemplar reiner Preis ab hier
6 gl sächsisch oder 36 Xr Rhein. Hie[r]bey ist aber auf portofreyen
und abzugslosen Eingang der Gelder gerechnet; denn 6 gl sächsisch
oder 36 Xr Rhein. kommt mich nach genauer Berechnung selbst das Stück
zu stehen, wobey doch gar manche zufällige Ausgaben nicht berücksichtigt
sind, ich auch unsere Arbeit gar mäßig ja oft nicht angeschlagen habe; und dennoch /
[165R]
dennoch weißt Du daß ich die Unkosten für meine Gehülfen täglich wenigstens
auf 16 gl sächsisch ja 18 gl zu setzen habe. Doch jetzt ist nicht auf Gewinn
sondern nur so zu rechnen daß ein Bestehen der ganzen Unternehmung
nicht allein, sondern auch ein sich immer mehr entwickelnden [sc.: entwickelndes] Fortbestehen
möglich ist. Bey Feststellung diese Preises ist übrigens darauf ge-
rechnet, daß sich die ganze Auflage von 500 Ex. spätestens in Jahres[-]
frist verkaufe.- Ich schreibe Dir dieß lieber Langethal damit Du
genau weißt, was Du zu thun hast.
Weil wir nun beyde wünschen daß die Spiele allgemein und vielen
Eingang in Familien besonders finden möchten und Du und die Buch[-]
händler dazu den Preiß vielleicht zu hoch finden könntet, so
weiß ich dazu nur einen Ausweg - (besonders um auch jungen
Schulmeistern für ihre Familien den Ankauf zu erleichtern) wenn
auf fünf Exemplare das Sechste frey gegeben würde; dann
müßtest Du aber auch freylich auch den Buchhändlern außer den
20% Rabbat noch auf 5 Ex[.] das Sechste frey geben. Hiernach
würden uns also von den 500 Ex. nur 417 Ex. bezahlt werden
was das Ex. zu 6 gl sächsisch rein gerechnet ganz knapp die Unkosten
ersetzt; wobey jedoch vorausgesetzt wird daß dann von der ganzen
Auflage der 500 binnen Jahresfrist uns nichts übrig bleibt.
Doch dünkt mich dieses Wagniß (:Risico:) immer besser; als durch einen
dem Publicum zu hohen Preis die Sache ins Stocken zu bringen.
Fest bleibt also: - erstlich der Ladenpreis 10 gl sächsisch pro Exempl.
zweytens den Buchhändlern 20% Rabbat. NB Du {mußt / darfst} die Werke
nicht billiger nicht wohlfeiler geben als solche der Buchhändler
abgeben soll. Weil nun aber [der] die Buchhändler von mir 20% bekommt
bekommen, so darfst Du auch nicht erlauben, daß die Buchhändler die
Werke theurer verkaufen als der von mir festgesetzt ist.
Drittens. Um die Versendungs- und andere Unkosten, die Kosten
der weiteren Verbreitung rc zu decken darfst Du für Dich, d.h.
für die Unkosten der Fracht u.s.w. in Burgdorf wieder 20% in
Abzug bringen. Von diesen 20% denke ich nun kannst Du alle Un-
kosten Briefporto u.s.w. u.s.w. decken. Du wirst nun in Zukunft
das ganze Geschäfte den Eingang jeder Sendung ordentlich zu Buche
<bringen> und berechnen lassen. Du kannst ja dieß Geschäft dem Antonen
übertragen mich dünkt es müßte von den 20% immer noch etwas für
ihn zur Vergütigung seiner Arbeit f übrig bleiben. Dem sey nun wie
ihm wolle Du weißt nun doch wie von dieser Seite das Ganze steht.
Was nun aber noch die Freyexemplare betrifft so wäre es höchstens
das Sechste das freygegeben werden könnte. Sollte man aber nur
das Achte oder Neunte Exemplar freygeben so dünkt es mich wieder
daß dieß nicht <aufmerkend> genug sey.
Langethal Du mußt immer zwey Sachen vor Augen haben einmal
die allgemeine Verbreitung; dann das fortschreitende Bestehen
der Sache denn was hilft uns die Theilnahme, wenn wir keine Geld[-]
mittel haben die Sachen zu liefern; was hilft uns aber auch das /
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Herstellen, Ausliefern und Liefern der Sache, wenn sie keinen Absatz
findet. Das bibliographische Institut zu Hildburghausen giebt bey
Subscription auf seine Werke gewöhnlich das Elfte Exemplar frey.
Dabey läßt sich so gleich noch bestehen. Es fragt sich nun nur kann
ein Schullehrer im Bernschen z.B. ein Stauch - <Loder> - Lehner - Scheid-
egger u.s.w. kann ein solcher Mann wohl in seinem Umkreis 10 Exem-
plare absetzen um so das 11e für sich zu behalten?- Überlege Dir
also die Sache ehe Du handelst genau, denn was Du thust ist für lange
gethan. Und somit sey es über diesen Punkt genug.
Die 2e Gabe enthält  Bogen Text, einen <Steindruck> von ½ Bogen
Übung[s]felder mit 32 größern Darstellungen, in einem Kästchen, doppelt so
groß wie bey der ersten Gabe, einen verschieden durchbohrten und beöhrten
Würfel und eine beöhrte Kugel, dann in einem besonderen Köcher Stäb-
chen und Schnur; dieser Spielkasten wird wie ich jetzt vermuthe höchstens
obgleich noch einmal so groß, doch nur 14 gl Sächsisch oder 63 Xr oder
16 Schweizer Batzen kosten. Von diesem werde ich Dir jedoch mit der
nächsten Sendung auch nur 72 Ex: senden können, denn mein Tischler
der diese Sachen macht ist seit länger als 4 Wochen schon krank und ein
anderer ist noch nicht darauf eingeübt. Gieb darum zunächst nicht
mehr an die Buchhändler ab, als jeder wenigstens bedarf und beschränke
Dich auf Bern, Luzern u Sursee (Sumiswalde wirst Du vielleicht
wenn es Huber fordert von Bern aus versorgen lassen müssen).
Von dem selbstlehrenden (mathematischen) Würfel kommt das Exem-
plar so weit es fertig ist d.h. 5 Hauptwürfel oder 40 Theilwürfel
jetzt 6 Schweizerfranken; doch kann hierbey nicht von Freyexem-
plaren die Rede seyn.- Diese Würfel können überhaupt noch nicht
in den Buchhandel kommen, weil sie noch kein hochzeitliches Gewand
haben, doch werde ich Dir zum privatverkauf, um auch die Lehrer
für die Sache zu gewinnen, mit der nächsten Sendung wenigstens
25 Ex: senden. Text kommt wenig hinzu. zum Gebrauch ohngefähr
das was ich Dir brieflich mitgetheilt habe, und was Du wieder
mündlich mittheilen kannst. (:Was Du über den Würfel bemerkst darüber
muß ich heut schweigen, allein ich frage Dich nur, wie lehrt Dich jeder
Gegenstand der vor Dich stumm hintritt?- Wie lehrt jeder Gegen-
stand das Kind?-- durch die That u Erscheinung <bestimme>
er alles gerad zu positiv nicht bedingungsweise aus. Anders lese
der Lehrer (dieser stellt alles fragweise hin[.]) Anders der stumme
Gegenstand, dieser sagt z.B. ich habe Ecken. ich habe 8 Ecken pp[.]
der redende, sprechende, der Sprachwürfel dagegen sagt: ich
bin wer? oder was? ich habe oder thue was?- Mein
theurer Langethal was Du bemerkst daß im Anfange mehr der Inhalt
mehrerer Würfel auf weniger Würfel zusammengedrängt seyn
könne ist nur trügender Schein: Es ist gerad eine selten glückliche
Erfassung der innern ersten Entwickelung des Menschen daß die verschie-
denen getrennten <Ausgänge> von Flächen, Ecken, Kanten pp. an verschiedenen, getrennten /
[166R]
und doch ganz gleichartigen Würfeln hervorgehoben werden.
Wir Menschen sind in diesen ersten Anschauungen ausgenommen <wankelich>
Mache einmal Langethal an u in Dir folgende Erfahr[un]g:
Schaue an einem Würfel nur die Flächen an. Nun lege diesen
Würfel an die Seite; nun schaue wieder an einem andern (:obgleich dem
vorigen im Äußern u allem völlig gleich:) die Kanten an. Nun
lege diesen wieder weg. Nun nimm einen dritten und schaue
an diesem die Ecken an, u.s.w. Nun sieh wieder einen
Würfel[.] Nun schließe Deine Augen und siehe welche klar geordnete
Anschauung Du vom Ganzen in Dir hast, wenn Du nun an einem
und demselben Würfel alles 3e zugleich schauest, so wirst
Du alles in hoher Klarheit und Geschiedenheit sehen.
Nun vernichte durch Deinen Willen wieder alles in Dir: oder noch
besser, fange vielleicht mit dieser Anschauung an. Und siehe gleich
von vorne herein Flächen, Kanten, Ecken, Winkel u.s.w. u.s.w.
alles an einem u ebendemselben Würfel anzuschauen; es ist Dir
kaum möglich die einzel Anschauungen klar zu bekommen; alles wirrt
schwirrt und schwimmt immer durch einander.- Meine Frau sagt
daher immer: mündlicher Vortrag gehört dazu; ich weiß es wohl doch
läßt sich das nur selten machen, doch werde ich in dem Texte, in der
Anleitung zum Gebrauche alles bemerken. Ich danke Dir darum recht
innig u warm daß Du mir Deine Zweifel ausgesprochen. Mein theu-
rer, theurer Langethal Du erfaßtest die Sache tief und einfach, doch
mußt Du die Idee immer noch tiefer und einfacher erfassen, damit ich
recht freudig sterben kann, im Bewußtsein in Dir einen vollkommenen
Träger nicht nur Verbreiter u Verfechter der Idee zu hinterlassen.
So mein geliebter Langethal war Dein Vorsatz in Eurer projectirten
Lehrer[-] u Erziehergesellschaft mit dem Sprachunterricht als dem be[-]
gründenden anzufangen. Der stumme Sachunterricht zu welchem nur
die Sprache als natürliche Atmosphäre und wie die Musik zum Tanz
hinzukommt, dieß muß das erste seyn. Allem zuvor muß der
Tastsinn ausgebildet werden denn das geistige Tasten, das Sehen
der Sprachanschauung geht der Sachanschauung, wie der Sprachdarstellung die
Sachdarstellung vor aus. Die stummgeborenen haben eine tiefere Einsicht
von den Sachgegenständen als die stimmgeborenen, diese <glauben>
zu leicht über die Sachen [sich] <einig> welche sie schon zu verstehen glauben
wenn sie nur das Wortzeichen dafür wissen, während die Anschauung
jener tiefer ein- und durchdringt. So habe ich denn ohne meinen
Vorsatz Dir vorläufig doch Deine Frage beantwortet. Mein sehr
lieber Langethal halte diese Dir <scheinenden> Funken mit Deiner starken
Kraft fest daß sie ein großes helles Licht werden, sie tragen dasselbe
in sich.
Auch vom Sprachwürfel werde ich Dir senden was hierbey ist. Der
Preiß ist gleich dem mathem. oder Raumeswürfel. Schreibe mir
recht bald wie er Dir zusagt.- [Von] dem Preiß laß Dich nicht abschrecken
mache daß jede Schule in [sc.: im] Bernsche[n], u im Kanton Luzern einen
solchen Würfel d.h. ein Exemplar als Inventarium hat; dazu wird der Preiß
nicht zu groß und dann gebe ich sie billiger. /

[167]
Sonntags am 11 Febr. Ich sehe mich doch genöthigt noch ein Blatt zu nehmen[.]
Heut ist Dir die Zeit erlaubt und bist Du so gütig gewesen von No 3 des S. B.
<eh noch> Verbesserungen und Druckfehler zu bemerken so sey doch so gut mir
solche mit der umgehenden Post zu schicken[.]
Zweytens habe ich Dir in meinem Brief als Zusatz zu No 3 etwas über die
Nachahmung mitgetheilt, wenn sich das Blatt einzeln aus dem Briefe
als ein 1/8el Blatt herausheben läßt so sende es mir auch mit; ich habe
mir zwar die Sache später auch aufgemerkt es war mir aber dabey
als habe ich Dir die Bemerkungen lebenvoller ausgesprochen.
NB. NB. Im Augenblick da ich dieß schreibe fallen mir Deine Schlittenfahrenden
Kinder mit ihrem rothen eidgenössischen Kreuz auf ihren Spielhosen ein. Dieß
kannst Du benutzen um gelegentlich die ersten Eindrücke z.B. hier sich als
Schweizer, als Eidgenossen zu schauen zu fühlen in ihrer Wichtigkeit zu
zeigen. Mir ist in dieser Beziehung Deine Mittheilung auch lieb. Du mein
lieber Langethal kannst daraus ersehen, daß wie so sehr gut es ist
daß unsere Fahne, wenn ich so sagen darf bey jedem Spiele den Eltern
zuruf[t:] "K. l. u. unsern Kindern leben."
Nun noch eine Bemerkung in Beziehung auf den Stand der Sachen in
Willisau.- Von Ferdinands darlegenden [sc.: darlegendem] Brief ist mir noch nichts
bekannt.- Roda's Ansicht und <M> Äußerungen muß ich ganz unter[-]
schreiben bis jetzt tröstet mich nur die Hoffnung daß es zu heterogene
Stoffe sind welche verbunden werden sollen, so daß die Sache nicht
zu Stande kommt, kommt sie aber zu Stande, so wird Ferdinand
von Tag zu Tag, ja von Stunde zu Stunde so halbirt daß in kurzer
Zeit nichts mehr von der Willisauer Erziehungsanstalt zu finden
seyn wird als als höchstens die leere Schule, der hohle Name.
Ich kann Dir darauf nur mit den Worten Astors, des
Ausführers einer großartigen Handels- und Colonisations Idee
jenseit[s] des Felsen[ge]birges, am Columbia, antworten: - (die Worte
sollen sich von mir auf die Zeit vor nun länger als einem Jahre
beziehen wo Middendorff noch in Willisau ware; auf die Zeit
wo Barop den Middendorff auf die Wichtigkeit eines Familienlebens
in Willisau aufmerksam machte; daß dieß durch falsche Behandlung
und linkisches Angreifen der Sache vereitelt wurde hat Willisau
den Todesstoß gegeben:). Astors Worte sind die: "Wäre ich an
"Ort und Stelle (nemlich zu Astoria an der Mündung des Columbia)
"ich machte würde sie alle zu Schanden machen; so wie die Sachen aber jetzt
"stehen, hängt alles von Ihnen und den Freunden ab, welche Sie bey
"sich haben. Unser Unternehmen ist groß und verdient einen glücklichen
"Erfolg und ich hoffe zu Gott es werde ihn finden. Hätte ich keine
"andere Absicht gehabt als Geld zu gewinnen, so würde ich "rettet
"was zu retten ist" gedacht haben und den Platz verlassen haben;
"aber schon der Gedanke daran trifft mein Herz wie ein Dolchstoß."
So spricht Astor (ein Deutscher aus der Gegend von Heidelberg) jetzt
wo er dieß sagt in New York lebend.
(:Dieß Buch mußt Du Dir zum Lesen aus einer Lesebibliothek kommen lassen es /
[167R]
heißt: - Astoria von Washington Irving. Aus dem
Englischen von Brinkmeier III Bde. Braunschweig 1837<.> bey
Meyer sen.- Es ist ein erhebendes Unterhalt[un]gsbuch für Euch
alle, es zeigt was der Mensch für eine Idee, einen Lebensgedan[-]
ken thun kann; es ist keineswegs ein Roman; es ist Thatsache
aber in schöner Form gegeben.
Nun nach Willisau zurück. Sieh mein theurer Langethal unter
uns gesagt die Schuld daß Willisau gefallen ist liegt in ihrer
Begründung in ihrem ersten Keime ganz an Ferdinand, welcher
gar nicht im Stande, oder zu unbeugsam schon durch seine halbe
Schulphilosophie zu verknöchert war den lebenvollen Grund[-]
gedanken meines Wirkens, ganz u lebensvoll in sich auf zu nehmen und
lebensvoll zu pflegen und außer sich darzustellen.
Hätte Ferdinand den Grundgedanken, wie Du jetzt in seiner Lebens[-]
fülle aufgenommen, <weder> würde Willisaus Erziehungsanstalt ein
Haar gekrümmt ist [sc.: werden]; wie tief das Bedürfniß einer Erziehungsanstalt
unserer [sc.: unseres] Geistes im L Canton Luzern gegründet ist geht daraus
hervor daß ohngeachtet Willisau eine Ruine ist, doch immer
noch ein Zögling <oben> in das Schloß kommt.
Was ich Dir nun schreiben wollte; allein ganz im stillsten Ver[-]
trauen für Dich und uns indem die Ausführung <-> vielleicht erst
nach Jahren möglich ist. Gestern fuhr es mir wie ein Blitz durch
den Kopf und wie ein wärmender Strahl fiel es in mein Herz.
Hört Willisau auf Erziehungsanstalt zu seyn; hören die Willisauer
auf meine, unsere Erziehungsanstalt dort zu pflegen was hindert es
uns diese zum zweyten Male zu verlegen?- Die Erziehungsanstalt
ist nach der ersten Authorisation eine selbstständig geborne
Idee, sie ist gleichsam ein Wesen eine Person geworden, welche
nur wandert oder mit dem <inneren> Ausdruck des Großenrathes
und des Regierungsrathes von Wartensee nach Willisau versetzt
würde; es ist in sich noch immer die Wartenseeer Anstalt. Hätte
ich also nur eingehende Menschen oder könnte ich hier los kommen gehörte
ich nicht der Pflege eines neuern größern Lebensgedanken[s], ich würde
sogleich, wie die Willisauer ihre drey Schulen einrichten, nach der
Schweiz, nach Luzern reisen und die Verlegung der Erziehungsanstalt
zu bewirken suche entweder nach Sursee oder nach <Keutreich>
oder nach <Büron> oder in das Thal des Baldecker Sees - diesen
Gedanken muß[t] Du nun als ein <Lebenswerk> auf das sorglichste
pflegen, wie einen <Weinsichter>, wie eine Erdbeerranke, welche
wenn auch der Hauptstock fault doch in einiger Entfernung dazu
wieder Wurzel schlägt. Du muß[t] in Dir festhalten, aus Dir muß
in allem was Du thust u sprichst hervorrufen: - "Stirbt auch Willis[-]
au - die Wartensee[r] Anstalt (die <-> menschlich-schweizerisch-luzern[-]
sche Anstalt[)] stirbt nicht, sie treibt weiter, sie wurzelt wie
das schöne Johannis<kraut> weiter[.] Mag dann Willisau seine Primär[-], Secundär[-]
und Tertiär[-]Anstalt behalte[n]. Diesen Gedanken mußt Du still aber ganz
bestimmt in Baumann in Weber rc, rc, rc pflegen wenn sie Dich besuchen.-
Du solltest einmal sehen den Abbé Girard zu besuchen. Pflege nur den Gedanken der Wichtigkeit einer Erziehungsanstalt in unserm Geiste im Luzernschen. Dein FrFr. /

[176V]
(Nachschrift am Rand)
Würde Ferdinand die Idee erfaßt haben, wie gewiß Roda thut so würde ich Willisau auch als einen Zweig der neuen Anstalt aufgenommen haben.
[165V]
(Nachschrift am Rand)
Noch eines.- Elise schreibt daß die Kinder sie so bedürften[.] Ist denn ihr Abgang für die Anstalt kein Verlust?- Vielleicht könnte sie bleiben da Middendorff und besonders Ferdinand kommt. Überlegt es doch erst ernst.-
Middendorff meinen Gruß.
D. u. E. Fr. Fr. /

[168]
[Adresse auf Umschlag:]
Herrn Heinrich Langethal,
Vorsteher der WaisenhausErziehungsanstalt
         zu
Burgdorf
Kanton Bern
         Schweiz,