Willisau am 25 April 1835.
Grüße Dich Gott lieber Langethal und Euch alle
insgesammt.
Gegen 9½ Uhr kam ich und Titus
verflossenen
Dienstag Mittwoch
glücklich hier in W. an.
Gleich bey meiner Ankunft gab mir
Ferdinand einen Brief aus K.- welchen ich Dir nachher
mittheilen
werde. Hier traf ich alles wohl an.- Am Donnerstag trat hier ein
junger 16
jähriger Mensch als Zögling ein Josef Haber der Sohn
des Wirthes zu Krienz. Französisch
und Deutsch sind seine
Hauptforderungen. Er lebte 1½ Jahr in Italien und spricht
italiänisch.
Langguth hat
bey seiner Anwesenheit in Willisau das Schloß nicht besucht. Von den
hier im
Hause wohnenden sind die Berner und Moritz zurück
gekehrt. Moritz geht am 1
n May
zu
Wechslers.
Heut Morgen 6 Uhr ist
Titus nach Keilhau abgereist. Karl begleitet ihn bis
Münster [sc.: Beromünster]. Titus
reist über Zürich, Constanz,
Stuttgard, Nürnberg, Bayreuth, Veilsdorf Königse[e]. Ich habe ihm
Briefe an seinen Vater, seinen Bruder Johannes, an die Keilhauer
Anstalt einige Zeilen, Ferdin:
an Barop einen Brief mitgegeben.
Ich [gab] ihm weil er es wünschte von der Anstalt aus ein
Zeugniß als Elementarlehrer und 36 Schwzrfrk. Reisegeld. Ich
wollte es ihm nicht zu knapp zu zählen.
In 15 Tagen - also
ohngefähr heute über 14 Tagen denkt er in K. zu seyn.-
Im
Berner Beobachter vom 23' Apr. steht unter dem Artikel
Bern folgendes: - ["]Die aus
den bedeu-
tenden Mitteln des christlichen Volksbildungsvereines
zu Bättwyl bei Burgdorf nach Wehrlischer Art errichte-
te
Armenerziehungsanstalt, der die Regierung in einem ehemaligen
Zöglinge der Wehrli-Schule einen tüchtigen
Vorsteher gegeben
hat, wird sich, wie man aus Burgdorf meldet, bald ohne fernere
Zuschüsse, aus eigenen Mit-
teln zu erhalten im Stande seyn. Ein
ermunternder Thatumstand für ähnliche Anstalten in andern Gegenden
des Cantons.["]
Fällt Dir dabey l. L. nicht gar Manches
auf?- z.B. die
Regierung hat und zwar einen
Vorsteher gegeben. Auch daß
man gleich
im ersten Ausschreiben das Führen der Anstalt nach
Wehrli
forderte und nun einen Zögling aus der
Wehrli-Schule anstellt.
Mir ist es als wäre das Ausschreiben für den Anzustellenden gemacht
worden. Noch
ist in dieser Notiz merkwürdig daß die Anstalt,
welche factisch noch gar nicht ins Leben getreten ist, - schon bald
ohne fernere Zuschüsse sich aus ihren eigenen (?) Mitteln zu
erhalten im Stande seyn soll rc. Ich freue mich immer
mehr daß
wir uns aus dieser Sache so früh und so still zurück gezogen haben.
Aus dieser Anzeige kann ich
mir nun auch H. M. Rede und die
Unzufriedenheit in B[ur]gd[o]rf über Bern in dieser Sache
erklären.
Du Langethal wirst nach alle diesen auf die Führung
des Waisenhauses in B.- die größte Sorgfalt wenden[.]
Folgendes ist der aus Keilhau eingegangene Brief. Keilh. d
15 Apr 1835. "Unsern Gruß zuvor"
"Am Montage erhielt ich Deinen Brief. An demselben Tage ist H.
Lzm: [sc.: Leitzmann] von hier
fort.- Auch hier ist die Zeit der äußern
"Auflösung und der
innern Reinigung und Einigung. Da ich nicht weiß, wie diese
Erscheinungen auf die Entwickelung unseres Lebens
"einwirken, so
theile ich sie Dir gleich mit. Wie wunderbar die Vorsehung das
Verhältniß mit Lzm. gelöst hat, ist Dir
"von Middend: schon
geschrieben. Wir fühlen uns alle durch diese Lösung sehr erleichtert.
Wie ich vor einiger Zeit
"Hedwigs fortdauernd schwankenden und
trüben Zustand sahe, fragte ich sie nach ihren Wünschen in Beziehung
auf die Zukunft
"und forderte sie auf, da sie nach Hause
verlangte, ihrer Mutter sich ganz offen auszusprechen. Dieß
veranlaßte sie zu der
"Meinung, wir hätten von den Eltern einen
Brief erhalten und ich hätte ihr in Folge desselben die Wahl gelassen
zu bleiben
"oder zu gehen. Und sie hatte das letztere gewählt
und es He. Lzm., der diesen Wunsch besonders bey ihr genährt hatte
"als ganz bestimmt mitgetheilt, dieß war wohl der Hauptgrund ihn
zu bestimmen, jetzt schon auszutreten. Er gab vor,
"da seine
Classe sich auflöse und seine Wirksamkeit darin überhaupt zu gering
sey, so wolle er seine Thätigkeit auf
"wissenschaftl[iche]
Studien richten, zu denen er jetzt wieder so stark hingezogen werde.
Wir zweifelten nicht daran und so schieden
"wir in Frieden.- Wie
einzeln er das Leben aufgefaßt u. wie er von dem eigentlichen Wesen
unseres Lebens gar
"keine Ahnung hatte, trat ja zuletzt daraus
hervor, daß er seine Wirksamkeit in unserm Kreise nur in der Wirkung
"auf die paar Zöglinge seiner Classe finden wollte. Es wäre
freylich gut gewesen, wenn sie sich nicht weiter erstreckt hätte
"hätte [2x], wohl oft nach allgemeinen und an sich wahren Ideen,
aber so als wenn im Mährchen zu Zeiten ein halber Mensch
"zum
Schornstein herein fällt.- Seine Einwirkung war vernichtend [{]für /
in[}] Allem. Wie sich dieß bey Hedwig zeigte, so auch bey
"Felix, der von ihm, - nachdem er ihm sein Vertrauen zu uns und
zu seiner Mutter vernichtet hatte und er dann auch von Lzm.
"zurückgestoßen war, - zu einer Grenze geführt wurde, die dem
Joh. Schmidt wohl nur zu
verstehen möglich ist.-
"Mit Hedwig habe ich nach Lzms
Fortgang eine Reinigung vorgenommen und mit glühenden Zangen den Wurm
ge-
"packt und heraus gezogen und an den klarsten gestandenen
Thatsachen ersehen, daß Lzm: Einwirken auf Hedwig /
[9R]
"in solchem Grade verkehrt und
sinnlich gewesen ist, daß ich es gar nicht
ausprechen mag. Wie rechtfertigt sich das Urtheil
"der Frauen
über ihn. Wir können der Vorsehung nur danken für ihren Schutz an
diesem Abgrunde. Bey der Untersuch-
"ung mit Hedwig ergab sich
mir, daß ihre Schwäche Wankelmuth pp den sie immer gezeigt in
frühzeitiger Störung des
"weiblichen Gemüthes und Unschuld
gegründet ist. Alle Keime so wohl der guten als verkehrten Richtungen
wollen
"ihren Kreislauf vollenden, wenn sie dem Menschen zum
Heil werden sollen. Denn nur so wird der Mensch sich ihrer
"und
ihres Verhältnisses zu sich recht bewußt. Und so ist Hedwigs Heilung
wohl möglich. Aber es ist merkwürdig
"daß uns die Vorsehung
immer deutlicher die ersten Anfangspunkte der verschiedenen
Entwickelungen erkennen läßt.
"Weiß man diese nicht und kann sie
nicht fördern in dem einen Fall, oder zertheilen oder aufheben im
andern, so kann
"man das Übel wohl mindern aber nicht
vernichten, das zeigt jedes Geschwür und jeder Leichtdorn.--
"Am Palmsonntage erhielt Triest eine Vorladung von dem
Criminalgericht nach Stettin zum 9
en May, wegen
"burschenschaftlichen
Untersuchungen, wenn er nicht wolle durch Polizei geholt seyn. Er hat
darum nachgesucht, schriftlich die
"ihm vorgelegten Fragen
beantworten zu dürfen. Er findet sich immer inniger mit uns zusammen
und fühlt sich immer glücklicher
"in unserm Kreise. Er ist eine
wahre und offene, wenn auch gelehrte Natur. Allein
ist jetzt ist sein Geschick nicht
mehr in seiner
"Hand."- In diesem Chaos der neuen Gestaltung
zeigen sich uns äußere Anknüpfungspunkte: Bernart (oder
"wie
sonst der Mann heißen mag) aus Dortmund, ein Präceptor durch He.
Pfarrer Korn für die Musik und
ein Philo-
"loge. Doch ist von keinem noch die Antwort oder
Bestimmtheit da."
"
Lzmann
hat seinen Plan nach der Schweiz, wohin er Italiens Nähe wegen
wollte, aufgegeben.
"
Dr. Hollmann war in Jena in Verruf, als er
fortgieng. Wie haben sich gegen uns die Hülfssuchenden
"betragen?-" Ich muß schließen. Unser aller Gruß zu Deinem
Lebensfeste. Wir sind alle wohl und die
"zarten Lebenskeime
wachsen in Kraft, Muth und Einheit. Dein
JBp.
"Sind doch die Gesetze des Lebens und der Schutz den uns die
Vorsehung
"sichtbar macht, auch Gaben, sonst würde es mir
doppelt unange-
"nehm seyn diesen Brief und nur diesen jetzt
schreiben zu können.
"Diesen Abend beginnen unsere
Ferien."
So weit Barops
Brief und somit die jüngsten Mittheilungen aus K.
Jüngst
las ich folgenden Ausspruch
de la
Mennais: - "Hat man Vertrauen auf die gute
Sache; dann
überwindet sie immer und der rettet sich, der bis
ans Ende beharrt."
In dem Berner Schweizerischen Beobachter No 49 lese ich so eben: - "Gewalt und
Noth gebieten Eintracht.
"Gutmütigkeit, Eitelkeit und Schwäche predigen sie. Eintracht zu stiften, Friede zu
schaffen, vermögen
"nur große, ewige Wahrheiten und Ideen, wie
wir am Christenthum und am Ursprung der Bildung und
"Erhaltung
aller Nationen sehen".- (:Diese beyden Aussprüche sind wohl auch
besonders für uns ge-
schrieben.[:)]
In einer der jüngsten
No des Berner Volksfreundes steht ohngefähr:
["]Wie man in Burgdorf erwartete,
"so werde dieses
Jahr daselbst wieder ein Schullehrer Wiederholungscurs jedoch in
größerer Ausdehnung
"als und
länger als der vorige jährige in dem daselbst dazu eingerichteten
Schlosse gehalten werden."
Unsere Schullehrerzöglinge hier
aber meinen es würden sich wenige Schullehrer dazu einschreiben
lassen
weil sie sämtlich mit der Bestimmung des neuen
Schulgesetzes höchst unzufrieden seyen.- Du kannst L[an]gethal
diese Meinung und Äußerung gelegentlich immer z.B. gegen H. M.
oder dem Pr. H. S. im Allgemeinen aus-
sprechen.
Ich bin
in mir wegen meiner Theilnahme daran, wenn sie nach der Äußerung des
H. M. gegen Dich u mich ge[-]
wünscht werden sollte, noch
keinesweges entschiede[n].- Ohne alle äußeren Rücksichten wünsche und
strebe
ich, von nun an nun meine Kräfte auf die wirksamste und
angemessendste genug auf die beste Weise
zur endlichen
Zielerreichung einer klaren und sichern MenschheitsErziehung an zu
wenden. In Einklang und Einigung
mit den allgemeinen
Weltentwickelungsgesetzen den sichersten, den richtigsten Weg dazu zu
betreten, die wahr-
sten Mittel dazu zu ergreifen, das ist das
erste Ziel all meines Str nächsten
Streben[s] nichts anders
kümmert mich als daß ich mich bewahren
möchte meine Kraft nicht falsch anzuwenden, nicht zu zersplittern
noch weniger zu vergeuden. Wie die Bäume im jetzigen Frühling
möchte ich alle meine Kräfte u Säfte nur
zu einem Ziele
verbrauchen: Menschheitsblüthen und Früchten.-
Ich habe dir
nun zunächst nichts mehr zu schreiben als grüße auf das herzlichste
meine Frau und die Deine und
die lieben Kinder. Meiner Frau sage
daß Kunigunde hier nichts von einer Kaffeetrommel wissen wolle.
Nie sey ihr während ihren Hierseyn[s] eine zu Gesicht gekommen;
sie könne sich auch keinen Platz denken wo sie etwa zu
finden
seyn möchte. Auch Euern beiden Lys sagt meinen Gruß dem Ä-ely und dem
Bä-ely.
Lebet recht wohl Dein und
Euer
Friedrich
Fröbel
Weißt Du Langethal daß wir beyde vergessen haben
uns von Burgdorf
Erbsen für den hiesigen
Garten zu besorgen?
Sturms Betrachtung auf alle
Tage im Jahre, welche mit nach Burgdorf genommen worden sind gehören
dem
Frankenberg zu eigen, Du mußt sie also ja
wieder mitbringen wenn Du zum Examen kommst.