Willisau am 28en März 1835.
*
Ich bitte Euch diese
Zeilen zuerst zu lesen u. zu beachten.
1. Wir
danken Dir Middendorff für Deinen Brief vom
21 d. M.
wir haben ihn heute Vormittags
erhalten, und uns der glück-
lichen Ankunft
Gascard's gar sehr
erfreut, so wie besonders
daß er auch Euch mit
einem Wohlwollen und Zutrauen er-
weckenden
Eindrucke Euch entgegen getreten ist.-
2. Auch hier hat sich
nun das Wichtigste, wie Ihr aus dem Einla-
dungsbriefe an Euch ersehet - klar entwickelt. Am 13en
künftigen M. gehet meine
Frau und Langethals am 25en
May gehe ich nach Burgdorf.
Wie es scheint kommt man uns
dort mit
Vertrauen entgegen. Genug dieß Wandelstern
Jahr wird
auch für uns ein entscheidendes Jahr werden.
3., Seyd nun so
gut uns, wenn es möglich ist mit umgehen[-]
der Post zu schreiben: Wenn [sc.: Wann] nun Elise und
Middendorff
mit Bestimmtheit von Keilhau
abreisen kann und wird;
dann welchen Weg ihr
[sc.: Ihr] zu nehmen gedenkt und wann Ihr
glaubt daß sie dann hier eintreffen können.
4. Middendorff
oder Elise sollen von Tübingen aus eine
Zeile
schreiben, damit wir wegen Middendorff
nicht ohne Noth in Sorgen.
5. Ich glaube daß Middendorffen
diese Reise, wenn er sie mit Sorge
macht,
wohlthätig seyn wird; so wie besonders auch daß
zur
gemeinsamen gesunden Förderung unseres
Lebens wieder
einmal ein persönliches sich
Besprechen höchst nöthig ist.
Wäre ich nicht
so sehr gebunden ich wäre aus dieser Rücksicht
schon
längst zu Euch geflogen.
6.
Dein Schmerz l. Middendorff wegen nicht
herzustellender Einheit
ist auch der
meine in Beziehung auf hier. Bey nun
gleichen Lebens-
erfahrungen werdet Ihr auch
mein Leben in seinen Äußerungen
und
Erscheinungen verstehen. Auch
hier
findet jetzt dasselbe statt
was bei Euch in
Keilhau statt findet. Es giehrt einmal alles
durch
einander, wie der Wein im Keller giehrt,
wenn der Weinstock
im Berge blühet.- Für
Karl Cl. wird Ms Erscheinen gut
seyn.- /
[1R]
Ich wünschte daß Middend. in Beziehung
auf Karl Cl. mit einer Art
Vollmacht für
ihn für Karln hierher käme um dessen
Lebenspläne
mit ihm gemeinsam im Sinne der
Frau v. Ahlefeld zu
besprechen.
7. Wenn [sc.: Wann] denkt Ihr nun daß
Johannes Pfeiffer mit
Bestimmtheit
von Keilhau abreisen kann;
beantwortet mir ja diesen Punkt
klar und
genau.
Titus besorgt jetzt hier
schon seinen Paß, wel-
ches mit großer
Weitläuftigkeit verbunden ist[.] - Zwischen 3
und 4 Wochen gedenkt Titus von hier abzureisen; doch
halte
ich einen längeren Aufenthalt {für /
von} ihn in Keilhau fürs Keilhauer
Jugendleben
nicht gerade gut. Doch will ich darüber nicht
ent-
scheiden.
Ferdinand und Titus sind hier harte Oppositionen,
beson-
ders findet sich im Frd. eine starke
Entgegnung gegen Titus ganzes Seyn.
Titus
reiset, wie mich
Frankenberg
bestimmt versichert, mit dem Wunsche
und
Vorsatz von hier ab, in unsern Kreis zurück zukehren. Von
seinen
gesammten Verhältnissen aus halte ich
es schwer. Was Willisau
betrifft würde das
Erwähnte Hinderniß seyn. Die Burgdorfer rc
Verhältnisse sind noch unentwickelt. So bliebe nur Keilhau
zu
nächst. Schreibt mir wie Ihr darüber denket
und wie Johannes.-
8., Meine Sehnsucht und die Deinige
Middendorff zu innigen [sc.: innigem] sowie in
ner[n] als äußerlichen einigen Lebensverkehr - welche sich glaube
ich
auch noch in andern Gliedern unserer
Gemeinsamheit ausspricht ist
auf das tiefste
begründet. Zu einer gesammten äußeren
Einigung
sehe ich nun aber jetzt gar kein
Mittel; darum muß uns die immer
größere
innere Einigung des Ganzen über Alles
wichtig seyn und dazu
müssen wir wenigstens
mit größter Sorgfalt die wenn auch nur
temporelle äußere persönliche Einigung Einzelner benutzen.
9.
Leizmann hat an
Langethal geschrieben. Er wird
zunächst bey Euch bis
Michaelis bleiben; dann
wünscht er in der Schweiz im Allgemeinen aber
ganz besonders in unserm Kreise eine Wirksamkeit, seine
Forderungen
sind billig. Langethal hat ihm
geschrieben wie es in dem Augenblick steht
und
ihn aufgefordert ruhig die Entwickelung abzuwarten.
Von
Triest schreibt er, daß dieser sein Leben
mit dem
Eurigen einigen wolle u werde.
10. Die Nachricht der Gesundheit Aller besonders Emiliens mit
ihrem
Engelskinde hat uns alle sehr
beglückt. Allen die herzinnigsten
Grüße
von Allen und besonders von Euerm FriedrichFröbel /
[2]
In der Beylage zum Berner Volksfreunde No 22. S. 176 und 177 findet
sich folgender
Aufsatz.
** 8 März. Es ist letzthin vor dem
Großen Rathe gesagt worden: "Wenn
"auch ein Engel vom Himmel käme
- in Münchenbuchsee würden
"wir
nie
einen guten Seminardirektor bekommen." Der Redner
wollte
wahrscheinlich von der Stellung des Directors zum
berühmten Stifter
(:So wird nämlich jetzt stets
Fellenberg bezeichnet:) - reden;
er vergaß aber
daß bey Erwählung des jetzigen Direktors die
Stellung des Stifters
nicht gebührend beachtet worden war, woran
damals mehr die Um-
stände als Parthei
sichtabsichten schuld gewesen seyn mögen
(:Fellenberg war
nämlich dortmals Mitglied des Erziehungsrathes,
wurde
aber bey Besetzung der Direktorsstelle nicht um seine
Stimme befragt:)
wie das aber gekommen ist weiß ich nicht:).-
Jene Formenumgeh-
ung gab dem Stifter wirklich eine gerechte
Ursache zum Zürnen
an die Hand. Dieß und a. m. trieb aber doch
eine allzugroße
Hitze in sein Haupt, und diese versengte
ihn nicht wenig den
Lorbeer-
kranz seines sonstigen Verdienstes. Das ist gar sehr,
gar sehr zu
bedauern, so wohl für ihn, als das Vaterland. Man
erwartet
nun mit Zuversicht, daß bey der zweyten Direktorwahl
keine
Formwidrigkeiten statt finden werden.- (:Weil nämlich
Fellen-
berg die Landammamesstelle annahm mußte er aus dem
Erziehungs[-]
rathe austreten; und somit kann natürlich bey einer
zweyten Wahl
sein Votum nicht umgangen werden:) - Dann aber darf
das
Publikum mit
aller Gerechtigkeit
vom Stifter fordern, daß
er (nach seiner oft ausgesprochenen
Lieben [sc.: Liebe] des Menschenwohles)
die Seminaranstalt
ungestört leben und gedeyhen lasse. Ja
wir wünschen aufrichtig
und herzlich, daß dann sein Lorbeer-
kranz frisch grünen möge;
das darf
vox populi, vox Dei von ihm fordern.
Aus des Stifters Munde hat der Gr: Re. vernommen, daß
keiner
der Geistlichen, die voriges Jahr Wiederholungscurse
hielten, fähig sey
dem Seminar vorzustehen. Dieselbe Meinung
waltet auch in
No 10 und 11 des
Mittheilungsblattes vor. Nicht daß ich glaube der
Stifter
selbst habe dieses verfaßt - ein Herr kann
manche Diener
haben die auf einen Wink in seinem Interesse
arbeiten....... /
[2R]
Genug! Es geht aus des Stifters
Munde und Mittheilungsblättern hervor
daß nur
Hofwyl etwas Tüchtiges, ja das wahre Heil
für die Volks-
bildung darbringen könne. Es ist hier nicht der
Ort, pädagogische
Grundsätze zu erörtern. Nur so viel:
l'esprit d'une institu-
tion n'est pas d'enseigner l'enfant
beaucoup de chose mais
de ne laisser jamais entrer dans son
cerveau que des
idées justes &
claires (J. J. Rousseau traité de l'educa-
tion
[sc.: éducation]. I.III. Ob dieses in Hofwyl mit so vielen
Lehrgegenst[än]den
binnen so kurzer Zeit möglich gewesen? Ob da
wohl von den
analytischen und synthetischen Lehrarten, je nach
dem Alter
des Kindes, des Lehrgegenstandes rc etwas gesagt
ward?-
Ob auch etwas über das Verhältniß und den innern
Zusammenhang
der Lehrgegenstände rc gelehrt wurde?-
Was
nun Herrn Pfarrer Lutz zu Därstätten betrifft, so erwarte,
ich
noch andere Beweise seiner Untauglichkeit, als die im
Volksfreunde
und Mittheilungsblatte gegebenen, die weit entfernt
vollgültig
zu seyn, vielmehr ein sonderbares unächtes Gepräge
tragen.
Ich rechne mich zwar zu des Angefochtenen Freunden, aber
in
solchen wichtigen, vaterländischen Angelegenheiten rede ich
nicht
dem Freunde, sondern der Gerechtigkeit das Wort.
Daß mir die
Redaction des Mittheilungblattes vorwirft "ich
"wolle die Quelle
vergiften, woraus die Gaben für die Kinder-
"welt flossen" - das
ist wundersam zu hören! Ich kann über diesen
Vorwurf nur - "die
Achsel zucken" - und lächeln. Es stände
mir nun frey, die an mir
gerühmte Kunst zu bewähren,
indem ich nämlich den Schlüssel zu
solchen Beschuldigungen dem
Publikum in die Hände gäbe.- Ein
klein wenig gesunde
Logik könnte das leicht thun. You shall have
as Good as You bring
Gamaliel."
-- * --
Hieraus geht klar hervor wie es
eigentlich zwey Partheien sind welche sich um die
Leitung des Berner volksschulwesens, und so um
den entscheidenden Einfluß bey
Wiederbesetzung der Direktorstelle
in Münchenbuchsee streiten: -
die
Geistlichkeitdes Kantons und dann
Fellenberg, und wie es
scheint wird erstere den Sieg davon
tragen.
Pfarrer Lutz wird dem Anschein nach
Seminariendirektor werden.