Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 14.1./17.1./18.1./19.1./21.1./24.1.1835 (Willisau)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 14.1./17.1./18.1./19.1./21.1./24.1.1835 (Willisau)
(KN 50,5 u. 50,6 u. 50,7; Brieforiginal 4 Bl 8° 8 S.+1 B 8°4 S.+1 Bl 8°2 S., insges.14 S., zit. Halfter 1931, 730.- Der Brief wird in KN und Briefliste [Nachtrag 1835: angeblich Fragment, Nr. 623: angeblich Fragment u. Nr. 625: angeblich vollständiges Original] irrig als drei Einzelbriefe geführt; es handelt sich aber eindeutig um einen vierzehnseitigen Brief, der zunächst auf zwei Bögen (jetzt zu vier Blättern getrennt), dann einem Bogen und noch einem Blatt geschrieben wurde. - Rekonstruktion der Briefabfassung:
- F. beschreibt zunächst am 14.1./17.1. die 2 Bögen (jetzt 4 Blätter) / 8 Seiten in KN 50,5.
- Dort gibt es keinen Briefabschluß und der Bogen KN 50,6 vom 18.1./19.1. ist ohne Briefanfang, also alles zusammengehörend.
- Die "3" links oben auf KN 50,6, Bl 1 und der Textanfang dort zeigen, daß die jetzigen 4 Blätter in KN 50,5 ursprünglich 2 Bogen waren.
- F. beschreibt am 18.1./19.1. KN 50,6, Bl 1-2 einschließlich der Randbemerkung auf 2R/2V.
- Dann ist hier der Abschluß des Briefs angestrebt. Darauf weisen hin: die Schlußformel "Geschrieben am [...]" und der nochmalige Bezug auf die "3 Blätter" (F. bezeichnet Bögen oft als "Blätter", ein "Blatt" ist dann immer eine Papiereinheit) im letzten Absatz von KN 50,6, Bl 2R.
- Am 21.1. (lt. KN 50,7, 1R) geht die "Eidgenosse"-Ausgabe v. 19.1. ein, F. läßt (wohl von Ferdinand Fröbel) einen Artikel abschreiben und ergänzt KN 50,7, 1V mit Zitaten.
- Dann schreibt F. am selben Tag (Mittwoch, 21.1.) noch einen eigenen Text auf KN 50,7, 1R.
- Es folgen Gruß von Wilhelmine Fröbel mit Unterschrift, Grußformel F. und Nachbemerkung F., alles noch vom 21.1.; an diesem Tag sollte der Brief zur Post, wie die Nachbemerkung zu erkennen gibt.
- Wegen Postverzögerung wird der Brief aber erst am 24.1. abgeschickt, so die nochmalige Nachbemerkung vom 24.1. auf 50,7, 1R.
- Am 21.1. (Datum der 1. Nachbemerkung) oder am 24.1. (Datum der 2. Nachbemerkung) greift F. noch einmal auf den Bogen KN 50,6 zurück und schreibt auf den Rändern von 1VR eine Randbemerkung, die die Abschrift aus dem Eidgenossen auf KN 50,7 voraussetzt, also frühestens am 21.1. geschrieben sein kann. -
Der nächste Brief (KN 50,8) an Barop ist vom 24.1.1835, zeigt aber keinen Zusammenhang mehr zu dem langen Brief v. 14.1.-24.1.1835. Es handelt sich also nicht um einen Beibrief; er wurde offenbar nach der endgültigen Absendung des langen Briefs am 24.1. abgefaßt. Allenfalls handelt es sich um den Auftakt einer neuen größeren Briefsendung.)

[1]
(KN 50,5, Bl 1)
Willisau am 14en Tage im Monat des Doppelblickes 1835.·.


       Gott zum Gruß lieber Barop.

J. P. (Friedrich Richter) läßt seinen Quintus Fixlein sagen, daß er
sich jederzeit des kürzesten Tages freue denn mit ihm begönnen schon die
Tage zu langen, das Längerwerden des Tages begleite aber sogleich das Kommen
des Frühlings, und so beginne[n] mit dem kürzesten Tage schon die Freuden des
Frühlings. Diesem nach sind wir nun schon Mitten im Beginne des Frühlings,
welcher Frost und Reif uns doch auch umgeben mag.
Es liegt wirklich ein eigenes Zusammentreffen darin daß man den Erinnerungs-
tag des ungläubigen Thomas gerad auf den kürzesten Tag verlegt oder das [sc.: daß]
man dem kürzesten Tag gerad den Namen dieses Jüngers Jesu gegeben hat.
Mir will es als eine witzige, humoristische Äußerung der Calendermacher
erscheinen und so gleichsam durch den kürzesten Tag die Ungläubigkeit zu parodiren
oder die Ungläubigkeit des Thomas in ihrer Nichtigkeit zu zeigen. Vom
Johannistage an (ich will bloß bemerken wie Thomas und Johannes sich im Charak-
ter entgegenstehen, so stehen sich auch die Zeiten ihrer Erinnerungstage rein entgegen[)].
Am St. Johannes (des Predigers Tag?) steht die Sonne im Zenith, wie zur Zeit Jesu
dem er Johannes den Weg bahnte, auch das Menschheitslebenssonne am höchsten
stand:)[.]- Vom Johannistage an verkürzen sich immer und immer und immer die
Tage, so daß man meint die Verkürzung müsse nothwendig in eine Ver-
nicht[un]g endigen, und der Unerfahrene mag fast nicht mehr an ein Wieder-
erwachen der Natur, an ein wieder Verlängern der Tage glauben gleich
dem Thomas welcher auch nicht an das Erstandensein des Herrn glauben will.
Aber die Sonne steigt wieder, die Tage verlängern sich und strafen so den
Zweifler, wie Jesus vor den Thomas tritt und ihn thatsächlich belehrt.
Also selbst die Namenordnung in unsern Calender ist nicht unfruchtbar
zur Lebenserhebung. Möchte so auch das was ich sagte in vielfacher
Hinsicht sinnbildlich für das was ich zu sagen habe, für unser jetziges Leben seyn.
A Darum nun der Zweifel ist besiegt, der Unglaube überwunden, die Sonne
steigt, der Frühling kommt neues Leben beginnt trotz das Reif und Frost, Eis und
Schnee noch um uns zu herrschen scheint. Aber - was bringt die Sonne
in ihrem Steigen? - was ist der Frühling in seinem Leben?- Die Sonne
in ihrem Steigen bringt Kampf - der Frühling in seinem Leben ist Kampf
ja je mehr sich dieser Kampf im freyen Leben kund thut um so mehr
erscheint er fast als Krieg. Also höher steigen der Sonne, Beginn
neues Lebens unzertrennlich von Kampf und Krieg. Sollte man so
gut wie vorwärts, nicht auch rückwärts von Kampf und Krieg auf
steigende Sonne und neues Leben schließen können, ja - schließen müssen?
Ja Barop! Der Kampf und Krieg innerhalb meines Lebens und Wirkens hat von
neuem begonnen; sollte es ein Zeichen seyn daß auch die Sonne meines Lebens
und Wirkens von neuem steige; sollte es ein Zeichen seyn, daß sich von neuem
ein höherer Frühling meines Lebens, meines Wirkens nahe?- ?- ?-
Der Kampf hat - ohne mein Wissen, d.h. die Aufforderung dazu hat ohne mein
und unser Wissen um die Zeit des ungläubigen Thomas begonnen; der Zweck
dessen, was Aufforderung zum Kampfe ist, ist das Volk zu einem ungläubigen
Thomas zu machen, ja die schon zu glauben Begonnenen zurück zu führen
zum Unglauben; sollte dieß vielleicht für uns und für die Sache selbst be-
deutungsvoll seyn, daß auch endlich in unserer menschheitlichen Angelegenheit
der Unglaube sich zum Glauben erheben werde?- ?- ? Vielfach bedeu-
tungsvoll ist dieß Zusammentreffen verschiedenartiger Erscheinungen; möchte
sich dieser Sinn nun auch wirklich in der Entwickelung des Ganzen kund thun.
Fellenberg hat also wie ich Dir und Euch im letzteren Briefe schrieb den
Fehdehandschuh hingeworfen. Langethal, wie ich Dir schon aussprach, ruhig
über die Darstellung in sich und außer sich, hat aus nicht herbeygeführtem
inneren Drang mit Ruhe (:wie der Ritter im Handschuh v. Schiller, welchen
er zufällig auch jetzt zum öftern singt und spielt) - den Handschuh aufgehoben. /
[1R]
Ferdinand zuerst, welchen ich zur Prüfung aufforderte und dann Franken-
berg
theilten Langethals Ansicht und - darf ich sagen Entrüstung?- Genug
Langethal las ihnen seine Entgegnung vor und sie stimmten nicht nur
derselben bey, sondern sie trugen noch zur Vervollständigung derselben bey[.]
Ja, Ferdinand wollte sogar auf seine eigene Hand auftreten und besonders
nachweisen daß dieses nur eine elende Wiederholung eines schon mehrmals
dagewesenen Spieles sey und daß das Ende davon gleich dem früheren
feige Zurückziehung seyn würde. Ich hielt mich bey diesen Verhandlungen
aus tiefbegründeten Ursachen ganz aus dem Spiel. Langethal fand jedoch
Ferdinands Aufsatz wenigstens jetzt noch nicht an der Zeit, indem er nur
noch mehr aufreizen und sammt [sc.: samt] der neuen auch die alten Gegner mit
mit einem < ? > einem Male in die Schranken rufen könne, und so unterblieb seine
Veröffentlichung zunächst. Jedoch Langethals Aufsatz wurde ausgebildeter
sogleich 2mal abgeschrieben einmal für den Berner Volksfreund (heraus-
kommend in Burgdorf) dann für den Schweizerischen Beobachter, herauskom-
mend in Bern. Und Langethal machte sich sogleich Mondtags früh auf um
den Abdruck in Burgdorf selbst zu besprechen.- Auf dem Wege dahin,
so sagt er mir bey seiner Rückkehr, ist ihm mehreres noch in Seele gekommen,
so daß er fast noch 2 halbe Tage in Burgdorf an dem Aufsatz gearbeitet
hat, welcher nun zunächst in dem Volksfreund Ende dieser Woche, und
wie er erwartet - auch in dem Schweizerischen Beobachter abgedruckt
erscheinen wird.-
Noch habe ich weder Fellenbergs Aufsatz noch Langethals Entgegnung gelesen.
Wie ich schon aussprach, mag ich mich nicht gern in Mistjauche baden - und
solcher Art soll Fellenbergs Aufsatz - von einigen Doctorn der Philosoph[i]e
Dr. Gerster Dr May u Dr. und Dr. Lauter ehrenwerthen Landsleuten mit
geschmiedet - seyn. Langethals Aufsatz mag ich nicht eher lesen, bis ich auch
weiß daß er ins Leben schon wirkend eingegriffen hat.- Auch eine
Beurtheilung meiner Erziehungslehre - die wie Ihr wißt von so vielen
gewünscht würde - ist aus gleicher Fabrick erschienen. Niemand
hat sie noch von uns bekommen, denn sie war noch nicht aufzutreiben nur
den Geist, die Sprache und das Ziel derselben kennen wir im Allgemeinen.
So stehen die Sachen. Leider habe ich mich bey dieser Einleitung länger aufge-
halten als ich wollte.
Es ist mir, als wenn mich bisher alles zu diesem neuen Kriege und Kampfe
vorbereitet hatte, und so mögen auch hier als Einleitung in die künftigen Krieges
Nachrichten eine Reihe von Gedanken und Aussprüchen stehen, die ich mir
während meinem Studium der Deutschen Sprache als Denksteine des
Jahresschlusses 1834 niederschrieb.
1., Alle Wahrheit liebende Völker und Zeiten waren freye[.] Jean Paul.
2. Gott ist wo die Blume ist[.] Klopstock. (Also ist Gott auch da, wo für die Erkennt-
     niß des Wesens der Blume gewirkt wird; wo der Mensch dazu erhoben wird)
3. Wenn die Glocke soll auferstehen muß die Form in Stücken gehen. Schiller
4. Wo rohe Kräfte sinnlos walten da kann sich kein Gebild gestalten[.] (Schiller)
5. Der Meister kann die Form zerbrechen. Schiller
6 Wer etwas Großes leisten will, muß tief eindringen, scharf unterscheiden,
     vielseitig verbinden und standhaft beharren. Schiller.
7., Ein edler Held ist's, der für sein Vaterland, ein edlerer, der für des Landes
     Wohl, der edelste der für die Menschheit kämpft. Herder.
8. Ein rechter Schütze hilft sich selbst. Sch.- 9. Jeder zählt nur sicher auf sich selbst[.] Schiller
10. Die Menschen kennen einander nicht. Göthe (:drum muß man ihnen Gelegenheit
     geben daß sie an und durch einen allgemeinen einfachen Grundgedanken sich selbst
     und untereinander erkennen. Sie müssen sich im Spiegel einer großen allgemein
     gültigen Handlung sehen:)-
11. Laßt uns das Unsrige mit eigenen Augen übersehen und uns nicht auf andere
     verlassen. Jean Paul. 12. Das Glück hilft denen die sich selbst helfen. J.P.
13. Der große Haufe[n] durchblickt nicht die Magie, vermittelst welcher die Kunst
     ihre Macht über ihn ausübt. Schiller (:Erziehung muß nothwendig Kunst werden
     Nur die Erziehungskunst führt die Menschheit zum Ziele. Fühlen muß der große /
[2]
Haufe[n] diese Magie auch der ErziehungsKunst; ahnen muß er, daß wenn er
die Sache dieser unser Bestreben sinken läßt, er die Sache der freyen
Menschenentwickelung, die Freyheit des und der Menschen sinken läßt.
Darum wie die Kunst zugleich auf Verstand, Gemüth und Leben wirkt, so
muß unser Erziehungskampf zugleich ein Verstandes- - Gemüths- -
und Lebenskampf rc. werden.:)
14. Ein großer Mann braucht überall viel Boden. Lessing (:Und mehr ein
     großer Gedanke, eine große Idee:)
15. Das Element worum edle Seelen leben ist die Wahrheit. Engel.
     (:Will man darum edle Seelen gewinnen, stelle man die Wahrheit wahr dar.[:)]
16. Jedes der Menschheit erwiesene Unrecht rächet, aufs Fürchterlichste sich selbst.
      Herder. (:Also auch das Vorenthalten der Wahrheit.[)]
17. Der alte Urstand der Menschen kehret wieder, wo Mensch den Menschen gegen
     über steht. Schiller. 18 Der Mensch verkümmert in Frieden. Schiller.
     [(]d.h. in äußerer und innerer anstrengender Unthätigkeit, in Kampflosigkeit
     für die höchsten Zwecke der Menschen:)-
18. Gute Bäume tragen Anfangs nur Holzäste anstatt der Früchte. J.P.
19. Die Geschichte großer Zeiten, hängt an der Geschichte einzelner Menschen. Jacobs [sc.: Jacobi]
20. Wer sich ans Steuerruder setzt, muß auch auf Stürme und klippige
     Ufer rechnen. Engel
21. Wer sich am Morgen rührt und auch am Tage Wache über sich hält, der wird
     selten am Abend Unmuth finden. Fr: Jakobs [sc.: Jacobi].
22. Wenn Du träge bist die Saiten zu stimmen, so mußt Du nicht über schlechte
     Musik klagen. Fr: Jakobs [sc.: Jacobi].
23. Der Studierende (:nochmehr jeder geistig Strebende) soll um des Zweckes willen,
     auch ein beschwerliches Mittel sich gefallen lassen. Friedr. Jacobs [sc.: Jacobi].
24. Kein solides Haus fällt wegen eines Verlustes[.] Friedr. Jak.- (:Und kein
     solider Feldherr wegen einer verlohrenen Schlacht.:)
25. Der Kluge weiß, daß die Menschen von nichts so überzeugt sind als von ihren
     Irrthümern. Wieland.
26. "Gleiche Beschwerde gegen die römische Hierarchie und gegen
     "die Mißbräuche der Kirche, eine gleiche Mißbilligung der katho-
     "lischen Lehrbegriffe würde hinreichend gewesen seyn, den Verei-
     "nigungspunkt für die protestantische Kirche abzugeben; aber
     "sie suchten die Vereinigungspunkte in einem neuen positiven
     "Glaubenssysteme, setzten in diesen das Unterscheidungszeichen, den
     "Vorzug, das Wesen ihrer Kirche und bezogen auf dieses den
     "Vertrag, den sie mit der katholischen schlossen". Schiller.
(:Diesen ungeheuern Fehler müssen wir gleich im Beginne unseres
Kampfes und Krieges, welcher uns jetzt erwartet, vermeidet [sc.: vermeiden]. Hier
ist angedeutet, ja ausgesprochen welchen Charakter wir den uns erwarten-
den Kampf geben, welches Ziel derselbe haben, welcher Zweck demselben
zum Grunde liegen, wie die Fahne, das Panier beschaffen seyn muß,
welches unsere Streiter vereinigen soll, unter welchem sie sich ver[-]
sammeln sollen. Gleichem Kampfe gegen alle geistige Zwing-
fessel, und Engherrschaft ganz namentlich, vor allem zuerst und
ganz eigentlich im Gebiete der Menschenerziehung - diesem Kampfe
muß unser Kampf gelten. Alle diese Kämpfer muß unsere Fahne
und Panier vereinigen; darum muß allem zuvor unser Kampf
ein rein geistiger seyn; möglichst fern von der Person, nur insofern
die Person ins Auge fassend als sie das eine oder das andere Prinzip
vertritt, der eine oder der andere Grundsatz sich mit der Person identi-
fizirt; allein auch dann nicht um der Person, sondern um der Grundsätze
willen. Außerdem aber, daß der Kampf als ein rein geistiger fest-
gehalten wird, muß er besonders als ein rein und allgemein menschlicher
und ganz namentlich als ein rein pädagogischer, rein erzieherischer fest-
gehalten werden. Der Zwang, der Methoden[-] und Formenzwang, wel-
cher uns besonders in der Erziehung und in dem Unterrichte aufgelegt
wird - dieser ist es, welcher die Menschheit in Fesseln und Knechtschaft /
[2R]
geschlagen hat, welcher sie darinn erhält und von neuem immer wie-
der darein schlägt auch wenn sie sich irgend einmal wieder davon frey
gemacht hat. Der Grund davon liegt darin: weil aller Geist sich nothwen-
dig in und unter einer Form und innerhalb bestimmter Grenzen in bestimmter
Form kund thut, und kund thun muß; und daß diesemnach jeder Form unter
und innerhalb bestimmter Beziehungen ein bestimmter Geist zum Grunde
liegt, sich daraus ausspricht. Dieser Geist, dieser bestimmte Geist spricht sich
aber aus der Form, aus der bestimmten Form nur einzig dem aus, der
für sich und seinen Geist und für den Geist der Form in sich den einigenden
gemeinsamen Punkt, die einigende, ursprüngliche, gemeinsame Quelle
gefunden hat, mindestens ahnet und suchet und allermindestens sie
ungehindert in sich sich leben und sich bewegen läßt. Wo nicht mindestens
diese unbewußte, usprüngliche ich möchte sagen natürliche Einigung
des geistig Wirkenden ungetrübt da ist, und sich von diesem Punkte
zur Ahnung und zum Bewußtseyn, zur Anschauung und Anerkennung er-
heben läßt, da ist rein alle Form so todt als tödtend. Darum ist
die Freymachung des allgemeinen, ursprünglichen Lebensprincips
und Rückblick unter Wahrnehmung und Beachtung, unter Erkennt-
niß dessen Entwicklungs- und Entfaltungsgesetzes - das erste aller
reinen und freyen Menscherziehung.
Von dieser ungetrübten Lebensthatsache, von dieser ungestöhrten Lebensahnung
und nicht verwirrten Lebenswahrnehmung (im Kinde und im Menschen) aus <und> daß aller
Lebensentwickelung, Lebensgesetze, aller bestimmten Lebensentwickelung bestimmte
Lebensgesetze zum Grunde liegen - wirkt aller methodischer Unterricht,
und zwar je methodischer, folgerechter und lückenloser er ist - um so
mehr entfaltender, ich möchte sagen treibender auf den Geist - Aber
und dieses ist der höchst wichtige Satz: - jene Lebensthatsache - jene
Lebensahnung - jene Lebenswahrnehmung muß nothwendig in dem
zu Erziehenden, sey er Kind, oder erst Knabe, oder schon Jüngling und
Mann vorausgehen.- Sonst bringt ein systematischer, ja selbst or-
ganischer Erziehungsgang, so menschenwürdig, naturgemäßer und Gotttreu - er auch
immerhin sey - dennoch nicht die ächten Früchte, noch weniger bewirkt
er Anerkennung. Dieß mein Barop bitte ich Dich recht scharf und klar ins
Auge zu fassen: - mein Erziehungsgang und meine Lehrweise: - ob ich
sie gleich steigend in jedem echten Lebensmomente für die jetzige Stufe
der Menschenentwickelung (und also auch zur Hervorforderung der künftigen)
so menschenwürdig, als naturgemäß und Gotttreu erkennen muß
- bringt doch nicht die Früchte, noch genießt sie, erreicht sie die An-
erkennung die ihr durch sich selbst gebührt; der Grund ist der angegebene,
es theilen wenig Menschen mit mir, wenige von den urtheilenden, durch
Wort
urtheilenden Menschen wenigstens mit mir gleiche, gleich be-
wußte LebensThatsachen, Lebensahnungen und Lebenswahrnehmungen
in Beziehung auf den
einigenden und einigen
Urgrund alles, einige
Urquelle alles Lebens.
Die andern dagegen welche in ihrer Einfachheit mit
mir in genannter Beziehung, so unbewußt sich
selbst noch immer, gleiche Lebensthatsachen, gleiche
Lebensahnungen, gleiche Lebenswahrnehmungen
in sich tragen, diese läßt man nicht zu Worte
noch weniger zum Handeln kommen; man übertäubt sie, macht
sie irre in sich und so die Ergebnisse wie sie vorliegen.
Die Erziehung muß also allem zuvor - will sie sich eine menschheitliche
nennen in dem Menschen, sey er jung oder alt, alle die Lebensthatsachen
Lebensahnungen, Lebenswahrnehmungen pflegen und entwickeln, d.h.
das Leben still in sich gewähren lassen, wodurch es die einige
und einigende Quelle alles Lebens findet. Uns Der Kampf und der
Krieg welcher unser erwartet, muß allen denen, welche mit
mir und uns gleiche Lebenswahrung [sc.: Lebenswahrnehmung ?], Lebensahnung u Lebensthatsachen
in Beziehung auf die eine Lebensquelle u deren Gesetze in sich tragen - ein
Kampf des Schutzes, der Anerkennung, der Erstarkung, der Erkennung und Vereinigung
Vereinung unter sich und mit uns werden.- /
[3]
Darum muß der uns erwartende Kampf ein rein erziehender seyn, er muß
die reine freye allseitige Entwickelung des Menschen, der reinen Menschheit im Menschen
allein zum Zweck haben, ohne alle beengenden, und darum treibenden und fesseln-
den Neben[-] oder Seitrücksichten. Als ein didaktischer Kampf muß er ebenso
die freye Entwickelung jedes einzelnen Unterrichtsgegenstandes in sich selbst
vertreten und dadurch zu einem allen gemeinen Unterrichtsgesetze oder
Gesetzen, empor zu steigen. Zuerst müssen wir so z.B. die Freymachung, die freye
Wirksamkeit des Sprachgeistes erkämpfen, dann die Freymachung, die freye
Wirksamkeit der Formen und Größen, des mathematischen Geistes; dann die Freymach-
ung des Erkenntnißgeistes überhaupt. Jeden Fußbreit errungenen
oder schon besitzenden Grund und Bodens müssen wir mit Ausdauer festhalten[.]
Wir müssen den Zögling, den zu Erziehenden, so lang als möglich nur als Mensch,
nicht als Christ und nicht als Staatsbürger in die Augen fassen, damit wir
in den, innerhalb der Grenzen dieser Menschenansicht herrschenden Dogmen,
nicht zu früh, und ehe wir noch in und außer uns gestärkt und gesammelt
haben - uns zu starke Gegner wecken.- Ich konnte diese Bemerkung bey
Anführung dieses Ausspruches Schillers nicht zurückhalten; Du Barop wirst die
Wichtigkeit dessen einsehen was ich damit bezweckte und es für das Leben bearbeiten.
27. "Wenn Du Dein Haus rein hältst, so hast Du reine Luft darinn; jätest Du auf den
     "Beeten das Unkraut aus, so wächst Dein Kohl lustig herauf; scheuerst Du Deine
     "Fensterscheiben blank, so scheint die Sonne hell in die Stube." Friedrich Jacobs [sc.: Jacobi]
Wo man klar hineinsieht schauts klar heraus und umgekehrt; darum muß
während des Krieges u Kampfes ein heiteres, lustiges Leben im Erziehungshause
herrschen, klar und hell.
28. Wahrheit war die Botschaft, die alle große Männer an die Menschheit zu
     verkündigen hatten; Wahrheit, Verhältniß der Dinge untereinander
     und zu uns. Sie entledigten sich getreu ihres Auftrages und brachten uns
     Wahrheit, das Kleinod des dem Weisen, das Schwert in des Narren Hand. G. Förster
29. Was man erringt behauptet man sorgfältiger, als was man ererbt hat.      Göthe.
30. Welche Natur v. außen u. innen läge uns näher, als die Natur des Menschen. Herder.
31. Hast Du mich nicht gelehrt, ein Held sey ein Mann, der höhere Güter kenne als das Leben?- Lessing.
32. Der Mensch muß einen über das Leben hinausgehenden Zweck haben. Wieland.
33. Der göttliche Funke im Menschen macht ihn der Geheimnisse Gottes theilhaftig. Forster.
     (:Darum müssen wir alles aufbieten, daß sich endlich einmal im Menschen in vielen
     Menschen dieser göttliche Funke rein und freythätig entwickele - rein und frey-
     thätig entwickeln könne.:)- Dafür müssen wir ins Feld treten.
34. Das Herz des Volkes ist in den Händen großer Männer. Göthe
35. Der mächtigste von allen Herrschern ist der Augenblick -- Schiller
36. Kein kluger Streiter hält den Feind gering. Göthe
37. Jede große Idee ist immer ursprünglich eine einfache. Krummacher.
38. Warum fehlt es in allen Wissenschaften und Kämpfen so sehr an selbstdenkenden Köpfen
     und Erfindern?- Lessing. 39. Zuversicht ist die Mutter großer Thaten[.] Schiller
40. Hinan kommt nicht, wer die Leiter machte, sondern wer die Leiter besteigt, und
     einen kühnen und behenden Mann trägt wohl auch eine morsche Leiter. Lessing
41. Wen die Natur zu der Gefahr bestimmt, dem hat sie auch den Muth zu der Gefahr
     gegeben. Gellert
42. Fast durchgängig kann man behaupten, daß die Absichten der alten Gesetzgeber
     weise u. lobenswürdig waren, daß sie aber in den Mitteln fehlten. Schiller
43. Es ist ein großer Seegen, gute Eltern zu haben. Friedrich Jacobs [sc.: Jacobi]. Darum laßt uns unsern
     Kindern diesen großen Seegen bringen und ihnen gute Eltern seyn. Aber auch Gedanken d[er] Kinder.
44. Um die Gedanken anderer zu benutzen ja um auch nur das rechte Wohlgefallen an ihnen zu finden muß man selbst viel gedacht haben. Frd Jk.
     (:Unsere Erzieh- und Lehrweise führt zum letzteren: Selbstdenken, also auch
     zum ersteren die Gedanken, das Gedachte Anderer zu würdigen und - anzuwenden:)
45. Der Kampf der Ungebundenheit dauerte so lang fort, bis die allge-
     meinen Rechte der Menschheit anerkannt wurden
. Forster
46. Jede Nation spricht, nachdem sie denkt, und denkt, nachdem sie spricht. Herder
     (:Also wichtig und richtig, wie wir thun Denk- u Sprachvermögen gleichmäßig zu ent-
     wickeln:) - und - /
[3R]
47. Je reiner die Gedanken der Menschen sind, desto mehr stimmen sie zusammen. Herder
48. Die Furcht aufzufallen, ist ein eben so großes Hinderniß sittlicher
     Größe, als die sich vordrängende Eitelkeit.     Friedrich Jacobs [sc.: Jacobi].
49. Den Guten verläßt das Schicksal nicht, so lang er sich nicht selbst ver-
     läßt und unrühmlich an sich verzweifelt.     Herder
50. Der Spruch: "Thue Recht und scheue Niemand" enthält mehr Weisheit, als alle
     Werke über den Umgang mit Menschen lehren können.     FrdrichJks [sc.: Jacobi].
51. Es ist leichter seinen Glauben durch den Tod als durch das Leben zu bewähren.
     Die Zahl der Märtyrer ist größer als die Zahl der Heiligen. Der Got Vorige.
52. Nichts vergessen die Menschen leichter, als daß es um die Wahrheit eine sehr ernste
     Sache ist. W. Reinhard
53. Wie viele Schöpfungen der Kunst, wie viele Wunder des Fleißes rc, rc, rc, seit-
     dem der Mensch das große Vorrecht errungen hat, über seine Fähigkeiten frey
     zu gebieten und dem Rufe seines Genius zu folgen. Schiller.
(:Und wir sollten dem Menschen, sollten unsern Kindern dieß Vorrecht nicht zu erhalten suchen?)
54. Was wollen Verläumdungen sagen, wenn man bey sich überzeugt ist, daß man
     sie nicht verdient hat. Lessing. 55. Die schönste Antwort auf Verläumdungen ist, daß man sie stillschweigend verachtet. Engel.
56. Tapferkeit ist die Grundlage jeder Tugend. Ohne sie gibt es keine Tugend, und
     der Klügste wird dumm, wenn ihn der Muth verläßt. Friedrich Jakobs [sc.: Jakobi]
57. Gott giebt uns die Seele, aber das Genie müssen wir durch d. Erziehung bekommen. Lessing
58. Je höhere und vollkommnere Stufen der Freyheit erstiegen werden, desto schöner
     wird sich ihre Cultur entfalten, desto weiter ihr Wirkungskreis sich ausdehnen,
     desto fester werden ihre Gesetze gehalten werden.
59. Ich meine daß es der Erbschade der Menschheit ist, den Kern über der Schaale,
     die Sache über dem Scheine zu vergessen.    Friedrich. H. Jacobi.
60. Es ist ein hartes, aber gutes Gesetz des Schicksals, daß jede Übermacht
     sich selbst verzehrt. Herder.
61. Welcher weise und gute Mann wird sich gern der beschämenden Reue aussetzen,
     eine Meynung, die den Menschen veredelt, die ihn über sich selbst erhebt und zu
     allem, was schön und groß ist begeistert, als einen thörichten Wahn dem
     Spott der Narren Preis geben. Wieland.
62. Nehmet den genauesten Unterricht, und die herrlichsten Gelegenheiten -
     werden sie nicht von eigener Lust unterstützt; ist kein wahrer Trieb vor-
     handen, sie zu benutzen: so mögen sie höchstens nur das Gedächtniß berei-
     chern mit einem Vorrathe, der bey jedem andern besser aufbewahrt
     wäre. Schleiermacher. (:Eben jene eigene Lust, jenen waren [sc.: wahren] Trieb zu wecken in den mir in Burgdorf anvertrauten Lehrern, nicht aber ihr
     Gedächtniß nochmehr mit unverstandenem todten Wortgemenge anzufüllen dieß war mir erste und wesentliche Rücksicht bey Behandlung der jungen Leute.
     Freylich war es ein Schade für sie und unangenehm für mich, daß ihre Bil-
     dung abgebrochen werden mußte, eben da ihre Lust und ihr Selbsttrieb
     geweckt und geleitet war, was jedoch in meiner Schuld lag:)-
63. Wollt ihr ein Übel vernichten, so greift es im Keime in der Wurzel an. Klopstock.
64. Die Streitigkeiten (unter den ersten Christianern) mußten
     unvermerkt den Geist der Liebe und der Eintracht ersticken, der aus
     allen Gemeinden einem einzigen Leib, dessen Seele Christus (:der
     Geist, die Gesinnungen Christi:) wäre, hätte machen sollen. Wieland.
*   *   *
So weit die ohngefähr in den Tagen niedergeschriebenen Denksteine, als der neue Krieg
gegen mein Wirken wieder losbrach. Ich glaube nicht daß sie nicht ohne Einfluß
waren um mit großer Ruhe einen bestimmten klaren Kriegsplan zu entwer-
fen und denselben mit seinen möglichen Folgen Euch hier vorzulegen; deßhalb mochten
auch jene Denksteine und die Gedanken derselben hierzu hier als
Einleitung stehen.-
Der Zweck des Kampfes darf weder die Sicherstellung einer Person, noch einer
Sache, noch eines Verhältnisses als solcher seyn. Der Zweck des Kampfes gilt
nur einem reinen Gedanken, einem ächten Lebgedanken, einer Idee.- Der Zweck
des Kampfes ist auch nicht einen solchen Gedanken, einer reinen in sich wahren Idee, den Sieg /
[4]
Sieg zu verschaffen; ein ächter wahrer Gedanke siegt und hat schon als Gedanke
gesiegt, indem [er] erscheint und erschienen ist. Der Zweck des Kampfes ist nur
den Gedanken immer mehr zu klären, zu Verallgemeinern , empor zu
heben, so, daß mehrere den ihrigen darinne finden. Von einem Besiegt werden
eines an und in sich wahren Gedankens kann schon gar nicht die Rede seyn, höchstens
von einem Getrübtwerden desselben in und durch die Darstellung. Darum
muß der Kampf mit der größten Ruhe und Besonnenheit geführt werden,
damit sich der Lebensspiegel nicht verrücke und so recht viele mit Ruhe in
demselben ihren rein menschlichen Lebensgedanken darinn wieder erblicken.
Nicht roh, nicht los von innerer, wahrer Sinnigkeit dürfen die Kämpfenden Kräfte
walten, damit sich das in einzelnen Gemüthern durch die klar hingestellte Idee
geweckte höhere u höchste Leben ruhig und sinnf sinnvoll, sicher u fest gestalten
können. Der Gedanke muß, wie oben schon ausgesprochener, ein ganz allgemeiner
seyn: - freye Entwickelung des Göttlichen in der Menschenbrust - des Menschheits-
wesens als eines göttlichen nach dem in ihm selbst ruhenden ewigen Gesetzen
und nach den ewigen in sich selbst ruhenden Gesetzen alles erscheinenden, sich ver-
wirklichenden Lebens.
Sollen dem Menschengeschlechte, der Menschheit die Fesseln die sie, die es -,
gleichzeitig verschuldet oder unverschuldet trägt - sich lösen oder gelöset
werden, so kann dieß nur einzig geschehen wenn in der Grenze der Erziehung
und des Unterrichts zuerst die Fesseln der Willkühr und der Authokratie sin-
ken; Zunft und Methodenzwang und so vorallem zuerst in der frühesten Erzieh-
ung der Kinder und in der Erziehung derer welche zu Erziehern und zu Lehrern
gebildet werden; darum soll auch in dem Unterrichte und in dem einzelnen Ge-
genstande desselben das in ihm ruhende, sich aus ihm selbst entwickelnde einige
Gesetz herrschen.
In der Zeit ist zwar - wie alles erscheint von der Aufstellung und Verfechtung die-
ser Wahrheiten im Allgemeinen nicht das mindeste Ergebniß zu erwarten;
darauf muß schon im Voraus verzichtet werden - dann beantwortet Euch
die Frage: Wer soll, wer wird, wer kann - ich sage mit Bedacht - wer
kann in der Zeit wie sie ist mit ihren alles fesselnden Verhältnissen diese
Wahrheiten festhalten und ausführen daß jetzt in der Zeit, auch eine All-
gemeine Wirkung daraus hervorgehe?- Aber um der Zukunft willen
um die Zukunft unserer Kinder willen muß diese Wahrheit festgehalten
werden in doppelter Hinsicht einmal: - daß sich vielleicht ganz in der
Stille und im Verborgenen ein Gemüthe, eine Familie findet, die diese Wahr-
heit gleichfalls in sich pfleget, so daß wenn unsere Kinder einst erwachsen
sind und sich aus und durch sich das höchste Lebensziel setzen, sie doch vielleicht
da oder dort eine verwandte Seele finden, die gleichen Lebenszweck mit
ihnen theilt - zweitens daß sie dann erfahren daß der Lebenspreis welcher tief
ihr Gemüth erregt schon lang vor ihnen der höchste Lebenspreis ausdauernd
Strebender war und endlich drittens und vor allem - daß sie nie ihre
Jugend-, ihre Mannes- und ihre Lebenskraft daran verschwenden und ver-
splittern die Menschen als Menge, als eine Vielheit und Mehrheit; durch
das Wirken auf viele, auf die Menge und Mehrheit zu erheben, zum Ziele
der Menschheit zu führen, und dagegen durch eine große Thatsache sie nicht
nur frühe einkehrend sondern auch ruhend und wirkend zu machen in sich
und ihrer Familie, ihrem Geschlechte für Darlebung und Gestaltung reiner
Menschheit. Darum mag denn da dann einmal der Fehdehandschuh hin-
geworfen und aufgenommen worden ist, derselbe auch aus- und durchgefoch-
ten werden - doch so lang immer nur möglich strenger auf dem Felde
der Erziehung und des Unterrichtes. Sobald der Kampf nicht rein auf
dem Felde der Menschenerziehung und Menschenbildung bleibt, sobald die
Kirche und der Staat ein Recht zu haben glaubt an den [sc.: dem] Kampf An-
theil nehmen zu müssen; sobald vielleicht unser Gegner, um uns
mehrseitig ins Gedräng zu bringen dem Kampfe - was ich fast fürchte
diese Wendung giebt - so laufen wir Gefahr - obgleich die Idee, der Leb-
gedanke immer siegreich aus dem Kampfe gehen wird, ja schon siegend in den Kampf geht, - /
[4R]
- so laufen wir Gefahr, völlig und rein in dem Kampfe, wenn das Glück
gut ist mindestens europäisch unterzugehen. Mir scheint die Sache
auf das Höchste wichtig wegen dem allseitig Ergreifenden und all-
seitig Erregenden was in dem Ganzen liegt; es erscheint mir als der
Vokus [sc.: Fokus] eines Brennspiegels. Noch nie hat der Kampf so wie hier sein
eigentliches allgemeines Feld gefunden: Bald war der Staat und Staats-
verhältnisse das Gebiet des Kampfes und wir sehen die Früchte desselben.
Bald waren Kirche und Kirchenverhältniß das Kampffeld und das Gefähr-
liche des Kampfes fühlend, zogen sich beyde Theile so vergleichend und gegen-
seitig nachgebend so weit als möglich zurück. Nun Erziehung - die wir
alle bekommen der wir alle ausgesetzt sind das Wort des Kampfes; - Men-
schenerziehung, und wir alle sind Menschen, wer will nicht Mensch werden,
und will es Jeder erlauben daß es der andere werde?- Nun gar
freye Entwickelung des Menschen wesens [sc.: Menschenwesens ?], der Menschheit im Menschen!-
Ihr sehet leicht ein und fühlet mit mir durch der Kampf hat seinen Gegenstand
seinen Preis und - seine Wahlstatt gefunden, und eben, weil er so persönlich
so individuell, so local ist so kann also an sich so unbedeutend ist - so kann er
so wichtig werden, denn eben um das Persönliche, das Individuelle, das Lokale
zu halten, muß man es sinken lassen und das Unpersönliche, Allgemeine und
Geistige an sich hinstellen welches dem Persönlichen, Individuellen und Lokalen zum
Grunde lag. Ich mag nicht ins Einzelne vergleichend mit schon geschichtlichen That-
sachen eintreten; allein - ist - wenn die Sache zu einem klaren sicheren
Ende kommen soll dieß wo anders zu finden als in der Aufstellung und Ver-
theidigung der Grundsätze reiner
freyer Menschenerziehung?- ?- und die
Fortentwickelung davon?- die Folgen?- die Folgen, wenn wir treu sind?-
"Hier liegen die geeinten Menschen, geeint kämpfend und sterbend für
"freye Geistes- und Menschheitsentwickelung, noch im Tode geeint, wie das
"Gesetz der Menschheitsfreyheit ihnen gebot." (:wenn auch nur bürgerlich todt:)
Genug die ganze Sache ist wichtig - ist wichtig durch die Art wie wir das Ganze
im Gemüthe tragen; darum ist die Frage vor allem an uns nöthig: was wollen
wir denn eigentlich erringen?- was können wir bey dem fesselnden Druck
der zunächst auf der Welt deutscher Zunge liegt, (die Schw[eiz] ganz mit eingeschlossen)
was können wir da gewinnen?- Ist die Pflege des uns von Gott an-
vertrauten jungen Menschenlebens nicht das wichtigste was wir thun können?-
Ich kann Euch nicht sagen was in diesen Tagen alles in meinem Gemüthe lebte
deutet den Gesang den Kriegsgesang: "Hinaus in die Ferne." auf einen geistigen
Kampf und Ihr könnet ahnen was ich zu sagen habe; - ja, wenn es bey
einem geistigen Kampf bliebe. Die nächste Folge wäre vielleicht bald
eine Trennung unserer Lebensmittheilungen. Die Lebensspannung und der Lebens-
druck ist nur überall zu groß, zu groß um gute Früchte, Früchte reines Mensch-
heitslebens zu bringen, aber nicht zu groß, um vielseitig Gefahr zu bringen;
mindestens eine Lebenstrennung zwischen unserm, meinem - und dem Keilhauer
Leben.- Also mit Mannesblick das Ganze aufgefaßt.-

Am 17en Januar. Wir haben heute mit einiger Gewißheit Briefe von Euch erwartet;
in welcher Eure Liebe und Güte uns Kunde von Eurer Feyer des Neujahres uns geben
würde. Doch ist unsere Hoffnung etwas auf die Probe gestellt worden. Um nun Euch
nicht durch Briefe von uns zu überhäufen, ehe wir wieder welche von Euch erhielten habe
ich diesen zurück behalten.-
Je mehr sich mir das Leben in und außer mir, um mich und in der Ferne entwickelt
und je mehr ich in mir, auf Veranlassung des vorstehenden, wieder das Leben in seiner
Erscheinung mit dem Leben u dessen Zweck mir prüfend vorgeführt habe; um so bestimm-
ter muß ich erkennen, daß der Mensch nur auf dem Wege der Wiederherstell[un]g
patriarchalischer Familienverhältnisse (auf der Stufe der 3en Steigerung)
seinen Lebenszweck seine Bestimmung erreichen kann, unter der Bedingung der Na-
turpflege und des in sich Vereinigens der Mittel zur Geistes und Gemüthsbildung.
Aus einem Natur,- Gemüths- und Geistesleben und Streben muß eine solche Familie
hervorgehen. Natur, Gemüth u Geist muß ihr 3fach gewobenes Band seyn.+ An sie müßen
- werden sich freythätig Familien gleichen Lebenszweckes anschließen, und so kann
und wird das Menschengeschlecht einer neuen Wiedergeburt entgegen gehen[.]
Ich bitte Dich lieber Barop diesen Gedanken besonders dem Ernst Frankenberg nahe zu bringen, damit er des Lebens Zweck in sich und in
den Mitteln finde die schon in seiner Familie sich befinden. Ernst Frankenberg wird nemlich künftiges Frühjahr Keilhau u Willisau besuchen.
[Sternchenanmerkung hierhin gehörend, auf 1V am Rand:]
+ Oder anders und schärfer bezeichnet: das Einigende muß für alle und für jeden Einzelnen ein allgemeiner höchster Gedanke seyn, sich kund thuend im Handeln
im Fühlen im Denken. Dieser Einzige, einigende Gedanke kann sich verschieden aussprechen: Zuerst Mensch seyn; Menschheit rein darzuleben; Göttheit [sc.: Gottheit] in der Menschheit
also in Einigung mit dem All, als einem Göttlichen nicht nur zu leben und zu fühlen, sondern auch diese Einigung denkend zu erfassen.- /

[1]
(KN 50,6 Bl 1) 3[. Bogen]
Am 18en Tag im Monat des Doppelblikkes 1835.·. Ich wollte erst gar kein
frisches Blatt wieder beginnen; weil wenn einmal wieder ein Blatt angefang-
en ist, sich dann solang Gedanken auf Gedanken drängen bis es wieder voll geschrie-
ben ist, und so schrieb ich lieber jedes Eckchen der 2 vorgehenden Blätter voll; doch
ich mag wollen oder nicht, ich werde getrieben ein 3es Blatt zu beginnen, und so will
ich denn zuerst nochmals herschreiben was auf den Ecken der vorigen Blätter kaum leser[-]
lich seyn wird: - In dem neu zu begründenden, neu auszuführenden menschheitlichen
patriarchalen Familienleben muß, wird ein höchster Gedanke das eigent-
lich innerste Einende seyn, dieser Gedanke in welchen verschiedenen Graden
der Annäherung und so in welchen verschiedenen Formen auch ausgesprochen ist der
Gedanke der Gottheit in der Menschheit, und die Darlebung dieses Gedankens
von dem und durch den Menschen als Erdner, und was daraus hervorgeht der Gedan-
ke des göttlichen Zusammenhanges alles Lebens im All, das Durchdrungenseyn
von diesem Gedanken. Jener höchste Gedanke, die Darlebung desselben muß das
Einigende in der Liebe, wie in der Freundschaft wie in der Ehe seyn und werden
er muß in alle Lebens[-] und Berufsverhältnisse eingreifen eigentlich das
Leben derselben seyn, ihnen Bedeutung und Zweck geben. Dieser Gedanke muß
der Äther der Kindheit, der Zephyr seyn welcher die <Bo[h]len> bey jugendlichen Sperling[en]
durchwehet, und die Luft in welcher der Lebensthätige schaffet. Dieser Gedanke
muß sich vom Vater zum Kind u Enkel bis in die spätesten Generationen
fortpflanzen (wie der Gedanke vom einigen lebendigen Gott von Abraham
aus unter all seinen Nachkommen pp) und sich so immer bestimmter gestalten,
immer so mehr und mehr das Leben durchdringen und so immer klarer und
wahrer im Ganzen bis ins Einzelnste herab vom Geiste geschaut zu werden
der Mensch muß in diesem Gedanken zuerst mit solcher Lebenssicherheit dann
mit solcher Festigkeit des Bewußtseyns leben wie die Planeten sicher und
fest im Äther nach den Gesetzen des Sonnensystemes und die Himmelskö[r]per
nach den Gesetzen des Weltalls im Himmelsraume schweben.-
Jetzt wirst Du mich nochmehr verstehen mein Barop; und wohl auch Deine
Emilie denn Euer, nein! auch unser Johannes lebt ja dieses Leben sich selbst
unbewußt vor und unter Euern Augen ja durch und mit Euch, und so
die jüngsten Lebensgenossen Eurer Familie mit ihnen und Euch, - jetzt
werdet Ihr alle mich verstehen was ich ein menschheitlich patriarchales
Leben nenne. Was Du, was Ihr nun selbst lebt, das wirst Du um so
mehr auch den [sc.: dem] Euch besuchenden Ernst Frankenberg anschaulich und einsich[-]
tig machen können; diese jungen Männer sind mir für [die] Darlebung reines
Menschheitsleben wichtig, denn - sie haben von ihrem Standpunkt aus das
reinste u höchste so festeste Streben überdieß sind sie jetzt so frey als nur
ein Mensch in der jetzigen Zeit seyn kann überdieß in den [sc.: dem] kräftigsten Man-
nesalter.-**
[Der vorhergehende Text wird über das Doppelsternchen im folgenden wieder aufgenommen, dadurch geraten die beiden folgenden Absätze zu einer Zwischenbemerkung:]

Im Vorbeygehen weil es mich eben wieder berührt. Ich habe Euch doch schon geschrie-
ber daß Fellenberg - die Sache ist klar weil die Schulmeister denen er allen
Gesetze vorschreiben möchte sich solche gekauft haben - eine Resension [sc.: Rezension] meiner
Erziehungslehre hat drucken und zugleich Harnischs alte Recension mit ab-
drucken lassen. Ihr beyden jungen Familienväter könntet wohl auch eine
schreiben denn Ihr habt sie ihren Grundsätzen nach und so w. vielseitig prü-
fen können.
"Es trägt Verstand und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vor"
sagt Göthe" und Voß sagt: "Ein heitres Wort voll edlen Sinns
durchströmt die Welt mit Gluten."

(Am 19en Jan:)
** Die jetzige Zeit unseres Lebens und dessen Erscheinungen dünkt mich im Allgemeinen und Be-
sondern so über alles wichtig, daß man nichts verabsäumen, nichts unbeach-
tet vorüber gehen lassen darf was Gemüth und Geist zur Klärung desselben
darbiethet [sc.: darbiethen], so stehen den[n] noch zwey Gedanken hier, von welchen einer schon seit
längerer Zeit in mir lebt, der andere aber jetzt eben erst in mir sich los[-]
windet; der erste ist: wie sich mir mehrmals im Leben wiederkehrend spä[-]
ter die Lebensverhältnisse de im Bereich meiner Umgebungen zeigen, deren
Erscheinen mir früher sehr lieb, ja erwünscht gewesen wäre, die ich /
[1R]
aber nun nicht mehr mit meinem Lebenszweck verweben, in die ich aber
nun nicht mehr zur Erreichung meines Lebenszweckes eintreten mag,
weil ich nun das Fesselnde desselben nicht nur durchfühle sondern sogar klar
durchschaue. Mir ist es immer als sagte das Schicksal, die Vorsehung zu mir:
- "siehe jetzt da Du ein- und durchsehender geworden bist will ich Dir
"zeigen was du früher gewünscht hast, ja sogar es auch Deiner Entscheidung
überlassen ob du es noch annehmen, darein eingehen willst oder nicht."
So hat Bättwyl und so alle Armenerziehungsanstalten als Erziehungsanstal-
ten zur Anbahnung reinen [sc.: reiner] Menschenerziehung allen Werth für mich verlohren,
warum? - weil man durch die von außen kommenden materiellen Mittel
und Verhältnisse durch welche sie nur entstehen und bestehen können, den
Geist derselben nicht nur fesseln sondern ertödten will.- So hat die Über-
nahme die Leitung eines Schullehrerseminariuns [sc: Schullehrerseminariums] all zu welchem ich mich jetzt wenigstens
melden konnte für mich alle Bedeutung verlohren, warum?-
weil man in denselben nicht freye, freythätige Menschenerzieher bilden
lassen, sondern nur Lehrmaschienen gebildet lass sehen will: Man kann
zwar auch in der Lehre und dem Unterrichte in der Erziehung die Fesseln immer
feiner bilden immer weniger un sichtbarer machen allein sie werden dann um so viel
gefährlicher. Ich möchte fast sagen weil man jetzt in dem immer
mehr verfeinerten positiven Unterricht die Fesseln um den menschlichen Geist
und das menschliche Gemüthe immer unsichtbarer schlingt, um so mehr sieht man
daß sich die Völker und so die einzelnen Menschen auf diesem Wege sich der innern und äußern Fesseln ihrer Ent-
wickelung nicht entwinden können, sondern noth-
wendig ihrer Vernichtung entgegen gehen müssen. Denn - wenn auch
wirklich die äußern Fesseln, wie ja dieß schon oft da war aufgehoben
zerbrochen werden sollten, so würde der gefesselte Geist, das gefesselte
Gemüthe, die innere Unfreyheit des Geistes u Gemüthes diese äußere Lebensfrey[-]
heit nicht zur Erreichung des Menschheitszieles benutzen können.
Barop und Middendorff beachtet dieß, prüft das Leben in seinen Erscheinungen nach
dieser Lebensansicht. Laßt uns als ein Ganzes, als ein Einiges jene mer[k]-
würdigen Worte beachten und anwenden, die ich Euch in Beziehung auf mich schon
früher mittheilte:
"Außer Dir suchst Du die Welt und eine beßre blüht dir im Innern (in dem Innern
"Deiner Familie innerhalb Deiner Kinder) Dir auf, baue Dir bessere an. We-
"nige hören das Wort und die es hören sie meynen leichter mit andern
"den Kampf als ihn mit sich zu bestehen. Dreymal und mehrmal beglückt
"der sich des Herzens goldenen Frieden (der sich im Herzpunkt seiner Familie
"den goldenen Frieden) bewahrt) er nur kennt den Genuß mit welchem das
"Streben belohnet"[.]
Hier schließt sich nun das zweyte an was ich Euch zu sagen habe: - Weil man
mich in meinem Streben zur Erfassung des Innern gar nicht versteht, sondern
smich nur nach sich mißt also mein Streben nach einen [sc.: einem] Erfassen des Äußern
gerichtet auffaßt und hinstellt, so betrachtet man mich gleichsam als einen
Eroberer, dessen Streben man in seiner tiefsten Wurzel untergraben müsse
freylich <mein> erstrebe ich daß jeder Einzelne in sich das Allgemein Menschheitliche
erringen und so wird denn wohl ein Jeder sein selbst und nicht eines Andern, da-
durch wird aber freylich der Grund und Boden für die Herrschsucht beengt, darum
denn ihr und ihrer Anfänger grimmvolles Ankämpfen gegen mein rein als einfach mensch[-]
liches Bemühen. Lassen wir ihnen darum den Grund und Boden
nach welchem sie so geizen, die Menschheit verliehrt durch ihren seinen Verlust nichts[.]
Aber halten wir dagegen mein Streben als ein gemeinsames fest das Inner-
ste zu erfassen; lassen wir dagegen die uns umgebenden, wieder so vernichtend auf uns
eindringenden Lebensverhältnisse dazu dienen daß sich unser Leben in Einer Lebensthatsache, in
Einem Lebensgefühl, in Einem Lebensgedanken einige, so haben wir, und die Wahrheit und das Leben
den Sieg davon getragen. Aber, ohne dieß, laßt uns das Gewichtvolle eines Ausspruchs Aug:
<Mohlmanns> erwägen: - "Auch die höchste Kraft reibt sich auf wenn das Herz nicht bestimmt
weiß was es will." - Laßt unsere Herzen, laßt unser Herz als Ein Herz klar und
mit Bestimmtheit wissen, lebendig fühlen und sicher im Leben darstellen was es will.- /
[2]
Ein Herz und Lebenspunkt, Ein Lebgedanke muß in allen gleich als Ein Punkt, als Ein Gedanke
leben, wie die drey oder vier Mittelpunkte 3er oder 4 gleichlanger Linien sich
in dem einen einzigen Mittelpunkt eines Würfels oder einer Kugel einen
und dadurch eine Unendlichkeit <neuer / reiner> Lebensgestaltungen bedingen. Jetzt mein,
Barop und Middendorff jetzt weiß ich was ich wollte wenn ich so oft zu Euch
sagte wenn sich nur erst ein Paar Menschen wahrhaft verstehend zusammen
fänden. Nicht ein äußeres annäherndes Verhältniß Verstehen meynte ich; wie ächte
Liebe sich auch in ihrer Grundbedingung nicht annähernd findet, sondern sich im Nu [bildet]
sondern ich meynte, wenn sich nur erst zwey Menschen, auf welcher Stufe des Bewußtseyns
auch Anfangs, zusammenfinden deren Lebgedanke zugleich der höchste Lebgedanke ist. Die
Liebe zeigt was ich meyne: die LebensMitten: - Lebenspflege - Lebenserhöhung - Lebens
(Darstellung) Gestaltung führen Liebende zusammen; und ihren in Eins zusammenfallenden sich einenden
LebensMitten entfunkt neues Leben. Und bald finden sich
die LebensMitten 3er und mehrerer Leben in einer einigen LebensMitten Fa-
milie weil man ihr[e] Erscheinung - geeint. Das Leben ist von nun an eingeboren
neu erschienen ist reines Menschheitsleben, denn die Mitte aller Leben ist -
Menschheitsleben - Gottheit in Menschheit. Sehet nun was hier die Liebe zeigt
daß meynte ich von dem sich verstehen 2er oder 3er Menschen in Beziehung auf des
Lebens höchsten Zweck. Wie ächte Liebe Alles in sich genug hat und schon nur durch
ihr Erscheinen erhebend beglückend belehrend wirkt (z.B. heile Familie) so
hat auch jener [sc.: jene] höchste Lebenseinigung alles in sich genug ist glücklich seelig in sich
und wirkt belehrend, erfreuend, beglückend ja beseligend in sich und um sich.
Ich komme auf Abraham rc zurück. In 3 Personen auch überdieß in 3 verschieden[en]
Generationen nach einander war die LebensMitte (---*---) es ist ein einger
lebendiger Gott; diese 3 Lebensmitten fielen wie die sich rechtwinklich
durchkreuzenden gleichlangen Linien in 1 Würfel in Eins zusammen und - die
so Eine Mitte wurde der Träger des Mosaismus und - der Keim des
Christenthums. Wie heißt nun auf der 3en Stufe des Lebens Mitte?-

"Gottheit in der Menschheit"
Sehet Ihr Freunde die Ihr so treue Bewahrer als Forscher der Wahrheit und des Wahren
seyd, es erscheint mir auf das höchste wichtig daß sich dieser ächte Lebensgedanke ge-
rad jetzt in all seiner Einfachheit und Würde pp frey macht, jetzt wo man soweit
umher die Menschheit mit Füßen tritt, daß sich dieser einfache Gedanke gerad
an dem Orte und zu der Zeit frey macht an welchem und in welcher Menschheit
in und durch Erziehung sich in ihrer Reinheit und Klarheit darleben möchte;
Es ist Ihr Freunde, die Ihr streng beachtend und prüfend den Lebenserscheinungen
nachgehet gewiß auf das Höchste beachtend und der Prüfung werth. Daß man ge-
rad in mir das Menschliche und alles Menschheitliche mit Füßen treten und ver-
nichten möchte, in mir der ich mein Leben aus ganz reiner freyer Selbstbestimmung der Pflege
der reinen Menschheit im Menschen hingegeben habe. Der Glaube an das rein Mensch[-]
liche im Menschen als seinen Grund und Quelle in Gott habend ist der Grundstein
und die Quelle alles meines Handelns, und vernichtet man, tritt man nicht gerad
in dieser Beziehung aufs neue meine reinsten Bestrebungen mit Füßen?- Scheint
es nicht - sagt es mir wenn es zu viel gesagt ist - scheint es nicht als wolle
man in mir und durch mich allen Glauben an die Menschheit im Menschen ver-
nichten?- Ihr Freunde des Guten und Wahren! sagt was bleibt für unsere
Kinder für unser[e] Söhne und Töchter zu hoffen übrig, wenn der Glaube an die
Menschheit um sie herum aus dem Leben vertilgt ist?-?-?-
Darum traget Sorge und wirket dafür, daß in meiner und durch meine
V persönliche Vernichtung und gleichsam unter dem Schutze derselben
sich des Lebens der Menschheit höchste Wahrheit, höchste Wahrheiten in
dem Leben und für das Leben entwickeln und in und für dasselbe erstarken.
Forschet in der Geschichte, forschet in der Natur und im eigenen Leben und Ge-
müthe: Es ist wohl nur ein Ergebniß, es will mir erscheinen die reine
gleichsam unbeleibte unverkörperte Idee kann von der Menge jetzt noch
nicht aufgefaßt und festgehalten, noch weniger kann ihr als solche eigentlich
im Volke Eingang verschaf[f]t werden, erste Wahrnehmung; zweyte Wahrneh[mun]g
diese Person oder das Verhältniß in und durch welche oder welches die /
[2R]
Idee ins Leben eingeführt werden soll muß vernichtet werden, muß unter-
gehen wie ein Ey aus welchem neues Leben geboren wird, wie ein Saa-
menkorn. Es erscheint als großes Natur[-] und Lebensgesetz: - nur aus
der Elemente Kampf
geht neues reines Leben hervor. Wie die Lehre
Jesu und unzählige Lebensbilder sagen, z.B. das Leben ein steter Kampf
die sinnigen und sinnvollen Griechen ließen selbst die Göttinn des Lieb[-]
reizes aus dem Schaume des Meeres geboren werden.
Dieser jetzige Augenblick ist für die Fortentwickelung des Menschenge-
schlechtes höchst wichtig und darf um Alles willen nicht unbenutzt für
die Menschheit vorübergelassen werden: -

(:Und der mächtigste von allen Herrschern ist der Augenblick. Schiller:)
Dieser Augenblick muß dazu benutzt werden den Menschen vor allem
zur Selbstbeobachtung, zur Beobachtung des eigenen Lebens und dessen
Entwickelungsgesetze, so wie zur Beachtung der Entwickelungsgesetze
alles Lebens so wohl im Menschenleben in der Geschichte als in der Natur hinzu
führen. Wie dieß jetzt schon mit größerer oder geringe[-]
rer Klarheit Langethal in den [sc.: dem] hier beyfolgenden Aufsatze gethan
hat. Wir müssen ganz mit dem Publicum wie in unserm Erziehungs[-]
und Unterrichtshause verfahren, wir müssen dem Publicum Geburt
helfend zur Seite stehen daß es die Wahrheit der Sache rein aus
sich und durch sich finden kann, gehe ich dann auch zu Grunde, so ist der Ge-
danke die Wahrheit doch in irgend einiger Menschen Brust, Herz und
Gemüthe gerettet, sie wird sich dann dort zu seiner, zu ihrer, zur rechten
Zeit schon f wieder frey machen.
Nochmals forschet in der Geschichte, in der Natur im Fremd[-] u eigenen Leben; macht
andere darinn forschen, führet andere darinn ein um die Wahrheit, das
Wahre zu finden und im Leben festzuhalten, anzuwenden; - so werden
wir in und durch den Streit selbst, so wird der Angriff der uns und
mich vernichten soll mich und uns selbst zu unserm ersten Ziele führen<:>

"Die Menschen (ihnen) sich, den einzelnen Menschen sich selbst
zu geben."
so werden wir die Menschen dahin führen Gottesführung und Leitung
in der Menschheitentwickelung zu erkennen u.s.w. u.s.w.
Wie der Johaannitterritter [sc.: Johaniterritter] um den Kampf gegen den Drachen zu bestehen
seine Deggen [sc.: Degen] und sein Roß an einem künstlichen Drachen übte, so habe ich früher
um mein Gemüthe zu dem großen Lebenskampf - von dem ich längst wußte
daß er mich erwartete - vorzubereiten durch das Lesen die Grönlandsfahrer, die Reisen
nach dem NortPol gelesen, wo, wenn eine, alles
zu vernichten drohende Gefahr überstanden war, sich sogleich wieder
eine neue zeigte nur nur [2x] Besonnenheit, Umsicht und thätige Ausdauer
endlich zum erwünschten Ziele führte.- Ebenso habe ich mit der größten
Lebensanwendung und zur Stärkung für den vorausgesehenen Lebens-
kampf mich zu stählen <Frewings> Kolumbus gelesen. Möchte nun
Gott geben, daß wir nach solchen Lebens Vorkämpfern auch durch
Besonnenheit, Ausdauer, Umsicht und Muth zum Ziele der Menschheit ge-
langten.-
 *
* *
Diese 3 Blätter können Dir Barop, können Euch, Ihr Freunde eine kleine An-
deutung geben, wie um die und während der Zeit des Schreibens derselben das
Leben gewaltig und gewaltsam nach den entgegengesetztesten Punkten und Enden
in mir auf und ab wogte, von solchen Lebenszuständen können wohl nur
höchst wenige Menschen in sich eine Ahnung, einen Begriff haben; dazu kommt daß
dieß unwürdige, ach, mehr als unwürdige Vernichten alles Menschheitlichen
wie Gift auf mein physisches Leben einwirkt; ich fühle mich nach solchen Le-
bensangriffen immer wie vergiftet; es ist als fühlte ich als wenn sich der
Gift einem edleren Theile des Leibes nach dem anderen mittheilte und sich so
nach und nach einer von dem anderen löse.- Erst nachdem das Leben durch diese
völlige Vernichtung hindurch gegangen ist, erhebt es sich wieder.- Des Lebens
Kampf um des Lebens Wahrheit u klare Gestaltung ist ein schwerer Kampf!-
[Nachschrift an den Rändern von 2R/2V]
Erinnert Euch daß man früher und auch ganz namentlich Fellenberg so gegen Pestalozzi wie jetzt gegen mich zu Felde zog; gedenkt, daß dort Fichte sagte: und wenn
selbst bey und durch Pestalozzi die Anwendung noch so unvollkommen wäre, so wäre doch der Gr[un]dgedanke wahr pp pp pp! stellt Euch auf die Höhe der Geschichte und! Geschrieben am 19en J. /

[1]
(KN 50,7 Bl 1)
[von anderer Hand, vermutlich Ferdinand Fröbels:]
Der Eidgenosse No 6. Sursee. Montag 19 Jan. 1835.- Ein Bruchstück aus den Schick-
salen des Luzernerschen Volkskalenders.- Ein Gespräch zwischen Schmied zu
E. und dem Both Seppeli von W.- Schmied. Wo witt hi, Seppli, öppen uf Luzärn?-
Seppli. Jo, i has im Sinn, hast neuis z' verrichte, Meister Schmied?- Sch. Du settesch[-]
men e Luzärner Volchskaländer hei nüh; i ha ghört der Vik. v. R heig e i sinen
geistliche Wueth z' kline Stücklenn verrisse; drum möchtenn au läse. Sep. Jo, das
mueß me e schone Brattig sy; den Willisauer heig de Lüüte schon zwen Dozze ne
weg gnoh; er well si verbrönne. S' wird, wohl öppis chäzzens Tüfel drinne
sy.- Sch. Bist au so ne Narr, aß d' noh öppis e so glaubst. J bi jez afn geschie-
der worde. Hid er nid au so chazered, der Wil[l]isauer, u mängs hundert Chrüz[-]
li de Buure abglüslet für sine Bittschrifte wo n er hed welle die neu
Schuel e weg ha? Sep. Jo Bigopp, selb is au nie so gföhrlich gsi, de Bischef
hätt süst au öppis da zue gseid. Und mi Nachbar de Guggerlünzi hed a Bueb
gha, 's hed daheim e ke Möntsch nüd chönne mit em a foh; Dä schickt er n uf
Willisau, eb - i die neu Schuel, und hed gseid, er chöne nümme verder-
be. Nützts nüd so schads nüd. Aber wie hend d' Lüüt du nit geluegt, wo
n er hei ihr is? Er hed schier besser läse schriebe und rächne chönne
aß der Schuelmeister, und hed si ufgführt wia ne n Engel.- Sch.
Ja drum gsehsch, 's wird mit der rothe Brattig wohl au e so sy. S' is
allemol öppis rächts, wenn d' Fründ vom Waldstetterbott, oder d' Kruut[-]
stingler (die katholischen Vereine) so ne Sach hend.- Sep. Nu, so will der de
eini hei näh. Der Kaplan und der Gmeindamme hend au eniedern
zwo bstellt; i ha de glattuse es Dozze, und noh eini obedry für
mich. Mi Joggeli mueß mer da alle z' Nacht druuß vorlase: Bhü-
eti Gott!- Sch: Mit Glück! Vergiß mer ghörsch, d' Brattig nid;
der Docter hed se nit gnun<e>g möge grüehme und het gseid, si syg
wohl ä Halbbatze meh wärth aß en anderi. Doch bhüet sie Gott von
em Willisauer Füür. Lauf nid z' weidli!-
--------
E. ohne Zweifel Ettiswyl.- W. = Willisau.- Der Willisauer = Decan
R. ohne Zweifel Rußwyl.- Jo Bigopp! ein Ausruf.- Brattig = Practica =
Calender.- Willisauer Fuür = Verbrennung durch den Decan; Dozze = Duzzend
---
[wieder Handschrift F.s:]
In diesem hier gemeinten Luzerner Volkskalender von Xav. Meyer, ist auch unter dem

"Rückblick auf die Begebenheiten des Jahres 1833 und bis Jul. 1834 im eidge-
nössischen Vaterlande"
der hiesigen Erz: Anstalt gedacht; es heißt: "April Wintermonat - Luzerns Großer Rhat
"weiset die Bittschriften für Aufhebung des Erziehungsinstituts zu Willisau von der
"Hand."- Später heißt es in diesem Calender weiter unter dem

"Rückblick auf die Verhandlungen der Stellvertreter des Luzernerischen Volkes
im Jahr 1833 im Großen Rathe:
"In der Wintersitzung wurde der Kleine Rath beauftragt dem Erziehungswesen
"eine besondere angestrengte Thätigkeit und Aufmerksamkeit zu widmen.
"Da durch den Bestand der Privaterziehungsanstalt unter der Leitung des Herrn
"Fröbel, deren katholischer Unterricht einem würdigen katholischen Seelsorger da-
"selbst übertragen ist, weder die Verfassung, noch ein bestehendes Gesetz ver-
"letzt wird, so wurde über die dagegen eingelau[fenen] Vorstellungsschriften zur
"Tagesordnu[n]g geschritten und denjenigen Pete[nten, d]ie sich erlauben unter fal-
"schen Vorstellungen die Gemüther aufzurege[n so]gar zu drohen, wenn das
"Institut nicht aufgehoben werde, wurde das Mi[ßfallen] bezeuget." /

[1R]
Nun noch einige Worte von mir selbst. Willisau am 21en Januar 1835.
*
Die umstehend Euch mitgetheilten Worte aus dem heute hier eingetroffenen Eidge-
nossen haben solche lebhafte Aufnahme unter den Kindern erregt. Ein Mäd-
chen Catharina Scherer brachte das Blatt mit; es ging von Hand zu Hand;
bald kam ein zweytes Blatt und lasen bald Knaben bald Mädchen untereinan-
der sich das lustige Gespräch vor.-
Langethal hat in Beziehung auf Leizmanns Stellung zum Ganzen zu demselben in Be-
ziehu[n]g auf die hier neu ausgebrochene heftige Entgegnung von Seiten Fellenbe[r]gs
oder vielmehr Hofwyl aus (denn Fellenberg ist weislich nicht genannt) - gesprochen
um ihn einleuchtend zu machen wie ein Eintreten von seiner Seite für die Idee
der unser Wirken gilt - auch ihm einen seiner ganzen Stellung rc. angemesse-
nen Wirkungskreis geben würde. Der Brief von Langethal ist sehr wacker ge-
schrieben ich wünschte wohl auch um Euertwillen daß sich Leizmann veranlaßt
fände Euch diesen Brief Langethals mitzutheilen.- Mir will es fast auch
scheinen als habe Langethal in und durch diesen Streit, auch eine ihm besonders
angemessene Sphäre seines Wirkens gefunden und ganz besonders ein organisches
Mittel seine innerste Einigung mit dem Ganzen geistig thatsächlich und freythätig zu documen-
tiren.- Ich wünschte wohl daß sich auch etwas Ähnliches von Seite Leizmanns
kund thun möchte und er so für sich, für Euch, und für das Ganze eine Gelegen-
heit fände im Geiste des Ganzen und doch auch seines Wesens unverkürzt für
zu wirken; damit er besonders mehr von der einzelnen Lebenserschauung abge-
zogen und so wirklich in sich erhoben und erhalten würde.
Ihr werdet aus Euern Leben und dessen Erscheinungen wissen wie wohlthätig
es ist dem Menschen, der in sich willig dazu ist und Gelegenheit dazu findet -
Zeit zu geben sich selbst zu finden, und daß dann wohl höhere Lebenstreue her-
vorgehen kann. Langethal fordert mich besonders auch auf Euch
dieß mitzutheilen. Es ist wohl wichtig zu sehen wie sich Leizmann in dieser
neuen Stellu[n]g der Dinge nimmt und dieses Benehmen ein Prüfstein seines inner[-]
sten Stehen zum Ganzen, darum glaube ich und L[ang]ethal soll man ihn wohl auch - wenn er
durch sein Betragen auch dem Ganzen Achtung beweiset - ihm Zeit geben sichselbst zu
finden.-
[Nachschrift Wilhelmine Fröbels:]
Die herzinnigsten Grüße von mir dem ganzen geliebten Keilhau[-]
er Kreise und in Ihm jedem einzelne Gliede.

Wilhelmine Fr:
Solch lieber Begrüßung aller folgt gern mit der seinigen Euer
Friedrich Fr

NB!!! Wir schicken diesen Brief heut an einem Mittwoche ab,
schreibt uns doch ob Ihr ihn auch am Mittwoche erhaltet;
es wäre uns [dieß z]u wissen jetzt sehr wichtig. Wir haben hier
jüngst mehre[re Bri]efe die von Rudolstadt Mittwochs abgingen
auch hier Mi[ttwoch]s erhalten[.]

Am 24n
Jan[.]
Am vorigen Mitt[woch kam] die Post zu spät: Mit der heutigen Post gehen
auch die Dokumen[te vom F]ortschritte und das Mittheilungsblatt beydes von
Hofwyl redigiert an Euch ab. Sie gehen unter X Cuvert offen
ab. /

[1]
(KN 50,6, Bl 1)
[Nachschrift an den Rändern von 1V/1R vom 21.1. oder 24.1.1835]
Die Zeilen aus dem Eidgenossen habe ich besonders für Dich lieber Barop mitgetheilt. Du siehst daraus man will wohl unser das Willisauer Wirken
gern ins Luzerner Volk einführen; wenn ich mir dazu nur einige Menschen verdoppeln könnte pp pp.- In Liebe und Treu[e] Dein, der Deinen, aller FrFröbel /