Burgdorf am 15en July
1834.
Mein theures
Weib.
Schon seit einigen Tagen hatte ich mir
vorgesetzt Dir zu
schreiben, allein die gewöhnlichen
Tagesgeschäfte wollten es
schon kaum gestatten, dazu kam daß ich
gerad in den letzten
Tagen außer den Lehrstunden noch zum öfteren
von einigen
meiner Schüler besucht wurde, was ich aus mehreren
Grün-
den und besonders weil mich ihr Eifer erfreut, nicht
zu-
rück weisen mag. Überdieß hatte ich schon längst eine
halbe
Einladung zum Mittagsessen bey dem He.
Reg. Statthalter
Fromm
welche am Sonntag zu einer ganzen wurde, zu
genügen, so daß mir
auch dadurch der Sonntag Nachmit-
tag zu meiner Verfügung nicht
frey blieb. Die
Frau
Reg.
Statthalterin wie immer freundlich und wirklich gütig
hat
sich wiederkehrend nach Dir erkundigt und mich
gefragt:
ob Du mich und so Burgdorf nicht bald besuchen
würdest,
da ich es bejahete, so sagte auch er, sie würden
doch
dann hoffentlich auch Dich bey sich sehen, was ich
natürlich
ebenfalls bejahete.
Gleich bey meiner Rückkehr
von Willisau hierher fand ich einen
Brief mit Briefen von
Keilhau. Du kannst wohl denken liebe
Wilhelmine wie ich mich
gefreut habe. Daß ich Euch nicht
gleich die Briefe den folgenden
Tag schickte davon war der
Grund daß ich wünschte
Langethal möchte noch vor
Empfang
dieser Briefe, und zwar am verflossenen Sonnabend nach
Hause
d.h. nach Keilhau schreiben. Ist es geschehen? -
Ich
wünsche daß Du, Wilhelmine sämtliche Briefe vorher /
[58R]
liesest ehe Du sie abgiebst.
Wenn der
Eduard von dem Barop schrieb Langethals
Neffe
ist, so wird sich letzterer über den unsittlichen Zustand
dieses
Knaben gewiß tief grämen so wie daß er selbst mit
Ursach
war, daß dieser Knabe nach Keilhau kam. Du siehest und
alle
werden einsehen, daß man sich jetzt nur mit der
größten
Anstrengung in seinen Kreisen vor dem Krebse der
Zeitgifte
bewahren kann. Ich bitte darum alle welche[n] das Wohl
des
Willisauer Kreises am Herzen liegt, ja in Beziehung
auf
die Erscheinungen des Lebens sorglich zu seyn. Und
dieß
um so mehr da wie mir <Baders / Boders> Vater auf der
Herreise
sagte man ganz namentlich im Städchen Willisau über
Wild-
heit besonders der jüngeren Kinder des Schlosses seit
einiger
Zeit geklagt habe. Ich fordere darum alle,
Frankenberg,
Fer-
dinand,
Lang[g]uthen,
Titus
Karl und alle Übrigen auf
ja
recht streng über Zucht, Ordnung, Fleiß und Pünktlichkeit
aller
zu wachen. Gütmüthigkeit und Nachgiebigkeit ist hier
am
unrechten Orte. Der Schweizer fordert etwas
militärische
Strenge. Du kannst liebe Frau sowohl dem Ferdinand
und
Frankenberg als dem Langethal Barops Brief zu
lesen
geben. Auch Middendorffs Brief an mich kann in
diesem
Kreise Allgemeingut werden. Da sich Langguth wie
es
scheint nach und nach immer mehr als Glied des Ganzen
wie-
der findet, so kann auch er immer mehr wieder an dem
allge-
meinen Zutrauen Antheil nehmen. Sey so gut und sprich
dieß
namentlich dem
Langethal aus.
Zum 11
en
July, Du weißt es ist dieß ein mehrfacher Fest-
tag der
FröbelBaropschen Familie, habe ich Briefe an /
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dieselbe geschrieben und ihr den gleichen Abdruck des Ortes
meiner
jetzigen Wirksamkeit welchen Du besitzest überschickt.
Auch fühlte
ich mich veranlasset ein paar Worte vom Allgemeinen
bey
zu fügen; ich lege sie hier in Abschrift bey, Du kannst sie
dem
Langethal und Frankenberg auch Ferdinand mittheilen.
Er-
sterem besonders wird klar seyn wie ich mich zu diesen
Zeilen
veranlaßt finden kann. -
Ich lege hier eine andere
Übersetzung von
de la
Mennais Worte eines Gläubigen bey als ich jüngst
mit nach Willisau brach-
te; ich glaube daß diese noch mehr
zusagen wird als die eben
gedachte. Da Herr Reichly oder Richli
(Catharinen Schärers Vetter)
die vorige Übersetzung wünschte, so
kann sie ihm gegeben werden;
will er sie behalten und fragt was
sie koste? - so kann ihm
gesagt werden ich würde mir einmal einen
Blumenabsenker
dafür ausbitten.
Wenn [sc.: Wann] denkst Du
mich meine liebe Wilhelmine zu besuchen?- Wenn
ich das schöne
frische Grün um mich sehe schmerzt es mich immer
recht daß Du die
Freude und den Genuß seines Anblicks noch
nicht mit mir
theilest.
Wie ich Langethal und dessen Ernestine, Ferdinanden,
Langguthen
Titus von Roda, Karl, Anton Heinrich, alle die
fünf
Berner und die sämtlichen Luzerner auch Frankenberg
herz-
lich grüße, so grüße ich auch dessen Schwester und
Ludovika,
wie geht es der ersteren?- Ist sie wirklich, d.h.
fühlt
sie sich wirklich gesunder?- So wie
Barop die Willisauer
alle
namentlich grüßet, so bitte auch ich dieselben gelegent-
lich
namentlich zu grüßen.- Ich bitte besonders daß Ba-
rops Grüße zu
bestellen nicht vergessen werden. /
[59R]
Wenn [sc.:
Wann] denkt
Langethal und die
Übrigen mich mit mehreren
Zöglingen hier zu besuchen?-
Am
31en dieses Mon. wird hier das Fest der
Verfassung
vom Jahr 1831 d.h. der jetzigen Verfassung gefeyert
werden;
wie? - weiß ich noch nicht, ich fürchte durch eine
Schmaußerey
im eingepfergten Raum.
Im ersten Augenblick
dachte ich mir ein schönes Fest froher
Gemeinsamheit zwischen
Burgdorff und Willisau, später
sahe ich aber, daß es nicht wohl
gehe[.]-
Nun zum schönen Schluß eine gute Nachricht eine
frohe
aus Keilhau: Unsere
Emilie hat wieder die beseeligende
Hoffnung
glückliche und beglückende Mutter zu werden;-
Oder weißt Du schon
etwas durch Ernestine davon?-
Ein Blumengruß von Barop aus
einem Linden- einigen
herzförmigen Epheu- einem Sinngrünblatte
und einem Himmel-
fahrtsblümchen umschlingend ein[e] dreyblüthige
Berglilie bringt mir diese Kunde.
Ich will mit diesem schönen
Gruße schließen; von mir
weiß ich Dir sonst nichts besonders zu
schreiben
alles geht wie Du es kennst und wie es scheint zu
all-
seitiger Zufriedenheit fort.
Dem Langethal oder
Ferdinand sage ich habe noch keine
Zahlung von Bern erhalten, ich
werde deßhalb ehester
Tagen nach Bern an Schneider schreiben.
Lebe recht wohl herzliebe Frau, ich wünsche sehr und
freue
mich recht sehr darauf Dich bald hier und auf einige
Zeit
bey mir zu sehen. So oft ich meine schön blühende
Balsamine
sehe denke ich und wünsche ich möchte sie doch vor
Deinem Fenster
stehen und Dir stets die Grüße bringen Deines
Friedrich Fröbel[.]
Seit so gut und schickt mir bis zum
Sonntag einige Zeilen, ich bekomme sie dann am Montage. -
[Zu der auf 59V erwähnten Schrift:
Felicité Robert de la Mennais (seit 1834:
de Lamennais), 19.6.1782 - 27.2.1854, frz. kath. Theologe und
Schriftsteller, trat für die Trennung von Staat und Kirche ein,
Hauptwerk: "Worte eines Gläubigen" (1834)]