Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Willisau v. 15.7.1834 (Burgdorf)


F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Willisau v. 15.7.1834 (Burgdorf)
(BN 445, Bl 58-59, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

Burgdorf am 15en July 1834.


Mein theures Weib.

Schon seit einigen Tagen hatte ich mir vorgesetzt Dir zu
schreiben, allein die gewöhnlichen Tagesgeschäfte wollten es
schon kaum gestatten, dazu kam daß ich gerad in den letzten
Tagen außer den Lehrstunden noch zum öfteren von einigen
meiner Schüler besucht wurde, was ich aus mehreren Grün-
den und besonders weil mich ihr Eifer erfreut, nicht zu-
rück weisen mag. Überdieß hatte ich schon längst eine halbe
Einladung zum Mittagsessen bey dem He. Reg. Statthalter
Fromm
welche am Sonntag zu einer ganzen wurde, zu
genügen, so daß mir auch dadurch der Sonntag Nachmit-
tag zu meiner Verfügung nicht frey blieb. Die Frau Reg.
Statthalterin
wie immer freundlich und wirklich gütig hat
sich wiederkehrend nach Dir erkundigt und mich gefragt:
ob Du mich und so Burgdorf nicht bald besuchen würdest,
da ich es bejahete, so sagte auch er, sie würden doch
dann hoffentlich auch Dich bey sich sehen, was ich natürlich
ebenfalls bejahete.
Gleich bey meiner Rückkehr von Willisau hierher fand ich einen
Brief mit Briefen von Keilhau. Du kannst wohl denken liebe
Wilhelmine wie ich mich gefreut habe. Daß ich Euch nicht
gleich die Briefe den folgenden Tag schickte davon war der
Grund daß ich wünschte Langethal möchte noch vor Empfang
dieser Briefe, und zwar am verflossenen Sonnabend nach Hause
d.h. nach Keilhau schreiben. Ist es geschehen? -
Ich wünsche daß Du, Wilhelmine sämtliche Briefe vorher /
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liesest ehe Du sie abgiebst.
Wenn der Eduard von dem Barop schrieb Langethals Neffe
ist, so wird sich letzterer über den unsittlichen Zustand dieses
Knaben gewiß tief grämen so wie daß er selbst mit Ursach
war, daß dieser Knabe nach Keilhau kam. Du siehest und alle
werden einsehen, daß man sich jetzt nur mit der größten
Anstrengung in seinen Kreisen vor dem Krebse der Zeitgifte
bewahren kann. Ich bitte darum alle welche[n] das Wohl des
Willisauer Kreises am Herzen liegt, ja in Beziehung auf
die Erscheinungen des Lebens sorglich zu seyn. Und dieß
um so mehr da wie mir <Baders / Boders> Vater auf der Herreise
sagte man ganz namentlich im Städchen Willisau über Wild-
heit besonders der jüngeren Kinder des Schlosses seit einiger
Zeit geklagt habe. Ich fordere darum alle, Frankenberg, Fer-
dinand
, Lang[g]uthen, Titus Karl und alle Übrigen auf ja
recht streng über Zucht, Ordnung, Fleiß und Pünktlichkeit aller
zu wachen. Gütmüthigkeit und Nachgiebigkeit ist hier am
unrechten Orte. Der Schweizer fordert etwas militärische
Strenge. Du kannst liebe Frau sowohl dem Ferdinand und
Frankenberg als dem Langethal Barops Brief zu lesen
geben. Auch Middendorffs Brief an mich kann in diesem
Kreise Allgemeingut werden. Da sich Langguth wie es
scheint nach und nach immer mehr als Glied des Ganzen wie-
der findet, so kann auch er immer mehr wieder an dem allge-
meinen Zutrauen Antheil nehmen. Sey so gut und sprich dieß
namentlich dem Langethal aus.
Zum 11en July, Du weißt es ist dieß ein mehrfacher Fest-
tag der FröbelBaropschen Familie, habe ich Briefe an /
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dieselbe geschrieben und ihr den gleichen Abdruck des Ortes meiner
jetzigen Wirksamkeit welchen Du besitzest überschickt. Auch fühlte
ich mich veranlasset ein paar Worte vom Allgemeinen bey
zu fügen; ich lege sie hier in Abschrift bey, Du kannst sie dem
Langethal und Frankenberg auch Ferdinand mittheilen. Er-
sterem besonders wird klar seyn wie ich mich zu diesen Zeilen
veranlaßt finden kann. -
Ich lege hier eine andere Übersetzung von de la Mennais
Worte eines Gläubigen bey als ich jüngst mit nach Willisau brach-
te; ich glaube daß diese noch mehr zusagen wird als die eben
gedachte. Da Herr Reichly oder Richli (Catharinen Schärers Vetter)
die vorige Übersetzung wünschte, so kann sie ihm gegeben werden;
will er sie behalten und fragt was sie koste? - so kann ihm
gesagt werden ich würde mir einmal einen Blumenabsenker
dafür ausbitten.
Wenn [sc.: Wann] denkst Du mich meine liebe Wilhelmine zu besuchen?- Wenn
ich das schöne frische Grün um mich sehe schmerzt es mich immer
recht daß Du die Freude und den Genuß seines Anblicks noch
nicht mit mir theilest.
Wie ich Langethal und dessen Ernestine, Ferdinanden, Langguthen
Titus von Roda, Karl, Anton Heinrich, alle die fünf
Berner und die sämtlichen Luzerner auch Frankenberg herz-
lich grüße, so grüße ich auch dessen Schwester und Ludovika,
wie geht es der ersteren?- Ist sie wirklich, d.h. fühlt
sie sich wirklich gesunder?- So wie Barop die Willisauer
alle namentlich grüßet, so bitte auch ich dieselben gelegent-
lich namentlich zu grüßen.- Ich bitte besonders daß Ba-
rops Grüße zu bestellen nicht vergessen werden. /
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Wenn [sc.: Wann] denkt Langethal und die Übrigen mich mit mehreren
Zöglingen hier zu besuchen?-
Am 31en dieses Mon. wird hier das Fest der Verfassung
vom Jahr 1831 d.h. der jetzigen Verfassung gefeyert werden;
wie? - weiß ich noch nicht, ich fürchte durch eine Schmaußerey
im eingepfergten Raum.
Im ersten Augenblick dachte ich mir ein schönes Fest froher
Gemeinsamheit zwischen Burgdorff und Willisau, später
sahe ich aber, daß es nicht wohl gehe[.]-
Nun zum schönen Schluß eine gute Nachricht eine frohe
aus Keilhau: Unsere Emilie hat wieder die beseeligende
Hoffnung glückliche und beglückende Mutter zu werden;-
Oder weißt Du schon etwas durch Ernestine davon?-
Ein Blumengruß von Barop aus einem Linden- einigen
herzförmigen Epheu- einem Sinngrünblatte und einem Himmel-
fahrtsblümchen umschlingend ein[e] dreyblüthige Berglilie bringt mir diese Kunde.
Ich will mit diesem schönen Gruße schließen; von mir
weiß ich Dir sonst nichts besonders zu schreiben
alles geht wie Du es kennst und wie es scheint zu all-
seitiger Zufriedenheit fort.
Dem Langethal oder Ferdinand sage ich habe noch keine
Zahlung von Bern erhalten, ich werde deßhalb ehester
Tagen nach Bern an Schneider schreiben.
Lebe recht wohl herzliebe Frau, ich wünsche sehr und freue
mich recht sehr darauf Dich bald hier und auf einige Zeit
bey mir zu sehen. So oft ich meine schön blühende Balsamine
sehe denke ich und wünsche ich möchte sie doch vor Deinem Fenster
stehen und Dir stets die Grüße bringen Deines Friedrich Fröbel[.]
Seit so gut und schickt mir bis zum Sonntag einige Zeilen, ich bekomme sie dann am Montage. -
[Zu der auf 59V erwähnten Schrift: Felicité Robert de la Mennais (seit 1834: de Lamennais), 19.6.1782 - 27.2.1854, frz. kath. Theologe und Schriftsteller, trat für die Trennung von Staat und Kirche ein, Hauptwerk: "Worte eines Gläubigen" (1834)]