Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 7.6.1834 (Willisau)


F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 7.6.1834 (Willisau)
(KN 47,14, Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S., zit. Heerwart 1905, 99f.)

Willisau am 4 7en Tage im Monat des erstarkenden Lebens / VI. / 34.


Mein theurer Middendorff.

Zuförderst meinen herzinnigen Dank Dir für die heute von Dir und durch Dich erhaltenen
Briefe für den blauen wie für den weißen. Ich meyne von jeher das Verständniß ist
um so gewisser u.s.w. als zum Verständniß wenig also auch Nichts gesprochen zu
werden braucht; darum wird die Sprache der Seeligen und Heiligen ein Nichtspre-
chen seyn und es ist dieß jetzt schon mehr und minder die Sprache der Seeligen und
Heiligen die uns etwa auf der Erde begegnen z.B. einer im Anschauen ihres Kindes
glücklichen, seeligen Mutter wenn sie sieht wie dessen reinstes Seelenleben
mit dem wahren Geistesleben des Vaters in Eins zusammen fließt.
Welche Zeit zum Handeln wird dann gewonnen,
welche Zeit dazu besitzen solche schon.-
Der heute von Dir erhaltene Brief ist doch einmal wieder zur rechten Zeit von Euch
zur Post gekommen: am 30en v. M. v. Euch geschr[ie]ben, gieng er am 31en von Rud. ab
und kam heute also am 8en Tage oder v. K[ei]lhau aus am 9en hier an. Ich bitte Dich l. M.
darum nochmals den rechten Zeitpunkt zur Briefaufgabe zu beachten.
Ernestinens endlichen Entschluß kann ich stets nur recht finden. Ihr werdet ihre Über-
kunft gewiß aufs beste ordnen; ich freue mich sehr daß es sich auch in pecuniärer
Hinsicht alles angemessen fügt. Da ich glaube daß dieser Brief sie noch findet, so
wünsche ich ihr vom Herzen glückliche Reise, sie soll nur Muth fassen, und der
Mutter hier gedenken, welche obgleich oft seelenmatt doch wie eine rüstige Haus-
frau das Haus und die Küche für etliche 20 Personen alle ausgewachsen, die meisten
schon junge Männer, z.B. gestern, heute und morgen mit der schwachen Hilfe
L-s allein besorgt indem die Frankenb[e]rg auf 3 Tage nach Luzern gereist ist.-
Mit Deinem Brief l. M. habe ich zugleich noch 2 andere bekommen einen von
Veilsdorf, einen von Hanau, dort schreibt der Vater daß er wünsche sein Sohn
bleibe und das Verhältniß finde sich wieder.- Von meiner Seite steht der Er-
füllung dieses Wunsches nichts entgegen und von Langguth Seite scheint es
dessen Benehmen nach auch gewünscht zu werden. So wäre also vielleicht wie[-]
der einmal ein Lebenswetter überstanden bis sich neuer Stoff dazu häuft.
Frankenb[e]rg[s] Freunde aus H.- schreiben auch als edle Männer daß sie ihren
bisherigen Director nicht verlassen würden, weil sonst noch vor dessen Tode seine
Anstalt sich auflössen, ja ihr Weggang sogar wohl dessen Tod befördern würde.
Beyde sind aber auch nun als Mitdirectoren eingetreten. Sie bitten aber deß-
halb nicht das Verhältniß für weitere Entwickelungen für abgebrochen zu halten. /
[1R]
Du und Ihr werdet in Ernestinens Brief ihrer Schwester Äußerung in Beziehung
auf das Begleiten nach der Schweiz gelesen haben. Ich kann darauf jetzt nur sagen:
ist es denn durch die Gesammtverhältnisse nothwendig daß Ulrika gerad in
den nächsten Wochen nach Spandau zurück kehre, oder wäre es nicht für
sie so wie für das Gesammte gut wenn sie nicht so mit der Abreise eilte?
Der Grund dieser fragende[n] Äußerung ist in mir ein zwey ja dreyfacher; einmal
ihre wünschende Äußerung, dann daß die Verhältnisse eben im Entwickeln sind
drittens daß mir Langethal sagte sie habe Liebe zu den Kindern rc.- doch ich
gebe diesen Gedanken nur hin.- Ihr späteres Nachkommen würde kein Hinder-
niß seyn.- So gutwillig und sonst mehrseitig brav Fr[an]k[e]nb[e]rg[s] Schwester ist, so
hat das eigentliche Haus und besonders die Küche wohl nie große Hilfe von ihr zu er-
warten. In meinen Augen ist das Verhältniß wenigstens als häusliche Gehülfin
auch nicht weniger als ein festes, indem es bis jetzt schon nicht einmal besteht, sie
auch überhaupt hier ihrer eigenen besonders erzieherischen Ausbildung zu leben wünscht.
Ferdinand läßt in Beziehung auf die vom Vater an ihn geschehenen Anfragen
sagen: die Duetten für Flöte und Violoncello von Danzi, dann noch die mehreren
Stimmen zu Romberg's Quintetten, welche bey den früheren Sendungen in Keilhau
zurück geblieben seyen wünsche er zu haben.
Eben lese ich Langethals Br. an Ernestine und finde wieder daß er Möglichkeiten
als große Bestimmtheit schreibt, dieß ist nicht mein Wille. Was hier die
Hausfrauen und so auch Ernestine als erste Erforderniß bedürfen sind oder
ist eine gute Haus- und eine dergleichen Küchenmagd oder vielmehr Köchin[.]
Begegnete Ernestinen ein solcher Fund und könnte sie ihn mitbringen, so brächte sie
sich der Mutter und dem Ganzen etwas Werthes mit.
Den 15en d. M. werde ich nach Burgdorf gehen.
Lebet recht wohl alle, alle grüßen wir alle besonders grüßt Dich und Eu[ch]
Dein und Euer
    FrFröbel.