Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 5.2.1834 ( Willisau)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 5.2.1834 ( Willisau)
(KN 46,17, Brieforiginal 1 ½ B 8° 6 S., tw. ed. Heerwart 1905, 94 [aus 2R]. - Der Brief wurde zwischen den beiden Teilen des Briefs an Barop und Middendorff v. 27.1./7.2.1834 geschrieben, aber unabhängig davon verschickt. Dies geht aus dem Briefanfang hervor, lt. dem F. noch am "heutigen Posttag" einen Brief abschicken will. Der Brief an Middendorff u. Barop [mit dem Brief an Barop v. 5.2.] kann aber frühestens am 7.2.1834 abgegangen sein.)

Willisau am 5en Tage im Monat der Klarheit (Febr) 1834.


  Grüß Euch Gott.

Damit Ihr wenigstens mit dem heutigen Posttag, wenn mir auch nicht möglich wer-
den sollte Euch ausführlich zu schreiben, doch das wesentlichste erfahret was ich
Euch heute zu schreiben habe, so will ich hier vor allem
Briefnotizen zu den heutigen Brief
andeutend niederschreiben; habe ich dann noch Zeit, so führe ich einen oder
den andern Punkt mehr aus.
1. Ja! Die Briefe, welche bey Euch Mittwochs auf die Post gegeben werden treffen
bis jetzt regelmäßig auch Mittwochs hier ein und zwar 8 Uhr Morgens
so daß ich also wenn es nöthig ist Euch noch an demselben Tage, Nachmittags
4 Uhr, wo hier die Post ab geht, antworten kann; treffen nun diese hier
am Mittwoch Nachmittags 4 Uhr zur Post gegebenen Briefe bey Euch auch
am Mittwoch darauf ein, so könnet Ihr also auf eine Frage an mich sicher
in 14, d.i. in 15 Tagen Antwort haben.- So hatte auch der heute empfangene
Brief das Postzeichen Rud: den 29. Jan. angekommen den 5en Febr.
2., Ihr schreibt mir Ihr habt von Barop einen Brief aus Dortmund d. d. 18 Jan.
und fügt hinzu: - "das weitere wißt Ihr (d.h. wir hier) gewiß von ihm
selbst."- Leider habe ich seit seinem Brief aus Köln d. d. 1 Jenner keine Nachricht
von ihm; es ist mir dieß wirklich sehr unangenehm da sich das Leben wie Ihr aus
dem Folgenden ersehen werdet jetzt hier so stark drängt, und ich gern das Leben
in seinem großen Umfange in Zusammenhang beachte und pflege. Deßhalb wäre
mir sehr lieb gewesen wenn Du Langethal! mir nur das Wichtigste warum er
z.B. noch in Dortmund verweilt und was er dort in seiner Sache fürchtet oder hofft
mitgetheilt hättet u.s.w. - doch - auch schweigen ist ja auch reden.
3., So eben kommen Euere an uns unterm 25n Dec: abgeschickten Sachen hier
an, sie wiegen 3 3/4 Ctr und kosten bis Basel Fk: 26.10 <rp> Schweitz schweizerisch und
von Basel bis hierher kostet der Ctr 2 Schweizer Frk d.i 20 <gr.> Rudolst. Währung
dieß zu Eurer Nachricht für die Zukunft. Der Gothaische Kommissionar ist
J. A. Kampf, das Baseler Haus heiß[t] J. J: Frey. (also in <Gz.> 336 Groschen Rud).
4. Vom Erz. Dep: in Bern ist heute ein Schreiben an mich angekommen
welches mir anzeigt daß die Regierung dem Dep: einen Credit von 1168,-
Schweizer Franken zum Unterhalt von 4 Zöglingen für das Jahr 1834 zuge-
sichert habe . Am 17en d. M: soll ich nun nach Münchenbuchsee gehen und [sc.: um]
mir unter mehreren Schullehrer Candidaten die entsprechendsten für
diesen Zweck auszulesen. (Doch hoffe ich noch die Nachricht zu bekommen daß
die Wahl schon vorher entschieden seyn wird und zwar auf den Grund
hinlänglicher Vorgebildetheit, Gediegenheit rc. Habe ich noch Zeit so lasse
ich dieses Schreiben von Ferdinand abstereotypisiren; doch enthält es
sonst nichts wesentliches.
Wie die Sache hier schnell in öffentliche Blätter übergeht werdet ihr
aus den beygefügten Abschriften aus dem Berner Volksfreund, und aus
dem Eidgenossen ersehen.
5. Den Artikel über Fellenberg habe ich blos Barop wegen abschreiben
lassen; doch auch ich komme noch darauf zurück; dem [sc.: denn] Fellenberg war
im Canton Bern zunächst die größte Entgegnung, der größte Widersacher /
[1R]
gegen mich und besonders gegen meine Wirksamkeit im Canton Bern. Er
wird gewiß einst heftiger gegen mich auftreten als der Decan Meyer
in Willisau und sein Anhang; dort wird er schwerlich mehr ausrichten
da er kein moralisches Urtheil ebensowenig als diese für sich hat; denn
es ist allen klar seine Unternehmung gründen sich auf die Triebfedern
des Eigennutzes, besonders grenzenloser Selbstsucht so z.B. nimmt man
es ihm sehr über [sc.: übel] daß es [sc.: er] sich überall als Sti uneigennützigen Stifter
einer großen Nationalunternehmung hinstellt; und doch weiß er sich für
alles immer sehr gut en masse, bezahlt zu machen. Mit mir scheint er
es jedoch im Guten vorerst versuchen zu wollen, wie Ihr aus der Ab-
schrift eines Briefes von ihm welche Ihr beykommend empfanget
ersehen werdet.- Ich habe auf diesen Brief halb eingehend, halb
ablehnend geantwortet, streng wie ein Geschäftsmann.-
Fellenberg bietet das Äußerste auf sich in der offentlichen Stimmung zu erhalten:
so hat er dem Berner Großen Rath in einer großen Folio Denkschrift, alle
Gebäude in Hofwyl mehr als 12 an der Zahl (Barop wird Euch davon er-
zählen) unentgeldlich zum Eigenthum des Staates angeboten, wenn man sie benutzen will um das
Berner Volksschulwesen, versteht sich auf seine
Weise, dadurch zu heben; doch ist er so klug daß er ausspricht: - wenn man
ihn auch hier der Selbstsucht rc beschuldigen wolle, so wolle er in einem
Jahre mit seiner ganzen Familie "auf den Wunsch des Großen Rathes" -
Hofwyl verlassen, habe man aber Zutrauen zu ihm, so wolle er
und seine Ganze Familie dem Staate unentgeldlich seine Dienste anbieten
denn er habe zu leben." rc[.]- Dieses wichtige Dokument werde ich Euch
gelegentlich auch zu senden suchen. Aus dem Berner Volksfreund aber erseht
Ihr wie die Stimmung des Volkes - des Erziehungsdepartements - der Regierung
und selbst die des Großen Rathes gegen ihn ist - Barop welcher hoffent-
lich wenn dieser Brief zu Euch kommt bald oder vielleicht gar schon bey
Euch ist, wird Euch über alles Auskunft geben.
6. Auch bekommt Ihr hier die Abschrift einiger Worte aus einem Briefe
von Dr Hollmann an Ferdinanden. Was dieser Brief nun ausspricht
was ich sonst schon von mehreren andern Seiten wußte so auch aus einem
Briefe vom He. Pfarrer Zyro in Unterseeen. (Barop hat davon Abschriften)
Dieß ist nun auch in einer gewissen Hinsicht von diesem Vereine
aus offiziell an mich gelangt. Ihr werdet dieses Lesen
7., in der Beylage eines Briefes des Herrn Regig. Rath. Schneiders
aus Bern an mich worinne er mich - "im Namen des Committées
für christliche Volksbildung im Canton Bern["] fragt: ob ich mich oder
Barop der Leitung der Kantonalerziehungsanstalt armer Kinder
oder wie sie auch im Berichte des CentralCommit[ée]s noch genannt wird: der
Musteranstalt für Erziehung armer Kinder - unter[-]
ziehen wolle.- Der Herr Pfarrer Stähli aus Hutwyl natürlich auch Mit[-]
glied dieses Vereines brach an welchen der Brief offen zur Einsicht ge[-]
schickt worden war, brachte mir vorgestern persönlich denselben und
wünschte sogleich meine Erklärung zu hören. Ich sprach nun aus: "
"Da wir alle hier und in Keilhau ein gemeinsames Ganze wären, da
"ich auch seit einiger Zeit von Barop keine Nachricht hätte, da ich über[-]
"haupt nicht wisse ob Barop so schnell nach der Schweiz zurück /
[2]
kehren wolle und könne, so könnte ich im Einzelnen und besonderen nichts
darüber aussprechen; doch erk[l]äre ich, daß wir als ein Ganzes d.h.
wir 4 (:L. M. B und Ich) wegen des uns von Bern aus gewordenen
Zutrauens aus unserer Mitte dem Bedürfniß des Committés ent-
gegenkommen würden und daß ganz gewiß einer von uns 4 (wo jeder
die Individualitäten abgerechnet, sich hinsicht der Leistungen gleich
stehen würde indem was ja der eine nach einer Seite hin <weniger> haben
sollte er nach einer andern Seite hin mehr habe[n]) - daß also gewiß
einer von uns die Leitung übernehmen werde. Allein es werde schwer[-]
lich einer von uns auf eine lebenslä[n]gliche Anstellung eingehen; doch
könnte ich die Versicherung geben, daß was wir als ein gemeinsames
unternehmen, wir auch als ein gemeinsames ausführen und vollen-
den würden, so daß wir uns von der Leitung und Führung nicht eher
zurückziehen würden bis das Ganze (NB unter der Voraussetzung
der dazu nöthigen hinlänglichen Fonds) gesichert in sich da stehen
werde; ich für mich und wir alle glaubte ich würden wünschen daß
dieß so bald als möglich und kö geschehen möchte.
Ich erklärte ihm ferner, daß wenn die gesammten und besonders öko-
nomischen Verhältnisse es möglich machen, ich keinesweges gesonnen
sey noch den Wunsch habe Willisau aufzugeben; im Gegentheil
den bestimmten Vorsatz es festzuhalten und aus[-] und fortzubilden.
Ferner erklärte ich, daß ich glaubte es würde in dem Wunsche von
uns allen d.h. von Euch so wie von mir liegen daß die Begründung, die
Anlage der neuen Anstalt durch mich geschehe, weil doch die Idee des
Ganzen ursprünglich in mir sich geregt, wenn auch jetzt gleichmäßig oder
vielleicht auch frischer noch in Euch lebe. Weil wir aber nur das
Tüchtigste überall wollten, hier in diesem Falle aber das Tüchtigste
zu leisten auch Noth thue, so würden wir nach unserm besten Dafür hal[-]
ten dafür stimmen wer von uns zur Ausführung, ob für immer oder [nur] für
eine Zeit der geeignetste sey.
Beyläufig erklärte ich sogleich, daß wenn wer von Keilhau käme, natürlich
die Reisekosten dafür müßten zuerst vom Verein gesichert oder
wenigstens gewährt seyn.
Ich wünsche nun sehr daß mit Eingang dieses Briefes bey Euch, auch
Barop wieder in Eure Mitte getreten seyn möge damit ihr diesen [sc.: mit diesem,]
welcher alle Verhältnisse kennt, alles klar überlegen könnt, denn
wie sollte es mir möglich seyn Euch hier und jetzt wo ich so beschäftigt
bin, über alles Euch die nöthige Auskunft geben zu können; schreibt
mir ja! ja! recht bald Eure Ansicht darüber.
7. Schreibt mir doch ja ob und wie Ihr glaubt daß Keilhau, als
Erziehungsanstalt von Ostern aus [sc.: an] ökonomisch noch bestehen kann
wenn alle die Zöglinge aus dem Großherz[ogthum] Posen ausgetreten seyn
werden; ich begreife es nicht; eben so wenig sehe ich ein daß
ihr mit Barop dann wieder 4 Männer hinlänglich beschäftigt
seyn könnet zumal da wir ja gegen Friedrich u Bernhard
nicht die Verpflichtung auf uns haben, sie bis zur Universitäts[-]
reife zu erziehen und bey uns auszubilden.- Die Classischen
Bedürfnisse scheinen sich ja dann sehr zu vermindern, so daß /
[2R]
wohl einer von Euch Dreyen (L. M. B) wieder frey würde.- Sollte nun
Keilhau ihrem soll heißen ersten Zwecke nach, als eine umfassen[-]
de Erziehungsanstalt bis zur Universitätsreife nicht ferner bestehen
können so könnte Ihr sein Ziel und Zweck, der Zweck und das Ziel der Keil[-]
hauer Erziehungsanstalt zunächst nur nach Außen hin, die Erziehung und Bil-
dung bis zum höhern Knabenalter seyn; Überlegt es nach Zurückkunft Ba-
rops und sprecht mir darüber Euere Ansicht aus.
8. Für jetzt aber dünkt mich könntest Du Langethal meinen im vorigen
Brief nur schleunigst hingeworfenen Gedanken immer prüfend fest hal-
ten; den: - "sobald also möglich eine Reise, sey es auch nur eine
Besuchsreise hierher zu machen."- Ich wollte Du hättest ihn schon aus[-]
geführt und wärst schon hier, es sollte Dir hier nicht an Arbeit
fehlen, denn ich weiß nicht wo ich anfangen wo ich enden soll, da
- alle jetzigen Lebenbegegnisse so tief und umfassend nicht
nur in die Gegenwart und in die Zukunft nicht nur für den Einzelnen
und kleinere Gemeinsamkeiten sondern für größere Ganze
Völker ja Menschengeschlechter eingreift und mich darum so gewal-
tig erregt und meine Thätigkeit so nach allen Seiten in Anspruch
nimmt.
Auf Barops baldige Rückkehr nach der Schweiz darf ich nun we-
nigstens - nicht einmal in der Ahnung zählen, denn wäre es billig
ihn - der vielleicht noch nicht einmal in den Schoos seiner Familie
zurückgekehrt ist - jetzt schon wieder und sey es auch nur in der
Ahnung derselben wieder zu entziehen. Nein! zunächst muß er die
nöthige Zeit haben sich erst in seiner Familie wieder aus- sich auch im
gemeinsam äußerlichen Leben wieder mit ihr einzuleben.
Sollte Barop und die Seinigen lust haben für einige Zeit in der Schweiz
heimisch zu werden, nun: so wird demselben dadurch daß Du Lgethl
eine Besuchsreise hierhermachst kein Hinderniß in den Weg gelegt. Ich
habe so so sehr viel mit Dir zu sprechen was ich niederzuschreiben nicht
Zeit habe; und wovon meine jüngsten Zeilen nur unverständliche
Andeutungen waren.
Du Langethal könntest nun (und zwar recht bald) wenn Barop
Dich <genügsam> in das Schweizerleben eingeweiset hat entweder
allein - oder mit einem oder einigen größern Zöglingen - wenn es
anders für zweckmäßig für sie geachtet und von den Ihrigen die Reise[-]
kosten getragen würden [kommen] - oder endlich hat meine Frau auch einen
Gedanken, den sie Dir Langethal aussprechen wird; - auch gegen diesen
Gedanken und dessen Ausführung habe ich Nichts - wenn er anders
dem Stande des Ganzen nach ausführbar wäre! Denn Gott wird
Deine liebe Ernestine Deine theure Gattin auch bald wieder stärken
wozu uns ja Dein heutiger Brief - als das größte und schönste Ge-
schenk daß er uns bringt - die erfreulichste Hoffnung giebt.- Dank
sey Gott dafür. Heißere in[n]igere Gebete für ihr Wohl und wieder[-]
kehrende Gesundheit können wohl kaum von einem Punkte der Erde
für sie aufgestiegen seyn, als Morgens und Abends und während des ganzen
Tages - hier in Willisau sich für sie im Gemüthe losgewunden haben.
Auch über diesen Punkt erwarte ich baldigst Eure Ansicht, das Ganze liegt vor Euch. /
[3]
9. Wegen des Armenerziehungswesens im Cant Bern, und des Vereines für christl
Volksbildung muß ich Euch doch noch andeutend erwähnen, daß - wie
Ihr aus der Anzeige im Eidgenossen (die mir von Bern aus eingeschickt
und nicht aus dem Berner Volksfreund abgedruckt erscheint) - ersehen
könnt, das Armenerziehungswesen und das Volksschul- und Volkser-
ziehungswesen im Canton Bern im innigen Zusammenhang unter sich
stehe; ob gleich das erstere, das Armenerziehungswesen zunächst nur
von Privatvereinen ausgeführt wird.
So ein Artikelchen wie das im Eidgenossen könnte wohl wörtlich aus diesen
Zeitungen als ein Artikel aus der Schweiz in eines Eurer Unterhaltungsblätter z.B. das Mittwochsblatt aufgenommen werden, gern
schickte ich Euch zu diesen Endzweck das Blatt selbst wenn es nicht zu viel
Porto betrüge; damit die Herren Redactoren es lieber gedruckt läsen.-
Doch hoffe ich werden sonst von mehreren Seiten Nachrichten von hie[r] aus
nach Deutschland kommen, welche Herrn Prof: Doctor K. H. Reden offenkundig Lügen strafen werden.
10., Der älteste Sohn unseres Herrn Pfarrer Stähli in Hutwyl
wird nächster Tagen als Zögling in die hiesige Anstalt eintreten; er heißt
Gottlieb. Die Mutter desselben, seine 2e Mutter eine treffl. Frau sagte mir:
"Alle meine Hoffnungen wegen der Zukunft meines Sohnes ruht in Ihnen."-
11. Künftigen Sonntag wird nach dem Wunsche Mehrerer hier wieder die
Glocke <gesu[n]gen> werden, wo Pfarrs von Huttwyl auch hier seyn werden.
Auch Gerichtsschreiber Kilchmanns die fortdauernd sich sehr treusinnig be-
weisen werden hier seyn. Dieß zur Nachricht für Barop.
12., Am Geburtstag des kleinen Johannes habe ich einen Geburt zur Feyer
desselben einen Brief an Middendorff u Barop begonnen; leider kam
ich nur mit Mühe zur Einleitung und bis jetzt habe ich nicht Zeit gehabt,
mich zur Fortsetzung desselben sammeln zu können; da ich überdieß ein höchst
wichtiges Buch: - "Über den Einfluß auf der Sitten auf die Gesetze u der
Gesetze auf die Sitten von Matter in Paris, übersetzt von Dr Buß,
Freyburg im Breisbau 1833. in der Herderschen Buchhandlung" - zu lesen
bekam. Welches Buch besonders gerad in der jetzigen Zeit mir sehr
wichtig war. Ich werde später wohl noch darauf zurückkommen.
Könnte ich Euch doch sogleich alles Lebenswichtige mittheilen!-
13. Solche Erscheinungen wie die vom Herrn Pfarrer Korn, den ich freundlichst nebst
Lommlern von mir zu grüßen bitte, müßt ihr ja recht ruhig und still sinnig
pflegen, wenn sie auch wie z.B. bey Frl. Schiller oder der Wittwe
Kandler keine Blüthen u Früchte trügen wenigstens nicht zu tragen <scheinen / schienen>
- es wird schon noch auf der Erde einen Punkt geben wohin sich rein
menschliches Zutrauen als ein Asyl hinflüchten kann um dort rein
menschlich in sich zu erstarken und sich dort rein menschheitlich zu
entfalten. Nur still und sin[n]ig achtsam auf die gesamte Menschheit[-]
Entwickelung in der jetzigen Zeit. Meine Geburtstagszeilen sollten
Andeutungen dazu geben; doch das Leben spricht selbst; spricht La[n]ge-
thal in Deinem vorigen Briefe wo Du es aussprachest: "- Das Leben
spricht selbst genug"- So wie in Deinem heutigen Brief wo Du wohl
selbst kaum weist und ahnest wo? und wie?-
Daß Ihr so sehr ruhig und sinnig still geht darinne habt Ihr sehr Recht.
Gott erhalte Euch auf diesen Weg, denn reichst Du eine Gabe, so schlägt
man [sc.: Dir] Dich statt sie zu ergreifen auf die Hand, daß Du für Dich der
Gabe verlustig wirst. So die Welt.- Gebt der Welt nichts und /
[3R]
fordert nichts von ihr so wird sie von Euch fordern und Euch geben.
14. GS. Zeh hat ganz recht wenn er sagt: - "es wäre doch außerordentl.
wie tief die Sache mit dem allgem. und öffentlichen Leben ver[-]
knüpft wäre pp.["]- Ich hoffe die Herren werden nun auf ihren
Stelzschu[h]en - classisch gesprochen Cothurnen - bald sehend werden.
Laßt uns nur auch sehend und hörend werden was der Zeiten[-] und
Weltengang spricht.- Ja Langethal! die stumme Rede ist die klarste,
und die starre Rede, die Sachsprache, die Lauteste.
15., Ich hatte Euch auch noch zu sagen daß ich bey auf Einladung, bey der 2en 
Hauptversamlung des BezirksVereines für christl. Volksbildung in
Summiswalde gegenwärtig war - (Ihr werdet nun meine Gedanken
die ich über diese Bezirksarmenanstalt dem Herrn Pfarrer Stähli ausge[-]
sprochen habe - in dem jet jüngst mit Dudens Reisebericht an Euch ab[-]
geschickten Packet erhalten haben).- Doch wer ist im Stande Euch alles
mitzutheilen; es geschahe mir dort viel Freundliches rc.- Der
Verein war wie ein GroßerRath constituirt hat seinen Präsid-
Sekr Vicepräs: Sekr: u.s.w u.s.w. Die Abstimmungen geschahen
wie im GroßenRathe, ruhig nach lebhaften Reden. Barop kann
Euch das deutlich machen; die Sitzung dauerte von 10 Uhr Morgens
bis 3 Uhr Nachmittags ununterbrochen, gegenwärtig waren 33 wirk-
liche Mitglieder. Davon wohl auch in Zukunft mehr. Denn: fast scheint
es als sollte ich auch mit diesen Bezirksverein in nähere Berührung
kommen wie?- Davon vielleicht bald.
16.  Frankenberg hat heute von Schäfer aus Goßlar Briefe erhalten;
Er zieht den Prediger Wirkungskreis vor in welchen er ehestens durch
eine Helferstelle zu treten hofft welche ihm gleich nach E Ankunft
Eures Briefes vom Ministerium in Goslar angetragen worden ist;
doch hofft er noch einmal auf einige Zeit nach Keilhau zu kommen.
17. Wegen Eines Musiklehrers Dich mein lieber Langethal nach E- [sc.: Erfurt]
an G- [sc.: Gebhard] zu wenden war meine Absicht nicht, daher mag ich für
meinen Zwecke keinen Musiklehrer mehr; denn es scheint mir jetzt
gar nicht möglich daß ein in diesen Schulen gewesener junger Mensch
nicht durch und durch so vom Weltleben durchdrungen sollte worden seyn,
daß er für ein wahrhaft erziehendes (nicht künstlerisches) Interesse
wirklich noch eingehend seyn sollte. Meine Absicht ging nur auf die
Festhaltung jenes bestimmten Verhältnisses da nach Middendorffs Brief
jener junge Mann zum musikalischen Erzieher, oder besser zum Erzieher
durch Musik, gebildet worden war.-
18. Her[r]n Dr Leicmann meinen Gruß. Den mir von ihm mitgetheilten Aufsatz
finde ich nach flüchtigem Durchlaufen - was bis jetzt nur möglich war -
recht gut. Er macht mich begierig die größeren Aufsätze für den
Allgem: Anzeiger und das Convers: Blatt zu lesen.
19 Über Leipzig di unter Zusendung an die Buchhandlung von Haber & Comp.
in Bern. (Gerechtigkeitsgasse) kann ich von Leipzig aus Packete erhalten.
freylich weitläufig; doch ist es gut daß man im Fall größerer
Sendungen durch den Buchhandel - welche gute Weile, d.h. keine Eile
haben, so etwas wenigstens weiß.- Lebet alle recht wohl. 1000 Grüße
Gott stärke Dich Langethal u besonders Deine Ernestine. Es grüßt das gesammte obere u untere
Haus Euer Friedrich Fröbel