Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Schneider in Bern v. 8.10.1833 (Bern)


F. an Johannes Schneider in Bern v. 8.10.1833 (Bern)
(KN 45,16, Abschrift 2 B fol 6 ½ S. Ferdinand Fröbels; ed. in: Der Schweizerische Kindergarten 9 (1919), 61-66, 73-76 und Geppert 1976, 22-32. Die Textversionen der beiden Editionen von 1919 und 1976 stimmen im Wortlaut überein. Aber es fehlen bei der Edition von 1919 die einleitenden Abschnitte 1-5 der Edition von 1976. Der Brief F.s wird im Bericht von Johannes Schneider an das Erziehungs-Departement Bern vom 24.10.1833 “im Auszug”, ohne Briefkopf, mit einigen Kürzungen sowie einem Zusatz F.s wiedergegeben. Schneiders Bericht ist ediert bei Geppert 1976, 22-36, dort F.s Brief S. 22-32. Zu F.s Brief vom 8.10.1833 bemerkt Geppert S. 36, er sei “bis jetzt noch nicht auffindbar”. Der Bericht Schneiders liegt im Staats-Archiv Bern. Seitenangaben von F.s Brief nach der Abschr. im KN.)

Bern. Dienstag am 8ten October 1833.


An Titl Herrn Regierungsrath Schnyder [sc.: Schneider] in Bern.


     Hochgeehrtester Herr!

Um die in Ihrem verehrlichen Schreiben vom 3ten dieses Monats vertrauensvoll an mich gestellten
Fragen, im Allgemeinen die Geschichte meiner Ansiedlung als ausübender Erzieher im Kanton Luzern be-
treffend, zu beantworten, muß ich ergebenst bitten in meinem praktischen Wirken in Deutschland mehre-
re Jahre zurückgehen zu dürfen, in welcher Zeit mir zwar noch nicht die Ahnung einer Übersiedlung nach
der Schweiz kam, wo aber doch eigentlich die Geschichte derselben in ihrem dortmals unsichtbaren Keime beginnt.
Den jetzt regierenden Herzoge von Sachsen Meiningen veranlaßte, irre ich nicht im Jahre 1827,
die Besitznahme des ihm durch die Erbschaft zugefallenen Fürstenthums Saalfeld u sein persönlicher
Besuch der Hauptstadt desselben, gleichen Namens, welche 2 Stunden von Keilhau entfernt ist, Män-
ner von der Regierung dahin zu senden, um sich prüfend von dem Stande u den Früchten meiner erzie-
herischen Wirksamkeit daselbst, persönlich zu unterrichten.
Ich hatte die Freude, daß diese Männer meine Anstalt mit der vollkommensten Genugthuung verließen.
Um ihre desfalsige Aussagen bey dem Herrn Herzoge zu belegen, ersuchten sie mich, ihm mehrere Arbeiten meiner
Zöglinge einzuhändigen.
Die Folge dieses Besuches war, daß sich im Februar 1828 zwischen gedachtem Herrn Herzoge von Sachsen-Mei-
ningen u mir unmittelbar persön1iche Verhandlungen wegen der Errichtung einer Volkserziehungsanstalt
auf einem seiner Kammergüter, Helba bey Meiningen, anknüpften, welche Anfangs December 1828 auch förmlich abgeschlossen wurden, so daß die Eröffnung dieser Anstalt für Ostern 1829 öffentlich angezeigt, die Ausführung derselben
aber von dabey betheiligten Männern hintertrieben wurde, so daß sie noch bis jetzt nicht ins Leben treten konnte.
Anzeige u Plan dieser Anstalt liegen hier bey unter No 000, 00 u 0.
Die Folgen dieser Verhandlungen waren jedoch von mir eine Abhandlung über die Grundsätze der Erzie-
hung überhaupt u besonders der Volkserziehung. Diese Abhandlung nebst dem Plane jener Anstalt wurde durch
ein sehr eigenes Zusammentreffen von Umständen dem jetzigen Director der Musterschule (Bürgerschule) zu Frankfurt
Herrn Dr. Bagge gleichsam zur Prüfung übersandt. Obgleich dieses ganz ohne mein Wißen geschah, so wurde mir
doch später das sehr günstig beystimmende Urtheil dieses erfahrenen erziehenden Lehrers bekannt u bewirk-
te eine nähere erzieherische Einigung zwischen demselben u mir, welche von seiner Seite den Wunsch zur Folge
hatte, sich näher mit den Ergebnissen meiner Unterrichtsweise bekannt zu machen, wenn ihm seine amtliche
Stellung es nur möglich machen könnte, weil er besonders die Absicht in sich trug, daß in meiner Anstalt
zur einstigen Wirksamkeit an der Musterschule junge Männer als erziehende Lehrer vorgebildet wer-
den möchten, indem er mit mir die gleiche Ueberzeugung hatte, daß selbst nur in den eigentlichen öffent-
lichen Schulen, wenn die daran angestellten Lehrer zugleich auch ausübend erfahrene Erzieher wären,
etwas Tüchtiges geleistet werden könne.
Meine Erzieherische Wirksamkeit hatte im J. 1805 in Frankfurt a/m begonnen u ich war (mit Einschluß
eines 2jährigen Aufenthaltes bey Pestalozzi in Yverdon) bis Mitte des Jahres 1810 daselbst
praktischer Erzieher u. Lehrer u selbst während 1 ½ Jahren unter der dortmaligen Leitung eines gewissen
Herrn Oberlehrer Gruner Mitlehrer an derselben Musterschule, an welcher jetzt HE Dr. Bagge als Ober-
lehrer stand u noch steht. Da ich nun schon lange das Verlangen in mir trug, gleichsam mein erzieherisches
Jugendland wieder zu sehen, so bestimmte mich der Wunsch des genannten HE Dr. Bagge, denselben zu genügen.
Im May 1833 [sc.:1831] reiste ich von Keilhau nach Frankfurt ab, versehen mit den Ergebnissen
meiner Lehrweise nach allen Seiten des Unterrichts [hin], um diese Lehrweise durch Arbeiten meiner Zöglinge
dem HE Dr. Bagge u andern praktischen Erzieher[n] zur Prüfung in Zusammenhang vorzulegen.
Ein sehr eigenes Zusammentreffen von Umständen machte, daß ich gleich nach meinem Eintritte in Fr[an]k-
furt, ohne noch irgend einen meiner frühern Bekannten u alten Freunde daselbst gesehen zu haben, einen
mir bisher ganz unbekannten Mann, einem Schweizer aus dem Kanton Luzern zugeführt wurde.
Dieß war HE Xaver Schnyder von Wartensee, Besitzer des Stammschlosses gleichen Namens am Sempachersee.
Merkwürdiger Weise wurden wir gleich beym ersten gegenseitigen Blicke ins offene Auge /
[1R]
u kräftigen Handschlag Freunde, wozu wie es damals schien, meine alte Liebe zur Schweiz u zu den Schweizern, die dadurch
erregten Erinnerungen u besonders unsere gemeinsame Liebe zu den Naturwissenschaften die Veranlassung war.
Von diesem Augenblicke an waren wir, gleich alten Bekannten, während meines 10wöchentlichen Aufent-
haltes in Frankfurt ununterbrochen in innig freundschaftlichen Wechselverkehr. Die Zeit dieses Aufenthaltes
daselbst war nur erzieherischen Mittheilungen besonders an ausübende Erzieher, ja der bestimmten Belehrung
in einzelnen Zweigen unseres Unterrichtsganges gewidmet. Herr Schnyder wurde so natürlich auch mit dem Geiste
meiner erzieherischen Bestrebungen, mit den Ergebnissen derselben u so namentlich den Arbeiten meiner Zöglinge
bekannt. Er wurde davon mehrmals in sich freudig erregt. Als ich ihn so eines Abends aus einer Gesellschaft,
wo ebenfalls dieser Gegenstand wieder verhandelt worden war, nach seiner Wohnung zurückbegleitete
äußerte HE Schnyder von Wartensee, wie zufällig hingeworfen, den Gedanken: "Ich wünschte, Sie be-
gründeten eine Ihrer Keilhauer Erziehungsanstalt ähnliche in Wartensee in der Schweiz.["] Meine
Unkunde in der Schweizer Specialgeographie erlaubte mir jetzt nicht diesen Gedanken aufzunehmen, da ich den
Ort Wartensee nicht kannte. Doch später erklärte sich mir HE Schnyder bestimmt darüber, daß dieß
sein Stammschloß am Sempachersee sey, welches nebst einigem Lande noch sein Eigentum wäre u welches
Land u Gebäude [er] soweit es ihm jetzt schon möglich sey zu meiner Verfügung stellen wolle, wenn ich glaube,
daß es mir gelingen könne, dort eine der Keilhauer ähnliche Erziehungsanstalt begründen zu können.
Von nun an bekamen unsere Mittheilungen über diesen Punkt einen immer ernsteren u bestimmteren Cha-
rakter, wobey mir HE Schnyder ebenfalls nur gelegentlich einmal aussprach, daß er nächstens eine Reise
in sein Vaterland beabsichtige u bey dieser Gelegenheit für die Ausführung unseres nun gemeinsamen
Vorhabens wirken werde, hinzufügend: in diesem Augenblicke ist dazu nicht der Zeitpunkt, denn es ist
wegen der erst kürzlich im Kanton Luzern begonnenen Umänderung der Regierung dort alles noch zu
sehr in Gährung u im Krieg, wir müssen, ehe wir etwas beginnen, es sich dort erst beruhigen
lassen. Nein! erwiderte ich, diesem ist meine Meinung gerade entgegengesetzt. Was in der Zeit des Frie-
dens aufgehen, blühen, Früchte bringen soll, das muß in der Zeit des Krieges, der Zeit der Umacke-
rung, der Zeit der Urbarmachung still gesät werden; ist es Ihnen mit den mir gemachten
Vorschlägen Ernst, so reise ich stehenden Fußes, ohne vorher erst noch nach Keilhau zurückzukehren
mit Ihnen nach der Schweiz u auf Luzern um dort alles gemeinsam mit Ihnen zu prüfen u wenn es
möglich ist einzuleiten u festzustellen. Denn nach den mir vorliegenden naturhistorischen (physikalischen)
geschichtlichen, ich möchte sagen anthropologischen Gründen, war jetzt ein Moment erschienen,
wo für Begründung ächter Menschenerziehung eine Saat gestreut u ein Keim gelegt werden könnte,
wie dies nur durch ein solches Zusammentreffen von Umständen: Religion, Verfassung, Geschichte,
Natur, Erziehungsbedürfniß, Erziehungsmittel u Erziehungsgelegenheit im Leben selten möglich ist.
Während der ganz[en] Zeit der Verhandlungen mit HE Schnyder, hatte ich mich darüber mit den Gliedern meines
Hauses in Keilhau schriftlich mitgetheilt u verständiget, so daß meine Ansicht u Ueberzeugung zugleich die ihrige war.
Meine Verhältnisse in F. machten mir es möglich, die zur Reise nöthigen Gelder auf Keilhau
zu beziehen und so trat ich denn wirklich am 14 July 1831 in Gemeinsamheit mit HE Schnyder die Reise
nach der Schweiz u nach dem Kanton Luzern an. Am 20ten kamen wir in Wartensee an. Nach nur 3tä-
gigem Aufenthalt daselbst ging HE Schnyder nach Luzern, um dort alles für unser Unternehmen vorzu-
bereiten, um, wenn daselbst der Plan Eingang fände, mich sogleich nach Luzern zu bescheiden. Dieß
geschah nach beyläufig 9 Tagen, wo HE Schnyder mir ohngefähr aus Luzern schrieb: Kommen Sie, unser
Vorschlag findet das günstigste Gehör, es ist als wenn alles zur Verwirklichung desselben vorbereitet
wäre. Und so war es denn auch wirklich.
Nachdem ich verschiedene meiner Schriften, die ich dortmals bey mir hatte, unter andern
die Anzeigeschriften meiner, der allg. deutschen Erziehungsanstalt in Keilhau u die Unterrichts-
pläne mehrerer auf einanderfolgender Jahre, dem Erziehungsrathe des Kantons, namentlich d dortmaligen Herrn Präsidenten desselben H Pfyffer u Herrn Abbé Girard zur Einsicht
vorgelegt hatte, kam mir der Auftrag bey demselben einen kurzen Plan zu der beabsichtigten /
[2]
Erziehungsanstalt in Wartensee persönlich einzureichen. Dieß geschah am 31ten July in Gegenwart der eben gedachten bey-
den Herren. Diesen dortmals vorgelegten Plan erlaube ich mir in der Anlage No 1 hier beyzufügen. Er erfreute
sich nicht minder der Beystimmung des HE Abbé Girards als besonders der lebhaften Zufriedenheit des HE Eduard
Pfyffer
. Die Errichtung der Wartenseer Erziehungsanstalt war nun entschieden, doch verschob sich die Aus-
führung des deshalb nöthigen Erlasses des Kleinen Raths dringender Geschäfte halber bis
zum 10ten August u die Zufertigung durch den Tit Erziehungsrath bis zum 12ten. Beyde erlaube ich mir
hier in der Anlage No 2 in Abschrift beyzulegen. Von den dortmals vorgelegten Schriften besitze
ich in diesem Augenblicke leider keine hier, sondern nur noch einige der gedachten Unterrichtspläne der
Keilhauer Anstalt, welche hier ebenfalls unter a-b-c-d e f g h beiliegen.
Unter oben gedachten Umständen ließen wir schon an dem 3ten Aug. eine öffentliche Anzeige deshalb
drucken, im Wesentlichen wörtlich gleichlautend mit dem bey dem Hohen Erziehungsrathe eingereichten
Plane. Diese Anzeige liegt hier unter No 2b bey.
Nachdem die Verhandlung mit der Hohen Regierung beendigt u unsere Erziehungsanstalt vor dem Publicum
öffentlich aufgetreten war, wurde eine Uebereinkunft zwischen HE Schnyder u mir niedergeschrieben, welche unser
gegenseitiges Verhältniß als gemeinsame Vorsteher u Begründer der Anstalt bestimmte. Diese Ueberein-
kunft habe ich gegenwärtig nicht bey mir, kann solche aber später nach Ihrem Wunsche abschriftlich zusenden.
Als nun so alles Wesentliche zur Begründung der Anstalt beendigt war, reiste HE Schnyder
am 21ten Aug. nach Fr[an]kfurt zurück u überließ mir ganz allein die Pflege u den Schu[t]z einer schwa-
chen Pflanze, von der ich dort noch nicht wußte, auf welchem feindseligen Grund u Boden u unter wel-
chen feindseligen Verhältnissen sie gepflanzt worden war. Erwähnen muß ich hier noch, daß wie mir
HE Schnyder früher in Luzern einen alten Mitgenossen in der Pestalozzischen Anstalt zu Yverdon, den jetzi-
gen HE Hofrath u Dr Flury, Erzieher am kaiserlichen Hofe in Wien, welcher sich über den neuen Sprössling
der alten pestalozzischen Eiche aufrichtig freute, zugeführt hatte; er mich jetzt auch von neuem in einen frischen
Lebensverkehr mit HE Pfarrer u Decan Sigrist in Wohlhusen versetzte, welcher ihm u seiner Familie per-
sönlicher Freund war, wie wir uns gegenseitig alte erzieherische Genossen Pestalozzis von Iferten her waren. Die Wirkung
davon war[en] 1 oder 2 prüfende Besuche desselben in Wartensee u einige Briefe welche später so geschichtliche Bedeutung
bekommen haben; die ich darum wieder zu erwähnen u beyzulegen Veranlassung haben werde.
Indem ich mich nun so still zu meiner neuen Wirksamkeit vorarbeitete erschien unter dem 1ten Octbr in der Appen-
zeller Zeitung ein ganz namentlich gegen meine Person gerichteter anonymer Aufsatz, welcher in der Art seiner
Sprache u seinem Geiste nach zur Absicht hatte mich mit einemmale in der Schweiz moralisch todt zu schlagen
u meine Wirksamkeit daselbst in der Wurzel zu vernichten. So unwürdig nun auch die Sprache in demselben
ist, dass es mir die hohe Achtung für Sie, hochgeehrtester Herr kaum erlaubt, Ihnen denselben mitzuthei-
len, so fühle ich mich doch dazu gezwungen, indem dieser Aufsatz nun einmal öffentlich erschienen
ist und er so eine entgegengesetzte Wirkungen hervorbrachte, als der Verfasser desselben
beym Niederschreiben beabsichtigte. Dieser Aufsatz u meine Erwiderung darauf liegt hiebey
unter A u B vor.
Die Wirkungen feindlicher Angriffe auf mich u mein neues Wirken waren, daß auf Veran-
lassung der Führer meiner Keilhauer Anstalt u von ihnen selbst Originalzeugnisse bey dem Hohen
Erziehungsrath in Luzern, betreffend meine Person u mein mehrfaches Wirken in Keilhau, eingesandt wur-
den, welche, da sie später zu meiner Rechtfertigung öffentlich abgedruckt wurden in der Anlage C enthalten
sind. Da sich nun zufolge meiner öffentlichen Aufforderung kein Verfasser jenes anonymen Aufsatzes
nannte, aber durch die gesammten Umstände ein gewisser Dr Karl Herzog in Jena mit vieler Ge-
wißheit für den Verfasser desselben gehalten werden mußte so entstand zwischen ihm u den Füh-
rern der Erziehungsanstalt in K. ein Briefwechsel, der diese gedruckte Beylage gleichfalls ent-
hält, so wie eine Erklärung von ihm, welche er in der Appenzeller-Zeitung vom 14ten Januar 1832
abdrucken ließ, welche ebenfalls abschriftlich beyliegt unter D.
Ohngeachtet des sich so früh gegen mich erhebenden Krieges im Kanton Luzern, so war doch /
[2R]
gleich bey der wirklichen Eröffnung meiner Erziehungsanstalt in Wartensee, ich sollte eher sagen Volks-
schule, am 13ten Novbr die Theilnahme so ansehnlich, daß ich mir vorher zur Unterstützung meinen
Neffen, ehemaliger Zögling der Keilhauer Erziehungsanstalt hatte kommen lassen, die Anzahl uns. Schüler
war nemlich 17 von dem verschiedensten Alter von 6 bis 19 Jahren. Sie würde gleich anfangs 25 gewesen seyn, wenn
nicht gleich anfangs die stillen Umtriebe kath. Geistlicher mehrere Eltern von der Theilnahme daran für ihre
Kinder abgehalten hätten. So wirkte[n] ich u mein Neffe gemeinsam den Winter hindurch. Gegen das Frühjahr
wurde mir, wie ich später hörte, im Auftrage von dem Hohen Erziehungsrath des Kantons durch den Herrn Oberlehrer Rietschi während dem Laufe des Unterrichtes besucht, welchem wir zu gleicher Zeit die Arbeiten uns. Zöglinge vorlegten. Er
äußerte sich darüber gegen uns sehr beyfällig u soll sich auch dortmals günstig beym Hohen Erziehungsrathe für unser
Wirken ausgesprochen haben, doch ist mir von Seite der Behörde nichts darüber bekannt gemacht worden. Da
alle meine Kinder Schüler aus Kindern der Landschaft bestanden u ich niemals der Pflege von persönlichen Verhält-
nissen sondern einzig meinem Berufe lebte, so entstand, wie mir später woh1 gedeutet wurde, außer der Opposition
der Geistlichkeit auch noch eine andere stille aber starke Entgegenwirkung. Die Folge davon schien zu seyn, daß
Wartensee gleich in seinem ersten Keime auch wieder verwelken würde, da es schon bisher öconomisch nicht
durch sich sondern durch ein sehr günstiges Zusammentreffen meiner Lebensverhältnisse bestanden hatte. So
stand das Ganze ungefähr im Herbste 1832
Wegen der Wichtigkeit in der mir die gesammten innern Schwei-
zerverhältnisse ohngeachtet des äußerlich Widrigen zu[r] Begründung einer ächten Menschenerziehung schien[en],
hatte ich vorher die Führer der Anstalt in Keilhau aufgefordert, eines ihrer Glieder mit übertragenem
Vertrauen aller zu mir zu senden um die Gesammtheit der hiesigen Verhältnisse persönlich mit mir
in Beziehung auf uns[ern] Lebenszweck zu prüfen u die Erfüllung geschah in der Person des HE Barop
welcher schon seit 9 Jahren [als] ein innig geeintes Glied in Keilhau mitgearbeitet hatte. Von nun an theilte
derselbe mit mir alle Verhandlungen im Verfolge des Ganzen.
(Herr Schnyder von Wartensee hatte schon vorher, den unangenehmen Kampf, der sich gegen mich im Kann-
ton erhob ausweichend, sich von der fernern unmittelbaren Theilnahme an meinem erziehenden Wir-
ken deshalb losgesagt u die Fortsetzung desselben auf mein eignes Risiko ganz in meine Hand gelegt.)
So stand das Ganze ungefähr im Herbste 1832, als ganz unerwartet eines Nachmittags 3 mir
bisher ganz unbekannte Männer, einer mir fast unbekannten Stadt als Gesandtschaft eines Vereins
von Familienvätern in Beziehung auf meine Erziehungsanstalt, zu mir ins Zimmer traten. Es waren dieß
die HE Reg[ierungs]r[a]th Hecht, der Dr Med Just Berth [Jörger] u Großrath Wechsler, sämmtlich aus Willisau. Sie machten mir den Antrag
meine Erziehungsanstalt von Wartensee nach Willisau zu verlegen, indem sie gesonnen seyn, wenn ich darein
eingehen würde, das dortige oberamteyliche Schloß von der Regierung zu kaufen u mir zu diesem Zwecke
zu übergeben. In Folge dieses Antrages wurde unterm 13ten Novbr eine förmliche Uebereinkunft zwischen
genanntem Verein u mir abgeschlossen, die hier abschriftlich unter No 3a beiliegt.
Nach dem §16 dieser Uebereinkunft hatte der Verein die Obliegenheit alles deshalb nöthige
bey der Hohen Regierung in Luzern einzuleiten u zu betreiben. Hatte die Geistlichkeit
bisher im Stillen gegen mich gewirkt so trat sie unter der Anführung des Herrn Decan Meyer
zu Willisau öffentlich gegen mich auf. Die Folge davon war eine beym Großen Rathe eingereichte
Petition der Landgemeinde von Willisau, im Anfange dieses Jahres, welche die Ausführung der
Erziehungsanstalt in Willisau gleich in ihrem ersten Keim unterdrücken sollte; doch sie wurde, wie die öf-
fentliche[n] Verhandlungen es darlegen, worüber die Documente hier vorzulegen mir nicht gleich möglich ist, von dem
Hohen Gr. Rathe zurückgewiesen. So wurde denn von dem Kleinen Rathe auf den Grund dieser Großraths-
beschlüsse die Versetzung der Erziehungsanstalt von Wartensee nach Willisau untern 15 März dieses Jahres
förmlich beschlossen, worüber der hier unter No 3 beyliegende Auszug aus dem Verhandlungsprotocoll
die weitere Auskunft giebt.
Da die Uebereinkunft zwischen mir u dem Verein in § 18 mir die Verpflichtung auflegt, vorher die
erforderliche Niederlassungsbewilligung im Kanton zu bewirken, so wurde sie auf mein An- /
[3]
suchen von dem Kleinen Rathe unter dem 20ten May [Korrektur Geppert: März] ertheilt wie die Abschrift No 4 beweißt, nachdem ich vorher bey demselben einen Heimathschein eingesandt, wovon die Abschrift unter No 5 hier beiliegt.
Während dieses alles in der Schweiz verhandelt wurde, war ich zur Ordnung meiner Angelegenheiten in Deutschland
nach Keilhau zurückgekehrt, zugleich auch um mir die nöthige Hülfe u namentlich meine Frau als Hausmutter des neuen
Kreises nach Willisau zu holen. HE Barop u Ferd. Fröbel waren jedoch während der ganzen Zeit in der Schweiz u
in Wartensee zurückgeblieben u da sich die Eröffnung der Willisauer Erziehungsanstalt gegen aller Erwar-
ten bis nach Ostern dieses Jahres hinausschob, so wurde der Unterricht in Wartensee fortgeführt.
Da nun so nach Empfang der Niederlassungsbewilligung alle Verpflichtungen gegen die Regierung
erfüllt waren, so wurde unterm 21ten Merz von sämmtlichen Gliedern des Vereines eine Einladung
an mich nach Keilhau ausgefertigt, die mich auffordert[e] zur wirklichen Eröffnung der Erziehungsan-
stalt auf den Grund unserer Uebereinkunft nach Willisau zurückzukehren. Dieses einladende
Schreiben liegt unter No 5 hier bey [.]
Auf dieses Schreiben kam ich am 30ten April in Willisau an.
Die sämmtlichen Glieder, die sich mit mir zur Ausführung der Willisauer Erziehungsanstalt geeiniget u
zum Theil schon vor mir [sich] in Willisau zusammengefunden hatten, waren jetzt: meine Frau mit ihrer Gehülfin
u einer Pflegetochter, Herr Dr. K. Borberg, Ferdinand Fröbel, Friedr. Gnüge, Heinrich Langguth u ein lehrender Zögling u Pflegesohn Carl Clemens. (Dr. Borberg trat jedoch bald aus dem Kreise aus, sich um eine Lehrer-
stelle in Zürich bewerbend; da ihm diese zu erlangen aber nicht möglich wurde, jetzt als Lehrer bey HE von Fellen-
berg
in Hofwyl lebend); an seine Stelle trat HE Dr Aug Hollmann am 9ten July, welcher, wie ich höre, jetzt
als Secundarlehrer in Langenthal ernannt worden seyn soll) HE Adolph Frankenberg gleich beym er-
sten Beginn zum Mitarbeiter ernannt trat jedoch erst durch Umstände [verhindert] mehrere Wochen später ein.
So wurde nun die Willisauer Erziehungsanstalt weil Montags ein kirchliches Fest in W. war, Dien-
stag am 2ten May eröffnet nachdem vorher in mehreren öffentlichen Blättern Anzeige davon geschehen
war, (wovon mir leider kein besonderer Abdruck zu Gebote steht, die ausgeführten Aufnahmsbedingungen
in gedachte Anstalt jedoch unter No 7 in Abschrift hier bey[gefügt ist] u nachdem, der mir obliegenden Verbind-
lichkeiten zu genügen der Lehrplan für das laufende Sommerhalbjahr bey dem Hohen Erziehungsrath zur Ge-
nehmigung eingesandt u von demselben genehmigt worden war; dieser ist beygelegt unter No 8 welcher zugleich
die Zahl der Halbzöglinge anzeigt, deren sich die Anstalt in diesem Halbjahr erfreute.
Aber kaum hatte so die junge Anstalt zu wirken begonnen, als sich von neuem ein Theil der kath.
Geistlichkeit u namentlich sämmtliche Geistliche des Capitels Willisau unter der Anführung des HE Dr Meyer
von neuem auf das kräftigste gegen dasselbe erhob. Nicht nur wurde eine Petition vom genannten Capitel
u wiederkehrend eine 2te von der Landgemeinde Willisau, sondern, wie ich höre, von 20 u einigen Gemeinden
des Kantons, auf Betreib dieser Herrn bey dem Gr. Rathe eingereicht, wie die Verhandlungen darü-
ber in öffentlichen Blättern vorliegen. An diese Bestrebungen des Hn. Decan Meier schloß
sich denn auch, auf höhere Veranlassung, wenn ich anders nicht berichtet bin, der meinem Wir-
ken in Wartensee früher günstige Decan Sigrist, durch eine besondere bey der Hohen Regierung
in Luzern eingereichte Erklärung an. Die Glieder des Vereins fanden sich dadurch veranlaßt, die
ihnen bekannt gewordenen Worte obengedachter Briefe an mich der Hohen Regierung, jedoch
ohne mein Mitwissen als Actenstück vorzulegen. HE Decan Sigrist hat sich dadurch auf-
gefordert gefunden in einer besondern Schrift unter dem Titel: einige Worte über das Fröbel-
sche Institut zu Willisau, gegen diese Anstalt öffentlich aufzutreten. Da derselbe nun in dieser
Schrift mir besonders die Kundmachung seiner Briefe zur Last legt, ohne daß jedoch diese öf-
fentliche Kundmachung wirklich u noch weniger durch mich geschehen war, so habe ich mich genö-
thigt gesehen, dieses in einer besondern Erklärung unter dem Titel: Nothwendige Ergänzung pp
welche unter No y hier beyliegt öffentlich auszusprechen. Von der Sigristischen Schrift selbst
steht mir hier kein Exemplar zu Gebote, doch lese ich in dem Augenblick in der neuen Zür-
cher Zeitung No 80 Zürich vom 59ten Octbr, daß sie einen sehr scharfen u gewandten Beurthei- /
[3R]
ler gefunden hat.
So durch die Umtriebe des überwiegend größten Theils der kath. Geistlichkeit des Kantons Luzern
in dem innersten Wesen meiner Erziehungsgrundsätze angegriffen, fand ich mich aufgefordert, sol-
che dem Hohen Gr. R[a]the des Kantons Luzern zur Einsicht vorzulegen. Da ich keine Muße
hatte diesen Gegenstand für diesen Zweck zu bearbeiten, so wählte ich deßhalb u anderer
Rücksichten halber, eine früher von mir geschriebene Abhandlung u überreichte solche dem
Präsidium des Gr. R. unterm 18 July. Ich erlaube mir diese Schrift: Grundzüge der Menschen-
erziehung pp auch hier unter No 9 beyzufügen.
Durch die so von neuem gegen mich erhobenen Bekämpfungen u die dadurch bewirkte sehr
leidenschaftlich aufgeregte Stimmung unter der niedern Volksclasse im Kanton Luzern na-
mentlich unter den Landbewohnern besonders von Willisau u vorzüglich durch die Verwerfung der neuen
Bundesurkunde, welche von mehrern Seiten der Willisauer Erziehungsanstalt zur Last gelegt ist, und
durch das häufige Predigen dagegen von Orts- u Weltgeistlichen in verschiedenen Gemeinden u selbst
in Willisau in unserer persönlichen Gegenwart, wo wir sammt Eltern und Zöglingen in die Hölle
gesandt wurden u wo dem stark versammelten Volke zugerufen ward: Jaget die Wölfe aus dem [Lande].
Durch diese vielfachen unaufhörlichen Umtriebe wurde der Verein in sich so entmuthiget, daß er mir
durch HE Barop u meinen Neffen Ferd. Fröbel die förmliche Erklärung zu kommen ließ, daß er die
Erziehungsanstalt in Willisau förmlich aufgebe u dieß zu Gunsten der durch die verschiedenen
Anregungen auf das Höchste gereizte aber des Urtheils über diesen Gegenstand unfähigen Volksclaße.
Der Verein war sogar, veranlaßt durch Glieder der Luz. Reg. schon soweit gegangen, daß das
diese Erklärung enthalten[d]e Schreiben sowohl für den Gr. R[a]th als wie das Publicum in öffentlichen
Blättern schon niedergeschrieben war. Es blieb uns weiter nichts übrig, als dem Verein
uns.[ere] Ueberzeugung auszusprechen u ihn für diesen Schritt der Muthlosigkeit für Gegenwart
u Zukunft verantwortlich zu machen.
Beachtungswerth ist es hier, daß die Vorfälle in Küßnacht u in Basel, wie allgemein
so auch bey dem Verein in dieser Beziehung eine ganz andere u neue Stimmung hervorbrachte[n]. Jedoch
konnte u kann der Verein selbst nach der oben gedachten einmal geschehenen innern Auflösung
nie mehr zu einer Wiedervereinigung u Kräftigkeit gelangen.
Die Ergebnisse der Prüfung meiner Anstalt, welche ganz besonders auch auf die Anforderung der Glieder
des ehemaligen Vereines statt fanden, liegen Ihnen vor. Sie kennen dieselben genauer als ich selbst. Durch
den aufgelösten Zustand des Vereins in sich, durch die Ergebnisse der Prüfung, durch die dadurch hervorgebrach-
te öffentliche Stimmung, die ich wohl berechtigt bin, nur als eine einzige dafür bezeichnen zu können
hat sich der Verein [sc.: die Mitglieder des Vereins] veranlasst gefunden, abermals durch die schon mehr[fach] genannten beyden Mitar-
beiter Barop u Ferd. Fröbel zu erklären, daß sie zwar das Bestehen, d Fortbestand u d. Wirksam-
keit [der Anstalt] für ihre Kinder u die der Umgegend v W wünschen, jedoch ohne alles Risiko von ihrer Seite,
sondern daß sie im Gegentheil Willens ist, mir das Ganze auf meine Rechnung zu übergeben, dieß je-
doch unter Bedingungen, auf [sc.: in] die ich schlechterdings nicht eintreten kann, indem dabey zu
bestehen mir durchaus unmöglich seyn würde; da schon das Fortbestehen der Anstalt im verflossenen
Halbjahre außer den schon bis jetzt von mir getragenen sehr bedeutenden Unkosten noch ein
Baarzuschuß von mehreren 100 Fr[an]ken erfordert[e], (ohne dass die Lehrer bis auf eine bestimmte
Gehalt bekommen), für mich u die Lehrer. Der Verein fordert nemlich von mir ein jährliches Mieths-
u Abtragsgeld für Wohnung, angeschafftes Haus u Schulgeräthe pp an 500 Frkn.
Nach dem mir vorgelegten Entwurf rechnen sie nemlich so: Sie rechnen für das nächste Winterhalbjahr
50 Halbzöglinge, 15 davon würden Kinde[r] des Vereins seyn. Da sie nun für das verflossen[e] Halbjahr bedeuten-
de Mehrausgaben durch gänzliche Auszahlung der 800 Fr[anken], so rechnen sie für jedes ihrer Kinder jährlich
2 ½ Ldr [sc.: Louisd'ors] Unterrichtsgeld, für jedes der übrigen 3 Ldr. Dies würde die Jahreseinnahme von 2280
Schweiz[e]rfr[an]ken betragen. Hievon ziehen sie ab den Lehnszins vom ganzen Schloß, /
[4]
(Turnplatz, dem Lande diesseits der Mauer, den Zins vom Pianoforte u übrigen angeschafften Effekten, Ver-
brauchszins für dieselben, Reparaturen, Steuern pp 460 Frkn, 2[tens] rechnen sie für Holz zur Heizung
der vielen Lehrzimmer, der Küche nur 200 Fr, 3[tens] für die Beleuchtung ebenfalls nur 60 Fr (welcher
Anschlag zu gering ist, wie leicht in die Augen spricht/springt) so würden also von oben genannten 2280 Fr baar
720 Fr abgehen u zur Unterhaltung des ganzen Personals für Kost, Lehrergehalt, Kleidung pp noch
156 [sc: 1560] Fr übrig bleiben, wofür die Herrn meinen, daß eine Anstalt wie die meine, bey Leistungen
also auch bey Forderungen, wie die meine, jährlich bestehen könne. Dies der augenblickliche
Stand des Ganzen. Da nun aber einzelne Glieder des Vereins u einsichtige Männer des Kantons
Luzern, denen dies zur Kunde kam, das Unstatthafte dieser Forderung tief fühlen, so geht
man jetzt damit um, dem Verein eine andere Gestalt u weitere Ausdehnung zu geben. Ob jedoch
diese Bestrebungen von nur einigem Erfolge seyn werden, ist mir gänzlich unbekannt; so wie mir auch
gänzlich unbekannt ist, wenigstens mir darüber gar keine schriftliche Erklärung zu bgekommen ist:
wie die Luzerner Regierung mein Wirken ansieht u welche Entschlüsse die Ergebnisse der
Prüfung bey derselben bewirkt haben mögen. So viel weiß ich nur, daß, da wegen der oben
erwähnten bey dem Hohen Gr R[a]the eingereichten Petitionen gegen die Erziehungsanstalt bis
jetzt noch nichts vorgekommen ist, die Entscheidung darüber am 15ten folgenden dieses Monats Statt finden
soll. Was die Freunde der Anstalt, deren sie wohl mehrere in Willisau u dessen Umgegend sehr
warme zählt, bewirken können, kann ich gar nicht entscheiden.
Ob ich bleiben will u kann, fragen Sie? Unter diesen Umständen wohl schwerlich. Doch habe ich den
wirklich treuen Freunden der Willisauer Anstalt erklärt, daß, soviel Unangenehmes auch die
Wirksamkeit in W. mit sich führe, ich aus höhern Gründen gern da bleibe, wenn freye Entwicklung
des G[an]zen möglich u – daß, wenn es möglich wäre, mir eine Wahl frey stände zwischen W u
einem andern Orte wo das weniger Vortheilhafte auf der Seite Willisaus sey, ich aus Dankbarkeit
für das mir dort gewordene Zutrauen u weil W gleichsam d Grundstein eines sich zu entwickeln scheinen-
[den] allg. Schweizer Zutrauens sey, ich den Aufenthalt u die Wirksamkeit in W. vorziehen würde.
Noch fragen Sie zuletzt, was meine Gehülfen zu thun gedenken? Meine Freunde u Mitarbeiter theilen mit
mir ganz dieselbe Ansicht, wie die in mein Leben Eingedrungen[en], den Zweck desselben unter allen
Umständen mit mir theilen, indem unser Leben ein völlig gemeinsames u alle Berathungen gemeinsam
geschehen, wie auch fernere wirkliche Entwicklungen seyn mögen, in welcher Eigenthümlichkeit sie auch in jedem
einzelnen Punkte erscheinen, durch durch [2x] wahre Lebensregeln unter sich zusammenh[än]gen u so von einem
Lebenspunkte ausgehen u stets zu einem u demselben Lebenspkt zurückführen.
[*]
So glaube ich den Fragen Ihrer mich ehrenden Zuschrift Gnüge geleistet zu haben, vielleicht
weitläuftiger, als Sie selbst gewünscht[.]
Genehmigen Sie hochgeachtetster Herr die Versicherung vorzüglicher Hochachtung u Er-
gebenheit
FrFr.

[Im Bericht Schneiders/Geppert S. 32, folgt der in der Abschrift fehlende Abschnitt *]
So steht auch die Anstalt in Willisau auch in einiger Einigung und lebendigem
Wechselverkehr mit der in Keilhau in Thüringen und früher standen selbst die
Halbzöglinge in Wartensee zu ihrer großen Freude, Ermunterung und Erhebung
in gegenseitigem brieflichem Verkehr mit den Zöglingen Keilhaus, wo jeder
sein Leben einem zwar unbekannten, aber in einem Ganzen mit ihm sich befin-
denden Freunde, mittheilen konnte. In diesem Geiste der Einheit beyder An-
stalten, ist, wie oben schon ausgesprochen, Herr Barop im Herbste vorigen
Jahres von Keilhau zur Prüfung und Fortentwicklung unserer schweizerischen
erzieherischen Verhältnisse hierher gehend, in der bestimmten Absicht jedoch,
sobald diese sich geklärt und geordnet haben würden, zur gemeinsamen Füh-
rung der Keilhauer, der allg. deutschen Erziehungsanstalt mit den beyden
älteren Freunden Langethal und Middendorff zurück zu kehren. Dies sollte nach
dem dortmaligen Stande der Dinge gleich nach der Eröffnung der Willisauer
Erziehungsanstalt geschehen. Doch die sich bald darauf mit erneuerter Kraft
erhebenden Widersacher dieser Anstalt verhinderten die Ausführung dieses
Vorsatzes, Anfangs von einer Woche zur andern, dann von einem Monate zum
andern, und so kam es, daß Herr Barop auch noch in dem gegenwärtigen Ent-
wicklungsmomente hier war und noch hier ist, was uns zur Fortsetzung und
kräftigen Erreichung der jetzt vorliegenden Zwecke höchst wichtig erscheint,
damit auch die äußern Erscheinungen des Lebens unserer Erziehungsanstalten
den innern einigen Geist derselben und ihrer Lehr-, und Unterrichtsweise in
allen jetzigen und künftigen Fortentwicklungen beurkunde.