Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Adolph Frankenberg in Lutter am Barenberge v. 26.2.1833 (Berlin)


F. an Adolph Frankenberg in Lutter am Barenberge v. 26.2.1833 (Berlin)
(BN 428, Bl 3, datierte Reinschrift 1 Bl 8° 2 S. mit Korrekturen, ed. Riedel 1940, XVI, 71)

Berlin am 26 Februar 1833.
Herrn AFrankenberg, Hauslehrer bey dem Herrn Oberamt-
mann Siemens in Luttter am Barenberge.
Da ich mich eben jetzt, wenn auch nur auf kurze Zeit auf
Besuch bey meiner Fr: Schwiegermutter in Berlin befinde,
- (schon gegen den 6en künftigen Monats werde ich zurükke kehren)
so ist mir doch Ihre vertrauende Zuschrift vom 15en d. M.
durch meine Freunde von Keilhau aus hierher nachgeschickt wor-
den. Ohne meine Rückkehr nach Keilhau abzuwarten erfülle
ich gern Ihren Wunsch Ihnen ”so bald als möglich” zu antwor-
ten; denn ob ich Ihnen gleich, da meiner erziehenden Wirksam[-]
keit mit Beginn des künftigen Sommerhalbjahres eine bestimmte
fortschreitende Entwickelung bevorsteht, welche in diesem Augen[-]
blick noch in der Knospe ruhet – jetzt aber noch nichts bestimm[-]
tes schreiben kann, so halte ich doch Ihre, mir aus Ihrer Zu-
schrift hervorgehende, erzieherische Gesammtlebensansicht so
richtig und wichtig, daß ich Ihnen zunächst wenigstens die Mög[-]
lichkeit aussprechen wollte, daß sich dieselbe durch einen Lehr-
und Erziehungsverband für eine angemessene Zeit Ihnen wohl ver[-]
wirklichen könnten. Erlauben Sie mir, daß ich Ihnen gleich
vom Beginne der gegenseitigen Mittheilungen in dieser Sache
den Punkt berühre, welcher bey dergleichen Verhältnisse sehr
oft einer der wichtigsten ist; es ist dieß der ökonomische u
pecuniäre, und so Vertrauen mit Offenheit erwiedern.
Schon der Geist und die Gesammtverhältnisse meines unter
und in sich innig verwachsenen Erziehungskreises würde
es mir nicht verstatten, Ihnen als Lehrer und Miterzieher
einen solchen Jahrgehalt zusichern zu können, als Sie wegen
Ihrer Gesammtkenntnisse vielleicht erwarten dürften;
dazu kommt aber noch ein zweytes [:] verstehe und fasse ich
anders Ihre Absicht recht, welche Sie hauptsächlich bey einem /
[3R]
Verbande mit meinem Erziehungsleben und erziehenden Kreise
im Auge haben, so würde ganz namentlich das gemeinsame
wie
prüfende durchführende Bearbeiten der Erziehungs[-]
und Lehrzweisge und Gegenstände ein Hauptzweck des
Gesammtlebens seyn, dieß nimmt aber wenn man in
einem gewissen Zeitraum es zu einem bestimmten Ziele
bringen will einen auch noch so thätigen jungen Mann
so ganz und gar in Anspruch, daß wenigstens für das
erste Halbjahr wenig Zeit zum bestimmten Unterrichtge-
ben übrig bleibt; also auch diese Seite der Betrachtung macht
es mir nicht möglich Ihnen eine solchen Gehalt wenigstens
für das die erste Zeit zusichern, ja nur dazu Hoffnung machen
zu können, als Sie Ihrer bisherigen Stellungen und Ihrer
sich selbst bewußten Leistungen nach erwarten dürften.
Dieß ist nun das erstere was ich Ihnen vorläufig
zu bedenken geben wollte; Wie ich nun in materieller
Hinsicht offen war, will ich es auch in geistiger Beziehung [seyn.]
Wohl glaube ich, daß Ihnen ein Aufenthalt in einem Kreise
der nun seit 17 Jahren mit allen Aufopferungen der Ver[-]
wirklichung einer menschenwürdigen naturgetreuen Er-
ziehung [sich] hingiebt, förderlich zur Erreichung des sich vorge-
steckten Zieles seyn würde, aber ich muß Ihnen
aber auch ganz aufrichtig gestehen daß ein solches Ziel
sich nur durch Aufopferungen erreichen läßt, und selbst
auf den Fall daß ich Sie davon befreyen könnte und
wollte würde ich Sie nur selbst von dem sich vorge-
steckten hohen Ziele entfernen.
Dieses wollte ich Ihnen nun nur vorläufig zur Beachtung
aussprechen. Schreckt Sie dieß nun nicht wenigstens von einem Versuche
eines Verbandes mit mir und uns ab, so werde
ich Ihnen, nach ein Paar Worten von Ihrer Seite, mich nach
meiner Rückkehr nach Keilhau gern weiter aussprechen. Aber
auch ich muß um schnelle Antwort bitten. Hochachtungsvoll FriedrichFröbel