Wartensee am
20en July 1832.·.
Am
Jahrestage meines ersten Eintritts in Wartensee
An die Keilhauer Gemeinsamheit
des
Glaubens, des Vertrauens und Schauens Gruß der
Lebenstreue
zuvor!
---*---
Wenn ich nach Eingang Eurer letzteren Mittheilungen
((:Rud.
7 Jul:) deren ich zwar einige noch gar nicht
im Einzelnen
zu lesen Zeit hatte, weil die Gegenwart mich ganz in
Anspruch
nimmt und ich die Vergangenheit sattsam aus den
Lebens-
thatsachen selbst kenne) - das Leben wie es dadurch nun
kla-
rer entwickelt vor mir liegt, überschaue, so
schwiege
ich bey weitem lieber, als daß ich auch nur noch ein
einzi-
ges Wort spreche. Dreyfach treten mir dazu die
Gründe
entgegen:
erstlich möchte
ich nicht den Vorwurf auf mich laden, ja viel-
u. sogar den
Schein dazu von mir entfernen, als ob ich
durch Überredung für
eine Sache bestimmen, sie dadurch gleich-
sam erzwingen wollte.
Dieß hat meine Seele von jeher
in ihrem tiefsten Seyn gehaßt.
Der zweyte Grund liegt so offen zu Tage,
daß es nicht bedarf
ihn auszusprechen[.]
Der
dritte Grund geht zwar aus dem zweyten mit
hervor,
betrifft aber nur mich ganz persönlich in meinem
innersten
Wesen, und kann somit auch nicht ausgesprochen
werden,
bedarf es wenigstens nicht, da es nichts nutzen
würde.
Also viel lieber schweigen als reden möchte ich; doch
ich
habe im vorigen Briefe wiederholentlich die Fortsetzung
dessel-
ben ausgesprochen, und so muß ich schon zuerst sagen,
daß
die angekündigte Fortsetzung wenigstens heut nicht
und
ohne Zweifel nie erfolgt; der Grund dazu ist vor
allem
der oben angegebene erste. Denn wenn schon meine
bi[s-]
herigen und besonders die letzteren Mittheilungen, mir /
[1R]
oben erwähnten Vorwurf zu ziehen könnten, so
könnte
und würde es noch bei weitem mehr das, was ich
heut
sagen wollte, heut zu sagen hatte.
Ich wollte nemlich auf
Veranlassung der, wie ich schon
mittheilte, am 9en July statt gefundenen Feyer des
Jahrestages
der Sempacher Schlacht, die Gründung oder
vielmehr Festhaltung
und Fortentwicklung von Wartensee
mit dem eigentlichen Geiste des
Schweizer Volkes - oder
besser wohl mit dem Geiste der Schweizer
Geschichte - oder
am besten und eigentlichsten wohl mit dem
Geiste des
Schweizer Bundes in
Verbindung oder zunächst wenig-
stens, in Vergleichung bringen.
Doch wie schon gesagt, es
wären daraus gewiß nur noch größere
Lebensmißverständ[-]
nisse hervorgegangen; und wie ich solche nie
gewünscht habe,
so suche ich sie jetzt so weit zu vermeiden, als
es meiner Sorg[-]
falt möglich ist.
Man redet stark,
gewaltig, eifrig auch wohl heftig - ich ganz
besonders rede stark
u.s.w. wo man im Innern, ja vielleicht
in der tiefsten Tiefe
desselben eine Übereinstimmung voraussetzt,
um diese Übereinstimmung
zu wecken, nicht aber um sie
zu
machen.- Ich besonders habe bisher
in meinen Mittheilungen
stark gesprochen, und würde es auch noch
in den beabsich[-]
tigten, nicht weil die Gründe dazu jedem
gewöhnlichen oder
ungeübten Auge und Sinne eben handgreiflich
vor, sondern
vielmehr, weil sie in
unwiderlegbarer Wahrheit in
meinem Gemüthe lagen und liegen. Jenes oder
vielmehr
dieses innere Stehen nun, kann aber nur
Mißverständ[-]
nisse auf Mißverständnisse häufen, und jetzt da
ich es
klar einsehe, eile ich, theils frühere aufzuklären,
theils
spätere und neue zu vermeiden.
Und dieß ist denn
ganz namentlich der Punkt, der mich jetzt
obgleich ich gern
schwiege, zu schreiben bestimmt.
Ihr habt vollkommen Recht,
und ein jeder unter Euch
der es ausspricht hat Recht: - "es giebt
nirgends nichts
was ächter Volksgeist, ein reiner
allgemein menschlicher /
[2]
Geist zu nennen wäre["]. Wer
in seinem Handeln
in seinem Wollen und Wirken auf das äußerliche
Daseyn die-
ses Geistes baut und in so weit er
dar-
auf baut, der baut gewiß auf Sand; - wer aber
auf das
noch unentwickelte, stille, verborgene
Vor-
handenseyn dieses Geistes im Inneren des
Menschen
als Menschen und Volksglieder bauet, der bauet
auf
etwas festes, nicht nur auf einen Fels, sondern in so
fern
man es von einer irdischen Erscheinung sagen kann,
auf
etwas ewiges. Hier löset sich nun wie ich hoffe ein
so
großer als fest verschlungener Knoten unserer,
nament-
lich meiner Lebensmißverständnisse: durch
mein bisheriges Hin-
deuten auf eine mehr oder
minder große oder kleine Menge
jeder Wirkungen und Erscheinungen
jenes Geistes im
Leben, und durch das öftere Hervorheben
einzelner Fälle[.] Davon
wollte ich keinesweges das
äußere Daseyn desselben be-
weisen, sondern
das
innere, wenn auch unerkannt,
doch
stille und verborgene Vorhandenseyn nachweisen.
Diese
Unterscheidung trif[f]t nun auch ganz besonders
alles was ich
Euch namentlich noch in meinen jüngsten
Briefen - von den sich um
Wartensee und im Kan-
ton regenden Volksgeiste, rein menschlichem
Geiste
ausgesprochen habe. Nichts von alle dem, sähet
Ihr,
bemerktet Ihr vielleicht, wenn einer von Euch
hier[-]
her käme, ja ich will sogar nicht einmal
widersprechen
wenn einer behauptete, Ihr oder einige von
Euch
könnten und würden, wenn Ihr hier her kämet viel[-]
mehr
ganz das Gegentheil von dem sehen, was ich
als vorhandenseyend
ausgesprochen habe.- Sehet!
und wenn dieß auch wirklich alles so
wäre, so könn[-]
te dieß doch der innern Wahrheit meiner
Wahrneh-
mung keinen Abbruch thun.
Ich will es versuchen
mich über diesen Punkt ganz deutlich
zu machen, denn es liegt mir
sehr viel daran; und ich danke
wahrhaft Gott daß ich darauf
aufmerksam geworden bin
ehe noch von Keilhau aus ein
entschiedener Schritt für Wartensee geschehen ist, -
ich würde
sonst ohne Zweifel nur Mißverständniß gehäuft haben[.] /
[2R]
Zuerst möge mich das Bild vom Magnetismus
verständlich
machen wie ich mit dem Vorhandenseyn, oder wenn
Ihr
lieber wollt mit dem Daseyn des Volksgeistes, des
allgem.
menschlichen Geistes es meyne. Der Magnetismus
ruht
wohl in dem Eisen (und selbst in den verschiedenen
Eisenerzen)
aber er muß erst durch Kraft und Kunst geweckt,
befe-
stiget, geordnet, gesteigert werden. Ist nicht ein
ganzes
magnetisches Paket (:Barop wirds erklären:) was
nun
geordnet und verknüpft im Stande ist, die Pole
bedeutender
Magnete im Nu umzukehren vorher nur ganz
gemeines
Eisen? - ja nur gewöhnliches Eisenerz?- Und ist es nicht
der
Scharfblick oder wenn Ihr lieber wollt die Erfahrung des
Phy-
siker welcher die darinn schlummernd ruhende Kraft zu
dem
gewaltigen Magneten macht?- So sieht auch wohl
der
schärfere Geistesblick in den gewöhnlichen Erscheinungen
des
menschlichen Lebens, das innere still ruhende verborgene
Streben
des Menschen nach höherem menschlichen Daseyn, nach
höherer
menschlicher Wirksamkeit, nach höherer innigeren
mensch-
licher Verknüpfung, Einigung.
Laßt mich noch was
ich sagen will, zu sagen habe an Beyspielen
aus Eurem eigenen
Leben klar zeigen; macht es
Euch
selbst gegenseitig weiter aus Euerm eigenen und
durch
Euer eigenes Leben klar, damit mir Andeutungen
ge-
nügen können.
Alle geistige Wirksamkeit, aller
geistiger Wechselverkehr
beruht auf einer ursprünglichen
geistigen Verwandtschaft
und unmittelbaren Verständniß also in
gewisser Hinsicht
innern Einigung. Und somit beruht aller
geistiger Wech-
selverkehr auf einer gewissen Art von Liebe.
Nun dünkt mich könnte Euch allen aus dem Leben sattsam
klar
und einsichtig seyn; so daß Ihr es gegenseitig
einander
nachweisen könnet - wie es wohl zwey Menschen
geben
kann die kaum von einander etwas gehört haben; oder
sich
sonst ihrem eigenen innern Gefühle nach wie Eis oder
Eisen
nebeneinander bewegen, in deren innersten
Lebenskern
oder Lebensbedingungen doch ein Dritter, schon den
Funken /
[3]
der Liebe schlummern sieht, wie im
Kieselstein der Funke
schlummert, der die beyden Kerzen auf dem
Traualtar wie
die beyden Herzen am Traualtar in einander
flammend
macht. Jahre können wohl verfließen ehe das eine
wird
und das andere geschiehet, Schnee kann den Stein
bedecken
und Frost die Kerze durchschauern, doch Jahre
schwinden
und was werden sollte, das ist geworden.
Etwas
Ähnliches - ein ähnliches Verhältniß tief schlummernder
nur den
eigenthümlichsten Gemüthern wahrnehmbarer -
Wechselliebe findet
statt zwischen Volkserzieher und Volk
zwischen
Menschheitserzieher und Menschheit.- Jahre
können dort schwinden
und hier wohl Jahrzehende ehe
das klare Verständniß reiner
Wechselliebe und der
innige Lebensbund erfolgt. Schlagt das Buch
der Lebensge-
schichte auf von dem ersten Augenblick an der
unser
Herz wie vom leisesten Hauch beym Nennen eines Na-
mens
getroffen wird, oder von dem Augenblick, da unser
Herz von des
Herzens unbekannten Zuge leise bebend, uns
die äußre Entfernung
lieber ist als äußeres Nähern
damit uns selbst unbewußt sich das
Herz im Innern nähern
durch Dank wenigstens uns nähern können -
und uns nicht
zu entfernen brauchen. Schlaget die
Lebensgeschichte von
jenen ersten Lebens Momenten bis zu dem
Sekundenschlag des
Lebensbundes im Lebensbuche vor Euch auf und
Ihr findet
gar manches Blatt auf welchem vielgestaltig und
viel-
farbig der Schmerz steht und die Trauer, und sey es
auch
nur der des langen, bangen Sehnens. Aber was meint
Ihr
wohl wenn um des Schmerzes und der Trauer, wenn um
der
Jahrelangen Entfaltung und Gestaltung willen das erste
Seelen[-]
wehen und das erste Herzensbeben unentwickelt
geblie[-]
ben wäre, möchtet ihr wohl die gewonnene
Lebensentwick[-]
lung hingeben, damit die Art und
Weise der Lebensentwick[-]
lung von Euch genommen
würde?-
Wo vom Verhältniß des Herzens zum Herzen die Rede
ist
und sey es vom Herze des Menschen zum Herzen der
Menschheit
da ist das Leben sich überall nur [{]in / nach[}]
verschiedenen Maaßstäbe[n] /
[3R]
immer gleich.
Mannigfach will sich mir hier die Betrachtung
wenden, doch ich
halte fest was uns hier vorliegt in dem
Unscheinbaren, kaum der
eigenen Seele dem eigenen Herzen
ja vielleicht gar
entgegengesetzt Wahrnehmbaren und durch
Nacht und Dunkelheit
hindurch mußten Leben gepflegt wer[-]
den, damit das Leben
gekrönt werden könne wie es gekrönt
wird.
Ich will die
Vergleiche nicht weiter fortführen, führet sie aus:
Ein gleiches
Seelenwehen und Herzensbeben ursprünglicher
Einigung findet statt
zwischen Volkserzieher und Volk, zwischen
Menschheitserzieher
u[n]d Menschheit, soll es unentwickelt bleiben
weil man es
äußerlich - ja das Volk - das Menschengeschlecht
selbst in sich
vielleicht noch gar nicht merkt? - soll es unge[-]
pflegt bleiben
weil es in Nacht und Dunkel gepflegt durch
Schmerz pp. hindurch
geführt werden muß[?]- Was meint
Ihr wohl wenn das Leben der oben
als Bild und im Bilde
aufgestellten von dem ersten Seelenwehen
und Herzens-
beben an nicht gepflegt und entwickelt worden
wäre
?- Schwerlich würde eine ganze Lebenswelt sich der
Nacht
entwunden haben - der Beweis liegt in Eurer Hand
führt
ihn nur scharf durch, Ihr könnt es bestimmter als ich.
So nun glaube ich können wenigstens mehrere von Euch
mich
verstehen und mich den andern verständlich machen,
So nun
hoffe ich ist jedem Mißverständniß vorgebeugt, kann
ihm wenigsten
vorgebeugt werden, denn Ihr seht nun
ja empfindet mehrfach,
obgleich im Bilde, was ich sehe
und was doch noch
nicht da ist; was ich wahrnehme
und wovon Andern
vielleicht noch keine Spur vor-
handen ist. Ich habe früher
geirrt (in einer gewissen Beziehung) wenn
ich ein solches
Wahrnehmen und Sehen auch in Anderen setzte, ich trage die Folgen
weil es nöthig war, will sie aber nun nicht
mehr vermehren.
Durch diese offene klare Darlegung meines
innersten Verhält[-]
nisses zu Volk u[n]d Menschengeschlecht oder
vielmehr zum Volks-
geiste und der der Menschheit leiste ich
zugleich auf jede be-
wußte Mitwirkung zur Pflege desselben
Verzicht, denn
jedes ächte Zusammenwirken setzt vor allem ein
unmit-
telbares und ursprüngliches Einigseyn und sich
verstehen
voraus. Dieses aber muß sich zuerst beurkunden, dann
erst kann /
[4]
gemeinsam über die Mittel der Ausführung
berathen
werden; dieses muß innerlich daseyn, wenn auch
diese, die
Ausführung nie möglich
werden
seyn sollte, wie wir
von
Menschenherzen sagen hören die in sich einig sind ohne
daß das
Leben selbst als ein einziges möglich wurde. Je[-]
nes liegt im
Bereich unserer inneren Welt, dieses
außer derselben und kann oft
erst nach Jahren mit
der innern zusammenfallen.
Hieraus
geht also hervor, gewiß einem Jeden einleuchtend hervor,
daß das
Gelingen jedes großen Unternehmens von einem dreyfachen
abhängig
ist
erstlich von dem
innigen in sich selbst, einig seyn des
(1)
Unternehmenden oder der
Unternehmenden
als einer einzigen Person, eines einzigen Wesens
zweytens von dem vollkommenen Durchdringen des
Gegen-
(2) standes; von dem
völligen geistigen
Überblicken
und Durchblicken, oder vielmehr Über- und
Durch-
schauen, von dem geistigen Beherrschen des
Gegen[-]
standes
drittens von der Gewißheit der
Sicherheit der Ausdauer der Wirksamkeit des Handelns
(3) dafür.
Jedes von
diesen dreyen, so wie alles dreyes als ein Ganzes und
Einiges
geht wieder aus einer dreyfachen geistigen Wahrnehmung
her[-]
vor: 1) aus dem Vertrauen,
2) aus dem Glauben, 3) aus den
Schauen[.]
Worinne jede dieser drey
Wahrnehmungen gleichsam seine Wurzel
habe; wie alle drey wieder
in sich eigentlich innig einig, wie sie so
gegenseitig sich
wieder pflegen, entwickeln, steigern, klären
und zur Vollendung
bringen könnt Ihr in Euerm eigenen
Leben wieder klar nachweisen,
so daß also eben sowenig wie ir-
gend eine davon allein, oder
auch sogar alle drey getrennt
und einzeln, sondern, daß sie nur
alle drey in inniger, sich
wechselseitig steigernder Einigung die
Lebensaufgabe,
jede ächte, wahre Lebensaufgabe zu
lösen vermögen.
Das Vertrauen allein kann
zurücktreten, <erkal>
schwinden
der Glaube allein kann wanken, erkalten
das Schauen
allein kann dem Handeln oft nicht Muth nicht Ausdauer geben[.]
Nur alle drey in einiger Einigung bewahren treu den innersten
Kern /
[4R]
des Lebens erzeugen wahrhaft wahre
Lebenstreue.
Die
Liebe die alles löset und lehret, kann Euch
auch hier wieder
alles lehren und lehren, und weil jedes
menschliche Herz sie em-
pfunden hat und empfindet, weil das
Leben aller Menschen sie
ergriff und bewegte, - so kann ich mich
schon auf sie beziehen
und sie zur klärerern Verkündigerin und
Lehrerin dessen machen
was Zeit und Raum auszuführen mich
hindert. Und noch mehr
würden wir ihre, der Liebe, Verkündigung
und Lehren mehr verstehen wenn
wir das Wesen der Liebe mehr
beobachtet, wenn
wir ihre Wirksamkeit und Wege mehr zum
Bewußtseyn gebracht
und uns so eigentlich die Kunst zu lieben
angeeignet hätten;
denn sie ist der Schlüssel zur
Lebenskunst[.]
Lieben und Leben meint man
verdiene eben sowenig eine
besondere Beachtung wie das
Fallen eines Steines und
doch lehrt uns das Fallen,
die Gesetze des Falles - den Welten-
bau die Gesetze des
Weltenbaues kennen.
Handlungen, Thaten, Erscheinungen (denn was sind
Erscheinungen
anders als Handlungen
Thaten?-) erwecken Vertrauen
Vertrauen weckt das
Ahnen in seinen leisesten wie
in
seinen stärksten Wirkungen,
weckt Glauben
Glauben geprüft in Wechselbunde
mit Vertrauen
genährt gestärkt
durch wiedergekehrtes
Vertrauen
steigert sich zum
Schauen,
das
Schauen bewährt das Vertrauen,
bestätigt den Glauben
indem es das
immer einige Leben aller drey
durch-
schauet und erzeugt so
Lebenstreue.
Lebenstreue aber überwindet alles,
giebt alles, schafft
alles ganz
alles ist allem denn es ist das
sich
selbst wissend und ausübend besitzende
Leben selbst.
Geht nur von
der Thatsache aus: wie das Vertrauen, durch
die
Handlungen u Thatsachen wächst, die uns des andern
Wohlwollen zu
uns kund thun. Wie uns
aber diese Thatsachen doch
nicht sicher stellen
immer gleich fest
im Vertrauen zum andern zu stehen, und
daher
immer Thatsachen auf Thatsachen - fortgehende Beweise der
Liebe
wünschen, bis unser Glaube
fest erwacht ist, doch diesen
befestigt endlich doch
nur geistiges Schauen.
[5]
Wie nun aber die
Liebe das Leben erkennen pp. lehrt, (:wo[-]
zu mir hier freylich
nur leise Schattenrisse zu geben möglich
wurde denn das Leben
drängt:) - so lehrt wieder das Leben
die Lebensführung - die
Vorsehung - Gott kennen; Es lehrt
uns den Gang Gottes in der
Entwicklung einzelner Menschen
(sein Selbst) wie ganzer
Geschlechter (des jetzigen Men-
schengeschlechtes) wie der ganzen
Menschheit
vertrauensvoll nachgehen
gläubig festhalten u[n]d
schauend (als dem
selbstgewählten) leben.
Aus diesen Andeutungen geht nun
hoffentlich bestimmt genug her[-]
vor, kann wenigstens auch klar
hervorgehen, was nun
mir, wenigstens dem
Erkennenden von allem diesen zu thun
in den
jetztigen und augenblicklichen Lebensverhältnissen
nöthig, was
mir gerad jetzt zu lösende oder zu
erfüllende
Lebensaufgabe ist, - es ist die Einigung,
Ausübung und Darle-
bung der oben angegebenen Doppel (1), (2),
(3), und das ruhige
Zurücktreten {und / oder} auch Sinkenlassen
alles andern, und zu-
nächst also wenigstens noch - bis
vielleicht auf einer an-
dern Stufe der Entwicklung wieder - auch
jedes gemeinsame
Wirken, denn Ihr seht groß ja schwer und
schwierig ist schon die
Forderung ächten, menschlichen Wirkens an
den Einzelnen, nehmt
nur eines, er soll einig in sich seyn, wie
viel schwerer und
schwieriger noch an eine Gemeinsamheit und sey
sie die größt[-]
mögliche, sey sie nur eine Zwey.
Noch ein
starker Ausdruck im vorigen Brief, eigentlich nur
in einer im
Fluge hingeworfenen Bemerkung nöthigt mich
zu diesen Zeilen. Ich
sage nemlich als Randglosse auf dem
beygefügten Blättchen: nur
schnelle That kann
uns retten.
Der Ausdruck
"uns retten" ist hier aber keinesweges ein
Angst[-]
ruf sondern es heißt blos: - wenn wir das als
festzuhal-
ten im vorhergehenden hingestellte, wirklich im Leben
fest-
halten wollen in Gemeinsamheit fest halten wollen, so
müssen
wir uns
in uns schnell und
bestimmt mit Ja oder Nein entscheiden
damit nur zuerst der immer
gefährliche Zustand der
schwankendenEntscheidung aufhöre. Nur
Bestimmtheit sey es
dafür, sey es
dawider, so /
[5R]
so meynte
ich dort.
Diese Zeilen, so unvollkommen in sich und zerstückt
hin-
geworfen sie sind, (:da ich glaube, daß sie mögen an
Euch
abgehen und ich sie heut fast 24 Stunden früher schon
zur
Post abgeben muß:) - diese Zeilen werden hoffentlich uns
die uns allen so nöthige Bestimmung endlich geben
und den
gewiß für alle und alles so nachtheiligen schwan[-]
kenden
Zustand entlich ganz vernichten.
Und so bleibt mir denn auch
für jetzt und für lang nichts
mehr zu sagen übrig, denn von nun
an habe ich Euch nur die
wirklichen Thatsachen, die Ereignisse
des Lebens mitzutheilen
und auch diese nur in so weit sie auf das
bestehende Leben
in Keilhau einwirken werden oder doch
könnten.
Ich werde sehen was ich zu thun haben werde, und es
aus[-]
zuführen suchen und dieß wird meine ganze Kraft
ganz
in Anspruch nehmen.
Die Briefe der Einzelnen werde
ich beantworten sobald
mein Leben sich wieder dem Einzelnen
hingeben darf.-
Ob ich auf
Herzogs mir angekündigten neuen
Angriff
antworten werde, fast zweifle ich ich habe weder
Zeit
noch Geld dazu. Zwar kam mir gleich eine Antwort
in die
Feder ähnlich meiner früheren gedruckten, die ich
sogleich
fleißig niederschrieb; vielleicht theile ich sie Euch
wenn es
nöthig sein sollte zur Prüfung mit.-
Herrn
Michaelis Thätigkeit hat für
einige Zeit in Arau
Beschäftigung gefunden, wohin er abgegangen
ist.
Sollten meine drey letzteren Briefen Euch zu
Schritten
veranlasset haben, so sind sie wohl leichter wieder
zurück
als weiter vorwärts gethan[.]
Nun lebt recht wohl!
- wir sind wohl! - mir ist wohl
sehr wohl. In Liebe und Treue wie
immer