Am Sonnabend vor
dem Palmensonntage, am 14en Ap
32.·.
Aus
Wartensee.
Meinem lieben
Hause in Keilhau
den Palmengruß zuvor.
Dießmal nur lauter einzelne Mittheilungen in Andeutungen[.]
Hoffentlich werdet Ihr heute meinen Brief an die theuern
Confirman-
ten erhalten, welcher wohl morgen Euer aller Gemeingut
wer-
den wird. Denselben hierdurch auch meinen Festgruß zum
lieben
Osterfest so wie an Euch alle. So wie ich Euch alle zu
dem morgen-
den Festsonntage durch meinen jüngsten Brief
begrüßte, so begrüße
ich Euch zu dem mehrfachen Osterfest mit
diesen Zeilen und spreche wenn
auch im Geiste doch in ganzer
Seele bey Euch ein.
Wenn der anliegende Brief Euere
Beystimmung hat, so werdet Ihr
denselben wohl mit erster Post
abschicken. Ihr werdet nicht
unterlassen das hinzu zufügen was
Ihr für gut haltet; Sollte
übrigens der Brief in dieser
ausgedehnten Form Euch unstatthaft
erscheinen, so könnt Ihr ja
das Zweckmäßigste daraus ausheben
und den Brief in meinen Namen
schreiben und unterschreiben; es
kann ihn der Ähnlichkeit der
Schrift nach fast ein jeder von Euch ab-
schreiben am ersten
vielleicht
Wilhelm oder
Middendorff. Findet
Ihr
aber den Brief zum Abschicken angemessen so ist es wohl
zweckmäßig wenn Ihr eine Abschrift davon nehmt, theils weil
er allgemeine Gedanken enthält, theils weil sich vielleicht
in einem ähnlichen Falle einmal davon Gebrauch machen
läßt
zum Beisp: bey der
Frau von
Ahlefeld, oder vielleicht selbst
einmal bey Martins.
Sollte mein Vorschlag wegen
Felix angenommen werden;
dage-
gen der wegen
Barop nicht auszuführen
seyn, so könnte[n] ja
Felix und
Wilhelm gemeinschaftlich kommen; auch
Elise
- besonders
wenn Ihr meint daß mein Gedanke wegen den Einüben
klei-
ner Lieder durch sie auszuführen wäre - könnte sich dann
viel-
leicht an sie anschließen. Doch diese Mittheilungen nur
einzig in
der Absicht daß Ihr meine Ansichten wißt -
sonst
ist mir alles /
[1R]
zum Voraus ganz
recht wie Ihr es nach dem Ganzen bestimmt.
Wegen Herrn
Brömels Abspringen bin ich gar nicht unzufrieden.
Mit Felix zu
sprechen ehe die Ansicht der
Frau von
Arnim Euch
bekannt ist, halte ich nicht für
zweckmäßig.
Eben als der Brief an die Fr. v. A. fast fertig
war, so fiel mir
ein daß Ihr vielleicht das Erziehungsgeld für
das nächste Halbjahr
schon bezogen habt; sollte dies geschehen
seyn, so braucht ja auch mein
Brief gar nicht abgesandt zu
werden.
Der Übergang durch
Fräulein von Schönfeld zu Hedwig wird
hoffent[-]
lich in Keilhau nicht mißverstanden werden; doch
sollte es seyn,
so ist dieß hauptsächlich der Punkt von welchem
ich meine daß dann
eben der Brief abgeschrieben oder ganz in
Euren Namen und
im Auf-
trage von mir
geschrieben werden könnte.
Haltet Ihr nun auf welche Weise es
immer sey, den Hauptgedan-
ken fest, so werdet Ihr wohl Fr v. A.
bitten Euch baldigst zu
antworten im Fall - was ich freylich
nicht erwarte - mir vor[-]
her noch Fragen zur Beantwortung
vorgelegt werden sollten.-
Die Vorschriften welche Wilhelm
sucht dünkt mich lägen in Mid-
dendorffs, auch meiner
Arbeitsstube nächst der großen Lehrstube,
im Bücherbret[t]e
nächst Middendorffs Pult in der Hälfte gegen das
Fenster zu und
zwar in den mittleren Gefächern, doch mehr nach unten
zu.
In einem früheren Briefe muß mir Jemand von Euch ausgesprochen
haben: - "
Albert sey eine erziehende
Natur."- Ich weiß nun
jetzt nicht wer, habe auch in diesen
Tagen keine Zeit gehabt die frühe-
ren Briefe nachzulesen.
Besprecht doch den Gegenstand unter
Euch, besonders auch, ob
wohl der Vater auf einen Vorschlag
seinen Sohn für einen
erziehenden Lehrer, zu einem Lehrer an
einer Erziehungsanstalt
zu bilden, eingehen würde; der Vater
scheint freylich ein sehr
mißtrauischer Mann zu sein, deßhalb
muß man in dem was man ihm
mittheilt sehr klar, sehr
bestimmt und fest seyn, nur muß einer
überhaupt mit solchen
Vorschlägen an Eltern sehr vorsichtig
seyn; denn fast scheint
es mir Gustav[s] Vater ist besonders
auch durch Euern Vorschlag
denselben in K. an der Wirthschaft
Antheil nehmen zu lassen bestimmt /
[2]
worden denselben
so unerwartet von Keilhau wegzunehmen.
Also wollen wir ja
sorgsam seyn um nicht auch den Albert
durch eine voreilige
Äußerung am Ende früher aus seinem
jetzigen Verhältnisse zu
reißen. Doch schadet es ja auch gar
nicht -
im Fall Albert
bestimmt als eine erziehende Natur
erkannt würde - wenn er
auch wirklich einige Jahre in
andern Verhältnissen wirksam wäre,
ja, sey es als Arzt oder
Jurist seine förmlichen Studien mache;
er würde dann einst
ein um so gediegenerer Erzieher werden.- Am
besten wäre es
dann immer, er hielt das Studium der Medizin
fest; dieß würde
ihn später die meiste Freiheit geben.
Vielleicht wenn man ganz
offen und vertrauensvoll mit dem Albert
redete, daß man
dann seine Thätigkeit nach dieser Seite hin ganz
wecken könnte.
Das Große und eine uns auch äußerlich ganz
genügende
Wirksamkeit kann man nur durch große - oft weit ab zu
lenkende Umwege erreichen.- Gern hätte ich ihm mitgetheilt
wie nun 25 Jahr gerad verflossen sind seit ich zu erreichen
be-
müht war, was ich jetzt erst zu erreichen beginne - denn:
Ge-
rad in den Tagen, als ich jetzt die Lebensdarstellung an die
Con-
firmanten schrieb, habe ich vor 25 Jahren den Euch bekannten
mein Leben vorführenden Brief an meinen seel. Bruder
in
Griesheim geschrieben in welchem ich demselben den ersten
Gedanken einer zu errichtenden Erziehungsanstalt mittheile.
Und durch welche Verhältnisse mußte ich dann erst noch
hind[urc]h gehen?-
Wenn
Barop hierher reiset,
besonders mit
Felix als einem
Zögling der
Wartenseeer Erziehungsanstalt, so halte
ich dessen
Reise über Frankfurt für wichtig, selbst wenn
Schnyder noch nicht
dahin
zurück gekehrt seyn sollte. Vielleicht wäre es sogar
gut wenn
Barop an
E. Schwarz (im Hause
des He. Speyer
am untern Maynthore) oder
Dr Bagge
eine kleine Nachricht
von der Reise dahin gäbe, vielleicht indem
er ihn fragte ob er
ihn treffen würde - im Fall sich vielleicht
dort ein Erziehungsbe-
dürfniß für Wartensee zeigen sollte.- Doch
dieß sind alles nur
so meine flüchtigen Gedanken.
Eurer
aller lieben, theuren Briefe der letzteren Sendung habe /
[2R]
ich wie die frühern schon vielmal gelesen, und auf alle ruht
schon selbst mehr oder minder ausgeführt die Antwort in meinem
Geiste meinem Gemüthe, allein ich habe in demselben so viel
Allgemeines zu ver- und bearbeiten daß ich nicht weiß wie ich
zu Ende kommen soll, da will mir nun oft das Niederschreiben
sehr schwer werden. Ich danke wiederkehrend allen recht herzlich
für ihre lieben Briefe, sie haben mir sehr viel gereicht und -
wenn ich alles ausführen kann hoffe ich sollen auch dankende
Rückgaben kommen.
Auch Dir Liebe Frau kann ich für Deine
lehrreiche Mittheilung jetzt
nur durch das Wort
Dank, danken. Wer erklärt mir dieses
Wort?-
Wir sind alle gesund, freudig, froh,
zufrieden.
Ferdinand
gräbt den Garten, beschneidet den Buchsbaum[.]
Es sind Erbsen,
Spinat, Möhren rc gesäet. Nachmittags
gräbt er wieder es sollen
Monats Rettige, Radise gesäet wer-
den; so wird wie das Gemüth u
Geist, so auch das Land
bebauet.
Vor einigen Tagen hatten
wir hier den gewaltigsten Sturm.
Ferdinand grüßt alle.
Vielleicht bekommen die Zeichner bald
wieder eine schöne
Zeichnung von ihm, nicht Landschaft.
Durch den
Geist des morgenden u der nächsten Tage immer in
Liebe u Treue
geeint Euer
Friedrich
Fröbel
(Den Brief an Fr: v. Arnim
werdet Ihr wohl
verbessern:)
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An
die allgemeine deutsche
Erziehungsanstalt
in
Keilhau./
[3]
[Briefumschlag mit Adresse:]
An
die allgemeine deutsche
Erziehungsanstalt
in
Keilhau b. Rudolstadt
in
Thüringen.