Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 14.4.1832 (Wartensee)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 14.4.1832 (Wartensee)
(KN 37,5, Brieforiginal 1 B 16° 4 S. Diesem Brief lag offenbar die Reinschrift des Briefs an Hedwig von Arnim-Bülow v. 12.4.1832 bei. Daß diese auch in KN liegt, ist ein Indikator dafür, daß der Brief zumindest in der F.-Fassung nicht von den Keilhauern weitergeschickt wurde, was F. hier als Möglichkeit andeutet. Außerdem dürfte die Reinschrift des Briefs an Albert Weimann v. 14.4.1832 beigelegen haben.

Am Sonnabend vor dem Palmensonntage, am 14en Ap 32.·.

Aus Wartensee.


Meinem lieben Hause in Keilhau
den Palmengruß zuvor.

Dießmal nur lauter einzelne Mittheilungen in Andeutungen[.]
Hoffentlich werdet Ihr heute meinen Brief an die theuern Confirman-
ten erhalten, welcher wohl morgen Euer aller Gemeingut wer-
den wird. Denselben hierdurch auch meinen Festgruß zum lieben
Osterfest so wie an Euch alle. So wie ich Euch alle zu dem morgen-
den Festsonntage durch meinen jüngsten Brief begrüßte, so begrüße
ich Euch zu dem mehrfachen Osterfest mit diesen Zeilen und spreche wenn
auch im Geiste doch in ganzer Seele bey Euch ein.
Wenn der anliegende Brief Euere Beystimmung hat, so werdet Ihr
denselben wohl mit erster Post abschicken. Ihr werdet nicht
unterlassen das hinzu zufügen was Ihr für gut haltet; Sollte
übrigens der Brief in dieser ausgedehnten Form Euch unstatthaft
erscheinen, so könnt Ihr ja das Zweckmäßigste daraus ausheben
und den Brief in meinen Namen schreiben und unterschreiben; es
kann ihn der Ähnlichkeit der Schrift nach fast ein jeder von Euch ab-
schreiben am ersten vielleicht Wilhelm oder Middendorff. Findet
Ihr aber den Brief zum Abschicken angemessen so ist es wohl
zweckmäßig wenn Ihr eine Abschrift davon nehmt, theils weil
er allgemeine Gedanken enthält, theils weil sich vielleicht
in einem ähnlichen Falle einmal davon Gebrauch machen
läßt zum Beisp: bey der Frau von Ahlefeld, oder vielleicht selbst
einmal bey Martins.
Sollte mein Vorschlag wegen Felix angenommen werden; dage-
gen der wegen Barop nicht auszuführen seyn, so könnte[n] ja
Felix und Wilhelm gemeinschaftlich kommen; auch Elise - besonders
wenn Ihr meint daß mein Gedanke wegen den Einüben klei-
ner Lieder durch sie auszuführen wäre - könnte sich dann viel-
leicht an sie anschließen. Doch diese Mittheilungen nur einzig in
der Absicht daß Ihr meine Ansichten wißt - sonst ist mir alles /
[1R]
zum Voraus ganz recht wie Ihr es nach dem Ganzen bestimmt.
Wegen Herrn Brömels Abspringen bin ich gar nicht unzufrieden.
Mit Felix zu sprechen ehe die Ansicht der Frau von Arnim Euch
bekannt ist, halte ich nicht für zweckmäßig.
Eben als der Brief an die Fr. v. A. fast fertig war, so fiel mir
ein daß Ihr vielleicht das Erziehungsgeld für das nächste Halbjahr
schon bezogen habt; sollte dies geschehen seyn, so braucht ja auch mein
Brief gar nicht abgesandt zu werden.
Der Übergang durch Fräulein von Schönfeld zu Hedwig wird hoffent[-]
lich in Keilhau nicht mißverstanden werden; doch sollte es seyn,
so ist dieß hauptsächlich der Punkt von welchem ich meine daß dann
eben der Brief abgeschrieben oder ganz in Euren Namen und im Auf-
trage von mir
geschrieben werden könnte.
Haltet Ihr nun auf welche Weise es immer sey, den Hauptgedan-
ken fest, so werdet Ihr wohl Fr v. A. bitten Euch baldigst zu
antworten im Fall - was ich freylich nicht erwarte - mir vor[-]
her noch Fragen zur Beantwortung vorgelegt werden sollten.-
Die Vorschriften welche Wilhelm sucht dünkt mich lägen in Mid-
dendorffs, auch meiner Arbeitsstube nächst der großen Lehrstube,
im Bücherbret[t]e nächst Middendorffs Pult in der Hälfte gegen das
Fenster zu und zwar in den mittleren Gefächern, doch mehr nach unten
zu.
In einem früheren Briefe muß mir Jemand von Euch ausgesprochen
haben: - "Albert sey eine erziehende Natur."- Ich weiß nun
jetzt nicht wer, habe auch in diesen Tagen keine Zeit gehabt die frühe-
ren Briefe nachzulesen. Besprecht doch den Gegenstand unter
Euch, besonders auch, ob wohl der Vater auf einen Vorschlag
seinen Sohn für einen erziehenden Lehrer, zu einem Lehrer an
einer Erziehungsanstalt zu bilden, eingehen würde; der Vater
scheint freylich ein sehr mißtrauischer Mann zu sein, deßhalb
muß man in dem was man ihm mittheilt sehr klar, sehr
bestimmt und fest seyn, nur muß einer überhaupt mit solchen
Vorschlägen an Eltern sehr vorsichtig seyn; denn fast scheint
es mir Gustav[s] Vater ist besonders auch durch Euern Vorschlag
denselben in K. an der Wirthschaft Antheil nehmen zu lassen bestimmt /
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worden denselben so unerwartet von Keilhau wegzunehmen.
Also wollen wir ja sorgsam seyn um nicht auch den Albert
durch eine voreilige Äußerung am Ende früher aus seinem
jetzigen Verhältnisse zu reißen. Doch schadet es ja auch gar
nicht - im Fall Albert bestimmt als eine erziehende Natur
erkannt würde
- wenn er auch wirklich einige Jahre in
andern Verhältnissen wirksam wäre, ja, sey es als Arzt oder
Jurist seine förmlichen Studien mache; er würde dann einst
ein um so gediegenerer Erzieher werden.- Am besten wäre es
dann immer, er hielt das Studium der Medizin fest; dieß würde
ihn später die meiste Freiheit geben. Vielleicht wenn man ganz
offen und vertrauensvoll mit dem Albert redete, daß man
dann seine Thätigkeit nach dieser Seite hin ganz wecken könnte.
Das Große und eine uns auch äußerlich ganz genügende
Wirksamkeit kann man nur durch große - oft weit ab zu
lenkende Umwege erreichen.- Gern hätte ich ihm mitgetheilt
wie nun 25 Jahr gerad verflossen sind seit ich zu erreichen be-
müht war, was ich jetzt erst zu erreichen beginne - denn: Ge-
rad in den Tagen, als ich jetzt die Lebensdarstellung an die Con-
firmanten schrieb, habe ich vor 25 Jahren den Euch bekannten
mein Leben vorführenden Brief an meinen seel. Bruder
in Griesheim geschrieben in welchem ich demselben den ersten
Gedanken einer zu errichtenden Erziehungsanstalt mittheile.
Und durch welche Verhältnisse mußte ich dann erst noch hind[urc]h gehen?-
Wenn Barop hierher reiset, besonders mit Felix als einem
Zögling der Wartenseeer Erziehungsanstalt, so halte ich dessen
Reise über Frankfurt für wichtig, selbst wenn Schnyder noch nicht
dahin zurück gekehrt seyn sollte. Vielleicht wäre es sogar
gut wenn Barop an E. Schwarz (im Hause des He. Speyer
am untern Maynthore) oder Dr Bagge eine kleine Nachricht
von der Reise dahin gäbe, vielleicht indem er ihn fragte ob er
ihn treffen würde - im Fall sich vielleicht dort ein Erziehungsbe-
dürfniß für Wartensee zeigen sollte.- Doch dieß sind alles nur
so meine flüchtigen Gedanken.
Eurer aller lieben, theuren Briefe der letzteren Sendung habe /
[2R]
ich wie die frühern schon vielmal gelesen, und auf alle ruht
schon selbst mehr oder minder ausgeführt die Antwort in meinem
Geiste meinem Gemüthe, allein ich habe in demselben so viel
Allgemeines zu ver- und bearbeiten daß ich nicht weiß wie ich
zu Ende kommen soll, da will mir nun oft das Niederschreiben
sehr schwer werden. Ich danke wiederkehrend allen recht herzlich
für ihre lieben Briefe, sie haben mir sehr viel gereicht und -
wenn ich alles ausführen kann hoffe ich sollen auch dankende
Rückgaben kommen.
Auch Dir Liebe Frau kann ich für Deine lehrreiche Mittheilung jetzt
nur durch das Wort Dank, danken. Wer erklärt mir dieses
Wort?-
Wir sind alle gesund, freudig, froh, zufrieden.
Ferdinand gräbt den Garten, beschneidet den Buchsbaum[.]
Es sind Erbsen, Spinat, Möhren rc gesäet. Nachmittags
gräbt er wieder es sollen Monats Rettige, Radise gesäet wer-
den; so wird wie das Gemüth u Geist, so auch das Land
bebauet.
Vor einigen Tagen hatten wir hier den gewaltigsten Sturm.
Ferdinand grüßt alle. Vielleicht bekommen die Zeichner bald
wieder eine schöne Zeichnung von ihm, nicht Landschaft.
Durch den Geist des morgenden u der nächsten Tage immer in
Liebe u Treue geeint Euer

       Friedrich Fröbel

(Den Brief an Fr: v. Arnim
werdet Ihr wohl verbessern:)
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An
die allgemeine deutsche Erziehungsanstalt
in
Keilhau./

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[Briefumschlag mit Adresse:]
An
die allgemeine deutsche Erziehungsanstalt
in
Keilhau b. Rudolstadt
in Thüringen.