Am ersten Tage im Monat des
Keimens und Treibens. Heute am Morgen trat es mir
erfreuend
entgegend [sc.: entgegen], wie nun so meine jetzige Ansicht vom
äußeren Berufsleben auch ganz
mit der in meinen frühesten Jahren
wieder in Eines zusammen fällt und so mein Leben wie
es in sich
sich [2x] klärt, so auch äußerlich sich immer mehr zu einem Lebganzen
zu dem ganzen Leben
vollen dem Menschen seinem ganzen Wesen nach
in allen Beziehungen völlig genügenden Leben
abrundet, welches
von meinem frühesten Knabenalter wenn auch noch so dunkel vor meiner
Seele
stand in meinem Gemüthe keimte und lebte. Bey dem hohen
Vertrauen welches Ihr mir alle in
den letzten Zeiten ganz
besonders so thatkräftig bewiesen ha[b]t dünkt es mich muß es Euch
selbst er[-]
freuen selbst auch für die Einigkeit, Ganzheit und
Stetigkeit meines äußeren Strebens und
Leben
und besonders so ganz ungesuchte Beweise zu finden, und so
finde ich mich denn wirklich verpflichtet
Euch mein Leben auch
in dieser äußeren Rückkehr in sich selbst, und so in der Abrundung zu
zeigen
wie es offen jetzt mir vorliegt.
Ihr wißt daß ich
vor nun bald 25 Jahren vom 26
n [März] bis 3 April
1807 mich besonders sehr ernstlich bemühete über mein Leben möglichst
klar zu werden und die Einheit und Stetigkeit desselben zu erfassen.
In jener Zeit schrieb ich für meinen seel.
Bruder Christoph die Bogen über
mein Leben nieder, die Euch bekannt sind.
In
jenen Blättern wie Ihr Euch vielleicht wörtlich erinnern werdet,
heißt es nun wörtlich: -
“Frühe in meinem Leben auf der Erde,
wurde von meinem einstigen baldigen Leben in /
[1R]
den
bürgerlichen Verhältnissen gesprochen.
Frühe sollte ich mir daher ein bürgerliches Verhältniß
wählen in
dem ich künftig beständig zu leben gedächte. – Ich sollte ein
Verhältniß wählen
und kannte keines. Jedoch lag unbewußt in mir
ein Maaßstab nach dem ich unbewußt die
wenigen und noch dazu nur
mir oberflächlich bekannten bürgerlichen Verhältnisse prüfte, und
und [2x] endlich unbewußt darnach wählte. Dieser Maaßstab
forderte:
Ein fortwährend stilles ruhiges Leben in mir, wo ich
ungestört von Einwirkungen von Außen,
meinem innern Leben in mir
leben, die Welt in mir, sich gestalten, sie nach meiner eigenen
Ansicht in mir aufnehmen, und so mich selbst ungestöhrt und in
Ruhe von innen heraus aus-
bilden könne. Den Menschen – der sich
selbst und seiner Ausbildung lebt achtete ich frühe, sehr
frühe
am höchsten; der Mensch der dieses that war mir der achtungs
<(
wahrendste)> wertheste,
und das bürgerliche Verhältniß welches mir dieses erlaubte das
glücklichste.
Nach diesem was dunkel in mir lag wählte ich,
das mir zwar auch dunkel aber doch am mehresten
bekannte
Landleben. Welches mir, ob ich es gleich
von vielen seiner guten Seiten zu kennen glaubte
dennoch in
einer weiten Ferne in einem mystischen Schleyer gehüllt lag, in dem
ich leicht die
Erfüllung meiner Wünsche als durchschimmerndes
Bild der Wirklichkeit, einweben konnte.....
....Da ich aber das
Landleben idealisch, d.i. in der mir dort zu denkend möglichen Vollkommenheit
sahe,
[war] natürlich daß ich auch in mir das Ideale des Landmannes Ökonom
werden wollte. Dieß lag
lebendig in mir, daher faßte ich auch
das Landleben und den Ökonom in seiner weitesten Bedeutung
auf....... Dieses ist eine äußerst
treue Darstellung meines Innern und dessen was sich in meinem
Innern bewegte als ich gegen 15 Jahre alt war. Ich sehe mich
noch recht deutlich u.s.w.“
So lange also Freunde, Brüder,
Geliebte! dauert es ehe der Mensch in klarem Bewußtseyn sich selbst
findet
und erkennt, so lange Ihr Männer u Frauen! Väter u Mütter
dauert es ehe der Mensch erringt
was ihm doch zu erringen das
Wichtigste und Kostbarste seines Lebens ist: - ein seinem Menschen
Wesen ganz genügendes und so wahrhaft menschenwürdiges
werkthätiges Leben.
Es muß Euch aber dieß auch ein sprechender
Beweis für der Wahrheit des Menschenwesens seyn
zu und für
deren AnErkennung ich kämpfend aufgetreten bin, zu und für deren
Anerkennung Ihr
alle jetzt mit [mir] kämpfend aufgetreten
seyd.
Erlaubt mir hier zwey Aussprüche einzuschalten wovon der
eine in meinem dießjährigen Kalender beym Mon: Februar
steht, der andere aber der eines
alten Denkers und Weltweisen ist, welcher sich unter meinen
Lebenssprüchen
findet. Der erste heißt: - „Wer
lebenskühn der Weisheit nachjagt, und im Leben über alle Dinge
sich erhoben hat ohne sich zu
vernichten, verdient ein Schüler der Weisheit zu werden.“
Wir nun haben aber wohl das erste gethan,
ohne daß das Schicksal der
Selbstvernichtung uns getroffen
hat;
nur durch die innigste Einigung mit der Natur durch das Landleben war
dieß möglich.
Der zweyte Ausspruch heißt: „sich
selbst leben ist mehr, als Städte und Länder erobern u.s.w.“
Ihr sehet daraus, was diesem Manne das Ergebniß langer
Lebensbetrachtung und Erfahrung war,
trat mir frühe als wahr
unmittelbar im Gemüthe entgegen, und ich ahnete es frühe und strebte
es an im Land bebauenden Landleben; denn wenn Ihr es prüfend
streng erwägt, so ist es eigentlich das
erste und uranfängliche
patriarchale Menschenleben das uranfänglich geschlossene
Familienleben
in Einigung mit Gott und Natur wie in
Einverständniß und Einigung unter sich, was frühe in meinem
Innern wieder keimte und sich dasselbe so gern außer sich
geschafft hätte. Dieses Leben, das Landle-
ben, wie oft
bezeichnet, ist es aber auch nur einzig was dem Menschen nun auf der
jetzigen Entwicklungsstufe
alles das reicht, was er, um ihr zu
genügen, bedarf; denn nur in ihm und durch dasselbe kann man dem
Menschen, dem aufkeimenden, aufwachsenden, aufblühenden Menschen
Freyheit der Entwicklung der Selbst-
entfaltung und
Selbstgestaltung geben. Und dieß war das zweyte was ich Euch in diesem Briefe
wiederholendlich an das Herz legen wollte. Es ist für Vater,
Mutter, Kinder, für Familien gar
zu wichtig. Denn
drittens Zweytens
Man muß den Kindern, der Jugend
das Leben, die Gesetze des Lebens, die Lebenslehren und Regeln
nichtin Worte und durchs Wort
als Gabe, als Lehre geben, dieß hilft fast wenig oder nicht, sondern
man muß
sie Kinder und Jugend möglichst
alles und so endlich
das Leben und die Gesetze, die Ähren
des Lebens, ja /
[2]
zuletzt
sich selbst finden lassen. Dieß ist die
höchste Aufgabe der Erziehung und des Unterrichtes durch
das
Leben, durch das Familienleben, durch das Familienlandleben. Hört und
beachtet es: Das Leben
die
GeGesetze und Lehren des Lebens müssen wie
in dem Figurenerfinden u.s.w. und in der Anschauung
des
Sprachgebietes von den Kindern und der Jugend in ebenso wie dort in
stetig fortschreitenden Be-
dingungen gefunden werden. Ihr wißt
nun zwar wohl wie es oft für eine kleine Sache schwierig
ist die
schlagende
nothwendige Bedingung zu geben so
ist es natürlich hier im Leben und fürs Leben
noch schwieriger
über das Figurenerfinden, die Bedingungen des Figuren Erfindens
können Euch
im hohen Grade sicher leitend seyn bey dem Streben
die Bedingungen der Lebenserfindung zu geben.
Die Gesetze und Bedingungen der Sprach Anschauung des
Sprachgebietes, der Sprachanschauung können
Euch aufs höchste
und beste sicher leitend seyn in der Kunst
die
Bedingungen zur Anschauung des
Lebensgebietes, der
Lebensanschauung zu geben. Vergeßt aber dabey die
Vorübungen, die Sprach-
und
Sprechübungen d.h. die Lebensübungen nicht, vergeßt die
Linienziehübungen im Netz, die Lebens-
heraustretungsübungen
gemessen durch senkrecht und wagrecht, das heißt der Scheitel-
Kopf[-] und
der Brust- Herz- Gemüthslinie des Menschen nicht; so
bekommt das griechische Ταν πανζων <?->
<?>μετρον
ανζροπος [Tan pantoon <?> metron anthropos] vielleicht seine
höchste d.h. elementare Bedeutung. Ihr erinnert Euch ja
wohl was
ich so oft sagte: daß die Netztafel = ist der Vervielfältigung der
Scheitel- und Brustlinie
des Menschen.
Wenn Ihr diese
Kunst einmal verstehen und üben werdet, dann werdet Ihr sehen wie
vie[l] Tau-
sende von Worten Ihr Euch erspart und wie viel
Mißmuth Euch Euern Kinder- und Euren Pfle-
gebefohlenen. Nochmals
gesagt unser aufgestellter Elementarunterricht namentlich in den
beyden
Fächern [Sprache u. Math.] führet zur Erringung dieser
Kunst. Ihr werdet nun endlich einmal doch wohl einsehen wie
ich
d.h. mein Gemüthe recht hatte wenn ich auch von den Töchtern und der
jetzigen Frauenwelt wünschte, [-]
denn mehr war mir nicht
erlaubt – sie möchten sich mit der Lehrweise bekannt machen, sie
möchten
Schülerinnen werden, leicht kann es Ihnen [sc.: ihnen]
nun schon mit dem Wenigen was sie durchgemacht haben
werden,
mich zu verstehen, denn mir ist es damit der höchste Ernst, denn das
sogenannte Mo-
ralisiren schlägt alles
Edle im Menschen todt.
Die Erwachsenen müssen diese Kunst erst
an sich und unter sich üben, wie der Erwachsene über[-]
haupt
erst Kind werden muß um Kinder zu verstehen, Kinder zu erziehen,
Kinder zu lehren[.]
Mit manchem von Euch ist diese Kunst von
mir schon sehr streng und ernst doch zu aller Heil geübt worden.
Middendorff erinnert sich
vielleicht in dieser Beziehung eines öfteren Ausspruches von mir: -
wenn ich
so wie ich handle, handlen würde ohne (dabey den
Menschen als Selbstzweck zu wissen) ohne klar das Warum
zu
wissen würde ich schlecht handeln, so aber handle ich recht. Vergeßt
dabey nicht daß eine Haupt-
und durchgehende Bedingung des
Figurenerfindens und des Gestaltens
überhaupt
unseres ganzen Lehr-
ganges ist stets in verhältnißmäßig
kleinem Raume mit wenigen einfachen und sehr beschränkten Mitteln
unerläßlich
ein in sich geschlossenes Ganze
darzustellen. Das letztere nun aber wird erreicht, daß man
die verbunden werdende Glieder alle stets in Beziehung zur
Mitte, sichtbar oder unsichtbar setzte.
Selbst
bey den ganz einseitigen Figuren, Gestalten und Gebilden
tritt diese Beziehung zu einer vielleicht weit
außer der Figur liegenden Mitte hervor, und sie
bekommt eigentlich dadurch nur ihre Bedeutung.
Eben so wie das
Figuren- Gestalten und Gebildenerfinden zeigt, so sey das Leben des
Menschen auf
jeder seiner Handelns- und Lebensstufe stets ein in
sich geschlosenes Ganze, welches aber doch auch
stets das Gesetz
der Fortschreitung nur bey einem ruhigen beachtenden Blick in sich
trage: - nach
rechten kommen natürlich schiefe Linien; nach
unverbundenen nothwendig verbundene; nach einem
Punkte
gesetzmäßig 2,3 und mehr Punkte. Nach mehreren Linien nicht in sich
sich geschlossen, nicht in sich
zurückkehrend nothwendig in sich zurückkehrende also einen
abgeschlossenen Raum einschließend u.s.w.
Dieser hier als
Anschauungsmittel hervorgehobene Gegenstand ist = Raum = Gestalt und
so = Empfin-
den, Fühlen d.h. immer auf die Einheit
in sich beziehen. Die Zahl dagegen
ist = Zeit = Vertheil
en =
Denken
und Erkennen; Erkennen aber heißt immer das Verhältniß der
Einzelheit, Sonderheit,
Individualität zur Einheit, Ganzheit,
Universalität wissen. Beydes wird
geeint und
ist
einig im
schaffenden, darstellenden
Leben. – Die
Naturbetrachtung und Anschauung, führt zur
Lebens
betrach[-] /
[2R]
tung zur Lebens
anschauung. Alles was die Figuren-Gestaltungs-
und Gebild[e]kunst zeigt,
zeigt die
Naturanschauung; Auch die Natur giebt Bedingungen
z.B. eine Bedingung zu
Keimen – eine folgende Bedingung – den
Herzpunkt zu entfalten – einen Stamm zu treiben -
eine Bedingung
nun zu Knospen – eine folgende um Blätter zu treiben – weiter um zu
blühen
u.s.w. Die Natur giebt und fordert auch – besonders
anschaulich in der Pflanzenwelt – zu erst die
Mitte und bezieht
alles auf die Mitte. Auch die Natur bildet –
wie die Figuren und Gestalten
fordern immer
zugleich Entgegengesetzt-Gleiches: auch sie
bildet besonders bey den Pflanzen
welche der Kinderwelt so nahe
liegen: strahlend, windend, drehend u.s.w. Die Lebensanschau-
ung
– Naturanschauung (: besonders in der Pflanzenwelt :) und die
Formenanschauung: Figuren- und
Gestaltungskunst u.s.w. bilden
Eine Große in sich geschlossene
Drey, deren Seite, oder Glieder
sich
gegenseitig erklären. Mein seel.
Bruder
Christoph führte mich nur mit 3 Worten der Natur zu,
und
die Seegnungen davon kann ich meinem Bruder nie verdanken, denn
dadurch bekam mein Leben frühe Klarheit, Festigkeit versteht sich in
Einigung mit dem was mein Leben bot und gab.
Wie nun die
Figuren- und Gestaltungskunst eigentlich mit der Darstellung des idealen Menschen
schließt –
wie die Natur damit schloß und schließt, so soll auch die
Lebensbetrachtungs-, Lebens-
anschauungs- Lebensgestaltungskunst
damit schließen. Denn die Darstellung des Menschen
als Kind und Ebenbild Gottes ist überall und in Allem das
Letzte, das Ziel, der
Zweck.
Weiter: Wie ein guter Lehrer
in Formen- und Gestaltungskunst dieselbe als Schüler selbst
durch-
gemacht haben muß; wie er ein um so besserer Lehrer seyn
wird als er sie größten Theil[s] ganz
durch gemacht hat,
wenigstens in ihrem ganzen Zusammenhang bis zu ihrem letzten Ziel und
Zweck
- den freylich nur wenige erreichen – überschaut, - so muß
auch ein guter Lehrer der Lebensbetrach-
tungs- und
Lebensanschauungs- Lebensdarstellungskunst dieselbe wenigstens bis zu
einem
großen Theil einmal als Schüler selbst durchgemacht haben
und ein noch besserer Lehrer und
Mensch wird er seyn – denn
jeder Mensch meint sich ja – und mit vollem Rechte – berufen Lehrer
dieser Kunst zu seyn – wenn er diese Kunst in ihrem ganzen
Zusammenhang bis zu ihrem letzten
Ziel und Zweck überschaut.
Mich dünkt es könnte ein Mensch und besonders ein Mann gar nicht
mit beruhigtem Gefühl, besser mit – in seinem innern Bewußtseyn
gegründeten ruhigem Gesichte Vater
und noch bey weitem weniger
gesteigerter Vater nach mehreren Seiten seyn, welcher nicht die
Lebens-
anschauungs- und Lebensdarstellungskunst wenigstens in
einem namhaften Überblick in sich trage.
Und auch der im Alter
vorgerückteste Mensch und vor allem der Mann, welcher so so [2x] sehr
der Vereinzelung und Veräußerlichung des Lebens Preis gegeben ist,
auch der Mensch und Mann, mit der reichsten und größten Menge der
Einzel- und Theil-Erfahrungen, soll es noch in dem letzten Tage –
dieß
ist buchstäblich mein bestimmtester Ernst – seines Lebens
nicht für zu spät halten diese Kunst zu erlernen: - ein Blick – und
das vereinzelte, dunkle und unverständliche Leben steht im Nu als
Einheit, klar
und verständig vor Augen. Ich habe hierüber seit
meiner jetzigen Abwesenheit von Keilhau
an anderen die
bestimmtesten Erfahrungen gemacht. Doch davon zu einer andern Zeit.
Jetzt aber
nur eines, daß sich mir wiederkehrend – um es
auszusprechen – so gewaltig entgegendrängt, daß
ich schon von
dieser fordernden Seite nicht umhin kann es
auszusprechen; aber auch von der andern
Seite die
Verpflichtung dazu in mir fühle, weil ich
mir, mit dem Beginne dieses neuen Lebens vorge-
setzt und es als
nothwendig erkannt habe, alles auszusprechen, was ich als dem Ganzen
heilsam in
mir erkenne, es mag nun auch von dem Ganzen oder
Einzelnen aufgenommen werden wie es will
und man mag über mich
selbst denken wie man will. Meine ewige Freundin, die Zeit wird mich
schon rechtfertigen. Wenn auch der fünfzigjährige Mann nicht die
Wahrheit wie er sie in sich erkannte aus-
sprechen soll, von wem
sollen wir sie hören. Übrigens gehört mein Leben und Wirken nun schon
längst
der Zukunft an, ist von der Zukunft, pflegend auf den
Schoos und in die Arme genommen; die Gegenwart
kann es mit mir
und in Beziehung auf mich halten wie sie will – mit der Gegenwart
habe ich nichts
mehr zu theilen, denn schon ist mir die Zukunft,
Gegenwart und Vergangenheit geworden und die
Vergangenheit
Gegenwart und Zukunft. Was ich nun nach dieser langen Einleitung
meine ist dieß: -
Ich habe es, mein Bruder, von jeher ganz und
gar nicht verstehen können, wie Du Dich so wenig ja /
[3]
[Bogen] 2.
ganz und gar nicht weder um das Einzelne noch
um den Zusammenhang des Unterrichtes Deiner Kinder in
Keilhau
bekümmertest. Wenn ich in mir von einer inneren Trennung reden könnte
und sollte, und wenn
ich denn dafür einen Grund anzugeben hätte,
so wäre es einzig dieser. Es stiegen dadurch halbe, unwahre
harte, tödtende Urtheile im Innern auf, die wenn auch nicht
ausgesprochen doch vom empfindlichen, fühlenden
Gemüthe wohl
tief wahrgenommen werden mußten. Mindestens eine alles vom Frost
erstarren machen-
de Gleichgültigkeit in Beziehung auf die
Gesammtheit und das Einzelne des Unterrichtes, welche
Gleichgül-
tigkeit aber noch nachtheiliger wirkte als jene kaum
laut werdenden ungerechten Urtheile. Bey der
Erziehung und dem
Unterricht giebt es kein so oder so, da kann nichts willkührlich
herausgenommen, nichts
willkührlich eingeführt und eingefügt
werden; dieß einzusehen sich zu bemühen ist das nach klarem
Be-
wußtseyn strebenden Vaters erste Pflicht. In der
MenschenErziehung, MenschenEntwicklung, im Menschen
Unterrichte
da giebt es nur Nothwendigkeit, keine Willkühr, die Gesetze können
nicht vom Menschen
erdacht, wohl aber vom achtsamen Leben,
Gemüthe und Geist gefunden werden. Jeder Mensch ist dazu
bestimmt und berufen sie zu finden; mindestens trägt jeder Vater
einen Prüfstein in sich ob er gefunden
ist. Ich weiß gar nicht
wie ich scharf und bestimmt genug und doch auch zugleich mild genug
das sagen soll
was ich zu sagen habe: - Der Mensch welcher
hundertmal leeres Stroh zu dreschen hat muß darum nicht
auch
meinen die 101
e Garbe sey darum nothwendig auch
Stroh und müsse Stroh seyn, das heißt – wie man sich sonst auch mit
geistiger Fortbildung abmühen und es damit ein Ernst seyn lasse –
doch sich alle
Fortbildung abschneiden das Leben selbst
todtschlagen und so sich und andere – Die Menschen sagen so häufig
und das Gemüth des Menschen hat Recht – wenn ich das noch einmal
anfing, z.B. noch einmal in die Schule auf Universitäten gienge noch
einmal meine Jugend lebte so wollte ich schon alles besser u besser
machen. Gott der allwissende der ehe er Menschen schuf wußte was
in des Menschenbrust vorgehen
würde – weil es Menschen waren –
nothwendig vorgehen müßte, sahe und laß [sc.:l] ieß auch dießen
Wunsch
in des Menschen Brust darum – gab er ihm dem Menschen
Kunde daß er mit ihnen und
durch sie
seine ganze erste Lebens<würde> die dunkle unbewußte –
aber nun auf der Stufe des
Bewußtseynsnochmals durchleben und [z]war
zu größerer Klarheit außer sich durchleben soll. Um kurz und bündig
zu seyn[: -] von jedem Vater der
Fröbel
heißt erwartete ich nur aus diesem einzigen und gar keinen
andern Grunde daß er mit seinen Kindern nach Möglichkeit den
Elementarunterricht theilte!
warum? – Der Elementarunterricht
gleicht der Luft die wir alle athmen durch die wir alle hören
vernehmen; wir athmen um so höheres Leben durch sie ein, wir
vernehmen hören durch sie um so höher
je gebildeter wir sind. –
Der Elementarunterricht gleicht dem Wasser durch welches alle Dinge
leben und
bestehen; es gestaltet sich zu um so höheren Leben, je
edler das Gewächs ist welche es einsaugt! -
Der
Elementarunterrichte gleicht dem Lichte (Feuer) es bricht sich in um
so schöneren Farben je edler
klarer der Gegenstand ist durch den
es hindurch geht, die es festhält. – Der Elementarunterricht
gleicht der Erde, sie wird selbst zu einem Menschenleib wenn ein
Menschengeist sie durchdringt.
Wir sehen also das Elementare,
und der Elementarunterricht wie die Naturelemente sind überall das
wichtigste, denn durch sie mindestens erhalten wir unser Leben,
gestalten uns und bestehen als daseyend.
Dieß kann und soll
nun der Mensch ahnden wie er die
Luft
athmet, das
Wasser trinkt, das
Lichteinsaugt, und die
Erde, den Stoff zu sich nimmt und ißt. Ich
will von dieser Seite her nichts mehr sagen
als ich glaube ich werde nun wenigstens
verstanden werden
können; nichts tödtet
mehr als die Gleich-
gültigkeit gegen eine Sache die dem andern
Lebens, des Lebens, der Aufopferung und der Hingabe des Lebens
wichtig scheint; es ist hier keinesweges genug daß gesagt wird:
- man achte die Sache, sondern es ist
auch nöthig daß man wisse
warum man es achte, wenn die Achtung
Werth u Bedeutung haben soll;
denn auch das Kind achtet das
bunte Steinchen, nur der
Kenner aber den
edlen Stein. Doch was
nimmt sich der Mensch, der Mann, der Vater
der nicht diesen Weg geht, der vielleicht den edlen
Stein
wegwirft und mit Füßen tritt weil er meint solche bunte Steinchen
habe er als Kind ge-
nug gehabt. Es ist auf das allerhöchste
merkwürdig, daß man den Eltern, den Vätern erst zeigen
muß was
es heiße Eltern und Väter zu seyn, daß manchen, die doch Eltern und
Väter sind erst
die Bedeutung dessen was Eltern und Vater zu
seyn eigentlich heißt, [man] erst lehren muß. Daraus
geht die
Bestätigung des hochwichtigen Satzes hervor, daß es höchst wenig frey
eine Sache /
[3R]
äußerlich zu besitzen, etwas äußerlich
nur zu seyn, sondern daß einzig die geistige Ein- und
Durchdringung einer Sache, die Einsicht in ihr Wesen, ihr erst
ihren Besitz erst Werth und Bedeutung giebt.
Wie knüpf ich
aber an um schlagend, bündig, eindringlich und verständlich genug zu
zeigen, was zu
sagen und zu zeigen mir als Pflicht erscheinet. -
Das deutsche Vater hat ja
deutsch ursprünglich
fadur, fader
geheißen. Das Wort fader erinnert mich nun,
wie ich schon einmal erwähnt habe seinem
Klange nach, ohne mich jetzt weiter mit
Aufsuchung seines innern Zusammenhanges auf
zu suchen [sc.: halten]
an Faden, also
stetiges Fortleiten, stetiges Fortfahren. Daß nun der
Vater der äußerliche Fort-
leiter, Fortführer
des Geschlechtes, des Stammes sey dagegen hat Niemand etwas. Aber der
Vater
soll nicht nur äußerlicher Fortleiter Fortführer des
Geschlechtes, des Stammes seyn sondern auch Fortbil-
der und
Fortentwickler des geistigen Lebens. Genug
Vater bezieht sich auf die Fortentwicklung
eines
geistigen Leben[s] die sich auch in der äußeren und als
äußere Erscheinung kund thut. Kind bezieht
sich eben so auf
die Kundmachung eines Innern.
Zwischen Vater und Kind muß also ein ungestöhrtes Band für
Kundmachung und Entwicklung, Aus-
und Fortbildung des Innern, des geistigen
Lebens statt finden.
Die Betrachtung des Wortes Eltern führt
mich auf eine ähnliche Weise zur stetigen Einigung zwischen Eltern
und Kind. Eltern heißt ursprünglich Ältern, Ältern kommt von alt; alt
kommt von allt.
Allt – alt ist also
dasjenige was alle Mannigfaltigkeit eines All, einer gewissen Sphäre
in sich
trägt oder durchlebt hat. Eltern sollen nun nicht nur
altern sondern sie sollen das Leben aller
durchlebten Mannigfaltigkeit in sich aufgenommen haben. Dieses
Innere der Mannnigfaltigkeit alles
Menschenleben[s] thut nun noch in ungestöhrter Einheit das Kind
kund, daher Kind. Kind und Eltern
gehören also als ungetheiltes Ganze
eben so stetig zusammen wie Einheit und Allheit (All-t) wie
Mitte und Umkreis (: Erfahrung, fahren = reisen; Um kreis,
Umfahr; Er fahr, erfahren u.s.w. :)
Dieser und ursprünglich nun
zwischen Eltern und Kind hindurch ziehende geistige Faden; diese
ursprüngliche Einigung
zwischen Vater und Kind, dieses
ursprüngliche Band, muß dem Vater zu pflegen höchste Sorge
seyn;
muß dem Vater zum Bewußtseyn zu erheben aber nicht etwa thöricht
durchs Wort, sondern durch
Pflege – Pflicht seyn.
Dieses innere
Band zwischen Vater und Kind, zwischen Eltern und Kind wird aber
gepflegt und erhalten, wenn
Eltern und Vater stets und stetig
die innere, geistige Fortbildung und Fortentwicklung ihrer Kinder
theilen
wenn sie solche nicht nur
theilen, sondern sie nochmals mit ihnen leben, durchleben,
erleben.
Wenn die Kinder besonders
fühlen, und sie fühlen und empfinden dieß sehr bald, daß das Leben
der Eltern
des Vaters mit ihnen zu dessen eigenen Forterziehung,
Fortentwicklung, Fortbildung wirkt, so ist dadurch
ein ein
bleibendes unzertrennliches Band der sich wechselseitig steigernden
Vervollkommnung gegeben.
Nichts kettet die Kinder fester an die
Eltern und den Vater, als wenn das Kind fühlt und wahrnimmt[:] der
Vater nimmt das ganze Leben der
Kinder in sich auf nicht nur nach dem was es
in der Erscheinung,
in der
äußeren Darstellung seyn soll, sondern auch
nach dem was es in sich, in
seinem Wesen schon ist, nicht nur was es dem
Ergebniß, dem Resultat nach seyn soll,
sondern auch den
Mitteln und den Wegen
nach durch die es dasselbe werden kann.
Siehe, mein Bruder Du
bist ein selten glücklicher Vater, wenn ich Dich in Deinem häuslichen
und Familien Verhältniße erblicke wie es ist; ich schaue um mich und
Tausende von Vätern sehe ich die nicht
so glücklich sind wie Du,
aber die Anerkenntniß und Ausübung dessen was ich meine, würde Dich,
und kann Dich als gesteigerter Vater, in jedem Augenblicke noch
zu einem so glücklichen Vater
machen, gegen welchen das Glück
was Du jetzt schon besitzest wie ein kleiner Punkt verschwindet.
Denn es würde dadurch ein geistig lebendiger
Wechselverkehr nach allen Punkten
und Richtungen Deiner vielseitigen Verhältnisse entstehen.
Ewig bleibt wahr, was
der große Menschen- und
Menschheitserzieher sagte: Wollen wir erhöhetere, geistigere,
voll-
kommnere Stufen der MenschheitsEntwicklung ersteigen,
müssen wir die Kindheit des und der
Menschen nochmals mit
erhöheterem
Bewußtseyn, mit beachteten
Gefühlen und Empfindungen
durchleben; also auf ihren Unterricht,
ihre Lehre [achten]. Damit nun die
Menschheit
und die
Menschenso immer höhere Stufen
der Vollkommenheit erreichen, so bestimmte
Gottes
Vorsehung, daß die
Menschen Väter, Eltern werden mußten.
Würdest Du nun, mein Bruder die eingehen- /
[4]
de
thätige Theilnahme an dem Einzelunterrichte Deiner Kinder Dir nicht
so
fern gestellt haben, würde
Dir die
thätige Theilnahme daran nicht zu
klein
geschienen seyn, hättest Du nicht den Wahn gehegt
er könne Dir
doch nur längst Bekanntes geben, so würde Dir diese Deine Theilnahme
nicht nur alles
das gegeben haben was Dein Gemüthe u Geist
ersehnte, sondern noch bey weitem mehr, solches wovon
die Ahnung
nie in Deinem Geiste im Gemüthe sich frey gemacht hat. Ich hebe hier
nur einiges heraus
als das Ganze zu erfassen hier nicht Raum und
nicht Zweck ist. Allein zuvor würdest Du die höchste
und
wichtigste aller Lebenserfahrungen gemacht haben, daß ein
himmelweiter Unterschied zwischen
der Wort-, der Begriffs- der
reinen puren Verstandeskenntniß u Einsicht, dem Wort- und dem
Verstandeswissen und dem Wissen und der Einsicht aus der
schaffenden Selbstthat, dem schaffen-
den Selbstthun ist – dann
daß es ein nicht minder großer Unterschied zwischen der
einzel-
stehenden und vereinzelten Lebenserfahrung, ist und den
Lebenserfahrungen die sich in einem
stetig fortlaufenden Verband
befinden, sich so gegenseitig erklären und Bedeutung geben – dann
daß es nicht [sc: „nicht“ streichen] wieder ein himmelweiter
Unterschied ist zwischen Lebenserfahrungen (die) wenn
auch in
stetig fortlaufenden äußeren Verbande und solchen, die in steter und
stetiger Be-
ziehung zur höchsten geistigen Einheit gesetzt
werden. Hierdurch mein Bruder würdest
Du den Schlüssel des
Lebens erhalten und das Getrennte würde sich Dir geeint haben. Nur
einiges hebe ich heraus: Du würdest z.B. [erkennen] die
innere Fortentwicklung Deiner Kinder und
die Deine würden in einer gewissen Beziehung stets geeinten Schritt
gegangen seyn; das Ergebniß davon
wäre gewesen ein stetiger
geistiger Wechselverkehr und sich gegenseitig
verständliches geistiges
Leben. Wie so ein
innigeres geistig
lebendigeres Band mit
Deinen unmittelbaren Kindern
eingetreten wäre, so vor allem auch
ein innigeres geistig lebendigeres Band mit Deinen
gesteigerten
Kindern und Söhnen zunächst Deinen
Schwiegersöhnen. Du würdest ihr Leben
besser haben verstehen und so überwiegend mehr haben
würdigen und behandeln, beurthei-
len
können. Von der
äußern Lebensansicht aus das
innere Leben beurtheilen wollen
von dem
trennenden Verstande, dem darum
kältenden und so
verhärtenden Ver-
stande aus, das
einende –
warme und
erwärmende und darum nicht nur
weiche, son-
dern auch
erweichende Gemüthe dieß kann nie zu einem
freundlichen, befriedigen-
den beruhigenden Ergebniß führen und
wenn ich auch nur das
Geringste von allem
heraushebe daß Dir, mein Bruder! dadurch eine <
Krükke> geworden wäre, den reichen
Schatz
Deiner mehr oder minder geeinten Lebenserfahrung andern mitzutheilen,
sie so
für andere auch seegensreich zu machen, so ist dieß, so
giebt dieß unendlich viel.
Ich bin jetzt da ich dieß schreibe
und ausspreche noch nicht fünfzig Jahr; Du, mein Bruder! warest
da Du in meinen Kreis als lebendig eingreifendes Glied tratest
auch noch nicht fünfzig Jahre. Du,
mein Bruder! warest
praktischer und denkender Erzieher und Vater und hattest schon zwey
Deiner Kinder bis
zur Einführung ins Leben erzogen, Du hattest
das Leben selbst denkend erfaßt, warst ein Fröbel d.h.
an einem
geistigen Lebens Baum; darum nun konnte ich wohl jene Erwartung in
mir hegen.
Und, welche Folgen würden daraus hervorgegangen seyn!
Äußere Achtung und Hingabe der
größtenäußern Güter ist diese Folgen
aufzuwiegen nicht im Stande. Der Beweis dafür, so will es nun die
Vorsehung soll
offenkundig
geführt werden; denn, fast 1/8
el Jahrhundert
älter, mit so viel
passiven Vermögen als dort activen,
positiven, mit einem tief verwundeten, tief zerschnitte-
nen
Herzen soll nun noch erreicht werden, was dort in der Fülle der
Manneskraft angestrebt
wurde, und es wird erreicht werden, wenn
die Wichtigkeit eines geistigen Bandes erkannt, an-
erkannt und
demselben gemäß gehandelt wird. Mir war die Herstellung dieses
ursprüng-
lichen geistigen Bandes immer höchstes Ziel meines
Lebens, so die Eltern den Kinder[n], die Kinder
den Eltern zu
geben, als der erste Anfang eines solchen ächt geistigen Lebganzen.
Wenn
man das Werk
auf an seinen
Früchten erkennt, so kann ich mich auf meine Früchte, die Früchte
mei-
nes Lebens von der frühesten Zeit berufen. Die
Frau v. Holzhausen sagte mir,
die Söhne (meine
Zöglinge) jetzt Männer sind Ihrem [sc : ihrem]
Vater noch wie in ihrem Jünglingsalter treu. – Selbst die
Volkstädter zeugen, müssen für mich zeugen, unterstützen die
Söhne nicht Mutter u Schwester? -/
[4R]
Beweisen nicht
Leopold Teske, die drey Gebrüder
Clemens in Beziehung auf
Fr: v.
Ahlefeld, und
Felix
in Beziehung auf
Fr: v.
Arnim u.s.w. für mich. Aber ich erstrebte und erstrebe noch
jetzt höheres
nemlich ein mehr oder minder
bewußtes geistiges Band zu gegenseitiger
Fortbildung und zur
Erreichung des Gesammtlebenszweckes; ein
solches Band auf der Stufe des Bewußtseyns wie das
zwischen dem
Marke des Stammes und dem Herzpunkte der
Knospe, aus und durch deren
steten und ungestöhrten
Wechselverkehr das Ergebniß – die wahrsagende Eiche von Dodona
ist. Überall wo kindliche oder elterliche Verhältnisse mein
Leben berührten war die Hinstellung
und Ausführung dieses
Verhältnisses mir Zweck. Du
Barop selbst, kannst in Beziehung auf
Deine
Verhältnisse den Beweis für mich führen, Zeugniß für mich ablegen.
Barops Brief an
Dich, mein Bruder! als Verlobter Deiner Emilie,
in welchem er in dem Satze: daß der Sohn, der ächte
das Werk,
das geistige Wollen des Vaters aufnehme und zu seinem Ziele führe –
meine Über-
zeugung ausspricht, beweiset und spricht für mich.
–
Ich wandle nun, wie ich schon oben aussprach in Beziehung
auf mein Wollen und Streben auf den
Saatfeldern, den grünenden
Saatfeldern der Zukunft ich habe mit der Gegenwart nichts mehr
zu theilen, erstrebe in ihr nichts mehr, denn wem die Zukunft
Eigenthum und Besitz, oder
Freundin und Geliebte ist, der läßt
die kalte harte Gegenwart gern, - darum will ich auch
nicht etwa
durch den Ausdruck: tief verwundetes u viel zerschnittenes Herz
welcher{<> dort zum Ganzen
gehörte weder ein Mit-Leiden
noch auch nunmehr ein Mit-Handeln erwecken. Ich will jetzt nur
nur [2x] meine Pflicht erfüllen und aussprechen was ich als
Wahrheit erkenne; denn mein Leben selbst
besteht nur in der
Wahrheit, und das eben wiederholt ausgesprochene beweiset selbst
da<her>: -
In den frühesten Jahren meines Lebens
übergab ich mit dem klarsten Bewußtseyn
mein Gemüthe
und Herz dem höchsten Zweck, soll ich mich nun
nicht freuen, wenn es im Kampfe dafür gleichsam
mir genommen
worden ist, und mir so selbst das äußere Leben für die Wahrheit und
Treue mei-
nes inneren Lebens mir den unmittelbarsten und
fühlbarsten, ja sogar für andere offenkundig
da liegenden That-
und Sachbeweis giebt.
Es meine auch Niemand daß ich den Wahn
hege noch bis jetzt hege, es wäre möglich irgend einen
Menschen
wer es auch immer sey durch das Wort, durch
die Rede für die Wahrheit meiner
Überzeug-
ungen zu bestimmen oder zu gewinnen; Nur einzig allein wer mein Leben lebt, wer im
Geiste desselben handelt, schafft und wirkt kann die Wahrheit
desselben und aller
meiner Rede und Überzeugungen einsehen.
Daß Du nun, mein Bruder so wenig und
fast gar nicht in mein
Leben – obgleich Vater und Erzieher und Dir so sehr nahe liegend –
einge-
gangen bist, dieß hatte zur Folge daß Du mich und mein
Leben auch in seiner Fortentwicklung
nur wenig und fast gar
nicht verstanden hast. Doch dieß ist wenig und unbedeutend, ich habe
zwar
von der Jugend auf das Verständniß mit den Menschen
gewünscht und gesucht; da ich aber nun sehr
bald einsehen mußte
daß dieß zu erreichen unmöglich war und sich mit vielen Menschen,
besonders die mir am liebsten und werthesten war[en] statt des
gesuchten und gewünschten Einverständnisses
nur Mißverständniß
auf Mißverständniß häufte, so tröstete mich auch frühe – von der
Unsterb-
lichkeit und der ewigen Fortentwicklung des menschlichen
Wesens tief und lebendig überzeugt – das
klare Bewußtseyn:
ist doch die Freyheit mein, in welcher sich
alle Mißklänge des Lebens
in Einklange, so also auch alle
Mißverständnisse in Einverständnisse auflösen werden.
Aber
dasjenige, was ich jetzt schon besitze, was mir mein Glaube an die ewige
Fortentwicklung
des menschlichen Geistes und so
mein schon jetziges
Leben in der Ewigkeit giebt, das darf
mich nicht gleichgültig machen gegen das was auch
anderen und für andere jetzt schon,
in der gegenwärtigen
[Zeit] Möglich ist; darf mich nicht gleichgültig machen
als das für andere
und durch
andere in der gegenwärtigen Zeit schon
auszuführen und darzustellen-
Mögliche, auch von diesen anderen wirklich erreicht werde, ausgeführt
werde; sondern
vielmehr, da die Einigkeit
mein ist, so muß ich dahin wirken und streben daß den
anderen
das in der Gegenwart Mögliche werde auch ein in
der Gegenwart Wirkliches werde.
Nun
hatte aber
Euer Kreis und Leben,
Dein Kreis und Leben, mein Bruder! wie er
sich jetzt aus- /
[5]
[Bogen] 3. gebildet hat die Familie
deren Haupt Du von und durch die Natur bist, ist ein völlig ja
vollkom-
men in sich abgeschlossenes Ganze und trägt als ein
solches als eine solche Familie alle Beding-
ungen in sich auch
ein vollkommen in und durch sich abgeschlossenes Leben darzustellen.
Soll ich diese
Vollkommenheit von der Natur aus zunächst noch
vorführen, wie oft habe ich es schon gethan um
Euch in Euerm
Leben selbst das Leben lesen, die Lebens Schlüssel finden zu lassen.
Eint der Kreis
nicht Großeltern, Eltern, Kinder und Enkel? –
Leben nicht noch GroßVater und GroßMutter
nicht noch Väter und
Mütter, sind die Kinder und die Enkel nicht Söhne u Töchter, Knaben
und Mädchen? – Eint Ihr nicht der Kindheit Leben, der Jugend
That und des Alters Erfahrung
Eint Ihr nicht so Wissen, Können
und Leben? – Eint Ihr nicht eint Dein Kreis Deine Familie
mein
Bruder nicht wohl alle Stufen der menschlichen Entwicklung? – Hat sie
solche nicht
schon mehrmals von der keimenden Menschenliebe bis
zu dem von neuem daraus hervorgevor-
gegangenen reifen und
gereiften Menschen in sich geschlossen. Seit [sc.: Seid] Ihr denn,
verzeiht mir
dieses Wort, ich meine es nicht böse, ich finde
aber kein anderes was die Sache so schlagend be-
zeichnet, ich
muß es darum schon nehmen: - seit [sc.: seid] Ihr den[n] blind wie
seht Ihr den Wald vor
lauter Bäumen nicht daß Ihr daß Du mein
Bruder als der denkend Lebenserfahrendste und
das Haupt des
Ganzen dieß nicht siehest. Ist ein solches Verhältniß mit allen
Gütern und Schätzen
eines ganzen Weltensystemes zu bezahlen? –
Verschwindet dieser Reichthum, gegen
dieses Reichseyn nicht in
Nichts? - - Was wird und soll die Zukunft einst sagen wenn sie
dieses Verhältniß und Leben in seiner abgeschlossenen
Vollkommenheit überschauend vor sich
liegend sieht? - Dazu noch
durch Euern Beruf Euer inniges Geeintseyn mit der Natur:
durch
Euern Beruf, in Euerm Leben Lehren und Lernen Wort u Beyspiel stetig
geeint. Ist
denn dieß nicht im Stande Euch und Dich mein Bruder!
von der äußeren Ansicht des Lebens und
der Dinge zur innern
Erfassung des Lebens zu erheben? – Laßt es mich und laß insonders Du
Bruder, es mich nicht noch weiter und ins Einzelne ausführen, es
möchte sonst um
Schnyder[s] Wort
in seiner langen Entgegnung an mich zu gebrauchen scheinen als
wollte ich den Pädagogen machen:
Wer mich kennt weiß daß mir
nichts widriger ist als dieß; allein die Wahrheit soll und
muß
ich sagen, was kann es helfen darüber und deßhalb zu schweigen, ich
bin dazu geboren und
man wirft mir, thue ich es nicht keck und
frech genug die Lüge ins Gesicht. Ich will darum
nur wiederholen
und mit dem Sinn und Geiste der vielleicht noch nicht erkannt ist,
wieder holen
was ich am Grabe
Carls
sagte: Wo ist nun da der Grund zum Klagen, zum Murren
zum
Schief- und Scheelsehen? – Was eifert und brummet Ihr über mich und
heget
in Euern Herzen Gedanken die mir kund werden auch wenn Ihr
Euch hütet sie laut
werden zu lassen, darüber und deßhalb daß
Euch eine Vorsehung, Gott, durch mich
ein Leben ein Verhältniß
giebt worinne und wodurch Ihr Euer höchstes bestes, reinstes Wesen
kund und offenbar machen könnt, worinne und wodurch Ihr sogar
ein höheres und vollkommene-
res Menschenleben ausführen und
darstellen könnt, was als ein
wirkliches?
weder Ihr selbst
noch andere ahneten. Warum murrt Ihr und zanket
über mich, und wollet höchstens mit dem
Mantel der Christlichen
und der Bruderliebe zu decken wo nichts zu zudecken ist – daß Gott
Euch durch mich in ein Leben und Verhältniß führet worinne Ihr
höhere Kraft und höhere Wirk-
samkeit üben und zeigen sollt als
Ihr Euch kaum selbst zutrautet. Warum klagt und murrt
Ihr, daß
dieß nun alles auf andere und bey weitem
höhere Weise geschieht als Ihr nur
ahnden konntet. Das
Besondere
widerspricht zwar nie dem Allgemeinen, und
alles Einzelne
läßt sich aus dem Ganzen ableiten, allein das
besondere und Einzelne kann nun einmal
[-] weil es das ist und
als solches, wenn es nicht die Allgemeinheit und das Ganze in sich
findet
und so gleichsam seine Besonderheit und Einzelheit
vernichtet – nie Ganzes und allge-
meines werden. Ich will hier
ein Bild gebrauchen weil ich es schon vor einigen Jahren in
einem Briefe gebrauchte damit man mir es nicht auch einmal
wieder ins Gesicht werfe, daß
ich es dort und wie ich es
gebraucht habe: das Leben entwickelt sich aber es webt sich nicht,
das
Leben übt sich durch Hervordrängung des innern Lichtes aber
es färbt sich nicht an. – Es ist wenig /
[5R]
damit
gethan und gesagt, des Lebens satt und müde zu seyn, des Lebens Kampf
andern zu über[-]
tragen oder was eins ist, wenn es auch gleich
weniger hart klingt, das Leben selbst anderen
gleichsam
abzutreten hoffend, überzeugt die jüngeren und nachwachsenden
Menschen werden
das Leben schon gewinnen, des Lebens Kampf schon
auskämpfen und als Sieger und das Ziel
erreicht, den Preis
errungen aus demselben hervorgehen. Jede Stufe des Lebens, vom
Empfängniß
des Lebens Daseyns bis zum Empfangen der Lebens Krone
hat seinen Beruf seine Anforderung
zu erfüllen hat seinen Kampf
und seinen Sieg auf keiner Stufe und nie sollen und dürfen
wir
vom
ersten bis zum
letzten Herzschlag stille stehen, aus jedem muß
eine Wirkung für
das Allgemeine hervorgehen jeder muß uns näher
bringen den
Herzpunkt des Lebens zu finden
[.]
Vollkommene Greise (: abgeschlossene
Kreise :) und vollkommene und darum eben
geborene Kinder
(: Sichtbarwerden einer neuen Lebens
Mitte :) thun,
künd[en] zeigen und lehren stumm gleich Großes,
jener des
Lebens stets endlichen
unendlichen Umkreis, dieses des Lebens stets
sichtbar-
unsichtbareMitte, darum suchen
und lieben sich Kinder und Greis, wie sich Mitte und Umkreis lieben
und
suchen sich wechselseitig [zu] erklären und [zu] ergänzen,
damit das Leben als
Ganzes und so des Lebens
Einheit erscheine und sich kundthue. das
Leben als Leben, eben weil es Leben ist, so nie aufhören
zu
wirken. Wäre es damit abgemacht des Lebens müde und satt zu seyn so
wär mein Leben
früh abgemacht denn durch die Unnatur mindestens
durch das sich gar nicht heben wollende Mißver-
ständniß meines
Lebens war ich in meinem 9
en oder 10
en Jahre des Lebens ganz müde und satt, und
dennoch mußte ich es mir eben zum Ziel und Berufe des Lebens
machen, dennoch wurde mir nun
zum Lebensziel und Lebensberufe
aufgegeben, aufgetragen den Sinn, die Bedeutung, den Werth
und
die Würde des Lebens hervorzufördern und kund zu thun. Darum
Menschen, Freunde,
Brüder, Geliebte! sage ich mir immer in
meinem Herzen und Gemüthe: -
Was könnte und
müßte
aus dem Menschen werden, wenn ihm frühe des Lebens Deutung
und Verständniß bey ge-
bracht werden könnte, sey es auch nur in
der leisesten Ahnung, doch so daß er nie in seinem
Leben
wenigstens diese Deutung und Verständniß wenn auch je aus dem
Gedächtniß doch in der
Ahnung wie aus dem Leben verlöhre.
Keilhau Euer und Dein Kreis ist ein – des Lebens Daseyn
empfangenes vollkommenes (in dem Sinne wie dieß Wort von eben
geboren werdenden Kindern
gebraucht wird)
Kind aber unter Wehen und Schmerzen
geborenes gesundes, starkes Kind
möge es vom
ersten bis zum
letzten Herzschlag seines irdischen Daseyns nie
die Ahnung der
Lebensbedeutung und des Lebensverständnisses aus
dem Herzen u Gemüth aus seinem Leben verliehren, damit es einmal den
wahren ächten einzigen
Herzpunkt des Lebens, alles
Lebens aus sich und
durch sich kund thue, denn ohne
sinnliche Anschauung des
Lebens glaubt doch dieses
sinnlicheGeschlecht nicht an
Leben, nicht ans
Leben.
Diese Beachtung und Festhaltung nun
Eures Lebens und der Bedeutung Eures Lebens und nun dem auch entsprechendes und
genügendes Wirken das war {in an
Haupt und Gliedern, besonders aber im Haupte das und dieß war es denn
was dieser Brief und diese Mittheilung Euch drittens zu Gemüthe
führen und zur Prüfung
vorlegen sollte. Oder wie es auf meinem Notizzenblättchen zu diesem
Briefe steht: „Keilhau als Ganzes weiß gar noch nicht welches Leben
es in sich und was es in demselben hat.“
Viertens. Wenn Ihr den Grund des Streites
zwischen mir und andern, welcher fast allgemein
gegen mich ist
nur hier und da feiner – aufsuchen wollt, so zeigt sich als einziger
und letzter
Punkt nur der
ich suche und
will
gewordene ich möchte sagen
gewachsene Menschen
(: ich habe glaub
ich schon einmal dieß Wort so gebraucht :) die
anderen, meine
Gegner,
wovon
sich am Ende wenige der Lebenden Menschen der
Sache nach ausscheiden, suchen
gemachte Menschen.
Ich betrachte den Menschen und
schaue ihn an
behandle ihn nach seinem ursprünglichen
Wesen, die
anderen meine
Gegner
meinen es sehr klug zu machen,
sie
betrachten den Menschen seiner
Erscheinung (: auf der Erde :) nach und
behandeln ihn darnach, sie erziehen den
Menschen wollen den Menschen erzogen haben für die
Zeit oder vielmehr nur für
eine Zeit,
ich aber
erziehe den Menschen und
will ihn erzogen haben für die
Ewigkeit oder wenn dieß zu unverständlich ist
für
alle Zeit
wovon die
jetzige Zeit aber auch ein Theil, eine
Erscheinung ist; aber
nur ein Theil, nur ei-
/
[6]
ne
Erscheinung ist. Ich
weiß nun recht gut und möchte ich es doch nie aus Gutmüthigkeit oder
Darstellungstrieb überschauen [sc.: vergessen] daß eigentlich
nur höchst wenige für mich, wohl aber fast alle gegen mich sind, denn
was die andern und ich auch immer der
Sache
nach übereinstimmend und
gleich wollen, das wollen wir jedoch
beyde dem
Wesen nach verschieden. Freylich
kann ich auch
sagen, das was alle die Edleren und Besseren
anderen wollen das will ich auch, ich will alles was
sie wollen;
aber darinn liegt eben die furchtbar gefährliche Teuschung, denn
sie wollen vereinzelt
was
ich als
Ganzes will;
sie wollen es als
Mannigfaltigkeit und
Vielheit was ich
als
Einheit will;
sie wollen
es für
einzelne äußere Zwecke, was
ich für den
innern
Sel[b]stzweck
Mensch will; sie wollen es als eine
unbewußte That zufrieden wenn es nur
da ist unbekümmert
über das
wie und
wodurch, ich
will ein
bewußtes, empfundenes Wirken und
Werk,
sie wollen
alles in
äußeren Absichten ich um des
innern wirkenden lebendigen Grundes willen.
Es thut weh und erscheint hart sich so entgegnend entscheiden zu
müssen, aber es hülft nichts soll der
Menschheit Ziel erreicht
werden; weil ich mich wohl aus beyden der genannten Gründen von mir
aus immer dafür [sc.. davor] gescheuet habe, so ist es nun so
rücksichtslos von
anderen geschehen.
Fünftens. Ihr werdet es endlich nun wohl
einsehen nur durch einen großen
Lebensplan
läßt sich
das
Große des Lebens, läßt
sich des Lebens
großer Zweck erreichen. Ich
habe Euch wohl der wirklichen
Zahl nach einige Hundert Mal
darauf aufmerksam gemacht, Ihr wolltet mich aber nie ver-
stehen;
wie nur Keilhau und unser Kreis eine gewisse Abgeschlossenheit
erhielt sagte ich Euch
wörtlich und zum öftern wiederkehrend
schon[:] „laßt uns die universalhistorische Bedeutung
von
Keilhau erkennen, sie festhalten und ihr getreu und gemäß
leben.“ Erfassen wir diesen großen
Lebensplan diese große
Lebensansicht nicht so müssen wir untergehen und wir erschweren
unsern Kindern und Kindeskindern nur den Kampf. Habe ich Euch
nicht oft gesagt, wir in
Keilhau leiden und tragen um der
Schwäche
P –s [sc: Pestalozzis]
willen? – Haben nicht einfache Gewissen bemerkt, daß das junge P-sche
und Yverdonsche Verhältniß sich in Keilhau wiederholt.
Du
Middendorff wirst Dich dessen
wohl erinnern; Hatten wir nicht einen Sch – [Schmid] und wir
kön-
nen nun wohl noch mehrere Personen und Charaktere
nachweisen. Also würdig der
Menschlichen Natur Wesen das Große
Großartig[e] festgehalten.
Nur in einer größeren Gemeinsamheit
kann sich der Mensch bis zur Vollkommenheit d. heißt
bis zur
Erfassung und Darstellung seiner Individualität, seiner Sonderheit,
Persönlichkeit
entwickeln; daher gieng sehr frühe, wie besonders
Du Middendorff noch wissen wirst, mein
Plan dahin einen Kreis,
eine innige Gemeinsamheit erziehender Familien zu bilden. Mein
Plan und mein Zweck gieng mit Bestimmtheit dahin, wie wir als
ein geschlossener brüderlicher
Kreis von Zöglingen und Erziehern
begonnen, so sollten wir später einst ein geschlossener Kreis
erzieh-
ender Familien bleiben, aber Selbsthä[u]pter seines
Lebens und seiner Lebensverhältnisse zu seyn
das fordert
Verläugnung deren wenige fähig sind und so verführte der Reiz durch
gemachtesLeben und
gemachte Verhältnisse mit leichterer Mühe
wie auch ganz wahr das Sprüchwort
sagt ein
gemachter Mann zu werden alle die welche sich
nicht vom Geiste, vom Gemüthe
vom Innern führen ließen; genug!
das Ergebniß kam und wurde was nun ist. Dieß hebt
aber die
Wahrheit des
Gedankens nicht auf im
Gegentheil eben durch dieses Ergebniß
tritt er nur noch
wahrer hervor: die Geschichte des Thurmbaues
zu Babel wie solche
Christoph
Schmidt auffaßt zeigt Euch bildlich was ich sagen will:
die
Wahrheit soll und sollte sich jetzt
schnell und schneller verbreiten, wie dort sich das
Menschengeschlecht schnell und schneller
sich
über die Erde verbreiten sollte: - Hast Du Middendorff in
Beziehung auf Deine Familie ein anderes
Schicksal gehabt als ich
in Beziehung auf die meine? – Hast Du
Barop in Beziehung auf Deine Familie
anderes
Schicksal gehabt als Middendorff u ich in Beziehung auf die unsere? –
Hast Du
Langethal wenn auch
die Deine Familie bey weitem kleiner ist, also auch im kleinern
Maaßstab in Beziehung
auf Deine Familie ein anderes Schicksal
gehabt als wir vorhin genannten Drey; steht nicht
jeder von Euch
dreyen wieder in Beziehung auf seine Familie ebenso allein als ich? –
hebt
dieß aber die
Wahrheit meines
Gedankens auf? – ich denke und ich sehe,
Nein! - /
[6R]
sehet und denket selbst: was ich und was
vielleicht auch Ihr genannten jeder auf seine Weise mit
mir
wollte scheint jetzt alles zerfallen, lasset es seyn oder nur
scheinen gleich viel, haltet
in Euch wenigstens, wenn auch still
und wortlos fest was Euch und auch mir und so uns die
Vorsehung
giebt. Familien und Brüder giebt sie Euch an die Stelle jener,
pfleget sie mit Über-
legung, Prüfung, vergeßt dabey vor allem
nicht ich kann Euch dieß nicht tief genug einprägen
daß der
Mensch und vor allem der sogenannt Gebildete oft etwas ist, was er
nicht weiß daß
er es ist auch wenn er
es mit dem klarsten verständlichsten Worte selbst zu Euch spricht,
daß er
es nicht einmal der
Thatsache
nach seyn
will, so sehr er sich dessen
vielleicht auch mit dem Worte
rühmt, ja daß er darum aufhört es
zu seyn, so bald man ihm sagt daß er es ist, wie z.B.
ein gutes
wohlgezogenes, fleißiges Kind. Vergeßt ja nicht, ich bitte Euch das
goldene Mährchen
vom Schatze nicht, welcher schwindet sobald man
sagt: da ist der Schatz. Ich behandle Euch
wie Ihr Euch zeigtet
und Ihr es verdient als Männer u Vertraute, aber bleibt dieses
Ver-
trauens werth. Großes liegt jetzt in Eurer und in unserer
Hand, aber es muß mit Mannes
Umsicht und Ruhe gepflegt werden.
Die Vorsehung will nicht mehr daß die Entwicklung des
Menschengeschlechtes der Menschheit ein Unbewußtes sey. Aber Ihr
wißt wie man mich behandelt
hat und behandelt weil nicht jeder
Bewußtseyn erträgt nicht jeder bewußt seyn will. Es ist ja wohl
wahr: - wir selbst ertragen ja das Bewußtwerden und Bewußtseyn
nur sehr langsam.
Alles dieses mußte ich wie immer mir erst
von der Brust schaffen ehe ich sagen konnte was ich mei-
ne und
dieß ist das: - In der Ahlefeld und ihren drey Schützlingen tritt
Euch eine Familie und
Geschwister entgegen, sucht sie zur
erziehenden Familie zu erheben das heißt strebt mit Sorgfalt
dahin ihre Erziehung zu Menschen zu vollenden; die
Fr v. Ahlefeld ist edel und gut,
aber meint nicht
daß sie immer wahr habe; so
ist genügt mir z.B. ihre Ansicht von
Kunst die sie in den Brief an Carl schreibt
gar nicht, ob sie
gleich Künstlerin und Dichterin ist. -
In der
Fr. v. Arnim und ihren beyden
Pfleg- und Schützlingen tritt Euch eine zweyte solche Fa-
milie
entgegen; (rechnet auch den kleinen Sinnling die kleine H. nicht)
suchet dasselbe zu erreichen
was ich von den vorigen aussprach.
Aber laßt Euch durch Blendendes nicht blenden.
Im
Gustav v. B.[Bischofshofen] im
Leopold T[eske] – dessen Bruder
Herrmann mit eingeschlossen will
will Euch und
uns die Vorsehung Brüder geben pfleget sie wie ich
eben aussprach nicht zu Erziehern bildet
sie aber zu erziehenden
Menschen: - jeder vollkommene Mensch ist ein positiv erziehender
Mensch; Überhaupt seit [sc.: seid] auf das höchste sorglich in
der Erziehung und Pflege unserer sogenannten Pohlen; denn der
Bildungsdrang, der Bildungstrieb geht von Osten nach Westen Ihr habt
hier
die Mutter Natur für Euch und geht an ihrer Hand. Scheuet
keinen Fleiß keine Geduld keine
Hingabe und kein persönliches
Opfer das Ziel ist groß.
Unsere beyden treuen Brüder darf ich
wohl auch nicht vergessen, denn sie scheinen ja auch uns
treue
Brüder seyn zu wollen; ich meine die beyden Pfeiffer[.]
Ob ich
auch die Familie des HErrn
Geh. J.R. Dr
M – [Martin] dazu rechnen darf weiß ich wirklich
noch
nicht; wie mir es in der Ferne erscheinen will, so ist dieses
Verhältniß besonders ruhig
und namentlich ernst zu behandeln,
kann man nicht besonders des Äußeren zu viel geben? -
Verzeiht
mir daß ich als in des Verhältniß Unkundiger darüber auch nur eine
Frage er-
laube. Ich weiß nur daß alles was
ich äußeres und
äußerliches gab um
Inneres dadurch
zu wollen oder zu pflegen,
mir nie Blüthen nochweniger Früchte wohl aber Dornen und Disteln
brachte so rein und gut und menschlich ich es meinte.
Unser Keilhauer Geben zu verstehen
dazu scheinen mir sehr starke Grundthat und klare lebenvolle
Geister zu gehören.
Doch dieß hebt nicht auf was ich als hoch
zu beachtend hier hervor heben wollte, Seht wie Ihr
immer mehr
eine innig einige geschlossene Familie werdet, so schließen sich auch
immer mehr
und inniger in sich einige Familien an; machet mit
kurzem Wort durch und in Eurem
Kreise wie durch
Einen Mann wahr was die Prinzessin [sc..
Leonore] im Torquatänen
Göthe
sagte:
“ein edler Mensch zieht edle Menschen an und
weiß sie festzuhalten.“ [I,1,v 59-60]
Gebt ihnen dazu in
sich feste Anhalt[s]punkte z.B. die oft ja immer wiederkehrende große
Drey: Gott /
[7]
[Bogen] 4.
Natur und Menschheit; -
Religion Leben und Wissenschaft; - Denken, Empfinden, Handeln[.]
So erreicht Ihr vielleicht in größerem Maaßstabe, was bis jetzt
nur in kleinen zu erreichen war:
einen innig einigen Kreis
erziehender Familien. Dann ist die Beschrenkung des Handeln[s] und
Lebens
gegeben, welche das Kind der Knabe und das Mädchen
fordert: wie am Baume in der Knospe
dann ist das weite Feld des
Handelns und des Lebens gegeben, welche die Jugend und der Jüngling
selbst die Jungfrau in einer Beziehung fordert; wie am Baume die
weit aus duftende Blüthe
und Blüthentraube; dann ist das sichere
Feld des bleibenden Handel[n]s und Lebens gegeben, wel-
ches der
Mann und selbst das Weib, welches Eltern fordern; wie an dem Baume
die
Frucht. Und die Menschheit, oder vielmehr das
Menschengeschlecht gleicht dann dem zugleich
grünenden,
blühenden und fruchttragenden Orangenbaum; wie wir bedeutungsvoll
auch mit
dem ersten Bilden unseres Kreises einen solchen uns
pflanzten, ihn zu pflanzen eine solche
Frucht mir gereicht
wurde.
Sechstens. Ich habe oben den
Gegensatz zwischen
gemachten und
gewordenen Menschen hervor[-]
gehoben
der Unterschied zwischen beyden ist scharf gezeichnet genug; bey den
ersteren be-
merke ich wohl zum öfteren Erkennens- Wissens-,
Klugheits-, und Könnens-Fortschritte, aber
nie und nimmer
gesammte und gemeinsame Lebens- und Schaffens-Fortschritte nicht
einmal
in der
Gesammtheit auch einer
einzigen Familie. Aber welche Fortschritte zeigt das
gemeinsameund
gesammte Keilhauer Leben und auch wieder in jedem
Einzelnen nur seit
einem einzigen Jahre. Den Unterschied
zwischen diesen beyden Menschenstufen muß man
den Menschen nach
und nach
nicht durchs Wort wohl aber
dadurch einsichtig zu machen suchen daß
man entweder ihre Kinder
gleichsam unter und vor ihren Augen oder was noch wirksamer ist
nach und nach sie selbst auf diese zweyte Stufe zu erheben. Aber
wahrhaftig vorliegende That-
sachen giebt es genug um es
einzusehen. Ist z.B. die Erziehungsanst.[alt] in Nürnberg als Ganzes
vor[an]geschritten? – Ist es
Bunsens Erziehungsanstalt? – Ist es die zu Dessau
unter ihren
verschiedenen Veränderungsformen? – Ist es
Blochmannsanstalt in Dresden? – obgleich
nur Doktoren – ächte
Ge-lehrte daran lehren. – Ist es selbst die Weltberühmte Anstalt
zu Schnepfenthal? – Nennt u zeigt mir, laßt Euch den Menschen
eine Erziehungsanstalt
zeigen die <> in sich und außer
sich, im Ganzen und in ihren Gliedern und Theilen
fortgeschrit-
ten sey wie Keilhau nur seit einem Jahre, und
–wodurch: - durch sein Element des Lebens
- - - -? – Weil
Siebentens. Von der geistigen Mitte aus
erkannt und hingestellt, gefordert von dem Kreise
und dessen
Gliedern anerkannt, festgehalten und ausgeführt worden [ist]: - daß
das Leben als ein
Gemeinsames, wie ein Gemeingut so als
Gesammtaufgabe nicht nur zu betrachten, son-
dern auch zu
behandeln und daß diese große Kunst als Thatsache aus dem ganzen
Kreise
wirklich geübt wird. – Weil
Achtens, wie erkannt, so festgehalten und
ausgeführt worden [ist], daß diese Gesammtaufgabe dann zu
lösen
ist, wenn man wieder, wie die ersten Menschen wie die Menschen in
ihren uranfänglichen Lebens
verhältnissen durch
Pflege und Bebauung der Natur auch äußerlich,
thatsächlich und wirkthätig zur
Natur zurückkehrt, mit ihr sich eint,
durch Landbebauung Aber nun auf der Stufe der Empfindung wie
des
Denkens, d.h. auf der Stufe, wo sich der Mensch selbst wieder mit der
Natur zu einem,
in einem größeren Ganzen geeint fühlt, und der
Mensch so eigentlich die Lösung der Lebens-
aufgabe selbst als
eine Gemeinsame und Gesammtaufgabe in Einigung mit der Natur
betrachtet; und zwar so wie Vater und
Kind die Lebensaufgabe einig und geeint lösen, wo
der
entwickelte Geist des Vaters, den schlummernden Geist in dem Kinde
pflegt und weckt,
und das Kind dann im kindlichen Unbewußtseyn,
in Reinheit in Unschuld das innere
Leben, sein Wesen kund thut
und somit zugleich das Wesen alles Lebens.
Neuntens. Die Natur, Welt ist aber als Schöpfung
aus Gott hervorgegangen, hat durch Gott
ihre Best[immung]
ford ruht so also in Gott. Der Mensch
erscheint aber in jener
Einigung mit der
Natur
als Theil und Glied der Natur, so ist also in jener
Einigung mit der Natur, in jener und /
[7R]
durch jene mit der Natur in Gemeinsamheit zu
lösenden Lebensaufgabe gleichsam auch eine
äußere sichtbare
Einigung mit Gott hergestellt, man könnte sie die Einigung mit Gott
durch das
Daseyn nennen, d.h. in dem und
durch das
Daseyn wird die Einigung mit Gott
erkannt; so könn-
te es also auch der äußere, sichtbare Weg zur
Erkenntniß der Einigung mit Gott genannt werden.
Noch sind aber
dem Menschen zwey Wege zur Wahrnehmung seiner Einigung mit Gott
gegeben
und zum Leben in dieser Einigung; der eine Weg geht
durch das Innere des Menschen selbst, ist
die unmittelbare
Wahrnehmung der Einigung mit Gott
im Gemüthe
und in einem und durch, ein
dieser Einigung getreues Leben. Der
andere, zweyte Weg geht durch die Menschheit hindurch.
Hier
findet und erkennt sich der Mensch ebenso als Theil und Glied der
Menschheit wie er sich
in Einigung mit der Natur als Theil und
Glied der Natur erkannte; und wie er die Natur als
von Gott
geschaffen erkannte, so findet er die Menschheit als aus Gott
hervorgegangen. Diese
dreyfache Einigung mit Gott oder wenn man
es entsprechender lieber will diese dreyfachen Er-
kenntnißwege
der Einigung mit Gott erklären, befestigen, ergänzen und unterstützen
sich gegen-
seitig dem dreyfachen Wesen des Menschen als
handelnd,
denkend u empfindend
fühlend, und denkend
entsprechend. Also
Zehntens in dieser dreyfach und mehrfach innigen
Einigung und Gemeinsamheit, und
Gesammtheit
ist die Lebensaufgabe rein
und vollständig zu lösen und so löset
Keilhau die Lebensaufgabe, d.h.
strebt es, solche zu lösen an,
daher die Erscheinung in Keilhau und den Gliedern Keilhaus welche
eben unter Sechstens hervorgehoben
wurde. Dann
Eilftens. Eben durch
diese mehrseitige Einigung und
Gemeinsamheit ist in dem Keilhauerleben als
einem
ächten Menschen- und Menschheitsleben für jedes Alter wie
für jede Entwicklungs-
stufe die ächte und wahre, genügende und
entsprechende Wirkungssphäre und Erkenntniß[-]
schule gegeben und
gezeigt, und so ist dadurch der große Lebensorganismus in der Natur
und im GeistesReich, das große Lebganze der physischen und
psychischen Welt hergestellt.
Ein jedes ist so gern und freudig
an seiner Stelle wo es ist und wirkt, zum Ganzen wie in
einer
großen ausgeführten Figur und Gestalt aus einfachen oder
zusammengesetzten oder
mehrfach zusammengesetzten Gliedern
gleich einem Sonnen- oder Weltensystem. Und eben
dadurch weil
jedes ein Theil und Glied des Ganzen ist, ist
jedes selbst wieder ein
Ganzes an und für
sich. Wie dieß jede einzelne Linie an einer Figur oder Gestalt zeigt
welche ich scharf als diese bestimmte
(ganze) Linie, als dieses bestimmte Ganzes
und kein
anderes betrachten kann.
Zwölftens. Wer also ächtes Glied vollkommenes
Glied eines Ganzen wird, wird nothwendig eben
darum und dadurch
selbst ein scharf bestimmtes Ganze mit Sicherung aller Sonderheit,
auch Per-
sönlichkeit Individualität. Wem also darum
zu thun ist eine recht bestimmt ausgebildete
sondere und
Individuelle Person zu werden; derselbe muß Theil und
Glied eines recht ausge-
bildeten und vollkommenen Ganzen werden.
Ist nicht das kleinste Gräschen, das kleinste
Blättchen,
Blümchen u Sämchen eine eben solche Sonderheit
(Individualität) wie jeder Himmelskörper?
Wegen
diesem großen Lebensorganismus, wegen diesem großen und ächten
bewußten Lebganzen
dem sich Keilhau entgegen bildet ist in
demselben jede ächte und wahre Sonderheit nicht nur ge-
schützt
nein! was überwiegend mehr ist und was eigentlich als bewußte
Thaterscheinung noch
nie auf der Erde als
Aufgabe Gesammtaufgabe da war – sogar
als solche und mit Freude ge-
pflegt, und was noch mehr ist,
erzogen.
Dreyzehentens. Damit nun ein
Jeder auf jeder Entwicklungsstufe selbst entscheiden und prüfen könne
ob das Wahre und Rechte durch ihn, mit ihm und für ihn geschehe
habe ich für
alle
d.h.
für jede Stufe der Einsichts- und Wirkungssphären die
Natur, als Spiegel und Buch
gegeben
und verständlich gemacht, und ist darum aller Naturunterricht in
Keilhau
wahrhafter Unterricht im Lesen und Verstehen des großen
Naturbuches nach
sichern festen, aber so einfachen als
leichtverständlichen und – aus dem Wesen
des Menschengeistes
selbst hervorgehenden, wie darinn nothwendig in ihm liegenden
Gesetzen. /
[8]
Vierzehentens.
Als höheren Prüfstein des Erkennens und höheren Ordner des Wirkens,
Handelns ist
dadurch gegeben die Trinität, DreyEinheit, des
Sichtbaren, Unsichtbaren und Unsichtbarsichtbaren
(: Natur, Gott
und Mensch :) In dieser Trinität ruht das Leben, Wirken und Erkennen
Keilhaus; denn
Fünfzehentens Ist
dadurch gegeben und gezeigt die Dreyeinigkeit von Einheit,
(Mannigfaltigkeit) Allheit
Einzelheit; oder Einheit, Ganzheit,
Sonderheit; von Vergangenheit, Zukunft, Gegenwart. Es ist
Sechszehentens. Dadurch dem Menschen gezeigt und
möglich gemacht: stets in der Zeit , d.h.
einer
bestimmten Zeit; stets in der
Ewigkeit, d.h. aller Zeit; und
stets in der Natur,
Welt zu leben
(und die Ausführung dieser Möglichkeit streben
die Einzelnen wie das Ganze in Keihau an) und zwar
mit
Erfassung seines ganzen Wesens, und des Wesens aller Dinge, wie das
Wesen der Einheit.
Und die Ausführung dieser Möglichkeit streben die Einzelnen wie das Ganze
in Keilhau an.
Siebenzehentens.
Keilhau lehrt so wie es in seinen Gliedern und als Ganzes erstrebt:
In der
Zeit und in dem
Raume und in dem Leben (Verhältnissen)
wie es ist seine Bestimmung, seinen Beruf zu
erreichen.
Achtzehentens.
Dadurch bringt und giebt Keilhau den
Menschen den Frieden mit sich selbst, mit Gott
mit der Natur und
mit den Menschen und ich habe ihn für mich und die Meinen für Keilhau
errun-
gen zum Besitz gewonnen.
Neunzehentens.
Ich und die Meinen leben so mit Gott,
denn Gott verläßt uns
nicht}
Ich
und die Meinen wir leben so mit der Natur, denn die
Natur verläßt uns
nicht}
Ich und die Meinen wir leben so mit uns
selbst, denn wir – die Menschen verlassen
uns nicht.}
} In der in dem Bereiche der
Wirkungssphäre eines Jeden.
Zwanzigstens. Ich lebe mit mir, denn
ich verlasse mich nicht. Ich lebe mit
meinem Geiste, -
meinem Gemüthe – meinem Körper - ; mit meinem
Denken, (Empfinden) Fühlen und Handeln, denn
keines verläßt mich
nicht (im Bereich der Wirkungssphäre eines Jeden) alles wirkt in
Eintracht und
als Ein Leb-Ganze –
vollendeter Organismus in Einklang.
Wer das Gesagte gern in
Bildern sehen will der sehe den gesunden lächelnden Säugling; das
ge-
sunde spielende Kind; den gesunden fröhlichen Knaben und
Mädchen; den gesunden und lebenden Jüngling und Jungfrau; die
gesunden glücklichen Liebenden, Verlobten, Braut u Bräutigam; den
gesunden schaffenden Mann und Weib; die gesunden freudvollen Eltern;
den gesunden friedvollen Greis und Matrone; den gesunden heitern
Sterbenden. –
Einundzwanzigstens.
Dahin nun will, kann und soll der Sinn, das Leben und der Geist
Keil-
haus eines jeden Menschen Leben führen und erheben, der ihm
[Keilhau] vertraut wie Ihm [Fröbel]
und Ihnen [Keilhauer Kreis] zu
vertrauen ist. - - -
Zweyundzwanzigstens. Alles das hier
ausgesprochene und darinn angedeutete muß mit
seinem äußeren
Grundstein, dem denkend empfindenden
Landleben von dem Keilhauer Kreise
wenigstens durch drey
Generationen in stetig geistiger Fortentwicklung festgehalten werden.
Dieser genannte Grundstein des ganzen Lebens könnte vielmehr und
wohl noch bezeichnender und
erfassender der Herzpunkt des Ganzen genannt werden; denn sein
Gutes läßt sich nicht aus-
sagen und aussingen; weil alles was
der Mensch als <Lohn> erfassen soll, in
ihm und durch das-
selbe <getrübt> wird. Schon dieß dem
Kreise und der Familie des Bruders errungen zu haben ist
ein
unschätzbares Gut, wofür gar nicht genug zu danken ist – doch – erst
die Nachkommen
werden es wahrhaft einsehen und erkennen.
---------
Am 6en Tage im Monat des
Keimens und Treibens. Ehe ich zu den mir vorgesetzten Mittheilungen
über das Äußere des Lebens fortschreite will ich Euch meine
Freunde und Geliebten doch
eine Lebenserscheinung mittheilen,
welche mir während dem Niederschreiben des vorstehenden
sehr
lebhaft entgegengetreten ist und die mich nicht verlassen und
loslassen will, bis ich
sie ganz durchdrungen und mir ihr Wesen
und Bedeutung, Sinn ganz zu eigen gemacht
habe. Es ist
diese.
Schon von jeher und besonders jetzt auf Veranlassung
Eurer ausgesprochenen, offenkun- /
[8R]
dig hingestellten
innern Ansicht meiner hat man mir und meinem Leben fast die Summe
alles
dessen zum Vorwurf gemacht und zur Last gelegt was einem
Streben wie das meine rein ent-
gegengesetzt ist und es
vernichtet, wie kann ich sie selbst aber alle nennen ob ich sie
gleich alle
besitzen soll: Stolz, Selbstsucht, Eitelkeit,
Tyranney, sclavische Unterwerfung und Unterjochung anderer
Eigendünkel, Lieblosigkeit, Härte, Geringschätzung ja Verachtung
der Verdienste andrer, wie auf
der einen Seite Überhebung über
andere, so auf der andern niedere Kriecherey und Schmeicheley,
Habsüchtig und eigennützig äußeren Gütern und Ehren nachjagend,
wie achtlos äußere Güter preis-
und hingebend [-] genug unter dem
Deckmantel höherer Lebenspflege niedrigen Lebenszwecken
fröh-
nend in dieser Ansicht und zu diesem Zwecke mit dem
heiligsten der Lebensverhältnisse spielend [-]
denn was soll ich
mich und Euch mit der Aufzählung alles dessen ermüden, denn welche
Vollständigkeit
ich mich auch bemühen würde diesem Verzeichniß
zu geben es würden sich doch noch Menschen finden
welche das
Verzeichniß unvollständig [fänden] und mich beschuldigen würden ich
habe zur Beschönigung meiner
Fehler es in dieser
Unvollständigkeit gelassen. Die Beschuldigungen des Bedauerns und der
Bemitt-
leidung; Schwärmerey und alles was damit zusammenhängt
gar nicht zu gedenken.
Wenn ich dieß alles als ein Ganzes
zusammenfasse und an einem Ganzen sehe; wenn ich mir
nun die
Frucht besonders eines großen nördlichen Baumes denke z.B. einer
Buche – eines Nußbaum
der Roßkastanie, der zahmen Kastanie
u.s.w. u.s.w. betrachte so kann {ich man dieser Frucht und diesen
Saamenkörnern, ob sie gleich die Bedingung der Edelsten Bäume in sich
tragen (so auch die Tannen, Fichten das heilende, das lindernde Öl
gar nicht beachtet) alles das vorwerfen was man mir und meinem Leben
zum Vorwurf macht. Versucht es nur selbst mit dem kleinen oben
angedeuteten Verzeichniß. Nehmt
nun aber eine Eigenschaft dieser
Früchte weg: stachliges Wesen, Härte der Steine u. s.w. kann und
wird das Saamenkorn seine Bestimmung: einen durch mehrere
Menschenaltern hindurch dauernden
Baum aus sich zu treiben –
aber erreichen wenn er jene Eigenschaften nicht hat? - <
gut denken> Ihr
werdet mir
vielleicht sagen warum wählst Du aber Beyspiele aus den Waldbäumen am
meisten
und nicht lieber von Frucht[-] und eigentlichen
Obstbäumen. Du willst doch wahrlich ein Frucht[-] und Obstbaum seyn,
hast ja selbst in Beziehung auf Dein Leben so oft gesagt von
Erquickung und Genesung gebenden Früchten gesprochen. Freunde ich
wollte nur den Übergang dazu machen.
Ehe
die süßeste
Frucht
gereift und
reif ist hat sie andere Eigenschaften als
die oben von Wald- und Most-
bäumen hervorgehobenen und
angedeuteten? – Und habe ich je gesagt daß mein und unser Leben
ein
schon gereiftes und
reifes
sey? – Erwartet nicht die Zeit und beißet in die unreife
Zwetsche, Kirsche, Pfirsich, Aprikose, ja sogar Apfel u Birn [-]
wird es Euch nicht den Mund zu[-]
sammenziehen und werdet Ihr
unbedacht
jetzt schon süßes Fleisch wähnend
nicht
unwillig dienicht
geteuscht die Frucht wegschleudern. Und,
Freunde! hat die Frucht
gelogen,
geteuscht wenn sie
nach
Ausdauer in
Hitze
an
Feuer pp süße, heilsame, Genesung
gebende Frucht verspricht.
Wahrlich der Erwachsene Mensch ist in
Masse nicht werth, daß man nur ein Wort zu ihm spricht
um ihm
seine Einseitigkeit und Äußerlichkeit der Lebensansicht zu zeigen.
Wie schon oft gesagt wäre
es nicht um der Menschheit als ein
Ganzes willen, wäre es nicht um der noch arm gebornen
noch
unerwachsenen, noch ungeborenen Kinder willen, man sollte die
Menschen rein ihrem
Schicksale überlassen. Denn selbst bey den
reifesten und süßesten Früchten <->den sogenann[ten]
Steinfrüchten wer hat nicht gesehen das [sc.: daß] Kinder und
Menschen die däppisch hineinbissen, sich
daran die Zähne ver-
und ausbissen und wie diese nun erboset die Frucht
wegschleuder-
ten? – Ja selbst die schon
gebrochene, vom
Baume
gesammelte DauerFrucht, das
DauerObst ist es genießbar ohne [daß
] es den
harten frostigen Winter durchreift hat? - - - Ja
Freunde und (Menschen) Geliebte. Kann man den Menschen, jeden
einzelnen, nicht selbst als einen
Kern einer Steinfrucht
ansehen? – hat der Mensch nicht Fleisch und Knochen gleichsam Stein
wie die Steinfrucht, und schließt der Mensch nicht das
heilsamste, linderndste, ja gesundmachen-
de Wort und Geist in
sich. Welchen Genuß giebt die Einigung des Geistes mit dem Geiste,
das
sich verstehen der Gemüther? - - Wer wird auch Menschen
essen und Menschenfleisch? – Ich mag die
Worte gar nicht
aussprechen die sich mir entgegen drängen. Habe ich zu einem Gastmahl
auf meinen Körper, mein /
[9]
[Bogen] 5.
Fleisch pp
eingeladen wenn ich vielleicht von höheren Lebensgenüssen und
Lebensfreuden ge-
sprochen haben sollte; doch nicht einmal von
solchen
Genüssen erinnere ich mich nie
ge-
sprochen zu haben, wie ich nie von Genüssen rede und spreche,
wohl aber von einem höh-
eren, edleren, dem wahren Leben
selbst.
Doch laßt sehen welch ein Trost welche Wahrheit für
mich und für uns alle aus der oben
angedeuteten Handlungsweise
anderer gegen mich und mein Leben und meiner Ansicht
desselben
hervorgeht: - die als Thatsache vorliegende Handlungsweise, nein!
nicht allein Hand-
lungs- sondern sogar verborgene Niemanden als
nur ihnen selbst bekannte Denkweise über
mich und mein Leben,
schließt eine vielfache Schale, Rinde, Haut, Stein um meinen und
unsern zarten, leichtverletzlichen Lebenskern, machen ihn immer
mehr zu einem in sich abgeschlos-
senen Saamenkorn. Du
Barop hast wie überhaupt Ihr
Übrigen in Euren Mittheilungen an
mich ganz recht. Mein und
unser Leben soll sich immer mehr aus- und abscheiden, in sich
abschließen
und abrunden gegen außen um immer mehr des Lebens
Ein- Mittel- und Herzpunkt in sich zu finden.
Jetzt aber wissen
und sehen wir
warum. Lasset uns der harten,
bittern, stachlichen, steinernen Rinden
welche sie besonders um
mein Leben winden nicht zürnen, keine große Gewalt mag die
Steinhüllen
mancher Kerne
von außen zu
sprengen z.B. der
Cocus der Brotfrucht und dennoch löset
sie
leicht die in sich gesteigerte Lebenskraft
von innen, und im Zerspalten bildet sie noch
eine
schützende Haut über den zarten Herzpunkt und
entfernt im
Zerfallen
alles, was in
dessen
Nähe ihm
Nachtheil, Hinderniß der Entfaltung seyn könnte. Auf lasset uns und
mich nicht
zürnen, daß durch der Menschen Ansicht meines Lebens
ich und
wir uns
aufgefordert, ange-
trieben fühlen, gleich den Saamenkörnern
großer den Stürmen zu trotzen[den] und einer langen Lebens-
dauer
bestimmten Bäume – vor allem eine lange, tiefe Pfahlwurzel in die
tiefe Nacht und Dunkel-
heit des Lebens zu treiben; lasset uns
nicht nur deßhalb nicht zürnen sondern dafür danken. Ja loben
und danken will ich immer Den, Der mich die Naturansicht des
Lebens, und die Lebensansicht der
Natur und die Einheit der
Natur und des Lebens finden ließ; der sie mich nicht nur finden,
sondern
sie auch erkennen und derselben getreu leben lehrte; wie
ich schon in einer der ersten Religions- oder
Lebensbetrachtungen im Hänoldschen Hause sagte: man könne die
Bestimmung des Menschen aus-
sprechen ewig Gott zu loben, oder zu
danken, oder zu lieben, oder zu dienen u.s.w. (: über in Beziehung
auf den Menschen selbst, zu leben :) – dem Wesen nach sey dieß
alles eines und eben dasselbe.
Ich habe Euch im vorigen Briefe
eine Deutung der auf Felsen liegenden Burg W. [Wartensee] in
Beziehung auf
mich gegeben, sehet in Beziehung auf Euch die
rauhen, steinigen Berge welche Keilhau schützend
umgeben als ein
Sinnbild der schützenden harten Lebensschaale und Rinde mit welcher
die Vorsehung
[uns] jetzt von neuem umgeben will betrachten;
lasset uns diese harte Rinde und Schaale nicht wieder zu
frühe
den nachtheiligen Eindringungen und Einwirkungen von Außen öffnen,
bis bis wir in uns stark
klar in
uns des Lebens Herzpunkt ausgebildet haben, wie wir vielleicht zu
frühe unser[e] rauhen
Berge unser abgeschlossenes Thal dem
Zutritt anderer öffneten.
-----
Nach diesem Übergang nun laßt uns in die
Betrachtung ganz eintreten in das äußere Leben.
Wie ich glaube
und in mir überzeugt bin liegt nun nach jeder Seite hin das Leben ich
mei-
ne besonders jetzt auch das Wartenseer Leben klar vor Euch
wie vor mir, so klar als
es überhaupt rücksichtlich seiner
Entwicklungsstufe klar vor uns liegen soll und kann.
Ich werde
immer bestimmter und fester überzeugt, und die Thatsachen zur Prüfung
liegen ja Euch
wie mir vor: die Begründung und Erscheinung der
Erziehungs-, sey es auch äußerlich zunächst nur
der Lehr- und
Schulanstalt
Wartensee geht mit Nothwendigkeit
aus dem gesammten Bildungs-
zustand des Kantons und vielleicht
aus mehr noch hervor. Das innerste ich möchte sagen sich
selbst
unbewußte Bedürfniß des Cantons will, wünscht ja ersehnt eine
Erziehungsanstalt wie
Wartensee;und wünscht daher, ich möchte
eben so wieder sagen sich selbst unbewußt deren Bestehen.
Da
aber die hiesige Bildungsstufe
nicht weiß,
wenn auch dunkel ahnet, was sie bedarf, so kann
sie ihr
Bedürfniß, ihr Vortheil, ihre Meinung nur durch
unmittelbare Theilnahme und diese, dieß /
[9R]
haltet fest, wieder ganz nur in dem Maaße als sich
die
Gaben und
Leistungen Warten-
sees entwickeln; damit sie
dadurch und daran erst selbst sehen was sie suchen, was sie bedürfen
was ihnen mangelt. Da aber der Mensch sich in dem was er bedarf
wohl gern [be]lehren und unter-
richten läßt aber es sehr ungern
eingesteht, und wenn er es auch wohl gar in sich und selbst mit dem
Munde – vielleicht eben darum eingesteht daß ihm widersprochen
werden mögte – er bedürfe
noch der Lehre und des Unterrichtes –
es dennoch nicht will und nicht wünscht daß es ihm gesagt
ihm
von andern ausgesprochen werde, daß er noch bedürfe und was er
bedürfe, wegen allem
diesen nun muß man hier einen auf das
höchste sorglichen Entwicklungsgang gehen: - es muß
möglichst
still möglichst viel und des lebenvollsten Gemüth[-] und
Geistergreifenden geleistet
werden, dieß muß einfach
hingestellt werden als ein
stummer Magnet und
sprachloser
Weg[-]
meiler [sc.: weiser]. Das
neue und
sicher
Hingestellte reizt die Neugier und die Theilnahme aller
Halbge-
bildeten. Wird nun in dem
ruhigen
stillen und
sinnigen Nachgehen der
gegebenen wirklich
bestehenden
Verhältnisse nichts versehen so ist mir die sichere und gesiche[r]te
Begründung und
die gesunde, frische [Keimung] und Entwicklung,
das Wachsthum, die Blüthe und das seegensreiche Fruchten der hiesigen
Unternehmung nicht einen Augenblick zweifelhaft. Nochmals es
ruhet
im Ganzen eine be-
stimmte,
gesunde, frische, freudige lebenvolle Stimmung nach und in mehreren
Seiten und Richtungen hin für die hiesige Unternehmung; nur ruhiges
sinniges
Nachgehen und
sicheres, zweifelloses festes Hinstellen.
Nochmals sprach ich es seiner Wichtigkeit wegen aus. Dieß alles
glaube ich und läßt
sich auch sehr klar und bestimmt
nachweisen.
Vors erste glaube ich mir behaupten und
durchführend beweisen zu können daß zwischen der hier im Allgemeinen
statt findenden Bildung und dem was wir in Keilhau sind und leisten
d.h. als Bildungsanstalt
sind und leisten eine gewisse –
entgegengesetzte Gleichheit – herrscht.
H- [Herzog] hat ganz recht
wenn er sagt den Schulen Luzerns mangelt nichts, vielleicht
sogar wenn er sie an die Spitze (sogar
der Schweizerischen
Schulbildung stellt, - denn – wenn man sie höret reden laut, so meint
man wirk-
lich sie hätten schon erobert die Braut – d.h. wenn Du
ihre Schulbücher durchliesest so hast und
findest Du alles was
nach jetzigen Begriffen zunächst in eine gute Schulanstalt gehört:
Religion, Sprache, Geschichte, Naturgeschichte, Erdkunde, Naturkunde,
Rechnen, Sprachdarstellung u.s.w. aber alles in todten Wort sogar die
Geschichte Tells – hier hast Du den Schlüssel zum Ganzen – lernen sie
buchstäblich auswendig.
Also ein gewisses Wecken des Interesses
für alles was dem Menschen wichtig ist und doch ein reines
Todtschlagen des Geistes. Manche Kinder d.h. gehörig von Jahren,
geben hierfür Beweise wovon wir in Deutschland
wie in Keilhau
keinen Begriff haben sie können (die besten von ihnen) oft nur
rechnen mit dem EinmalEinstäfelchen
auf dem Schooße oder durch
Abzählen an den Fingern. Ferdinand hatte heute seine liebe Noth einem
ungemein geweckten, klugen ja listigen 14 Jahr alten Jungen klar
zu machen wenn das Ganze 12 Theile
habe, wie viel Theile dann ¼
des Ganzen und ¾ , wie viel 1/6. Die Antworten waren zu unbegreiflich
als daß ich sie [hier] hinsetzen sollte. Ihr Briefschreiben und ihre
Sprachdarstellungen sind ohngefähr etwas
ähnliches wie man
Tänze, Walzer durch Würfel und Würfeln componirt. – Dagegen kann man
nun, was ganz natürlich ist, auch sagen daß sie wirklich
hungrig nach
Gestaltenden Unterrichte
sind: einen Brief
schreiben, seine Gedanken niederschreiben einen Aufsatz machen sind
ihre ersten Forderungen.
Viel wird
Zeichnen gefordert und die Kinder zeichnen
wirklich mit unsäglicher Lust Fleiß und Aus-
dauer, zwey Stunden
können sogar die noch jüngeren festsitzen; auch zeigen viele sehr
namhaften
Gestaltungstrieb sehr schöne Sachen sind schon
erfunden, sehr schön manches ausgeführt worden.
Deutsche
Sprache forderte letztlich ein ganz gewöhnlicher Bauernjunge der
schwarz wie ein Köhlerbub war auf
einem Spatziergang von mir.
Neben ihm stand sein jüngerer Bruder mit ein Paar strahlenden klaren
Kry-
stallAugen auf alles achtend. Ja (wenn ich es anders recht
verstanden habe) sagte der Größere, für diesen wäre die Schule in W.
gut. – Ich will einmal komme geh luege (: Ich will mir einmal das
Ding doch ansehen)
sagte der Älteste. So bestimmt äußern sich
sonst rohe Kinder. Immer wiederkehrend höre ich daß
die Kinder
mit der größten Lust hieher komme[n]; an Sonn- und Festtagen ist ihr
Wunsch ich mögte doch
in
Wartensee heute Schule seyn. Und wenn ich es zugeben könnte hätte ich
jeden Sonntag Nachmittag
eine Vollständige Schule; dennoch
arbeiten zum öfteren einige selbst die kleinsten Sonntags stundenlang bey mir. - /
[10]
Eine Äußerung, die mir zum öfteren von den Kindern
wieder erzählt wird ist: Wir gehen gern nach
W. – denn wir
dürfen dort doch etwas machen d.h. Spielen in den ZwischenMinuten und
sich bewe-
gen. Hätte ich nur erst für sie einen
Barop ich glaube der würde in
vieler Beziehung seine Westphalen
hier wieder finden.
Auch die Geistlichen von welchen ich – wie man sie auch sonst im
Urtheile hinstelle – vermuthen muß, daß sie sich doch in dem Leben
der Menschen und Familien hier <in> ihrem Einflusse wie das
Mark in den Bäumen durchziehen, ja auch die Geistlichen selbst
scheinen nicht nur nicht gegen mich sondern die besseren und besten
sogar für mich zu seyn; ich vermeide auf das strengste jede religiöse
Erziehung, Positives wird nun gar nicht erwähnt; ich lasse die Figur
als Figur, die Gestalt in ihrer Gestalt und die
Zahl und die
Sprache in ihrem Gesetz reden. Ja es scheinet fast als ahneten die
Geistlichen, daß dieß nicht
nur den Menschen die wahre Religion
nicht entfremde, sondern sie demselben, und ihn ihr zu [zu]führe.
Diese besseren und besten Geistlichen wovon ich zum Glück wohl
gerad einige in der Nähe habe sind keines Weges Finsterlinge sondern
aus einer guten philosophischen und theologischen Schule, ich
glaube zum großentheil von dem bekannten
Sailer (: Herausgeber der
Nachfolge Christo und der Er-
ziehungslehre pp pp der Rede von
dem Verhalten des denkenden Mannes in Beziehung auf sein Zeitalter)
ich glaube jetzt Bischoff in Regensburg, sonst Professor in
Landshut. Der Herr
Pfarrer u Dekan
Siegrist in Wohlhusen ist sein Schüler und irre ich nicht
sehr, jetzt beyde sehr innige gleichstrebende
Freunde[.] Dieser
Dekan Siegrist nun hat mir wie Ihr wißt früher seine Rede von dem
Jahrestag der Sempacher
Schlacht gegeben. Er hat mir vor einiger
Zeit Sailers Erziehungslehre die er vom Verf. geschenkt
be[-]
kommen und von welchem eine eigenhändige Zuschrift darinn
steht geschenkt. - Er hat mir das Mild-
heimische Liederbuch
nebst Melodien (alte Ausgabe) für Wartensee versprochen und
eigentlich schon ge-
schenkt. – Er hat sich viel Mühe gegeben und
giebt sich noch Mühe einen jungen Menschen zu einem Art
Unterlehrer hierher zu bringen. Als er im vorigen Jahr hier war
sagte er zu mir: Sie denken
“Ist’s Menschenwerk
wird’s untergehn ist’s Gottes Werk so wird’s bestehen.“ - Ich
erinnerte mich in
dem Augenblick gar nicht daß dieß
Luthers Worte waren. Bis jetzt sehe
ich wenigstens von
der eigentlichen
Seite der Geistlichen keine Entgegnung. Wie Ihr Euch in meinem
letzteren Briefe er-
innert hat schon ein Geistlicher in der Nähe
meine Erziehungskunst gelesen. Jetzt ist sie durch
Fräulein
v. H.
[Hartenstein] einer Verehrerin des HE Dekan S. in W. – nebst
noch drey anderen Schriftchen an den HE Dekan Siegrist geschickt
worden. Ich hoffe nun bald wahrzunehmen wie dieser die Grundsätze
darinne mit seiner Überzeugung in Übereinstimmung findet.
Die
Regierung und der H. Erziehungsrath erscheint thatsächlich und äußerlich weder dafür noch da-
wider; aber in sich so muß ich vermuthen ist er doch ganz seinen
früheren Äußerungen treu.
Also auch von
dieser Seite läßt man der Sache wenigstens Zeit und sich
gewähren; wie man
auch wirklich der freyen Entwicklung
selbstständiger Überzeugung hier vielen Raum giebt.
Das
Ergebniß des Ganzen scheint demnach zu seyn, daß hier im Allgemeinen
gleichsam ein schlummerndes
unbewußtes GemüthsBedürfniß nach
klärender und gestaltender Geistesthätigkeit herrscht,
also eine
gewisse Polarität des Gemüthsbedürfnisses und der Geistesbildung
welche um so entschie-
dener und bestimmter sich hier ausspricht
weil man eben hier die Bildung innerhalb einer gewissen
Grenze
sich selbst gewähren läßt. Daher glaube ich sind hier die Bedingungen
einer zu verwirk-
lichenden Volkserziehung und Volksbildung mehr
als wir sie noch irgendwo [sonst] gefunden haben.
Und ein
gebildeter Geist findet hier wenn auch ein un[-] oder gar nicht
gebildetes, doch ein ihn
willig, achtend und pflegend
aufnehmendes, in dessen Forderungen eingehendes, den Geist
in
seinem Wollen, wenn auch noch so dunkel erkennendes und anerkennendes
Gemüthe.
Wie auch das Leben in seinen Erscheinungen roh und mehr
noch als das ist: Gemüth macht sich
doch am Ende frey und eine
gewisse Guthmütigkeit zieht sich durch alle Fehler und Verirrungen
durch. Da nun aber eine die Mannigfaltigkeit einende und
gestaltende Lehr- und Erziehungsweise
mit die Form
durchdringende und das Todte lebendigmachende Lehr- und
Unterrichtsweise das
dafür empfängliche Gemüthe sieht, so glaube
ich daß unsere Erziehungs- und zunächst Lehr- und
Unter-
richtsweise hier einen angemessenen wenn auch harten,
steinigten, d.h. mit Steinen und Dornen /
[10R]
bedeckten
– doch der zu säenden Frucht angemessenen Boden gefunden hat.
So sehe ich das Ganze und ich wollte es Euch möglichst klar und
bestimmt aussprechen wie ich es
sehe. Das früher schon in
Beziehung auf Natur und Geschichte ausgesprochene Allgemeine bleibt
wie es sich von selbst versteht in seiner Wirksamkeit; jetzt handelt
es sich nur um das ganz besondere
Örtliche und
Landschaftliche.
Also geübte und gewandte, erprobte und
erfahrene Manneskraft fordert der Grund und Boden
zu seiner
Behandlung d.h. der Erzieher und Lehrer findet hier rauhe rohe Matten
zu erziehen.
Immer fallen mir aber wenn ich Euch eine
Schilderung davon geben will, Middendorff u Barop,
Eure Bilder
der lieben westphälischen Jungen ein.
Da sich hier nun
mehrseitig ein guter Grund zeigt der den einzustreuenden Saamen gutes
Wachsthum für Blüthe und Frucht verspricht, so glaube ich muß
auch die Bearbeitung dieses
Grund und Bodens mit großer Sorgfalt
geschehen, es muß ein sicherer Plan entworfen, ein
klarer Weg
zum Ziele betreten und der Zweck mit Mannes Sinn und Streben
festgehalten
werden. Vielleicht schlummert auch noch anderes
Wichtige im Schooße der Zukunft ich habe
es schon früher einmal
angedeutet, ich will es jetzt nicht nochmals hervorheben; es ruhet
in dem Verhältnisse vom Gemüthe zum Geiste.
Ich habe Euch
früher schon und besonders in meinen letzteren Briefen bestimmte
Pläne zur Aus-
und Fortbildung Wartensees mitgetheilt und sie
Euch zur Prüfung übergeben. Hier bekommt
ihr [sc.. Ihr] noch
einen, der die andern zwar nicht aufhebt aber doch vervollständigt,
wie mich dünkt
das Ganze schließt ihm Gestalt giebt. Ich lege es
Euch ganz unbefangen und offen zur Prüfung
vor Ihr mögt und
könnt mit Bestimmtheit entscheiden mir ist Eure Wahl und Entscheidung
recht. Was ich jetzt sagen werde ist eigentlich des Erste, was
ich in Beziehung auf die Aus-
und Fortbildung W.- schon in
Frankfurt dachte aber aus leicht zu findenden Gründen
immer
zurück drängte.
Im Herbste machte ich den Vorschlag Elisen zur
Führung der Wirthschaft hieher zu lassen. Der
Gedanke schon fand
große Hindernisse. Ich sage Nichts weiter es mag gut gewesen seyn
weil es so
war; denn eines ist gewiß meine Mittheilungen nach
Keilhau und an Euch würden denn schwerlich
diesen Charakter und
diese Ausdehnung, ja ich darf wohl sagen die Abrundung und
Abgeschlossenheit
in sich gehabt haben, denn ich würde wohl mehr
der mündlichen und persönlichen Mittheilung und Fortbildung gelebt
haben. Genug ich kann mir bey der Ausführung jenes Gedankens die
jetzige Fortbil-
dung ganz und gar nicht denken; da jetzt
Wartensee mit Keilhau in den regsten geistigen Verkehr
lebt so
würde dort Wartensee sich früher in sich abgeschlossen haben.
Überhaupt als ich
jenen Vorschlag that war der Appenzeller
Ausfall auf mich, welcher das Leben und die Verhältnisse
in so
vieler Hinsicht ganz anders stellte, noch nicht geschehen, dort war
mir der Gedanken einer
privat Erziehungsanstalt vorherrschend,
der Gedanke einer ächten Volksschul- und Volkserziehungs-
anstalt noch gar nicht aufgenommen; alle Verhältnisse anders als
sie jetzt stehen.
Seit jener Zeit ist mir auch wieder ein
schon früher Gedanke von mir wieder lebhaft vor die
Seele
getreten, der: daß sich bey weiten leichter Jünglinge und Männer, als
Jungfrauen und
Frauen gleichsam verpflanzen lassen. Vielleicht
hat dieß auch dort Elisen der Mutter und allen
denen welche eine
entscheidende Stimme darauf hatten geahnet; vielleicht haben sie auch
gefühlt
daß es hierher doppelt schwer ist Frauen zu verpflanzen
(ich weiß kein andres Wort) weil das ganze
hiesige Leben in
einer Beziehung wie ich schon andeutete einen gewissen weiblichen
Charakter hat
und Frauen mit Frauen sich noch schwerer
verständigen als Männer mit Männern. Aus allen
diesen Gründen
mache ich
vor [für]
jetzt und
zunächst auf
weibliche Unterstützung von Keilhau
keinen Anspruch
ändern würde sich jedoch alsbald das Ganze
als
Zöglinge einträten. Als-
dann halte
ich aber die Ausführung des zuletzt gemachten Vorschlages,
daß Du Wilhelmine
hierher kämest am
gerathensten; wer Dich begleiten
könnte, nun
vielleicht wenn wir
beyde Du und ich nach Deutschland
zurückkehrten, das müßten die vorliegenden Umstände
bestimmen.
Von diesem allen ist also in meinem jetzigen Vorschlage nicht die
Rede, sondern dieser /
[11]
[Bogen] 6.
bezieht sich
nur auf die Umstände: wie sie eben jetzt sind; und ist so dieß
gleichsam der Vorläufer
die Einleitung zu jenem. Was und wie ich
es nun meine ist dieß:
Du
Barop machst mit dem nun
bald beginnenden Frühjahr eine Besuchs- und gleichsam Visitations-
oder Inspektionsreise nach Wartensee. Du nimmst den Weg über
Frankfurt a.M.
Dort ist für einige Tage Dein Ziel- und Dein
Ruhepunkt. Was ich nun sagen werde bezieht
sich zunächst darauf
daß nach meiner Überzeugung die alte Zeit eingetroffen ist, wo wieder
die
persönliche Wirksamkeit
alles gilt und macht. Das Schreiben und
Drucken hat, wegen
der Schreib- und Druck-Überschwemmung fast
allen Werth und alle Wirksamkeit verlohren
ja wirkt oft sogar
negativ wie zu vieler Regen statt den Boden zu erweichen, denselben
ver-
härtet. (: Vielleicht findet Ihr sogar schon eine ähnliche
Erscheinung durch meine jetzigen vielen
schriftlichen
Mittheilungen; doch ich fühle es schon sie werden auch bald wieder in
Abnahme kommen,
wie der Mond kleinere Kreise beschreibt je höher
die Sonne steigt :) das Ergebniß von
H-s [Herzogs] früherem und jetzigem Wirken
gegen mich scheint den Beweis auf plane Hand zu geben, so
selbst
Thatsachen unseres eigenen Lebens; nun das Ganze, das Leben liegt ja
Eurer eigenen Prüfung
vor. – Die Hauptabsicht Deiner Reise über
Frankfurt ist, Dich mit
Schnyder
klar zu ver-
ständigen, so wohl als es die Umstände erlauben
einen klaren festen Plan für die Zukunft zu
fassen, dessen
Fundamentalpunkt seyn muß: Der möglichen Entwicklung durch zu
positive Bestimmungen nie Hindernisse in den Weg zu legen sich selbst
und dem Ganzen aber die Freyheit zu sichern und
wahren, jeder
von der Vorsehung künftig gegeben und geöffnet werdenden Entwicklung
ruhig und
ungehemmt nachgehen zu können. Wie dieß sogleich in
einer großen vorliegenden Thatsache
in der vorliegenden
Thatsache – daß das hiesige Wirken die vielleicht einstige hiesige
privat-
Erziehungsanstalt in der Volksschule gleichsam
Volkserziehungsanstalt gegründet ist und
daraus hervorsteigt
nicht aber die Volksschul-, Volkserziehungsanstalt, wie es vielleicht
erst
Absicht war zu der privatErziehungsanstalt additionall,
anfügend
hinzukomme.
Schnyders Geist, Charakter und Individualität
liegt schon offen genug vor Euch und vor Dir
Barop, und sein
langer
Brief an mich wird Euch denselben noch offener darlegen, obgleich ich
selbst denselben noch
bis jetzt (: heute den 7
en März :) noch nicht gelesen habe, weil ich jetzt
immer die größte Sorgfalt
hege das Leben frey von fremden
Einfluß wie es in mir ruht und keimt sich entwickeln und
gestalten zu lassen. Genug! auf diese Weise wird auch das Ganze
dann, was ihm jetzt eigentlich
doch noch mangelt – ein ächt
menschliches d.i. persönliches Fundament bekommen was
zu einer
allseitigen Unternehmung was Wartensee doch werden soll gehört d.h.
ganz klares
Überschauen des persönlichen
Einflusses und der persönlichen Ansicht der hauptsächlichen bey dem
Ganzen wirkenden Glieder. Also sich selbst Sicherung des
Fundamentes und Klärung des Um- und Über-
blickes des Umkreises,
der Umfläche. Dieß das eine, worauf ich wohl noch zurück kommen
werde.
Das zweyte ist das Verhältniß
unserer Erziehungs- und erziehenden Unternehmungs- und
Wirk-
samkeit im Allgemeinen zu Frankfurt
a.M. besonders zu unsern Freunden daselbst.
Vielleicht
ist Euch und namentlich auch Dir Barop in dem bekannten Hauptbriefe
Schnyders an mich
im Oktober v.J. die Äußerung des HE Pfarrer pp
Kirchner in Frankf. am M. aufgefallen „wenn
ich eine gute
Erziehungsanstalt gekannt hätte so“ pp – Nun das seit 1816 oder
vielmehr 1817 bestehende
seit 1818 in der Öffentlichkeit
aufgetretene, also nun 13 Jahr in Wirksamkeit gewesene Keilhau
darf sich doch zu den guten Erziehungsanstalten zählen und einem
HE Pf. K. von dem das bestimmteste
critische Urtheil ja eine
Kenntniß des ganzen Umfangs aller privatErziehungsanstalten
erwartetja
gefordert wird; diesem ist es wie gar nicht
daseyend. Ihr seht daraus wie Schreiben und Drucken
seine ganze
Wirksamkeit verlohren –
der Mensch aber nicht
aufgehört hat sich zum Gewohnheits-
thiere herabzuwürdigen –
(: obgleich in Beziehung auf Schnepfenthal meine Überzeugung bleibt
was ich in meiner Antwort an Schnyder ausgesprochen habe :) Also in
Frankfurt und für Frankfurt dünkt mich eine wiederkehrende lebendige
und lebensvolle Anregung für menschenwürdige Erziehung so
wich-
tig als heilsam; das Ergebniß derselben mag sich nun nach
Keilhau oder Wartensee
wenden, mir und uns ganz gleich. Das
Urtheil eines ihrer ersten Sprecher in diesem Fache des HE Pf. /
[11R]
Kirchners über Schnepfenthal und die Frankfurter
Erziehungsanstalten ist Euch bekannt.
Wein-
heim genügt
in seinen Leistungen für höhere und besonders classische Bildung
nicht obgleich
sonst von Frankfurt aus sehr besucht. Schon bey
meiner Anwesenheit in Frankfurt wurde
mir daher gesagt daß ein
gewisser Prediger [Lücke]
Willens sey seinen Sohn nach der Confirmation
deßhalb von da weg
und nach Keilhau zu thun. Vielleicht könnte man sich sogar
stillschweigendmit Weinheim
verständigen; doch davon nachher. – Die Musterschule in Frankfurt er-
hält bis jetzt seine Elementarlehrer aus dem Seminarium von
Denzel
in
Eßlingen;
Bagge ist mit den Leistungen dieser Anstalt
nicht zufrieden die Bildung der jungen Männer ist ihm zu
äußerlichvor allem zu
mechanisch. – Ihr und Du erinnert Euch ja was ich
in dieser Beziehung von Frank-
furt aus schrieb, könnet es ja
auch nachlesen.
Also, Barop! außer
Schnyder würdest Du vor allem mit
Bagge viel
besuchen verkehren; dann mit den
wesentlichsten Lehrern der M[uster]schule
Ackermann und
Groth (besuchen) welchen letzteren ich Dir
auch wegen seiner
einfachen lieben Familie
empfehle.Mir wurde es sehr wohl in ihr. Dann suchst
Du
Emil
Schwarz auf, durch und mit diesem oder auf eigene Hand
mit meinem Gruß gehst Du
nach
Offenbach zu
Dr. Becker Vorsteher einer
Familienerziehungsanstalt. Hier bringst Du das Gespräch
mit dem
alten [Becker] auf Sprachenunterricht,
brichst aber ja keine Lanze, suchst auch
ja nicht aus dem Sattel zu heben. Der Mann hat sehr viel
Beachtungswerthes, hat viel darinn gearbeitet. Bey Ackermann kannst
Du dessen {großes Sprachwerk große Grammatik sehen, bey Schwarz
vielleicht die kleinere Schulgrammatik. -
Dr.
Groth vergißt Du so nicht. Durch
Schnyder läßt Du Dich mit
Dr.
Wilhelm Wagner
Redaction
der
Didaskalia und mit D
r. Freyeisen ich glaube
Redacteur der
Zeitbilder bekannt machen.
Bey dem
ersteren kannst Du Dich auch
selbst durch u mit einem Gruß von mir einführen. Er ist ein sehr
freund-
licher lieber Mann und ehemaliger Erzieher. Er ist wohl
einer von denen auf welchen meine
Schriften einen entschiedenen
wohlthätigen und anregenden Einfluß gehabt haben. Aus Frankfurt
schrieb ich Euch ja schon über alle diese Männer Du Barop kannst
es ja nachlesen. Auch den
Kosel, von dem ich nie wieder
etwas gehört habe besuchst Du natürlich und siehest wie es
ihm
nun nach dem Unfall mit seiner Frau geht u was er treibt. – Willst Du
so läßt Du Dich durch
Schnyder in die Singakademie oder
Singverein einführen auch mit dessen
Vorsteher
Scheble bekannt
machen; dieß
die wesentlichen einzelnen Personen. Rücksichtlich der
Familien brauche ich Dir die
Ödenicht zu nennen; doch
um ganz frey zu seyn lehnst Du das
Wohnen daselbst mit
Bestimmtheit ab. Bey
Speyers läßt Du Dich durch Schwarz versteht
sich, bey Frau Speyer einführen. Könntest es wohl auch durch meine
Grüße selbst thun doch ist besser Du bittest Schwarz darum. Hier
bringst Du besonders allen Kindern und den Jungen meine Grüße. Und
freundlichen Gruß dem Bruder der Frau Speyer, dem
Herrn
Baron von Welling, oder schlechtweg HE von
Welling (ein getaufter? Jude) Ein vielgereiseter Mann <-> davon
nachher. Ihr werdet Euch dessen aus meinen
Briefen aus Frankfurt erinnern, Du weißt
daß diese Frauen
von Haus gern auf hohen Fuß stehen und auf
solchem behandelt seyn wollen. –Alles
dieses machst Du nach den
Umständen in wenigen oder mehreren Tagen ab. Wirst schon sehen wie
sich
das Leben und wie es Dich wendet. – Auch damit Du ja den
Schnyder triffst so schreibst Du
ihm
von Deiner Reise über Frankfurt und der Zeit Deiner Ankunft
daselbst. Schnyder wird um
diese Zeit noch keine Reise vorhaben.
– Hast Du Gesellschaft bey Dir
vielleicht
wie ich schon ein-
mal berührte den Felix, oder den Titus oder
wie es sich sonst macht, so läßt Du diese,
wenn sie sich einen
Tag in Frkf. und vielleicht Offenbach umgesehen haben nach
Weinheim vor-
ausgehen und dort Deiner
erwarten. Es ist eine gar zu köstliche Gegend um Weinheim
wer
ihr einige Tage schenken kann ist glücklich. Könnten sie auch nicht
in der Anstalt selbst
wohnen, wo man sie aber gewiß freundlich
aufnimmt, so könnten sie im Gasthof wohnen.
Ich fürchte nicht
daß es da theuer seyn würde.
Es giebt ein Panorama
der Bergstraße
vom Thore zu Frankfurt bis nach Heidelberg
mindestens müßt ihr [Ihr] es zur Einsicht
Euch
in einer Buchhandlung z.B. der Erdmannschen (wo ich es
sahe) verschaffen. Könnte es Euer Eigen-
thum werden, desto
besser. Was Du in Frankf. zu vermeiden hast wirst Du Dich an meinen
2
en oder 5
en Briefe v[on]
dort erinnern.
Ist, Barop! Deine Mission in Frankf. beendigt
so ziehst Du Deinen Vorläufern nach Weinheim /
[12]
nach
und bleibst selbst nach Umständen dort. Von Weinheim ziehst Du über
Heidelberg wo
Du wenn Du Lust hast,
den Prof. und ConsistorialR.
Schwarz den
bekannten theoretischen und prakt.
Erzieher aufsuchen kannst
nach Stuttgard. Ist es möglich so machst Du hier d.h. in der
Um-
gegend einen längeren Aufenthalt, besuchst nemlich die
Klumpsche Erziehungsanstalt in
Stetten
im Remsthal. Es wäre wohl gut, Euch in Keilhau schon die
Anzeigeschrift dieser Anstalt
zu verschaffen, sie führt den
Titel:“Die Gründung und Eröffnung der Erziehungs- und
Unter-
richtsanstalt in Stetten im Remsthale im Königreiche
Würtemberg. Auf Verlangen heraus-
gegeben von den Vorstehern der
Anstalt. Tübingen Gedruckt bei Ernst Traugott Eifers 1831.
8° 44
Seiten.“
Prof. Klump selbst
wohnt in Stuttgard. Ihr erinnert Euch schon das [daß]
Schnyder dessen
Bekanntschaft machte. – Vielleicht ist es auch wichtiger für uns
Kornthal zu besuchen. Ihr wißt
Wetzstein war einmal da und der
Vorsteher dessen Namen ich mich nicht erinnere dachte gut
von
Keilhau, wünschte sogar von dorther Lehrer. – In der
Klumpschen Anstalt scheint alles
aufs
beste
geordnet zu seyn – der preußische
Gesandte Arnim in Luzern sprach wie Ihr Euch er-
innern werdet
gegen Schnyder sehr gut von derselben. Willst Du in
Eßlingen das Seminar
von
Denzel
aufsuchen so hat es auch vielleicht sein Gutes. Nachweisungen über
Schulwesen in Stutt-
gard und deren Vorsteher kann Dir auch
Scholterer Lehrer an der Mustersch. in
Fr[an]kf.[urt] und ein Zögling des Eßlinger Seminars geben.
Nun geht die Reise weiter über
Tübingen
wo Du vielleicht den besondern Gönner und Beschützer
Georg Luthers, den Prof.
<Steudli> aufsuchen kannst, weiter nach
Schaffhausen und
Zürich. Hier suchst Du vor allem
Follen
auf welchen Schnyder in seinem Briefe mit ein paar Wörtern so
anziehend zeichnet.
Willst Du
Nägeli aufsuchen so hängt
es von Dir ab, auf diesen Fall kannst Du ihm einen Gruß von mir
bringen. Von
Zürich hat Dir nun
Ferdinand den Weg nach
Wartensee klar genug
beschrieben
und mit dem Panorama des Rigi ist er auch von Ort zu
Ort nachzusehen.
So wärest denn nun auch Du Barop wenigstens
zunächst dem Plane nach und als Gast in W.
angelangt.
Ehe
wir nun aber „guten Tag!“ und „Willkommen“ sagen noch ein paar
Rückblicke.
Deine Reise von Keilhau aus werden nun freylich
Deine die <Con?>anstalten
bestimmen. Könnte
sie von Keilhau zunächst über Meiningen gehen
und ließe sich im Vorbeygehen da ein besseres Licht
anzünden nun
so wäre es wohl nicht zu verabsäumen, vielleicht könnte die
Fr: v.Arnim ein paar
Wachskerzen, ein paar Verhältnisse dazu nachweisen namentlich wenn
Dich Felix be-
gleitete. Führt Dich Dein Weg über
Schweinfurt so vergiß ja nicht den
Buchhändler
Beck, von
wegen ich Euch
schon von Frkf. aus schrieb, aufzusuchen, es ist ein sehr lieber,
milder, eingehender,
klarer
zuverlässiger Mann, und wird Dir lieb seyn ihn
kennen gelernt zu haben.
Der Zweck dieser Reise ist nun aber
keinesweges sich mit der Außenwelt und Einzelnem der-
selben in
auflösende Ausgleichung zu setzen, sondern vielmehr ihr und ihnen
gegenüber
diese klar und geschieden bestimmte Selbstständigkeit
immer mehr zu erkennen, auszubilden
und festzuhalten.
Haben wir hast Du diesen Zweck nun auf dieser Reise auf einer
neuen Stufe erreicht
nun dann „guten Tag!“ und „Willkommen.“
Jetzt vor allem ruhe aus von der Reise daß Du
so im Hause, im
Hofe in der Umgebung Dich heimisch fühlest und heimisch werdest. –
Nun
mache Dich mit dem Leben bekannt wie es besteht, mit den
Kindern ihrem Wesen, ihrem Fleiß
ihren Fortschritten. Alles
rufen wir in uns zurück durch Wort und durchs Auge, auf
Spatzier-
gängen und Gesprächen was nur bisher immer mitgetheilt
worden ist von uns vollständig
in die Mitte der
Gesammtlebensverhältnisse wie sie wirklich bestehen zu versetzen.
Und nun Ihr Freunde, Brüder und Geliebte! sehet, höret wie sich
das Ganze durch diese
bestehenden Gesammtverhältnisse in mir
gestaltet hat, wie ich es in mir trage. Ich
theile Euch dieß
alles als Männern mit offenem männlichen Vertrauen mit um vor allem
einer Frage zu begegnen die sich vielleicht in Eurem Kreise und
unter Euch erheben könnte
der bestimmten Frage an mich: sage
mir, sage uns nun wie sich denn eigentlich auch /
[12R]
das Ganze entwickeln, gestalten kann; wenigstens wie Du es
als
möglich in Dir trägst.
Weil nun
der Mensch zu jedem seiner Werke den Plan den bestehenden Bedingungen
und Forderungen gemäß gleich groß und ausgebildet in sich tragen
soll, wie z.B. der
Eichkern den
ganzen Plan,
Grund und Aufriß der
Eiche in sich
trägt, so trage ich den
bestehenden Verhältnissen angemessen
folgenden Plan in mir. Um gleich beym Beginne seiner
Keilhau und Wartensee hat viele Ähnlichkeiten
unter andern auch diese. Mittheilung für uns
einen
gemeinsamen und leitenden Punkt zu finden, so knüpfe ich an die
Äußerung des
Herrn
Prof:
Schulz in Jena gegen
Langethal an; daß man jetzt wo wegen der
eingeführten
Landstände und besonders wegen der auf dem
Grundbesitze, dem Bauer und Grundeigenthümer
ruhende
Stimmberechtigung – sein vorzügliches
Augenmerk auf die Bildung der Grundeigen-
thümer richten müsse;
auch ich bin selbst in der Schweiz auf das bestimmteste dazu
aufgefor-
dert worden, ja hier wo (wie der Ausdruck ist) das
Land so mächtig seine selbstständige
Stimme erhebt, hier scheint recht die Forderung des Herrn Prof.
Schulz in Anwendung zu
kommen. Beachtet es nur ernst und wohl
wie diese
von außen an uns geschehende
Anforderung, ganz auch meiner und unsern
inneren Ansicht von der Wichtigkeit des
und
der Erziehung und Bildung fürs
Landleben
entspricht. Diese
Übereinstimmungder
innern und äußern Anforderungen muß uns aufs höchste Aufmerksam
machen. Nun
werdet Ihr Euch aber eben so zur Schärfung Eures
Blickes an die
Forderungen und
Wege der
Vorsehung erinnern, wie
ich beym Beginn meines Erziehenden Wirkens in
Keilhauder
ich
nicht einmal etwas mit einem
Hauswesen zu thun haben wollte durch die
Verhält-
nisse von der
Vorsehung zur
Aneignung
eines
Landwesens gezwungen wurde.
Ich
bitte Euch sehr diese dort stattgefundenen Verhältnisse, wie sie noch
im Gedächtniß von Middendorff
und Langethal seyn müssen, zurück
zu rufen. Die Absicht, die Gesinnung mit der die Andern dort
in
Rud.[olstadt] und jetzt in V[o]lkst:[ädt] handelten wißt Ihr war rein
um mich zu vernichten, denn der B.[ruder] in R.
hatte wie sich
einige vielleicht noch erinnern von mir in dieser Beziehung gesagt:
Daran muß er zu Grunde gehen. Jetzt stehen
die Lebensverhältnisse gesteigert in sehr
vieler Beziehung wie dortmals,
gehen wir darum still und achtsam
den Verhältnissen nach – ich bitte Euch sehr – damit die Vorsehung
nicht wieder Ursache habe in einer zwingenden Form aufzutreten, und sollte sie sich
einmal
auf irgend eine Weise sich durchblickend zeigen so laßt
uns ihre Deutung bald verstehen
und im Buche der Vergangenheit
lesen was wir in der Gegenwart zu thun haben.
Wie bey meinem
Erscheinen in der Heymath
Brdr [sc.:
Stiefbruder Karl Poppo] und die welchen ich wohl wollte als
Gegner gegen mich auftraten, so tritt bey meinem Erscheinen hier
in der Schweiz und W.
einer gegen mich auf der sich mir
Fr[eun]d. nannte und dem ich nicht allein wohl wollte, sondern
mehr-
fach auch that. – Ich kann nun die Fortsetzung der
Vergleichung bey dem ersten Besitze oder der zweyten
Besitzerin
auf[nehmen] die Sache ist am Ende gleich. Ich will bey Aug: Sch:
anfangen. Wie der
auf schwachen Füßen stand und sein Gut
verkaufen mußte, so steht auch der jetzige Besitzer
des
Guthes Wartensee auf schwachen Füßen, man
wundert sich, daß er sich so lange schon ge-
halten hat und
bezweifelt es nicht daß er wird genöthigt seyn das hiesige Gut zu
verkaufen.
Er der jetzige Besitzer Namens
Meyer hat mir selbst gesagt daß er kurz vor
meiner Ankunft Willens
gewesen sey das Guth zu verkaufen, daß er
sich aber traue es nicht gethan zu haben, weil er nun
hoffe daß
es durch die Nähe der Erziehungsanstalt im Preise steigen werde. Wie
bey Aug: Sch:
kommt auch hier das Vermögen von der Frau oder
vielmehr den Frauen, denn auch dieser hatte zwey
Frauen aber
zwey Schwestern beyde reich.
Das Guth selbst ist vollkommen in
sich abgerundet,
alles Land, Feld, Wiese,
Wald, Garten an und
in
einem
ungetheilten Stück, mit wohl ziemlich gleicher Länge und Breite: die
Größe des Ganzen
ist, irre ich nicht sehr, 180 Juchart Land.
[Rand*-*] [*] nein! wie mir der
Sohn sagt, 240 Juchart, den
Juchart zu
45000 ٱ [sc.: 4500 m
2] großes und 36000 ٱ [sc.:
3600 m
2] kleines Maaß, ersteres
vielleicht für schlechtland, letzteres für
besseres Land.[*]
In diesem ganzen
Lande liegen, außer dem Haupthof
Wartensee, dessen
Wohnhaus und
Scheuer Ihr auf dem
zweyten Lithographischen Blatte sehet (auch
auf einer der Zeichnungen Ferdinands :) – noch zwey andere
kleinere Höfe mit ihren Häusern, eigner
Scheuer genannt
Kohlholz und
Hinterbruck. Letzteres kann man von hier aus,
aus
sehen /
[13]
[Bogen]
7.
dem Fenster sehen; es mag 5 Minuten von hier entfernt seyn so
wie das erste vielleicht 10 M.
Diese Häuser sind jetzt
vermiethet. Das Land bearbeitet der Bauer aber als ein Ganzes. Er
ist in der Gegend
nicht als guter
Wirth bekannt, hat z.B. bey dieser Land Masse fast gar
keinen
Viehstand indem er alles Land zum Graswuchs behandelt, sodaß der
Ertrag des Ganzen
größtentheils in Heuverkauf besteht. – Holz
giebt die Waldungen so viel mir bekannt weit
mehr als der Bedarf
erträgt. Die Waldung ist größtentheils Laubwald von vortrefflichen
Wuchs. – Das Land ist wie Ihr aus meinen früheren Briefen wißt,
zum Anbau aller Ge-
wächse geschickt. Die Obstbaumzucht ist hier
bedeutend und auch auf dem Gute selbst stehen
viel Obstbäume.
Ein kleiner Hausgarten ist schon beym Haupthof und sonst keinen
Garten
nach Bedürfniß angelegt worden, versteht sich unmittelbar
am Haupthause. Dieser Bauern-
hof und die Scheuer sind von Herrn
Schnyders Vater ganz neu erbaut worden; wie Ihr
auf den
Zeichnungen seht sehr ansehnlich, im Innern war ich nie.
Dieser Hof, dieses ganze Gut hat der jetzige Besitzer (der früher
Pächter desselben war) von Herrn
Schnyder vor einigen Jahren freylich wie ich höre
auf etwas krummen Wegen für 28.000 Schweizer
Franken = 7000
Brabanter oder Laubthaler erkauft. Der krumme Weg u.s.w. kostet wie
mir
der Besitzer selbst sagte auch 3000 Fr[an]ken = 750
Brabanterthalern; also im Ganzen 31.000 Fr[an]ken
oder 7750
B[r]ab[an]t[e]rth[a]ler. Ob nun gleich der Bauer bedeutend Holz aus
der Waldung verkauft hat
dennoch sagte er mir einmal es seyen
ihm 50.000 Fr[an]ken für den ganzen Hof = 12,500 Brbtrthr
geboten worden; was ich aber nicht glaube, denn er ist in seinem
Reden kein Mann von Wort.
Nun dem sey vor jetzt wie ihm
wolle; Zeit und Umstände würden dieß alles klar machen.
Genug da
es allgemein bekannt ist, daß der jetzige Besitzer (: welcher
übrigens auch einen Hof
bey Euch – sehet Ferdinands Zeichnung –
besitzt, welcher aber seinem ältesten Sohn erster Ehe
zu-
geschrieben ist :) – den hiesigen Hof nicht wird halten
können so hat sich nun im vorigen Herbste
in dieser Beziehung
ein junger verheyratheter Ökonom aus Luzern als Wirthschafter
angetragen.
Weil ich nun schon in Frankfurt am M. den Stand
des Ganzen etwas überblickte, so sprach ich
schon dort Schnyder
den Gedanken aus zu sehen ob es nicht möglich sey das Gut zurück zu
kaufen
ehe noch von einer Erziehungsanstalt die Rede sey, weil
ich wohl einsahe sobald diese Ab-
sicht hervorträte würde auch
der Besitzer den Preis des Guthes erhöhen. Doch Schnyder gieng
nicht darauf ein, meinend so viel wir noch zur Vervollständigung
der Anstalt bedurften
würden wir schon von dem Bauer Land
bekommen.
Die Lage des Ganzen nun, der Wunsch der
vollkommensten Erreichung des ErziehungsZweckes, des Prof: Schulzens
Äußerung an Langethal und anderes, was ich gleich erwähnen werde,
bringt mir
wiederkehrend den Gedanken zurück bey einer sich
zeigenden günstigen Gelegenheit den ganzen
Hof zur
vollkommensten Ausführung des Erziehungszweckes an [sc.: von] uns zu
kaufen.
Ich will Euch offen darlegen wie mein Gemüthe und
Geist ordnete und verband, damit Ihr klar
prüfen und entscheiden
könnet.
Langethal sagte mir daß
sein Bruder [Christian] durch seine jetzige Wirk-
samkeit nicht
befriedigt sey; was er dagegen anders will sprach Langethal freylich
nicht aus.
Genug ich verband seine frühere Bildungsschule in
Keilhau und seine jetzige in Jena, und so er-
halt
ich durch diese
äußere Verbindung leicht einen
pädagogischen Landwirth. Ob dieß nun
freylich mit Christians Lebensansicht zusammentrifft weiß
ich freylich nicht. Euch liegt das
Ganze klar vor und Ihr müßt als Männer rücksichtslos
entscheiden. Ich will es nun
aber zunächst wenigstens zur
Durchführung meiner Ansicht annehmen; denn wäre sie wa[h]r
und
läge sie mit in der gesammten LebensEntwicklung so brauchte es ja
eben kein
Christian
Langethal zu seyn und was und
wen wir bedürften würde sich finden –
der
landwirthschaft-
liche Plan würde in strenger Berathung mit
und durch den HE
Prof: Schulz
entworfen; und
die Sache wäre dann wohl wichtig genug, daß
dieser mit Langethal jun: hieher reisete
und ich glaube auch
wohl daß er sich dazu verstände, nemlich in der Verbindung daß die
hier gebildeten Jungen Leute
praktisch
für seine
theoretischpraktische
Landwirthschaftliche
Lehranstalt in Jena gleichsam vorgebildet
würden. So träten wir gleich schon von
einer /
[13R]
Seite mit der
Hochschule in organische Verbindung, so wie durch die gebildeten
jungen Männer
selbst, wenn sie einst stimmberechtige
Landeigenthümer würden mit dem Staate, und der
Staatsverwaltung
selbst. Zürnt mir nur nicht daß ich gleich alle Richtungen bis zu
Ende
führe, ich kann nicht anders, darinn besteht nun einmal
mein Leben alles gleich in einem
in sich geschlossenen
Organismus, in einem Lebganzen zu sehen.
Neigte nun
Ferdinands Natur auch mehr zur
praktischen als zur rein wissenschaftlichen
Seite
so könnten sich ihm hier dann in
dieser Ausbildung des Ganzen wohl mehrere
Richtungen finden
unter welchen er für sich die entsprechendsten
wählen könnte gleichviel welche, so daß viel-
leicht
Christian Langethal und
Ferdinand den besonderen Vorstand und die Leiter der
Landwirth-
schaftlichen Anstalt ausmachten. Der
Geist der Erziehung müßte in dem Ganzen
seinen besondern
und charaktervollen durchgreifenden
Repräsentanten haben.
Die
erste
Pflege des Gedankens einer rein menschenwürdigen Erziehung und die
Ausführung dessel-
ben besonders an jüngeren deutschen Kindern
und Knaben
blieben ganz Keilhau
anvertrauet.
Keilhaus Leben bildete sich immer mehr in dem
Maaße aus als es jetzt begonnen. Der Bruder
Führer der
Wirthschaft, ihm zur Hülfe heraufwachsend wer dazu in sich Beruf
fühlt, ich
will nicht classifiziren. Sind junge Leute
heraufgewachsen wie z.B.
Gustav v.
Bischoffsh.[ofen] Felix
Minerow u.s.w. so können solche ihre Fortbildung hier in
Wartensee finden und wollen
sie ihre Bildung wissenschaftlich
noch weiter verfolgen wie gesagt die Hochschule Jena. U.s.w.
u.s.w. Diese Andeutungen werden wohl nach jeder Seite hin genug
seyn.
Die verschiedenen Höfe machen hier Trennung und doch
Einigung der Anstalten möglich. Der
eine z.B. Hinterbruck könnte
nur der Volksschule eingeräumt werden.
Das Guth lieferte [für]
fast alle Bedürfnisse der Anstalt, wie ich oben andeutete also keine
ein-
zelne Heraushebung.
Was nun das
Schloß Wartensee mit seinem kleine
Grundeigenthum 2 bis 3 Juchart betrifft
so bleibe dieß entweder
vor der Hand ganz HE
Schnyders
Eigenthum – oder es würde Mitei-
genthum, oder vielleicht träte
es HErr Schnyder auch ganz ab. Er hält das Ganze ohngefähr
an
einen Werth von 6000 Fr[an]ken = 1,500 Br[a]b[an]terthaler. Für alles
dieses ließe sich die freye
Entwicklung abwarten. Schnyder
könnte dann so lang er lebte
Mitstifter u
Mitvorsteher derWartenseer Anstalt heißen.
Da ich nun das
Ganze einmal so weit vorgeführet habe, will ich es auch zu Ende
führen. Also der Schluß. Frankfurt a/m ist eine Geschäftsstadt. Ich
traf viel und fast nur mit Geschäftsleuten zusammen.
Wie nun der
Plan von Wartensee dort zur Sprache kam, war natürlich auch alsbald
die Rede von
den Mitteln ihn auszuführen. Weil so viel denn
davon gesprochen wurde, so sprach ich denn
auch einmal mit dem
obengenannten Bruder der Frau Speyer, dem HErrn
v.Welling (: versteht sich
selbst[als] Geschäftsmann [ :)]
darüber (: der Vater war Hofbanquier bey Maximilian Joseph von
Bayern :) Dieser sagte mir nun frey heraus: Er habe Zutrauen zu
mir und meiner hiesigen Un-
ternehmung, wenn zur Ausführung des
Ganzen einmal Mittel nöthig wären so möchte ich ihm
das Ganze,
den Stand der Verhältnisse mittheilen, dann wolle er sehen was zu
thun sey.
Ob nun gleich ich
mit dem Äußerlichen nach keiner Seite hin mehr etwas zu thun haben
mag, so halte
ich doch diese Euch mitgetheilten Gesammtumstände
zu wichtig als daß es mir nicht Pflicht gewe-
sen sey Euch das
Ganze so auszusprechen wie es die Gesammtumstände es in mir gestaltet
haben. Ich selbst habe bey Eintracht, Ausdauer, Hingabe u.s.w.
wenn anders der Fall des hiesi-
gen
Guthsverkaufs wirklich eintreten sollte – das vollkommenste
Zutrauen zur Geling-
ung des Ganzen, ja ich meine sogar wir
müssen diesen Weg ganz oder theilweise betre-
ten wenn man
Wartensee so in sich selbst sichern wolle wie Keilhau in sich selbst
sicher steht. Es dünkt mich durch die Angriffe aus der
Appenzeller Zeitung wollte uns die Vor-
sehung darauf aufmerksam
machen. – Kurz, ich halte die vorgeschlagene Missions- und
Visitationsreise für wichtig genug daß Du Barop sie nicht nur
machst, sondern mit Sorgfalt
möglich zu machen suchest. Ihr
bekommt so Mittel und Wege alles zu prüfen, damit wenn
einmal
der Augenblick der Entscheidung kommt, Ihr dann dazu geschickt und
vorbereitet seyd. -/
[15]
[Bogen] 8.
Am 9
en Tage im Monat des
Keimens und Treibens. Nun ist dieß schon der 8
e
Bogen
wieder und bey jedem der vorgehenden Bogen sagte ich mir
immer schon wenn ich sie mir
zum Schreiben zu recht legte: [„]
aber dieß wird doch der letzte seyn.“ – Ja gegen meinen Willen
ist der Brief so angewachsen; denn wie Ihr am Papier sehet, so
war er mit der Reitpost an Euch abzu-
gehen bestimmt, wird sich
aber nun wohl weil er so zu einer solchen Contifolie aufgeblühet
ist sich wohl gefallen lassen müssen mit der Packetpost zu
fahren. -
Aber warum war denn der vorige Bogen nicht der
letzte, war doch auf demselben alles
so abgeschlossen? – Darum,
weil eben als er bald beendigt war Dein lieber Brief
Midden-
dorff mit seinen achtbaren Begleitern den 3 Abschriften
von
Schnyder, von
Fichte, an Schnyder mit dem
Postzeichen „Rud. den 3
en März“ – Abends 6
Uhr, wie dieß gewöhnlich, bey mir eintraf. Ich mache zu
förderst
nur darauf aufmerksam, daß dieser am
Sonnabend von Rudolst: abgegangene Brief
schon am
sechsten Tage bey mir
eintraf.
Ehe ich nun auf die liebe Sendung selbst eingehe,
hebe ich zunächst das Schlagweise aufeinander
der Mittheilungen,
fast wie in einem mündlichen Gespräche, hervor. Eben wie von mir fast
der
letzte Federzug meiner mir vorgesetzten Mittheilung
geschiehet, trifft Eure liebe Sendung ein, die,
auch nur auf das
Nächste eingeschränkt, schon wieder zu gar manchen neuen
Mittheilungen auf-
fordert: Sehet hier wieder und machet gar manchen unter Euch darauf
aufmerksam, was es eigent-
lich heißt mit der größten und
ungestöhrtesten Ruhe und Sorglichkeit den inneren Lebensforderungen
nach[zu]gehen. Wie
wichtig ist es daß alles was die hier vor[her]gehenden sieben Bogen
enthalten nieder-
geschrieben ist. Wie gefaßt und vielleicht auch
ganz anders und weniger ursprünglich würde man-
ches auf das
Papier kommen; jetzt steht alles wie es steht und steht wie es
ursprünglich empfunden
und gedacht worden. Gestern wie ich nach
Lesung Eurer lieben Sendung, so ganz von Eurem Leben
im
Innersten des Lebens durchdrungen war, da kam mir auf ein paar
Sekunden, mein Leben im Äußern des Lebens mein äußeres Planmachen
wovon ich gleichsam herkam – gar sonderbar vor, es schien mir im
großen Contrast ja Widerspruch mit der Innerlichkeit Eures Lebens zu
seyn wie mir solche Eure Mit-
theilungen vorführten ja ich
fürchtete darum sogar, diese meine Mittheilung, die Mittheilung
meines
äußerlichen Lebensplanes möchte Euch unangenehm berühren,
und Ihr möchtet Euch dadurch in Eurem
Innern zu einem
mißbilligenden Urtheil über mich und dieß mein Handeln berechtiget
fühlen, so-
daß ich nun mir eine Stelle suchte wo ich die
letzten Blätter von den ersteren trennen könnte und we-
nigstens
vor der Hand zurück behalten. Dieß alles gieng in mir wohl kaum in
einer 1/3el Minute vor.
Wie gar bald
gestaltete sich aber alles ganz anders als ich von Euern
Lebensmittheilungen durchdrungen
an den letzten Federstreich der
meinen gieng, wozu der Schluß schon wirklich auf ein Blättchen notirt
war. Mit welcher Nothwendigkeit und wie so ganz an seinem
rechten Platze trat mir nun alles
entgegen; und nun gar heute
nachdem ich alle Mittheilungen nochmals
ruhig gelesen habe und
jetzt wie froh bin ich und wohl ist mir
daß alles beendigt ist nicht etwa nur eine Arbeit hinter
mir zu
haben, sondern um nicht etwa durch einen Blick nach außen veranlaßt
zu werden etwas
anders zu stellen. Ich hoffe daß Ihr darinne für
Euch und im Nothfall für andere einen Fingerzeig
eine Andeutung
findet, wie nothwendiges wohl im Leben überhaupt, aber besonders in
meinem
Leben wie es nun einmal Gestalt gewonnen hat, ist,
ungestört den Augenblick fest zu halten. Ich
kann im Ganzen so
ungestört arbeiten, dennoch habe ich oft Feuer unter mir, wenn ich
einen Gedanken
gern erfassen und umklammern mögte ehe ich durch
irgend einen Hauch oder Fliegengeräusch vielleicht
gestöhrt
werde. Erschrekken kann mich da das Klinken der Thür fürchten die
Magd tritt dann zu mir
der ich dann über zwanzig und mehrmals
schon dagewesenes Rede stehen muß, wie dieß so eben der Fall war.
Da ist man froh wenn man nur das rohe Element erfaßt hat, um
Form u.s.w. unbekümmert[,] man
ist froh wenn nur der, sich zur
Festgestaltung sehnende Stoff, -
festg ungestöhrt
festgestaltet an-
schließt – gefriert[;] nicht fragend welche
Festgestalt, und welchem Gesetz sie angehören. Heil-
froh wenn
nur erst die sich ungestöhrt gebildet habende Festgestalt da ist.
Über die Art und
das Gesetz über die
vollkommene Gestaltung dieses Gesetzes ist
dann noch Zeit
genug Untersuchung
anzustellen. Die
Giganten waren auch schon ehe Prometheus (
des Göthe)
seine
Menschen formen konnte aber /
[15R]
das übersehen die Herrn Philosophen, besonders die
Herrn Kunstphilosophen, sie vergessen daß
selbst die ersten
Grazien – die lieblichsten der Huldgestalten – nach
Winkelmann zuerst
nur
Quadersteine waren pp. pp.
Darum laßt sie nur philosophiren ob
ein Fröbel pp pp bestehen könne und dürfe als Fröbel, und wenn [er]
bestehe ob er zu den Menschen, wenigstens zu ihren
Idealen und somit zu einem nach ihren Maßstab
edlen und vollkommenen Menschen zu
zählen sey und ob ihm darum zu leben, zu schaffen zu
wirken
erlaubt ist, laßt ihn nur leben schaffen, wirken, seyn. Dieß ist er
aber alles schon da-
durch, daß er nur
ist, und die Herren Censoren
können nichts dagegen haben denn er hat sein Seyn
nicht von ihnen.
So habe ich mir
denn den Weg wieder gebahnet zu dem oben ausgeführten Plan des
äußeren
Lebens und zu dem was ich noch darüber zu sagen
habe.
Zu den größten und allgemeinsten universalhistorischen
Wahrheiten gehört wohl: - daß
bey allen menschlichen ersten und
original Unternehmungen für den Unternehmer und das
Unter-
nommene bey den urtheilenden Menschen gar nichts anders
entscheidet als – der
Ausgang.
Wo wäre
auch für ein noch nie Dagewesenes im Bereiche des Dagewesenen der
Prüfstein? - -
Also erst muß etwas daseyn ehe man etwas prüfen
kann. Nun ist aber mein Leben[s]ziel, und
mein Lebenszweck,
äußerlich noch gar nichts Daseyendes, also
auch noch nicht Dagewesenes, also
auch
äußerlich und
von Außen
her noch gar nicht für die
äußerlichen Menschen zu prüfendes.
Sie bekriteln mein
Raupenleben – schon bin ich verpup[p]t; endlich geht ihnen darüber
ein
Licht auf, sie suchen die Puppe und ich entsteige ihr in den
klaren Äther; Sturm, Regen pp die
stumm waltenden Naturgewalten
führen mich in ihre Hand, sie tödten mich; getödtet werden
lasse, löse ich des Lebens Sphären, des Lebens Kugeln im Innern
– denn ich kenne das große Geheim-
niß der Selbstbefruchtung –
sie sinken nieder in den Schooß der Allmutternatur die sie
pflegend aufnimmt und die unsterbliche Psyche umschwebt den
Hügel wo mein Leichnam ruht.
Oder. Eben aufgebrochen von dem
lebenvollen Mayregen und der lebenweckenden Frühlingssonne
tadeln sie mich den groben Kern daß ich meine zarten Herzblätter
durch so unförmliche Saamen-
lappen schütze, doch indem sie noch
tadeln habe ich schon aus mir den harten Stengel getrieben
und
von neuem die Herzblättchen versammelt in die schützende harzige
Knospe; da brummen
sie über den unbeugsamen Gesellen der nicht
verstehe das Zarte zu pflegen; sie brummen noch
und ein
Blätterstern im Gewandte der ewig grünen Hoffnung entfaltet sich aus
der braunen Har-
zigen Knospe. Wie Wilde und Kinder die alles nur
durch die Zähne und den Mund prüfen zer-
malmen sie das Blatt
zwischen ihren Mühlsteinen , die besser um ihren Hals hingen als im
Munde stehen
bitter <zieht es> ihnen den Mund zusammen sie
spucken und schimpfen; auf stehen sie spucken und schimpfen da laß
ich meine Blätter sinken, die ich durch Nacht wieder in mich aufnehme
und aus der Reife erhebe zur Blüthenknospe. Jetzt meinen die Frevler
gewonnenes Spiel zu haben, denn eine Knos-
pe habe sie vor sich
nun philosophiren sie 2 folgt auf 1. also folgen aus der ein[en]
Knospe minde-
stens 2 Blätter,
aber und schon ist der Stab der Verdammniß
gebrochen, da entfalten sich fünffach
und wie ein
SonnenWeltensystem die Sonnen der
Blüthen, gaffend steht der dumme Pöbel da und
redet mit Verstand
und Erfahrung und Einsicht: wären die festen grünen Blätter nicht
besser als
dieses Flatterwesen, wird [nicht] lange Bestand
haben, könnte dort zur Noth seine Blöse bedecken, schon
ist das
Messer gezückt, da sinkt die weiße Blüthe zur dunklen Erde, da sinkt
der Tag zur
Nacht daß er die Frucht bringe; da entsteht wieder
das schützende Rund. Wart denken sie
die argen Gesellen nicht
sollst du uns wieder foppen, ehe du wieder ins Nichts zerflatterst
wollen wir mindestens als
Capern dich
capern; däppisch bringen sie die saure Frucht zum
gierigen Maul, da schreyen und laufen sie zu Helfern u
Helfershelfern Äxte u Säägen
zu holen das Lug- u Truggewächs zu
fällen, doch die Sonne scheint heiß, kühl
sind die Nächte
mürbender Thau fällt aus dem reinen Äther, der
Apfel ist gereift rothwangig, süß
sonnen-
reich, da empfängt ihn aus der und durch die Hand des
sinnigen Schäfers die
Schönheit zum Preis; es
es [2x] empfängt ihn die ewig sich
verjüngende Natur, die
ewige
Braut, zum sich stets aus sich erzeugenden /
[16]
Liebespfand. Da kommt der [sc.: daher] gezogen, das Heer der
Schergen, der
Baum fällt unter ihren
mörderischen Streichen, prassend, hohnlachend daß Wald und Berg und
Thal wiederhallen sinkt er; denn die Frucht ist
gerettet zur Pflege der heiligsten
Jungfrau.
Also – größte Lebensregel –
bey allem wahrhaft und ursprünglichen Großen was der Mensch
unternimmt, muß er nie irgend ein Einzelurtheil, welches es auch
sey, vor und im Auge haben
sondern nur die klare Gesichertheit
des Ausganges. Darum darf uns nicht die eben
neben
uns wegsterbende Mitwelt Prüfstein und Richter seyn,
sondern die ewig neu geboren wer-
dende, sich in immer
gesteigerten Stufen vervollkommnende Nachwelt, - ja, die unsterb-
liche
Vorwelt. So also und nicht anders auch in und
bey meinem und unsern menschener-
ziehenden Unternehmen. Wie aber
die Vorwelt? - - - Gestern habe ich es
angedeutet als
ich sagte: Dieses eine
auf mehreren Bildungsstufen also (in der Vorwelt) schon dagewesene Leben soll pp.
Doch zur
Sache: unser Lebenszweck ist ein, in dieser Klarheit und Bestimmtheit
noch nie dage-
wesener. – Ich habe einmal gelesen, die schöne
Gartenkunst sey die schwierigste der Künste, weil
man durch noch
unbedeutende junge Bäume, unscheinbares Gebüsch und noch nicht
sichtbare Gewächse
ein Gemälde schon viele Jahre zum Voraus
entwerfen müsse, dessen Ausführung gleichsam [der]
Ausmahlung
durch den [sc.: die] selbstständig wirkenden Naturkräften überlassen
werden müsse.
Diesem ähnlich ist der Zweck unserer
Menschenerziehung: wir erstreben durch sie ein sittliches
und eben darum vollkommen klar
bewußtes Natur-Menschenleben; also das reine Menschen-
leben als
ein ungestöhrtes Naturleben, im, mit und
durch Bewußtseyn als ein sittliches
religiöses und frey–selbstthätiges zu leben. Diese Aufgabe kann
von der Verstandesansicht aus,
theoretisch nicht verstanden,
ihre Lösung nicht begriffen werden, weil die Wirkung des Geistes und
der Kraft, die religiöse Wirksamkeit im höchsten und
allgemeinsten Sinn – nicht vom Verstande
aus erfaßt werden kann
und weil die Lösung ihrer Aufgabe nothwendig die innigste Einigung
mit der Natur fordert, oder ganz individuell ausgesprochen nur
auf Grundeigenthum auf
Ländereybesitz pp kann ein zweytes
Keilhau wachsen. Nur so einzig nur so kann es der Zukunft, der
Nachwelt - zur Prüfung entgegen wie der Vergangenheit u Vorwelt nach
wachsen. Deßhalb dürfen
wir keine Gelegenheit dazu aus den Augen
lassen. Da nun aber die wirklich nothwendigen Bedingungen
zum
Daseyn einer Sache als wirklich erscheinend
oft nur leise auftreten, so muß der Mensch
wachsamen Geistes
seyn damit nicht wie das Sprichwort sagt: das Glück zur Thür herein
kommt
und zum Fenster hinaus fliegt. Dieß zu beachten ist
besonders beym Handeln in einer Mehrheit der Fall, die sich nicht mit
einem Schlag zu gleicher Absicht erheben läßt. – Dieß also noch zur
Rechtfertigung meiner obigen Darlegung, wenn es deren noch
bedurft haben sollte. –
Nun zu einigen Bemerkungen über Eure
jetzige Sendung der Liebe und des Wohlwollens.
Der sonst
hochachtbare
Fichte schreibt in
seinem übrigen sehr gedachten Briefe an
Schnyder: [„]Ich
erwarte von
keinem Erziehungssystem an sich, überhaupt von nichts
Einzelnen, eine Grundreform
der
Menschheit.“ Gut! Erstlich giebt es denn nur in der Erscheinung,
und als er-
scheinend, im
Gebiete des
Daseyenden irgend etwas anderes als Einzelnes? – Kann nur der Mensch
und
das Einzelgeistige Wesen sobald es denk-t, etwas anders
denken als ein Einzelwesen; Denken
wie ja auch die Gliederung
des Wortes sagt heißt ja in Grenzen einschließen, entweder in
sehr enge oder höchst weite. Wenn es nun im Gebiete des
Daseyenden und Erscheinenden gar
nichts als Einzelnes und
Einzelheit
Individualität giebt,
was keine Grundreform aber nicht von
dem Einzelnen aus
nicht durch das
Einzelne hindurch gehen
kann und
darf, so ist also auch
rein jetzt und
nie eine Grundreform der Menschheit zu denken; dieß dünkt mich wäre
so
wirklich als klar einleuchtend.
Zweytens. Man sieht diese
gelehrten Herren haben nie [wie] in Keilhau
eine Figur erfunden oder eine Gestalt. Ha[b]t Ihr Schüler und Lehrer
und Meister der Figuren- und Gestalten[-]Erfindungskunst nicht zu
Euerm Leidwesen nicht die Erfahrung gemacht, daß wenn
Ihr – eine
winzige Linie nur etwas anders gezogen habt, daß dadurch die ganze
Figur, Gestalt
Gebilde
von Grund aus
eine ganz andere geworden ist?- Doch ich will es auch organisch
zeigen.
Ihr habt eine Figur aus
wagrechten Linien, nun fällt es einer
Linie einer
einzigen
ein: ich /
[16R]
habe nun doch auch lange Zeit auf
dem Bauche gelegen, ich will doch auch einmal
auf
meinen
Füßen stehen, sagt bringt das
Wollen einer einzigen mit dem übrigen
zu
einemgeschlossenen Ganzen verbundenen Linie, wenn ihr
Wollen aus einem
Willen hervorgeht
also ausgeführt wird nicht eine Grundreform in der ganzen Figur
zu wege. – Oder Ihr habt
eine Figur aus lauter Halbschiefen
(oder wie Ihr sonst die Bedingung setzt) von
einfacher Länge und es
fiel nun nur
einer einzigen Linie ein, eine halbschiefe
Linie von
zweyfacher Länge zu werden.
Wir giengen davon aus es sey eine als ein Ganzes in sich
geschlossene Figur; meint Ihr es kann
und werde dieß auf die
andern Linien ohne Wirkung bleiben? – wenn anders diese
eine einzigeLinie
ihren Willen nur
fest
hält? – Erinnert Euch nur zum Überflusse was die Dresdner
Gasbe-
leuchtung vom
charaktervollen Mann
sagt. Auch in der
Kryst Chemie in der
Lehre von der Krystal-
lenbildung und Krystallen
Erziehung (wie sich einmal
Pfaff in Kiel ausdrückte) zeigt
dieß. Habt Ihr es
nicht schon an einem
Bleybaume gesehen wie die kleineren Krystalle
sich freywillig auflösen
um am großen gemeinsam gebildeten
Krystall das
Gesetz der
Festgestalten um so schöner,
voll-
kommener und klarer darzulegen? – Doch dieß führt sehr und
zu weit, man müßte über
so etwaswenn
man es besonders in
Beziehung auf die
Einheit fest
hielt gleich ein ganzes Buch, ja
eine
Bücherey schreiben, und zuletzt
gieng daraus gar eine Grundreform der
gesamm-
ten menschlichen Vorstellungsweise und des Menschlichen
Lebens hervor. Freunde, Brüder, Geliebte.
Eben das
Festhalten in
Beziehung auf die
Einheit
und
von der Einheit – Mitte – gefordert
und bedingt – das, die kleine
Einzige
ist es von dem alle
Grundreform ausgeht
(durch den Ein-
zelnen kann ich noch hinzufügen) denn diese
r Einheit, die
Mitte, dieses
Einzige
ist selbst der Grund
aller Dinge. Aber freylich vor diesem
festen Festhalten des
Festen, da erschrecken sie und
sagen:
„Mensch ich bitte Sie um Erlaubniß wenn Sie anders Mensch seyn wollen
so reden sie [sc.: Sie] doch menschlich, wenigstens
deutsch, denn das deutsche ist, leider! so
schon hart genug. Sie kommen ja
bald auf FriedrichFröbels in
Keilhau Sprünge der sogar Kauderwelsch einen Fürsten, Bedenken Sie
nur! einen Fürsten! den ‚
strebendsten’ der
Fürsten zu nennen wagt.“ – Aber sie wollten dem Edelhaften die
Schwingen beschneiden, daß er das
streben vergessen möge und –sie haben sie
ihm beschnitten.
Wer freilich wie die Spatzen von Zweig zu
Zweig fliegt wo die reifesten Kirschen zu schmaußen
fand der
wird freylich nie zur Ansicht und zur Idee eines Baumes kommen. Doch
dieß wollen sie
darum heben sie die
Anschauung der
Einheit
des
Mittelpunktes der Menschheit hauf [sc.:
auf]. Sie wollen
sie zu einem Kugelhaufen herabwürdigen und
selbst da, wenn ich
eine Einzige, freylich
darum auch
nicht jede (: dieß
verwechseln die lieben Ge-lehrten wieder und setzten verwechseln im
Denken
einen und
jeden :) – demnach lese ich in meinem
dießjährigen LuzernerCalender: - „Keine äußere
Einwirkung auf
Kinder bleibt
ohne Gegenwirken.[“] Nun sind wir aber
alle in gar mancher Bezieh-
ung Kinder
also bleibt auch auf uns Menschen
keine
Wirkung
ohne Gegenwirkung, folglich
muß
aus allen diesen Gegen Wirkungen zuletzt ein
Gegen-werk, also ein Neues
Werk hervorgehen
u.s.w. Mit kurzem Worte –
was soll ich länger Euch und mich ermüden: das
Anrühmen und
Anprei-
sen ja fordern des
Wechsels u.s.w. ist die
Verführung, die
Schlange des
Teufels und der
leidige Satanas
selbst – (:
wenn er nicht mit Nothwendigkeit aus
dem Festhalten der Einzigen
Einheit hervorgeht :) – Seht
nur die Journalisten, die Almanachisten wie sie nach Wechsel jagen.
Zeigt mir nun ihre Größe und die Größe ihres
Wirkens, ihr –
großes
Werk. – Ihr seit [sc.: seid]
<> Männer, das ist wahr
sehe ich aber zu Zeiten das Einwirken der Menschen auf Euch, so wird
mir auch, verzeihet mir es bange, ich denke: werden sie sich
denn vor diesem Schlangengezücht ver-
wahren können? – Doch mit
Vertrauen und hohem Vertrauen hat mich [sc.: mir] da z.B. Dein
Urtheil
Middendorff bey
Flecks Äußerung über die
Erziehenden Familien gefall
ten: Nur
aus der
Einheit
kann
Mannichfaltig-
keit kommen. Haltet
fest die Bahn die ihr [sc: Ihr] betreten habt und Ihr werdet das hohe
Ziel erreichen.
Dir Middendorff aber aus Dankbarkeit die
Gesellschaft der holden Prinzessin im Torquato Tasso v.
G.[oethe] [III,2,1882-1890]
“Was ich besitze mag ich gern bewahren:
Der Wechsel unterhält doch
nutzt er
kaum.
Mit jugendlicher Sehnsucht griff ich nie
Begierig in den Loostopf fremder Welt,
Für mein bedürfend
unerfahren Herz
Zufällig einen Gegenstand zu haschen
Ich
mußt’ ihn ehren [sc.: Ihn mußt ich ehren] darum liebt’ ich ihn;
Ich mußt ihn lieben weil mit ihm mein Leben
Zum Leben ward
wie ich es nie gekannt. [“]
Ja! dieß ist immer der
Preis des Festhaltens des Einen. /
[17]
[Bogen] 9.
Auch mir wird mit
ihm, dem
Festhalten des Einzelnen, ein
so, ein
damit u
dadurch Einzigenmein Leben zum Leben von
welchem ich am Ende jedes Jahres, jeder Woche, am Abend jedes Tages
in Beziehung auf den Morgen, am Ende jedes ganz durchlebten
Gedankens sagen muß: - wie ich
es nie gekannt.
Es liegt
zwar durch Eure jüngste Mittheilung wieder viel zur Durcharbeitung
vor mir, doch
erlaubt mir von wegen der Einzelheit – denn wie wäre es denn wenn ich
zeigte es giebt keine Einzelheit
dem Wesen nach eben weil es nur
Individuen Sonderwesen giebt – ein Naturbild zu betrachten.
Nun, eine Eichel, wie es fast der Name sogar sagt, ist doch etwas
Einzelnes: Diese [Tatsache] wird mir doch
niemand wiederstreiten, sonst wäre ja sogar aller Streit aufgehbar.
Trägt denn nun aber die
eingelegte Eichel nicht das Wesen der
ganzen Eiche auf das Vollkommenste in sich! –
kann
die einzel[n]ste Eiche nicht das ganze Wesen der Eiche also
auf das Vollkommenste wieder aus sich
darstellen? – Wenn man ihr
anders die Bedingungen dazu erfüllt
Zeit,
Raum,
Stoffen? – Wenn
nun dieser Eichkern von einer
einfach, ja
allseitig beschädigten Eiche ist, wird dann
die Eichewelche
aus
diesem Eichkern nun ungestört im Besitz
aller
nothwendigen Bedingungen heran wächst
ja auch eine so
vielfach, ja
allseitig beschädigte Eiche seyn müssen, ja
ich möchte fast sagen: seyn
können,
oder würde sie im
Gegentheil vollkommen und
gesund in jeder Beziehung nicht sogar seyn
müssen! – Was denken sich denn nun die Herren
Ge-lehrten von einer Grundreform der Menschheit.
Sollen dadurch Menschen erscheinen die den Kopf unter dem Arme
tragen mit den Nägeln der Fußzehen riechen
und sich mit den
Fersen die Zähne ausstochern? – Ich denke mir freylich darunter etwas
sehr Einfaches:
Die Erscheinung
gesunder
Menschen, welche in der
Gesammtheit ihres
Wesen[s] für die jetzt
mögliche
Entwicklungsstufe der Menschheit vollkommen
das sind, was sie sein
können und darum
sollen.
Dazu hat nun der Baum seine Bedingung in sich und der Mensch
sollte sie nicht haben? – Ich glaube ich habe schon in diesen
Mittheilungen irgendwo das Gleiche in anderer Beziehung, mindestens
in anderer Verbindung ausgesprochen. Also der Eichkern nimmt sich
erstlich vor eine
gesunde Eiche zu werden, zweytens die
Gesetze und
Bedingungen den
Hergang
dabey
wahrzunehmen, sich seiner also zugleich
[um] menschlich zu reden vollkommen und klar
bewußt zu werden. Ihr seht nun hoffentlich wohl
ein, wenn er
[der Mensch]
einmal das
erste
will, so muß ihm auch das zweyte
können möglich seyn, und er muß noch über dieß das
dritte
können, sich nemlich vorsetzen und
ausführen; nun will ich aber auch alle meine
Eichenbitterkeit
zusammennehmen, daß dem wer mich anbeiset und annaget der Mund so
zusammen ge-
zogen werden soll, daß er ihn nie wieder, wenigstens
nicht zum Zernagen meiner öffnen soll;
meint ihr [sc.: Ihr]
nicht daß die Eiche, wenn sie einmal das erste
will auch in Beziehung auf das
Dritte so denken und handeln könnte und so
einige Eichelextracte in sich kochen könnte, wie man jetzt
Kaffeeex-
tract verkauft. Und der Mensch dem man doch gleich von
vorne herein das Wollen u den Willen
und das Denken und das
freythtätige selbstbestimmende Handeln zu geben muß sollte schlechter
als ein
Eichkern handeln wollen? – Doch noch einen Blick auf
unsern Eichkern. Was meint Ihr wohl
was wird diese Eiche für
Eicheln als Saamen tragen? – Nun doch hoffentlich mindestens ihr
der Eiche und ihm, ihrem Eichkern aus welchem sie hervorkeimte
gleich. Was werden die
Eichkerne dieser Eiche thun, sollen sie
schlechter (
handeln) werden da sie
nun
wissen wie man eine ge-
sunde Eiche seyn und
werden und bleiben kann. – Welche Eichen werden nun länger bestehen
die aus schlechten oder guten gesunden Saamen entstandenen? –
Nun das Endergebniß: müssen
nicht am Ende alle kranken Eichen
aussterben muß es nicht nur Wälder gesunder Eichen
geben??? - -
Ist der Mensch schlechter als eine Eichel? – Es war eine
Einzelne Eichel
sollte der Einzelne
Mensch schlechter seyn als die einzelne Eichel? – Also Ausdauer und
Fest-
halten des Einen – sey es Anfang immer Einzel-Willens nicht
nur
durch als EinzelWillen durch
ein Einzel Menschenleben, sondern durch das Leben ganzer
Geschlechter – aber Klarheit des
Zweckes – Klarheit des Weges –
Klarheit der Mittel. Zweifelt nicht das Ziel [dann] wird nicht
verfehlt
der Preis wird vom Einzelnen wie vom Ganzen errungen
denn – jedes Ding und Wesen will
das vollkommenste und beste in
seiner Art seyn, aber wo ist die Grenze seiner Art?? – ist
der
Stein und Baum u
Mensch nicht Wesen
gleicher Art –Geschöpfe Gottes!!! Also
dadurch auch die /
[17R]
Bedingung der Fortschreitung
zur Vollendung gegeben und zwar von einem einzelnen Eichkern
aus. Doch wenn Euch diese Anschauung und Andeutung nicht genügt
oder un[an]gemessen ist, hier eine
andere: Was meint Ihr wohl
wenn ein allereinziger Einzelner Eichkern dieß fest hielt
er
einen
bewußten Eichbaum, Lebensbaume
aus sich entwickelte, welcher
Saamen, Eichkerne
natürlich zu gleichen
Eichbäumen trug, müßte das nicht zuletzt eine Veränderung
hervor-
bringen welche sich über das ganze Gebiet der Natur und
so auch des ganzen menschlichen Lebens
verbreitete? Nun kann man
doch aber eine solche Handlungsweise wie hier der Eichel bey
ge-
legt wurde dem Menschen wenigstens zunächst in der
Möglichkeit gar nicht absprechen; was
nun aber nur erst möglich
ist, und wieder nur eben erst die Möglichkeit erkannt ist, das
kann auch einmal wirklich werden. Was meint Ihr nun was die
Folge seyn könnte und müßte
wenn ein Mensch den Gedanken, ein
einzelner Mensch den Gedanken einen bewußten Lebens-
baum aus
sich zu entwickeln festhielt und nun eine wenn eine ganz
Einzelne Familie, denn
Einzelnes ist am
Ende Einzelnes heiße es Mensch oder Familie – diesen Gedanken
festhielt. –
Genügt Euch diese Anschauung noch nicht hier noch
eine andere zur Andeutung eines schlagenden
möglichen
Gegenbeweises gegen
Fichtes
Behauptung das [sc.: daß] vom Einzelnen nicht die Grundreform des
ganzen ausgehen könne – (: ich
muß dagegen
behaupten[d] ausgehen
muß; denn das
Mannigfaltige, oder wie schaut er sonst die
Menschheit als
Daseyend
oder
Erkennend an: - muß
sich doch
irgend worinne Einen. Dieses Eine sey nun das denkbar
Geistigste (wie es denn
freylich auch am
Ende ist) nun so muß es doch einen
Träger ein
Organ seiner Kinderahnung se-
ben?[sc.:
geben] - :) – Also noch die andere Anschauung gegen Fichte: - Die
Eichel ist doch das Einzelnste in Beziehung auf die Ganze Eiche ist
Theil der Eiche ist
Glied der Eiche wenn man lieber nun
wie nur jeder sich ausdrücken, das Verhältniß bezeichnen will.
Nun zeigt aber doch die
nicht zu wiedersprechende Thatsache, daß
die Eichel die ganze Eiche aus sich darstellen könne.
Was
aber die Eichel zu Eiche, das ist der Einzel- SonderMensch zum
Menschengeschlecht zur
Menschheit: also muß auch der Mensch die
ganze Menschheit in sich aufnehmen und
aus sich entwickeln
können; freylich nicht in einem Jahre, die Eiche thut es auch nicht
in einem
Jahre. – Weiter der Mensch ist aber nicht allein ein
Glied der Menschheit, sondern des Geistigen
an und für sich also
muß er auch das ganze Gebiet des Geistigen in
sich aufnehmen um aus
sich entwickeln und darstellen [zu] können
u. so weiter.
Noch eine
andere Anschauung dieses Gegenstandes gegen
Fichtes Behauptung und gegen die hingestellte Einzelnheit. – Ich
halte den obigen Vorsatz der Eichel sich
mit Bewußtseyn zu entwickeln
fest gut! will sie das muß sie wie
schon gesagt das Wesen und Ganze der Eiche
erfassen;
will sie das Wesen der Eiche erfassen, muß sie das
Wesen aller Bäume erfassen; will
sie
das Wesen der Bäume erfassen, muß sie das Wesen aller Gewächse
erfassen;
wo ist aber von den Gewächsen die Grenze abwärts zu
den Steinen? – Wo ist von
den Gewächsen die Grenze aufwärts zu
den Thieren? – Also, das ganze Gebiet der Natur
muß er
durchdringen! – Gehört aber der Mensch nicht auch zur Natur? - ? –
Also
wo soll der Eichkern aufhören wenn er sich mit
Bewußtseyn durchdringen und erfassen
will? – Er muß alles mit Bewußtseyn und mit Beziehung auf die
Einheit erfassen.
Also des Eichkerns Vorsatz Wille Thatleben
festgehalten in Ausdauer muß also
nothwendig die
Durchdringung aller Dinge in ihrem Ursprünglichen und Grundverhältniß
zur
Einheit zum Grunde haben. – Was heißt nun aber von einer
andern Seite her erkannt
und ausgesprochen: - eine Grundreform der Menschheit? – Wahrlich doch
nichts
anderes als eine andere erhöhetere einfachere Ansicht der
Menschheit, innerere Ansicht
des Menschen? – Was
heißt: Siehe ich mache alles neu? - -Was anders als ich
zeige
eine innerere, geistigere Ansicht aller Dinge in Beziehung auf ihre
Einheit – was
zuletzt anders als: - ich zeige die
nothwendige in dem Wesen der Dinge und
alles Seyenden liegende Einheit
aller Dinge? – Ich sage nun nochmals wie oben
was ich der Eichel beylegte, kann man
doch dem Menschen nicht absprechen; also? -- /
[18]
Ihr
sehet also Freunde so sehr ich
Fichte (und gar manche andere noch mit ihm) achte
und liebe, so
wenig ich will daß der leiseste Hauch von mir oder
uns ihn in seinem Vorhaben stöhren möge,
denn es ist höchst
erwünscht, im Streit (: S-drey-t :) entwickelt sich das Leben –eben –
dennoch
kann er in Beziehung auf [das] worinne wir unsere
Weltansicht [begründen] nicht
Richter seyn.
Er will es ja aber auch ganz und gar nicht; dann lasset uns sein
Vorhaben mit der größten Liebe und Freundlichkeit
pflegen, daß
es zur Ausführung komme.
Daß aber Fichte mir nicht Richter
sein kann darüber laßt mir [sc.: mich] einige Andeutungen aus seinem
eigenen Leben geben wie er uns dasselbe in seinen Brief an
Schnyder giebt: Er schreibt [:]
„und
darinn gleiche ich durchaus nicht meinem
Vater, der in Liebe und Haß in entschiedener Zuneigung
und
Abstoßung, keine Unterhandlungen kannte.“ Hierinn finde ich nun
ein zweyfaches:
erstlichein
verwerfendes Mißbilligendes der Erscheinungen
im Vater,
zweytens ein sich dem Vater
als ein
anderes und
fremdes,
getrenntes, ja
entgegnend Gegenüberstellen. Beydes ist ganz
gegen meine Lebensansicht: Die Erscheinungen im Vater können
weder verworfen noch gemißbilli-
get werden, denn sie waren
schlechterdings nichts andres als ein Ergebniß der gesammten
Lebens-
verhältnisse und darum an
ihrer
Stelle recht und nothwendig ob es gleich sehr Unrecht, sehr zu
ver-
werfen und zu Mißbilligen wäre, wenn der
Sohn an
seiner
also an einer in jeder Hinsicht ganz
andern
Stelle als der Vater seyn wollte was der Vater ist. Ich will
annehmen in Beziehung
auf Fichte nemlich der Vater war ein
Dorn, oder
Blatt,
oder Blatt Knospe, und der Sohn die
Roseoder Rosen Knospe. Habt Ihr noch [je]
einen Rosenstock gesehen der Rosen eher als Blätter trug? -
also
geht das Blätter- und Blätterknospe[n-]haben dem Rosenknospen[-] und
Rosenhaben mit
Noth-
wendigkeit und als
Bedingung unerläßliche Bedingung voraus, also nichts zu verwerfen
nichts zu
Mißbilligen ( Mein Grund zur Klage. Worte an Karl[s]
Grabe). Ich kenne die Bedeutung der Dornen
nicht; ich will
einmal annehmen die
Dornen contrahirten daß
die Rose extrahiren und impediren
könne, also Folge und Urtheil
wie oben ausgesprochen.
Das Vernichten und Aufheben oder
Mißbilligen wollen von Liebe und Haß kommt mir so sehr
einseitig
vor: eint die Blume welcher der
Seeleneinende Kuß entschwebte, als sie vom
süßen Duft getrieben,
den eignen Mund öffnete, eint diese Blume
nicht Dornen und Blume Haß
und Liebe? – Und was die Natur
eint will der Mensch scheiden? – Hat die Blume welche das
Sinnbild ist der Einigung des reinsten zartesten Gemüthes mit
der Gottheit, eint diese Blume nicht
Haß und Liebe? – Seht wie
sie am Stengel das kecke im Grünen nur aufgehende Laub
zu-
rückdrängt und immer mehr zurückdrängt, daß die Blüthe[n] in
ihrer Gemüthsreinheit erscheinen
können. Wenn nun das Sinnbild
der reinen Gotteinigung und Gotteinigkeit sogar Liebe und
Haß
eint und der Mensch will scheiden was sich geeint sogar der Gottheit
nahen darf? –
Anders sehe nun ich dem Verhältniß vom Sohne
zum Vater an, als es mir aus der Äußerung
Fichte’s hervorzugehen
schein[t]: der Sohn soll nicht nur den Lebenszweck, sondern sogar die
Handlungsweise besonders wo sie aus Grundsätzen und Lebensansicht
hervorgeht, auflösen d.h. in ihren Gesammtzusammenhang zeigen. Ich
will was ich meine in meinem eigenen Leben und durch meine eigene
Handlungsweise klar machen. Mein
Vater war wie bekannt ein strenger Mann, und ich
habe
diese Strenge oft gefühlt; er führte ein zweyschneidig
Schwerd und schlug damit viel Wunden, welche
wie ich mir habe
erzählen lassen,
meine (rechte) Mutter
durch linderndes Öhl zu heilen unbemerkt
von ihm sich viel Mühe
gab. So stand er auch immer mit seinen Obern im harten Kampf von
welchen
er stets kräftige Unterstützung zur Ausreutung des
Schlechten forderte, und so war er von diesen fast
mehr
gefürchtet als geliebt; dennoch wagte ich 1809 an eben diese Obern
wegen {der einer dortmals be-
absichtigten Schulverbesserung zu
schreiben: „Ich werde und wolle zeigen was mein Vater ge-
wollt
habe und ihn in seinem Handeln rechtfertigen.“ Es wird wohl noch bey
den Acten darüber liegen.
Mag seyn daß mir jenes Wort mehr
geschadet hat als ich weiß. – Genug es zeigt meine
Überzeugung
hierinn; deßhalb hätte ich sie nun nicht eben so aussprechen
müssen.
Woher nun diese Erscheinung in den Überzeugungen und
Urtheilen der Menschen? – das erste: -
Die Menschen sehen die
Erscheinungen des Lebens
nicht im
stetigen Zusammenhang unter sich und in der
nothwendigen Beziehung /
[18R]
zur Einheit. Das
letzte: Die Menschen machen entweder die
Durchgangsstufen der Bildung
und
Entwicklung
fest oder sie
verwerfen sie ganz beydes ist gleich nachtheilig
und hat seinen
schädlichsten Einfluß auf die Fortentwicklung der
Menschheit geäußert, mir ist nur
der
Mensch-
heitserzieher bekannt welcher sich dafür bewährte,
welcher sprach: ich bin nicht gekommen auf-
zulösen sondern zu
erfüllen. Vielleicht theilen sich alle jetzt lebenden großen Volks[-]
und Men-
schenerzieher und so vielleicht auch ganz namentlich die
großen durchgreifen[d] wirken wollenden
Religionslehrer in jene
beyden Klassen. –
Um nun als praktischer, wirklich Frucht- und
Ziel bezweckender Erzieher seinen Zöglingen
die
verschiedenen Durchgangsstufen nicht nur
durchwandeln, sondern ihn auch nun in jeder so
lang
leben zu lassen bis er sich auf und in ihr
ausgelebt hat, dazu gehört eine große,
minde-
stens sehr vielgliedrige,
vielstufige Erziehungssphäre, und ich komme
so von etwas fremden
zur Beachtung,
auf die Beachtung des eben dargelegten äußeren Lebensplanes zurück.
-
Ich erlaube mir nur noch in dieser Beziehung die Bemerkung
welche ich euch aber sehr zu beherzigen
bitte – (Was im großen Lebensganzen dem einen Sprosse,
Staffel, zum Emporsteigen ist und seyn
kann und ist, kann dem
andern kann einem andern als Preis- Krone und Kranz am Ende seiner
Laufbahn seyn. Was gehört nur schon dazu dieß nur im Allgemeinen
zu erkennen, im Allgemei-
nen festzuhalten und auszuüben? – Was
gehört noch bey weitem mehr dazu dieß in jedem
besondern
einzelnen Fall zu erkennen, fest- und auseinander zu halten, jeder
dieser so
entgegengesetzten Lebensansichten und Lebensziele sein
Recht zu geben? – Ich bitte Euch betrach-
tet mit mir nur einen
Rosenstrauch und bedenkt, haltet fest was er uns, was er Euch lehrt:
- Die gleichen Säfte die der eine und ebenderselbe Strauch
bildet in einem und ebendemselben Stamme
<verwande[l]n>
sich
hier zum Stamm,
umfassenden Splint, welcher nie das Tageslicht
siehet, welcher end-
lich sogar zu Holz verfärbet, und
dort zu der nach
Entfaltung strebenden Knospe. Sagt mir
wie
sollen die Geister dieser beyden Wirkungssphären als Personen gedacht
sich gegenseitig be-
trachten und beurtheilen? – Weiter die
gleichen Säfte bilden sich zu
Knospen,
dort
entfaltet
sich die Knospe zum langen Schoß reich mit
Dornen und <->
zerstreuten Blättern im warmen
Gründer
Natur.
Hier
entfaltet sich die Knospe zum kuglichen Runde mit zahllos in einem
Punkte
einer Mitte
versammelten
Blätter im ewigen
Rothe des
Gemüthes. Wie sollen diese beyden
Knospen als Personen betrachtet sich nun beurtheilen? – Sollen
lauter Blätter- und Schoß-
knospen oder sollen lauterBlumen- hier
Rosenknospen getrieben werden? u.s.w. Meinet
Ihr es sey im Leben
der Menschen anders als hier am Rosenstrauch? – Nein! wie diese
beyden Verschiedenheiten und die vorigen beyden sich an einem
und eben demselben Rosenstrauch
finden so finden sich die
bezeichneten oder ähnlich entgegengesetzte in einer und ebenderselben
Familie ja – oft in einer und ebenderselben Stube. Was soll nun
ohne
Erkenntniß,
ohne
Bewußtseyn, ohne
Einsicht, ohne
Durch-
und
Überblick, wenigstens von einem
Punkte aus
die
Folge davon seyn[?] Ich bitte Euch fühlt und
denkt es durch, lasset Euch dabey noch die Erfahrung
von Euch
und andern lehren, und saget mir und Euch dann das Ergebniß. Oder
meinet
Ihr die Menschheit sey weniger geringer als eine Rose und
trage weniger Mannigfaltigkeit
in sich als eine Rose? - - ich
denke mehr! - - Also nur ein
verhältnißmäßigund mit
Stetigkeit,
Sinnigkeit
und
Bewußtseyn entwickeltes umfassendes und somit
Großes
Leben (: aber N
B kein
gemachtes :) kann die
umfassende und
erfassende
Entfaltungmöglich machen. Ihr werdet daraus abnehmen
welchen schon ungeheuren Beruf jedes
Familienhaupt welche
Verpflichtung es hat; denn jede
Familie ist
bestimmt
Ausüber und
Dar-
steller eines
solchen
Menschheitsganzen zu werden. – Ihr
seht mit welchem Beruf und Ver-
pflichtung schon jeder gereifte
Jüngling und junger Mann (: ja selbst die Jungfrau nur ist die
Dar[-]
stellungsweise anders das h.
entgegengesetzt gleich :) sein Leben betrachten
soll, denn er ist bestimmt
Familien Haupt (wie jene Familien
Herz) zu werden: - Ihr seht weiter – diese
großen,
er-
und
umfassenden Lebensansichten und
Lebenseinsichten kann uns nicht die arme
Bücher- und
Wort[-]
sprache geben
obgleich ihr Wesen auch einzig nur symbolischer Art
ist, und sie dadurch /
[19]
[Bogen] 10.
nur ihre Wirksamkeit hat – (: deßhalb muß sie
physikalisch und mathematisch-naturhistorisch, betrach[-]
tet
werden :) –
sondern nur einzig die unmittelbare
Sachsprache der Natur.
Sonntag am 11en Tage desselben Monats. Ich habe zwar schon,
gleich mit dem Beginne des Morgens
in das ganze Leben versetzt,
heute schon fast die ganze vorstehende Seite niedergeschrieben,
allein
ich kann doch nicht umhin Euch Ehe ich fortfahre, heut
einen eben solchen sonnigen Sonntag mit solcher
Begrüßung von
Drossel Gesang zu wünschen mit (Paukenschlag) unserm Vogelgekos,
schmerzvoll sehnendem Gympelrufe u der Goldammer keckem [„]sitz ich
da[“] und dem Wogen des Glockengetöns
von allen Seiten als ich
mich heut erfreue.
Nun weiter auf der vorgezeichneten Bahn
zum endlichen Ziele.
Fichte schreibt in seinem Briefe an Schn[yder]
weiter: -„von keinem
menschlich
erdachten Mittel“ pp
Dieß bringt mich auf den Gedanken:
dem Fichte, welchem es doch um eine gründliche Darlegung
des
Ganzen zu thun zu seyn scheint doch auch doch auch noch einige
handschriftliche
Mitth
Aus-
arbeitungen und Darlegungen unseres erziehenden Lebens und
Wirkens zukommen zu lassen;
ich meine hier vor allem die
Ausarbeitung im Oktober 1830 für den Allgem: Anz: und für die
Isis dortmals bestimmt, über Menschenerziehung, wo ich von der
unseren sage: „sie ist wohl
ge-lebt aber noch
nicht er-lebt“ – „sie ist wohl ge-funden, aber
nicht er-funden“ – so könnte
ich um zum gleichen Worte mit
Fichte zu kommen, hinzufügen: - sie ist wohl ge-dacht, aber nicht
er-dacht. – Vielleicht auch selbst einiges aus dem Echo z.B. das
Bild des
Erziehers; die Entwicklungs[-]
und Bildungsgeschichte ganz oder zum Theil. Denn bedenkt nur
seit dem zum letzteren Maale etwas
von unserer Erziehungsansicht
gedruckt worden ist, sind nun schon mehr
als
sechs Jahre verflossen
welche
Fortschritte in der Entwicklung, Ausbildung und Darlegung seit jener
Zeit! - - Dieß bringt
mich auch wiederkehrend zu dem Gedanken
zurück: ob es nicht wirklich zweckmäßig sey, wenn
manches von
der jüngsten Ausarbeitung wie das auch wohl sonst geschiehet – als
Manuscriptfür unsere Freunde gedruckt
würde, damit das leichtere und allgemeinere Verständniß
wenig-
stens unter diesen leichter gefördert würde: es ließe sich
dann z.B. mittheilen an
Fr. v.
Arnim -
Fr: von
Ahlefeld –
Leopold Teske
–
Gustav v. B.[ischofshofen] –
Dr. Martin –
Dr. Fleck –
Gen: Sup. Zeh – HE Adj. Burkhard
in Remda -
Dr.
Bagge in Frkf. –
Em:[il]
Schwarz –
Fr: v. Holzh. –
HE
Schnyder -
Emile Sommer
in Rud. – HE v. Witzleben das. – Pfarrer Kandler – dem
Kapp in Hamm -
Christian L[an]geth[a]l.
Sup: Lommler in Saalf. – Sup:
Hermann in Hildburgh. gewes: Pf. in Möhra – An
Georg Luther. – Selbst
für
Euch sämmtlich untereinander zum augenblicklichen Nachschlagen und
Prüfen wie es das innere
Bedürfniß giebt und fordert. – Ich kann
noch hinzufügen –
Pfarrer Korn –
Pfarrer Lumberstädt in B--
Blasche in Waltersh. –
Kosel in Frkfurt u.s.w. u.s.w. je nachdem man sich
den Kreis groß oder
klein stecken will z.B. noch
Wilhelm Wagner Red. Der
Didaskalia in Frk. – D
r. Freyeisen in Frkf.
doch – jemehr man sich ausbreitet desto fester, geschlossener,
sich mit sich selbst und in sich selbst ver-
stehender dessen in
sich muß man da stehen; desto tiefer muß in Nacht und Dunkelheit
getriebene Pfahlwurzel
z.B. der Eiche seyn. Ich sage dieß nicht
Euch, sondern mir, damit Ihr selbst finden möget was ich
sage
ist vorschlagend nicht fordernd. Das
Dawider, wie das
Dafür liegt selbst vor Euch da, daß
es
nichts weiter von mir bedarf.
Die Hauptsache bleibt immer die
– welche sich auch auf meiner ganzen jetzigen Lebensreise – wenn ich
mein Abwesendseyn von K. – so nennen will – bestätigt -,
unsere Leistungen bestimmen das
Urtheil
der Welt, der Menge des Publikums – nicht die
Grundsätze um die man sich eben so
wenig bekümmert als um den
Einfluß unserer Leistungen auf höheres und allgemeineres
Men-
schenwohl. Nochmals ich sage das mir, weil ich es mir nicht
oft genug zur Festhaltung wiederholen kann,
und ich es doch wohl am Ende selbst fest halten muß; wenn ich es
andern zum Festhalten aus-
spreche. Aber für uns, für unsern Kreis, den wir uns enger und ganz
eng, oder weiter und
weiter wie oben angedeutet worden abstecken
können ist die größte Klarheit Durchdring-
ung
und Lebendigmachung, Verallgemeinerung der Grundsätze, der und des
Grund-
gedankens nöthig. – Also auch von dieser Seite wieder
die Forderung, möglichst allseitige
und genügende, möglichst
vollkommen ausgebildete Darlegung des Lebensplanes im
angemesse-
nen Raum am angemessenen Stoff pp. denn
schaffend, übend
bildend, erkennt, durchdringt, eint man. /
[19R]
Jetzt noch einige Worte über
Schn:
[Schnyders] Brief an Euch.- Gut daß dieser Brief an Euch
geschrieben
war und nicht an mich, mich hätte er gleich wieder
in Harnisch gebracht, und gut daß der Bär
ihm gleich ein paar
klare Töne entgegen gebrummt hat; ich kann doch das
Wichtig machen des
Feindes und der
Gefahr im Tod nicht leiden, und dann doch wieder das am Ende
furchtsame und hasen-
füßige aufsetzende Anreizen. Dieß ist eines
von den 3 oder 4 oder mehr Stücken die ich in [den] Tod hasse.
Ein die Gefahr in seine Theile auflösender ruhiger Über- und
Durchblick, der kann stärken und den Sieg
bringen aber alles so
in einen Pot werfen das [ist] häßlich. Es kommt mir immer vor wie ein
gewöhnlich
schwacher Junge der einen Packan [Hund] anhetzt, wenn
sich dieser Packan aber gegen den Anhetzenden
kehrte könnte es
bald mit seinem Muthe am Ende seyn. Giebt man ihnen nun etwas auf den
an-
hetzenden Finger oder Mund, so reden sie von „erbosten
Pädagogen“ denen nur wohl ist, oder [sc.. aber] nichts anders können
als „den St...s“ [Steiß] ihrer Schüler mit der Ruthe abzukehren; aber
so vieles ist der Mann
sich selbst zu nehmen im Stande, daß er
nicht einmal ein zu ihm gesprochenes Mannes Wort für
ein
männliches Kampfes Wort halten kann, wie denn auch
Schn. wie ich nur eben erst aus einem
flüchtigen Blick in den Schluß seines langen Rückschreibens an
mich sehe meinen
Wehrbrief gar nicht
versteht auch mich nicht. Der mir zur Last zu legende Fehler (:
wenn anders er so zu nennen ist weil
ihm schwerlich hätte zu
säen gewagt werden können was zu säen
von mir gewagt worden ist :) -
ist
nicht, daß ich andere und die andern mir
mindestens ebenbürtig stelle; sondern er ist
daß ich andere nicht nur
mindestens
mir ebenbürtig, sondern sie wegen ihrer
äußeren Erfahrung
und
Er-lernten Kenntniß weit überordnend über mich
hinstelle wenigstens hingestellt habe.
Hieraus ist mir
unsägliches Leid hervorgegangen und ich könnte wohl ein ganzes Buch
darüber schrei-
ben so wie auch diese
Thatsache selbst eine der
wichtigsten zum Verständnisse meines Lebens wie
meiner Schicksale gehört – (: ich mußte mich nehmlich mir selbst
hingegeben und überlassen durch
alleStufen des Unbewußtseyns oder was gleich
ist des
Bewußtwerdens zum Bewußtseyn
empor-
ringen und bis jetzt ist dieß fast noch mein einziges,
mindestens Hauptgeschäfte :) – Achte du
nun einen Schlechten,
weil du ihn nicht kennst, und beweise ihm diese Achtung, so lacht er
dich
noch aus und verspottet dich, daß du so
dumm seyn kannst [ihn] für etwas Tüchtiges zu
halten, denn
sein Gewissen sagt ihm ja daß er
nicht achtungswerth ist und
nicht Achtungsbeweise verdient,
oder
sieht dich eben so dumm an wie der dumpfe Thiermensch welchen du als
Menschenmenschen begrüßst.
Ich habe in diesen Mittheilungen
schon zum öfteren
Schmidts Geschichten erwähnt, oder vielmehr
Schmidts Bearbeitung der Menschheitsgeschichte (bibl. Gesch:)
ich will mir doch auch noch erlauben
eine dieser Geschichten als
Gegenstück zu dem eben von mir getadelten Verfahren selbst in des so
wackeren und achtungsvollen Schnyders Briefen herausheben. Es
ist dieß
Gideons Sieg (zu Anfang
der
Richter) Was brachte den Sieg? –
ruhend in der
geistigen Einheit – (nicht aber gestützt auf
äußere
Mannigfaltigkeit, selbst nicht auf die Macht des eigenen Arms) –
gaben sie
Sprache dem
Toden [Toten] und brachten
Licht in die
Nacht,
.u.s.w.
Endlich auch noch ein Wörtchen auf Veranlassung Eurer
Antwort auf Schn: Brief: zu der
köstlichen Stelle desselben: -
„die nicht vermochten sich unter die Wahrheit zu beugen
und ihr zu huldigen sie kommen von wem es sey, von irgend einem
Menschen, von einem Stein, oder
einer Pflanze
oder auch in welcher Kot
süß oder sauer u.s.w.“ Dieß Wörtchen ist nemlich die
Bildungsgeschichte
des Erziehers in der Steinsammlung und durch den Steinkrystall, welches gleich das Gegenstück
ist, endlich aus ders zwar aus
früher Kindheit aber niedergeschrieben in derselben z.B.
das
Ruprechtsblümchen.
Zuletzt
noch Euern ganzen Brief betrachtet und
verglichen mit meinem Brief an Schnyder
und andern ähnlichen so wie weiter ausgedehnt mit allen und
jedem meiner Schüler und Zöglinge verglichen und daraus ein Ergebniß von und
über meine Erziehungsfähigkeit gefolgert
und gezogen
welches ist es nun? – daß
sich jeder meiner Zöglinge und überhaupt ein jeder unter mir oder
durch mich
zu alle dem entwickelt und ausbildet,
was ich nicht bin, nun bin ich aber
Nichts also können sich alle
und jede[r]
durch mich zu allem, was ihnen möglich ist
entwickeln und ausbildet [sc.: ausbilden]. Dieß könnt Ihr allen und
jedem aussprechen welcher [sc.: welche] mich, oder Euch als mir
vertrauend durch mein Nichtseyn schlagen pp
wollen. /
[20]
Ich habe freylich, wie wohl nicht anders
als billig ist für mich auch einen Trost und vielleicht noch einen:
Ich tröste mich mit dem Wasser, welches
keine Eiche ist und doch Eichen nährt u.s.w. und mit dem
Lichte welches keine Rose ist und doch Rosen
u.s.w. ihre Farbe giebt.
Überhaupt sehe ich die Menschen haben
eine panische Furcht dafür [vor] – aufzuhören Etwas zu seyn
das Erregen und Verbreiten
dieser Furcht gehört nun auch zu dem was ich
noch weit mehr als
die Sünde hasse, denn
es führt zur Sünde und giebt doch nicht[s] was so ansteckend wirkt
wie jene
Furcht, dennoch wollen Menschen
die sich mir Freunde nennen und mir ihre Freundschaft recht
eindringlich und unzweydeutig beweisen wollen, mich sogern mit
jener Furcht erfüllen, in-
dem sie jeder schreye: „er wird in den
Koth getreten! Du wirst in den Koth getreten!“ - -
Mein lieber
Gott ist denn das ein so großes Unglück? – vergessen denn diese
Menschen daß
Du Schöpfer Deine ersten Menschen aus einem
Kothklumpen formtest, und ihnen dennoch Deinen Lebenshauch
einbliesest? – Vergessen denn diese daß der
welcher einst so vielen den Staar stach und
jetzt wieder ein
ordentliches Heer Blinder auf der lieben Erde finden würde – durch
einen Kothklumpen
sogar den Blindgebornen sehend machte. Ich
dächte nun sie sollten zunächst wenigstens
froh seyn wenn sich
einer zu Koth treten ließ, dann hätten sie doch Hoffnung
sehend zu werden, vor
der Hand wäre
doch wenigstens der Koth dazu da.
Was nun übrigens mich
betrifft so gestehe ich ganz unbefangen, daß ich weit lieber der
Kothklumpen seyn möchte aus welchem Gott den ersten Menschen
schuf, oder die Kothkugel
mit welcher Jener den Blindgebornen
sehend machte als selbst ein Herzog und als alle die zu seinem Heere
ziehen pp denn dann empfände ich doch wenigstens, - um in der Sprache
derer zu
reden die nicht oder selten im Leben die Wirkung des
Gottes Geistes empfinden – die unmittel-
bare Wirkung des
Gottesgeistes. Und wäre ich wenigstens die Kothkugel durch welche der
Blindgeborne sehend wurde, so könnte ich vielleicht schon allein
dadurch einen durch Jahrtausende
hindurch geführten Krieg und
Entzweyung schlichten und den Frieden bringen welchen die
Mensch-
heit und so sehr bedarf
damit sie endlich Ruhe zur Selbstentwicklung erhalte.
Aber
eines habe ich oben doch bey
Schn – Brief noch zu erwähnen vergessen, nemlich
dessen sonderbare Verwunderung daß man mich in der Schweiz für
einen Aristokraten
hält, ob ich ihm in meinem Brief an
Schwartz es bestimmt genug
angedeutet habe.
Ich verdanke dieß mit langem Worte dem
Hochwohlgebornen Herrn. Freylich will
sich nun auch; meines Bedünkens für einen freyen Schweizer nicht
recht passen, besonders jetzt
wo in der Schweiz und ganz
namentlich hier im Kanton ein Jeder welcher in dem Fall ist dieß
und alles was ihm anhängt vermeidet. Zumal da in der Schweiz wie
in Frankfurt ein Jeder
nur einen Herrn Schn – kennt. Daß Ihr nun
auch jetzt Euern Brief
Hochwohlgeborenstempelt nehme ich Euch nicht
übel, es gieng nicht wohl anders vor wegen der unmittel-
baren
Beylage. Allein im Verfolg halte ich es nicht für gut, denn jeder
solcher Brief wie
auch der Eure muß sich – was er auch wenn es
eine Ehre ist so sehr verdient – gefaßt ma-
chen gedruckt zu
werden; auch werdet Ihr am Schlusse seines langen Briefes sehen daß
er
sich selbst mir also uns gewöhnlichen Menschen ebenbürdig
nennt und erkennt, also lasset
in der Folge den Stempel weg. Er
schrieb an mich an den
Mitstifter, dann an
den
Mitvor-
steher der Wartenseer
Erziehungsanstalt; da ging mir bald ein Licht auf: jetzt schreibe
ich HE
X. Sch. v. W.
Mitstifter u
Mitvorsteher der W – Erziehungsanstalt
gegenwärtig in Frkfrt.
Nun dieser doppelte Doppelklang von W u
W, M u M. hat auch seine Reize, warum soll man
nicht auch
Philosophen
sich erlauben sich an
Klängen zu erfreuen, besonders einem Philosophen der Klänge. Übrigens
soll dieß meinen edlen, klaren, männlichen Schnyder nicht das
kleinste Fünkchen
an ihm und in seinem Leben trüben. Es ist auch
nur damit man über alles im Reinen ist und die
Sacheist wahr: man hat hier gesagt ich
habe es Euch hier schon geschrieben die Aristokr.[aten] haben mich
eingeschmuggelt pp.
Wie ich jetzt so für das Ganze überlege da
fällt mir etwas ein woran ich – sonderbar genug – gar
nicht
wieder gedacht habe. Nemlich daß ich gegen
H- [Herzog] gleich in der ersten
Zeit geäußert habe: Durch ihn den Schweizer vermittelt könne wohl
einmal eine Tochteranstalt von K. in der Schw. gegründet werden.
/
[20R]
Wie so gar sonderbar und besonders nach
vieljährigen ganz abwärts zu führen scheinenden Zwi-
schenspielen
verwirklichen sich fast nur aufblitzend hingeworfene Ideen. Es gehört
aber auch zu
den Thatsachen meines
Lebens, daß ich zu und für Ausführung jeder von
mir gehegten und andern
zur Ausführung hingegebenen Idee, ganz
persönlich und selbstthätig auf den Platz und Plan
treten
mußte mit völliger persönlicher Hingabe.
Vielleicht geht es noch einmal mit
einem großen Plane –
die Deutsche Erziehung als einendes Deutsches
Gesammtwerk
ebenso. (Vergl. meine kl. Schriften)
Und
nun denn da Ihr Euch unter einander und mit einander so viele Mühe
gebt, Euch über
über [2x] unsern Gesammtzweck besonders aber
über mich und mein Leben zu verständigen, so
erlaubt mir Euch
wie ich meine zum Schlusse dieser langen vielseitigen und vielartigen
Mittheilung gleichsam als Hauptschlusses* zu unzähligen
Erscheinungen meines Empfindens
Denkens und Handelns d.h. der
Gesammtheit meines Lebens – einen Ausspruch unseres deutschen
August Mahlmann herzusetzen
welche[n] ich mir im Jahr 1805 wenige Tage vorher aus[sc:
auf]zeichnete
ehe mir die Ahnung kam einmal Erzieher zu werden.
Der Ausspruch heißt:
„Strebe hoch
empor, aber die Liebe gebe Deinem Streben die
Richtung. Reißt das
Band entzwey zwischen Dir und der
Menschheit so schwebst Du in unendlicher
Leere;
der Himmel spricht ich kenne Dich nicht und die Erde
sagt, Du bist nicht mein, denn
Du hast kein Herz für meine
Kinder.“
Dieses Suchen nun des eigenen
Herzens und der Herzen „für meine Kinder“ war die Sehnsucht das
Leben und Streben meines Herzens.
[Rand*-*] * Wartensee tritt dann vor den Augen
der Welt, achtbar mit Keilh. in Verbindung.
Ferdinand ist dazu nicht genug.
Ein anderes wirkt
zunächst mehr trennend
und die Blitze auf. W. leitend. –
Herzog selbst erscheint dieß zu ahnen denn mit L.
mag er bekanntlich nicht
anbinden.[*]