Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Xaver Schnyder v. Wartensee in Frankfurt/M v. <15.11.> 1831 (<?>)


F. an Xaver Schnyder v. Wartensee in Frankfurt/M v. <15.11.> 1831 (<?>)
(BlM VI,1, Bl 1-2, undatierte Abschrift/Fragment 1 B fol 1 S. Briefanfang fehlt. Datierung: Mglw. Handelt es sich um den bei Widmann 1869,68 erwähnten Brief v. 15.11.1831)

Beziehungen vielleicht besser kennen, als ich mich selbst, unter deren Augen
ich viele Jahre, ja noch die genannten 10 Wochen ein Leben so offen lebte, wie es nur
eine Blume leben kann; denn jeder Regung gab ich mich hin. –Kennen Sie nicht
Personen, die Keilhau eben so kennen? – Wenn ich auch H Ackermann gar nicht er-
wähnen will, weil sein Aufenthalt in Keilhau nur kurz war, u. doch, was kann
ein so erfahrener Mann wie dieser nur im Vorbeygehen schon sehen? – Aber
des Schwarz will ich erwähnen. Nun, der kennt Keilhau an den u durch die
Früchte; denn seinen Bruder hat er mehrere Jahre durch seine freye Überzeugung
der Anstalt als Zögling anvertraut. Dieser Mann kann fast über kein Verhält-
niß Keilhau‘s ununterrichtet seyn. Ja, ich habe ja überdieß selbst die spre-
chendsten Beweise bekommen, daß man Keilhau u mich in Frankf. nicht
weniger mit Schwarz in Schwarz gemalt u gezeichnet hat, als anders wo.
Was nun mir bekannt wurde, sollte Ihnen unbekannt geblieben seyn? –
Wenn ich nun aber auch wirklich über mich u all mein Leben weniger offen
gewesen wäre, als ich es doch bin, konnte ich verhindern, wenn Sie auf einigen
oder auf allen der vielen Wege, die einem Mann wie Ihnen offen stehen,
Erkundigungen über mich einzogen? – Mir ist nun wohl ein solcher Gedanke,
auch der leisesten Ahnung nach, nicht in die Seele gekommen, doch Beweises ge-
nug, daß ich nichts zu fürchten hatte. Kurz, warum soll ich es einzeln
noch durchgehen, mein Leben lag ja wie ein Buch offen vor Ihnen, Sie brauchten
ja nur die Blätter umzuwenden u. zu lesen. Ja, nicht einmal dieß brauch-
ten Sie, man hat es Ihnen ja noch leichter gemacht, man hat es Ihnen
ja gesagt, Sie brauchten ja nur zu hören u haben ja gehört; denn Sie selbst
haben ja das Gehörte mir wieder gesagt. Enthält denn etwa die App. Zeit.
etwas anders, als was Ihnen in Luzern über mich u meine Ver-
hältniße gesagt, geschwätzt wurde. Erkannten Sie nicht selbst, daß sehr
harte giftige Gegner in Luzern, besonders gegen mich auftreten würden? -
Daß diese nicht schweigen würden, war natürl; Schimpfen u. Beschimpfen
was ist leichter? – Und als alles dieß klar vor Ihnen lag, waren ja noch
ganz u gar keine Anzeigen von der vorhabenden Anstalt ausgegeben
worden. Das Ganze lag also dort zur Wahl u Entscheidung noch ganz
in Ihrer Hand, so wie übrigens, wie wir später sehen werden, noch jetzt.
Wo ist nun etwas, was ich Ihnen u Ihrer Ehre schuldig sey? – Wie
bringt Sie nun der App. Aufsatz so auf? – ich will nicht mehr sagen. –
Konnten Sie als lebenserfahrner Mann nicht das alles voraussehen? –
Haben es doch andere. Der HE Decan Sigrist zu Wohlhusen, welcher von dem
Luzerner Gerede noch gar nichts wußte, sagte, er habe dieß schon bey unserm
Besuche in Wohlhusen eingesehen, ja gesagt, es könnte nicht anders kommen.
Übrigens bitte ich Sie, Schnyder! außerdem auch gar nicht zu ver-
gessen, daß ich Ihnen in allen Dingen nur nachgegangen bin; kein be-
stimmender Schritt aber je von mir ausgegangen ist. Das Ganze lag immer
einzig nur in Ihrer Hand, so wie es noch in diesem Augenblicke einzig
in Ihrer Hand liegt. Auch ist jede Bestimmung, welches alle meine
Frankfurter Freunde bezeugen werden, von Ihnen zuerst ausgesprochen [worden.]