Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Heinrich Teske in Samoszin v. 2.9.1830 (Keilhau)


F. an Johann Heinrich Teske in Samoszin v. 2.9.1830 (Keilhau)
(BN 731, Bl 6R-7R, datierter Entwurf 2 Bl 4° 3 S. im „Briefbuch Keilhau“, Handschrift Middendorffs, 7R tw auch von anderer Hand.)

Keilhau 2Sept. 1830.


(Herrn Joh. Heinrich Teske in Samoszin im Großh. Posen)

Hochgeehrter Herr u Freund

Obgleich erst kaum 3 Wochen verflossen seyn werden,
seitdem Sie d[urc]h Ihren Sohn Leopold von Ihrem Sohn
Hermann u dessen Genossen Nachricht erhalten haben werden u ob
ich gleich Ihnen jetzt noch nicht mehr von Ihrem Sohne zu schreiben
weiß als was ich schon im vorigen Brief aussprach,
so will ich doch durch diesen Brief mein Versprechen er-
füllen. Hermann u seine Genossen sind noch voll-
kommen gesund, völlig zufrieden u freudig. Ich
könnte nicht sagen, etwas bemerkt zu haben, daß
sie etwas für ihr Leben hier vermißten. Die
Individualität u Eigenthümlichkeit eines jeden
Knaben entwickelt sich schon sehr bestimmt, u
so verschieden dieselbe auch bey einem jeden ist; so
zeigen sie doch ganz bestimmt nicht allein, wie gut,
sond.[ern] überhaupt wie wichtig u nothwendig es sey, daß
besonders die Mütter, wenn ihre Söhne u Knaben
ein bestimmtes Alter erreicht haben, sich überwinden
u entschließen können, dieselben einer bestimmten Er-
ziehung zu übergeben, u dieß besonders in dem Fall, /
[7]
wenn die Mutterliebe den jüngsten der Söhne, gleich-
sam den letzten trifft der ja als letzter trifft
der zuletzt als der Gegenstand ihrer Liebe
übrig bleibt. Es ist mir, da ich oft darin
unangenehme Erfahrungen zu machen habe,
immer unbegreiflich, wie Mütter, die sonst
so einen richtigen Tact u ein so klares Auge haben,
gerade in diesem allerwichtigsten Punkte der
Knabenerziehung so sehr schwer vom Rechten zu
überzeugen sind. Möchten doch die lieben Mütter
einmal sehen, wie wohl sich die Knaben befinden,
wenn sie aus dem zu warmen Sonne Schatten der
mütterlichen Ängstlichkeit in den Schatten die Sonne des männl[ichen]
Ernstes kommen u dieß um so mehr, als eine größere
Entfernung vom elterlichen Hause sie nicht einem
schwächenden Wechsel aussetzt. Die größer[e] Entfernung
sollte also bey eingetretenem Alter mehr ein Entlassungs[-]
grund aus dem elterl[ichen] Hause als ein Hemmungsgrund seyn.
Verzeihen Sie (mir) daß nun grade dieß in die Feder fließt
indem ich an Sie schreibe. Allein ich werde von den ver-
schiedensten Gegenden und von Männern 3 Vätern
immer wiederkehrend darauf aufmerksam gemacht /
[7R]
u gerade bey den jüngeren Söhnen, die doch am
meisten der Erstarkung bedürfen[.] – Da es nun wohl
seyn könnte, daß auch in Zukunft Ihnen oder den
andern mir Iihr Vertrauen geschenkt habenden Väter die
<hart> ankommen könnte, daß
bey doch einem eingetreten[en] völlig eingetretnen Knabenalter die noch zu
große Jugend u Zartheit dKnaben hemmen könnten
den Müttern als ein Hinderniß erschien[e],
so wollte ich auch das nun hier Niedergeschrie-
bene nicht wieder zurück nehmen. Mögen
Sie darin ein Zeichen finden, wie gerne
ich mich den Vätern u 3 Eltern über meine Erziehungs-
einsicht und ihrem Grunde wohl aussprechen möchte
wenn es dZeit nur verstattete. u als ein
Zeichen meiner persönl[ichen] Hochachtung mit
welcher ich bleibend bin
Der respect. Eltern und Väter der 3 näheren Genossen Ihres
Hermann, Ihren verehrlichen Freunden H.H. Müller, Böttcher
und Weiße[r] empfehlen wir uns bestens, so wie wir Sie besonders
bitten denselben insbesondere die herzlichen Grüße Ihrer Söhne Adolph Hermann
u Gustav zu bestellen, so wie ganz namentl[ich] auch Ihr Sohn Hermann
Eltern u Geschwister herzlich grüßt.
Ich verharre mit der Versicherung ergebener besonderer Hochachtung als
Ihr
ergebener Freund u <Diener>
Abgeschickt <Sonnabend Sept>