Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an F. Korn in Obernitz v. 7.3.1829 (Keilhau)


F. an F. Korn in Obernitz v. 7.3.1829 (Keilhau)
(KN 24,9, Abschrift 3 ½ S. Handschrift "Frl. H.", von Otto Wächter veranlasst. Das Original befand sich im Besitz v. Geh. Baurat Treibich, Rudolstadt.)

Hochgeehrtester Herr und Freund.

Meinem wiederholt gegebenen Versprechen gemäß
übersende ich angeschlossen von der mit kommenden
May ins Leben tretenden Volkserziehungsanstalt so
wohl das Verzeichniß der Unterrichtsgegenstände als
auch den schon ausgeführten wöchentlichen und täg-
lichen Lehrplan. Da ich es aber zu dem Zweck Eltern,
und besonders urtheilsfähigen Männern einen be-
stimmten Begriff von der Anstalt zu verschaffen
für gut hielt, wenn auch zugleich einiges von dem
Geiste und den Grundsätzen, der Ziele der Anstalt
pp hierbey mit ausgesprochen würde, so schien es
mir zweckmäßig aus dem Sr Herzogl. Durchl. schon
früher vorgelegten von Höchstdenselben zur Ausfüh-
rung ganz genehmigten Grundsätzen und Plan
einige Stellen wörtlich und in der Ordnung auszu-
heben, wie solche in dem Originalaufsatze aufeinander-
folgen. Dadurch mangelt nun freilich diesem Auszuge /
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hier und da der äußere Zusammenhang; doch mag dieß
wohl für diesen Zweck wenig schaden, ja es ist dieß
vielleicht als ein Dokument, daß diese Mittheilungen
Theile eines größeren Ganzen sind, so gar gut. Mehr
über das Ganze mitzutheilen hielt ich zu nächst für
überflüssig, doch werde ich Fragen welche eine wirkliche
Theilnahme an der Anstalt bezwecken gern weiter
beantworten. Nur bemerke ich nochmals was ich Ihnen
auch schon mündlich aussprach: - daß die Volkser-
ziehungsanstalt in lebendige innere Verknüpfung
mit der allgemein deutschen der hiesigen Anstalt
treten und daß jene gleichsam die Vorschule für
diese machen wird, so daß jeder Zögling der Volkser-
ziehungsanstalt, welcher eine höhere wissenschaftliche
und Kunst- oder Gewerbsvorbildung anstrebt, solche
in der hiesigen Anstalt ganz im Geiste der begonne-
nen Lehrweise erhalten und so später für die
Bildung zum Gelehrten hier eintreten kann, indem
die hiesige Anstalt gleichsam das Gymnasium /
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und zwar in der schon offen daliegenden Allseitigkeit
und Gründlichkeit bilden wird.
Da es vielleicht außer Pösneck auch noch einigen ur-
theilsfähigen Männern und Erziehung für ihre Knaben
suchenden Eltern in den Städten Saalfeld und Gräfin-
thal lieb wäre, diese neue Anstalt etwas genauer
in ihren Grundsätzen und nach ihrem Plane kennen
zu lernen, so überlasse ich Ihnen diesen Auszug gern
auf 3-4 Wochen zum Gebrauche, im Fall sich Ihnen
Gelegenheit darbiethen sollte, denselben irgend Einem
in den genannten Städten, welcher Interesse an der
Anstalt finden sollte - mitzutheilen. Besondern lieb
wäre es mir, wenn sich Gelegenheit zeigte den Herr
R K. Knoch damit bekannt zu machen. Gegen Ostern
würde ich mir aber wohl den Auszug zurück erbitten
müssen, um dann anderweitigen Gebrauch davon
zu machen.
Wenn ich wüßte daß ich den Herrn R K. Kn. gegen
Ende dieses oder Anfangs des künftigen Monats auf /
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seinem Guthe träfe, so wäre ich gar nicht abgeneigt
eine Reise dahin zu machen, weil ich sonst von Ostern
an im Laufe des ganzen Sommers dazu keine Frey-
zeit absehe, und weil ich mir wohl gern das Locale
besonders auch in geographischer Hinsicht einmal ansähe,
mich auch sonst mit andern Verhältnissen gern bekannt
machte.
Mit wahrer Hochachtung grüße ich Sie freundschaft-
lichst und empfehle mich Ihrer werthen Fr: Gemahlin
ergebenst
FWAFröbel.
Keilhau den 7en März
       1829