Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Fröbel, mit Nachschrift an Maria Elisabeth Hoffmeister u. die Tante Hanige, in Berlin v. 31.3.1825 (Keilhau)


F. an Henriette Wilhelmine Fröbel, mit Nachschrift an Maria Elisabeth Hoffmeister u. die Tante Hanige, in Berlin v. 31.3.1825 (Keilhau)
(BN 445, Bl 23-28, Brieforiginal 3 B 8° 11 S.)

Keilhau am 31sten März 1825.


Gott zum Gruß innig geliebtes theures Weib.

Heute sind es erst 8 Tage seit der letztere Brief
von mir an Dich abging und doch dünkt es mich doch
als wäre die Zeit seit der ich nicht wenigstens schrift-
lich zu Dir und mit Dir meine liebe Seele sprach
Wochen und Monate lang. Ja ich will es Dir
gern gestehen daß ich ein solches Längen gar
nicht geahnet habe; bey äußerlich schnellem
Verfließen der Tage wird mir die Zeit in meinem
Gemüthe unendlich lang und leer obgleich
das äußere und auch wohl innere Leben in
diesen Tagen hier so mannigfach und auch
wohl reich war. O der Gatte und Mann ver-
wächst weit inniger und tiefer mit dem Weibe
und der Gattin als man in dem ungestöhrten
Zusammenleben glaubt und ahnet und nichts er-
setzt dem Manne die Lücke und das Leben, nichts
füllt die Leere aus die er durch die Trennung
von seinem theuren lieben Weibe empfindet. /
[23R]
Wohl empfinde und erkenne ich daß diese Emp-
findungen und Gesinnungen bey allen Erschein-
ungen des gewöhnlichen Lebens immer in der
Seele leben nur erlaubt die Strenge des
gewöhnlichen Lebens ihnen nicht so in ihrer
ganzen Macht und in ihrem ganzen Umfange
hervor zu treten. Innig freue ich mich jetzt schon
der Zeit wo wir wieder gemeinsam unserm
gemeinsamen Berufe leben, denn so herzlich
gut, so innig treu sie es auch alle ein Jedes
auf seine Weise meinen, namentlich die treue
Ernestine welche in dieser Woche wo sie
Wirthschafterin ist sich besonders thätig zeigt,
so vermiße ich Dich doch überall. Alle sind
Gott sey Dank noch so wohl als Du sie ver-
lassen hast, nur der kleine Wilhelm hatte
sich schon vor meiner Ankunft bey einem Be-
suche in Eichfeld einen starken Husten geholt,
welcher jetzt erst anfängt sich etwas zu ver- /
[24]
mindern, er schläft darum in meinem Bette
neben mir indem ich in dem Deinen schlafe;
er fragt mich immer wiederkehrend ob Du nicht
bald und wann Du wiederkämest. Auch Karl
erkundigt sich viel. Am Palmensonntage weißt
Du wurden Oskar, Johannes, Gregor, Theodor Will-
helm confirmirt; die Prüfung war, wie es wohl auch
die Natur der Sache mitbringt ein Wenig trocken,
doch die Einsegnungsfeyer war in diesem Jahre ganz
besonders schön, so wie solche bey diesem Herrn
Pfarrer schon immer sehr warm und ergreifend war.
Von Johannes Verwandten war nur Christoph da,
von Oskars Verwandten sein Bruder, dann Mutter
und Schwestern, welche drey letzteren das heilige
Abendmahl mit genossen und dad[urc]h die Feyer der Hand-
lung besonders für Oskar erhöheten. So still und
schön die Feyer des Tages bey uns begann, so konnte
sie leider nicht so enden, denn der kommende
Mondtag war der Tag der allgemeinen Zer-
streuen [sc.: Zerstreuung] denn nun wanderte alles aus und die /
[24R]
Zerstreuen [sc.: Zerstreuung] des kommenden Tages wirkte schon auf
den heutigen denn noch waren Briefe Zeugnisse pp
zu schreiben, so daß ich und Freunde wohl bis
2 Uhr Nachts aufblieben und um 5 Uhr Morgens
wollten schon mehrere fort und wenn auch nicht
so früh doch schon in der nächsten Stunde gingen
Andreas und Bruno nach Jena, ersterer von da zu seinen
Eltern Bruno über Waimar nach Erfurth;
Nun gingen Georg und Julius fort, ersterer nach
Tübingen letzterer nach Stuttgardt zu Herrn
Michaelis in die dortige geographisch-lythographische
Anstalt. Beyde wurden begleitet von Herrn Schönbein
und Herrn Herzog von ersterem bis Coburg wo
er dann nach Bayern geht, von letzterem nur bis
Sitzendorf, der über Rohrbach wieder zurück gekehrt
und einen jungen Schweitzer mitgebracht hat. -
Nach Erfurth gingen bald darauf mit Johannes,
Christian Herr Karl und Gustav Adolph, so wie sie von
Franz und Ludwig bis Remda begleitet wurden
wo letztere blieben. Ganz früh am Morgen
ehe nur Jemand aufbrach waren: Gotthelf, /
[25]
Constant, Friedemann u August schon abgereiset.
so wie Ehrhard schon sogar Tags vorher nach Ru-
dolstadt und von da zu seinen Eltern gegangen
war. Florentin reisete allein nach Hof und
Wunsiedel zu; die letzteren welche an diesem Tage
ihren Wanderstab ergriffen waren Oskar und
Günther. Gestern ist Adolph und heute Günther
Schwarz nebst Gregor zu seinen Oheimen nach
StadtIlm abgegangen. Schon verflossenen Freytag
waren Bernhardt und Anton von Gregor nach Er-
furth gebracht worden von wo sie ein Wagen
nach Eisenach bringen sollte. So ist nun das Haus
ziemlich leer nur noch 22 Knaben sind jetzt
noch hier; wir essen darum alle zusammen und da
ist noch der eine Tisch nächst der Thür leer. Julius
und besonders Georg läßt Dich vielmal dankend
grüßen. Mit Schnupftüchern und Strümpfen ist
Georg in Eisenach versehen worden. Georg hat
sich bey seinem Abgang gegen alle und besonders
auch gegen mich sehr brav und gut bezeigt; er ist
höchst befriedigt und beruhigt, sehr sicher und still abge-
gangen, er hat eingesehen und ausgesprochen wie so heilsam /
[25R]
sein Aufenthalt noch während dieses Halbjahr für
ihn gewesen ist. Nach diesem Stand der Dinge
geht nun hier alles seinen gewohnten Weg.
Im neuen Gebäude sind unten fast alle Schlösser
angeschlagen nur 2 fehlen noch welches aber
die ersteren seyn sollen welche der Schlosser
noch zu machen hat.- Sämtliche Treppen im
Verbindungsgebäude sind fertig, so daß man
von jedem Stockwerke in das neue Haus
kommen kann.- Die bestellten 2 Wirthschafts[-]
schränke welcher in das Vorzimmerchen vor dem
Saal von uns bestimmt ist sind, ist sind auch angekommen.
- Auch die bestellten Bette Federn hat Herr Danz
uns gesandt.- Ehe Julius abgereist ist, hat
er mir noch, nicht allein den Wunsch seiner
Mutter und der Frau Amtmännin ausge-
sprochen daß letztere von hier zu ersterer
nach Volkstädt ziehen soll, wenn ich mich so lange die Fr. Amtm. noch lebt
zu einer jährlichen Vergütigung für das Quartier und
zur augenblicklichen Auszahlung von 140 rth. von den noch
auf dem Guthe stehenden 465 rth. verstehe. Um /
[26]
mehr Freyheit im Gebrauche des untern Hau-
ses zu gewinnen und von dem mancherley
Unangenehmen was aus einer Verbindung
mit der <Pfarrerey> immer hervorgeht mit einem-
male los zu seyn, habe ich mich dazu verstanden,
und schon haben wir unsere Übereinkunft bey
Hochfürstlicher Regierung zur Bestätigung einge-
reicht es wäre also wohl möglich, daß wir uns
bey Deiner Rückkehr des völlig freyen Gebrauches
auch des untern Hauses erfreuten, was wohl
auch uns mittelbar manches Gute bringen
könnte, wenigstens gewinnt dadurch das
untere Haus an Reinlichkeit.- Um wegen
des Tages der silbernen Hochzeit des Bruders
ganz sicher zu seyn habe ich mir das Trauungs
Zeugniß kommen lassen. Der Trauungstag
war diesennach [sc.: diesemnach] der 22sten [sc.: 22ste] May, was in
diesem Jahre gerad der erste Pfingsttag
ist; über dieses in vieler Hinsicht so sehr
schöne Zusammentreffen freue ich mich
außerordentlich und ich zweifle nicht daß /
[26R]
es auch Dir lieb ist, zunächst gewinnen wir dadurch
eine Woche mehr Raum und ich denke nun
so Gott will die ganze Reise so einzurichten
den 17ten Apr. reisen wir von hier ab; treffen
am 20sten in Berlin ein. Wir bleiben dann
noch bis zum 3ten oder 4[ten] May oder spätestens bis zum 10ten oder 11[ten] May
also 14 [Tage] oder 3 Wochen in Berlin so daß
wir gerad an einem Sonntage und spätestens
8 Tage vor dem Feste hier ankämen; Du kannst
nun schon zum Voraus in Berlin Dich etwas dar-
nach einrichten. Acht Tage vor dem Feste er-
scheinen mir nun freylich etwas kurz zu dem
was Du auch für Deine unsere liebe Mutter und
Tante hier zu besorgen finden wirst, und an
einem Sonntage wäre ich auch gern hier ange-
kommen, weil dann auf eine ungesuchte Weise
hier alles in Ordnung gefunden worden wäre.
Nun weißt Du die feste Zeit kannst also Dich
so einrichten wie Du es nach den Gesammtumstän-
den am besten finden wirst. Nun noch einen kleinen
Vorschlag in Beziehung auf die an diesem Tage zu geben[-] /
[27]
den kleinen Beweise der Theilnahme. Wie wäre es
vielleicht wenn ich in Berlin 2 schöne Tassen mahlen
liese [sc.: ließe] mit den Inschriften:



           Dem gesegneten Vater
Christian Froebel
am Tage Seiner silbernen Hochzeit
den 22 May 1825.
---
Der glücklichen Mutter
Caroline Froebel
am Tage Ihrer silbernen Hochzeit
den 22sten May 1825.
Doch überlasse ich es Dir ganz; so wie, ob Du, wenn
Du ja die Tassen genehmigen solltest, es auch <fin>
die Hinzufügung der Namen für gut finden solltest[.]
Auch die Worte überlasse ich Dir, meine liebe theil[-]
nehmende Frau.
Du weißt daß ich die Beetchen auf dem Halb[-]
rund vor dem Saalgebäude für uns mit Blumen
bepflanzen will; sollte es Dir nun möglich
seyn uns vielleicht einige ausgezeichnete
Aurikelstöcke, vielleicht auch einige
Ranunkeln oder sonst etwas von schönen
Pflanzen oder Saamen besorgen zu können, /
[27R]
so könnten solche wohl schon durch Schrickel
welcher ohne Zweifel uns nach Berlin bringen
wird, unserm Gärtner Theodor, welcher
sich des Ganzen gut anzunehmen verspricht, hieher
gesandt werden.
Wilhelm welcher vor mir sitzt und mich
mannigmal vom Schreiben abzieht, sagt Du
möchtest doch ja mit mir zurückkommen.
Alles ist wohl Gott sey Dank im Hause
und alles ist beschäftigt Ernestine im Hause
L[an]g[e]th[a]l in der Baumschule. Wetzstein gräbt
im Garten u Middendorff sitzt vor mir studirt
und beschäftigt den kleinen Wilhelm. Gestern
hat der Bruder Kartoffeln gelegt. Im untern
Hause wird gerad gebacken. Rosalie
bessert Strümpfe und Wollne Kleider aus
die Leute im Hause reinigen das Haus und
sind dabey unter sich einig. So steht Dein
Hauswesen geliebtes Weib, aber Du fehlst
doch überall fehlst besonders Deinem treuen
Gatten und innigsten [sc.: innigstem] Freunde Friedrich

Grüße Malchen von mir. /

[28]
Theure Mutter und liebe Tante.
Wenigstens will ich Sie doch
mit einigen eigens an Sie gerichteten
Zeilen kindlich und herzlich
grüßen und Ihnen so die Gesin-
nungen inniger Liebe bethätigen
die stets für Sie in meinem Innern
leben; schenken auch Sie gütigst
fortdauernd Ihre Liebe Ihr
gütiges Wohlwollen und Zutrauen
Ihrem
gehorsamen Sohn und Neffen

FWAFröbel