Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Klöpper in Berlin v. 18.6.1818 (Keilhau)


F. an Henriette Wilhelmine Klöpper in Berlin v. 18.6.1818 (Keilhau)
(BN 444, Bl 61-63; Brieforiginal 1 ½ B 4° 6 S.)

Keilhau den 18en Juny 1818.


Innigst Geliebte,
meines Lebens Seele.

Ich bin hochbeglückt Sie nun auch offen mein,
die Meine nennen zu können, dieß G Bewußt-
seyn giebt mir das Gefühl der Einheit, der
Ruhe, des Ruhens in mir und auf mir selbst
welches ich bisher nur in der Ahndung kannte.
Erlassen Sie es mir, Ihnen jetzt zu sagen was
Sie mir sind, erlauben Sie mir nur, daß
ich es Ihnen im Leben durch Thun und Wirken
zeigen kann. Es ist ein großes unendliches
Gefühl, ich darf mit vollendetster Wort-
und Sachtreue sagen - , doch ich will dies
Lebenerhöhende, Lebenweckende und Leben er-
haltende Gefühl welches meine ganze Seele erfüllt durch gar kein Wort zu
erfassen suchen. Vergönnen Sie mir ganz
meiner Natur getreu zu seyn und ohne
irgend weiter ein Wort, den Ausdruck
meiner innigsten Freude, den erhöheten /
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Ernst seyn zu lassen, die wo möglich
erhöhete Ruhe, die gesteigerte Festigkeit
seyn zu lassen mit welcher ich auf
das Leben und auf des Lebensverhält-
nisse blicke.
Ich würde Sie, Freundin wohl um Entschul-
digung um Verzeihung, wegen des Ernstes
der Ruhe, des festen Blickes bitten müssen
der jetzt mein ganzes Wesen beherrscht,
ständen Sie persönlich mir gegen über;
aber ist es mir nicht schönste Pflicht mit
gesteigertem Ernste, erhöheter Ruhe und
Festigkeit nun das Leben zu betrachten
da es nun dadurch, daß ich es künftig
mit Ihnen leben mit Ihnen theilen
darf, mehr als doppelten Werth hat, bis
ins Kleinste bedeutungsvoll und wirkungs-
reich ist?-
So nehmen Sie denn Geliebteste, den /
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tiefen Ernst und die klare Ruhe welche
mein ganzes Wesen beherrscht als den
Ausdruck der innigsten unvergänglichen
Freude, welche mir das Bewußtseyn
giebt, daß ich Sie die Meine nennen darf,
daß Sie bald die Meine seyn werde[n].
Ja meine theuerste Freundin, mein
Streben ist Sie, da Sie mir nun folgen
wollen, sobald als es mir möglich ist
als Gattin heim zu holen. Ich wünschte
daß ich schon zu Ende des kommenden
Monats nach Berlin kommen könnte,
doch glaube ich nicht, daß ich vor den
ersten Tagen des Monats August nach
Berlin werde kommen können. Wenn
Ihnen dieser Ausspruch einen unange-
nehmen Eindruck machen sollte, so
bedenken Sie daß die Führung eines /
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großen Hauswesens und die mannich-
faltigsten Geschäfte eines jetzt viel
seitigen Berufes einzig und nur
auf mir ruhen. Sie kennen ja die Ge-
sammtheit meiner Verhältnissen und
kennen so klar alles was mir noch zu
thun übrig ist, ehe ich es mir erlauben
darf Sie zu bitten nun auch als die Meine
mit mir zu leben. Fester besonnener
Muth und Klarheit, Sicherheit des Blickes
wird gewiß Alles aus dem Weg
räumen, was Ihnen das mir Folgen Ihrer
nur ein etwas unheimliches Gefühl
geben konnte.
Doch will ich, daß dieser Brief noch
mit der heutigen Post an Sie gelangen
soll so muß ich schließen. Mit
der nächsten Post Ihnen wieder /
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schreiben zu dürfen, erlauben Sie
mir; dann werde ich mir auch
die Freude machen Ihres braven
Herrn Vaters offenen Brief zu
beantworten. Sollte Ihm und Ihrer
verehrten Mutter mein Gruß
nicht ganz unangenehm seyn so
bitte ich Sie dieselben auf das auf-
richtigste und innigste zu grüßen.
Auch Ihrer Frau Tante versichern
Sie in demselben Fall meine wahre
Hochachtung. Herrn Prediger W[ilmsen]
unsern thatigen Herzlichen Freund
und Ihre theilnehmende Freundin
grüßen Sie dankbar von mir.
Leben Sie recht wohl und erfreuen
Sie recht bald mit einigen Zeilen
den der ganz der Ihre ist.
FWAFröbel. /

[63R]
Die Möbels mögen, nach dem was
ich bisher darüber erfahren konnte
wohl am besten bis Halle zu
Wasser gehen. Es soll alle Woche
von Berlin dahin ein Schiff abgehen
und das Schiff acht Tage unter
Weges seyn. Mit dem nächsten
Briefe wo möglich auch darüber
mehr. Nochmals das herzlichste
Lebe wohl. Ist es Ernestinen
lieb mit Ihnen zu ziehen?-