Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christan Samuel Weiß in Berlin v. 9.8.1813 (Schwerin)


F. an Christan Samuel Weiß in Berlin v. 9.8.1813 (Schwerin)
(GNM Bl 45-46, dat. Brieforiginal 1 B 4° 3 S., ed. Neuhaus 1913,129 mit einer Auslassung)

Schwerin Mondtags den 9ten Jul August 1813.

Innig hochverehrter Freund;

freuen Sie sich mit mir schon ist unsere Ruhe abgebrochen wir
haben wie Sie sehen wieder einen braven Marsch d.h. in
4 Tagen von Nauen bis hieher gemacht; daß wir sehr große
Strapazen hatte[n], und daß ich dieselben der ich mich nicht zu
den Starken rechnen darf doppelt fühlte darf ich Ihnen wohl
nicht erst sagen, es ist wörtlich wa[h]r daß ich einmal vom
Marsch so angegriffen war, daß die Gegenstände um mich her
sich bewegten, doch da ich Schwerin sahe habe ich alles vergessen
und befinde mich ob gleich sehr müde seyend dennoch sehr
wohl. Schwerin liegt äußer[s]t angenehm in sanften Hügeln
und dem sich so mannichfach beugenden See. Die Menschen
entsprechen der Lage des Ortes. Ihre Gesichtszüge sind lieblich
und angenehm ihr Charakter gutmüthig. Gern schrieb ich
Ihnen etwas über den Charakter der Gegend die ich durch-
zog denn im Ganzen ist sie wirklich besonders in Vergleich
mit den früher gesehenen interessant und giebt mir
ein Ganzes Bild, das wesentl[ich] ist: der Sand und die
Granit gerölle verschwinden immer mehr, der Boden ist lehmig
doch wie mit einem Grus (: Granitgrus :) untermengt,
weil der Boden lehmig ist das Ansehen der Gegend
frisch; - einige Hügelreihen ziehen sich wieder durch die
Ebene so namentl[ich] die Ru[h]ner und Lupiner Berge. Kurz /
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vor Schwerin in der Gegend des Ort <Krüges> ist das
Land ganz wassereben, obgleich der Charakter des mek-
lenburgischen mehr ein sanftes flach hügliges Land ist, welcher
Charakter besonders ½ M vor Schwerin hervor[-]
tritt, wo dann zwischen den d[urc]h die Pflanzenwelt
belebten Hügeln überall die Spiegel-
flächen der klaren Seen hindurch
schimmern. Dieß muß mir jetzt genügen; denn denken
Sie sich morgen um ½ 5 Uhr müssen wir schon wieder
zum weitern Marsch wie ich höre nach Gade[busch] 3viertel
Meilen von hier antreten. Man sagt daß wir bey
Greves Mühlen ein Lager beziehen. Gestern wurde
uns bey der Parol[e] gesagt daß unsere nächste Bestimmung
Lübeck sey – freuen Sie sich mit mir wenn es wahr
ist Lübeck! – wie glückl[ich] wären wir wenn wir
gewürdigt würden die Schmach der Lübecker zu rächen. -
Wenn ich auch dann bald fallen sollte, wenn mich
dann nur der Genius an einem solchen Ort fallen
läßt wo mein Tod einen Zweck hat. Gestern
wurde bestimmt gesagt daß wir schon gegen den 12ten
vor den Feind kommen würden; - Sie sehen das G[an]ze
beginnt ganz wie bey Leipzig Gott gebe nur daß es
nicht wieder so endet. – Denken Sie an jenem Tage /
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meiner und wünschen Sie mir Kraft u Ausdauer.
Leben Sie recht wohl. Sehen Sie die HE Prof:
Marheineke
u Zeume so bitte ich Sie diese von mir
zu grüßen. - Ich habe hier ein sehr gutes Quar-
tier liege bey einem gewissen HE Dr. Boldt u schreibe
diesen Brief auf dessen Arbeitszimmer. - Die
Schweriner haben uns sehr vorzügl[ich] empfangen, d.h.
die Straßen u Markt waren voll von Menschen
die schwarzen Wundermänner zu sehen, und mancher
freundliche Gruß wurde uns zu Theil. - Die Bürger
leiden hier sehr durch die Einquartierung so hat z. B. unser
Wirth u alle die ein vollst[ändiges] Haus haben 14 Mann
d.h. 8 Schwarze u 6 von der russisch[-]deutschen Legion.
Nochmals ein herzliches Lebe wohl von Ihrem
unverändert dankbaren Freund

August Fröbel

Der Kronprinz von Schw. hat alle Bedürfnisse
unseres Corps nicht nur bewilligt sondern sie sollen
auch schon angewiesen seyn.
Morgen früh ist hält ders. hier Musterung über
die russisch[-]deutsche Legion die in engl[ischem] Sold steht, man sagt
Moreau soll dabey gegenwärtig seyn[.]