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Auszug aus einem
Brief von Herrn Fröbel,
Yverdun
am 25t July 1809.
Über die
Pestalozzische Methode selbst,
er-
laube ich mir jetzt, da sie nun von unterrich-
teten und
edelen Männern meines Vater-
landes und von einer Erhabenen Ihr
Volk lie-
benden Regentin geprüft wird, nichts mehr zu
sagen: als einmal: daß ich immer heller und
bestimmter den
Einfluß erkenne, den sie
auf die Bildung Aller im Volke hat; sie
erhebt die Schulen zu wahren Anstalten
zur Entwickelung und
Ausbildung aller
Anlagen im Menschen; sie macht die Schule
dem Menschen theuer und ehrwürdig, da
sie ihm seine Kräfte
erkennen, und mit
Bewußtseyn freithätig gebrauchen lehrt;
sie führt den Schüler zur aufmerksamen
Betrachtung der
Natur, macht ihn ruhig und
still in sich, und führt ihn denkend
auf
sich und sein Wesen zurück; führt ihn zur
Erkenntniß
seiner Würde, und so zur Selbst-
achtung und zur Achtung Anderer,
und da /
[116R]
sie ihn eben so wohl seine
Unvollkommenheit
erkennen lehrt, zur Menschenliebe und
Ver-
träglichkeit. Beim Jüngling und Mann
bewirkt sie, durch
die Selbstthätigkeit bei
seiner früheren Bildung, und da diese
eine
Bildung und ein Unterricht
aus
ihm selbst
heraus war (: - wo
sich der Schüler, durch
den nothwendigen und bei dieser Methode
absoluten Gebrauch seiner Denkkraft,
gleichsam selbst
aus sich und
durch
sich unterrichtet.
[Hierhin Einfügung vom Fuß der Seiten 116R/117VR/118V;
noch innerhalb der mit (: eröffneten Klammer:]
Ich bitte
Sie, hier besonders das Rechnen im
Auge zu haben, wo keines
weges ein mecha-
nisches Nachsprechen statt findet, sondern bloß
[oder: blos]
eine absolute Nothwendigkeit und eine
uner-
läßliche Aufforderung zur Selbstthätigkeit,
zum
In-sich-selbst-Schaffen in sich trägt.
Auffallender ist dieß
noch bei der Formen-
und Größenlehre, wo nichts als das Material
von Außen gegeben wird, und der Schüler
alles durch eigene
Selbstthätigkeit und aus sich
und der Natur der Sache auffinden
muß.
In der Naturbeschreibung führt sie zu einer
aufmerksamen vergleichenden (:innern:)
Betrachtung und
Anschauung.-
In dem Sprachunterricht erscheint dem
Schüler die Sprache als ein merkwürdiges
Bild und Abdruck
der Außenwelt; wo
ihm seine Sprache, durch jene (:die
Außenwelt:)
so absolut bedingt erscheint, als die Formen
des Gemäldes durch den Gegenstand.
Dieß Gesagte muß mir
hier genügen um
wenigstens anzudeuten, zu welcher vollkommenen
und allen Menschen heilbringenden Bildung
die P.-sche
Methode hinführt, viel möchte ich
hier noch aussprechen, was als
absolut Not[h-]
wendigkeit und als unerläßliche Folge
aus
der Anwendung der P.-schen Methode, be-
sonders in Bezug auf die
Umstände der Zeit
entspringt, allein Ort und Raum erlaubt
es hier nicht.
Wohin muß der Schüler der Jüngling und
Mann
durch eine Unterrichts Methode geführt wer-
den, die
ihn überall einfache, absolute,
unwandelbare Naturgesetze seigt
[sc.: zeigt] ?
Was war z.B. Geographischer Unterricht bisher,
und wie erscheint er durch
Pestalozzi?-
Als die Kenntniß eines
unzertrennbaren Gan-
zen, wo jede Erscheinung durch eine andere
absolut bedingt wird.
Möchte ich Ew: überzeugen können,
daß nicht jugend[-]
liche Ansicht, nicht der Trugschein des
augenblik-
lichen Eindrucks mich sprechen lehrt, wie ich spreche,
daß das was ich sage, nicht der Wiederschein [sc.: Widerschein]
eines
Phantasie Gemäldes ist! Nein es ist die Frucht
eines
nun beinahe 4jährigen vertrauten
Umganges mit der Methode, es
sind die Früch-
te meiner eigenen Erfahrung, die Folgen,
von
dem, was ich täglich sehe.
(wieder 116R oben)
:), und nicht, was
bisher
so oft der Fall war ein Bilden von Außen,
ein Anbilden ist, Selbstständigkeit,
Zu-
friedenheit mit seinem Stande und Verhält-
niße,
Berufstreue und Familienglück.
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Dann zweitens:
daß so sehr sich auch schon für
den, mit dem Erziehungs- und
Unterrichtsfache
Vertrauten und tiefen in die Schriften
Pesta-
lozzis Eindringenden,
das Wesen und die Wir-
kung der Pestalozzischen Methode aus den
Schriften selbst erkennen läßt, so liegt es
doch eigentlich
in dem Wesen derselben, als
einer praktischen Methode, daß sie
sich haupt-
sächlich durch und in der Anwendung prü-
fen
läßt, dort aber zu Resultaten führt,
die wohl kaum der geübteste
und vorurtheil-
freiste Mann aus den Schriften ahnden wird.
Möchte im Vaterlande
diese Prüfung der
Me-
thode, die Prüfung und in und durch die An-
wendung
möglich werden, so wie sie an so /
[117R]
vielen Orten
möglich wurde. In Stuttgard,
wurde sie z.B. längst schon
theilweise an
dem dortigen Waisenhause durch die Leitung
des Schulinspectors und Waisenhausvorstehers
Herrn
Rieke angewandt. Seit länger als
einem
halben Jahr waren die Zöglinge des
Waisenhauses in zwei
Abtheilungen (:in Bezug
auf Unterricht:) zur Prüfung der
Pestalozzi-
schen Methode getheilt. Die eine Abtheilung
hieß
die
Rochowsche, die zweite die
Pestalozzische,
jede
bestand ohngefähr aus 50 Kindern.
In der ersten oder der
Rochowschen wurden
die Kinder nach den beßern bisher
bekann-
ten Unterrichts Mitteln unterrichtet, in der
zweiten, nach Pestalozzis Vorschrift. /
[118]
Vor
einem Monat wurde eine Prüfung beider
Abtheilungen unter Vorsiz
des Herrn
Prälaten
und
Konsistorial Raths Griesinger als
Kon-
sistorial Deputirter gehalten. Noch wurden
die Zöglinge
in Gegenwart des
Ministers des
Innern, Grafen von Normann
Ehrenfels,
des Kultusministers
von Mandelslohe, und des
Ministers
von Jasmund geprüft. Bei der
Vergleichung beider Abtheilungen waren die
sprechendsten
und unerwartetsten Resultate
für die Pestalozzische Methode.
Nach ihren eigenen
Äußerungen waren sie ungemein
ver-
wundert; auch zog der Gesangunterricht be-
sonders die
Aufmerksamkeit dieser Herren auf sich. /
[118R]
Jezt
wird nun die Pestalozzische Methode
im ganzen Waisenhause
eingeführt, und in weni-
gen Wochen reist ein Deutscher der sich
hier
ein Jahr in der Methode unterrichtete, zu die-
sem
Zweck dahin, als Lehrer ab.
Noch ist durch einen Kabinets
Befehl des
Königs von
Würtenberg die Einführung der Pesta-
lozzischen Methode in
allen Schulen des Lan-
des, dekretirt. Fünfzig Geistliche mußten
sich auf Königs Befehl von einem - jezt
zur Organisation
aller Schulen des Königreich
Preußens nach Preußen berufenen
Ober-
Schulinspektor
Zeller in Heilbronn in der
Methode
unterrichten laßen, und diese sind
wieder verpflichtet die
fähigen Schullehrer
ihrer Pfarrspiele und Distrikte zu
unterrichten.
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Ich bitte Ew: wie ich noch nie einen
Menschen
bat, prüfen Sie streng die Pestalozzische
Me-
thode, laßen Sie sich nicht durch die Unvoll-
kommenheit
der Pestalozzischen und besonders
auch jetzt der Schmidtschen
Schriften zu
einem ungünstigen Urtheil für die Me-
thode
bestimmen, sehen Sie bei Ihrer Prüfung
auf den Geist und das
Wesen derselben. /
[119]
Laßen Sie besonders nicht,
durch die ängst-
lichen steifen und zwingenden Formen,
die
sich besonders noch in den ältern Schrif-
ten
Pestalozzis aussprechen, Ihr
Urtheil be-
stimmen. Jener Zwang herrscht jezt nur
noch in
jenen Schriften, er ist in der An-
wendung aufgehoben; die
Menschenkraft
entwikelt sich jezt
frei
und
selbstthätig in
jeden Schüler.
Innig freuen würde ich
mich, wäre meine Zeit nicht so
außeror-
dentlich beschränkt, um Ihnen auch zur
Prüfung
vorlegen zu können auf welcher
Stufe man jezt hier im Rechnen
als Bil-
dungs Mittel und als Wißenschaft steht.
Noch zwei
Bemerkungen erlauben Sie mir
auszusprechen: Erstlich wünschte
ich sehr
daß bei einer möglichen Einführung
oder wenigstens
praktischen Prüfung der
Methode, besonders der Gesang
berücksich-
tigt würde, nicht nur, um ein Ganzes zu
haben,
sondern hauptsächlich wegen der
sprechenden Vorzüglichkeit der
Gesang-
Bildungslehre der drei Freunde:
[119R]
Ich erlaube mir zu
den Büchern einige Ankün-
digungen jener Gesangbildungslehre zu
Ihrem Gebrauche beizulegen. Wäre es mög-
lich daß von einer
Behörde aus unter eben
so günstigen Bedingungen eines Drittels
Rabbat auf 50-100 Exemplare für die
Schulen und Kirchen im
Lande subscribirt
werden könnte, so wird es gewiß
vorzüg-
lich seyn: [Text bricht
ab]