Am
2ten Septbr. Noch besondern,
recht aufrichtigen Dank sag ich Dir für die Mit-
theilung Deiner
Meinung über meinen Dir zuletzt mitgetheilten Plan.
Sie, Deine
Meinung hat viel Wahres, und ich freue mich daß ich mir
sagen
kann, daß ich schon früher mein Verhältniß in seinem
ganzen
Umfang einer ernsten Prüfung unterworfen habe. Ich freue
mich beson-
ders Dir versichern zu können, daß ich nie den großen
Dank den ich
der so ädlen Mutter meiner Zöglinge, für ihren
Einfluß auf meine
Ausbildung schuldig bin vergessen habe, noch je
vergessen werde. Ja ich
sage Dir als Bruder, und ich darf es Dir
mit Recht sagen,
daß nur das
innig-
ste und tiefste Durchdrungenseyn von meiner Pflicht
als Mensch und
der des
mich
gewidmeten Berufs als Erzieher, umd mein Dankgefühl für
die
Mutter meiner Zöglinge, mich bestimmen konnte, den festen und
unver-
brüchlichen Entschluß zu faßen: von meiner Seite,
wenigstens in den näch-
sten Jahren noch nicht
die ein Erziehungs
von Knaben Geschäft aufzugeben,
das
in den Hauptsachen von den drückendsten Verhältnissen,
widrigsten Umständen
und absurtesten Meinungen beschränkt dem
sogar entgegen gewirkt
wird wird; die
Knaben zum Gegenstand
hat, deren tiefe Verdorbenheit sich täglich
immer mehr entwickelt, ob ich gleich
nichts
weniger sagen will als daß sie
bösartig wären,
dieß sind
sie nicht, aber sie sind nur so un-
glaublich schwach zum
Guten, selbst wenn sie es einsehen, selbst bei allem guten Willen
wird es ihnen oft unmögl. gut - z.B. aufmerksam, thätig, folgsam zu
seyn, und wo
- wenigstens bei dem ältesten - nie an eine ratikale
Besserung
zu denken,
ist sondern
höchstens dem Bösen, - vielleicht aber auch nur
auf kurze Zeit
die Macht zu benehmen ist.- Du verweisest mich
auch [sc.: auf]
Schwarz: (diesen habe ich
wirklich mit Liebe studirt) ich finde
immer mehr wahr was dieser
sagt.
"Ist das Kind (der Zögling) aus den Jahren der Kindheit
getreten, so
muß auch alle Erziehung
beendigt seyn, je mehr sich der Zögling
von den Jahren der
Kindheit entfernt, desto weniger läßt sich
noch etwas an ihm
erziehen rc."
Dieß, was ich hier sagte ist nichts weniger, als
die mindeste Klage, oder eine
Folge von Überdruß; denn mein
Entschluß ist wankellos: Gutes zu thun
weil es Noth ist, und da
wo es am nöthigsten ist; ich werde gut und edel
handeln weil ich
mir es zum ersten Gesetz gemacht habe gut und edel
zu
handeln.-
Durch mich siehst Du also werde ich nicht
bestimmt werden das ange-
gefangene Geschäft aufzugeben, nur der
Nothwendigkeit werde ich
mich fügen, sollte
diese nun frühe oder späte bestimmen meinen
jetzigen /
[2R]
Wirkungskreis zu verlassen, so wirst Du
hoffentlich überzeugt seyn, daß
ich mit der reiflichsten
Überlegung und nach der strengsten Prüfung des Ver-
standes
der Nothwen jener, der Nothwendigkeit
folgen werden.-
(Da ich dieses nach dem NachmittagsUnterrichte
niederschrieb, so war mein
Geist dabei nicht wenig
zerstreut.)
Mit Vergnügen habe ich in Deinem Briefe die
Versicherung gelesen, daß Du
mir so bald Deine dringendsten
Geschäft[e] beendigt sind,
LuthersWerke senden willst. Ich muß Dir
gestehen, daß ich glaubte Du
hättest es vergessen. Doch hat
diese Deine Versicherung einen
Gedanken
und nach oftmaliger Überlegung einen Entschluß in mir
hervorge-
bracht, dessen Mittheilung an Dich, die erste
Veranlassung zu diesem
Brief ist.
Meine Zeit ist so
beschränkt wie sie nur im höchsten Grad beschränkt
seyn kann -
(wie Dir schon beiliegendes Stunden Verzeichniß für
diesen Sommer
beweisen wird, überdieß bedenke, daß die Kinder außer
jenen
Stunden vom Aufstehen bis Niederlegen unter meiner Aufsicht
sind)
- Doch genug.- Genug meine Zeit ist sehr beschränkt, und
meine
Stelle erfordert von mir 1) als
Erzieher von Kindern reicher Eltern und 2)
von Kindern, in
diesen bestimmten und vielseitig
bedingten
Verhältnissen lebend, wie
diese meiner Zöglinge sind, und 3) nach ihrem nun ein-
maligen
Seyn wie sie sind, - einen streng gründlichen,
ununterbrochen
systematisch fortgehenden Unterricht, eine
vielseitige, höhere Bildung mei-
ner Zöglinge, und dabei doch
eine beinahe unbeschränkte Hingabe mei-
ner selbst meiner Zeit
und meines ganzen Seyns und Wesens, wegen der Knaben
Seyn und
Wesen. Will ich also die Forderungen die Meine Stelle
als Lehrer an mich macht,
so nur einigermassen
befriedigen
so muß ich im Wörtlichen Sinne, jede wenigen Minuten
zu meiner
eigenen Aus- und Fortbildung benutzen; um dieses zu
können muß
hauptsächlich auch meine Bibliothek gewählt und so
besetzt seyn
daß sie mir keine Forderungen unbefriedigt, und mir
keine Fragen
an Sie unbeantwortet läßt.- (zumal da mich meine
Lage nöthigt abge-
schieden von jeder belehrenden Bekanntschaft
zu leben) -
Wenigstens in zwei Jahren werde ich ernst
aufgefordert werden
dem ältesten Knaben Ges[ch]ichte zu lehren (
- welches in Frankfurt ein
Mode Unterrichts Gegenstand ist) -
Ohne mich hier auf die Beantwortung der Frage: wenn und
unter
welchen Umständen ist es Zeit Knaben oder vielmehr
heranwachsenden /
[3]
Jünglingen Geschichte zu lehren?-
einzulassen und ohne die Art und
Weise wie nach meiner
Überzeugung Geschichte zu lehren sey und wie sie
gelehrt werden
müsse, auseinander zu setzen, so deute ich hier nur blos
an, daß
ich fest überzeugt bin, daß sie
1) ganz besonders dem
moralischen, auch intellektuellen Seyn auch
der
Fassungskraft - kurz dem Bedürfnisse
des Schülers angemessen,
und in so ferne
sie seine Ausbildung befördern könne,
gelehrt
werden müsse.
2) daß ihre
LehrArt eine ganz andere als die der gewöhnlichen
Lehrbücher
seyn müsse, daß sie belehrend,
unterhaltend, Interesse erweckend,
und
die ganze GeistesThätigkeit in
Anspruch nehmend, aber auch bündig
und
zusammenhängend vorgetragen werden müsse, daß
der
Schüler zu einem
Resultat komme; und daß die Spannung auf
den
Ausgang nicht vor der Entscheidung
erschlaffe, und dann das
eigentl.
Bildende für Geist und Seele
verlohren gehe. Kurz ich bin
fest
überzeugt, daß Geschichte
im Allgemeinen, mit den
Einschränkung[en]
von N
r 1) Schülern zum ersten male Geschichte so gelehrt
werden
müsse wie
Herodot sie
erzählt.
Allein Geschichte so
zu lehren ist eine höchst bedeutende Aufgabe
für einen Lehrer,
besonders für einen dessen Zeit so beschränkt ist
wie die
meinige, denn sie erfordert eine ziemlich tiefe Vertrautheit
mit
ihr selbst, ein leichtes finden und ein Augenblickliches
Zuhauseseyn
in allen ihren Theilen, besonders und hauptsächlich
aber einen reichen
Vorrath von Materialien um das gerade jetzt
Passende und Zweckmäßige
wählen zu können.
In so
beschränkten Verhälthältnissen [sc.: Verhältnissen] wie die meinigen
bedarf es
also wenigstens einige Jahre um mich fähig zu machen
Geschichte
zweckmäßig vorzutragen. Um es mir aber auch nur in
einigen
Jahren möglich zu machen, muß ich mir die Mittel so
wählen vor-
theilhaft wählen, als
nöthig ist, und als ich zu wählen im Stande bin.
Ich hatte daher
den Gedanken:
Wie wäre es wenn Deine Brüder die Allg. W. Historie
an Dich
abträten?- /
[3R]
Als ich diesen Gedanken
näher und prüfender durchdachte fand ich folgendes für
ihn. 1)
Würde ich durch den Besitz dieses Werkes zu den Besitz
zu von etwas Ganzen
und
Vollständigen über Geschichte kommen; - da 2) Geschichte in
diesem
Werke doch ohne Zweifel nicht so trocken und oft
wenigstens für meine
Forderungen und Ansprüche - nicht so
gehaltlos vorgetragen würde, als in den
gewöhnlichen Lehrbüchern
der Geschichte, so würde ich in demselben zu
meiner Erholung und
zur Unterhaltung, besonders nach beendigtem
mühevollen Tagewerke
lesen können und so 3) ohne zu große Geistes
Anstrengung und
ohne mit Benutzung jeder freien Zeit,
würde ich in
mir zu einen Schatz von Materialien kommen, der mir
einst die wesent-
lichsten Dienste leisten, und einzig nur einen
zweckmäßigen GeschichtsUnter-
richt möglich machen würde.- Damit
dieser Schatz aber nicht in
mir zu einen Chaos würde, sondern ich
vielmehr immer jedes an
seinen bestimmten Platz setzen könnte,
würde ich mir erstl. Geschichte
encyclopädisch, entweder nach
einem Compendium oder nach Tabellari-
schen Übersichten - zu
eigen machen und besonders mit der Chronologie
festsetzen mich ganz vertraut machen.
Hätte ich dieses beide vorge-
arbeitet so hoffte ich dann mit
großen Nutzen, die einzelnen Abschnitte,
die ich nach meiner
jedesmaligen besondern Neigung aus der allgem.
W. H. als Lektüre
ausheben würde, zweckmäßig benutzen zu können.
Überdieß erwartete
ich als Zugabe 4) daß die mancherlei Kupfer und
Karten einst
meinen Unterricht mehr Leben und Interesse geben
würden. Von
Eurer - Dir und Traugotts Seite schien für ihn zu seyn
daß Ihr 6)
wohl so leicht nicht in den Stand kommen würdet
sie die allgem.
W. H. benutzen zu
können, warum solltet Ihr also einen großen Wunsch
haben sie bei
Euch stehen zu haben.
Das Resultat dieser Prüfung brachte mich
daher auf den Entschluß
euch
zu"
Die A. W. H. von Euch zu kaufen,
wenn Ihr mir dieselbe abtreten wolltet.
Wo ich nicht irre
haben beide Christian und Carl, (und so auch längst schon
ich)
ihre Antheile an Euch - Dir und Traugotten abgetreten; es
käme also
nur noch darauf an, ob Ihr noch entschieden wäret sie
zu behalten; ist
dieß, gut so bleibts beim Alten; seit Ihr aber
noch nicht entschieden,
und wollt Euch auch jetzt nicht
entscheiden so will ich Euch unten noch
einen zweiten Vorschlag
thun. Jetzt will ich einstweilen annehmen ihr wäret /
[4]
entschieden sie zu verkaufen.
Wie ich mich erinnere
habt ihr sie im R. A. für 60 rth. ausgebothen. Ich
gebe euch
incl. meines Antheils 100 Rheinl. Gulden, (59 rth 1 gr. 4 d.) oder
was gleich
ist 60 rth. dafür. Glaubt mir, vieles Geld! denn in
Wahrheit, ich kann sie hier
eben so vollständig
hier jeden Augenblick für
50 Rhei[n]l. G. erhalten; allein
erstlich mögte ich gerne etwas
vom Vater haben; wobei er mir immer
recht lebhaft vor Augen
träte, 2) glaubte ich wirklich dem Vater wehe zu
thun wenn ich
eine geringere Summe dafür bieten wollte, wozu ich mich
auch in
Wahrheit nicht entschließen könnte. 3) ist ja auch mein
Antheil
dabei wo denn auch 12 rth. abgehen 4) glaubte ich daß ihr
mir erlauben
würdet den Kaufpreis gelegentlich abzutragen, doch
hoffe ich daß er
bis Michaelis künftiges Jahr ganz abgetragen
seyn würde.
Überlegt nun was Ihr thun wollt; aus den oben
angeführten Gründen
wäre es mir dann, wenn ihr meinem Gesuche
beystimmtet, lieb, wenn ich
die Bücher mit D. Luthers Werken und
noch vor dem Winter erhielte.
Solltet ihr
sie aber - Du und Traugott, sie gerne
als Eigenthum behalten wollen
so habe ich einen anderen
Vorschlag: wie wäre es dann, wenn ihr mir
sie auf einige Jahre
lehntet, wenn ich sie benutzt hätte gäbe ich sie Euch
dann
zurück?
Doch entscheidet Euch wofür ihr wollt, und gebt mir,
wenn es nöthig ist
von Eurem Entschlusse Nachricht,
und Du sey so gut und theile mir
Deine
Meinung über meinen Plan die allgem. W. H. für mich zu
benutzen mit, dieß
wird mir außerordentlich lieb seyn.
Der Schwager in Kochberg ist böse darüber, daß ich Ihm nicht die
Verän-
derung meiner Lage voriges Jahr bekannt gemacht habe, in
dem er mir
schreibt:
Ob sie gleich nicht, für gut gefunden haben den Plan ihres
Bestrebens uns zu entdecken, so sind wir rc.- Welches
Bestrebens?-
Doch dieß thut nichts zur Sache; in meinen
Verhältnissen in die ich bis
jetzt immer vom Schicksal gesetzt
worden bin, helfen nicht Worte, sondern
Thaten, durch Sprechen
kommt man nicht zum Ziel aber
durch die
Flamme
des Denkens und die Kraft des Handelns sagt
Pestal. zu mir in
meinem
Stammbuche, und so denke ich denn auch seit dem ich
diesen, meinen vielge-
liebten alternden Vater verlassen habe.
Gelegentlich versichere doch /
[4R]
d[en] He. Schwager,
daß
ich selbst Du erst spät von der
Veränderung meiner
Lage benachrichtigt worden wärest, und daß ich
mir ganz gewiß nicht
die Zeit genommen hätte, dieß so weitläufig
zu thun, wenn ich nicht
Deiner Hülfe und Deinen Beistand bedurft
hätte.- Sey über dieses offen-
herzige Geständniß lieber Bruder!
ja nicht böse allein es ist so, und
die Ursache daß es so ist,
kann Dir wohl nicht wehe thun.- Auch
jetzt
laß kann ich dem He. Schw. nicht
schreiben, denn ich weis [sc.: weiß] in Wahr-
heit nicht was, daß
ich noch
Hofmeister bin ist sehr wenig, daß
ich
noch gesund bin, wer zweifelt daran, wenn jemand 25 Jahr alt
ist, kurz
was ich d[em] He. ja schreiben könnte politsche
Nachrichten rc. hat kein
Interesse für mich und was ihn [sc.:
ich] wohl schreiben mögte, hat kein Interesse
für ihn. Grüße den
Schwager u. die Schwester oder lasse sie durch
den Bruder
gelegentl. Brüderlich von mir grüßen.- Doch ein Herz-
klopfen
sagt mir doch eben, daß dieß doch wohl nicht
so recht brüderlich
und die
herzliche Theilnahme des Schwagers belohnend sey: ich werde
also
bestimmt nächstens an den Schwager und die Schwester, wenn
auch nur
einige Zeilen schreiben.
An den Br.
Christian habe ich vor mehreren Tagen geschrieben,
und
ihm das für ihn interessante aus Deinem Briefe mitgetheilt,
besonders
wörtl. einen Theil dessen was Du mir von Br. Tr.
Angelegenheit ge-
schrieben hast. Ja ich habe ihn sogar
geschrieben - sey nur nicht böse
mit mir, - daß Du wegen der
Zahlungen an ihn in Verlegenheit wärest,
und daß Du noch nicht
wüßtest wenn Du ihn würdest befriedigen können.
Wir haben diesen
Sommer hier schreckliche Hitze ausgestanden; der
Baro-
meter hat immer auf 24 u. 25 Grad gestanden,
ja er soll sogar 27 u. 28
Grad gestanden haben.- Meine Knaben
waren so von der Wärme ange-
griffen, daß sie immer wie im Traume
sprachen, fast beständig schliefen u.
gar nichts thun konnten;
ich konnte daher fast in 3 Wochen keinen ordentl.
Unterricht
geben.
Allein ich war in der drückendsten
Verlegenheit von der
Welt, da die Kinder immer bei mir waren, und
ich diese Krankheit gar
nicht zu deuten wußte, in meiner Angst
hielt ich es für einen Anfall von
Verrücktheit besonders beim
Ältesten, sogar die Meinung eines sehr geschulten
Arztes, der es
für eine Wirkung der großen Hitze und des
ganz
ungewöhnl.
schnellen Wachsens des ältesten Knaben hielt,
konnte mir jene Idee nicht unter- /
[5]
drücken. Jetzt,
dem Himmel sey aufrichtigster Dank, ist alles wieder gut.-
Auf
den Wiesen in der Nähe des Gutes sind Sprünge - ich habe sie
heute
gesehen - 3 Querfinger breit und breiter ob es gleich schon
öfterer des Nachts und Morgens geregnet hat -
Die Kartoffeln
unsers des hiesigen Pächters stehen
unbeschreibl. schlecht, ich glaube
4-6 an einem Stock, u die noch
kleine.
Daß der Wein im Rheingau ganz vorzüglich gedeihet
wirst Du aus
den Zeitungen wissen, der Vater meiner Zöglinge
macht in Schirnstein ohn-
weit dem berühmten Johannisberg, eine
der vorzüglichsten Weinlesen
so wie alle Weinbergbesitzer; der
Wein selbst soll einer der allerbesten
Jahrgänge werden.
Diesen Sommer habe ich mit meinen beiden ältesten Zöglingen
eine
kleine Reise auf dem Rhein bis Bingen, in die Nähe von
Bacherach
und Wiesbaden gemacht. In Schirnstein, dem Gute d[es]
He. v. Holzhausen
und der umliegenden Gegend z.B. Johannisberg sind wir einige
Tage geblieben.- Bei Durchwanderung jener lieblichen
Gegenden,
und jener im hohen hehren erhabenen Style, bei dem Anblicke
der
überraschendsten Aussichten, wo auf einmal die schönste und
frucht-
barste Gegend wie im Nu sich vor den Augen ausbreitet, so
überrasch-
end und so erhaben ernst stimmend, daß ich mehrere
Minuten vom Erstaunen
ergriffen unbeweglich stand und dann mich
kaum halten konnte nieder zu
sinken auf meine Knie und zu beten
zu dem, der alles so herrlich geschaffen
hatte - da, da habe ich
Dich recht sehnlich zu mir gewünscht; o! es würde
für mich ein
herrliches Fest gewesen seyn, hätten jene so innigsten
Wünsche
erfüllt werden können.
Du bist nun einmal von mir
gewohnt mein geliebter Bruder, daß jeder
Brief an Dich eine Bitte
enthält; auch dieser Brief ist nicht frei davon,
ja er enthält
sogar eine sehr Bitte herzliche
Bitte, deren Erfüllung ich von Dir
gewiß erwarte.
Vor
ohngefähr einem Jahre ist die Haushaltungs Mamsell der Fr.
v.
H. die 8 Jahre bei ihr war abgegangen, weil ihr das
Hauswesen für ihr Alter
etwas zu weitläufig war. Seit jener Zeit
hat die Fr.
v. H. schon einige
Personen bei sich
gehabt um diese Stelle wieder zu besetzen, aber
sie waren in
mehrerer Hinsicht traurige Subjekte. Auch gegenwärtig /
[5R]
ist dies wieder der Fall, und die Frau von
H.
würde gerne diese Person mit
einer anderen Person vertauschen,
wenn sich hier nur eine taugliche finden
ließe; allein Du kannst
nicht glauben wie schwer es in einer großen
Stadt, wo besonders
der Luxus so herrschend ist als in Frankfurt, ist
eine überhaupt
taugliche Personen
für die dienenden Stellen, besonders aber
für diese Geschäfte zu
finden, und ich muß Dir aufrichtig gestehen daß ich schon
oft die
Fr.
v. H.- bedauert habe, wenn ich mir sie mit diesen
Personen
lebend und in Verbindung stehend gedacht habe. Vor ein
paar Tagen führte
ein seltener Zufall das Gespräch auf diesen
Gegenstand, und die Fr.
v.
H. sagte mir nur wenig
von den Betragen u. Seyn ihrer jetzigen Mamsell
und ich muß
gestehen daß ich die Nachsicht u. die Gedult der Fr. v. H,
mit
dieser Person noch länger zu leben, bewunderte. Natürlich
ent-
stand bald in mir der Wunsch, der Fr.
v. H-
eine bessere Person vorschlagen
zu können, und in demselben
Augenblick erinnerte ich mich der
Dem.
Rudolphi die
ehedessen einmal einige Zeit in Deinem Hause gelebt
hat. Freilich
kenne ich Sie nur wenig, und gerade am wenigsten
von den Seiten
auf welche hier am mehresten gesehen wird; allein
sie scheint mir
für ein solches Verhältniß hinlänglich gebildet,
zuund dabei bescheiden und ohne
Prätention zu seyn; sie schien mir ein
solches Verhältniß gehörig
zu kennen um sich in demselben mit Würde
jedoch ohne beleidigend
zu seyn zu betragen, sie schien mir zu wissen
welche Forderungen
man mit Recht in einer solchen Lage zu machen,
und, welche
Wünsche man zu unterdrücken habe, kurz sie schien
mir es zu
verstehen mit sich und andern zu seyn und um sich die
Zu-
friedenheit anderer zu erwerben - wie man es anzufangen
habe
um immer heiter und froh zu leben.
Dieß alles ging
schnell durch meinen Kopf und ich konnte mich
nicht enthalten der
Frau v. H. meine Idee, die Du errathen wirst
nebst
allen andern was ich von der Dem. R- wußte
mitzutheilen.
Die Frau v. H. bat mich hierauf, mich
doch bei Dir zu erkundigen.
1., ob die Dem. R- die
Hauswirthschaft verstehe, näml.
a.) Rechnung über Einnahmen
und Ausgaben zu führen. /
[6]
b.) Weißzeug in Ordnung
zu erhalten.
c.) Das Kochen hinlänglich verstehe, so, daß sie
eine Köchen [sc.: Köchin] unter
Aufsicht und Leitung und alles
dazu gehörige in Verschluß nehmen
könne.
d.) Domestiquen
und hauptsächlich die weibl. eine Köchin - eine Küch[en]-
eine
Haus- und eine StubenMagd zu dirigiren verstehe; und
2.) ob
die Dem. Rudolphi, wenn alles dieses der Fall wäre, wohl
in diese
Stelle annehmen könne
und würde?-
So weit, das was die Frau
v. H.- auf
meine Ideen Mittheilung
äußerte. Ich füge noch hinzu, sollte der
Gedanke mit der
D. Rud. nicht
ausführbar seyn, so
bin ich überzeugt, würdest Du der Fr.
v. H. eine[n]
sehr
angenehmen Dienst erzeigen, wenn Du ihr vielleicht eine
andere Person
die Du genau kennst, durch mich, zu dieser Stelle
empfehlen könntest.
Auch ich bitte Dich recht sehr, dieß, wenn Du
es kannst, zu thun; weil
die Frau
v. H.- genöthigt
wird, durch das Seyn ihrer jetzigen Mamsell,
viel der pflegenden
Sorge für ihre 2 jüngsten Kinder, 2 Mädchen, häus-
lichen
Geschäften auf zu opfern, die ihr, ihrem Stand und
Verhältnisse
gemäß doch zu ferne liegen. Von diesen beiden
gedachten Mädchen ist eines
6½ Jahr und das andere 8 Monate alt.
Du wirst mit mir überzeugt
seyn, daß besonders Mädchen
haupt[säch]lich blos von den Müttern erzogen
werden, und immer in
ihrem Kreise leben sollten. Ebenso wirst Du mit
mit [sc.: mir]
überzeugt seyn, daß überhaupt schon sehr frühe besonders aber
bei
Mädchen leicht viel, sehr viel verdorben werden kann, was
nach-
her zu verbessern ganz unmöglich ist. Dieß sind einige
Andeutungen
der Gründe welche mich bestimmen recht herzlich zu
wünschen, daß
der Frau
v. H.- die Verhältnisse so
günstig als nur immer möglich
wären um recht viel sich mit der
Erziehung ihrer Mädchen beschäftigen
zu können, denn nicht allein
hat die Frau
v. H. sehr viel
für Sinn für,
und Tackt und Gefühl in
der Erziehung, sondern auch einen seltenen
richtigen Verstand,
über dieß zeigt sich das jüngste Mädchen,
obgleich erst 8 Monate
alt, doch als ein Wesen von sehr
harmonischen und glücklichen
Anlagen. Du wirst
Dir aus diesen Andeutungen leicht erklären
können /
[6R]
wie ich mich mit so großem Interesse für
etwas verwenden könne, was
eigentlich außer der Sphäre meines
Wirkens liegt.- Allein bedenke,
alles bezieht sich zurück, auf
Erziehung, auf Erziehung von Mädchen -
einst Jungfrauen, durch
die vielleicht mancher Jüngling Schwung und
Interesse für ein
höheres Leben, ein ihm und der Menschheit würdiges
Leben erhält -
einst Gattinnen, die einem für das Wohl der Menschen
arbeitenden
Gatten das Leben angenehm machen sollen - einst Müttern,
den von
Gott bestimmten die ersten Erzieher der neugebornen Menschen
zu
werden.------ Bedenke dieß und was alles an dieses
sich
anschließt, kannst Du mir böse wegen meiner Bitte wegen
meinem
Wunsche seyn, kannst Du böse seyn, wenn Du mich in meinem
Berufe
als Erzieher erblickst?-
Doch ich gehe zurück.
Mit dem gegründetesten Recht kannst Du aber auch jeder fähigen
Person
die Stelle im Hause der Fr. v. H.- empfehlen,
denn sie behandelt ihre
Leute mit der strengsten Billigkeit, und
so schonend und sanft, daß ich
mich sehr oft im Stillen über ihre
Aufopferung und Gedult gewundert
habe.- So weil ich sie als
Erzieher ihrer Kinder seit 5/4 Jahren zu
erkennen Gelegenheit
gehabt habe, so ist sie mir als eine sehr vollkom-
mene Hausfrau
erschienen. Ich dächte, eine Person, die sich einmal
solchen
Geschäften hingiebt, und sich dadurch schon auf so manches
vielleicht
damit verbundene Unangenehme vorbereitet und gefaßt
gemacht haben muß
könne sich in einem solchen Verhältniß nicht
andern als wohl befinden. Wie könnte ich auch sonst auf die
Idee
kommen, der Dem. R- die ich als ein
achtungwerthes Frauenzimmer
kenne den Vorschlag zu thun hieher zu
kommen?- Dieß Vorstehend[e]
habe ich Dir besonders geschrieben
wenn Du einer andern Person den
Vorschlag thun wolltest hieher zu
gehen.
Du würdest mir einen sehr angenehmen Dienst erzeigen
und Dir ganz
bestimmt auch den Dank der Fr.
v. H.
erwerben wenn Du mir auf
die drüben ausgezeichneten Fragen, und
ehe sich weiter etwas bestimmen läßt
hauptsächlich auf Nr. 2)
antwortetest, recht bald
antwor-
tetest; ich dächte in eben dem Maße ich weitläufig dar- /
[7]
über geschrieben hätte, könntest Du kurz darüber
schreiben.
Nicht wahr mein Bruder Du antwortest mir auf meine
Fragen, so
bald als es Deine Geschäfte etwas erlauben? und sey ja
nicht böse
mit mir, daß ich Dich immer mit Bitten beschwere.
Mit der Vertheilung der Bücher bin ich ganz zufrieden,
warum
hast Du aber d[em] He. Pfarrer Fischer kein Exemplar
gegeben?- Doch
ich will keinesweges dieses Warum beantwortet
wissen, Du hattest Deine Gründe
dazu und dieß ist gut.- Dem
Bruder Christian sende jenes Exemplar
nicht; er hat mir über die
Erziehung und den Unterricht seiner Kinder
geschrieben. Ich habe
ihm schriftl. einige leitende Ideen besonders
über den
Schreibunterricht mitgetheilt. Im Ganzen befolgt er
SalzmannsSchriften und dieß
ist gut; ich mag ihn daher nicht in seinem Handeln
durch
Mittheilung anderer Unterrichts Mittel u. Methoden irre
machen
finde ich es für gut, besonders wegen dem Rechnen u. dem
Betrachten von
Gegenständen (nach Anleitung des Buchs der Mütter)
daß Christian
mit Pest. Schriften bekannter wird, so will ich mir
das Vergnügen
machen sie ihm zu senden.-
Welches Gestern fiel mir wieder die Stelle
Deines Briefes worinne
Du schreibst:
"Ich glaube, daß Du
jetzt in einer der günstigsten Lagen bist, die
Du nur für Deinen
Zweck hättest wählen können?["] - in die Augen[.]
Diese Stelle
habe ich mit dem innigsten Vergnügen gelesen, weil sie mir
Deine
uneingeschränkte Beistimmung zur Verlassung meiner
Schullehrer
Stelle zusichert, und Deine Zufriedenheit mit meinem
Handeln mir
zeigt, welches immer sehr hohen Werth für mich
hat.
Ich unterschreibe das, was Du sagst mit der
vollkommendsten Über-
zeugung. Zwar ist mir jetzt die Zeit viel
zu beschränkt die Gründe
dazu auseinanderzusetzen, ich will hier
nur anführen, daß mich mein Ver-
hältniß und Lage in jedem Moment
auffordert mit Ruhe und Kaltblütigkeit
zu handeln, welches bei
dem Seyn meiner Knaben wirklich keine kleine Auf-
gabe ist,
sondern vielmehr die ganze Kraft des Verstandes erfordert.
Ich
habe schon recht oft meinem Geschick gedankt, daß es mich in
eine
Lage versetzt hat, wo es nöthig ist mit der strengsten
Aufmerksamkeit
über mein Seyn zu wachen, und besonders mein
Gefühl streng dem Verstand zu unterwerfen. /
[7R]
Doch
eben fällt mir ein, daß ich Dir noch etwas zu schreiben habe in
Bezug
auf das was ich im Anfang und der Mitte dieses Briefes
sagte: - Ich
Den Stundenpl glaube
Du wirst den richtigen GesichtsPunkt zur Be-
urtheilung meines
Verhältnisses als Erzieher auffassen, wenn
Du Dich vielleicht
Deines Wirkens im Brackmannischen Hause erin-
nerst; so wenig
auch überhaupt Dein Verhältniß als Erzieher jener
Kinder mir
bekannt wurde, und so manches ich vielleicht auch
wieder
vergessen habe, so scheint es mir doch als wenn Deine Fr.
Brackmann
einige Ähnlichkeit, wenigstens im Effekt mit dem Vater
meiner
Zöglinge habe, insoweit nämlich bei dem verschiedenen
Stand rc
Ähnlichkeit möglich ist. Du wirst Dir manche meiner
Lagen in zieml.
Annäherung denken können, wenn Du Dich erinnerst
wie oft in jener
Lage Dir Grundsätze bestritten, wenigstens bei
deren Ausführung Dir viele
Hindernisse im Weg gelegt wurden, ob
Du gleich jene von der innern
Vor-
trefflichkeit und den bestimmt guten Effeck[t] Deines Wollen
über tief über-
zeugt
warest.-
Ich habe zwar den Stundenplan für dieses Sommerhalbe
Jahr beigelegt
allein blos um Dir einen Begriff meiner
Beschäftig[t]heit zu geben.
Du darfst ihn daher keinesweges einer
prüfenden Kritik unterwerfen,
da seine Entstehung abhängig von
dem Seyn der Kinder und
den
Verhältnissen und den Einwirkungen war, die
nur anzudeuten viel
zu weitläufig
wäre.
Jetzt noch eine kurze Bekanntmachung mit den wichtigsten
Hülf[s]mitteln welche ich besitze.
1.
Geschichte a.
Politz allgem. Weltgeschichte für die Jugend. b.
Possolts Geschichte der
Deut-
schen so wie jenes 3
Bdn. c.
Herodots Geschichte von
Max. Jacobi übersetzt
3
Bände.-
Hüblers Synchronistische
Tabellen der alten u. neuern
Geschichte
bis zum Lüneviller
Frieden, nebst dem Handbuch zu den ersten 5
Bänden.
c.
Herders Ideen der Philos. der
Geschichte 4 Bde.- Germanien u.
Europa
von
Arndt.- e.
Hegewisch Geschichte der
Grachischen Unruhen. f.
Voyage Du jeune Anacharsia 9 Vol. avec
31 planches.
2. Sprache. 1. Deutsch.- a.
Bernhardti (in Berlin)
philosophische Sprachlehre. b.
dessen
Sprachwissenschaft -
c.
de Sacy Sprachlehre übersetzt
von Vater. e.
Hein-
sius
(in Berlin) Sprachlehre.- 2. franz. Hallisches Dictionair. rc
5.
Physiologie.
Görres. 6.
Schulphilosophie.
Fichtes fast
sämmtliche Schriften -
Kant.
Krug in Königsberg. rc. /
[8]
Es würde mich zu sehr aufhalten Dir noch Schriften
über Naturge-
schichte, Naturlehre u Mathem. herzusetzen, diese
Fächer habe ich
für mein Bedürfniß hinlängl. besetzt.- Besonders
um mir
Bücherkenntniß zu erwerben bin ich in die gr. Frankfurter
Lese-
gesellschaft getreten, worinnen der größte Theil
aller wenigstens
alle die
Bedeutendsten Journale, Litteraturzeitungen, und
Zeitschriften
Deutschlands und mehrere ausländische zu finden
sind.- Ich lasse
mir die Schriften auf die ich lesen will u. kann aufs Gut
kommen.
Da mir die Zeit jetzt nicht erlaubt die Auszüge daraus,
die ich mir zu
machen wünsche selbst zu machen, so halte ich mir
jetzt wöchtenl.
3 Vormittage einen Knaben jungen Menschen der
für mich mir schreiben
muß.- Der
Beitrag zum Lesekabinet ist zwar mit Douceur
den
Sekretär 20 <rth> allein ich habe schon sehr vielen
Nutzen davon
gehabt, das ich beigetreten bin.
Noch stehe
ich mit einer der angesehensten Buchhandlungen Frkfs
in
Verbindung wo ich jedes neue und auch ältere Buch zum
Durchsehen
erhalten kann, so bald es in Frankfurt zu bekommen
ist. So
habe ich schon die von He.
v. Humboldt heraus
gegebenen Werke,-
den
Cours historique et élémentaire de
peinture ou galerie
complette du Musée Napoleon, welches
300 Copien der schönsten
Gemälte aller Meister und Schulen
enthält, und mehreres andere
erhalten. Nur schade daß mir die
Zeit mangelt so mancherley
Gelegenheit die sich mir zu meiner
Ausbildung darbiethet gehörig u zweckmäßig benutzen
zu
können.
Doch ich sehe, daß es endlich im Ernst Zeit ist an das
Ende dieses Briefes
zu denken, der unter der Feder zu einer
solchen Voluminösität ge-
wachsen ist.- Sey über den
verschiedenen Gehalt der Stücke woraus
er besteht nicht böse.
Mein Geist war eigentlich beym Niederschreiben
desselben nie in
seiner ungehinderten u. frei sich bewegenden Kraft,
vielmehr
waren häufig meine Kopfnerven so sehr gespannt, daß
die
Empfindung davon an Kopfschmerzen gränzten. Ein hohes Leben
des
Geistes und die Leichtigkeit womit er sich so gerne bewegt
wenn er fessel-
los ist spricht sich freilich nicht aus demselben
aus, dagegen aber glaube ich /
[8R]
daß Du Dir aus
demselben ein so ziemlich treues Bild meines gewöhnl.
Lebens das
ich führe daraus zusammen setzen kannst - und ist dieß
so freue
ich mich herzlich so habe ich mir einen Lieblings Wunsch
erfüllt.
Aber über allem Schreiben über mich und meine Lage
hatt[e] ich
bald vergessen Dir zu sagen daß ich mich recht innig
theilnehmend
über den guten Fortgang Deiner Obstzucht gefreut
habe. Ich danke
Dir recht sehr für die Mittheilung dieser
Nachricht. Willst Du mir aber
noch ein größeres Vergnügen
[bereiten], so gieb mir recht bald wieder Gelegenh[ei]t
Dir
wieder gefällig zu seyn. Du kennst ja den Reichthum d[es] He.
Pfarrer
Christ - alles was Du von demselben brauchen kannst u. zu
haben wünschst
laß mich, zu meiner Freude, für Dich besorgen.- Du
bist in Sorgen
wegen der Ausgaben die Du mir dadurch machst, laße
diese, sie sind unnöthig
Du hast leider so andere u größere die
ich Dir nicht zu heben - wenigstens
jetzt nicht zu heben im
Stande bin; und wenn es mir ja auch eine kleine
Aufopferung
kosten sollte, so bezahle ich ja dadurch kaum die Interessen
für
das Kapital das ich Dir schuldig bin, denn ich habe ja schon
auch manche Zeit
des Himmels Gabe mit Dir getheilt; überdieß mein
Bruder hoffe ich
ja mit der Zeit u. zwar schon nächste Ostern in
bessern ökonomischen Verhält-
nissen zu seyn, dann kann ich immer
eine kleine Summe zu meinem Vergnügen
anwenden, gieb mir also
dann immer wieder einen kleinen Auftrag
etwas für Dich zu
besorgen - dieß wird für mich das größte Vergnügen
seyn daß ich
mir machen kann. Bist Du ein Freund von sogen.
ausländischen
Gesträuche?- hast Du
Robinia pseudo
Accatia (gem. Acc.) und ist es
bei Dir nicht
zu kalt so will ich Dir Zweige von
R.
Hispida senden, um sie darauf
zu pfropfen. Dieser Baum
trägt in großen Büschen prachtvoll rosenrothe Blüthen
ähnl. den
der spanischen Wicke oder Zucker Erbse.- Kannst Du Weinfexer
brauchen?-
Blumensämerey habe ich nicht vergessen. Meine Knaben
sammeln aus
ihrem Garten - den sie durch mein großes Bitten an
den Vater dieses Jahr erhalten haben
- allerhand Kleinigkeiten
für Dich, die wenigstens schön sehen, wenn auch
an sich keinen
Werth haben.
- Hast Du keine Silhouette von Dir übrig?- Du
würdest mir eine
Gefälligkeit erzeigen, wenn Du sie mir
schicktest - Eben dieß bitte ich Br. Traug.
den ich in Wahrheit
auch recht sehr liebe. Grüße ihn u. sage ihm daß ich den
seelen-
vollsten Antheil daran nehme wenn es ihm recht wohl gehe.
Ich freue mich daß er ein Mann bei der Stadt
worden ist so etwas
ist immer in den jetzigen Zeiten sehr gut, ich rathe ihn nicht es
leicht hinzugeben. A[ugust]
Bald kann ich nicht einmal mehr
einen Gruß, einen recht herzl. Gruß an Deine Frau u. Kinder
herbringen.- Erzieht Dorchen zu einem guten Weibe!-