Kurzbiographie Prof. Dr. Dr. h.c. Ingrid Lisop

Kurzbiographie

Statt eines tabellarischen Lebenslaufes

  1. Berufsbiographischer Steckbrief

    Dipl.-Hdl. Dr. rer. pol., Dr. phil. h.c., Prof. em. für Wirtschaftspädagogik der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Fachbereich Erziehungswissenschaften.

    Forschungs- und Publikationsschwerpunkte:

    Subjektbildung im Kontext von Ökonomie, Ökologie und sozialem Wandel. Arbeitsorientierte Bildungstheorie, Didaktik und Psyschologie; Bildungspolitik; Professionalitätsforschung, speziell Führungsprofessionalität und Personalentwicklung.

    Langjährige Erfahrung in der Bildungspolitik-Beratung (u.a. Deutscher Ausschuß für das Erziehungs- und Bildungswesen sowie Enquete-Kommission "Zukünftige Bildungspolitik - Bildung 2000"). Mitbegründerin der Gesellschaft für arbeitsorientierte Forschung und Bildung e.V. Frankfurt am Main 1986; darin eingebunden eigene Beratungs- und Trainingsarbeit in der Organisationsentwicklung.

  2. Biographische Reflexionen

    Wenn ich auf mein Dreiviertel-Jahrhundert Leben in gefährlichen, turbulenten und aufregenden Zeiten zurückblicke, fühle ich mich reich und vom Schicksal begünstigt, auch wenn das, was es zu bewältigen galt, nicht immer leicht war. In einen tabellarischen Lebenslauf lässt sich das alles nicht pressen. Verfasst man ihn knapp, wird er farblos; weitet man ihn aus, dann langweilt die Chronologie, verwirrt das Hin und Her der Stationen und Sachverhalte.

    Wer berufsbiographisch Detailliertes wissen möchte, der sei auf meine dreibändige Aufsatzsammlung "Leben und Erkenntnis" (G.A.F.B.-Verlag Frankfurt am Main 2008) verwiesen. Vom sogenannten persönlichen Hintergrund sei angedeutet:

    Meine familiäre Herkunft (geboren am 10.12.1933 in Essen), aber auch die Schullaufbahn (9 Schulen zwischen Maas und Memel, Abitur 1953 in Frankfurt) schließt nationale, konfessionelle und soziale Multikulturalität ein. Ausgeprägt waren Gründer- und Unternehmertum. So nimmt es nicht Wunder, dass ich zahlreiche "Berufe" hatte bzw. habe: Berufsschullehrerin, Hochschullehrerin, Vereins- und Unternehmensgründerin, Unternehmens- und Schul- und Politikberaterin, Arbeiter- und Managementtrainerin, Verlegerin und Publizistin und nicht zuletzt aktive Großmutter vom Dienst. Zur sogenannten Gender-Seite gehörten immer Kindererziehung, Hausfrauentätigkeit, Gärtnern, Hausbau und Arbeit in Elternbeiräten sowie Förderhilfen für Kinder und Jugendliche.

    Ich war die erste Frau, die auf eine Professur für Wirtschaftspädagogik berufen wurde (1972), die in diesem Fach den einzigen Reformstudiengang etablierte, das Fach in fünf Studiengängen wählbar machte und Schwerpunkte für Führungsprofessionalität und Arbeit mit Ausbildungsbeeinträchtigten einrichtete.

    Bedingt durch die Disziplin Wirtschaftspädagogik und ihren gesellschaftlichen Kontext, aber auch generationenspezifisch habe ich in einer Männer-Domäne gearbeitet und war in vielen Gremien bzw. Konferenzen und Tagungen die einzige Frau. Als solche habe ich Förderung wie Diskriminierungen aller Art erfahren.

    Wegen meiner kritischen Sicht auf die deutsche Berufsausbildung und die sogenannte Berufsbildungstheorie, auch wegen der Entwicklung einer arbeitsorientierten Bildungstheorie und Didaktik gelte ich in der Berufs- und Wirtschaftspädagogik als Ketzerin und wissenschaftliche Grenzgängerin. Immerhin hat mir dies im Jahre 2009 die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Erziehungswissenschaften/Psychologie der Universität Siegen eingebracht.
Frankfurt, Juni 2009

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